n Schr Fefe äte an die am Strande herrschenden rts. folgt) fl. 17. d. Mis sich fürchtet n, am Nat Bottesdiens. üllt, daß a srlich in der Uhr Weih⸗ ei brennen äute, Orgel liedern un Feiern sish Erwachsenen Anregung, hlt, sondem Kleinkinder den 21. De⸗ kirche statt Advent. 8 95½ Uhr: ags 3 Uhr: der Mal⸗ rrer Becker Weihnacht der Kohlen⸗ Tage ber. m. 3 Uhr; der Lukas⸗ — Nach⸗ der Kinder er Ausfeld. mber. kein irche statt dteindruckeree Gemeindeblatt für Gießen, Sonnt. n. Weihn., onntagsgruß die evangelische Kirchengemeinde Gießen 2 den 28. Dezember 1919 8. Jahrg. Sturmfahrt. Von Heinrich Schaefer. Psalm 33, 20. Unsere Seele harret auf den Herrn. In schwerer Mühsal tut ein Aufatmen wohl, selbst wenn es nur eine kurze Atem⸗ pause ist. So rasten wir ein wenig am Ende dieses bitterbösen Jahres und über⸗ schauen noch einmal diese letzte Strecke unse⸗ rer Wanderschaft, ehe wir Blick und Schritt vorwärts richten in neues unbekanntes Land. Wie kann man dieses alten Jahres Not und Qual mit einem Wort umfassen? Es war eine Sturmfahrt ohnegleichen! Ich sehe ein altes Schiff mit den Wellen ringen, Tag um Tag, ein Schiff mit zer⸗ brochenem Mast und ohne Flagge, ein Schiff ohne Steuer und Maschinenkraft, ein Spiel⸗ ball des stoßenden Sturmes und der stür⸗ zenden Wogen. Das Schiff heißt Deutsch⸗ land. Und die auf ihm fahren, das bin ich und das bist du. Wie fuhr es einst so stolz und sicher und wurde aller Stürme und Wogen Meister! Wie brach sich an seinem Bug der schäumende Wogengang! Wie wehte seine Flagge so leuchtend und siegreich, als lache sie des Sturmes und seiner Wut! Wie war die ganze Welt voll Staunen und Achtung über solche stolze Fahrt im Welten⸗ wetter, im Völkersturm. Bis die Klippe kam und auf ihr der große Schiffbruch geschah. Als Schiffbrüchige sind wir ins Jahr 1919 hineingefahren, sind hin und her ge⸗ worfen worden und doch nicht von der Stelle gekommen. Und dazu war es Nacht über uns das ganze Jahr, schwarze Wolken hingen über den trüben Wassern. Seenot in dunkler Nacht! Die Seeleute kennen nichts, was schrecklicher ist. Alle guten Sterne waren erloschen über unsern Häup⸗ tern. Verwirrung und Unruhe, Verzweif⸗ lung und Wahnsinn trieben uns hierhin und dahin, und nirgends fand es Ruhe und Frieden, das mühselige deutsche Herz.„Nir⸗ gends Rettung, nirgends Land vor des Sturmwinds Schlägen!“ In Mühe und Qual, in Kampf und Not, in Schande und Schmach haben wir dies erste Friedensjahr vollbracht.. Heute schauen wir auf seinen Lauf zurück und sehen alles ein wenig klarer. Wir ginnen zu empfinden, daß unser Schiff samt dem weiten wogenden Meer in einer höheren Hand steht, und daß wir nie und nimmer ein Spielball der Sinnlosigkeit sein können. Die Welt ist nicht steuerlos, noch immer e⸗ sitzt der Allerhöchste im Regimente, sein Thron und seine Krone fallen in Ewigkeit nicht. Wohl brausen die Stürme noch immer um das Schiff, wohl liegt die Nacht noch immer über seinem Weg. Aber einmal legt sich auch der stärkste Sturm, einmal wird es Morgen auch nach der längsten Nacht Das Sprichwort sagt: Gott hilft dem Schiffer, aber rudern muß er! So sagen auch wir mit fester Zuversicht: Gott hilft dem schiffbrüchigen Deutschland, aber jeder, der an Deck ist, muß sein Möglichstes und Bestes dazu tun. Willst du es genauer wissen? So höre: Nicht außergewöhnliche Taten werden von dir gefordert, sondern nur Treue, Eifer und Ernst in den Dingen, die dir auch sonst obliegen. Handeln alle danach, so wird aus vielem geringen aber treuen Wirken ein mächtiges, außergewöhn⸗ liches Werk der Rettung. So gerüstet und bereitet wagen wir unverzagt aufs neue die Fahrt durch Sturm und Nacht. Gott sei mit uns und in uns auf der Sturmfahrt ducchs neue dunkle Jahr! Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 17. Eine Sturm nacht. Es war am 12. März 1876, an einem Sonntage, als in den Nachmittagsstunden der Himmel sich umdüsterte und eine höchst sonderbare Färbung annahm, so daß man auf einen ungewöhnlichen Vorgang in der Natur schließen konnte. Gegen Abend— ich war gerade auf dem Wege nach Wenzels Garten, um an einer Veranstaltung des Bürgerklubs teilzunehmen, bei der ich eine Aufführung zu leiten hatte— setzte ein heftiger Wind ein, der das bis dahin noch ruhige Himmelsgewölbe zerriß und die nun zu Haufen geballten schwarzen Wolken vor sich herjagte, so wie es in dem Liede vom braven Mann heißt:„wie wenn der Wolf die Herde scheucht!“. Die wunderbar schönen Wolkengebilde, die sich jetzt entwickelten, durch die Strahlen der untergehenden Sonne berührt, boten in magischer Beleuchtung dem Auge einen prachtvollen Anblick. Trotz des heftigen Windes, der an Stärke fortwährend zunahm, konnte die Veranstal⸗ ung der Gesellschaft vorerst einen unge⸗ störten Verlauf nehmen und die schon er⸗ wähnte Aufführung konnte glatt zu Ende geführt werden. Man achtete nicht viel auf das Brausen des Sturmes, man fühlte sich in dem geschützten Raume sicher und ver⸗ gnügte sich. Es war sogar noch ein Tanz vorgesehen, der die Festlichkeit beschließen 5c Schutzladen anzubringen und die Beruhigung harren und abzuwarten, bis der inzwischen zu einem Orkan entfachte Sturm sich wieder gelegt habe und bis man den Heimweg ohne nicht so leicht zurückschreckt, im Gegenteil sich sogar damit vertraut fühlt, wenn man schon des, das einige Jahre später vollständig abbrannte, hatte der Sturm irgendwo Zu⸗ daß der Atem ausging und die Stimme versagte. Nur in den kurzen Pausen, die in der Regel auf einen heftigen Anprall — 206— sollte. Da wurde etwa gegen zehn Uhr durch einen äußerst heftigen Windstoß ein im Garten stehender hoher Baum entwurzelt, dessen Zweige beim Niederfallen eines der Saalfenster eindrückten, so daß die Scheiben klirrend in den Saal sielen und der ein⸗ dringende Wind die Lichter zu löschen drohte. Durch diesen Zwischenfall ward die Gemüt⸗ lichkeit allerdings sehr gestört, doch gelang es moch, an dem zerbrochenen Fenster einen der Gemüter wieder herzustellen. Man hielt es nun im allgemeinen für ratsam, auszu⸗ Besorgnis antreten könne. Mich hielt je⸗ doch kein Bedenken mehr zurück, ich wollte meine Frau, die nicht mit mir gehen konnte und zu Hause geblieben war, unter keinen Umständen länger allein lassen. Hierbei möchte ich nur beiläufig bemerken, daß man vor Gefahren, die die Elemente bringen, über zwölf Jahre dem Steigerkorps einer freiwilligen Feuerwehr angehört hat. Zum Glück fand sich noch jemand, den ebenfalls eine starke Sehnsucht nach Hause zog und der das Wagestück mit mir bestehen wollte. In den schmalen Gängen des alten Gebäu⸗ gang gefunden und tobte darin mit solcher Gewalt, daß die Türe, die nach außen führte, nur mit Hilfe einiger Männer so lange offen gehalten werden konnte, bis wir glücklich durchgeschlüpft waren. Im Freien spürte man erst die volle Wucht des Orkans, der zuweilen einen solchen Druck ausübte, daß das Blut in den Adern zu erstarren schien, folgten, war man vermögend, sich etwas fortzubewegen. Ich hatte als Stütze einen kräftigen Stock, während meine Begleitung sich fest an meinen Rockschößen hielt; denn ohne einen Zusammenhalt wären wir durch den Sturm auseinander gekommen und hätten uns in der finsteren Nacht so leicht nicht wieder gefunden. Durch den Garten bot uns das viele Buschwerk noch einigen Schutz, aber der Weg vom Garteneingang am Engelbachschen Hause bis zum Neuen⸗ wegertor(jetzt die Gartenstraße genannt) lag etwas erhöht über dem zu beiden sich hinziehenden flachen Wiesen⸗ und Acker⸗ gelände. Früher gewährte ein dichter Be⸗ stand von Fichtenbäumchen, die an den Böschungen des Weges angepflanzt waren, einen sehr wirksamen Schutz gegen den Wind. Dieser Baumbestand war jedoch mit Rücksicht auf die bereits begonnene Bautätigkeit an dieser Stelle abgeholzt worden, und die sehr wenigen, zum Teil noch im Bauen begriffe⸗ nen und vereinzelt stehenden Häuser konnten den Weg. Dabei prasselten noch fortwährend Gegen 2 Uhr nachts ließ der Sturm scha dem daherbrausenden Sturmwind ein nu ganz geringes Hemmnis in den Weg legen, so daß unser weiteres Vordringen sehr er schwert war. An der Wieseckbrücke mußten wir einen längeren Halt machen; denn% oft wir diese überschreiten wollten und un noch so fest an das Geländer anklammerten stets wurden wir wieder zurückgeworfen. Ein wenig Schutz fanden wir an dem Jungschen Hause(jetzt„zum Augustiner“), das schog aufgebaut war. Dort warteten wir geduldig ab, bis wieder eine kurze Ruhepause eintrat die es uns ermöglichte, glücklich über die Brücke zu gelangen. Kaum eine Viertel stunde später wurde das halbe Dach dez Hauses, das uns Schutz gewährt hatte, durch einen Sturmwirbel samt Balken und Sparren abgehoben und bis zur Wieses geschleudert. Beim Betreten der Stadt zeigte sich die große Verheerung, die der Sturm dort an⸗ gerichtet hatte. In den Neuenbäuen wal das Straßenpflaster mit Ziegelstücken und Mauersteinen von abgewehten Schornsteinen wie übersät. Abgerissene Kandeln, zertrüm⸗ merte Gauben und Dachfenster versperrten weitere Ziegeln und Steine von den Dächern herab, vor denen man sich, so gut es eben ging, zu schützen suchte. Sonst war die Straße wie ausgestorben und kein lebende Wesen war zu erblicken, nur hie und de hinter Fenstern ein schwacher Lichtschimmg Den Weg von der Sonnenstraße bis z meinem Hause mußte ich allein zurücklegen doch kam ich glücklich und ungefährdet au Bei uns hatte der Sturm nur eine guß⸗ eiserne Schornsteinplatte abgehoben, welch mit einem Haufen Ziegelstücken zertrümmen im Hof lag. Dagegen war das schwere bil zerne Hoftor am Brückschen Hause auß de Angeln gehoben und von der Schloßgasf bis auf den Brand geschleudert worden bedeutend nach und gegen Morgen hatte 1 sich vollständig gelegt. Des anderen Tages, bei schönem ute Frühlingswetter, zog die Bevölkerung auß um die entsetzliche Zerstörung zu besice die das Unwetter in der Nacht angericht hatte. Kein Gebäude war ganz unberüt geblieben, wo man hinblickte, zeigten sh Schäden. Eine Masse Schornsteine wa heruntergefegt, die Ziegeln abgedeckt, au Atzbachschen Hause am Leihgesterner N war das ganze Dach abgeweht, das Ra haustürmchen war umgekippt und hing 1 der Spitze nach unten nur noch an einen Eisenband, mit dem es an dem Dach ke festigt war. Hunderte von Bäumen mn umgestürzt und alle Telegraphenanlagen zar stört. Die Schießhalle der Schützengesel! schaft lag glatt auf dem Boden und de Fuhrwerksverkehr auf den Landstraßen an durch umgestürzte Bäume und Telegraph stangen tagelang unterbunden. Am schlimm sten hatte der Orkan in unseren Waldungen gewüte deren Sandb nieder nach d vollstä samt quer Bucher ringer leistet. meine nomm zu zei einprä für se Junge lief er Gesich den W chen, der E Ei wetter unter Osten richter kein den at gewese daß, letzung gegan, vorder über u es fer. je wie suche. schich schicht (Wies Heldit letzten übrig geschi Phili; nd ein nur Weg legen, gen sehr er⸗ ücke mußten en; denn en und unz klammerten, worfen. Ein n Jungschen „ das schon wir geduldig ause eintrat, ich über die ine Viertel e Dach dez hatte, durch zalken und zur Wieset igte sich dit em dort au⸗ nbäuen war lstücken und schornsteinen In, zertrün⸗ verspertteg fortwährend den Dächer gut es eben ist war die ein lebende hie und de chtschimma aße bis zu zurücklegen, efährdet an r eine guß⸗ oben, welche zertrümmen schwere hö use auß den Schloßgass ert worden Sturm schn gen hatte er tem ruhige kerung auß, besichtigen angerichtet z unberühst zeigten sic isteine wa gedeckt, an terner W „das Na id hing m h an einen n Dach be men waren anlagen hützengesell en und du straßen wal elegraphel⸗ lm schlimm⸗ Waldungen suche. — 207 gewütet, die Berichte darüber lauteten trost⸗ os, ganze Strecken waren niedergelegt und der Schaden war unermeßlich. Im Philo⸗ sophenwalde waren ganze Lichtungen ent⸗ standen, fast alle hohen Föhren und Kiefern, deren flaches Wurzelwerk in dem leichten Sandboden keinen festen Halt hatte, waren niedergerissen, besonders die südliche Ecke, nach dem Trieb und der Liebigshöhe zu, war vollständig abrasiert. Die Baumstämme mit samt ihren Wurzelstöcken lagen kreuz und quer durcheinander. In den Eichen⸗ und Buchenbeständen war der Schaden viel ge⸗ ringer, diese hatten besseren Widerstand ge⸗ leistet. Nach dem Philosophenwalde hatte ich meinen kleinen fünfjährigen Neffen mitge⸗ nommen, um ihm das Bild der Zerstörung zu zeigen, damit er es seinem Gedächtnis einpräge und damit es ihm eine Erinnerung für sein Leben bleiben sollte. Als ich den Jungen wieder nach Hause gebracht hatte. lief er seiner Mutter mit ganz betrübtem Gesicht in die Arme und begrüßte sie mit den Worten:„Denk einmal an, lieb Mutter⸗ chen, der ganze Philosophenwald liegt auf der Erd.“ Ein Glück war es, daß bei dem Un⸗ wetter, welches in der sturmbewegten Nacht unter Blitzen aus westlicher Richtung nach Osten zog und nach den eingegangenen Be⸗ richten eine große Ausdehnung gehabt hatte, kein Regen gefallen ist, sonst wäre der Scha⸗ den an den Gebäuden noch viel bedeutender gewesen. Das größte Glück war es aber, daß, abgesehen von ungefährlichen Ver⸗ letzungen, kein Menschenleben dabei zugrunde gegangen ist. Ein Sturm gleich diesem war vordem seit Menschengedenken noch nicht über unsere Stadt hereingebrochen, und möge 1 es fernerhin der liebe Himmel verhüten, daß je wieder ein solcher unsere Gegend heim⸗ Heinrich Hochstätter sen. Erwin Gros. Von Dr. Karl Esselborn. (Schluß.) Die glücklichen Umstände der Entstehnug der Erzählung von der letzten Nonne ließen ein kleines Meisterwerk zustande kommen. Die Erzählung behandelt die eschichte des in der Reformationszeit in ein adeliges Frauenstift umgewandelten Klosters Wals⸗ dorf bei Idstein zur Zeit des Dreißigjähri⸗ gen Krieges, der den Untergang des Klosters herbeiführte. Den geschichtlichen Rahmen fand Gros in der von seinem väterlichen Freunde Adolf Deißmann bearbeiteten„Ge⸗ schichte des Benediktinerklosters Walsdorf“ Wiesbaden 1863) vor. Die Geschichte der Heldin, der Ottilie von Flörsheim, der letzten Nonne, ist dichterisch ausgeschmückt durch die Geschichte ihrer Liebe zu Konrad Selgen, der, wie sein Vater, der Schultheis Selgen, eine frei erfundene Gestalt ist. Die übrigen Personen dagegen sind durchweg geschichtlich, vor allem der prächtige Pfarrer Philipp Fell, von dem die Geschichtsquellen mit dem Jahre 1630 an vollständig schweigen. 5 Im Gegensatz zu diesem Werk brauchte, wie schon erwähnt, der zuerst im„Reichs⸗ boten“ und dann im Dranienverlag in Buchsorm erschienene„Bauernpfarrer“ mehrere Jahre zum Ausreifen. Der Schau⸗ platz der Erzählung ist das im Jahre 1866 an Preußen abgetretene hessische Hinterland. Unter der Gemeinde des Bauernpfarrers, Frondorf, darf man sich, wie ebenfalls be⸗ reits gesagt, Frohnhausen vorstellen, das benachbarte Biedenberg(S. 99) ist Bieden⸗ kopf, das einmal genannte Frankenstein (S. 56) Frankenberg. Der junge Pfarrer Erich Hildwein, ein Stadtkind, hat in Fron⸗ dorf seine erste Anstellung gefunden und kann anfangs keine rechte Fühlung zu seiner ländlichen Umgebung finden. Zweifel an der richtigen Wahl seines Berufes steigen in ihm auf. Er erlebt schwere Geschicke einzelner Glieder seiner Gemeinde: die Tren⸗ nung zweier Liebenden durch einen schein⸗ heiligen habsüchtigen Vater und den da⸗ durch mittelbar veranlaßten Tod beider, aber auch an sich selber: den Tod seiner Braut. Er lernt treffliche bäuerliche Cha⸗ raktere kennen, wie sie beispielswweise in seinem Kirchendiener, dem Daniel Hollen⸗ steiner, und vor allem in dem einer Huge⸗ nottenfamilie entstammendenk) Jehu Varel verkörpert werden, und schließlich ringt er sich zu der Erkenntnis durch, daß er Pfarrer werden wolle(S. 468), und abgetan ist seine frühere Meinung,„man müsse vom Lande stammen, um als Landpfarrer sich wohl zu fühlen und wirken zu können(S. 371). So wird dem aus der Welt der Kultur in die Welt der Natur Versetzten diese„die rechte Hochschule“(S. 45). Erich Hildwein, der Bauernpfarrer, trägt, wenn er auch eine dichterisch frei erfundene Persönlichkeit ist, viele Züge des Verfassers an sich. Dahin gehören beispiels⸗ weise seine musikalische Begabung, seine Ab⸗ sicht, Geschichte und Literatur zu studieren (S. 451) usw. Wenn ihm die Braut einmal sagt:„Wenn ich Pfarrer wäre, so würde ich mir am Sonntag irgendeinen Menschen, der mir in der Woche nahegekommen wäre, in Gedanken vornehmen und bei mir be⸗ schließen, dem willst du durch die Predigt den Weg leichter, das Leben wichtiger, Gott und die Menschen liebenswerter machen“ (S. 212), wenn der Vater der Braut die wichtige Wahrheit ausspricht:„Der Theo⸗ loge in uns darf den Menschen nicht über⸗ wuchern, sonst legen wir leicht an das *) Wie auf S. 18 erzählt ist, sollen seine Voreltern aus Nordfrankreich stammen und der Landgraf von Hessen seinen um des Glaubens willen die Heimat verlassenden Ellervater eine Försterstele verliehen haben. Das stimmt freilich nicht für Hessen⸗Darm⸗ stadt, wo der Landgraf Ernst Ludwig sein Land nur den Waldensern öffnete. d 5 r — 208— Denken, Fühlen und Wollen der Menschen einen falschen Maßstab an“(S. 228) oder ihm gegenüber hervorhebt:„Wer unser Volk leiten will, muß ein Volkskundiger sein, Volkspsychologie sollte der erste Gegenstand sein, den wir auf der Hochschule treiben müßten“(S. 70)— so sind das Erfah⸗ rungen, die Gros an sich selbst erlebt hat. Gros hat die Seele des Bauern fein be⸗ obachtet und viele seiner Beobachtungen in dem Buche niedergelegt:„Ungerecht ist die Stadt dem Bauer gegenüber. Da er in ihrer Welt nicht daheim ist, nennt sie ihn „dummer Bauer“(S. 410).„Unsere Volks⸗ schulen sind doch keine andern in der Stadt und auf dem Dorfe. Die Vorbildung ist also hier wie dort dieselbe. Das allerdings ist der Unterschied, daß Städter und Dörfler von Jugend an in verschiedener Anschauung leben, die Städter in der Welt der Kultur, die das Werk der Menschen ist, der Dörfler in der Welt der Natur, die Gott geschaffen hat. Da die Anschauung aber die größte Lehrmeisterin ist, so muß die Bildung— die ganze innere Art— in Stadt und Land ganz verschieden sein“(S. 110).„Der rechte Bauer ist ungemein keusch in seinem inneren Leben. Darin ist er der urdeutsche Mensch. Das ist ein Stück seines natürlichen Adels, daß er es nicht fertig bringt, seine Gefühle wie sein Linnen auf dem Gemeindebleich⸗ platz auszubreiten“(S. 178 f.). Um die Reihe von Gros' Schriften voll⸗ ständig zu machen, seien noch genannt das im Stiftungsverlag Potsdam im Jahre 1913 erschienene kleine Büchlein„Theodor Kör⸗ ner, der Säuger und Held“, sowie der in Verbindung mit Christian Römer, Paul von Wurster u. a. dargebotene Ostergruß ins Feld:„Ich weiß, daß mein Er⸗ Ib ser lebt.“ Mit der pfarramtlichen und schriftstelle⸗ rischen Tätigkeit ist, oder richtiger, war bisher sein Wirkungskreis noch nicht er⸗ schöpft. Seit dem Jahre 1902 hatte Gros noch ein drittes Feld seiner Betätigung, indem er zehn bis fünfzehn Knaben in seinem Hause unterrichtete und erzog. Es war, wie er sich selbst einmal ausdrückte, eine Fohlenweide für stadtmüde Knaben, die durch vernünftige hygienische und päda⸗ gogische Behandlung wieder kräftig werden sollten. Durch individuelle Behandlung, durch Gewinnung der Liebe und des Ver⸗ trauens seiner Zöglinge versuchte er,„dem Knaben das Lernen zur Lust, die Pflicht⸗ erfüllung zu etwas Selbstverständlichem zu machen“. Dabei hatte er viele und gute Ersolge aufzuweisen, und eine nicht uner⸗ hebliche Anzahl seiner ehemaligen Schüler blickt in dankbarer Erinnerung an die Zeit in dem alten Escher Pfarrhaus mit seinem b Garten und seinen Bienenstöcken zurüt Im Herbst 1919 endete Gros! Amts⸗ zeit in Esch, in deren letztes Viertel das große Erleben des Weltkrieges fällt. Auch an persönlichem Erleben, freudigem wie traurigem, war diese Spanne Zeit reich: die Feier seiner silbernen Hochzeit im Kreise seiner sieben Kinder, die Verlobung seiner beiden ältesten Töchter und die Hochzeit der älteren, die Geburt des ersten Enkels und der Tod der drittältesten Tochter. Dann kam nach dem unglücklichen Kriegsausgang die Besetzung der Gemeinde durch die Fran⸗ zosen. Diese war dem für Deutschlands Stärke und Größe begeisterten und durch und durch deutsch fühlenden und jedem schwächlichen Kosmoplitismus und Pazifis⸗ mus abholden Manne so qualvoll, daß sie ihn dazu bestimmte, seine Gemeinde gegen eine andere zu vertauschen, wo dieses lebende Sinnbild des Schmachfriedens fehlte. Auf seinen Wunsch wurde er nach der ehemals hessen⸗homburgischen Gemeinde e bei Homburg versetzt und trat am 1. Ok⸗ tober 1919 seinen dortigen Dienst 15 Die vielseitige Tätigkeit, die Gros als Pfarrer, Erzieher und Schriftsteller in Esch entfaltet hatte, war nur dadurch ermög⸗ licht worden, daß er ein wirklicher Lebens⸗ künstler ist, der es versteht, seine Zeit ein⸗ zuteilen und auszunützen, und sich dabei eine„kraftvolle Lebensfreudigkeit zu be⸗ wahren, die das Leben bejaht, auch wenn's einmal quer geht“. Wie er selbst, so sind auch die Gestalten, die er schildert, kern⸗ gesunde, kraftvolle Naturen. Was er schreibt, ist nicht für den Augenblick ge⸗ schrieben, nicht an eine eng begrenzte Zeit der Mode gebunden. Erwin Gros ist einer der besten jetzt lebenden deutschen Volks⸗ schriftsteller. Es ist zu hoffen und zu wün⸗ schen, daß seine Werke sich in immer wei⸗ teren Kreisen des Volkes einbürgern, und daß gerade in einer Zeit wie der gegen⸗ wärtigen, wo das deutsche Volk von einer schweren Seelenkrankheit ergriffen ist und 1 sein Deutschtum, zu verlieren roht. Kirchliche Anzeigen. Sonntag nach Weihnachten, 28. Dez. In der Johanneskirche. Vorm: 9/ Uhr: Pfarrer Ausfeld.— Nachm. 5 Uhr: Pfarr⸗ assistent Schäfer. In der Stadtkirche fällt der Gottesdienst wegen Kohlenersparnis aus. Silvester, 31. Dez. In der Stadtkirche. Abends 6 Uhr: Pfar⸗ rer Mahr. In der Johanneskirche. Abends 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Neujahr, 1. Januar 1920. In der Stadtkirche. Vormittags 9 Uhr: Pfarr. Becker.— Abds. 5 Uhr: Pfarr. Mahr In der Johanneskirche. Vorm. 9 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerel RN. Lange, Gießen. Ge Ur. Psal Vi deut Fam 7400 Aus! Sie Schi Uebe frei, Luft Jen Zuki die bare geda auf Gott hafe Nich tung Besi sind U dem liche am Red hän, und eine flog find das mei Kla, und Vie vert mut vers er 1 ist 0 glai lasse sich Vol schr dun