enberg. rbeit. Es ast hin⸗ doch still und doch sich das sam und nen. hander. te Weile, ister und e Christen isposition ommel. schickt, sagen. „ rzagen, hmerz igen, will, Gott, ffen, Not, „ riedrich, i 1888. rinitatis. 38 8 Uhr, onfirmier⸗ Pfarrer : Pfarr⸗ 11 Uhr: gemeinde: 8 8 Uhr, onfirmier⸗ rer Bech⸗ ½ Uhr: 11 Uhr: : Pfarrer traße 50. tengottes⸗ — 1 teindrucherel daß man onntags gruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 30 Gießen, I5. Sonnt. n. Trinitatis, den 28. Septbr. 1919 8. Jahrgang Der„deutsche“ Gott. Brief des Apostels Paulus an die Römer 3, 29. Oder ist Gott allein der Juden Gott? Ist er nicht auch der Heiden Gott? Ja freilich, auch der Heiden Gott. Als Paulus seine Missionsarbeit begann, da hatte er schwere Widerstände zu über⸗ winden. Er wandte sich mit seiner Predigt hauptsächlich an die Heiden. Das war den Christen, die aus dem Judentum hervor⸗ gegangen waren, zunächst widersinnig und anstößig. Viele von ihnen waren der Mei⸗ nung, daß nur das Volk Israel zum wahren Heile berufen sei und daß Gott nur der Juden Gott sei. Es war eine weltgeschicht⸗ liche Tat, als Paulus diese Anschauung überwand und in zwei Erdteilen mannhaft die Ueberzeugung vertrat, daß nach Gottes Willen auch die Heiden am Reiche Gottes Anteil nehmen sollten. Im Briefe an die Römer hat er diesen seinen Standpunkt scharf und klar, in kurzer, eindrucksvoller Form in die Worte gefaßt: Oder ist Gott allein der Juden Gott? Ist er nicht auch der Heiden Gott? Ja freilich, auch der Heiden Gott. Man hört jetzt mitunter von einem„deut⸗ schen“ Gotte reden. Soweit diese Reden auf wirklichen Gedanken und nicht auf phantasti⸗ schem Ueberschwang beruhen, scheint dar⸗ unter verstanden zu sein, daß die Religion der Deutschen in der Gegenwart lediglich germanische Art an sich tragen solle. Man kann es nun als einen groben Irrwahn be⸗ zeichnen, wenn man sogenannte„jüdische“ Elemente aus dem Glaubensleben der Deut⸗ schen entfernen will. Das jüdische Volk in alter Zeit ist und bleibt das Volk Gottes, aus ihm sollte nach Gottes Ratschluß der Messias hervorgehen. Ragen andere Völker des Altertums hervor durch ihre Staats⸗ kunst, ihre Kriegführung, durch Dichtung, bildende Kunst oder Handel, so ist das jüdische Volk hervorragend durch sein Glau⸗ bensleben. Jüdische Elemente aus unserem Glauben auszuschalten, das hieße, die herr⸗ lichen Psalmen, die kraftvollen Bücher der Propheten und die gedankenreiche Spruch⸗ weisheit des Alten Testamentes für minder⸗ wertig erklären. Diese Bücher werden der Menschheit vermutlich länger erhalten blei⸗ ben als das Nibelungenlied und andere deutsche Heldengedichte. Ein wahrlich deutsch⸗ gesinnter Mann, der Hallenser Professor Heinrich Leo, hat einst von den Psalmen gesagt:„Das Herrlichste, was die deutsche, gerade im geistlichen Lied so gesegnete Dicht⸗ kunst hat, ist doch nur ein schwaches Nach⸗ bild, und Lieder wie der 73., der 103., der 139. Psalm und so viele andere werden die Herzen erheben und die Menschen zu Gott führen, wenn längst die schönsten Dich⸗ tungen Griechenlands dem Strome der Ver⸗ gessenheit anheimgegeben sein werden. Denn diese werden gelesen und ihr Verständnis wird gepflegt nur in glücklichen Zeiten; jene aber sind in unwandelbarer Schönheit dem edleren Menschen nahe und wert in allen Zeiten und in Unglück, Trübsal und umgebender Barbarei am wertesten.“ Ohne das Alte Testament wäre uns das Neue Testament ganz unerklärlich. Weissagung und Erfüllung, alter und neuer Bund, Gesetz und Evangelium gehören so haben wir schon in früher Jugend gelernt— zu⸗ einander wie die Blüte und die Frucht. Die, die von einer„deutschen“ Religion, von einem„deutschen“ Gotte sprechen, wollen gern die altgermanische Götterlehre wieder aufleben lassen. Zweifellos ist diese Götterlehre voll von Poesie, voll von kraft⸗ voller Eigenart, ihre Wurzeln gehen tief zurück bis in den Anfang der Menschheits⸗ geschichte, aber sie offenbart uns doch nur eine natürliche Religion. Die Erde und ihre Kräfte werden uns hier in wunder⸗ baren Bildern dargestellt. Nicht jedoch ist diese Götterlehre geeignet, dem schuldbewuß⸗ ten Gewissen die Vergebung der Sünden zu geben den vom Leid gebeugten Menschen mit Trost zu erfüllen und ihn selig zu machen. Das vermag nur die Verkündigung von Christus, der die Menschen mit Gott versöhnt und ihnen die vollkommene Ver⸗ gebung gebracht hat. Auch gibt dem Wollen und Tun des Menschen die altgermanische Mythologie wenig Antriebe. Auch hier ge⸗ nügt nur die christliche Religion den inner⸗ sten Bedürfnissen. Wir brauchen aber auch schon deshalb uns nicht nach einer deutschen Religion zu sehnen, weil das Christentum tief in das Leben der Deutschen eingedrungen und mit deutschem Wesen unabtrennbar verbunden ist. War je ein Mann ein so kernhaft deut⸗ scher Mann wie Martin Luther, der doch das Christentum in ganz eigenartiger Weise erfaßt hat? Darum wollen wir nicht von einem„deutschen“ Gott reden. Man kann ein Wort des großen Heidengapostels er⸗ weitern, indem man sagt: Es ist hier kein Unterschied unter Juden, Griechen(und Deutschen), er ist aller zumal ein 8 58 über alle, die ihn anrufen. 5 9 1 1 14 Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 15. Eine Gießener Scharfrichters⸗ familie. Scharfrichter in dem Sinne, daß diese Männer nur ihr trauriges Gewerbe be⸗ trieben, also nichts taten, als daß sie Ver⸗ brecher vom Leben zum Tode brachten, gibt es heute nicht mehr. Die Leute, welche in Aus⸗ übung der Rechtspflege Hinrichtungen voll⸗ ziehen, tun das nur im Nebenamte. So war der in den letzten Jahrzehnten oft genannte Scharfrichter Reindel irgendwo in der Pro⸗ vinz Sachsen Landwirt. In alten Tagen gab es jedoch Berufsscharfrichter, vielfach auch„Nachrichter“ genannt. Das mag da⸗ mit zusammengehangen haben, daß früher viel mehr Hinrichtungen vollzogen wur⸗ den als in der neueren Zeit, aber auch damit, daß der Scharfrichter zugleich auch Wasenmeister war, der das zu Grunde ge⸗ gangene Vieh enthäutete und auf dem Schindanger begrub. Statt„Wasenmeister“ sagte man vielfach und sagt man auch heute moch„Schinder“. Der berüchtigte Räuber Johannes Bückler(177841803), den die französische Regierung in Mainz hinrichten ließ, wurde bekanntlich„der Schinder⸗ hannes“ genannt, er hatte seinen Namen daher, daß er als Knabe Lehrling bei einem Wasenmeister war. Dieser Lehrstelle entlief er aber bald und begab sich an das Räubern. In alten Tagen hat auch die Stadt Gießen einen Berufsscharfrichter gehabt, und zwar scheint dieses Amt öfters längere Zeit hindurch bei derselben Familie geblieben zu sein und vom Vater auf den Sohn ver⸗ erbt zu haben. Mehrfach taucht im 18. und im 19. Jahrhundert in unseren Kirchen⸗ büchern die Scharfrichtersfamilie Nord, auch North geschrieben, auf. Am Januar 1765 wurde nach unserm Sterbeprotokoll zu Grabe gebracht„Johann Jacob Nord, Scharfrichter Adjunct allhier, alt 31 Jahre 9 Monat“. Das Kirchenbuch verzeichnet weiter:„Er wurde von Fuhrleuten ge⸗ tragen und aus allen Zünften gingen nebst den Peinl. Gericht Herren Beamten Bür⸗ gern und etliche Schöffen und Mitglieder des 16er Raths etliche mit zur Leichen.“ Es war dies somit ein Begräbnis mit hohen Ehren. Bekanntlich galten die Scharfrichter früher als„unehrlich“, man mied ihren Umgang, der Aberglaube meinte, daß sie im Besitze geheimnisvoll, übernatürlich wirkender Mit⸗ tel seien. So viel ich weiß, hatten sie in der Kirche ihren gesonderten Sitz. In einem alten Gießener Kommunikantenregister, das ich augenblicklich nicht finden kann, glaube ich gelesen zu haben, daß der Scharfrichter Nord auch gesondert von den anderen Christen zum heiligen Abendmahl ging. Offenbar wollte man durch die Anteilnahme angesehener Bürger und Beamten an dem Leichenbegängnis dartun, daß der Verstor⸗ bene ein„ehrlicher“ Mann gewesen sei. Im — 154— Jahre 1771 starb ein außerehelich geborenes Kind der Witwe des Genannten, sie wird in dem Kirchenbuche bezeichnet als„Maria Elisabethe Nordtin, weiland Johann Jacob Nordts gewesenen Scharfrichters allhier hinterlassene Wittib.“ Es fällt auf, daß hier Nord als Scharfrichter, in dem schon mit⸗ geteilten Sterbeprotokoll aber als Scharf⸗ richter⸗Adjunkt bezeichnet wird. Diese letztere Bezeichnung läßt vermuten, daß es damals in Gießen zwei Männer gab, die Hinrich⸗ tungen vollzogen. Johann Jacob Nord muß im Jahre 1733 geboren sein, sein Taufeintrag findet sich in unserem Taufbuche nicht, mithin war dieser Mann auswärts geboren und ist hier ein⸗ gewandert. Als Vater des erwähnten Kin⸗ des der Wittib Nord wird Peter Nord aus Bobenhausen genannt. Somit ist anzuneh⸗ men, daß die Familie aus Bobenhausen stammte. Ein Eintrag, den wir in einem Sterbeprotokolle des Jahres 1778 finden, bestätigt diese Vermutung. Am 8. Februar 1778 wurde nämlich beerdigt„Anna Bar⸗ bara Nordin, weiland Jacob Nords, ge⸗ wesenen Wasenmeisters allhier hinterlassene Wittib, gebürtig aus Bobenhausen im Hanauischen, ihres Alters 86 Jahr, wurde in der Stille beerdigt“. Nach diesen Notizen stammte die Familie Nord aus dem jetzt hessischen Dorfe Bobenhausen J(so genannt im Unterschiede von dem im Kreise Schot⸗ ten liegenden Dorfe Bobenhausen II). Bo⸗ benhausen J gehörte zu dem hanau⸗münzen⸗ bergischen Amte Rodheim und kam mit, anderen hanau⸗münzenbergischen Gebiets⸗ teilen 1810 an das Großherzogtum Hessen. Offenbar war diese in so hohem Alter ver⸗ storbene Frau die Mutter des 1765 ver⸗ storbenen Jacob Nord; ihr Ehemann Jacob Nord war, wie der mitgeteilte Eintrag dar⸗ tut, hier Wasenmeister. Ob er auch Scharf⸗ richter war, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen. Vermutlich hat er auch Hinrichtungen vollzogen, und so könnte der oben erwähnte Widerspruch dadurch aufgeklärt werden, daß sein Sohn sein Adjunkt war. Jedenfalls ist dieser Jacob Nord der ältere nicht in Gießen gestorben. Die„Wittib“ Nord verheiratete sich am N 0 23. September 1772 zum zweitenmal. In Kopulationsbuche wird diese Eheschließung mit den Worten vermerkt:„Andreas Ster⸗ ner, Wasenknecht allhier, weiland Hans Georg Sterners, Scharfrichters zu Uffen⸗ heim im Anspachischen, ehelicher Sohn, und Marie Elisabethe weiland Johann Jacob Nordt, gewesenen Scharfrichters allhier hin⸗ terlassene Wittib, geborene Mayerin.“ Hier⸗ aus geht hervor, daß, was wir nachher noch bestätigt finden, die Scharfrichters⸗ und Wasenmeistersfamilien einen festgeschlossenen Kreis bildeten. Die Töchter heirateten Män⸗ ner, die den Beruf des Vaters ausübten, und die Söhne ergriffen gleichfalls diesen Beruf. Statt her ne heißen Zwe den u. 1787 Schar Nords terlass Johan allhien 1790 nes 9 Johan ters a Catha wohne Hoher und z in Gi am 2 Katha Schar traut. der geborenes e wird in „Maria in Jacob allhier daß hier chon mit⸗ Scharf⸗ de letztere 8 damals Hinrich⸗ ahre 1733 et sich in bar dieser hier ein⸗ ten Kin⸗ Nord aus anzuneh⸗ benhausen in einem 8 finden, Februar una Bar⸗ ords, ge⸗ iterlassene usen im hr, wurde n Notizen dem jetzt genannt ise Schot⸗ II). Bo⸗ ⸗münzen⸗ kam mit Gebiets⸗ im Hessen. Alter ver⸗ 765 ver⸗ nn Jacob itrag dar⸗ h Scharf⸗ Sicherheit richtungen erwähnte rden, daß enfalls ist in Gießen e sich am mal. Im schließung eas Ster⸗ ind Hans zu Uffen⸗ Sohn, und un Jacob llhier hin⸗ in.“ Hier⸗ ichher noch ters⸗ und schlossenen ten Män⸗ übten, und sen Beruf. 1 1 Statt„Mayerin“ muß es hier, wie wir nach⸗ her noch nachweisen werden,„Steinmeyerin“ heißen. Zwei Söhne Johann Jacob Nords wur⸗ den nach Holland verschlagen. Am 16. Juni 1787 wurden hier getraut„Jacob Nord, Scharfrichter in Arnheim, weiland Jacob Nords, gewesenen Scharfrichters allhier hin⸗ terlassener ehelicher Sohn und Anna Maria, Johann Ockels, Bürgers und Weißgerbers allhier eheliche Tochter.“ Am 24. Oktober 1790 traten in den Stand der Ehe„Johan⸗ nes Nord, Scharfrichter zu Utrecht, weiland Johann Jacob Nords gewesenen Scharfrich⸗ ters allhier hinterlassener ehelicher Sohn und Catharina, Johann Adam Wallbruch, Ein⸗ wohners zu Berghausen in der Grafschaft Hohensolms, eheliche Tochter.“ Der dritte und jüngste Sohn, Peter mit Namen, blieb in Gießen und war Scharfrichter, er wurde am 28. Juli 1793 in Frankfurt a. M. mit Katharina North, Tochter des dortigen Scharfrichters Johann Philipp North, ge⸗ traut. Vielleicht ist der Schwiegervater auch der Onkel des jungen Mannes gewesen. Peter Nord starb schon 1800 im Alter von 37 Jahren. Sein Sohn Philipp wurde gleichfalls Gie⸗ ßener Scharfrichter, so daß dieser Beruf durch drei Generationen hindurch bei derselben Familie geblieben ist. Philipp Nord verhei⸗ ratete sich im Jahre 1818 mit„Jungfer Eli⸗ sabetha, Herrn Philipp Braubach, Landwehr⸗ Hauptmanns zu Butzbach Tochter“. Hier überrascht sehr, daß der Scharfrichter ein junges Mädchen„von Stande“ heiratet. Philipp Braubach war kein aktiver Offizier, die hessische Landwehr, die im Jahre 1819 wieder aufgelöst wurde, bestand aus Frei⸗ willigen und war mehr eine Art Bürger⸗ wehr. Immerhin war Braubach sicherlich ein angesehener Bürger, man muß sich deshalb wundern, daß seine Tochter sich mit einem Scharfrichter, den man damals allgemein mied, ehelich verband. Auffallend ist auch, daß bei der Trauung zwei Stu⸗ denten der Theologie Zeugen waren. Waren so Vater, Sohn und Enkelsohn Scharfrichter, so hat der Urenkelsohn an diesem traurigen und gewalttätigen Gewerbe kein Gefallen gehabt und sich einen sehr friedlichen Beruf erwählt, er wurde näm⸗ lich Schneider. Dieser Nachkomme des alten Scharfrichtergeschlechtes hieß Friedrich Christian Johann Joseph, er starb als Ge⸗ selle, 25 Jahre alt, im Jahre 1848. Augen⸗ scheinlich war er hier in Gießen der letzte des Stammes, nach dem genannten Jahre taucht der Name Nord in unseren Kirchen⸗ büchern nicht mehr auf. Unsere Behauptung, daß bei den Scharf richtersfamilien der Beruf vom Vater auf den Sohn vererbte und daß auch die Töch⸗ ter zumeist wieder Scharfrichter oder Wasen⸗ — 155— Jahre 1753 am 17. Mai wurden mitein⸗ ander ehelich verbunden„Johann Jacob Nord, Johann Jacob Norden, Nachrichter allhier ehel. Sohn und Maria Elisabetha Steinmeyerin, weyland Johann Stephan Steinmeyers gewes. Nachrichters in Braun⸗ fels nachgel. Tochter. Sind auf spezialen Befehl des Hochfürstl. Consistorii copuliert worden.“ Dieser Johann Jakob Nord ist der im Eingange dieses Artikels erwähnte, im Jahre 1765 verstorbene Scharfrichter, der erste der Familie, der hier wohnte. Seine Frau stammte auch aus einer Scharfrichters⸗ familie. Die Steinmeyer sind aber bis in die neueste Zeit hinein hier Wasenmeister gewesen. Die im Jahre 1916 verstorbene Witwe des bekannten, originellen und in der Wolkengasse wohnhaften Wasenmeisters Johannes Bender war eine geborene Stein⸗ meyer. H. B. Uleine Mitteilungen. Die starke Erregung weitester Kreise des Volkes darüber, daß zwar die noch nicht zer⸗ schlagenen Kirchenglocken den Kirchengemein⸗ den zurückgegeben werden konnten, daß aber das zerschlagene Glockengut in die Hände von Schiebern zu geraten drohe, statt daß es den Kirchgemeinden zum Enteignungs⸗ preise zurückgegeben werde, hat, wie man uns schreibt, u. a. die letzte Tagung der sächsischen Landessynode beschäftigt. Auf ihren einstimmigen Antrag hat das sächsische Kirchenglockenmaterial möglichst in seinem Nationalversammlung mit der Bitte ge⸗ wandt, daß das zur Zeit noch erfaßbare Kirchenglockenmaterial möglichst in seinem vollen Umfange den Kirchgemeinden— und zwar zum gezahlten Abnahmepreise wieder zugängig gemacht werde. Die Ein⸗ gabe wurde von Abgeordneten verschiedener Parteien unterstützt. Im Anschluß an die durch sie geführten Verhandlungen hat sich jetzt das Reichsschatzministerium ausführ⸗ lich zu der Frage geäußert. Wie weit zer⸗ schlagenes Glockengut noch vorhanden ist, geht daraus nicht hervor. Wie man hört, soll aber die noch vorhandene Glocken⸗ bronze bereits zu Ende gehen. Jedenfalls wird den Gemeinden keinerlei Aussicht er⸗ öffnet, Glockengut zu dem seinerzeit erhal⸗ tenen Uebernahmepreise wieder zurückkaufen zu können. Vielmehr würden sie die jetzigen sehr hohen Metallpreise zu bezahlen haben. Die Frage, wem bisher das billige Glocken⸗ material zugute gekommen ist, bedarf dem⸗ nach noch dringend der Aufklärung, wenn nicht die Erregung breiter Volkskreise über angebliche Schiebergeschäfte auch auf diesem Gebiete immer weiter um sich greifen soll. Das Reichsschatzministerium hat sich übri⸗ gens bereit erklärt, soweit es dazu in der Lage ist, die Belieferung der Kirchengemein⸗ den mit Glockenmaterial bei den zuständi⸗ meister heirateten, wird durch einen Kirchen⸗ g bucheintrag der älteren Zeit gestützt. Im en Stellen zu befürworten, aber nur zu außerordentlich hohen Preisen und mit Rück⸗ — 2—ů 4 — 156— sicht auf die Bedürfnisse der Industrie auch nur in beschränktem Umfange. Da Stahl⸗ glocken ihres größeren Gewichtes wegen für viele Türme nicht zu verwenden sind, so werden viele Kirchengemeinden auf lange Zeit hinaus auf den Besitz von Glocken ver⸗ zichten müssen.— 5 Diese Notiz, die wir den„Nachrichten des Evangelischen Preßverbandes für Deutschland“ entnehmen, gibt sehr zu den⸗ ken. Unter allen Maßnahmen, die man im Verlaufe der letzten fünf Jahre auf dem Gebiete der Kriegswirtschaft getroffen hat, hat keine so viel Befremden und so bitteres Leid erregt als die Beschlagnahme der Kir⸗ chenglocken. Unsere Feinde mußten doch gewiß aus dieser Maßnahme entnehmen, daß Deutschland vor seinem Zusammen⸗ bruche stehe. Die Behauptung, die allerhand Schwätzer in Versammlungen und auch in den Parlamenten aufgestellt haben, daß es eine würdige Aufgabe der Kirchenglocken sei, den Feind mit Kanonendonner zu grüßen, hat kein vernünftiger Mensch ernst genommen. Der Klang unserer Glocken war unserem Volke etwas so Liebes, Vertrautes und Altgewohntes, daß es ihm in das Herz schnitt, als man ihm seine Glocken nahm. Auch die, die nicht zur Kirche gehen, haben dieses Bedauern geteilt. Indem man uns den Glockenklang nahm, hat man uns einen Gemütswert von großer Bedeutung genom⸗ men. Daß so viele Glocken von den Türmen heruntergeholt, aber gar nicht zur Muni⸗ tionsherstellung verwendet wurden und nun in die Hände von Schiebern gelangt sind, ist empörend. Die beiden Glocken, die wir aus unseren Gießener Kirchen hergaben, lagerten lange Zeit im Frankfurter Osthafen. Wohin sie von da gekommen sind, wissen wir nicht. . Der„Vorwärts“ stellt in einer in Nr. 457 vom 7. September enthaltenen Zuschrift fest, daß auch in den Berliner Klassen, wo sozialistische Lehrer und Lehrerinnen unter⸗ richten, die Zahl der von dem Religions⸗ unterrichte befreiten Kinder sehr gering ist. Die Mütter würden gewöhnlich fragen: Wird mein Kind denn auch vom Pastor (Pfarrer) eingesegnet(konfirmiert)? Die schöne Einsegnungsfeier(Konfirmations⸗ feier) mit allem Drum und Dran möchten sie nicht missen. In einer Berliner Schul⸗ klasse, in der ein Lehrer unterrichtet, der zu den Unabhängigen Sozialisten gehört und zu der Kinder gehören, deren Eltern in der Mehrzahl sich zu der gleichen Partei hal⸗ ten, seien nur vier Kinder vom Religions⸗ unterrichte befreit.— Diese Notiz beweist, wie die Religion doch noch in unserem Volke festgewurzelt ist und wie auch in der Stadt Berlin, aus der im vorigen Winter der Sturmlauf gegen die christliche Kirche seinen Anfang nahm, die Menschen doch noch fest an den Gemütswerten hängen, die man ihnen in ihrer Jugend übermittelt hat. Es braucht uns um den Fortbestand des christlichen Glaubenslebens in unserem Vaterlande wirklich nicht bange zu sein. K Das Weihnachtsevangelium beginnt be⸗ kanntlich mit den Worten:„Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die aller⸗ erste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließ, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe.“ Diese Stelle, so bekannt und vertraut sie uns auch ist, macht uns doch einige Schwierigkeit, wir verstehen sie nicht recht. Warum mußten Joseph und Maria nach Bethlehem gehen, um ihre Steuererklärung abzugeben, das hätten sie doch an ihrem Wohnorte machen können. Der Gießener Jurist Universitätsprofessor Dr. Otto Eger gibt uns in seiner soeben erschienenen Schrift„Rechtsgeschichtliches zum Neuen Testament“ hierfür die Erklä⸗ rung. Urkunden aus Aegypten bekunden, daß dort unter römischer Herrschaft ein Pro⸗ vinzialzensus(Veranlagung zur Steuer) ein⸗ gerichtet wurde, der in einem vierzehn⸗ jährigen Zyklus stattfand. Vor Abhaltung des Zensus erging dort von dem Statthalter die Aufforderung, daß sich jeder in seine Heimat begeben sollte, um dort seine Steuererklärung abzugeben. Dabei war aber nicht nur eine schriftliche Erklärung einzu⸗ reichen, sondern die ganze Bevölkerung mußte sich persönlich stellen, und zwar zur Aufnahme ihres Signalements. Das war der Grund, warum das junge Ehepaar den weiten Weg von Nazareth nach Bethlehem machen mußte. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, 28. September, 15. n. Trinitatis. Kollekte für die evangelischen Gemeinden in Oesterreich. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde: Pfarrassistent Schaefer.— Vormittags 9 Uhr: Divi⸗ sionspfarrer Tiesmeyer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus⸗ gemeinde: Pfarrassistent Schaefer. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarxer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen. G Nr Bri