nfolge ge⸗ orthin zu⸗ ung beson⸗ npflicht. inden in wir jetzt haben kön⸗ unser Herz gegen alle, r sehen in inter dem her so tren uders köst ud zugleich sie auch in uchen will eg unserer gehüllt ist, sisgemeinde verk weiter sieses Ver⸗ meinschaft, errn Jesus ft:„Siehe. t der Well und Aus⸗ ißheit des behalten.“ h im neuen uagesimae) velheim. 5 97 Uhr: nittags 11 gemeinde. ds 6 Uhr: des heili⸗ und Mar⸗ en vorher erbeten. ittags 9½ tittags 11 zgemeinde. r: Pfarrer Uhr: Ver⸗ lichen Ju⸗ ds 8 Uhr: . teindruckerel Sonntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 8 Gießen, Sexagesimä, den 23. Februar 1919 8. Jahrgang Der„liebe Gott“. Evangelium des Matthäus 6, 9. Unser Vater in dem Himmel! Dein Name werde geheiligt. Der„liebe Gott“ war lange Jahre in vieler Munde, häufig als leere Redensart, öfter als Ausdruck einer naiv vertraulichen Auffassung vom Wesen des Allmächtigen, dessen von Jesus so eindringlich offenbarte Liebe zu den Seinen man schließlich sich stark vermenschlicht zurechtgelegt hatte. Es mag hierbei eine ins Volk gedrungene Ab⸗ art des Pietismus mitgespielt haben, der ja gegenüber dem erstarrten Dogmatismus die persönliche Herzensstellung zu Gott und Christus in den Vordergrund gerückt hatte. Dabei war man aber schließlich gemeinhin zu einer Stellung Gott gegenüber gelangt, die seiner Hoheit und Seligkeit wenig Rech⸗ nung trug. Selbst die Kunst war bisweilen so abgeirrt, daß sie Antlitz und Gestalt Gottes eher als die eines würdigen Greises, fast mit einem Ausdruck des wohlwollend Behaglichen, darstellte, von noch schlimme⸗ ren Entgleisungen zu geschweigen. Für die, welche vom„lieben Gott“ sprachen und so auch zu ihm beteten, thronte er wohl im Him⸗ mel, war auch allmächtig, aber so allgütig, daß er eigentlich nur noch dazu da war, alle Torheit und Sünde der Menschheit mit nie⸗ versagender Liebe und Langmut zu ertragen und zuzudecken. Daß dies alles so un bib⸗ lisch, wie nur denkbar, kam den Leuten gar nicht mehr recht zum Bewußtsein. Nicht ein einziges Mal findet sich der Ausdruck „lieber Gott“ in den Büchern alten oder neuen Testaments. Das Volk Israel hatte eine solche Ehrfurcht vor dem Namen„Jah⸗ we“, seines Gottes Eigennamen, daß es ihn nicht auszusprechen wagte. Es redete von„adonaj“,„Herr“. Der in der Luther⸗ bibel befindliche Ausdruck„Jehowa“ ist lediglich auf ein be⸗eichnendes Mißverständ⸗ nis zurückzuführen. Die sogenannten„Punk⸗ tatoren“ des 16. Jahrhunderts, die der reinen Konsonantenschrift des Hebräischen durch Einfügung der Vokale größere Klar⸗ heit zu verschaffen suchten, setzten nun unter die Konsonanten„J. h. w.“ die Vokale von adonaj, nur daß aus sprachlichem Grunde statt Fahowa Jehowa geschrieben ward. Da⸗ durch wollten sie bewirken, daß der unaus⸗ sprechliche Gottesname immer Adonaj ge⸗ lesen werde.— Einmal findet sich bei Da⸗ den Zusatz:„du großer und schrecklicher Gott“.— Auch bei Jesu und den Aposteln findet man niemals die Anrede„lieber Gott“. Wenn es im Römerbrief(8. 15) ein⸗ mal heißt,„Abba, lieber Vater“, so ist das „lieber“ nur ein von Luther treuherzig ge⸗ wählter Zusatz. Jesus rückte die Menschen gegenüber der altjüdischen Auffassung in ein befreiendes inneres Verhältnis zu Gott, indem er ihnen offenbarte, daß sie seine Kinder, er ihr Vater sei. Dabei darf aber nicht übersehen werden, daß seine per⸗ sönliche Stellung als„Sohn“ zum Vater eine ganz einzigartige war, in die wir geistig erst annähernd hineinwachsen können, wenn wir nach Gesinnung und Tun auch wirkliche Reich⸗Gottes⸗Menschen in seinem Sinn zu sein uns bestreben. Wie sehr Jesus im übrigen den Abstand aller, die auf Erden wandeln, von dem Allmächtigen gewahrt wissen wollte, beweist zur Genüge sein Wort (Matth. 10, 17)„Was heißest du mich gut? Niemand ist gut, denn der alleinige Gott.“ Da fühlte er sich als Vertreter der Mensch⸗ heit vor dem Allewigen!— Unserm heu⸗ tigen Geschlecht hat Gott aber vollends wieder mit Flammenschrift ins Herz ge⸗ schrieben, daß seine Liebe heilig ist, und daß er jedem Mißbrauch derselben gegenüber der„starke, eifrige Gott“ bleibt. Gott kann mit Menschensünde keinen Pakt schließen, wir demütigen uns denn in ernstester Buße vor der Majestät einer Liebe, die selbst den eigenen Sohn in den Tod gab um der Menschensünde willen. Das ist das große Geheimnis des Kreuzes Christi. Hier liegt zur Zeit auch eine der ernstesten und ein⸗ dringlichsten Lehren des Weltkrieges. Der „liebe Gott“ läßt seiner nicht spotten, denn er ist heilig; heilig auch als Vater. Und zwar als der der Menschheit, nicht ohne weiteres auch als der jedes Einzelnen in oft nur zu selbstbehaglichem Sinne, wie solcher bei den Meisten von uns eingerissen war. Jesus hat uns nicht umsonst beten gelehrt: „Vater unser in dem Himmel(aller Ver⸗ menschlichung weit entrückt!), geheiliget werde dein Name!“ die Trennung von Staat und Uirche in den vereinigten Staaten. Von Pfarrer Dr. Pfannkuche⸗ Osnabrück. Im Jahre 1644 gründete der Baptisten⸗ niel der Ausdruck„lieber Herr“. Aber das Vertrauliche wird rasch unterdrückt durch prediger Roger Williams in Rhode Island ein staatliches Gemeinwesen, in dem der ö 1 1 1 5 . 1 . 5 6 1 8 0 0 ö ö 5 5 9 —— 5 30 Trennungsgedanke zuerst konseguent ver⸗ Ein eigentliches staatliches Kirchen⸗ wirklicht wurde. Um die religiö e Freiheit hoheitsrecht wird endlich von den ame⸗ völlig sicherzustellen, verwarf Williams jede rikanischen Staaten nicht in Anspruch ge⸗ wie immer geartete Einmischung der welt⸗ nommen, wohl aber wird von den Staaken lichen Macht in die Glaubenssachen. Die ein gewisses Schutzrecht(us advocatige) Kirchen sollten reine Glaubensgemeinschaf⸗ ausgeübt, indem den Religionsgesellschaften ten sein und darum sich in Form von freien, für ihr Vermögen, einschließlich der von privaten Vereinigungen bilden. Der Staat, sionsanstalten, Kir⸗ ihnen unterhaltenen Miss der nach Williams Auffassung lediglich zur chenschulen, Krankenhäuser usw. volle Sicherung und Durchführung materiel⸗ Steuerfreiheit zuerkannt ist. Daneben wird ler Zwecke da sei, sollte sich darauf be⸗ vom Staat ein gewisses Aufsichtsrecht Gus schränken, die Anhänger jeder Religionsform inspiciendi) ausgeübt, indem er die stif⸗ in gleicher Weise vor Gewalt und Unrecht tungsmäßige Verwendung des religiösen zu schützen. Zwecken dienenden Vermögens einer B auf⸗ Diese Anschauung Williams hat sich nach sichtigung unterstellt, nicht zwar durch die heißen Kämpfen langsam durchgesetzt und Verwaltungsbehörden, wohl aber durch die fand ihren Ausdruck in folgenden Bestim⸗ bürgerlichen Gerichte. Ohne Erlaubnis des mungen der Unionsverfassung vom 17. Sep⸗ zuständigen Gerichtes kann Grundeigentum tember 1787: der Religionsgesellschaften nicht veräußert „Keinerlei Religionsbekenntnis darf als oder hypothekarisch belastet werden. Auch Befähigungsnachweis für irgendein Amt ist die kirchliche Vermögensansammlung ge⸗ oder einen öffentlichen Vertrauensposten in wissen Beschränkungen unterworfen. den Vereinigten Staaten gefordert werden.“ Als eine Abweichung von der Regel muß „Der Kongreß darf durch kein Gesetz es nach deutschen Begriffen bezeichnet wer⸗ eine Religionsgesellschaft etablieren oder die den, wenn nach amerikanischem Rechte die freie Religionsübung behindern“ Ehe rechtsgültig auch vor dem Kultusdiener Die Regelung der Rechtsverhältnisse der irgendeiner Religionsgesellschaft geschlossen Religionsgesellschaften im einzel en blieb werden kann. Auch haben die Religionsge⸗ den Einzelstaaten überlassen. Bei mannig⸗ sellschaften das unbeschränkte Recht, neben fachen Abweichungen im einzelnen sind hier den konsessionslosen Staatsschulen konfessio⸗ aber im Laufe des neunzehnten Jahrhun⸗ nelle Sonderschulen unter kirchlicher Lei⸗ derts folgende Grundsätze gleichmäßig durch⸗ tung einzurichten, denen sogar in einigen geführt: 5 1 Staaten Un erstützung aus staat ichen Mit⸗ Das ganze Kirchenwesen fällt zunächst teln gewährt wird. In den Staatsschulen aus dem Rahmen des öffentlichen Rechtes besteht zwar offiziell kein besonderer Reli⸗ völlig heraus. Die Kirchen sind unter dem gionsunterricht, wohl aber spielt die Bibel Vereinsrecht stehende Vereinigungen in den Schulen meist eine große Rolle, und des bürgerlichen Rechtes, denen aber volle Nechtsfäbigteik zuerkannt is, Die von den e wird vielfach mit Gebet er⸗ ruhend meinscheh gel 5 be 19 Ueberhaupt ist das Bezeichnende, daß der tragen keinen behördlichen Charakter. Die Staat sich wohl von den Organisationen e der Regelung von Kirchensachen nicht be⸗ aber doch der Religion selbst gegen⸗ lastet. Diese werden von den bürgerlichen über durchweg eine positive Stellung ein⸗ Gerichten geregelt. Es gibt weder einen nimmt. Nach dem Urteile des amerikanischen Kultusminister noch einen Kultusetat. Juristen Dr. Bryce ist das Christentum a Die E 115 sich 2 7 in 7 7 5. e e 20* iger Gleichstellung aller Kulte. als nationale Religion“ anerkannt. Da Diese Gleichstellung wird freilich nicht in kommt zum Ausdruck z. B. darin, daß in mechanischer Weise durchgeführt. Die Gesetz⸗ den Verfassungen der meisten Einzelstaaten 1 5 5 05 1 hat auf 95 8150 7. 2 Bedeutung 1 Eigenart der verschiedenen Religionsgesell-⸗ Religion betont wird. eligion in irgend⸗ schaften weitgehendste Rücksicht genommen. einer Form gilt als moralische Selbstver⸗ Insbesondere ist es der katholischen Kirche ständlichkeit. Ja, nach den Verfassungen von gelungen, für ihre Organisation ein Sonder⸗ Arkansas, Mississippi und den beiden Karo⸗ recht d 8 die W 85 linas, e und eee 1 nannten korporation sole— die es ihr sonen, die nicht an das Dasein Gottes glau- möglich. die 12 eigentümliche ng hier ben, bon der Bellei ung b entlicher Ae e e e Fi und ace e auch N innerhalb ihres Lebensgebietes das kano⸗ sache, daß die⸗ Sitzungen des Kongresses m nische Recht Aa 51 e kommen 5 fengere een 1 0 i Aut zu lassen. Auch auf die besonderen reli⸗ lich beso ete Kapläne angestellt sind. An 15 55 e 15. übt der n 1 zur neee wird z. B. beim Militärdienst und der Ab⸗ von Dank⸗ und Bußtagen aus. In en leistung des Eides weitgehendste Rücksicht staatlichen Organisationen des Heeres, der genommen. Marine und kultureller Anstalten ist öffent⸗ liche V So ist drungen gegenü Scheid Einrich Di dene L und K vorbild aber v In de sich ur größere schafter unter waren. geword körper. schen der bis Folge Staat liegen liche ameri in ein und 9 über Gieße haben gang Repa⸗ hat Dachte gnüge einzu seine hat s dies 1 rung offizi nicht geleg halt: 8 U Jun ratu das heru men Rep und irchen⸗ den ame⸗ ruch ge⸗ Staaten vocatiae) ellschaften der von ten, Kir⸗ pv. volle eben wird recht(us die stif⸗ religiösen er Blauf⸗ durch die durch die ubnis des deigentum veräußert en. Auch nlung ge⸗ en. tegel muß schnet wer⸗ Rechte die iltusdiene er geschlossen eligionsge⸗ cht, neben 0 konfessio⸗ licher Lei⸗ in einigen ichen Mit⸗ gatsschulen erer Reli⸗ die Bibel Rolle, und Gebet er⸗ de, daß der anisationen g scheidet, bst gegen⸗ ellung ein⸗ erikanischen Thristentum aber wohl int. Das in, daß in inzelstaaten eutung bet in irgend⸗ Selbstver⸗ sungen von den Karo⸗ e sind Per⸗ ottes glau⸗ her Aemter ch die Tat⸗ gres sses mit dere staat⸗ sind. Auch Anordnung In de Heeres, der t ist öffent⸗ liche Vorsorge für Religionspflege getroffen. So ist das ganze staatliche Leben durch⸗ drungen von einem positiren Wollwollen gegenüber der Religion, aber unter strenger Scheidung der kirchlichen und staatlichen Einrichtungen. Di se in den Vereinigten Staaten 90 efun⸗ dene Lösung des großen Problems Staat und Kirche ist vielfach als auch für uns vorbildlich hingestellt worden. Dem stehen aber vor allem folgende Bedenken entgegen. In den Vereinigten Staaten handelte es sich um eine überaus große Anzahl von größeren und kleineren Religionsgemein⸗ schaften, die schlechterdings nicht anders als unter dem Vereinsrecht zu organisieren waren. Wir aber haben die geschichtlich gewordenen großen einheitlichen Kirch en⸗ körper. Eine Nachahmung des amerikani⸗ schen Vorbildes würde eine Zersplitterung der bisherigen Volkskirchen zur notwendigen Folge haben, was weder im Interesse des Staates noch des deutschen Protestantismus liegen kann. Dem stände auch die grundsätz⸗ liche Verschiedenheit des deutschen und des amerikanischen Sbaatsgedanlens entgegen. Geschichten und 1 7775 aus Alt⸗Gießen. Die ei e Soweit uns bekannt ist, hat man im Lauf der Geschichte den Turm der Stadt⸗ kirche dreimal einer gründlichen Ausbesse⸗ rung unterzogen, 1699, 1840 und 1912. Jedesmal hat man den mächtigen Turm⸗ knauf eröffnet und darin, wohl verpackt in einer Kassette, neben allerlei Drucksachen und Münzen eine Urkunde niedergelegt, die — 31 Urkunde. 8 über die jeweiligen Zustände in der Stadt Gießen Kunde gibt. Alle diese haben wir in unserem Gemeindeblatte, Jahr⸗ Urkunden blättern ete.— Diese Sache überbrachte den 4 Juni a. c. dem hiesigen Kirchenrath Dr. Engel zur Einsicht, ebenso den Herrn Geheimen Kirchenrath Professor Dr. Dief⸗ fenbach und dem Herrn Prov. Kreisrath Knorr. Zur männiglicher Warnung für spätere Zeit bemerke ich, daß der Stadt⸗ vorstand es höchst übel mir aufnahm, Sol⸗ ches ihm erst später als obigen Herrn gezeigt zu haben. Mein Mitarbeiter war Philipp 5 Schwalb Schieferdeckermeister da⸗ hier. Ich— Johann Heinrich Friedrich Moritz Rothauge bin geboren zu Nieder-Wildungen im Fürstenthum Waldeck den 13 ten Juni 1802 trat hier nach 7 jähriger Wanderung bei Wittwe Pimper in Arbeit, etablierte später mein eigenes Geschäft und verheu⸗ rathete mich 1836 mit Elisabethe Schneider, geboren den 29 ten April 1811, der zweiten Tochter des hiesigen Bürgers, Wirths und Ki fermeisters Ludwig Schneider und seiner Ehefrau. geborenen Pfnorr. In welcher glücklichen Ehe ich bes jetzt 2 Kinder zeugte,(Auguste geboren 1837) Elise ge⸗ boren 1839). Meine von mir Helbst. auf⸗ geführte Wohnung liegt in der Wolkengasse der Wohnung des Herrn Geheim⸗ ath und Syndicus, Professor Dr. Aegidius von Loehr. Ein von mir erbautes Hinter⸗ haus, 815 mit Schiefersteinen bekleidet, vulgo Schloß Schadeck, wird bewohnt von Albert Diefenbach, stud. theol. cath. und Ehristian Ritzel, stud. med. aus Friedberg. Dieser Monat Juni 1840 ist bemerkens⸗ werth durch den Tod des Königs Friedrich Wilhelm III von Preußen, und die Ver⸗ lobung seines Enkels Cäsarewitsch, Groß⸗ fürst und Trohnfolger von Rußland und unserer Prinzess ssin Maria von He sen Darm⸗ stadt. Ferner durch einen Mordversuch auf die Königin 1 ria von England,— durch gang 1912, zum Abdruck gebracht. Als die Reparatur im Jahre 1840 vollzogen wurde, hat sich der mit der Arbeit beauftragte Dachdeckermeister Rothauge nicht das Ver⸗ 1 1 5 versagen können, eine Urkunde mit⸗ einzuschmuggeln, die über ihn selbst und seine Mitarbeiter Auskunft gibt. Rothauge hat selbst dieses Schriststück verfaßt. Es ist dies ein Vorkommnis, das nicht ohne Humor ist. Natürlich hat man bei der Ausbesse⸗ rung des Jahres 1912, als man die„in⸗ offizielle“ Urkunde entdeckte, diese nicht ver⸗ nichtet, Jondern sie wieder an 2 50 Ort 9 0 Das Schriftstück hat folgenden In⸗ halt: Gießen den 19 te Juni 1840. Unterzeichneter nahm bei einer im Monat Juni dieses Jahres vorgenommenen Repa⸗ ratur des Daches am hiesigen Kirchturm das Kreuz. und den Knopf auf demselben herunter. Im letzteren fand ich ein Docu⸗ ment vom Jahr 1699.(über die damalige d eparatur) nebst Münzen aus dieser Zeit und der vermoderten Ueberesten von Wochen⸗ die Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV von Preußen, durch die Fortdauer des spa⸗ nischen Erbfolgekrieges, sowie durch die Sä⸗ culare Feier der Erfindung des Buchdruckes, die allenthalben feierlich begangen wurde, besonders in der Vaterstadt Guttenbergs, Mainz— auch dauerte das feindliche Ver⸗ hältnis zwischen den Türken und den Vicen⸗ König von Aegypten noch fort. Auch werden den Herbst dieses Jahres die ihren Voll⸗ endung nahenden katholische Kirche dahier und das neue Universitätsgebäude einge⸗ weitht werden. Ueber die Victualien⸗Preise berichtet bei⸗ ligendes Wochenblatt.— Dieses zur Kunde u. Urkunde. Geschrieben Gießen den 20 te Juni 1840. Der Schieferdeckermeister Moritz Rothauge. Und Eberhardt Philipp Schwalb Schieferdeckermeister dahier. Letzterer, Philipp Schwalb, dessen Ehefrau, eine e Balser, alt 40 Jahr erzeugte in glücklicher Ehe 5 Kin⸗ der, wovon noch zwei am Leben sind. 9 1 rr e Ernst Schwalb, geboren im Juni 1837 (Tochter Johannette geboren 1835). Nach⸗ träglich bemerke ich noch hinzu, daß an dieser Arbeit zwei Gesellen geholfen haben wovon einer aus Wetzlar Namens Anton Kleinfelder und der andere aus Lautenthal aus dem Königreich Hannover, mit Namen Wilhelm Eberle. So geschehen Gießen den 20 te Juni 1840. *. Rothauge war zweifellos ein origineller Mann, auch ein Mann, der von sich selbst nicht gering dachte, sonst hätte er sich nicht gedrungen gefühlt, sein Andenken bei der Nachwelt wach zu erhalten. Sein Hinter⸗ haus, das von zwei ganzen Studenten be⸗ wohnt wurde, muß ein imposanter Bau gewesen sein, sonst hätte es nicht den Namen „Schloß Schadeck“ geführt. Vermutlich war es eine arge Baracke und wurde von den Studenten scherzhaft so genannt. Rothauge starb dahier am 16. April 1852. Sein Ge⸗ burtsdatum hat er in seiner„Urkunde“ nicht richtig angegeben, vermutlich hat er es nicht genau gewußt. Sowohl aus dem Kirchenbuchseintrag über seine am 23. Mai 1836 erfolgte Eheschließung wie aus dem Sterbeprotokoll geht hervor, daß er nicht 1802, sondern 1803 geboren war, das Kir⸗ chenbuch besagt, daß er im Alter von 48 Jahren und 6 Monaten gestorben sei. Sein Mitarbeiter Schwalb wurde ein Opfer seines Berufes, er starb am 9. April 1859 im Alter von 59 Jahren 4 Monaten und 14 Tagen infolge eines unglücklichen Sturzes von einem Scheuerdache. Kleine Mitteilungen. An den letzten Wochen sind in englischen Kirchen bedeutsame Stimmen laut gewor⸗ den, die erweisen, daß gereifte christliche Er⸗ kenütnis sich auch gegen den stärksten Sieges⸗ taumel zu behaupten und durchzusetzen ver⸗ mag. Dr. R. W. Inge, Prediger an der St.⸗ Pauls⸗Kirche in London, der auch während des Krieges in selten aufrechter Weise mehr⸗ fach für den Friedensgeist Zeugnis abgelegt hat, ist in seiner Weihnachtspredigt für einen Frieden der Gerechtigkeit und wahren Ver⸗ söhnung eingetreten unter erstaunlich ehr⸗ licher Kritik an der Haltung seiner Lands⸗ leute und seines Landes.„Ich fürchte, daß viele, die sich für eine Liga der Nationen erwärmen, keine Liebe zum Frieden in ihren Herzen haben; daß sie nur eine andere Art Widerstreit und Gewalt an die Stelle des bisherigen Systems setzen wollen. Bei uns sind ganze Bücher geschrieben worden, um zu beweisen, daß wir nicht in eigennützigem Interesse kämpften. Und nun stürzt der Bau, den wir auf solchen Beweisen errichtet hatten, wie ein Kartenhaus zusammen.“ Inge sagr zum Schluß seiner Ausführungen sehr rich⸗ 0 tig: Wenn, wie es zu kommen drohe, der Völkerbund ein Werk der Gier und der Selbstsucht werde, so würden die Folgen bitter und zerstörend sein. Auf einer anderen Kanzel Londons hat der Prediger Dr. Charles Brown in ähn⸗ lichem Sinne gesprochen, gleichsam die posi⸗ tive Ergänzung zu den wesentlich kritischen Ausführungen Inges gebend.„Die große Aufgabe, die vor uns liegt, ist die, einen Frieden der Gerechtigkeit zu schließen.— Das Gebot der Gerechtigkeit muß in Sinn und Herz unseres Volkes eingebrannt sein, bevor ein dauernder Friede verbürgt werden kann. Den Weg der Gerechtigkeit zu wählen, ist natürlich nicht leicht. Er erfordert Opfer⸗ sinn und Selbstbeschränkung.“ Brown be⸗ merkt dann noch sehr fein, daß dieser Geist natürlich auch in den innerpolitischen und wirtschaftlichen Verhältnissen zur Herrschaft kommen müsse, und daß das undenkbar sei ohne eine tiefere Beeinflussung des öffent⸗ lichen Lebens durch die Religion.„Es darf nicht länger gesagt werden, daß Religion mit diesen Dingen nichts zu tun habe. Sie muß sich einsetzen für Gerechtigkeit in jedwedem Lebensgebiet. Mit der Herrschaft der Ge⸗ rechtigkeit aber würden Kriege unmöglich werden.“ Wer fühlte sich nicht innerlichst gedrängt, diesen englischen Christen die Hand zu reichen? Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 23. Februar(Sexagesimä). Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Mahr.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.— Abends 6 Uhr: Pfarr⸗ assistent Schaefer.— Abends 8 Uhr: Ver⸗ einigung der konfirmierten männlichen Ju⸗ gend der Matthäusgemeinde.— Dienstag den 25. Februar, nachmittags 4 Uhr: Frauenmissionsverein.— Freitag den 28. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäus⸗ und Markusgemeinde gemein⸗ sam.— In der Johanneskirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormit⸗ tags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukas⸗ gemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 6 Uhr: Divisionspfarrer Fritsch⸗ — Abends ½8 Uhr: Vereinigung der kon⸗ firmierten weiblichen Jugend der Lukas⸗ gemeinde.— Am Sonntag den 2. März findet im Abendgottesdienst Beichte und hei⸗ liges Abendmahl für die Lukas⸗ und Jo⸗ hannesgemeinde gemeinsam statt. Anmel⸗ dungen vorher bei dem Pfarrer jeder Ge⸗ meinde erbeten. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerel R. Lange, Gießen. Evang Mi schwere ken. heit m Christe keitswe Lebens herige mußte ein N auf do uns nachzu Christ säuert tung liche erober so sas danken eben nicht zurück den 2 trägt allent setzen. auf u für habe Sach in Schu Zeit sie iss noch richt kom über zeich artig halt nah! Ein auf auch bibe den