= und ember t Kin⸗ n von des über⸗ ig und usam⸗ Hier⸗ tistiker Staat, wahr. stalten tzt, für hlossen olizei⸗ seither il. vesen o Gmal Kirche. Ja die inigten 5 Mil⸗ ds für me den haß be⸗ Kost⸗ egenteil hat die 8 drei⸗ Staat die Zu⸗ ib, sind werden sbetrieb nst.“ nitatis). n. 8 Uhr, firmier⸗ assistent 5 5 8 Uhr, firmier Pfarrer Pfarrer 1 Uhr; . Pfar⸗ : Bibel⸗ Männer⸗ August: erzlichst Unter⸗ g. Gäste druckerei E gruß eblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen r. 32 Gießen, 8. Sonnt. n. Trinitatis, den J0. August 1919 8. Jahrgang 55 Opfertod und das Gpferleid der Gegenwart. Von Generalsuperintendent D. Klinge⸗ mann(Coblenz). Evangelium des Johannes 12, 24. Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibet es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte Den Trost und die Tiefe der Botschaft, daß Jesus für uns gestorben ist, soll unser Volk im Ernst der Zeit neu verstehen lernen. Nicht so kann das freilich gemeint sein, als gebe erst die Not unserer Tage das rechte Licht her, in dem wir das O Opfer von Gol⸗ gatha begreifen, als könnten wir erst vom eigenen Opfer aus den Wert des Opfers tungen, die wir zes Jesu uns mehr zu sagen vermag als das unzulängliche Menschenwort. Es sind eben auch nicht menschliche Deu⸗ suche u, sondern die über⸗ zeugende Gewalt der Tatsa⸗ hen, die Wirk⸗ lichkeit einer Liebe, die größer gewesen ist als alles Leid, die Kraft einer Hingabe, die solches alles in eines allen Wi iderspruch der Sünde überwindet und zum Schr peigen bringt Wohl 1 daß sch lichte n Menschen⸗ lebens Gestalt uns nahe gekommen ist, daß keit 75 Todes, Jesu würdigen. Es wird doch umge kehrt der rechte Weg sein, daß wir von Golgatha zu den Grabhügeln unserer Gefallenen schrei⸗ ten, daß von dem O pfer e e das deutende Licht auf unser Opfer fällt. Aber es ist doch Tatsache, daß neue Möglichkeiten des Verständnisses, neue Empfänglichkeit für des Kreuzestodes erlösende Kraft sich uns daraus ergeben, daß uns der Wert und die Notwendigkeit der Hingabe aufgegangen sind, daß wir der Frage nachzudenken ge⸗ zwungen sind⸗ was unsres Volkes nicht aus- zumessendes Opfer für Gegenwart und Zu⸗ kunft zu bedeuten hat. Dem Kreuze des Hei⸗ landes nahen wir uns nicht nur wie auch wohl sonst mit leidbeschwertem Herzen, son⸗ dern mit Fragen, die aus den Tiefen dunk⸗ len Erlebens geboren sind, die von unsrer Seele Erschtztterung, von unsres Glaubens Kampf und Anfechtung zeugen. So ist es uns auch nicht, wenn wir uns dem Kreuze des Herrn nahen, um Stim⸗ mung zu tun, sondern um K larheit und Ge⸗ wißheit des Glaubens; wir suchen im Un⸗ erklärlichen den Gotteswillen zu fassen, der als ein heiliger Vaterwillen auch unser Leid und unser Opfer uns deutet. Wir wollen gewiß jene anbetende Karfreitagsstimmung nicht verachten, die in Wort und Lied uns von den Vätern im Glauben her ein liebes Erbteil ist. Nicht einen berauschenden Stim⸗ mungszauber, sonbern den heiligen Ernst der Botschaft vom Kreuz künden uns die Klänge unseres Heinrich Schütz und Johann Seba⸗ stian Bach. Den frommen M eistern der Töne ist es um Gottes Wort zu tun, um das im ied das Zeugnis der anbetenden Gemeinde sich schließt. Und es mag Stunden geben, wo ieser tiefe Klang von der Kraft des Kreu⸗ wir eben darum im Werk der Gottesliebe uns selbst und unser Leid, unseren Kampf und unseren Sieg wiederfinden dürfen. Auch Jesus unser Herr hat mit der Furchtbar⸗ mit dem Gedanken an des Kreuzes S Schmach und Bitterkeit ringe n müssen. Er ringt im Gebet um Klarheit über den dunklen Gotteswillen und sieht am Kreuz den Abgrund des von Gott Verlassenseins vor sich aufgetan. Ohne diesen Kampf, ohne den menschlichen Einsatz des Bangens und Zagens wäre das Todesleide n Jesu kein Opfer. Und wenn er in unberührter Ge⸗ wißheit des glücklichen Ausganges den To⸗ desweg gegangen wäre, wenn sein Gehorsam nur selbstverständliche Hingabe an klar durchschaute Notwendigkeit gewe sen wäre, so würde das Uebermenschliche des ganzen Ge⸗ schehnisses eben das uns verdunkeln, was unsere Herzen aufwärts zieht und tröstet, die göttliche Liebe in menschlicher Gestalt. Gerade sein Kamps mit der Verzagtheit, sein Bangen vor der Verdunkelung des Got⸗ teswil lens entfaltet uns das Heldentum Jesu. Nicht der ist ein Held, der kein Zagen und Bangen kennt, sondern der es über⸗ windet. Es ist kein Wider rspruch, sonoern wunderbare, lebensvolle Wirklichkeit, wenn unser Herr mit der N otwendigkeit des Lei⸗ dens und Sterbens rechnet, wenn er den großen Entschluß des Gehorsams bis an den Tod faßt und dennoch das Grauen des letzten Weges empfindet. Er weiß, daß er gekom⸗ men ist, ein Feuer auf Erden anzuzünden und wollte, daß es schon brennte. Aber er muß sich zuvor mit der Leidens⸗ und Blut⸗ taufe taufen lassen, und in 1 m Bangen verlangt ihn danach, daß solche Taufe voll⸗ endet wäre. Er sieht in des Sieges kom⸗ mende Gewißheit hinein und redet von seiner Auferstehung, 9555 davor liegt das Dunkel des bittersten Todes, vor dem auch seine Mannheit ersch recken mußte. So entfaltet sich uns seines O pfers Größe und Wert in jener Ferdi be der Hingabe, die untrennbar bleibt von einer Klarsichtigkeit, die für unsere 8 28 7 — 9 1 ö 10 . * 1 5 — 9 ö 8 2 eee eee 126 Schwachheit etwas geradezu Unfaßliches hat. rung, sie ging mit meinem Er weiß, was der Tod von der Sünder Hand, um der Sünde willen bedeutet, und geht den Weg des Todes in der Gewißheit, daß das Weizenkorn in die Erde fallen und ersterben muß, damit es nicht allein bleibe. So fällt von diesem Opfer ohnegleichen auch ein Licht auf das große Opfer unserer Zeit, auf die Blut⸗ und Tränensaat unseres Volkes. Mit unserer Erlösung, mit der gro⸗ ßen Gewißheit der vergebenden Liebe Gottes, die im Opfer Jesu uns gewonnen ist, geht uns auch etwas auf von der dauernden Un⸗ entbehrlichkeit, vom bleibenden Wert alles Opfers. Es gilt davon das tröstliche Wort: Das erstorbene Weizenkorn bleibt nicht allein; es stirbt, um Frucht zu bringen. Für unseres Volkes Leben bürgt uns des dar⸗ gebrachten Opfers Größe und Reinheit. die Stadt Gießen um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Von Kommerzienrat Heinrich Schaffstädt. (Schluß.) Sport wurde damals von der Jugend wenig betrieben. Das Turnen wurde erst viel später in der Schule einge⸗ führt. Wir Jungen hatten Privatunter⸗ richt bei Christoph Rübsamen im Pro⸗ menadenhaus für monatlich 12 Kreuzer. Eine gewisse militärische Erziehung der Jugend geschah durch den Pedell der Real⸗ schule Ruckelshausen, der die Schüler der obersten Klasse mit den alten Bürgerwehr⸗ gewehren einexerzierte. Um das Jahr 1863 bis 1864 bildete sich eine Freiwilligenkom⸗ pagnie aus Studenten und Bürgersöhnen, die für die Befreiung Schleswig-Holsteins kämpfen wollten. Sie betrieben ihre mili⸗ tärischen Studien im Zeughause, das damals als Lagerhaus und Fechtboden für die Stu⸗ denten diente. Die politischen Wogen gingen zu dieser Zeit hoch. So entsinne ich mich, daß eine Volksversammlung im„Prinz Carl“ be⸗ rufen war, um eine Adresse an den Groß⸗ herzog zu beraten zwecks Teilnahme an der Befreiung Schleswig⸗Holsteins vom däni⸗ schen Joch. In dieser Adresse, welche ein Hof⸗ 1 pen war ganz allgemein und hat wohl auch gerichtsadvokat Welker vortrug, kamen die Worte vor, daß, wenn der Großherzog die Teilnahme versage, sein Thron gefährdet sei. Dieser Satz rief eine gewaltige Begeisterung hervor und imponierte mir gewaltig. Wun⸗ dern muß ich mich noch heute, daß Schüler im Alter von 13 l sammlungen besuchen durften. Vater nach Lang⸗ göns. Der Bahnhof befand sich im Oswaldi⸗ schen Garten, eine primitive Holzbaracke. Auf zwei Holztreppen stieg man auf den Damm empor. Die Personenwagen 3. Klasse hatten keine Fenster, sondern Lederjalousien. Loko⸗ motivführer und Heizer standen auf der freien Lokomotive ohne jeden Wetterschutz. Noch lange war die Main⸗Weser⸗Bahn ein⸗ gleisig. Unser jetziger Bahnhof wurde im Jahre 1867 eröffnet. Anfang der 60er Jahre begann auch für Gießen eine neue Zeit. Von Seiten der Stadt wurde zwischen dem Selters- und dem Neuenwegertor ein großer Komplex Gärten und Aecker angekauft und mit der Schaffung der Südanlage begonnen. 1862 wurden dit ersten Häuser dort errichtet. Dann folgten die Nordanlage und erst viel später die Ostanlage. Es entwickelte sich nun eine regere Bautätigkeit, jedoch immer noch lang⸗ sam bis 1870, von da an aber rapid steigend. Das Leben und Treiben in der Stadt war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts immer noch dasjenige eines größeren Land⸗ städtchens. Wenn man von der Universität absieht, so herrschte das kleine Bürgertum vor, und jeder Bürger war mehr oder we⸗ niger Landwirt. Es wurde viel Vieh gehalten und durch die Stadt auf die Weide getrieben. Auch vier stattliche Schafherden waren vor⸗ handen.— Industrie, außer der sich langsam entwickelnden Tabakindustrie, war nicht vor⸗ handen, dagegen Handwerksgattungen, die jetzt langsam aussterben oder ausgestorben bzw. der Großindustrie anheimgefallen sind. Ich nenne die Holzdrechslerei, die damals von 6—8 Bürgern betrieben wurde, Posamen⸗ tiererei, Seilerei, 6—8 Lohgerbereien, Holz⸗ 14 Jahren solche Ver⸗ v. teren& i Au eine obergärige Bierbrauerei gab es bei Füh⸗ schuhmacherei, Messerschmiede, Kammacher, Bürstenbinder, Hutmacher, Gürtler, Kappen⸗ macher, Zinngießer usw. Alle diese Gewerbe standen noch unter Zunftzwang. Bierbraue⸗ reien bestanden um diese Zeit wenigstens 10, welche vielfach nur im eignen Besitz ihr Bier ausschenkten. Und was wurde getrunken in jener Zeit! Die Studenten leisteten das Menschenmöglichste. Aber auch die Bürger ließen sich nicht faul finden. Der Frühschop⸗ manche bürgerliche Existenz vernichtet. Im Sommer gab es das Lagerbier, welches in den jetzt verschwundenen Felsenkellern an der Die Verkehrsverhältnisse unserer Stadt im Anfang der 50er Jahre beschränkten sich nach außen auf die Post, die„Thurn und Taxissche Post“. Es gingen die Wagen nach Grünberg, nach Hungen und nach dem Hinterlande nach Gladenbach. Die Main⸗Weser⸗Bahn wurde in den Jahren 1852— 55 gebaut und strecken⸗ weise dem Betrieb übergeben. Meine erste Eisenbahnfahrt ist mir noch gut in Erinne⸗ Hardt eingelagert wurde. Im Herbst und Winter mußte man sich msit dem jungen, viel schlechteren Schankbier behelfen. Auch rer, der ein ganz gutes Bier braute, das ½ Liter zu 6 Heller, während das Lager⸗ bier 3 und 4 Kr. kostete. Wie schon gesagt, so floß das Lehen der Bürger in engen, patriarchalischen Verhält⸗ missen dahin, mehrfach aufgerüttelt durch die Stürme der Zeit, wie die Bewegung des Jahres 1848. Einer kannte den anderen mit Namen und auch mit Spitznamen, die ganz allgeme Kitzehip⸗ Wienerk Nasenpi pus, S Traubel Schimm waren d keinen J tigen Wochenl als heut Politik finden. kommen vathäuse hier und Inhalt. durch de Butzbach gedeckt. 4 Fami Blätter verhältn es, daß rika aus damalig Dies Väter und Fe unsere h noch der die mite alle 39 Gabente baut, Kl und Alt jetzt die Vogelsck stechen. gnügung ohne Ir hin ber Käufer tisch all Straßer Ueberal Orgelle anderes in der Moritat waren Ebel ta, Im Pr ter dem rühmt gar zu Das schon i sangver verein 1 die nur Winter ner Kin und G Kaffee Lang⸗ swaldi⸗ ke. Auf Damm hatten Loko⸗ uf der erschutz. hn ein⸗ rde im uch für r Stadt d dem Gärten haffung den dit folgten ter die in eine ch lang⸗ steigend. r Stadt hunderts n Land⸗ iversität rgertum der we⸗ gehalten etrieben. ren vor⸗ langsam icht vor⸗ zen, die jestorben len sind. nals von zosamen⸗ n, Holz⸗ nmacher, Kappen⸗ Gewerbe erbraue⸗ stens 10, ihr Bier unken in ten das Bürger rühschop⸗ yohl auch htet. Im selches in en an der rbst und jungen, n. Auch bei Füh⸗ rute, das 8 Lager⸗ deben der Verhält⸗ durch die gung des deren mit die ganz allgemein verbreitet waren. Da gab es einen Kitzehipper, Hechtmaul, eisernen Hosemann, Wienerkrailing, Hößekrailing, Donnerhagel, Nasenpimper, Rauhbart, Nexer, Dissilam⸗ pus, Scheuerlampus, lateinisch Bombel, Traubelvogt, Sutor, Orpheus, Tipposahib, Schimmche, Adlich usw. Viele Originale waren darunter, für die unsere heutige Zeit keinen Platz mehr hat. Eine Presse nach heu⸗ tigen Begriffen hatten wir nicht. Unser Wochenblättchen, in viel kleinerem Format als heute, erschien Mittwoch und Samstags. Politik war keine oder nur wenig darin zu finden. Inserate und die Listen der ange⸗ kommenen Fremden in den Gast⸗ und Pri⸗ vathäusern, die kirchlichen Nachrichten und hier und da einmal eine lokale Notiz war der Inhalt. Das politische Bedürfnis wurde durch das Frankfurter Journal und dem in Butzbach erscheinenden„Wetterauerboten“ gedeckt. Es war ganz üblich, daß 3 auch 4 Familien gemeinschaftlich eines dieser Blätter hielten. Die allgemeinen Erwerbs⸗ verhältnisse waren recht mißlich, und so kam es, daß viele junge Bürgersöhne nach Ame⸗ rika auswanderten, sicher die Hälfte meiner damaligen Schulkameraden. Dies alles hinderte nun nicht, daß unsere Väter und Großväter für Vergnügungen und Feste gerade so zu haben waren, wie unsere heutige Generation. Ich erinnere mich noch der schönen landwirtschaftlichen Feste, die mit einer Tierschau verbunden waren und alle 3 Jahre gefeiert wurden. Da war ein Gabentempel auf dem Oswaldsgarten aufge⸗ baut, Kletterbäume mit Geschenken für Jung und Alt. Auf den Wiesen an der Lahn, wo jetzt die Badeanstalten sind, gab es ein Vogelschießen, auf der Lahn ein Schiffer⸗ stechen. Auch fehlten bei derartigen Ver⸗ gnügungen Ballonfahrten nicht, mit und ohne Insassen. Die Jahrmärkte waren weit⸗ hin berühmt. Es kamen die Händler und Käufer von weither, und man konnte fak⸗ tisch alles kaufen. Die Neustadt und andere Straßen faßten das Menschengewühl kaum Ueberall in der Stadt zogen Musikbanden, Orgelleute, Leute mit Polizinellekasten und anderes fahrendes Volk. An dem Viadukt in der Neustadt hatten die Bilder mit den Moritaten ihren Platz Alle Wirtshäuser waren überfüllt. Im Einhorn und Kaffee Ebel tagten die reichen Bauern beim Wein. Im Promenadenhaus war Ball, welcher un⸗ ter dem schönen Namen, der„Bärenhetze“ be⸗ rühmt und berüchtigt war. Kurzum, es war gar zu schön. Das Vereinsleben blühte auch damals schon in unserer Stadt. Es gab einige Ge⸗ sangvereine und außer dem Gesellschafts⸗ verein noch einige bürgerliche Gesellschaften, die nur dem Tanzvergnügen huldigten. Jeden Winter kam eine Theatertruppe. Aus mei⸗ ner Kindheit kann ich mich der Namen Friese der von Brand. Auch das Liebhabertheater wurde von einigen Gesellschaften gepflegt. Das musikalische Leben beschränkte sich auf den Konzertverein, dessen Leistungen ja immer auf der höchsten Stufe standen. Die schon er⸗ wähnten Gesangvereine und der akademische Gesangverein pflegten Vokalmusik. Dann hatten wir eine Stadtmusikkapelle unter der Direktion von Schierholz. Diese Kapelle hatte etwa 10—12 Mitglieder und besorgte alles, sie spielte zum Tanz auf, konzertierte all⸗ wöchentlich im Sommer auf dem Felsen⸗ keller, oder in einem anderen Biergarten, deren es früher mehr gab als heute. Um das Jahr 1864 entstand eine Kapelle unter einem Dr. Königer, welche nur mit Blas⸗ instrumenten ausgerüstet war, und dann im Jahre 1866 und 67 eine sehr gute Kapelle unter der Direktion von Hecker mit minde⸗ stens 30 zum Teil sehr guten Kräften. Sie konnte aus finanziellen Gründen nicht weiter bestehen. Dann erhielten wir durch das 1867 hier in Garnison einziehende Jägerbataillon Militärmusik. Vielfach besuchten uns auch die Kapellen der Bundestruppen aus Frank⸗ furt, Oesterreicher und Preußen, die dort garnisonierten. Nach dem Kriege des Jahres 1866, der uns die allgemeine Wehrpflicht brachte, und erst recht nach dem Kriege von 1870/71 kam anderes Leben auch in unsere Stadt. Sie entwickelte sich zusehends, wurde aus einem Landstädtchen zu einer ganz netten und durch die Einführung der Kanalisation und Was⸗ serleitung zu einer sauberen und gesunden Stadt. „Wir finken“. Als ich kürzlich, wieder einmal in ver⸗ gangene Zeiten zurückblickend, mir den Un⸗ tergang des englischen Riesenschiffes„Tita⸗ nic“ in Erinnerung brachte, berührte mich an dieser Katastrophe, die damals die ganze Welt erschütterte, besonders tief der Schrei, dem dem Untergang geweihten Schiffe erscholl, der gellende Ruf:„Wir sinken, wir sinken!“ Wir wissen, daß dieses Schiff als gefeit galt vor jedem Unfall, denn es war mit allen Sicherheitsvorrichtungen der hochent⸗ wickelten Technik ausgestattet. Dennoch tönte dieser furchtbare Schrei in die auf dem Riesenschiffe versammelte heiteren, sorglosen Vergnügungen hingegebene Menschenmenge hinein:„Wir sinken!“ Nur wenigen gelang es, wie wir wissen, ihr Leben zu retten; wir wissen aber nicht, wie viele unter denen, die in der Tiefe ver⸗ sanken, ihre Blicke noch zur Höhe wandten, der lichten Höhe, in der ihre Seelen nun in Frieden geborgen sind. Ist dieser Schrei: Wir sinken! in unserer jetzigen Zeit nicht auch ein Ruf, der immer und Goldammer erinnern: sie spielten im wieder unsere Seelen beschwert und mit Kaffee Leib oder in der Reitbahn auf dem tiefem Kummer erfüllt? Sind wir nicht in — 8 —— — 12 eine Tiefe gesunken, die uns fühlen läßt, daß wir am Versinken sind? Sind unsere Seelen nicht auch in Gefahr; von den Wellen des ng ewidhlken Meeres, das uns umgibt, verschlungen zu werden, hoffnungslos zu versinken, ohne jemals wieder zur lichten Höh e eee zu können? Ich meine, dieser in Todesnot ausge⸗ stoßene Schrei müßte uns nach den Erfah⸗ rungen der letzten Monate so erschüttern, daß er uns nicht mehr loslassen kann: er muß uns willig machen, unsere Seelen so fest auf das eine zu richten, was uns not tut, daß wir zu jeder Zeit und 5 bereit sein können, wenn der Ruf erschallt, zu sagen: Hier sind wir, Herr! Wir warten dein, daß du uns aus der Finsternis zur Höhe, zum Lichte führst! Der Ruf ertönt von drüben an mein Ohr, Wenn sich der Abend neigt, Und aus der Dunkelheit Bin ich zur Fahrt bereit. Trägt mich die Flut auch noch so weit hinaus Von diesem Erdenstrand, Mir winkt doch meines Lotsen Angesicht An jenem Uferrand. Baronin R. Uleine Mitteilungen. Ich werde vom 11. bis 31. August ver⸗ reist sein; in dieser Zeit versieht Herr Pfar⸗ rer Ausfeld die Amtsgeschäfte der Lukas⸗ gemeinde. 5 Bechtolsheimer. Aus deer Nationalversamm⸗ lung schreibt man uns: Soeben wird das 7, Verzeichnis der hier eingegangenen Bitt⸗ schriften aus sgegeben. Es zeigt sich darnach. daß zur Zeit eine Bittschriftbewegung durch unser deutsches, insbesondere durch unser evangelisches Volk geht, die alle früheren Be⸗ wegungen weit hinter sich läßt. Bisher haben 5266 evangelische Parochien und Gemeinden Eingaben zur Wahrung des christlichen Grundcharakters des deutschen Schulwesens eingesandt. Die amtliche Feststellung be⸗ stätigt die vor kurzem vom Ev. Preßver⸗ band f. Deutschl. ge ebrachte Mitteilung, daß diese Eingabe rund 6 886 000, also fast sie⸗ ben Millionen Unterschriften 101 hat. Neuerdings geht auch eine starke Bittschrift⸗ bewegung aus den katholischen Kreisen gegen die Entchristlichung des Schulwesens der evangelisch en Bewegung zur Seite. Diese großzügige Bittschrißtbewegung hat auf die Entschließungen zur Verfassung stark und gut eingewirkt. * Herr Kliniksverwalter Hch. Freund⸗ lieb, der seit dem Jahre 1911 Kirchen⸗ rechner der bangelischen Kirche zu Gießen war und sein Amt mit großer Gewissen⸗ haftigkeit und Sachkenntnis führte, mußte wegen Ueberlastung mit Arbeit diesen Posten 88 aufgeben. An seine Stelle ist Herr Finanz⸗ aspirant Heinrich Müller, Beamter des Universitätssekretariats, getreten. * Abonnenten, die den„Sonntagsgruß“ nicht. regelmäßig e lten, werden gebe 1 das Blatt bei den Trägern des„Gießene Ae„die auch den„Sung austragen, zu reklamieren. **. Wie Professor D. Dr. Wilhelm Diehl in seiner interessanten Zeitschrift„Hessische Chronik“ schreibt, so brannte Wieseck in sei⸗ ner Vergangenheit zweimal fast vollständig ab: 1646 und 1718. Ueber den Brand von 1646, bei dem nur drei Wohnhäuser stehen blieben, 9 5 wir in einem vom 15. Septem⸗ ber 1646 datierten Kollektenpatent für die Gemeinde Wieseck, daß„nechstverwichenen Sommer durch Verursach- und Verwahr⸗ losung frembder in solchen Flecken übernach⸗ teter Krigsvölcker nicht nur weit über andert⸗ halbhundert Bäwe(Bauten) an Wohn⸗ häusern und Schewern ohne Viehställ und dergleichen, deren mehr als der Wohnhäuser gewesen, sondern auch die Schulbchd gar, Kirchen und Pfarrbäw aber zum guten Teil in Feuer aufgangen und abgebrandt, also, daß in solchem großen Flecken in allem mehr nicht als drey verwüstete Wohnhäuser stehen blieben.“ Ueber den Brand von 1718, dem 266 Bäue zum Opfer fielen, heißt es in einem vom 31. Januar datierten Bericht der Gießener Regierung:„Euer Hochfürstl. Durchlaucht geruhen gnädigst, Ihre hierdurch in Unterthänigkeit vortragen zu lassen, was⸗ maßen diesen Morgen ohngefehr gegen 5 Uhr in dem ohnfern von hier gelegenen Dorf Wieseck eine starke Feuers sbrunst entstanden und, aller beschehenen möglichsten Veranstal⸗ tung und Gegenwehr ohngeachtet, dergestal⸗ ten umb sich gegriefen, daß in etlichen Stun⸗ den zwey Drittel an Wohnhäusern, Scheuren und Stallungen nebst dem Pfarr⸗ und Schuhlhaus in die Asche gelegt, sodann die Kirche an dem Dach beschädiget, anbey viele Menschen und Vieh in dem Feuer und bey der harten Kälte jämmerlich umbkommen, die übrige aber, so sich in hiesige Stadt theils bloß, theils mit ihren wenigen Effecten sal⸗ viret, in die eusserste Armuth und einen recht erbarmungs szwürdigen Zustand gesetzt worden.“ 1 Uirchliche Anzeigen. Sonntag den 10. August(8. nach Trinitatis). Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr fällt aus, siehe Johanneskirch che.— Vormittags 9˙½¼ Uhr: Pfarrassistent Schaefer. 8 In der e Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer.— Vormittags 9½¼ Uhr(zugl. Mil.⸗Gottesdienst): Pfarrer Ausfeld. Verantwortlich: pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühb'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerel R. Lange, Gießen. Die Lübeck einen u da laut necesse ist nich treibt, Leben! ihm Ge dann m del trei Grunde städte v Gegner samten Handel die ein erwähn zu Lau Wenns ernreg letzten rung 6 darf si und ü freuen hat, w nun u armsel mann kann e So Gottes geteilt ist Ge jahr hi das ed der IJ der A nun i ches g zieht. sagen mit G gemei schen Wal ahr unser und n hader