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Tu Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht Haushalter sein. Es ist ein ungemein anschauliches, von der Christenheit seither nicht recht beachtetes Wort, wenn es in dem bekannten Gleichnis vom ungerechten Haushalter heißt, daß er die Güter seines Herrn„umgebracht“ habe. Unter diesem Ausdrucke ist hier zu ver⸗ stehen, daß er anvertrautes Gut unter⸗ schlagen habe. Wir Menschen der Gegen⸗ wart gebrauchen das Wort„umbringen“ nicht im Sinne dieser Bibelstelle, schauen aber wir auf die fünf Jahre des Welt⸗ krieges zurück, so entdecken wir, daß da Güter in erschreckender Zahl„umgebracht“ worden sind Vor dem Kriege hatte die europäische Menschheit Rohstoffe und Le⸗ bensmittel in schier unendlicher Fülle. Die sind im Kriege mit allen Mitteln der hoch⸗ D gepriesenen Technik„umgebracht“ worden. Auf dem Weltmeere hat man Schiffe ver⸗ senkt, so daß Getreide, Lebensmittel aller Art und Rohstoffe auf dem Grunde des Meeres ruhen, Magazine sind in Brand gesteckt oder mit Fliegerbomben beworfen worden, Bergwerke wurden vernichtet, Städte und Dörfer, die Wohnung für Hun⸗ derttausende geboten hätten, wurden in Schutt und Asche gelegt, Geschosse aller Kaliber haben den Ackerboden durchpflügt und die Obstbäume weggefegt, man hat Be⸗ sestigungswerke angelegt, so daß auf Jahr und Tag hinaus das Feld nicht mehr be⸗ bauungsfähig ist. In Rumänien haben die Engländer die Petroleumquellen zerstört, Flugzeuge haben Häuser, Brücken und Schiffe vernichtet, kurzum, die europäischen Völker haben Güter, die ihnen Gott ge⸗ geben hatte, mit bewußter Absicht„um⸗ gebracht“. Nun trifft sie die Strafe für dieses Tun. ungersnot, Teuerung, Mangel an Roh⸗ stoffen gehen durch die Welt, es wird Jahre und Jahrzehnte Ae bis aller Schaden wieder geheilt ist. Aber der Gott, der seinen Sohn verordnet hat zum Richter der Lebendigen und der Toten— eine Tatsache, an die die Christenheit gerade am mals„noch ein gährend wildes zweiten Adventsonntage erinnert wird— läßt an die kriegführenden Nationen die Mahnung ergehen: Tut Rechnung von eurer Handlungsweise. Vor der Geschichte und vor Gott wird sich die europäif sche Menschheit zu verantworten haben, daß sie in einer Weise Güter„umgebracht“ hat, die die Kulturentwicklung Europas auf lange Zeit hinaus hemmen wird. Erwin Gros. Von Dr. Karl Esselborn. Im Jahre 1912 schrieb Erwin Gros in den„Verlagskatalog und Notizkalender für das Jahr 1913 der Wartburgbuchhand⸗ lung in Darmstadt“ eine Plauderei„Wie i ch Schriftsteller wurde“. Sie klingt aus in das Geständnis, daß er„den Entwurf zu einer großen Erzäh lung„„Der Bauernpfarrer““ in sich trage“, worin„sein innerstes Schicksal verwoben sei“. Was da⸗ Durch⸗ einander“ war, liegt jetzt abgeschlossen vor. Das neue Werk ist innerlich und äußerlich so eng mit seines Schöpfers Leben verknüpft, daß es geradezu 515 auffordert, dessen Le⸗ bensgang einmal näher ins Auge zu fassen. Denn wer, ohne etwas über den Verfasser zu wissen, das Buch auch nur flüchtig durch⸗ gesehen hat, ist sich nicht im Zweifel darüber, daß es das Werk eines Pfarrers ist und daß der Verfasser an vielen Stellen sich selbst Modell gestanden hat. Die Heimat Erwin Gros' ist der Tau⸗ nus. Zu Niederems ist er am 13. April 1865 geboren.“) Sein Vater Heinrich Gros (geboren am 2. März 1833 zu Idstein, gestorben am 26. November 1910 zu Wester⸗ burg) war Lehrer. Auch von der Mutter, Luise, geb. Steinhausen, her entstammte er einem Lehrerhause. Der wichtigste Teil seiner Schulzeit waren die Jahre 1881 bis 1884. Er verbrachte sie im Ludwig⸗ Georg⸗Gymnasium zu Darmstadt, das er auf Ostern 1884 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Von seinen dortigen Lehrern 59 Sein 929 59 8 am 4. November 1866 geborener Bruder Otto Gros, von 1892 bis 1903 im hessischen Pfarrdienst(Leid⸗ hecken, Burkhards und Zotzenheim) stehend und dann in den Schuldienst(Worms, jetzt Offenbach) übergetreten, ist ebenfalls schrift⸗ stellerisch tätig und Verfasser der Erzäh⸗ lungen„Michel Mort“(Kreuznach 1902, 2. Aufl. Gießen 1914) und„Unterm Hol⸗ lunderbaum“(Gießen 1904). hat er dem frühverstorbenen Dr. Fried⸗ rich Curschmann(18481889) in der Erzählung„Schwelendes Feuer“(S. 129) ein Denkmal gesetzt, indem er dort den verkommenen Studenten Kühnstedt erzählen läßt:„Ich habe auf dem Gymnasium einen Lehrer gehabt, Dr. Curschmann hieß er, an den denke ich gern zurück.“ Ein anderer seiner Darmstädter Lehrer, der einen nach⸗ haltigen Einfluß auf ihn ausübte, war der feinsinnige Dr. Ferdinand Bender (18471891), der selbst bemerkenswerte Proben seines dichterischen Könnens abgelegt hat und die von seinen Schülern, die solche Anlagen verrieten, in ihren Versuchen auf diesen Gebieten ermunterte. Zu diesen ge⸗ hörte auch Gros, der schon als Primaner eine sehr blutige fünfaktige Tragödie„Die Curiatier“ verfaßte und den Plan eines Goethes Egmont fatal ähnlichen. Dramas ausarbeitete. Die erste Arbeit ist verschollen und die zweite kam, weil er jene Aehnlich⸗ keit rechtzeitig erkannt hatte, über das Sta⸗ dium des Entwurfes nicht hinaus. Hätte Gros sein Studium frei wählen dürfen, so hätte er sich für Germanistik entschieden; denn Deutsch und Geschichte waren von jeher seine liebsten Fächer. Doch sein Vater willigte nicht ein. So kam er denn zur Theologie. Die erste Universität, die er besuchte, war Leipzig. In seinen beiden ersten Semestern befaßte er sich mehr mit Literatur und Geschichte als mit seinem Fachstudium, und in seinem dritten und vierten Semester genügte er seiner Militär⸗ pflicht. Dann siedelte er nach Marburg über. Dort waren es Adolf Harnack und Wilhelm Herrmann, die es ver⸗ standen, ihm die innere Beziehung zu seiner Wissenschaft zu geben. Im siebenten Se⸗ mester legte er in Herborn die Prüfung ab, daran schloß sich der einjährige Besuch des dortigen Predigerseminars. Nach Ab⸗ lauf des Kandidatenjahrs wirkte er zwei Monate vertretungsweise an der evange⸗ lischen Schule des oberen Rheingaues zu Erbach, die von dem Prinzen Albrecht von Preußen zum großen Teil unterhalten und von dem Pfarrer Adolf Deißmann, dem Vater des Berliner Theologen gleichen Na⸗ mens, geleitet wurde. Bei dem geistig leben⸗ digen, von religiöser Leidenschaft durch⸗ pulsten Manne von hinreißender, volks⸗ lümlicher Beredtsamkeit lernte er viel, wäh⸗ rend er gleichzeitig seine vier Arbeiten für die zweite Prüfung erledigte. Als er diese bestanden hatte, kam er als Staatsvikar auf den Westerwald zu Dekan Kaspar Naumann einem geborenen Hessen aus Bleichenbach bei Büdingen. Dieser, ein Mann der Praxis und ein guter Bauern⸗ kenner, ist wohl das Urbild des„alten Konsistorialrats“ in dem„Bauernpfarrer“. Als selbständiger Pfarrer wirkte Gros zuerst in Frohnhausen bei Battenberg (1889). Trotz seiner nur einjährigen Amts⸗ tätigkeit daselbst faßte er doch dort festen Fuß, und wenn er das Dorf des„Bauern⸗ pfarrers“ Frondorf nennt, so läßt sich in diesem Namen unschwer seine erste Gemeinde wiedererkennen. Auf seinen Wunsch wurde er im Jahre 1890 nach Hartenrod yver⸗ setzt. Die sieben Jahre, die ihm dort zu wirken beschieden waren, bezeichnete er selbst als die schönsten seiner Pfarrwirksamkeit, Es galt hier, die Gemeinde wieder zusam⸗ menzuholen, die unter seinem Amtsvor⸗ gänger, einem alten Manne, auseinander⸗ geflossen war. Dabei mußte den Ansprüchen der Gemeinschaftschristen Rechnung getragen werden. Das war keine leichte Aufgabe; denn das Kirchspiel umfaßte neun Dörfer, und im Winter war er fast allabendlich außer Samstags unterwegs, um Bibelstun⸗ den zu halten. Ein besonderes Verdienst um seine Gemeinde, die bei dem damals in jener Gegend vor sich gehenden Ueber⸗ gang von der Naturalwirtschaft zur Geld⸗ wirtschaft die verheerende Wirkung wuche⸗ rischer Ausbeutung unbarmherziger Blut⸗ sauger verspürte, erwarb er sich durch Grün⸗ dung eines Raiffeisenvereins, des ersten im Kreise Biedenkopf. Das war eine Hilfe, die bitter nottat; durch die vielen Hofver⸗ käufe war der Grund und Boden entwertet und der Bodenkredit lag infolgedessen dar⸗ nieder. Es hielt daher schwer, durch Hypo⸗ thekerrichtung Geld geliehen zu bekommen. Früher wohlhabend gewesene Bauern hatten oft kaum noch eine Kuh im Stalle stehen, Der Viehhändler befahl den Bauern, das Rindvieh, das er an Zahlungsstatt genom⸗ men, auf den Markt zu führen. Waren in Gießen die Preise zu niedrig, so konnte der Bauer die nächste Woche mit den Tieren nach Herborn traben, und in der Zwischen⸗ zeit durfte er das Vieh umsonst für seinen Schuldherrn warten und füttern. Für die Anfeindung, die Gros von mancher Seite, sogar auch von dem damaligen Landrate, erfuhr, entschädigte den jungen Pfarrer das Vertrauen, das er sich durch seine atemlose und vielseitige Arbeit in seiner Gemeinde erwarb: der verschlossene Bauer tat ihm sein Herz auf; er lernte ihn kennen und lieben. Von der Fülle der Gestalten und Gesichter jener Zeiten zehrt Gros, wie er einmal eingesteht, zum Teil heute noch. Auch im„Bauernpfarrer“ sind Züge aus der Hartenroder Zeit verwoben, und es ist fer ner kein Zufall, das der Schauplatz seiner ersten größeren Erzählung,„Der Lehrer von Hartenhausen“, im Namen an Harten⸗ rod anklingt. a Die glückliche Hartenroder Zeit, in die auch die Gründung seines Hausstandes(Np⸗ vember 1890) fällt, fand im Jahre 1897 ein jähes Ende durch eine Strafversetzung, die die Folge des einmal in der Kreissynode Gladenbach ausgesprochenen Tadels gegen die Pfingstjägerei des Regierungspräsidel ten war. Höchst enbach im hohen Wester⸗ wald, d Zeiten amte g wesene Abschied veröffen „Ein! Absch und A 73, 23 Ruppre⸗ in fra Von H Am ein Arbe war ich wir eini dem gen in derst zwar gi der and gen wir warten, in dem befand. mußten legen. E hof, um nehmen räderige französi ein Kor sen. Al Bauern Wohnst mußten Sonne wo früh sechs J unter d der in 1,20 M mußten Hühner schen. 2 Speisese stall ge an Sor ganze 9 Wir ric wohnlic Steinm alter L Paketen Bänke Franzo dem De dem bef Morast gepflast ort festen „Bauern⸗ zt sich in Gemeinde ch wurde rod ver⸗ dort zu e er selbst rksamkeit. r zusam⸗ Amtsvor⸗ einander⸗ usprüchen getragen Aufgabe; 1 Dörfer, labendlich Bibelstun⸗ Verdienst t damals n Ueber⸗ ur Geld⸗ g wuche⸗ er Blut⸗ ich Grün⸗ ersten im ne Hilfe, mHofver⸗ entwertet ssen dar⸗ ich Hypo⸗ ekommen. rn hatten le stehen. ern, das t genom⸗ Waren so konnte en Tieren Zwischen⸗ ür seinen Für die er Seite, Landrate, arrer das atemlose Gemeinde tat ihm inen und ilten und „ wie er och. Auch aus der s ist fer; atz seiner 1 Lehrer JHarten⸗ it, in die ides(No⸗ 1897 ein zung, die eisshnode ls gegen präsiden⸗ n Wester⸗ 1 wald, das schon zu herzoglich⸗nassauischen Zeiten„das Sibirien für unbequeme Be⸗ amte gewesen war“, war die ihm zuge⸗ wiesene neue Gemeinde. Seine Hartenroder Abschieds⸗ und seine dortige Antrittspredigt veröffentlichte er im Druck unter dem Titel: „Ein feste Burg ist unser Gott. Abschiedspredigt über Hebr. 13,8 und Antrittspredigt über Psal m 73, 23, 24,(Göttingen, Vandenhoeck und Rupprecht 1898). (Fortsetzung folgt.) meine Erlebnisse in französischer Kriegsgefangenschaft. Von Ober⸗Telegraphenleitungsaufseher Heinrich Wagner⸗-⸗Gießen. (Fortsetzung.) Am 15. Febr. kam ich mit 30 Mann auf ein Arbeitskommando nach Puizot, und zwar war ich hier Kommandoführer. Hier hatten wir einige Morgen Waldung abzuholzen. An dem genannten Tage fuhren zwei Transporte in derselben Richtung von Blaye ab, und zwar ging der unsrige morgens um ½4 Uhr, der andere um 8 Uhr ab. In St. Marie stie⸗ gen wir aus und mußten hier 3½ Stunden SO[l. warten, dann bestiegen wir denselben Zug, in dem sich das zweite Arbeitskommando befand. In Taybour stiegen wir aus und mußten noch sechs Kilometer zu Fuß zurück⸗ legen. Ein kleines Fuhrwerk stand am Bahn⸗ hof, um die Hälfte unseres Gepäckes aufzu⸗ nehmen; mehr Platz war auf dem zwei⸗ räderigen Karren nicht vorhanden. Von französischer Seite waren ein Korporal und vier Wachtposten zugewie⸗ sen. Als Wohnung wurde uns ein altes Bauernhaus zugewiesen, die eigentliche Wohnstube benutzten die Franzosen, wir mußten im Kuhstalle schlafen, wohin weder Sonne noch Mond scheinen konnten. Hier, wo früher die Kühe gestanden hatten, war für sechs Mann Platz, die übrigen 24 kamen unter dem Dache in einen Raum zu liegen, der in der Mitte einen Zwischenraum von 1,20 Meter hatte, den wir als Gang benutzen mußten. Der ganze Raum eignete sich für Hühner oder Tauben, nicht jedoch für Men⸗ schen. Als Begünstigung wurde uns noch ein Speisesaal angewiesen, der früher ein Schaf⸗ stall gewesen war und in dem von Anfang an Sonnenfinsternis geherrscht hatte. Der ganze Raum nahm höchstens 20 Mann auf. Wir richteten uns die ganze Herberge etwas wohnlicher ein, brachen Löcher durch die Steinmauern und machten uns Fenster aus alter Leinwand von unseren zugesandten Paketen. Auch stellten wir einige Tische und Bänke her, bauten eine Anstalt, die der Franzose in der Regel zu bauen vergißt, die dem Deutschen aber unentbehrlich ist. Außer⸗ dem beseitigten wir in dem kleinen Hofe den Morast und machten uns, indem wir einen gepflasterten Gang herstellten, einen trocke⸗ uns ein Sergeant, nen Weg zu einem Ziehbrunnen. Der Be⸗ sitzer fand nach einigen Tagen sein ganzes Gehöft in einer anderen Verfassung vor. Ringsum wurde das Gehöft mit Stachel⸗ draht eingefaßt, die Eingangstür mit einer dicken Kette und einem Vorhängeschlosse ab⸗ geriegelt. Die tägliche Ration für einen Mann bestand aus 8 Gramm Kaffee, 20 Gramm Zucker, 50 Gramm Fett, 80 Gramm Fleisch, einem Kilo Kartoffeln und 500 Gramm Brot, als Gemüse gab es Bohnen. Ein Herd stand uns zum Kochen nicht zur Ver⸗ fügung, dagegen hatten wir einen Dreifuß, auf den der Kochkessel gesetzt wurde. Das Holz mußten wir uns aus dem Walde mit⸗ bringen. Unsere Arbeitsstelle lag eine halbe Stunde von der Wohnung entfernt. Unge⸗ fähr 300 Morgen Wald waren abzuholzen, das stärkste Holz hatte die Dicke eines Ofenrohrs, es waren dies Kastanienbäume, Eichen und Dornen. Ein alter französischer Kapitän der Handelsmarine leitete die Ar⸗ beit. Die Arbeitszeit war von 6 bis 11 Uhr vormittags und von halb 2 bis halb 7 Uhr, nachmittags, Pausen gab es nicht. Jeder Mann mußte täglich 25 bis 30 Holzbündel (kagots) machen, dafür bekam er einen Lohn von 20 Centimes und 10 bis 15 Centimes extra. Es war ja für uns eine Wohltat, in der frischen Landluft zu arbeiten, nachdem wir so lange hinter den Festungsmauern gesessen hatten. Allerdings brachten die Mannschaften einen guten Appetit von der Arbeit mit nach Hause, und das gelieferte Essen reichte zum Sattwerden nicht aus. Durchschnittlich wurden täglich noch für 30 bis 40 Centimes Brot verzehrt. Ein Vier⸗ pfundbrot kostete 1 Fr. 10 Cts. Milch erhielten wir den Liter zu 25 Cts,, ein halbes Pfund Butter kostete 1 Fr. 50 Cts. Im Anfang mußten wir auch Sonntags arbeiten, das wurde aber bald wieder auf⸗ gegeben, als ich dem Patron(Besitzer des Waldes) erklärte, daß meine Kameraden an diesem Tage ihre Wäsche und Kleider in Ordnung bringen wollten und daß dann auch mehr Arbeitslust an den Wochentagen vorhanden sein werde. Die Zivilisten be⸗ wunderten Sonntags unsere schön ge⸗ waschene Wäsche und die Ordnung, die unter den Deutschen herrschte. Am 25. März 1916 reisten wir zur ärztlichen Untersuchung durch die schweize⸗ rische Austauschkommission nach Douay Charente. Hierselbst traf ich auch Bruno Schneider aus Gießen, der leider bis auf diesen Tag noch in Gefangenschaft ist. Das Resultat der Untersuchung konnten wir erst später erfahren. Nach 8 Tagen wurden. Unteroffizier Schröder und ich telegraphisch nach La Pallice beordert unter der An⸗ gabe, daß wir nach der Schweiz kommen sollten. Wir beide und der französische Korporal, der uns führte, ließen uns mit unserem Gepäck von einem Fuhrmann nach F — 196— Taybour an die Bahn fahren, es war ein und materielle Unterstützung zuteil werde Weg von 8 Kilometern, den wir sonst hätten zu lassen. Auch hier möge es heißen: zu Fuß zurücklegen müssen. Als wir am größer die Not, desto näher die Hilfe! Bahnhof angekommen waren, wollte der 5 a 1 80 Fuhrmann einen Teil meines Gepäcks nach Bei der Leichenfeier am 11. d. M dem Zuge tragen, wurde jedoch von dem für den auf so bedauerliche Weise um Pöbel deshalb angefallen. Mein Gepäck Leben gekommenen Führer der Unabhäng⸗ flog auf dem Bahnsteig hin und her, mit gen, Abg. Haase, hielt auch Karl Kautes Stoßen und Schimpfen wurde es schließlich eine Gedenkrede, in der er u. a. sagtz in die Bahnhofsräume befördert. Als wir„Dein Bild bleibt in unserm Herzen, i abfuhren, ballten die Leute nochmals die den Herzen von Millionen, die nach hn Fäuste gegen uns, so daß unser Korporal den Befreiung der Menschheit ringen. Es ble Kopf schüttelte; denn er hatte als Soldat in ihnen nicht als leblose historische Erim⸗ schon etwas gelernt. rung, sondern als lebendige machtbol Als wir ankamen, mußten wir leider Triebkraft der Fortentwicklung zu höher hören, daß unsere Angaben ärztlicherseits Gebilden. Nur das ist die Unsterblichtet zurückgewiesen und wir für arbeitsfähig er⸗ an die wir glauben, und solcher Unsterblic klärt worden waren. Der Kommandant, keit bist du in vollstem Maß teilhaftig ge von den Deutschen„Totenkopf“ genannt, worden“.— Wenn diese Worte einerseiz bestrafte uns, ohne uns vorher zu verhören, erweisen, daß auch der Atheismus ohn mit 4 Tagen Prison. Als ich dem Dol⸗ den Unsterblichkeitsgedanken nicht besteln metscher gegenüber meine Angaben aufrecht mag, so zeigt anderseits gerade dessen Ch hielt, bekam ich nochmals 6 Tage. Allge- rakterisierung, daß es sich bei ihm au mein war die Behandlung in diesem Lager die Dauer doch nur um eine„leblose listo sehr brutal, infolgedessen rissen im Som⸗ rische Erinnerung“ handeln kann. Dem merhalbjahre 1916 150 Deutsche aus Das je schärfer sich der Atheismus auf eine rein Lager zählte 1600 Deutsche und 600 Oester⸗ irdische und zeitliche Entwicklung stützt, un reicher. Die letzteren hatten jedoch leichtere so mehr verweist jeder neue Fortschritt de Arbeit und bessere Kost als wir und mit vorausgegangenen Epochen ins Gebiet dez Ausnahme der Deutsch⸗Oesterreicher auch Unpersönlichen und Ueberlebten. Der Atheiz bessere Bezahlung.(Fortsetzung folgt. mus kann seinem ganzen Wesen nach den lebendigen Persönlichkeitscharakter, der ile Kleine Mitteilungen. der Zeit stehenden menschlichen Einzelersche Die Angriffe gegen die Kirche haben doch nung nicht gerecht werden. Aber gero auch das Gute gewirkt, daß ihre Verdienste, nach der persönlichen Fortdauer des geissigg die sich nicht bloß auf das seelische, sondern Ich verlangt doch jeden unbefangenen Ma auch in erheblichem Maße das leibliche Wohl schen im Innersten! des Volkes erstrecken, in der ihr aufge⸗ zwungenen Verteidigung mehr als sonst Kirchliche Anzeigen. üblich der breiten Oeffentlichkeit bekannt Sonntag den 7. Dezember. 2. Advent. werden. Das deutsche Volk weiß z. B. jetzt, Gottesdienst. daß die Kirche die Mittel, die sie vom In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr; Staat erhält, um das Drei⸗ bis Vierfache Pfarrassistent Schäfer.— Vormittags 1 in Werken evangelischer Liebestätigkeit zu⸗ Uhr: Kinderkirche für die Matthäusge⸗ rückerstattet. Hauptträgerin derselben ist meinde. Pfarrer Mahr.— Abends 5 Uhr; aber die der Kirche aufs engste verbundene Pfarrer Becker. Beichte und Feier des hel Innere Mission, die sich unmittelbar in ligen Abendmahls für die Markusgemeinde ihren Dienst stellt. Unberechenbar sind die Der Gemeindepfarrer erbittet hierzu bor Opfer an seelischer Kraft, aber auch an herige Anmeldung.— Montag den 8. Dcz, materieller und finanzieller Hilfe, die die abends 77 Uhr: Vereinigung der konfüt Innere Mission während des Weltkrieges mierten männlichen Jugend der Matthäus gebracht hat. Sie hat, wie sich jetzt heraus⸗ gemeinde.— Donnerstag den 11. Dez, stellt, oft weit über ihr Vermögen gear⸗ abends 7½ Uhr: Vereinigung der konfk beitet. Die ernsten Rückwirkungen bleiben mierten weiblichen Jugend der Matthäus e dee e e In 8 ee, 890 e Inneren Mission sehen r: Pfarrer Sheimer.— 5 schwerer Bedrängnis, manche 95 ihre tags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukas hilfreiche Tätigkeit einstellen müssen, andere gemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. stehen in der Gefahr, sie zum größten Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Beichte Teil, wenn nicht ganz, aufzugeben. Unter und Feier des heiligen Abendmahls für die diesen Umständen kann nur der dringendste Johannesgemeinde. Der Gemeindepfarrer Appell an alle evangelischen Kreise gerichtet erbittet hierzu vorherige Anmeldung. 1 werden, den Anstalten und Werken der Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im. Inneren Mission, noch dazu jetzt, wo mit hannessaal.— Montag den 8. Dezember, beginnendem Winter erhöhte Ansprüche an abends 7½¼ Uhr: Vereinigung der konte sie gestellt werden, ihre tatkräftige Hilfe mierten weibl. Jugend der Lukasgemeinde, 7 j dd N Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruczert R. Lange, Gießen. wiede Graue droht zu wi Adver