s beraub⸗ ler,„das mit mei⸗ men im eses Ver⸗ mit dem enke, daß idig sind e auf die jietrich. ipfangen, hr' ich, erziehen; Schächer rt hast, bschrift 18. so wisse, ein muß, urch Un⸗ Stolz ein Luther. il walten, einst stalten. Schulze. chte, in. en en Velt avater. rinitatis. 8 8 Uhr, Vormit⸗ ichte und ür Mat⸗ teldungen Gemeinde gs 8 Uhr, nfirmier⸗ Pfarrer divisions⸗ 8 Uhr: „ n Haupt⸗ heiligen ohannes⸗ n bei den eindruckerei 2 Sonntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 36 Gießen, 12. Sonnt. n. Trinitatis, den 7. Septbr. 1919 8. Jahrgang Brüderlichkeit. 4. Mose 20, 3. Ach daß wir umgekommen wären, da unsere Brüder umkamen vor dem Herrn. f Dieser verzweiflungsvolle Wunsch, den die Kinder Israel in der Wüste dem Mose zu⸗ riefen, findet heute Widerhall in manchen Herzen. Gar mancher, dem die augenblickliche Not seines Volkes auf die Seele brennt, ist versucht, seiner Verlockung nachzugeben. Aber ihm auch nur den geringsten Einlaß zu gewähren, ist nicht recht für einen Christen, auch wenn er in noch so tiefe Abgründe schauen muß. Das Wort klingt so brüderlich, ist es aber keineswegs. Als vor fünf Jahren das Kriegsunheil über uns hereinbrach, da schien es so, als ob die furchtbare Gefahr aus unsrem Volke ein Brudervolk machen wollte. Verstummt war für den Augenblick der Zwist der Par⸗ teien; aufgehoben schienen alle Gegensätze, die bisher unser öffentliches Leben vergiftet hatten. Aus berufenem Munde erscholl das von Millionen mit Freuden aufgenommene Wort: Ich kenne keine Parteien mehr, nur noch Deutsche. a Aber leider war die Kriegsnot doch nicht stark genug, den Giftpfeil aus dem Körper unseres Volkes zu ziehen. Im Gegenteil: Das Gift fraß sich tiefer, zersetzte alle Säfte und lähmte alle Glieder. Schließlich blieb uns nichts mehr übrig, als vor dem Schwert⸗ streich der Feinde das Haupt willenlos zu senken. Riesengroß steht die traurige Lehre vor unseren Augen: Die Kriegsnot war nicht imstande, aus unserem Volke ein Brudervolk zu machen. Möchten sie doch alle recht eindringlich beherzigen! Nun erhebt sich die andere Schicksalsfrage: Wird das, was die Kriegsnot versäumte, die Friedensnot vielleicht zustande bringen? Wir wissen es nicht. Erst unsre Enkel werden es überschauen können, was die Zeit, die wir jetzt durchleben müssen, für Früchte ge⸗ bracht hat. An uns aber ist es, ohne nach Gelingen oder Mißlingen zu fragen, alle Kräfte zusammenzuraffen, daß der Geist der Brüderlichkeit in die Herzen unserer Volks⸗ genossen hinein komme. Das ist unsere schwere, weltgeschichtliche Aufgabe. Arbeiten und nicht verzweifeln! K. G. zum hinscheiden Friedrich Naumanns. Sonntag den 24. August ist Friedrich Naumann in Travemünde, wohin er sich an demselben Tage zu seiner Erholung be⸗ geben hatte, einem Schlaganfalle erlegen. Wer in einer illustrierten Wochenschrift das Bild dieses Mannes aus dem letzten Jahre sah, der erschrak über sein Aussehen. Nau⸗ mann war in der letzten Zeit sehr gealtert; die vordem so kräftige, fast hünenhafte Ge⸗ stalt war zerfallen, das Antlitz zeigte tiefe Furchen. So begreift man auch, daß dieser Mann, der von frühester Jugend an schwer an Asthma litt, in verhältnismäßig rüsti⸗ gem Alter— er ist nur 59 Jahre alt ge⸗ worden— aus dem Leben geschieden ist. Friedrich Naumann ist den Gliedern der evangelischen Gemeinde Gießen kein Fremd⸗ ling. Oft hat er hier geredet, in den letzten Jahren als Politiker, früher als Mann der Inneren Mission. Im November 1888 war es wohl das erstemal, daß er hier auftrat, in Steins Garten sprach er über christliche Sonnragsfeier. Professor Gottschick hatte uns Studenten auf den damals noch unbekannten Redner aufmerksam gemacht und uns an das Herz gelegt, seinen Vortrag ja nicht zu versäumen. Wir befolgten diesen Rat und lauschten den Ausführungen des jugend⸗ lichen Redners mit großem Interesse. Leb⸗ haft, eindringlich und warm schilderte er das Wesen der christlichen Sonntagsfeier. Seit dieser Zeit ist Naumanns Ruhm immer weiter gedrungen. Vom Pfarrer wurde er zum Politiker, als Politiker hat er auch seinen Gegnern große Achtung ab⸗ genötigt. Uns interessiert hier nicht des Mannes politische Tätigkeit, sondern das, was er zur Pflege evangelischen Glaubens⸗ lebens getan hat. Auf diesem Gebiete hat er sich unvergängliche Verdienste erworben, indem er jahrelang in jeder Woche eine reli⸗ giöse Betrachtung für seine Zeitschrift, die „Hilfe“ schrieb. Erbauliche Betrachtungen hat es natürlich schon vorher gegeben, es gab kein Sonntagsblatt, das nicht jede Nummer mit der Erklärung eines Bibel⸗ wortes eröffnet hätte. Vielfach aber ver⸗ fehlten diese Betrachtungen ganz ihre Wir⸗ kung, sie waren wohl gut gemeint, aber sie waren in einer so steifen, geradezu lang⸗ weiligen Form abgefaßt, daß es bei den meisten Lesern dieser Blätter zur Gewohn⸗ heit wurde, gleich mit der zweiten Seite anzufangen und die einleitende Betrachtung zu überschlagen. Zumeist bewegten sich diese Betrachtungen in ganz ausgefahrenen Ge⸗ leisen und berücksichtigten nicht das Denken und Empfinden des modernen Menschen. Auch fehlte ihnen die rechte Anschaulich⸗ keit. Da trat Naumann auf und brachte N N 1 ö 41 ö 1 4 7 e — 142— etwas ganz Neues und Eiger nartiges. Aus einem evangelisch alutherischen Pfarrhause Sach sens ist dieser Mann hervorgegangen, die Eigenart seiner Herkunft hat er nie ver⸗ leuanet. Sein Großvater mütter licherseits war der bekannte Leipziger Volksschriftsteller D. Friedrich Ahlseld. Un⸗ 5 hat der Enke elsohn vom Großvater die lutherische Bestimmtheit des Glaubens und die volkstümliche anschauliche Art der Darstellung geerbt. Eine politische Zeitung meinte in diesen Tagen, Naumann sei schließlich Pantheist geworden, d. h. für ihm sei Gott zuletzt nicht mehr der lebendige, persönliche Gott gewesen, sondern er habe seinen Gott im Weltall gesucht. Diese Be⸗ hauptung ist nicht richt ig. Wohl hat Nau⸗ mann in hinreißend den Bildern die Natur geschildert und in ihr 5 Auswirkung eit göttlichen Schöpfers gesehen, aber Panthei ist er doch nicht gewesen, in ihm lebte 927 Pfarrer und und überrascht, so oft man es fle hier aber kommt es als langer, doppelter Bach mit einer Art natürlicher Anersck zöpflichkeit 0 eronnen, ein Bach wie aus einem geträumten Jenseits voll unsagbar glän⸗ zender Glut. Man weiß, daß jeder Schritt in diesen Bach den Tod bedeutet, und fühlt die beständige Lebensgefahr der Blaugellei⸗ deten, bei denen jede kleine Unvorsichtigkeit sich so unvergleichbar härter rächt als bei t macht und seine Glaube und das Gottvertrauen eines Martin Luther und Paul Gerhardt. Der Zweck dieser Zeilen ist hauptsächlich der, unsere Leser auf Naumanns Andachten aufmerksam zu machen, die in einem starken Bande„Gotteshilfe“ gesammelt sind. Diese Andachten sind in den Jahren 1895 bis 1902 in der„Hilfe“, erschienen. auf d das hier hingewiesen wird, ist im Ver⸗ Das Buch, lage von Vandenhoeck und Ruprecht in Göttingen e und hat schon mehrere Auflagen erlebt. Diejenigen unter unseren Lesern, die religiöse Förderung suchen, werden diese in dem genannten Werke in reichem Maße finden. Was Naumanns Andachten auszeichnet, das ist, daß sie mitten hinein in das Leb en dieser Tage geste lt sind Die alten Kirchen⸗ väter haben in der Sprache ihrer Zeit ge schrieben, Luthers Schriften gehen im Ge⸗ wande des 16. Jahrhunderts einher, Nau⸗ 1 mann zeigt, was Christus für die Gegenwart ist. In kurzen, knappen Sätzen, ohne Fremd⸗ wörter zu gebrauchen, aber auch ohne die sogenannte„Sprache Kanaans“ zu sprechen, sucht er die modernen Menschen wieder für den Glauben ihrer Väter zu erwärmen. Wie Naumann ein Redner war, an dessen Lippen die Zuhörer hingen, so war er auch ein Schriftsteller, der durch seine Gedanken und seinen Stil jeden Leser fesselte. Er war ein ungemein geistvoller Schriftsteller, er war ein großer Dichter, ohne jemals einen Vers geschrieben zu haben. An zwei Beispielen wollen wir 5 lebens⸗ volle Art des zu früh dahingeschiedenen Mannes nachwe eisen. In einer Be chung, überschrieben„Im Eisenwerk“ macht Nau⸗ mann im Anschluß an das Wort(1. 1797 28, 16)„Gewißlich ist der Herr an diesen Ort, und ich wußte es nicht“ folgende Aus- führungen:„Einige Männer in schweiß⸗ gebleichten blauen Kutten arbeiten unten am Hochofen und entfesseln das fließende Eisen. Fließendes Eisen ist an sich etwas Eigenes den Menschen harmloserer Berufe. esen Leuten sagt der Prediger am Sonn⸗ tag in der Kirche: Alle Berufsarbeit ist Gottesdienst!... Wie ist es möglich, daß der 2 Vlaugekleidete gelegentlich seiner Arbei die Empfindung hat, die der Hirte auf sonniger Halde so leicht bekommt: Gott sei gegen wärtig; 7 Ein altes merkwürdiges Wort sagt, daß Gott seine Engel zu Winden Diener zu Feuerflas 5 n. Das heißt für uns: Dort, wo die Hirten igel sahen, sehen wir gewaltige Natur, kräfte. Diese Naturkräfte werden dem Reiche Gottes unter den Menschen dienstbar, wenn i feste Bahnen gezwungen werden. Gluten und Gebläse müssen mithelfen, daß es besser wird unter den Menschen, sie sind Urkräfte einer neuen Zeit. Als solche müssen sie geglaubt werden, denn noch liegt die neue Zeit, die aus der Technik geboren wird, im Schoße der Zukunft. Noch hat sie ihren Segen nicht enthüllt. Aber nur in die⸗ sem Glauben kann überhaupt die Arbeit in der Technik einen religiösen Wert bekommen. Wir müssen glauben, daß Gott nicht nur in den Wolken des Sinai vor Zeiten gewohnt hat, sondern daß er in dem Hochofen nicht weniger all lgegem värtig ist als im Hain Mamre. Gott ist im modernen Getriebe. Wenn er es nicht ist, dann hat es keinen Zweck, ihn vor Menschen zu verkündigen, deren ganzes Leben an Bäche fließenden Eisens gepflanzt ist.“ Wie wunderbar Naumann das Leben in Gott darzustellen versteht, zeigt eine Betrach⸗ tung des Psalmwortes„Wo dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich ver⸗ gangen in meinem Elend“(Psalm 119, 92) Diese Betrachtung trägt die eberschrist „Ein tsame Menschen“ und hat 1101 0 Wortlaut: „Am Webstuhl saß ein alter Meister, et saß und webte mit seinen langen, hageren 0 0 1 Händen Tag und Nacht. Daß er Meister nicht gedacht, hieß, war nur eine Erinnerung an alte Zei⸗ ten. Vor vierzig oder fünfzig Jahren h hatte dies Wort für ihn noch einen Sinn, als noch die alte Meisterlade bestand, und der alte Hausierhandel mit Leinwand. Nun aber war alles anders geworden. Die alten Mei⸗ ster waren Bettler geworden, nicht Bettler um Geld, aber Bettler um Arbeit. Sie muß⸗ ten froh sein, wenn K für mageres Brot fleißig sein durften. Das hatte sein Vater der ihn einst in seinen Beruf getan und zu ihm gesprochen hatte: Wer — fleiß war ßig der das gega gewe oder lich stuhl Wie so h Aug verst sie! sein um tich spri gew sing weis nock ist e giös viel geis Kür höh eler Me gett Got All alle mel Uel lebe Ele zun Un für Un ihr Fa ben 5 in der rer ber un Pr hal ew ieht, hier ter Bach öpflichkeit is einem ar glän⸗ r Schritt und fühlt laugellei⸗ sichtigkeit t als bei 114 m Sonn⸗ arbeit ist lich, daß er Arbeit hirte auf Gott sei ges Wort Winden flammen. ie Hirten e Natur⸗ em Reiche har, wenn werden. mithelfen, ischen, sie Als solche noch liegt k geboren ch hat sie ur in die⸗ Arbeit in ekommen. nicht nur t gewohnt ofen nicht im Hain Getriebe. es keinen kündigen, fließenden Leben in e Betrach⸗ zesetz nich e ich ver⸗ 119, 92) eberschrift folgenden sceister, er „hageren r Meister alte Zei⸗ hren hatte Sinn, als und der Nun aber lten Mei⸗ )t Bettler Sie muß⸗ eres Brot ein Vater ten Beruf tte: Wer 3 ů— 1 — 143— fleißig ist, kommt vorwärts! Wahrhaftig, er Bruchstücke in der Halle unter dem Turm. war ein halbes Jahrhundert und mehr flei⸗ Vielleicht hat Herr Micg, der mit so großer ßig gewesen, im Alter noch fleißiger als in Achtung von dem Toten sprach, sich bemüht, der Jugend, er hatte das Seine getan, aber das Standbild wieder herzustellen. Hat er das Rad der Zeit war über ihn hinweg⸗ doch— obwohl Katholik— Sorge getragen, gegangen. Mit jedem Jahre war er einsamer daß die alte Kapelle vor dem Tor, in welcher geworden. Die Seinen lagen im Gottesacker der vertriebene Straßburgische Theologe oder waren in Amerika. Wovon lebte eigent⸗ Bucer, den Sickingen in Schutz genommen lich seine alte Seele?.. Er sitzt am Web⸗ hatte, die erste evangelische Predigt in deut⸗ stuhl, und links neben ihm liegt die Bibel. scher Sprache gehalten, im baulichen Stande Wie ein Vöglein vom Bache Wasser nippt, erhalten wird. 1 2 eee ee„Das Andenken an die ewig denkwürdige Augen einzelne Sprüche aus dem Buch Zeit der Kirchenverbesserung, an welcher auch versteht sie nicht alle so, wie die Theologen dieser edelste aller deutschen Ritter so sie verstehen, aber meist versteht er sie auf warmen Anteil nahm, hatte mich bei der seine Weise vortrefflich. Er webt und spinnt Wanderung in den Ruinen vormaliger um den Spruch 1 ne en Macht und Größe so aufgeregt; es war mir . Meister einsam und doc) die Kraft der deutschen Nation, in den Taten nicht allein, er schweigt lange Stunden und und Worten der großen Männer der spricht doch. Er ist vertrocknet, alt und steis Vorzeit, in einem so starken Contrast mit geworden, in ihm 3 1 1 0 der Ohnmacht und Schwäche des unterjochten singen noch Enge hm predigen Apostel, Deutschlands erschiene„„ d l ae Wroßheten, 5 5 155 1 5 mende Fer e 1 85 e 0 noch Ehristus. Volkswirtschaftlich angesehen mochte, als es Jo vielen Lobpreisern des Mit⸗ ist er einer der Aermsten und Elendsten, reli⸗ tel lters geganger ist e 2 10 8 1 z telalters gegangen ist. Sie vergessen, an wel⸗ giös vekstanden aber ist er glücklicher als chen Gebrechen es litt, welche Rohheit und viele kausend Könige, G. G setzeslosigkeit von dem Faustrecht und den geister, Lebemänner, Geisteshelden und Gewalttätigkeiten, welche das Rittertum fast Künstler. Er hat den Frieden Gottes, der in ein System gebracht hatte, unzertrennlich höher ist als alle 1 Daß en 1 war, und möchten, nur der einzelnen Züge 1 6 geht, 7 5 1 We es Ele Die der Unerschrockenheit, Biederkeit, Treue und Menschheit, aber daß er trotz seines Elendes Religiosität gedenkend, jene Zeiten wieder getröstet ist, ist eine Rechtfertigung Gottes. zurückführen. Auch Franz von Sickingen, so Gott Perlüßt keinen, der ihn wirklich sucht. viel Edles und Großartiges in feiner Natur Alle Alten, die auf„„ lag, stand in seinen früheren, oft sehr harten alle Gebrochenen, die, keine irdische Zukunft und grausamen Fehdezügen, auch nur auf der mehr haben, alle Uebriggebliebenen und seiner Zeit. Indeß war er doch mehr, als ein F 1 im blos fuͤrchtbarer und ungestümer Krieger. ebenswertes Leben. Sie merke ten im Fe 105 0 er Fe, ö ftnele Elend, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge 1 0 ihn. 0 gleich. fe 9 90 5 e b e e ee trieb, so hatte doch Achtung für zum Besten dienen. Sie sprechen mit David: Wahrheit und Recht sehr hohen Antheil da⸗ Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, ran. Darum beugte sich sein freier Geist vor fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. dem hohen Sinn und dem reichen Wissen Und so klammern sie sich mit allen Fasern Reuchlins, eines der ersten Gelehrten seiner ihres Herzens an ihren Gott und an ihre Zeit, des Wiederherstellers griechischer und Familienbibel. Einsame, alte Menschen, wie prientalischer Literatur, und ward, wie Hut⸗ beneidenswert seid ihr!“. ten von ihm sagt, die feste unerschütterliche Nahezu 400 Betrachtungen dieser Art sind Wand, an die sich alle Verfolgte lehnen konn⸗ in der„Gotteshilfe“ vereinigt. Wollten wir ten. Darum waren seine Schlösser Ebernburg den ganzen Reichtum dieses Buches vorfüh⸗ und Landstuhl der Zufluchtsort aller, die um ren, so müßten wir das ganze Buch abschreie der Wahrheit willen bedrängt wurden. ben. Wir hoffen aber, durch das Mitgeteilte Darum bot er Luthern, als dieser nach unsere Leser so sehr auf diesen gottbegnadeten Worms ging, bei sich eine sichere Freistätte Prediger der Gegenwart hingewiesen zu an. Darum wollte er Gut und Blut daran haben, daß sie sich gern von dem nun ver⸗ wagen, wenn nur das deutsche Volk nicht ewigten Manne zu Gott weisen lassen.. mehr von dem Frankenkönig überlistet, und H. B. von Rom in schimpflicher Knechtschaft gehal⸗ 5 5 ten wurde. Man erstaunt, wenn man liest, Aus schwerer Zeit. wie der von keiner Schulgelehrsamkeit befan⸗ (Schluß.) gene Geist des Mannes, sogleich die vernünf⸗ Der Dechant führte uns in die Kirche. tigen Religionsbegriffe der Reformatoren in Sie war später erbaut. Vor dem Altar sahen sich aufnimmt, wie er bereit ist, mitzuwirken, 7 wir die Familiengruft, in welcher jetzt auch daß der Lehre und dem Cultus die ursprüng⸗ Sickingens Ueberreste ruhen. Eine Statue, liche Einfachheit, letzterem, statt unverstan⸗ mehr als Lebensgröße, war von der fanati⸗ dener Worte, die Sprache des Volks, allen schen Volkswut nicht geschont, doch lagen die die in den Klöstern eines freien Lebens⸗ genusses unnatürlich entbehrten, die Freiheit zurückgegeben würde. Von diesen Vorstellungen durchdrungen, schrieb ich am Fuße der Burg wo er lebte und starb, die folgenden Zeilen und sandte sie, nebst einigen am alten Gemäuer ge⸗ brochenen Blumen, meinen Kindern. Erhebe dich aus deiner stillen Gruft Und schaue von den Trümmern deiner Burg Auf deines Deutschlands große Trümmer hin. Beschwöre— eh er ganz von uns entweicht Den alten Geist, der dich zu Taten trieb, Dich fest an Hutten band und Götz und Luther. Erhebt euch, ihr Gewaltigen! Berührt Mit eurem Hauch, was noch übrig ist Von Hermanns Stamm, dem ihr Ae seyd. Ach es verschwindet sonst, was ihr erkämpft, Und untergeht der Freiheit Heiligtum, Die deutsche Sitte mit der deutschen Kraft. Und unsre Sprache, unser Stolz und Ruhm, Löst sich in Galliens Wortgeweben auf, Und mit dem Wort verschwindet auch der Sinn. Doch— ist's zu spät— so ruh' in deiner f Gruft, Damit du nicht der Zeiten Jammer siehst, Die Thräne nicht, die meinem Aug' entfließt. Ein Todtenopfer, welches ungesehn Ein Pilger weint, den fern vom freyen Heerd Der Sturm der Zeit ins Land der Knecht⸗ schaft reißt.“ Sehr niederschlagend war für diese Män⸗ ner, die unfreiwillig nach Frankreich reisten, daß sie deutsches Land weithin von franzö⸗ sischen Soldaten besetzt sahen, daß sie Spanier nach Deutschland marschieren sahen und zahllosen preußischen Kriegsgefangenen begegneten. Am 25. Juli 1807 erfuhr Nie⸗ meyer mit seinen Schicksalsgenossen von dem in Tilsit geschlossenen Frieden und dem gan⸗ zen über Preußen gekommenen Unglück. In dieser Stadt wohnte er bei einem Herrn Martin, der ihn sehr gastfreundlich aufnahm. In der Rückerinnerung an den Abschied von diesem Manne schrieb Niemeyer später:„Sehr ungern sah uns unser Wirth sein Haus ver⸗ lassen. Hätte mir eine Prophetenstimme ge⸗ sagt: Eh sieben Jahre verflossen seyn wer⸗ den, wird einer deiner Söhne als preußischer Freywilliger in diesem Hause bey Herrn. Martin einsprechen, von ihm Gefälligkeiten erfahren, dann den Marsch nach Paris fort⸗ setzen, dort einem zweyten Sohne bey Mont⸗ martre begenen und mit ihm an einem Tage in die eroberte Hauptstadt einziehen, wie hätte ich ihr glauben mögen? Und doch ist es im Jahre 1814 also gekommen.“ i Besonders bemerkenswert war diesem Rei⸗ senden, der damals ein Mann von 53 Jahren war, auch der Umstand, daß allenthalben in Frankreich die Menschen in großer Zahl in ihre Kirchen gingen und die kirchlichen Feste gern mitfeierten, nachdem 15 bis 18 Jahre früher die französische Revolution dem from⸗ men Leben so großen Abbruch getan hatte. Wir wissen, daß die Geschichte sich niemals ganz wiederholt, aber was in der Vergangen⸗ heit geschehen ist, ist und bleibt lehrreich und B. trostreich für die Gegenwart. H Kleine Mitteilungen. Nachdem die Sommerferien ihr Ende er⸗ reicht haben, nimmt auch die Kinderkirche wieder ihren Anfang. Am 7. September ist wieder Kinderkirche für die Markus⸗ und Johannesgemeinde, am 14. September für die Matthäus⸗ und Lukasgemeinde. Worte zum Nachdenken. Solange wir in dieser Hütte sind, gibt's immer etwas zu kämpfen und abzutun, das bringt einen aber nicht um. Im Gegenteil ist dieser Kampf besser, als die freudige Ruhe derer, die alles überwunden zu haben meinen. Alles kommt auf die Harmonie unseres Willens mit dem Willen Gottes an; im übrigen muß eine heilige Ruhe in der Seele sein. Bengel. * Das Schicksal muß ertragen werden; im Ertragen bringt Geduld die Siegespalme. Philipp Julius, Herzog von Pommern. Was getragen werden muß, kann auch getragen werden. Das Hindernis, an dem wir uns die Stirn blutig stoßen, soll uns nicht niederschlagen. Das bedeutet immer nur, daß wir höher hinauf sollen, darüber hinaus. J. M. Sick, Hochlandspfarrer. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, 7. September. 12. n. Trinitatis Kollekte für die Kaiser⸗Wilhelm⸗Stiftung zu Gunsten der deutschen Kriegsinvaliden. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.— Vormittags 9½ Uhr: Divisions⸗ pfarrer Tiesmeyer. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Ausfeld.(Zugleich Militärgottesdienst. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Lukas⸗ und Johannesgemeinde. Anmel⸗ dungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.— Vormittags 11 ¼ Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. . Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Undversitäts⸗Buch⸗ und Steindrucherel R. Lange, Gießen. 3—— 2 — 2 * 3 U 1