onntagsgruß emeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 27 Gießen, 3. Sonnt. n. Trinitatis, den 6. Juli 1919 8. Jahrgang Der Zwangsfriede. 2. Sam. 22, 36. Wenn du mich demütigst, machst du mich groß. Mit dem 23. Juni 1919 hat sich N lands äußeres Geschick auf Jahrzehnte er⸗ füllt. Nie ist eine Regierung und ein Par⸗ lament vor eine erschütterndere Entschei⸗ dung gestellt worden, als in Weimar am vorletzten Montag. Nachdem sie gefallen, kann die dort einmütig aus⸗ gesprochene Mahnung, niemandem einen Vorwurf zu machen, ob er nun für oder gegen Annahme des unerhörtesten Friedens der Weltgeschichte gestimmt hat, weil jeder aus pflichtgemäßester Ueberzeugung handelte, nicht stark genug unterstrichen werden. Eine fast selbstverständliche Forderung, wo doch keinem einzigen Volksgenossen der bittere. Kampf eigener Entscheidung erspart wor⸗ den ist! Nun aber hat jeder Einzelne sich in ner⸗ lich mit dem Ernst der Tatsachen abzu finden. Und das führt auf den Grund der Seele. Wir spüren, daß hier rein politische Erwägungen entfernt nicht zum Ziele füh⸗ ren. Was in den kommenden Tagen und Jahren über uns hereinbricht, packt den gan⸗ zen Menschen bis in die letzten Fasern seines Empfindens an und zwingt zu unerbittlicher Selbstbesinnung. Ein jeder wird vor die Frage gestellt: aus welchem geistigen Kraft⸗ behälter kannst du schöpfen, um für die noch nicht übersehbare Härte der Anforderungen und Entbehrungen, die sich auftut, gewapp⸗ net dazustehen! Und das ist letztlich eine Frage an das Gewissen. Daß der Ausgang dieses Krieges für Deutschland und die Deut⸗ schen nicht auf ein mechanisches Rechenexem⸗ pel der ee äußeren Machtmittel zurückgeführt werden kann, weiß jeder. Die 1 ö 1 richte, auf Läuterung. Diese Erkenntnis führt in die Tiefe. Aber sie allein verheißt neuen Aufstieg: Wenn du mich demütigst, machst du mich groß. Hier ist der Weg gewiesen, auf dem unser Volk und jeder Einzelne in schwerster Heim⸗ suchung 9 55 zu Kraft und Größe empor⸗ steigen kann. Und in diese Größe hat kein fremder Machtwille hineinzureden. Hier sind wir frei trotz aller Ketten. Geben wir uns in Gottes Hand, und wir werden trotz des . nicht in Menschenhände fallen. Abwehr einer unberechtigten Uritik. In einem„Eingesandt“ des„Gießener Anzeigers“ vom 25. Juni hatte ein ano⸗ nymer Einsender behauptet, daß die evan⸗ gelische Kirche nicht den leisesten Versuch mache, auf dem Gebiete des Verfassungs⸗ und Mitbestimmungsrechtes der Gemeinden durchgreifende Reformen herbeizuführen. Insbesondere wurde bemängelt, daß man bei der Besetzung der Pfarrstellen nicht dig Wünsche der Gemeinde, namentlich nicht die Wünsche der Frauenwelt, berücksichtige. Diese beiden unberechtigten Vorwürfe habe ich bereits im„Gießener Anzeiger“ vom. 27. Juni zurückgewiesen. Da die ganze Frage für unser Gemeindeleben sehr wichtig ist, so gehe ich hier noch einmal darauf ein. Die Behauptung, daß in unserer Kirche gar nichts geändert werde, kann nur ein Mann aufstellen, der die neuesten Vorgänge auf kirchlichem Gebiete gar nicht beachtet hat. Allenthalben regt man sich in dieser kri⸗ tischen Zeit, der evangelischen Kirche eine neue Verfassung zu geben, und gerade die Theologen sind es, die sich lebhaft mit die⸗ ser Frage beschäftigen. Daß man diese wich⸗ bloße rohe Kraft hat, seitdem es 1 Kultun tige Sache nicht überstürzt, ist natürlich heil⸗ gibt, niemals die Endentscheidung herbeige⸗ Unwägbarkei den Ausschlag gegeben. Es sam. Bemerkt sei nur, daß man in Würt⸗ unggebenden Landessynode vollzogen hat. führt. 1 haben doch die 5 temberg bereits die Wahlen zu einer verfas⸗ mag oft äußer schwer sein, die inneren Ge⸗ In den übrigen deutschen Bundesstaaten setze des Weltgeschehens zweifelsfrei festzu⸗ wird man damit wohl bald nachfolgen. stellen, zumal, wenn man noch mitten im Strudel der Ereignisse steht. Aber gewiß ist, und die Geschichte hat es noch immer er⸗ wiesen, daß in ihren Ergebnissen sich ein 2 Der Verfasser des erwähnten Artikels ist sichtlich darüber verstimmt, daß bei der Be⸗ bung einer Pfarrstelle sein Vorschlag oder Wunsch nicht durchgedrungen ist, und er klagt höherer Wille vollzieht, der mit dem mensch⸗ darüber, daß man in solchen Fällen nach lichen Verstand allein nicht auszumessen ist und in dem doch eine 10 Folge⸗ richtigkeit im Blick auf die Gesamtentwich⸗ den Wünschen der Gemeindeglieder nicht frage. Ich habe im„Gießener Anzeiger“ schon angeführt, daß die Gemeinde durch lung der Menschheit sich vollzieht. Es besteht ihren Kirchenvorstand das Recht der Mitbe⸗ ein göttlicher Wille, ob ihn nun der stimmung ausübt. Im Ernste wird doch nie⸗ Einzelne anerkennen will oder nicht. Und mand daran denken, einen Pfarrer etwa dieser Wille zielt, durch mannigfache Ge⸗ durch Gemeindewahl zu berufen. Man beruft — 3 e — 106— auf diese Art auch keinen Lehrer oder Staats⸗ beamten. Ebensowenig wird man das als den einheitlichen Willen der Gemeinde an⸗ sehen, wenn ein halbes Dutzend Frauen sich für irgendeinen Bewerber verwendet. Der Kirchenvorstand ist die durch das Vertrauen der Gemeindeglieder gewählte Körperschaft, die die Interessen der Gemeinde vertritt. Daß die Männer, die zu dieser Körperschaft gehören, bei einer Pfarrerwahl gewissenhaft zu Werk gehen, darf vorausgesetzt werden. Leider wird oft versucht, den Kirchenvor⸗ stand dabei in unzulässiger Weise zu beein⸗ flussen. Von allen Seiten kommen Briefe, alle möglichen Personen werden in Be⸗ wegung gesetzt, um bestimmte Kandidaten durchzubringen. Daß es dabei menschlich, oft sehr menschlich zugeht, wird jeder begreifen. Da schlägt der eine seinen Vetter, der an⸗ dere seinen Schwiegersohn, der dritte seinen Freund vor, und jeder ist tief verstimmt, wenn sein Vorschlag nicht durchgeht. Städ⸗ tische Stellen sind oft sehr begehrt, weil man sich von der Stadt sehr viele Anregungen verspricht, ohne zu bedenken, daß auf dem. Pfarrer einer Stadtgemeinde eine solche Ar⸗ beitslast liegt, daß er weder an künstlerischen noch an geselligen, noch an wissenschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen kann. Viele Ge⸗ meindeglieder machen sich keine rechte Vor⸗ stellung davon, was man von dem Pfarrer einer Stadtgemeinde verlangen muß. Der verstorbene Darmstädter Pfarrer Widmann hat einmal in der Landessynode gesagt, in die Stadt solle man keinen Mann versetzen, der vorher nicht mindestens 10 Jahre lang eine Pfarrstelle auf dem Lande gehabt habe. Das ist unzweifelhaft richtig. Stadtgemein⸗ den setzen sich aus allen Schichten der Be⸗ völkerung zusammen, jeder Grad der Bil⸗ dung ist in ihnen vertreten, Menschen ver⸗ schiedenen Gepräges gehören zu ihnen. Da ist klar, daß nur ein erfahrener Mann in einer solchen Gemeinde mit Erfolg arbeiten kann. Nicht nur erfahren muß ein solcher Mann sein, er muß sich auch bewährt haben, er muß gezeigt haben, daß er schwierigen. Verhältnissen gewachsen ist. Hierzu kommt, daß er körperlich rüstig sein muß. Die Ar⸗ beit in städtischen Gemeinden stellt an die Leistungsfähigkeit und Arbeitskraft die größ⸗ ten Anforderungen. Trotzdem werden für städtische Stellen oft genug schwächliche und kränkliche Kandidaten in Vorschlag gebracht, von denen man voraussehen muß, daß sie nach kurzer Zeit zusammenbrechen oder zum mindesten ihren Pflichten nicht mehr recht nachkommen können, was für die Gemeinde ein großes Hemmnis ist. Schwerhörige Her⸗ ren werden z. B. mitunter für Gemeinden vorgeschlagen, die Jahr für Jahr mehr als 100 Konfirmanden haben. Selbstverständlich kann man nicht jedem Gemeindegliede das Recht zugestehen, bei der Auswahl des Pfar⸗ rers mitzuwirken, dazu gehört ein gewisses Maß von Bildung und Erfahrung. Ungerecht und unschön in hohem Maße aber ist es, wenn der Verfasser des er⸗ wähnten„Eingesandt“, der sich„einen kirch⸗ lich gesinnten Laien“ nennt, der Kirche— das sind hier die Pfarrer und Kirchenvor⸗ steher— Herrschsucht vorwirft. Die Kirchen⸗ vorsteher herrschen ganz und gar nicht, sie haben im wesentlichen die Aufgabe, das Kirchengut zu verwalten. Wir Pfarrer in⸗ sonderheit, wir herrschen nicht, sondern wir dienen. Wir fügen uns in allem, wenn es irgend geht, den Wünschen unserer Ge⸗ meindeglieder. Ich habe manchmal, wie auch meine Kollegen, an einem Tage zweimal den weiten Weg nach dem Neuen Friedhof ge⸗ macht, weil Begräbnisse zu ganz bestimmten Stunden verlangt wurden. Würden wir herrschen, so würden wir diese Amtshand⸗ lungen so legen, daß der Weg nur einmal zu machen wäre. Wir kümmern uns jahr⸗ aus, jahrein um die Kranken, die Armen, die Taubstummen, die Trauernden, die An⸗ gefochtenen, die Einsamen, die verwahrloste Jugend. Wie vielen Männern habe ich in meiner früheren Gemeinde Arbeit verschafft, indem ich für sie auf den Fabrikkontoren vorgesprochen habe. Wie viele Wege gehen wir, oft sehr unerquickliche Wege, um Für⸗ sprache für Glieder unserer Gemeinden ein⸗ zulegen, wie viele Briefe schreiben wir in ihrem Interesse. Wie viele Gesuche um Ver⸗ legung in die Heimatlazarette oder in an⸗ deren militärischen Angelegenheiten haben wir während des Krieges geschrieben, wobei wir das Schreibmaterial meist aus unseren eigenen Mitteln bestritten haben. Und da wagt der„kirchlich gesinnte Laie“ vor einem großen Leserkreis verschiedenen Bekenntnisses uns herabzusetzen, indem er uns die Mahnung gibt:„Ihr, denen dieselbe(die Kirche) heute noch anvertraut ist, bedenkt, daß Ihr nicht zum Herrschen, sondern zum Dienen berufen seid!“ Ich kann nicht anders, als daß ich seine Ausführungen als äußerst unbedacht und ungerecht ansehe. 5 Zum Schluß noch die Frage: Wie groß ist wohl die Zahl der„vielen“ kirchlich gesinnten Laien, in deren Namen der Verfasser angeb⸗ lich schreibt? H. B. was die Uirche durch ihre innere Mission für den Staat tut. Man rechnet, so lesen wirezn der neuesten Nummer der„Monatsblät für Innere Mission“, in unseren Tagen der Kirche gerne vor, wie viel der Staat bisher für sie getan habe. Der Staat gibt der Kirche, das ist wahr. Die Behauptung aber, die Kirche leiste ihm nichts dafür, ist eine grobe Entstellung der Wahrheit. Zur Abwehr des Unrechts, das man ihr vielfach tut, seien hier einige Zahlen namhaft gemacht. 9 Denken wir an die Diakonissen⸗ sache in Deutschland. Zu 86 Anstalten ge⸗ hören im deutschen Vaterland über 25 000 Diakonissen. Die Zahl der Schwestern, die im Kriege den Verwundeten und Sterbenden . gedient Frieden Volk, al den Aer! sorge fü wahrl 500 kird im deuts daß die straffälli dem Sta Zahl ist Familie Millione eine Kir Hinsichtl hat der der Sta konnte d Plätze z 20—25 wahrsche nichtkirch Herbe Veransta pflegung umsonst, guten G Welchem Denken! Die Kir daß Gef find. Si Arbeitss Leben. zehnten rückgewi um Mil Noch ei Arme gab es v. H. au Zeitschri Wer fähig m schenkt a schenkt e für Blit wertige, lige, Ep das muf das Ell richtete hat dere Und wer ihrer we pflege g zuliebe meinde bestreite lässigen weit üb lichen bringen viel, Deutschl Staats! 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Wer rechnet nach, wieviel hundert Millionen Mark an Nationalvermögen diese eine Kirchenarbeit dem Staat erhält?— Hinsichtlich der Fürsorgeerziehung hat der Staat von der Kirche gelernt. Als der Staat sie vor 18 Jahren übernahm, konnte die Kirche in ihren Anstalten 10 000 Plätze zur Verfügung stellen. Sie hat jetzt 20—25 000 solche Zöglinge in Pflege und wahrscheinlich mit größerem Erfolg, als nichtkirchliche Anstalten ihn haben. Die Herbergen zur Heimat, kirchliche Veranstaltungen, haben 2½ Millionen Ver⸗ pflegungstage jährlich; 540 000 geben sie umsonst, die anderen billig und gut. Den guten Geist des Hauses geben sie obendrein. Welchem Volksteil kommt das zugute?— Denken wir an die Arbeiterkolonien. Die Kirche wußte es eher als der Staat, daß Gefängnisse eine schlechte Kapitalanlage find. Sie beugt lieber vor und erzieht die Arbeitsscheuen zu einem neuen geordneten Leben. Wer dem Volke in wenigen Jahr⸗ zehnten 200 bis 300 000 Arbeitskräfte zu⸗ rückgewinnt, der hebt unser Volksvermögen um Milliarden. Die Kirche hat es getan.— Noch ein Wort von der Krüppel⸗ und Armenpflege. Etwa 250 000 Krüppel gab es vor dem Kriege in Deutschland, 80 v. H. aus den bedürftigen Volksklassen. Die Zeitschrift„Bausteine“ sagt sehr richtig: „Wer einen solchen Menschen erwerbs⸗ fähig macht, gibt ihm Lebensfreude— er schenkt auch dem Staat viel Geld. Die Kirche schenkt es. Sie gab dem Staat ihre Anstalten für Blinde, Taubstumme, geistig Minder⸗ wertige, Sieche, Alte, Einsame, Trunkfäl⸗ lige, Epileptische. Aus kirchlichen Kreisen kam das musterhafte Armenpflegesystem, das man das Elberfelder nennt. Die Kirche zuerst richtete Volksbibliotheken ein und hat deren in Deutschland eine große Menge. Und wenn man dazu noch rechnet, was sie in ihrer weitverzweigten Armen⸗ und Kranken⸗ pflege gerade den Bedürftigsten des Volkes zuliebe tut, wie sie dadurch Staat und Ge⸗ meinde entlastet, so wird man wohl nicht bestreiten: sie gibt dem Staat! Nach zuver⸗ lässigen statistischen Berechnungen sind es weit über 100 Millionen, was die kirch⸗ lichen Kreise jährlich fürs Volksganze auf⸗ bringen. Das ist mehr als doppelt so viel, als die sämtlichen Landeskirchen Deutschlands zusammen bisher an jährlichen Staatsbeihilfen bezogen! — 107— Di.iese Statistik beweist, daß die Kirche dem Staat mehr gibt als der Staat der Kirche. Johann henrich Schaffstädts Gießener Chronik 1776 1825. (Fortsetzung.) „D. 28ten Novem ist unser Leibregiment aus Frankreich wieder bey uns in Gießen eingerückt, haben sie 5 Täge beköstigen müssen.“ „D. Iten Decem ist der Franßchösische Marschall Ney als Anhänger Bonnobarths und Refluthsner(Revolutionär) des Könnigs Tod geschossen worden in Paris.“ „Im Decemper ist der Teusche Alte Held Marschall Blücher Fürst von Wahlstatt nach seinem Vatterland nacher Berlin wieder aus Frankreich abgereist. Dießes ist der Held welchem die Teusche Nathion ihre Freiheit von dem Truck der Fransoßen zu verdanken hat. Ist den öten Jenner 1816 des Mittags 11 Uhr durch Gießen gemacht.“ „D. 7ten April ist des Keißers von Oest⸗ reich seine Gemahlin gestorben in Verrona in Idalgen(Italien).“ „D. 25ten April ist der Prins Leobold von Sachs⸗Coburg mit der Enlischen Prin⸗ seßin von Wallis Coplirt worden. Ist im Kindbette gestorben.“ „D. Igten May ist der Feill(Pfeil) Brieftröcher worden.“ „D. 24ten May ist des Rathsdinners Balsers Wirdsschafthäusgen mit der Kegel⸗ bahn bey der gewessenen Klein Mühl ver⸗ strichen(versteigert) worden.“ „D. 26ten May ist die Vestung Landau an die Beuren(Bayern) übergeben worden mit seinen Besietzungen. D. Iten May ist Wormß und Maintz mit seinen Umgebungen an unsern Großherzog von Darmstadt über⸗ geben worden. Hat dagegen das Hertzogtum Westfallen an Preußen müssen abtreten.“ Der Tag der Uebergabe war der 8. Juli. „D. 18ten July ist der Brauknecht Derr in den Braukessel gefallen in dem Brauhaus beim Stockhaus ist in etlichen Stunden drauf gestorben.“ Nach dem Kirchenbuche verun⸗ glückte Jakob Dörr im Alter von 40 Jahren, er starb acht Stunden nachdem er in den Kessel gefallen war. „In dem August ist das Brauhaus bey der Schul auf 6 Jahr von der Wittib Busch an den Kiefer Loos verlenth worden.“ „Auch ist zur nemlichen Zeit der Neue Kirchhof zum Beerdigen gemacht worden.“ Auch ist die Neue Schließ an dem Aus⸗ grinne bey der Pipenschantz gemacht worden.“ In dem Septem ist der allhießige Marck⸗ brunnen abgebrochen worden mit dem Männgen und 3 Löwen und ist eine bomp (Pumpe) dahin gemacht worden von Conrad Lony(undeutlich geschrieben, kann auch Lang heißen). D. 14ten October ist das Mänchen der Nebthun(Neptun) drauf gestellt worden.“ „D. Sten October ist der alte Gärtner Grunnenberg am Selßersberg von einem Nußbaum Tod gefallen.“ — 3 „ — 108— Nach dem Kirchenbuche, das von 1808 an nur trockene Angaben enthält und die interessanten Zusötze der alten Zeit— alles auf Anordnung der Behörde— vermissen läßt, war Grüneberg 68 Jahr alt. Er starb den 6. Oktober 1816, vormittags 8 Uhr, und wurde bereits am 7. Oktober, nachmittags 4 Uhr zu Grabe getragen. „In dem Novem ist das Amt Achsbach von Weilburg an den König von Preußen abgetretten worden.“ Es handelt sich hier um das Nassau⸗Weilburgsche Amt Atzbach. „Den Monath Decem ist das Quartier Geld auf Jedermann doppel erhoben wor⸗ den, das der gemein Soltad der vorher 30 kr. den Monath bekommen nun 1 fl. be⸗ kommen der Unteroffezier 1 fl. 20 kr.“ „Das 1816 Jahr wahr ein Jahr for fielle Länder durch den viellen Regen überschwem⸗ mungen gehabt haben. Das vielles Heu nicht gemacht werden können auch die übrigen Früchten nicht gergthen und Reif sind wor⸗ den, sind also alle Lebensmittel außerordent⸗ lich in die Höh gestichen, daß bey Ausmachen der Kartoffel das Achtel sist zahlt worden zu 2 fl. 20 kr. sie sind oder(aber) bestän⸗ dig in die Höhe im Preis kommen. Im Ja⸗ nuwary(1817) sind die Kartoffel das Ach⸗ tel auf 6 fl. kommen das Achtel Weitzen 25 fl., das Korn 16, die Gerste 14, die Maas Oehl 1 fl. 36 kr., im Ganzen alle Lebens⸗ mittel. Da haben die wohlhabenden Ein⸗ wohner allhier zusammengelägt um die Armen mit Brot bis zur Ernte zu unter⸗ stüzen sie haben übern andern Tag(alle zwei Tage) auch warmeß Essen erhalten. Ausgangs April ist das Achtel Weitzen kom men 29 fl., Korn 19 fl., Gerste 17 fl., Ha⸗ fer 10 fl., das Ochsenfleisch 14 kr. Im Juny ist der Weitzen 30 fl., Korn 20 fl., Gerste 16 fl., das Ochsenfleisch 16 kr. bezahlt wor⸗ den. Am Rein hat das Korn 45 fl. Kost.“ Im Anschluß an diese Schilderung der Fol und Teuerung des„Hungerjahres“ 1816/17 sei hier eine Aufzeichnung wieder⸗ gegeben, die sich auf denselben Gegenf (17811866) herrührt. Sie lautet:„Die Witterung vom Frühling bis den 1. May war so ziemlich, aber doch immer kalt dabey, vom 1. May an hat es Tag vor(für) Tag geregnet, daß das Kleeheu im Feld verfault ist und auf den Johannistag noch keins ein⸗ geerndt war. Das Wissenheu ist 14 Tage nach Johannis gemacht worden und ziem⸗ lich gut eingeerndt worden. Um Jakobitag hat es am Rand gestanden, daß es bei vielen Haushaltungen Brodmangel gegeben hat; wegen dem Regenwetter war kein tand bezieht und von dem Urgroßvater des Her⸗ ausgebers des„Sonntagsgrußes“, dem rheinhessischen Landwirte Jakob Stellwagen noch sehr viel, wo dann auch der Hafer, Erbsen, Wicken, Kleeheu, mehrenteils ist nicht eingethan worden. Das Ohmet ist zum Theil stehen geblieben, und was abgemacht worden, ist verfault. Die Herbstsaat ist beschwerlich und mit vieller Mühe ausgesäet wor⸗ den wegen dem vielen Regenwetter. Die Kartoffeln, Gelbrüben und sonstiges Ge⸗ pflänz sind mit vieler Müh und doch sehr langsam eingethan worden, es sind aber sehr viele Gelbrüben bis nach dem Neujahr 1817 im Feld geblieben.“ Diese Teuerung war nicht so verhängnisvoll wie die gegen⸗ wärtige; denn sie ging nach etwa 9 Mo⸗ naten wieder zu Ende.— (Fortsetzung folgt.) Anmerkung. Der Sachkunde des Herrn Josef Ampt⸗Gießen verdanke ich eine Reihe von Berichtigungen und Erläuterungen zu der in den vorausgegangenen Nummern ab⸗ gedruckten Chronik J. H. Schaffstädts, die im nachstehenden wiedergegeben werden. S. 44. Lord Hort— Lord Howe. S. 59. Jeneral Schampinet General Jean Etienne Championnet, der Eroberer von Neapel(25. Januar 1799). S. 62. Seuting(2)= Säuding, kleines halbwüchsiges Schwein(Läuferschwein). S. 63. Graf Capeszen= Graf Cobenzl, be⸗ kannter österreichischer Staatsmann. S. 67, letzte Zeile: Bezüglich des Todes des Kaisers Paul von Rußland ist der Ver⸗ fasser falsch unterrichtet gewesen. Derselbe starb nicht am Schlagfluß, sondern wurde durch Verschworene in seinem Schlafgemach ermordet. S. 88, am Schlusse: Auch hier scheint ein Irrtum des Verfassers obzuwalten. Napo⸗ leon hat nicht seinem Bruder Joseph Holland abgenommen, sondern Ludwig, dem Vater Napoleons III.; Joseph war ja König von Spanien. S. 62, unten: Im Kirchenbuche steht wohl Graf von Sayn⸗ Wittgenstein⸗Berleburg und nicht Sachsen⸗Wittgenstein⸗Berleburg. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 6. Juli(3. nach Trinitatis). Kollekte für die evang. Gemeinde Bürstadt. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde. Pfarrassiste Schaefer.— Vormittags 9 Uhr: Pfarrer Mahr.— Vormittags 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Matthäusgemeinde. Pfarren Mahr. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ Korn heimzubringen. Nachgehends ist die ten aus der Johannesgemeinde. Pfarrer Erndt mit vieller Müh und doch sehr lang⸗ Ausfeld. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer sam eingethan worden und ist in unser Ge⸗ Bechtolsheimer.— Vormittags 11. Uhr mark noch im Oktober Weitz draus gewesen, Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer aber in den Waltgemarkungen(gemeint sind Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Bibelbe⸗ die benachbarten pfalz⸗bayerischen Dörfer) sprechung im Johannessaal. —.... ̃ͤ ͤ— Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerel R. Lange, Gießen. Wenn kennen l berühmt serem 6 Wunder schilderu die Blü schönen stock hab und sein Zeit na dem Ste Wie der so hatte Tierwel— begabte Völklein die unv liebevoll liegt der heit des ist dem Sinnbil! Welt. 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