t nur ich da⸗ iste er⸗ Wan⸗ s eine e Pro⸗ irchen⸗ i J u⸗ at des te Be⸗ warm⸗ 5 u. a. Ueber⸗ surcht⸗ unserer ingende immen⸗ dere an ir stan⸗ ir müs⸗ iß dem den alle zehalten t!“ Ge⸗ nd Auf⸗ die Ge⸗ Sinne er kräf⸗ in Licht den, um Abbau ind Völ⸗ icken zur tung, zu derlicher Einigkeit dens zu t dahin, iegendes t in der ihen sich ieblings⸗ aus der nir alle, ich will initatis). 3 8 Uhr, nfirmier⸗ Pfarrer rrassistent Kinoer⸗ Pfarr⸗ 198 8 Uhr, nfirmier⸗ rer Bech⸗ Pfarrer : Kinder⸗ Pfarrer ——ů teindruckerel onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 31 Gießen, 7. Sonnt. n. Trinitatis, den 3. August 1919 8. Jahrgang Zum Gedächtnis der Gefallenen. 2. Buch Samuelis 1, 19. Die Edelsten in Israel sind auf deiner Höhe er⸗ schlagen. Wie sind die Helden ge⸗ fallen! In dieser Woche hat es sich zum fünften⸗ mal gejährt, daß der Krieg ausgebrochen ist. Wohl ist der Friede geschlossen, aber wir können nicht singen: Nun ist groß Fried ohne Unterlaß, all Fehd hat nun ein Ende. Hart bedrängt uns der Feind, unsere Gefangenen weilen noch in der Fremde, die Teuerung dauert vorläufig noch aun. Vor unserem geisti⸗ gen Auge stehen in diesen Tagen mit ihren schweren Erinnerungen die Männer und Jünglinge, die für das Vaterland gefallen sind. Ihre Zahl ist erschreckend groß. Ent⸗ setzen ergriff uns, als wir vor wenigen Mo⸗ naten hörten, daß Deutschland in diesem furchtbarsten aller Kriege zwei Millionen Menschen auf den Schlachtfeldern und in den Lazaretten verloren hat. deren Leben durch die Hungerblockade ver⸗ kürzt wurde, ist hierin nicht eingerechnet, ist uns auch nicht bekannt. Zwei Millionen! Wenn diese Schar geschlossen auf einer Straße marschieren würde, vier und vier, wie die Heereskolonnen marschieren, es würde viele Tage dauern, bis der Zug vorüber wäre. Einen Blutzoll hat Deutschland ge⸗ zahlt, der entsetzlich ist. Das wird man so recht gewahr, wenn man sich die Zahlen der Gefollenen für die einzelnen Städte und Dörfer vergegenwärtigt. Eine rheinhessische Landgemeinde von knapp 700 Seelen hat 36 Gefallene, das ist ein sehr hoher Prozent⸗ satz. Die Universität Gießen hat 2 Profes⸗ soren, einen Privatdozenten, 10 Assistenten und Beamten und 237 Studenten, im ganzen 250 ihrer Angehörigen verloren, während im Kriege 1870/1 nur 2 Studenten gefallen sind. Die Zahl der Gefallenen ist für die Stadt Gießen noch nicht bekanntgegeben wor⸗ den, wir fürchten, daß sie mit 700 nicht zu hoch gegriffen ist. Mithin sind von denen, die im Sommer 1914 unsere Stadt bevölkerten, nahezu 1000 Menschen ein Opfer des Krieges geworden. Unser Volk, das auf so vielen Kriegsschauplätzen kämpfen mußte, hat weit mehr Menschen verloren als irgend ein an⸗ deres der kämpfenden Völker. Frankreich bei⸗ spielsweise, das nur eine Front zu verteidi⸗ gen hatte, hat eine Million Gefallener. Am Tage des Gerichtes werden alle diese Token auftreten und die anklagen, die diesen unheilvollen Krieg durch Gewinnsucht, Län⸗ Die Zahl derer, dergier, Größenwahn, Unverstand und Ge⸗ wissenlosigkeit verschuldet haben. Wir können uns den Verlust, den wir in den letzten fünf Jahren an Menschenleben erlitten haben, nicht groß genug vorstellen. Diese zwei Millionen sind nicht zu ersetzen. Es woren die Besten, die Tüchtigsten der Na⸗ tion, Menschen voll von Kraft und Geist, die bei längerem Leben in allen Zweigen mensch⸗ licher Berufstätigkeit das Wertvollste ge⸗ leistet hätten. Diesen Verlust werden wir in seiner ganzen Größe erst in 20 und 30 Jah⸗ ren spüren, denn dann werden unserem Volke die fehlen, die berufen gewesen wären, es zu führen. Auf unsere Gefallenen paßt so⸗ mit Davids uralte Totenklage, in die er einst ausbrach, als Saul und Jonathan auf dem Gebirge Gilboa gefallen waren, die Klage:„Die Edelsten sind auf deiner Höhe erschlagen. Wie sind die Helden gefallen!“ Sie haben den Tod nicht gefürchtet, die Ehre stand ihnen höher als das zeitliche Leben und das irdische Wohlergehen. Sie haben un⸗ serem Volke das Beispiel heldenhafter Pflichterfüllung gegeben, sie waren treu bis an den Tod. Viele von ihnen sind wie einst Theodor Körner aus den beglückendsten Ver⸗ hältnissen heraus in den Kampf gezogen; Männer, die Kinder zu versorgen hatten, haben im Schützengraben standgehalten, bis die feindliche Kugel sie traf; Jünglinge, die eben von der Schulbank kamen, haben das deutsche Land vor dem Einfalle des Feindes beschützt. Ehre ihrem Andenken! Allerdings uns quält die Frage: Hat ihre Hingabe denn auch Segen gebracht, hat diese beispiellose Aufopferung auch etwas Heil⸗ sames gewirkt? Der Augenschein sagt: Nein! Umsonst, so scheint es, auf das erste, ist all das Blut im Kampfe geflossen. Das Bei⸗ spiel der Pflichterfüllung und Treue hat auf die Deutschen nicht gewirkt. Unser vordem so fleißiges und treues Volk ist wie von einer geistigen Massenerkrankung ergriffen und will nicht mehr arbeiten. Wirtschaftlicher Zu⸗ sammenbruch, Staatsbankerott, allgemeine Verelendung werden kommen, wenn das sich nicht ändert. Auch, was wir sonst wahrneh⸗ men, legt uns das Wort auf die Zunge: Alles umsonst! Als einst Schottlandes Jugend im Kampfe gefallen war, ging durch das Land das ergreifende S. Kein Erntereigen, es schweigen die Geigen, Kein Tänzer, der fröhlich im Tanze sich dreht, Auf Märkten und Messen die Lust ist ver⸗ gessen, Die Blumen vom Walde sind abgemäht. 3— — 122 Das deutsche Volk will jetzt ein solches Walltor. Gebaut wurde wenig, jedenfalls Lied nicht singen. Die allermeisten haben die war es ein Ereignis, wenn nur ein Scheu⸗ Toten dieses Krieges schon vergessen, nur nenbau errichtet wurde. Die Straßen und die Väter, Mütter und Witwen der Gefal⸗ Gassen der Stadt waren eng, schmutzig und lenen gedenken ihrer noch in Treue und schlecht gepflastert. In meiner Kindheit hat⸗ tiefer Trauer. ten nur wenige Straßen einigermaßen glatte Umsonst, so scheint es, ist das Blut im Fahrbahn, die anderen waren mit runden Kriege geflossen. Umsonst allerdings, so weit Fteinen gepflastert in der Mitte eine Riihe Menschen sehen können. Aber wir sehen nur, flacher, breiter Steine, der Bürgersteig. Von was unmittelbar vor unseren Augen ist, Got⸗ Trottoirs war keine Rede. Die Straßen und tes Augen sehen herab auf alle Lande und Gassen wurden bei Eintritt der Dunkelheit hinein in alle Zeiten. Er weiß, was er mit durch Dellampen beleuchtet. An den uns gewollt hat, indem er dieses Unheil über Straßenkreuzungen hoch an Ketten hängend uns kommen ließ, er sieht auch den Tag— spendeten sie ihr spärliches Licht, das heißt, mag dieser Tag auch erst in weiter, ferner wenn die. nicht gerade von den Studenten Zukunft liegen—, an dem offenbar wird, eingeworsen waren. daß die Helden nicht umsonst gefallen sind. 1859 am Weihnachtsabend wurde die Wir wollen uns in der Trauer um unsere Stadt zum erstenmal mit Gas beleuchtet. Toten an das Wort des Pfalmisten halten: Es war wie eine Illumination, und alle Die mit Tränen säen, werden mit Freuden Welt befand sich auf der Straße.— Da ernten, sie gehen hin und weinen und tragen keine Kanalisation ebensowenig wie eine Was⸗ edlen Samen und kommen mit Freuden und serleitung vorhanden war, floß alles Flüs⸗ bringen ihre Garben. H. B. sige durch die Gassen und einige sogenannte e 1 Verl 5 Dieser 1 7 Stadtbach war die Perle der städtischen Ein⸗ die Stadt Gießen um die Mitte des richtungen, in ihm fand alles Ueberflüfite 19. Jahrhunderts. liebevolle Aufnahme. Bei der Möserschen Von Mühle war der Einfluß, dann zog er sich Kommerzienrat Heinrich Schaffstädt. in mehreren Läufen quer durch die Stadt, er Im Anschluß an die Aufzeichnungen mei⸗ war wieder verbunden mit dem Stadtring⸗ nes Urgroßvaters gebe ich im Nachfolgen⸗ graben, der dem Laufe der Schoor um die den einige Mitteilungen über Ereignisse und ganze Stadt folgte. In der ersten Zeit seines Zustände in unserer Stadt. Ich übergehe die Bestehens floß er unbedeckt durch die Stadt, 30 Jahre von 1823 bis ungefähr 1853 und und ich erinnere mich noch sehr gut, daß ter lade die Leser ein, sich mit mir das Gießen entlang dem Lindenplatz, dem Tiefenweg, der anzusehen, wo es die Mitte des vorigen Bachgasse, der Sandgasse offen dahin Loß. Da Jahrhunderts zeigt. Es beginnen damit alles in dem Stadtbach Aufnahme fand. d meine eigenen Erinnerungen. kann man sich denken, was für schauerliche Es hat sich nicht viel seit dem Tode meines Düfte er namentlich zur Sommers aun Urgroßvaters verändert, wohl sind einige hauchte. Er wurde indessen einige Mals in Einwohner mehr vorhanden, doch alle haben Jahre geräumt, es hieß dann:„die Bac noch innerhalb der Tore bzw. der nun nicht geht hinaus“ Wir Buben gingen dann au mehr vorhandenen Wälle Platz gefunden. den Fischfang, denn so schmutzic das Wasser Nur vor dem Walltor nach Lollar zu und auch war, Fische gab es in Massen darin, vor dem Selterstor also an der Hauptheer⸗ die dann schon halbtot von uns gefangen straße Frankfurt—Cassel haben sich einige wurden. So eine Bachräumung dauere Häuser angesiedelt. Vor dem Neuenwegertor wochenlang und erfolgte immer im Sommer. befinden sich außer dem weit draußen lie⸗ Unter solchen Umständen war es kein Wun⸗ genden Buschschen Garten(jetzt Steins Gar⸗ der, wenn der Gesundheitszustand seht ten) nur die vierklassige Realschule, welche schlecht war.— um 1854 aus der Weidengasse(dem jetzigen Die alljährlichen Wasserfluten, von wel⸗ Polizeigebäude) dorthin verlegt wurde, der chen die Stadt bis in die 70er Jahre hinein Loge und der um die Mitte der 50er Jahre häufig heimgesucht wurde, entstanden durch erbauten Gasfabrik keine weiteren Wohn⸗ die durch Schnee- und Eisschmelze oder stark stätten. Vor dem Neustädtertor, über der Regengüsse angeschwollene Lahn. Das Was⸗ Lahn sind die Pulvermühle, die Bleichen und ser wurde durch die undichten Schleusen und der Zimmerplatz von Herbert vorhanden.— durch Rückstauung in den Stadtbach uud Auch innerhalb der Tore sind noch große durch diesen in die Straßen gedrückt. Die Gärten vorhanden, so der Schülersche Gar⸗ tiefgelegenen Stadtteile, wie Tiefenweg, ten, der Stammlersche Garten, Pistors Gar⸗ Reichensand(die jetzige Bahnhofstraße) ten gegenüber Oßwaldsgarten, Lonys Gar⸗ Löwengasse, Hintergasse(die jetzige Wet⸗ ten, die großen Gärten von Heß, Kempf, steingasse), standen dann mitunter 1 Meter v. Löhr, Sundheim und viele andere. Die hoch unter Wasser. Es wurden Stege ge Häufer an dem Seltersweg nach der Süd⸗ baut, um den Verkehr aufrechtzuerhalten. anlage zu, hatten alle große Gärten, die in In dem genannten Stadtteilen wurden die das Feld übergingen. Aehnlich war es am Keller natürlich auch unter Wasser gesetzt. Erst in Pumpn Westan ausgep! bereitet Ei: tung u 7 Häusert durch e schlossei Volksm neten? in diese reichen auch an vor, de der spa Winkel ganze denke schlecht nige n Flüssig ist. Ab eine gr niger v daß es Trinkn Selter⸗ genann wegen Unse durch schwun Studi immer reien edenfalls n Scheu⸗ ßen und utzig und heit hat⸗ zen glatte t runden ine Reihe teig. Von aßen und Dunkelheit An den hängend das heißt, Studenten burde die beleuchtet. und alle .— Da eine Was⸗ les Flüs⸗ ogenannte . Dieser schen Ein⸗ berflüssige Nöserschen og er sich Stadt, er Stadtring⸗ r um die Zeit seinez die Stadt, ut, daß er enweg, der in loß. Da e fand, so chauerliche rzeit, aus⸗ Male im „die Bach dann auf has Wasser sen darin, gefangen g dauerte Sommer. kein Wun⸗ stand sehr , von wel⸗ ihre hinein nden durch oder stark Das Was⸗ leusen und otbach und drückt. Die Tiefenweg, nhofstraße), etzige Wetz⸗ r 1 Meter Stege ge⸗ zuerhalten. wurden die sser gesetzt. — 123— Erst in den 70er Jahren wurde durch ein Pumpwerk im Hofe der Mädchenschule in der Westanlage das eindringende Wasser hin⸗ ausgepumpt und so der Kalamität ein Ende bereitet. Eine andere nicht sehr schöne Einrich⸗ tung waren die sogenannten Winkel, etwa 1½.—1 Meter breite Räume zwischen den Häusern. Vorn nach der Straße waren diese durch einen Stein und eine Holztüre abge⸗ schlossen. In diese Winkel mündeten die vom Volksmund als„Schweizerhäuschen“ bezeich⸗ neten Aborte. Die Fäkalien sammelten sich in diesen Winkeln und wurden von der zahl⸗ reichen Gilde der Winkelfeger nachts oder auch am Tage abgeholt. Häufig kam es dann vor, daß bei einem schönen Gewitterregen der sparsame Hausvater den Zapfen aus dem Winkelverschlußstein herauszog, so daß der ganze Inhalt mit dem Regen abfloß. Man denke sich nur diese Winkel zwischen den schlecht fundamentierten Häusern, nur we⸗ nige mag es gegeben haben, wo die üble Flüssigkeit nicht in die Keller eingedrungen ist. Aber auch die Brunnen, von denen es eine große Anzahl gab, waren mehr oder we⸗ niger verseucht. Ich kann mich gut erinnern, daß es stets eine große Frage war, wo gutes Trinkwasser zu haben sei. Ein Brunnen am Seltersberg mit laufendem Wasser, der so⸗ genannte„Jughardsbrunnen“, hatte des⸗ wegen Zulauf aus der ganzen Stadt. Unsere Universität hatte um diese Zeit durch Justus v. Liebig wohl einen Auf⸗ schwung genommen, doch war die Anzahl der Studierenden nicht viel größer als 100 Jahre vorher. Die Sitten der Studenten hatten sich etwas gemildert, doch waren Raufhändel immer noch an der Tagesordnung. Schläge⸗ reien zwischen Studenten und Bürgern kamen fast täglich vor. Erst nach 1870 kamen diese Gepflogenheiten ab. Ganz allgemein war die Teilnahme von uns Jungen bei den studentischen Mensuren, die zur damaligen Zeit auf dem Windhof, der Wellersburg, der Badenburg oder dem Promenadenhaus statt⸗ fanden. Wir wußten die besten Schläger alle mit Namen zu nennen. Unsere Studenten, hatten ihre eigene Gerichtsbarkeit, und nur ehrlose Vergehungen fielen unter die Kom⸗ pedenz der staatlichen Gerichte. Die Haupt⸗ strafe als Folge von Händeln und Mensuren bestand in der Karzerstrafe. Der Karzer befand sich im Dachstock des alten Schlosses auf dem Brand, und gar oft habe ich gesehen, wie alle möglichen guten, aber verbotenen Dinge, wie Flaschenbier und Eßwaren mittelst eines Seiles von den Kom⸗ militonen hinaufgehißt wurden. Da ich ge⸗ rade von der Rechtspflege spreche, so will ich eines anderen Kuriosums gedenken. Die Schwurgerichtssitzungen, Assisen, wurden im Saale des„Prinz Carl“ abgehalten, und es verurteilt wurde, wo abends ein flotter Ball stattfand. Für die öffentliche Sicherheit sorgten in den 50er Jahren 4 Polizeidiener, sehr be⸗ kannte und beliebte dicke Herren, zu denen sich dann abends nach 9 Uhr noch einige Nachtwächter gesellten. Die Polizeiwache be⸗ fand sich im Rathause auf dem Marktplatz. Es gab viel arbeitsscheues Gesindel, das hauptsächlich der Gilde der Winkelfeger an⸗ gehörte. Der Standplatz dieser Eckensteher war das Kreuz, wo man immer eine Anzahl der branntweinduftenden Gesellen als Ge⸗ legenheitsarbeiter haben konnte. Das Schulwesen hatte sich in der Mitte des vorigen Jahrhunderts kaum gehoben. Die Vorbereitung für die höheren Schulen, das Gymnasium und die Realschule, geschah in Privatschulen. In meiner Kindheit waren es die Rahne⸗ und Franzeschul, welche dies be⸗ sorgten. Die Rahneschul, in welche ich ging, befand sich um 1856 in einem Raum, welcher später dem Kutscher Huhn als Pferdestall diente. Ein Jahr später wurde dann von Rahn eine einstöckige Schulbaracke in der Hintergasse erbaut. Hier unterrichtete dieser eine Mann weit über 100 Kinder in allen Fächern, wie sie zur Aufnahme in das Gym⸗ nasium und die Realschule nötig waren. Man staunt über diese Arbeitsleistung, die in drei Jahrgängen die Jungen soweit bringen mußte. Als Hilfe hatte Rahn nur seinen Bruder, der in Naturlehre und Zeichnen unterrichtete, und den Gesanglehrer Bauer. Daß der Stock eine große Rolle spielte, war den damaligen pädagogischen Anschauungen angemessen. Ich entsinne mich, daß in be⸗ sonderen Fällen die ganze Schule durchge⸗ prügelt wurde, wobei sich die Brüder in die Arbeit teilten. In der anderen, der Franze⸗ schule war es ähnlich so. Zur Schule rief uns ein kleines Glöckchen, das eine Viertelstunde vor Beginn seinen gellenden Ton über die Stadt sandte, es hieß dann„es kläppt“. Das Gymnasium wurde fast nur von Schülern besucht, die die akademische Laufbahn ein⸗ schlagen wollten. Die Realschule war vier⸗ klassig und entließ ihre Schüler meistens mit dem 14. Lebensjahre. Die Lehrer beider Schulen trugen nach amtlicher Vorschrift Uniform und Degen. Die Mädchenschulen waren städtisch, es gab nur eine Stadt⸗ und eine Armenschule. Für höhere Ansprüche sorgten ein oder zwei Privatinstitute. (Schluß folgt.) „Haß soll sein bis auf Kind und Uindeskind“? ö Der Presse ging letzter Tage ein Aufruf namhafter Berliner Hochschullehrer und Mu⸗ seumsbeamten zu, der in scharfen Worten Stellung gegen die Forderung der feindlichen Mächte auf„Auslieferung und Aburteilung des Kaisers und unserer besten Männer durch konnte der Fall eintreten, daß am Nachmit⸗ ein parteiisches, pon Haß und Nachsucht ein⸗ tag ein Mörder in dem Saale zum Tode gesetztes Gericht“ nimmt. Die Forderung sei 1 — „555 — 124— „umso schamloser, da sie unter der heuchle⸗ rischen Maske der Gerechtigkeit erhoben“ werde. In Verurteilung der Haltung unserer Gegner sind alle Deutsche, die noch einen Funken nationalen Empfindens besitzen, einig. Der Aufruf schließt dann aber mit den Worten:„Wir erklären hiermit feier⸗ lich, daß, wenn die Erfüllung dieser Forde⸗ rung erzwungen werden sollte, wir uns mit vollster Verachtung von den Nationen ab⸗ wenden, in denen sich die sittlichen Kräfte nicht fanden, dieses verbrecherische Gaukel⸗ spiel zu unterdrücken, und daß wir alles dar⸗ an setzen werden, um diese Gesinnung auf Kinder und Kindeskinder zu vererben und in der deutschen Nation dauernd lebendig zu erhalten.“ 5 Bei aller Achtung vor der berechtigten, patriotischen Aufwallung der Gefühle ange- sichts der Schmachforderung können wir uns zu dieser Art ihrer Zurückweisung nicht be⸗ kennen. Es ist bezeichnend, daß eine deutsche Zeitung den Aufruf in Plakatlettern mit der Ueberschrift versieht:„Haß soll sein bis auf Kind und Kindeskinder“. Von tiefster natio⸗ naler Verachtung fremder Nationen durch Generationen bis zum Haß ist theoretisch noch ein Schritt, praktisch kaum mehr. Bei⸗ des aber ist unethisch, unchristlich und— gar in dieser Verallgemeinerung— unge⸗ recht! Den Gelehrten konnte nicht verborgen bleiben, daß auch bei einem erheblichen. Bruchteil der Bevölkerung des feindlichen Auslandes, die noch dazu vor Abschluß des Schmachfriedens um ihr Urteil gar nicht be⸗ fragt worden war, ernster Widerspruch gegen, die Auslieferungsparagraphen besteht. Die Verfasser des Aufrufs sind also zum min⸗ desten ein Opfer der unseligen Verallge⸗ meinerung geworden. Heiliger Schmerz, seelische Erschütterung über uns zugefügte Schande ist etwas an⸗ deres, als nationales Haßempfinden, das in Fangtismus und Weckung aufrührendster menschlicher Leidenschaften ausartet. Auch hier heißt es:„Wer Wind säet, wird Sturm. ernten!“ Die Wunden, die dem deutschen Volk geschlagen wurden, werden ohnedies schwer verharschen. Aber nachdem Deutsch⸗ land sich dem Frieden in seiner jetzigen Ge⸗ stalt gebeugt hat, dürfte es vornehmlichste Aufgabe der Führer unserer heranwachsenden Geschlechter sein, im Unglück die Würde zu wahren und, trotz allem, gerade auf völker⸗ ethischem Gebiete Brücken eines neuen, bes⸗ seren Verständnisses zu schlagen, als sie in ohnmächtigem Zorne noch weiter abzu⸗ brechen. Kleine Mitteilungen. Am Sonntag, dem 3. August, findet für die Lukasgemeinde noch einmal Kinderkirche statt, dann fällt die Kinderkirche, weil die Schulferien begonnen haben, für alle vier Kirchengemeinden an einigen Sonntagen aus. Sie beginnt wieder am 7. September und zwar an diesem Tage für Markus⸗ und Johannesgemeinde. Für die Matthäus⸗ und Lukasgemeinde findet am 14. September wieder zum erstenmal nach den Ferien Kin⸗ derkirche statt. In kirchenfeindlichen Organen werden von Zeit zu Zeit die Geldleistungen des Staates für die Kir che gewaltig über⸗ trieben, ja eigentlich als völlig unnötig und zwecklos hingestellt. Man las kürzlich:„Der preußische Staat leistet an Zuschuß für Uni⸗ versitäten und höhere Lehranstalten zusam⸗ men nicht so viel, wie an die Kirche.“ Hier⸗ zu bemerkt der bekannte Kirchenstatistiker D. Schneider(in seiner Schrift„Staat, Kirche und Volk“):„Das Gegenteil ist wahr. Für Universitäten und höhere Lehranstalten sind etwas über 60 Millionen ausgesetzt, für alle Kirchen— die katholische eingeschlossen — höchstens 40 Millionen. Für die Polizei⸗ verwaltung allein zahlte der Staat seither über 90 Millionen, für das Volksschul.vesen sind über 180 Mill. ausgeworfen, also 6mal so viel wie für die evangelische Kirche. Niemand neidet das der Schule. Ja die Kirche zahlt für den Staat in vereinigten Schul- und Küsterstellen noch fast 5 Mil⸗ lionen jährlich aus alten Kirchenfonds für Lehrer und entlastet mit dieser Summe den Schuletat des Staates. Der Kirchenhaß be⸗ hauptet, die Kirche sei ein unnützer Kost⸗ gänger des Staates. Gerade das Gegenteil trifft zu. An reinem Geldeswert hat die Kirche Jahr um Jahr mindestens das drei⸗ oder vierfache dessen, was sie vom Staat empfing, dem Volkswohl geopfert. Die Zu⸗ schüsse, die der Staat der Kirche gab, sind — das darf rund heraus behauptet werden — das bestangelegte Geld im Staatsbetrieb gewesen. Sie haben sich reichlich verzinst.“ Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 3. August(7. nach Trinitatis). Kollekte für die Innere Mission. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde. Pfarrassistent Schaefer.— Vormittags 9½ Uhr: Professor D. Schian.— Kinderkirche fällt aus. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfar⸗ rer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal. * Wartburg, evgel. Jünglings⸗ und Männer⸗ verein, Diezstraße 15. Sonntag, 3. August: Vortrag. Freunde des Vereins herzlichst eingeladen.— Samstag, 9. Aug.: Unter⸗ haltungsabend der älteren Abteilung. Gäste stets willkommen. Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen. Evangel den! fall wo Frü Den daß Jest Volk im Nicht so gebe erst Licht hei gatha be eigenen Jesu wü rechte V den Gra ten, daß deutende es ist do des Verf des Kre daraus Notwend sind, da zwungen zumesser kunft zu landes 1 wohl sor dern mi len Erle Seele E Kampf u So ist dem Kr als ein 1 und unf gewiß j nicht ve von den Erbteil mungsze Botschaf unseres stian Ba ist es u Lied das sich schli dieser ti