„ ndeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Sonntags gruß 1 Gießen, 7. S. n. Trinitatis, den 30. Juli 922 II. Jahrg. Der mensch und die Tiere. Psalm 148, 10 u. 13. Tiere und alles Vieh, Gewürm und Vögel, die sollen loben den Namen des Herrn. Es war auf einem Morgengange im Monat Mai. Ueber der Landschaft wölbte sich der klare Himmel, im Osten stand die Sonne, von den Feldern her wehte frischer Duft. Vor einem der letzten Häuser der Stadt kratzte das Hühnervolk im Sande, gravitätisch schritt der Hahn einher; die Hühner, geschmückt mit dem roten Kamme, folgten ihm. Im Hofe des Nachbarhauses lag der Spitzhund, es war ein Bild, wie es Ludwig Richter so oft gezeichnet hat, wenn er deutsches häusliches Leben zur An- schauung bringen wollte. Ruhig lag der Hund und blinzelte scheinbar träg in der Sonne, aber es sollte jemand dem Kinde, das neben ihm auf der Treppe saß, zu nahe kommen, wie wäre er da tatbereit aufge⸗ sprungen. Den Hohlweg herauf kamen zwei stämmige, wohlgenährte, glänzende Acker⸗ pferde, der Mann, dem sie gehörten, sagte, daß es fünfjährige Tiere seien. Viel lang⸗ samer griffen die Kühe aus, die mit ge⸗ senktem Haupt über einen Acker schritten und einen Wagen mit grünem Futter ziehen. Ueber dem Gespanne tanzte ein Mücken⸗ schwarm. Aus dem nahen Walde rief der Kuckuck, dieser Ton paßte so recht zum grünen Walde und zum lichten Frühlings⸗ himmel. Ueber dem Klee jubelten die Lerchen, Schwalben glitten niedrigen Fluges über den Fluß hinweg. Schließlich tauchte der Friedhof auf, aus dem dichten Buschwerk, das sich über die Gräben rankt, sangen die Vögel ihre lieblichen Melodien. Es ist eine Freude eigener Art, die Tier⸗ welt zu beobachten. Auch die Tiere haben ihre Eigenart. Menschen, die viel mit ihnen umgehen, so Bauern, Fuhrleute, Soldaten, Jäger, Hirten bringen der Tierseele großes Verständnis entgegen, sie finden an den Tieren verschiedene Charakteranlagen heraus. Der Landmann, der nur einen geringen Besitz hat, zeigt oft rührende Liebe zu einem Haustiere, er behandelt sie fast wie Fa⸗ milienglieder. In neuerer Zeit haben 2 65 begabte Schriftsteller, wie Hermann Löns und der Amerikaner Seton Thompson die Tierseele in ansprechenden Bildern geschil⸗ dert, wenn sie auf die Tiere auch manches übertragen haben, das man nur bei den Menschen findet. Auch die Tiere sind Gottes Geschöpfe, auch sie preisen den Namen des Herrn. Sie offenbaren Eigenschaften, so Treue, Wachsamkeit, Fleiß, Findigkeit, die von einem nicht gering entwickelten Seelenleben Kunde geben. Dem Menschen liegt es ob, die Tiere schonend zu behandeln. Das soll man Kindern mit allem Ernste einschärfen und sie vor Tierquälerei warnen. Es ist zu beklagen, daß manche Tiergattung durch un⸗ vernünftige Jäger ausgerottet wird, wie auch manche Pflanzenart durch Spazier⸗ gänger oder botanisierende Schüler zum Aus⸗ sterben gebracht wird. Der Christ darf auch das Wort des Apostels Paulus von der ängstlich harrenden Kreatur, die auf die Offenbarung der Kinder Gottes wartet, nicht vergessen, ein geheimnisvolles Wort, das auf die Tiere bezogen wird, in denen unbewußt das Sehnen lebt, gleich den Menschen selig zu werden. B Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 37. Der Gießener Bub vor 50 Jahre en. Von Louis Frech. (Fortsetzung.) Der festgesetzte Tag kam rasch herbei, und wir Neue, eine stattliche Anzahl, er⸗ schienen im Sonntagsanzug; denn wir soll⸗ ten geprüft werden. Diese Untersuchung unseres geistigen Vermögens, welcher auch der Direktor beiwohnte, und die in die Hauptsache von ihm und dem Klassenführer A. angestellt wurde, war mehr eine Form⸗ sache; denn was wir da gefragt wurden, pfiffen die Spatzen auf den Dächern. Als uns schließlich verkündet wurde, daß wir samt und sonders aufgenommen, nun ent⸗ lassen wären, morgen wieder antreten und die Bücher usw. mitbringen sollten. stürm⸗ ten wir hinaus, uns der Galgenfrist bis morgen freuend. Unterwegs machten wir uns über die Leichtigkeit der Prüfung lustig. Jetzt waren wir Realschüler, und fanden uns mit dem Gedanken ab, daß wir es, wenn es gut ging, sechs Jahre lang bleiben würden. Unser Klassenzimmer befand sich im Erd⸗ geschoß des jetzigen Stadthauses am Neuen⸗ wegertor, der Loge„Ludewig zur Treue“ gegenüber. Es zeichnete sich, durch nichts aus, wenn man seine Kahlheit der Wände, seine trostlose Einfachheit in allem, was es an Tischen, Bänken und was sonst noch . 5——— 1 N 1 9 10 4 0 — 122— für ein Anfängerschulzimmer unbedingt not⸗ wendig ist, nicht als etwas Außergewöhn⸗ liches ansehen will. Aber die hessische Päda⸗ gogik stand damals auf dem Standpunkt, daß man durch Aufhängen von Bildern, Landkarten, durch Aufstellung ausgestopfter Kleintiere die Aufmerksamkeit des Schülers nicht ablenken dürfe. Oed, leer und un⸗ gemütlich mußte das Schulzimmer der unter⸗ sten Klasse sein, und erst in der zweitletzten gestattete sich eine uralte, vergilbte Land⸗ karte, daran bescheiden zu erinnern, daß die Welt mit den Grenzen Hessens nicht aufhöre. 40 8 Unser Klassenlehrer, Herr A., war ein ernster, strenger, selbst- und zielbewußter Herr. Lachen sah man ihn nur selten; er lächelte nur. Kam einmal etwas vor, über welches jeder andere hätte laut lachen müssen, dann preßte er die Lippen zusammen, damit ja kein Laut heraus kam. Dagegen füllten sich die Augen mit Wasser, er bekam einen roten Kopf und lächelte dünn, wie eine Eidechse. Alles an dem Herrn war gemessen, seine Bewegungen, wie seine Aussprache. Wir hatten die Elementarfächer bei ihm, so auch Schönschreiben. Die Buchstaben malte er mit Kreide auf die entsprechend liniierte große Schultafel und mußte uns dabei natürlich den Rücken zudrehen. Das gab hier und da einem Veranlassung, irgendetwas Ungehö⸗ riges zu treiben, auf das Herr A. in der Regel durch das Kichern der anderen auf⸗ merksam wurde. Er drehte sich dann lang⸗ sam und gemessen herum, ließ, ohne den Kopf zu bewegen, seine Augen mehrmals automatenhaft von einer Ecke in die andere gehen und hatte bald den Uebeltäter heraus⸗ gefunden. Dabei färbte sich sein Gesicht hochrot, die Lippen preßten sich zusammen und seine Augen nahmen hinter der goldenen Brille einen feuchten Glanz an. Mit einer hoheitsvollen Bewegung hob er langsam den Arm, deutete auf das Objekt seines Zorns und sagte mit rhythmisch abgesetzten Worten:„Du hast—'ne Ston—deSötzen!“ Genügte das der Klasse nicht und es wurde ein weiterer erwischt, so wiederholte sich der Vorgang, und der zweite erhielt die gleiche Strafe mit den gemessenen Worten: „Du ouch eine!“ Beim dritten riß der Geduldsfaden. Da gabs Ohrfeigen links und rechts oder auch einen Abzug mit dem Stock, Herr A. regte sich dabei furchtbar auf. Seine rotblonden Haare, wie auch die ganze Toilette, gerieten in Unordnung und die funkelnden Augen, bei denen das Weiße auffallend hervortrat, verliehen dem Ge⸗ sichte etwas Unheimliches. Aber, aber,— das nützte alles nichts. Es fanden sich immer wieder einige, die die Dummheiten nicht lassen konnten. Uebrigens betrachteten sich die Geprügelten, als die besser Davongekom⸗ menen, denn sie brauchten nicht nachzu⸗ sitzen, und ihre Strafe wurde auch nicht F e eingetragen. Die Ansicht des Schülers stand somit der des Lehrers schnurstracks gegen⸗ über, wie so manches andere in der Päda⸗ gogik. Man frage nur die Buben! Selbstverständlich waren wir in den ersten Tagen unseres neuen Schullebens die brav⸗ sten Jungen von der Welt. Aber das hielt keiner auf die Dauer aus, denn nichts Langweiligeres wie so was! In den Zwischenpausen spielten wir eine sehr untergeordnete Rolle. Der Hof gehörte den älteren Schülern, denen wir bei ihren Spielen nur im Wege waren. Die Schüler der beiden ersten Klassen markierten die Ver⸗ ständigen. Sie beteiligten sich nicht mehr an den Spielen, dafür waren sie„zu alt und gebildet“. Das vertrug sich nicht mit der Würde eines jungen Mannes, der soviel Weisheit in sich aufgestapelt hatte. Uns Kleinen imponierten sie daher gewaltig. Wir sahen zu ihnen auf, wie zu etwas Erhabe⸗ nem und wurden darin noch bestärkt, als wir nach und nach einmal in die Zimmer der höheren Klassen mit ihren Glasschrän⸗ ken, Bildern und Präparaten, in den Physik⸗ und Zeichensaal, in das physikalische Ka⸗ binett und in das chemische Laboratorium einen Einblick taten. Wenn wir erst einmal so weit waren, daß wir an diese Dinge kamen, so würde der Unterricht interessant, und dann kam auch der Eifer von selbst. Schönschreiben, Lesen und Rechnen sind ein trockenes Futter, und wer will sich darüber wundern, daß es vielen von uns nicht sonderlich schmeckte? Da war es in der Franzeschule doch schöner und anheimelnder. Hier in dem großen nackten Steinkasten hörte man nichts von den Schwalben, die dort um die Fenster flogen, nichts von dem Gackern der Hühner unten im Höf⸗ chen, wohl aber das Geräusch der vorüber⸗ fahrenden Wagen der Bauersleute und Gießener Landwirte, ihr„Hahr“ und „Hott“ und das Brüllen ihrer behörnten Hausgenossen. Anstatt des uns lieb gewor⸗ denen Geruchs nach Vergangenheit und Altertum beleidigte unsere Nasen sehr oft der von der schräg gegenüberliegenden Gas⸗ fabrik herkommende durchdringende Gasduft und das Aroma des Dungs, den die Gieße⸗ ner Oekonomen täglich auf Wagen und in Fässern nach den Triebvierteln, dem Nah⸗ rungsberg und dem Nizza hinausfuhren. Auch sahen wir von unseren Plätzen oft genug das baldachinartige Dach mit der Krone des schwarzen Trauerwagens, wenn er einen stillen Passagier nach dem Fried⸗ hof brachte. Die schwarz behangenen Pferde, die vor diesen gehenden beiden Marschälle mit den schwarz beflorten Stäben, den Pfarrer mit seinen„Pfarrbegleitern“, sowie die dem Sarge folgenden Leidtragenden blieben unseren Blicken entzogen; denn dafür waren die Fensterbrüstungen zu hoch und unsere Hälse nicht lang genug. Zeitweise zogen aber auch die Soldaten, von denen , eee eee u e 5 2 = — W r EEE * 2 NET TEFEAASEA FFH KTI Kanns W N Saban. 9 X. ene lich alle die Ohren, im:m Körper p noch von den Russen besetzt war, 3 71¹ z Bataillone hier in Garnison 1 it klingendem Spiel vorbei. Tas etwas ganz anderes! Da spitzten natür⸗ die Augen funkelten und rickelte es von oben bis unten. Wir empfanden es als einen unverzeih⸗ lichen Mißstand, daß wir da nicht jedesmal mitlaufen durften. (Fortsetzung folgt.) die Einnahme von Brest⸗Litowsk. Aus dem Kriegstagebuch des Majors d. Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. 8(Fortsetzung. Gestern abend brachen wir um 7 Uhr von Lubien auf, marschierten bei großer Hitze und geradezu entsetzlichem Staub über Wyryki⸗Polod nach Zukowo, wo wir um Uhr neben der Marschstraße Halt machten. Da vor uns eine Division noch im Kampf und das Endziel unseres Marsches l hielten wir hier bis ½8 Uhr abends. Den ganzen Nachmittag zogen Kolonnen vorüber und hüllten uns in dichte Staubwolken. Als es gerade Nacht wurde, kam endlich der Befehl, an unserem Halteplatz zu biwakieren. Die Brunnen des Dorfes waren längst aus⸗ geschöpft, und so konnten wir nicht ein⸗ mal den Staub abwaschen, kein warmes Abendessen oder Getränk bereiten, die armen Pferde bekamen nichts zu trinken. Heute marschierten wir um ¼2 Uhr mor⸗ 11 ab, fanden nach längerem Marsch im ald ein sumpfiges Gewässer, wo die Pferde notdürftig getränkt werden konnten. Es ist eine trostlose Gegend hier, der Sand ist wie Mehl, die Marschkolonnen sind immer in eine dicke Staubwolke gehüllt. Da Truppen verschiedener Divisionen hier zusammen⸗ getroffen waren, die Brücken an den Sümpfen aber sehr schmal sind, gab es häufig Stockun⸗ en. So ging es 22 Kilometer weiter über Lack, Dance bis Lipinki, wo wir um 5 Uhr nachmittags in einem hochstämmigenKiefern⸗ wald Biwak bezogen. Während die großen Orte, durch die wir an den beiden letzten gen gekommen waren, völlig unversehrt waren, offenbar weil die Russen schneller, als sie gedacht, zurück mußten, waren die heute von uns berührten Orte nur rau⸗ chende Trümmerstätten, aus denen uns heiße Glut entgegenschlug. Auch hier in Lipinki stehen nur noch 2 bis 3 Häuser In einem Hofraum sah ich die verkohlte Leiche eines Kindes liegen, das wohl nicht mehr schnell genug hatte fliehen können. In den Wäldern stecken die Bewohner mit ihrem Vieh und den Wagen, auf denen der nötige Hausrat mitgeführt wird. Welch ein Elend! Gestern abend und heute ballte sich über den brennenden Orten der Rauch in ganz eigentümlicher Weise zu mächtigen Wolken zusammen, die wie Riesensträuße aussahen. — 123— In Lipinki, wo außer unserer Abteilung das ganze Regiment 168 hinkommt, sind 4 Brunnen vorhanden; zwei davon hat die Division— alles in allem etwa hundert Menschen und ebensoviel Pferde— für sich beschlagnahmt, die beiden anderen bleiben für 3000 Menschen und über 1000 Pferde. Bis die erste Infanterie ankam, waren die beiden Brunnen schon leer. Das Graben nach Wasser war seither ergebnislos, dabei müssen wir damit rechnen, hier mehrere Tage zu liegen, da wir in Armeereserve kommen sollen. Der Nachschub ist eben so erschwert, daß es täglich für fünf Mann lauch Offiziere) nur einen Laib Brot gibt, der Laib ist wesentlich kleiner(3 Pfund) wie im Frieden zu Hause. Da wir in letzter Zeit nochmals abends, weil es 8 spät war oder kein Wasser gab, keine Kartoffeln kochen konnten, so war das Abendessen recht einfach. Unsere Vorräte sind auch verbraucht. Aus einem Brief an meine Frau: „Sollten wir etwa von hier nach der serbischen Grenze kommen, so brauchst Du dir wegen der Cholera keine Gedanken zu machen; die kann man hier gerade so gut bekommen. Ein großer Teil der Leute, die an Cholera oder Typhus erkrankten, haben sich das selbst zuzuschreiben. Sie trinken unge⸗ kochtes Wasser, gehen in alle Häuser, kaufen Eßwaren von den Einwohnern u. dgl. m. Nach dem Westen ginge ich nicht gern, aber dort wacht ja derselbe Gott über unser Ge⸗ schick wie hier. Du fragst, ob ich älter aussähe? Durch ein Jahr Krieg mit fast 200 Gefechtstagen wird man nicht jünger; ebenso nicht durch einen Vollbart. Hoffentlich werde ich nicht krank oder verwundet. Nach den Aussagen unserer Aerzte sind die Zu⸗ stände in den Lazaretten. sehr schlimm. Keine Betten und wenig Stroh. Die Verwundeten kommen vielfach mit Verbänden voller Un⸗ geziefer an, liegen lange auf demselben Stroh, das auch bald von Ungeziefer wim⸗ melt. Abtransport ist wegen Mangels an Fuhrwerken erst nach langem Warten, zwei bis drei Wochen, möglich und erfolgt dann auf kleinen ungefederten Panjewägelchen. Wenn die Bahnen, über Warschau und Iwangerod wieder in Betrieb gesetzt sind, wird das besser werden, ebenso der Nach⸗ schub und die Postverbindung. Was wir an Cholerazulagen in natura bekommen— die Geldzulagen sind seit einiger Zeit auf⸗ gehoben— ist recht bescheiden; es kommt eben zu wenig heran. An Verpflegung und Fürsorge für Kranke und Verwundete sind die Kameraden im Westen doch sehr im Vorteil gegen uns hier drüben.“ 16. August 15. Wir sind noch in unserem Biwak bei Lipinki. Seit kurzem führen wir auf einem Wagen einen Tis und kleine zusammenlegbare Stühle mit Rückenlehne mit, die wir uns aus Lem⸗ — 124— berg besorgen ließen. Es ist doch so gemüt⸗ licher, als immer auf der Erde liegend oder sitzend zu schreiben und zu essen. Drüben beim Divisionsquartier konzertieren die 168er. Das Beskidenkorps ist zunächst in Armeereserve. In einigen Tagen wird sich dann entscheiden, ob wir hier in der Nähe eingesetzt oder aber aussortiert werden. Vorhin las ich die Funksprüche vom 11. und 12. August. Darnach sind unsere Heere von Warschau und von Norden her ja sehr weit vorgekommen. Die Front ist dadurch nun über 200 Kilometer verkürzt worden, und es ist kein Wunder, daß die Russen hier ausreißen, so schnell sie können. Oestlich vom Bug zwischen Brest-Litowsk und Sokal beginnt eine ungeheure Sumpfstrecke. Von daher kann also keine stärkere russische Offen⸗ sive kommen, und diese Linie wird von uns leicht mit geringen Kräften zu halten sein. Die Frage ist, ob man östlich Brest⸗Litowsk 1 weiter nach Rußland hinein vordringen will. 17. August 15. Der gestrige Tag ver⸗ lief in völliger Ruhe. Zum Abendessen waren wir bei der 5. Batterie eingeladen, wir unterhielten uns gemütlich. Der arme Fresenius ist jetzt schon über 8 Tage tot; ihm ist ja wohl. Heute schliefen wir lange, vormittags regnete es wiederholt. Nachmittags machte ich mit Leutnant Nebel einen schönen Spazierritt. Um 7/6 Uhr war auf einer Waldwiese Gottesdienst, wobei die Kapelle der 168er die Gesänge begleitete. Fortsetzung folgt.) Konfirmandenunterricht 1922/25. Da unsere Konfirmandensäle schwer zu heizen sind, so mußte in den vorausgegan⸗ genen Jahren der Konfirmandenunterricht an besonders kalten Tagen manchmal aus⸗ fallen. Um diesem Uebelstand zu begegnen, soll der Konfirmandenunterricht in diesem Jahre in der zweiten Woche nach den Sommerferien beginnen; die Anmeldung soll Dienstag, den Hund Mittwoch, den 30. August, jedesmal von 11—1 und von 4—6 Uhr bei dem Pfarrer jeder Gemeinde stattfinden. Anmeldeformulare können vor⸗ her bei den Schuldienern und Kirchen- dienern sowie bei den Pfarrern in Empfang genommen werden. Die feierliche Eröffnung des Unterrichtes findet statt für die Markus⸗ und Johannesgemeinde am 3. September, für die Matthäus- und Lukasgemeinde am 10. September, jedesmal im Hauptgottes⸗ dienste. Die Konfirmationsfeiern finden statt für die Matthäusgemeinde am 2. April (Ostermontag), für die Markus⸗ und Jo⸗ hannesgemeinde am 8. April(Sonntag nach Ostern!) und für die Lukasgemeinde am 18. März(Sonntag Judika). Der Unterricht beginnt in allen Gemeinden am 4. Septbr. 8 8 Aleine Mitteilungen. Die Mitgliederzahl der evangelischen Ge meinden in Petersburg ist andauernd stark zurückgegangen; die größte unter ihnen zähl kaum noch 5000. Trotzdem wird der Unter⸗ halt von Kirche und Gottesdienst durch z. T. sehr nachdrückliche Selbstbesteuerung ermöglicht; z. betrug die Kollekte in der Petri⸗Kirche an einem Januarsonntage eine Million Rubel. Die finnländischen Pastoren haben den Petersburger Geistlichen brüderliche Hilfe geleistet, und zu Weih⸗ machten haben die sechs evangelischen Pfarrer von dem Lutherischen Nationalkonzil in W eld und Lebensmittel er⸗ alten. i * Die Negerfrage ist in den Vereinigten Staaten von Nordamerika hauptsächlich durch die starke Vermehrung der Negerbevölkerung und ihre Abwanderung in die großen Städte namentlich des Nordens brennend geworden. Die Statistik gibt hierfür wertvolle Auf⸗ schlüsse. Die Gesamtzahl der Neger in den Vereinigten Staaten beträgt nach der neue⸗ sten Zählung gegen 10 Millionen, 635000 mehr als im Jahre 1910. An dieser raschen Zunahme ist fast ausschließlich der Norden und Westen des Landes beteiligt und hier wieder in erster Linie die großen Städte, die mit ihrer Industrie die heute noch zu / ländliche Negerbevölkerung an sich ziehen. Chicago z. B., wo die Zahl der Neger um 150 Prozent gestiegen ist, Cleveland um 300 Prozent, Detroit 600 Prozent, Gary 1300 Prozent. 1 Kirchliche Anzeigen. 0 Sonntag, den 30. Juli, 7. n. Trinitatis. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde: Pfarrassistent Becker.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und Feier des heiligen Abend⸗ mahls für Matthäus⸗ und Markusgemeinde. Jugendvereinigung der Matthäus⸗ gemeinde: Montag, den 31. Juli, abends 8 Uhr: männliche Abteilung; Dienstag, den 1. August, abends 8 Uhr: weibliche Abtei⸗ lung.— Die Helferversammlung der Männer⸗ und Frauenvereinigung der Matthäus⸗ gemeinde für Dienstag, den 1. August fällt fiat Die nächste findet am 12. September att. In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und Feier des hei⸗ ligen, Abendmahls für Lukas⸗ und Johannes⸗ gemeinde. Abends 8 Uhr: Bibelbe⸗ 10 im Johannessaal: Pfarrassistent üller. f Perantwortlich: Pfarrer Bechtolshelmer PFruck und Verlag der Brühl'schen Undverfitäts-Buch⸗ und Stesndruckerel R. Lange, Gießen.*