— 1 onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 9 Gießen, Estomihi, den 26. Februar 1922 II. Jahrg. Der Name Gottes. 2. Mose 20, 7. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes nicht mißbrauchen. Der französische Dichter Alphonse Daudet schildert einmal einen Besuch, den er Mi⸗ stral, dem Dichter der Provence, gemacht hat und berichtet von dem dabei eingenom⸗ menen Mahle:„Gott! Was für ein hübsches Mahl habe ich diesen Morgen eingenom⸗ men!“ Es ist klar, daß der Franzose, der sehr interessant zu erzählen weiß, nicht im geringsten an Gott gedacht hat, indem er das Wort„Gott!“ seinem Berichte voraus⸗ setzte, sondern völlig gedankenlos, der schlech⸗ ten Manier seiner Volksgenossen folgend, Gottes Namen in den Staub gezogen hat. Diese schlechte Manier trifft man hin und wieder im heutigen Deutschland. Junge Schriftsteller, die recht modern und stark⸗ geistig sein wollen, gebrauchen Redewen⸗ dungen, die sie mit dem Ausrufe„Herr⸗ gott!“ einleiten.„Ich habe im Konzert eine Sonate von Beethoven gehört. Herrgott! War das schön!“„Wir glitten beim Rodeln den Berghang hinunter. Herrgott! War das eine Lust!“ Auf jeden ernsten Christen, ja überhaupt auf jeden nachdenklichen und fein⸗ sinnigen Menschen wirken derartige Aeuße⸗ rungen peinlich und verletzend. Was hat der Name Gottes mit der Sonate von Beet⸗ hoven und was hat er mit der Rodelbahn zu tun? Die, die so schreiben, dazu noch schreiben, wie kein Mensch spricht— jeder sagt doch sonst: das war schön und: das war eine Lust— sind beim Schreiben weit davon entfernt gewesen, Gottes mit ehrerbietiger Scheu zu gedenken. Es ist auch ein großer Unterschied, wie man die Wortverbindung „Herrgott“ betont. Legt man den Ton auf die zweite Silbe, so klingt es ehrerbietig, betont man dagegen die erste Silbe, so klingt es verletzend. f Von dem berühmten englischen Physiker Isaak Newton wird erzählt, daß er als Greis das Mützchen, das er in seinem Hause trug, jedesmal abnahm, wenn in seiner Gegenwart der Name Gottes ausgesprochen wurde. Dieser Mann hatte heilige Scheu vor Gott. Die soll in jedem Menschen woh⸗ nen, keiner soll den heiligen Namen Gottes gedankenlos und leichtsinnig aussprechen. Selbstverständlich dürfen wir Gott nennen und die Namen, die ihm die Christenheit ge⸗ geben hat, in den Mund nehmen, dann näm⸗ lich, wenn unser Herz voll ehrerbietiger Scheu ist. Sünde aber ist es, mit dem Namen Gottes verächtlich umzugehen und ihn auszusprechen, ohne an den großen, heiligen und gütigen Gott zu denken. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes nicht mißbrauchen. H. B. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 36. Gießener ersten Hälfte des 18. Jahr⸗ hunderts. Im Jahrgang 1921 unseres Gemeinde— blattes(Nr. 4—8) haben wir auf Grund unserer Kirchenkonventsprotokolle„Gießener Zustände im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges“ geschildert. Im Nachfolgenden soll diese Schilderung fortgesetzt werden, und zwar geben wir hier Bilder aus dem Leben unserer Stadt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Diese Zeit war für Gie— ßen verhältnismäßig günstig, die großen Kriege, die später die Welt erschütterten, warfen ihre Wellenschläge noch nicht hierher, die Bürger konnten noch ungehindert ihrer Betätigung nachgehen, Gießen war eine friedliche Kleinstadt. Was wir hier berichten, entnehmen wir den Kirchenkonventsproto⸗ kollen aus der Zeit von 1707 an. Leider befinden sich die Protokolle aus der Zeit von 1671 bis 1706 nicht mehr in unserem Kirchenarchive, was ein wirklicher Verlust ist. Wohin sie gekommen sind, läßt sich nicht mehr sagen, vielleicht sind sie im Sieben⸗ jährigen Kriege, in dem die Superinten⸗ dentur, die Wohnung des ersten Pfarrers, lange Zeit hindurch von Franzosen belegt war, zugrunde gegangen; wenigstens wird berichtet, daß die Franzosen damals viele Akten zum Fenster hinausgeworfen haben. Ein Glück, daß wenigstens unsere Kirchen⸗ bücher, mit Ausnahme einiger aus der ganz alten Zeit stammenden, erhalten geblieben sind. 1 Wer sich über die Kirchenkonvente der alten Zeit, auch Seniorenkonvente genannt, unterrichten will, den verweisen wir auf das, was wir in Nr. 4 des vorigen Jahr- gangs gesagt haben. Hier sei nur darauf hingewiesen, daß es sich um eine Hand⸗ habung christlicher Zucht handelt, die von den Pfarrern gemeinsam mit Männern aus den Gemeinden, den Senioren, ausgeübt wurde. Das, was heute noch interessant ist, soll hier aus den Protokollbüchern abgedruckt werden; wo es nötig ist, werden kurze Er— Zustände in der 0 ö 5 „ 34 läuterungen beigefügt werden. Sehr häufig handelt es sich in den Protokollen um ein Vorgehen gegen die Entheiligung des Sonn⸗ tags und Störung des Gottesdienstes. Große Autorität scheinen die Kirchenkonvente nicht gehabt zu haben; denn viele der Geladenen sind einfach nicht erschienen. Die Derbheiten, die hier wiedergegeben werden, wolle man mit der Anschauungsweise der alten Zeit entschuldigen. . 1707. „Die Buben, welche vergangenen Sonn⸗ tag in der Kirch so muthwillen getrieben, seynd auf die Pforte gesetzet worden.“ Die Stadtpforte lag da, wo heute Marktstraße und Bahnhofstraße zusammenstoßen, sie ist in den 40ger Jahren des vorigen Jahr⸗ hunderts niedergelegt worden. Ungezogene Knaben, die während des Gottesdienstes keine Ruhe hielten, wurden dort eingesperrt; wie lange das jedesmal geschah, wird nicht gesagt. „Der Schumacher bey der Sonne, welcher die Steckerothin hat(d. h. geheiratet hat), soll des Sonntags arbeiten, welches der Opfermann ihm untersagen soll.“ „Ist der Studenten halber erinnert wor— den, daß sie so sehr unter denen Predigten von der Bühne zur Kirch hinauslaufen und die Leuthe sich daran sehr ärgern. Soll von der Cantzel gesagt, und die Thüren unter der Predigt zugehalten werden.“ „Der böse Schneider Philipps Schöndörfer ist wegen seiner gottlosen Händel ins Ge—⸗ fängnüß gesetzet, gehet bey vielen Jahren in keine Kirche.“. „In der Maygasse bey Henrich Kann soll ein Gesellschaftswesen und Spiel seyn, wel- ches soll inhibirt werden.“ „Am Sonntag hat der Reuling in der Neustadt und noch einer Nahmens Baltzer am reichen Sand Spielleuth gehabt, sollen darüber gestrafet werden.“ „Der Sporer vorm Walthor, Texstor ge⸗ nannt, führt eine böse Kinder-Zucht, die Kinder gehen in keine Schul und treiben allen Muthwillen auf den Gassen, ist bevor im Pfarrhauß erinnert worden, so aber nichts helfen wollen, soll deßwegen vor den Herrn Oberschultheiß eitirt werden.“ Un⸗ verständlich ist hier die Bezeichnung„Spo⸗ rer“, die später noch einmal wiederkehrt. Vielleicht war es eine mundartliche Be⸗ rufsbezeichnung. Zu dieser Zeit lebte hier ein Textor, der Messerschmied war. Jeden⸗ falls hat in diesem Falle die Ermahnung gefruchtet; denn eine weitere Aufzeichnung sagt:„Der Sporer hat seinen bösen Sohn zum Pastetenbecker gethan, welcher ihn zur Kirch und guten Zucht zu halten, dem Herrn Secretario versprochen hat.“ 1708. „Der Strumpfstricker Senckeisen soll mit seinem Weibe wegen ihrer Schlägerey und Uneinigkeit künftigen Convent zitirt wer- den.“ In der nächsten Sitzung wurde no⸗ tiert:„Der Strumpfstricker Senckeisen ist nicht erschienen, sein Weib aber hat sich sistiret und klaget sehr über dessen Boßheit, Zänckerey, Branntweinsauffen und der⸗ gleichen.“ „Johannes Löber in der Neustadt ist ein Ertzsäufer und Flücher(Flucher), der den Teuffel selbst ruffet, ist zwar vor den Kir⸗ chenconvent citiret aber nicht anzutreffen gewesen, soll künftig bey Straffe erscheinen.“ Mit dem Strumpfstricker Senckeisen hat man doch Ernst gemacht; denn es heißt: „ist etliche Tage incarceriret gewesen und hat beym Herrn Oberschultheiß Besserung versprochen.“ 5 „Der Herr Obrist soll ersuchet werden, des Sonntags die Patrouille wieder herum⸗ gehen zu lassen, um die Säuffer und Spieler aus denen Bier⸗ und Branntweinhäusern sonderlich unter der Predigt herauszuholen.“ 1709. f Von nächtlichem Unfug berichtet der Ein⸗ trag:„Weil das Töpffewerffen an die Häuser der Leuthe des Abends so überhand nimmt, so soll wol achtgegeben, auch auf der Cantzel erinnert werden.“ „Der Schuhmacher Hartmann in der Traubel(Gasthaus zur Traube) wohnend, lebt mit seinem Weib gar übel, sollen ge⸗ schreckt werden, vorm Kirchenkonvent künftig zu erscheinen, wo sie sich nicht werden mit⸗ einander versöhnen.“ 5 (Fortsetzung folgt.) Zum hundertsten Geburtstage Viktor habichts. Von Dr. jur. et phil. Karl Esselborn. (Schluß.) „Die Herbeiführung eines besseren kirch⸗ lichen Zustandes der Gemeinde war eine schwierige, nur allmählich zu lösende Auf⸗ gabe.“ Mit der größten Peinlichkeit ging daher das Oberkonsistorium an die Auswahl und entschied sich zuletzt für Habicht, der sich im Jahre 1865 ohne Erfolg um die zweite Pfarrstelle in Alsfeld beworben hatte. Am 16. April 1870 erfolgte seine Ernen⸗ nung für Rüsselsheim, und am 16. Mai trat er sein dortiges Amt an. In dem bald darauf entbrannten deutsch⸗ französischen Kriege wax er besonders für das in Rüsselsheim errichtete große Reserve⸗ lazarett tätig, weshalb ihm auch das Hessi⸗ e Sanitätskreuz verliehen wurde. Im Jahre 1872 wurde er von der Dekanats⸗ synode des Dekanats Groß-Gerau einstim⸗ mig zum Dekan gewählt. In demselben Jahre trat er als Mitglied in die Kreis⸗ schulkommission ein. Wie in seiner früheren Stellung, so erwarb er sich auch hier das Vertrauen der höheren Behörden wie auch der Geistlichen und Laien des Kreises. In — 35 seiner Gemeinde förderte er eifrig das kirch— liche Leben. Im Jahre 1873 wurde er von der Deka⸗ natssynode Groß-Gerau einstimmig zum Abgeordneten in die zur Beratung einer neuen Kirchenverfassung berufene außer⸗ ordentliche Landessynode gewählt und von dieser, wiederum einstimmig, zum ersten Schriftführer. Als solcher bewies er große Geschäftsgewandtheit und nahm lebhaften Anteil an den Beratungen der Synode. Als im Jahre 1874 durch die Pensionie⸗ rung des Superintendenten der Provinz Oberhessen, Friedrich Simon, diese Stelle neu zu besetzen war, handelte es sich darum, einen Mann zu finden,„der mit geistiger Begabung und wissenschaftlichen Kenntnissen praktische Erfahrung und Tüchtigkeit ver⸗ band, die kirchlichen Verhältnisse des Landes genau kannte, körperliche Gesundheit, geistige Rüstigkeit und hiermit nachhaltige Tatkraft genug besaß, um die Hoffnung darzubieten, daß er eine längere Reihe von Jahren sein Amt versehen und zum Heil der Kirche zu wirken vermöge“, und der, das erforderten die verschiedenen kirchlichen Richtungen in Oberhessen,„von milder theologischer Ueber- zeugung, freundlichen Charakters und von gewinnenden Umgangsformen war, sich auch möglichst wenig an den kirchlichen Partei- kämpfen beteiligt hatte“. Diese Voraus⸗ setzungen erfüllte Habicht sämtlich, nament⸗ lich war er„seiner theologischen Richtung nach bibelgläubig, kein Feind des orthodoxen Belenntnisses; nach seiner kirchenpolitischen Stellung gehörte er der kirchlichen Mittel⸗ partei an, ohne jedoch jemals in besonderem Parteiinteresse oder gar als Parteiführer hervorgetreten zu sein“. Die lutherisch-ortho⸗ doxe Partei konnte„um so weniger an ihm Anstoß nehmen, als er von Haus aus Lutheraner und nur auf lutherischen Pfarreien Geistlicher war, ihm also der von der lutherischen Orthodoxie so sehr urgierte Vorwurf, der Union anzugehören, mit Recht nicht gemacht werden konnte“. Dabei hatte er als Dekan niemals einen Konflikt mit den ihm unterstellten lutherisch-orthodoxen Geistlichen gehabt, sondern sich auch ihr Vertrauen zu erwerben gewußt. Und konnte ihm auch nicht besondere wissenschaftliche Tiefe zugeschrieben werden, so hatte er doch wissenschaftliche Erkenntnis genug, um aus ihr die nötigen Direktiven für sein prakti⸗ sches Wirken ziehen zu können“. Für die neue Kirchenverfassung, die„er ins Leben rufen half, war bei ihm alle Liebe voraus⸗ zusetzen“, So wurde er am 2. Februar 1875 zum geistlichen Mitglied und Rat beim Oberkonsistorium und in dieser Eigenschaft zum Superintendenten von Oberhessen er⸗ nannt. Die bei seiner Ernennung in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllte er vollständig: sein„wohlwollender und gerechter Sinn, seine des nötigen Ernstes nicht entbehrende Freundlichkeit im Verkehr mit den ihm untergebenen Geistlichen und den Gemeinden seiner Superintendantur, die Lauterkeit und Wahrhaftigkeit seines Charakters“ gewannen ihm„das größte Ansehen in der Provinz Oberhessen; auch bei den Geistlichen und Laien der strengeren Richtung, welche der Kirchenverfassung anfänglich unfreundlich gegenüberstanden, trug sein Einfluß wesent⸗ lich dazu bei, daß sie sich nunmehr bemühten, Hand in Hand mit den anderen Richtungen und mit dem Kirchenregiment an dem inne⸗ ren Ausbau der Kirchenverfassung mitzu⸗ arbeiten“. Die theologische Fakultät der Uni⸗ versität erkannte seine Verdienste um die Landeskirche am 16. Mai 1880 durch Ver⸗ leihung der Doktorwürde an. Seit 1882 ver⸗ trat er die hessische Kirchenregierung bei der Eisenacher Konferenz. Am 1. Juli 1885 wurde er zum Prälaten ernannt und war als solcher Mitglied der ersten Kammer der Landstände sowie der Landessynode, der er früher durch Wahl, angehört hatte. Habicht war ein Mann der Praxis. Zu schriftstellerischer Tätigkeit ließ ihm seine vielseitige Amtstätigkeit keine Muße. Ab⸗ gesehen von einzelnen gedruckten Predigten und Kasualreden veröffentlichte er im Jahre 1878 ein„Hilfsbuch zum Verständ⸗ nis der Bibel“(Gießen 1878), und gab in den Jahren 1884, 1889 und 1898 die zweite bis vierte Auflage des 1879 zum erstenmal von Karl Wilhelm Linß herausgegebenen„Handbuchs für die Evangelische Kirche des Groß⸗ herzogtums Hessen“ heraus. Neben seiner eigentlichen Amtstätigkeit entfaltete Habicht eine umfangreiche Ver- einstätigkeit: Er war Mitbegründer des Darmstädter Armenvereins, er half dabei, die Darmstädter Volksküche ins Leben zu rufen, er war Vorsitzender der Mathilden— stiftung, des Hessischen Hauptvereins der Gustav⸗Adolf⸗Stiftung und des Pfarr⸗ waisenvereins zur Unterstützung von Pfarrerwitwen und-waisen. Seinem Wirken fehlte es nicht an all⸗ seitiger Anerkennung. Das zeigte sein fünf⸗ zigjähriges Dienstjubiläum, das er am 27. April 1895 beging. Unter den zahl⸗ reichen Glückwünschenden fehlte auch nicht seine erste Gemeinde Echzell. Im Herbst 1898 nahm er als Vertreter des hessischen Oberkonsistoriums an der Kaiserfahrt nach Jerusalem zur Einweihung der Erlöserkirche teil. Er war der Aelteste unter allen Teilnehmern, doch war er den Anstrengungen, die die Reise bot, voll— kommen gewachsen. Einen schweren Schlag bedeutete es für ihn, als ihm ein Jahr darauf, am 25. September 1899, seine Ge— mahlin durch den Tod entrissen wurde. Ein ähnlicher Festtag wie sein fünfzig— jähriges Dienstjubiläum bildete für ihn die Feier seines achtzigjährigen Geburtstages 8 0 am 5. Februar 1902. Eine Fülle von Ehrungen ward ihm zuteil. a Seine eiserne Gesundheit, die dem Achtzig⸗ jährigen die Fortsetzung seines Dienstes er⸗ möglichte, wurde aber bald darauf durch eine Erkältung, die er sich auf einer Visitations⸗ reise nach Wallernhausen in Oberhessen zu⸗ gezogen hatte, schwer erschüttert, und be⸗ reits am 19. Mai 1902, es war der zweite Pfine ig, beschloß er sein arbeitsreiches und arbeitsfreudiges Leben. Seine Beerdi⸗ gung am 24. Mai gehörte zu den imposan⸗ testen Trauerkundgebungen Darmstadts. Die allgemeine Teilnahme der verschiedensten Kreise und Richtungen zeigte, daß Habicht keine Feinde gehabt hatte. Mit ihm war ein Stück hessischer Kirchengeschichte dahingegan⸗ gen: kein anderer war so eng wie er mit der hessischen Kirchengeschichte der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ver⸗ wachsen, und darin beruht auch die bleibende Bedeutung seines Lebens und Wirkens. Noch einmal: Ein Sonntag in Galizien. Ende Dezember 1921 sandte ich mit einem Brief die Nummer des„Sonntagsgrußes“, in der zum erstenmal„Ein Sonntag in Galizien“ veröffentlicht worden wax, an das Pfarramt in Rekliniec, in der Hoffnung, daß der Pfarrer, in dessen Heim ich damals so freundliche Aufnahme gefunden hatte, sie erhielte. Nach einem Monat bekam ich ein sehr herzliches Antwortschreiben des Pfarrers, aus welchem die Leser wohl das Folgende interessieren wird: „Eine sehr angenehme Ueberraschung ha⸗ ben Sie uns durch die Uebersendung Ihres Briefes bereitet! Empfangen Sie unseren wärmsten Dank hierfür, wie auch für die Abfassung und die gütige Zusendung des Stimmungsbildes, in dem wir vielleicht in etwas unverdient gutem Lichte dargestellt werden. Möge es jedoch zugunsten unserer überall verkannten unglücklichen Nation dienen.(Rekliniec gehörte zu Oesterreichisch⸗ Galizien, jetzt ist es polnisch; die Bewohner sind Ruthenen. Der Einsender.) Wir wun⸗ dern uns, daß Sie sich unserer nach so ver⸗ hältnismäßig langer Zeit und nach so vielen Eindrücken, die der lange und weite Feldzug Ihnen dargeboten hat, noch erinnern. Un⸗ sererseits gestehen wir, daß Ihr kurzer Aufenthalt in unserer Ortschaft während der furchtbaren Tage des Jahres 1915 tief im Gedächtnis geblieben ist. Die Liebens⸗ würdigkeit, die Sie uns damals nach Abzug der Russen entgegengebracht haben, hat uns mit Freude und Stolz erfüllt, und wir waren froh, daß wir, denen von seiten der westlichen Welt halbasiatische Bildungsstufe zugemutet wurde, Gelegenheit dazu hatten, uns im wirklichen alltäglichen Lebens⸗ wandel kennen zu geben. Wir haben während der zwei vorletzten Jahre vieles erlebt— es waren in unserer Ortschaft bittere Kämpfe mit allen Begleit⸗ erscheinungen—; wir haben unseren liebsten Sohn ler war zur Zeit Ihres Aufenthaltes bei uns noch nicht eingerückt) verloren; nachdem dieser nach glücklich überstandener Kriegsgefangenschaft in Rußland heimge⸗ kehrt war, ist er hier im Heimatlande im Jahre 1919 im Kampfe fürs Vaterland den Heldentod gestorben. Das hat unser Familienglück auf einmal zerstört, und so eine Wunde läßt sich in einem Menschen⸗ leben kaum heilen.“ Der Brief schließt mit der Bitte, ihn ge⸗ legentlich zu beantworten, was ich auch tun werde, mit dem Wunsche, daß wir noch alle bessere Zeiten erleben mögen. Trümpert. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 26. Februar. Esto mihi. In der Stadtkirche. Vormittags 9 Uhr: Pfarrer Becker.— Vorm. 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Markusgemeinde: Pfarrer Becker.— Abends 6 Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und Feier des heil. Abendmahls für Matthäus- und Markusgemeinde.— Mon⸗ tag, den 27. Febr., abends 8 Uhr: Vereini⸗ gung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde.— Montag, den 27. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde.— Dienstag, den 28. Fe⸗ bruar, nachmittags 4 Uhr: Frauenmissions⸗ verein.— Mittwoch, den 1. März, abends 6 Uhr: Passionsgottesdienst. Pfarrer Becker. In der Johanneskirche. Vorm. 91/ Uhr: Pfarrer Ausfeld.— Vorm. 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Abends 6 Uhr; Pfarrer Bech⸗ tolsheimer. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Lukas⸗ und Johannes⸗ gemeinde.— Abends 7¼½ Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde.— Montag, den 27. Februar, abends 7¼ Uhr: Jugendvereini⸗ gung der Lukasgemeinde(weibliche Abtei⸗ lung).— Donnerstag, den 2. März, abends 8 Uhr: Kirchliche Vereinigung der Johan⸗ nesgemeinde im Johannessaal.— Freitag, den 3. März, abends 5½ Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Johannes⸗ gemeinde. 1 Evang. Arbeiterverein. Sonntag, den 26. Februar, abends 8 Uhr, im Johannessaal!: Kammermusik⸗ abend.(S. Monatsprogramm.) Wartburg verein. „Sonntag, den 26. Februar, abends 8 Uhr, im Markussaal: Familienabend. Mu⸗ sikalischer und deklamatorischer Wettstreit. (S. Monatsprogramm.) Nachm. 2 Uhr: Spaziergang. Treffpunkt: 2 Uhr Heim. Berantworflsch; Pfarrer Bechtols heimer, Druck und Perlag der Brühl'schen Unwerfttäts⸗Buch⸗ und Steindrucke rei R. Lange. Gießen r 1 4 rr