A 1398 ——— N onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 43 Gießen, 19. S. n. Trinitatis, den 22. Oktober 922 Jahrg. II. Herbst. Hebr. 13, 8. Jesus Christus gestern, und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Eigenartig ist die Schönheit des Herbstes. Vor allem ist der Herbst reich an Farben. Gelb und rot leuchten die Blätter auf, bevor sie zur Erde sinken. Wenn die Garten⸗ und Feldblumen sich auch müde zur Erde neigen, so erfreuen sie doch noch durch Form und Farbe. Die Mittagssonne, die den Nebel besiegt hat, breitet über die Landschaft goldenen Schimmer. Wunderbar ist das Abendrot des Herbstes. Wenn nicht Wolken den Himmel verhüllen, so ht es am Abend oft wie eine weithin sichtbare Feuersbrunst am westlichen Horizont. Ehe die Sonne böllig sinkt und alle Farben erblassen, 9 7 am Himmel gelbe, violette und rote Lichter hin und her. Weit ist an klaren Herbsttagen die Fernsicht, Berges⸗ spitzen und Häuser, die man sonst nicht erblicken kann, tauchen in der Ferne auf. Auch das macht den Herbst schön, daß er eine Fülle von Früchten bringt. Rotbackige Aepfel, Birnen von gewaltigem Umfang, Kartoffeln, Rüben in mannigfacher Form werden nach Hause gebracht. Es ist auch erfreulich, zu sehen, wie der Landmann hinter dem Pfluge her oder mit dem Saat⸗ korbe über den Acker schreitet. Dennoch stimmt der Herbst zur Wehmut, und je öfter wir ihn erleben, um so stärker wird dieses Gefühl. Wenn die schöne Jahres⸗ zeit, wenn das freundliche Sonnenleuchten, wenn die Herrlichkeit des deutschen Waldes von uns Abschied nehmen, wenn die Schwal⸗ ben von uns weggezogen sind, so wird die Seele bedrückt, im Vergehen der Natur sehen wir das Vergehen des eigenen Lebens. Lud⸗ wig Richter hat das Bild gezeichnet, wie ein alter Mann am Herbsttage neben einem Grabeshügel sitzt, darunter hat der Künstler das Wort gesetzt: Der rauhe Herbst kommt wieder, Jetzt stimm' ich meine Lieder In ihrem Abschiedston. Die Sommerlust vergeht, Nichts in der Welt besteht, Der Mensch muß endlich auch davon. Ueber dieses Gefühl der Vergänglichkeit, über diese Abschiedstrauer kann nur eins hinweghelfen, das ist der Glaube, daß wir durch Jesus das ewige Leben gewinnen, durch ihn mit dem Gott in Verbindung gebracht werden, der über allem Vergehen steht. Im Wechsel der Erscheinungen, die er rund umher beobachtet, spricht der Christ: Jesus gestern und heute und derselbe in Ewigkeit. H. B. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 37. Der Gießener Bub vor 50 Jahren. Von Louis Frech. (Fortsetzung.) Als der Vorhang in die Höhe ging, wurde der Mensch äußerst ungemütlich. Er drückte nach vorne, daß ich quakte, und als ich durch entsprechende Bewegungen zu ver⸗ stehen gab, daß es mir sehr unbehaglich zu⸗ mute wäre, drückte er mir seine ausge⸗ spreizten Finger auf den Kopf und sagte: „Simon, setz dich!“ An dieser Aeußerung erkannte ich, daß er ein Gießener war. Um dem unerquicklichen Zustand ein Ende zu machen, setzte ich mich, der Not und dem nachhelfenden Druck von oben gehorchend, auf den Boden und hängte die beiden Beine durch die Stäbe des Galexiegeländers Gegen⸗ über hatten es einige bereits geradeso ge⸗ macht; auch meine beiden neben mir stehen⸗ den Freunde nahmen, des Stehens müde, auf dem Boden Platz, und bald bammelten. ringsum bei hundert Bubenbeine, wie in Reih und Glied aufgehängte Strümpfe über den Köpfen der unten im Saal sitzenden Herrschaften des Sperrsitzes, ersten und zwei⸗ ten Platzes. Nun sah ich die Herrlichkeiten der Bühne, die durch die einschmeichelnden Weisen der Musik einen geradezu faszinieren⸗ den Eindruck auf mich machten, so, daß ich alles um mich herum vergaß und auch nicht darauf achtete, daß der Quälgeist hinter mir sich breit auf das Galeriegeländer legte und meinen Rücken als Polster für seine gebeugten Knie benützte. Von der Galathea hatten wir bis jetzt noch nichts zu sehen bekommen. Vom Hörensagen in der Schule wußte ich, daß sie eine Elfenbeinstatue des Königs Pygmalion von Cypern war, der sie selbst hergestellt, hatte und dem sie so gefiel, daß er sich in sie verliebte und die Göttin der Liebe, Aphrodite, anflehte, sie zu einem lebenden Wesen zu machen. Seine Bitte wurde erhört, und nun war der Moment gekommen, in welchem die Wand⸗ — 170— 5 lung vor sich ging. Die Bühne erglänzte plötzlich auf der rechten Seite in weißem bengalischen Licht, und Pygmalion starrte mit ausgebreiteten Armen und verzückten Augen nach dem Wunder. Der Galerie ging es gerade so. Die Augen der gegenüber sitzenden Jungen leuchteten im Widerschein des gleißenden Lichtes wie eine Linie glän⸗ zender Lichtlein zwischen den Geländer⸗ sprossen, alles klatschte, und dem Publikum unserer Galerie wurde es sofort klar, daß auf der Bühne etwas vor sich ging, was es nicht sehen konnte. In der Tat hatte die Theaterleitung in Verkennung des Rechtes, mach welchem wir für unsere 15 Kreuzer Anspruch hatten, alles, was auf der Bühne vorging, restlos zu sehen, die Statue auf der rechten Seite in eine Nische aufgestellt, die von unseren Blicken nicht erreichbar war. Es entstand denn auch augenblicklich ein Gezappel, Gewühl und Gekrabbel im westlichen Olymp, und alles drängte über die nun zwei Stufen höhere Mittelgalerie hinweg nach der gegenüberliegenden Seite, um nicht zu kurz zu kommen. In der rich⸗ tigen Annahme, daß ich da auch nichts sehen würde, trollte ich mit meinen ge⸗ nagelten Schuhen die Treppe hinunter in das Parterre und hatte damit einen vollen Erfolg. Da stand sie, die schöne Galathea, schneeweiß, wie eine Elfenbeinstatue, auf einem erhöhten Sockel, übergossen von dem Licht der bengalischen Flammen, die mit ihren Verbrennungsprodukten in weißen, beißenden Wolken bald den Saal füllten. Das Publikum hustete, wischte die Augen und schneuzte sich, rief„bravo“ und klatschte. Selbst Pygmalion räusperte sich, und für die schöne Galathea war es die höchste Zeit, daß sie lebendig wurde, denn sonst hätte sie als Statue husten müssen, was nicht nur unnatürlich gewesen wäre, sondern auch nicht zu der Handlung gepaßt hätte, weil sie dann, anstatt in die Arme ihres Ver⸗ ehrers zu eilen, ihm etwas gehustet hätte. Aber darauf achtete damals ja niemand. Elektrisches Licht hatte man noch nicht, und so war das ja alles nur selbstverständlich, Das Publikum kargte nicht mit Beifall und schien von der rhetorischen und der technischen Leistung hochbefriedigt. Ich für mein Teil glaubte, nie etwas Schöneres gesehen zu haben. Was war gegen so etwas ein Seiltänzer oder ein Leutnant, die mir vorher immer der Inbegriff alles Erstrebens⸗ werten galten! Die schöne Galathea war in ihrer Aufmachung eine wirklich wunderbare Erscheinung, und ich konnte dem Pygmalion nicht verdenken, daß er sich in sie verliebt hatte. Fortsetzung folgt. Aus dem Leben eines Uebeltäters. (Fortsetzung.) Im Jahre 1798 kam eine neue, gericht⸗ liche Organisation zustande, durch die der kurtrierische Amtmann Fölix von Oberstein als Friedensrichter nach Herrstein versetzt wurde. Der Eifer des Fölix hatte Erfolg. Schinderhannes wurde gefangen nach Saar⸗ brücken eingebracht. In der nächsten Nacht aber war er schon wieder ausgebrochen und nahm Zuflucht bei seinem neuen Freund, dem Schwarzen Peter. Peter Petri, genannt der Schwarze Peter, geboren 1760 in Burgen bei Bernkastel, hatte seine Hauptniederlage in Hüttgeswasen. Stark von Körperbau, mit kräftigem, schwarzem gekräuselten Haar, das er in einem Ring unter dem Kinn zusammenzog, besaß er eine geradezu wilde Verwegenheit, dabei war er in nüchternem Zustand gut⸗ mütig wie ein Kind. Hatte er aber einen Branntweinrausch, was meistens der Fall war, so kannte seine Bestialität keine Grenzen. Auf dem Steinharter und Marienpforter Hof, in Hahnenbach, Schneppenbach und Sonnschied hausten Schinderhannes und der Schwarze Peter wochenlang. Auf den Drei⸗ weihern bei Obermoschel unweit Kreuznach fing man den Schwarzen Peter eines Tages und brachte ihn nach Simmern. In dem alten Turm wurde er in ein 20 Fuß tiefes Loch gewunden, am Tage durfte er in die geheizte Stube zu den übrigen Gefangenen. Nach einigen Wochen meldete er sich krank und bat den Wärter um warme Suppe. Der ahnungslose Mann führte ihn in seine eigene Stube. Verabredungsgemäß machten die übrigen Gefangenen einen Heidenlärm, der Wärter eilte hin, um zu sehen, was los sei. Petri überfiel die Frau des Aufsehers, schlug sie nach heftiger Gegenwehr nieder, ent⸗ sprang mit seinem Eisen durch ein vom Erd⸗ boden 15 Fuß entferntes Fenster und entkam nach Alt⸗Weidelbach. Die übrigen Gefan⸗ genen überwältigten den Wärter und ent⸗ sprangen ebenfalls durch das Fenster. Der Schwarze Peter schwärmte darauf lange im Odenwald herum, im Jahre 1802 kam er wieder auf den Hunsrück, wo er mit Schinderhannes eine Anzahl Raubzüge aus⸗ führte. Plötzlich verlor er sich wieder in den Wäldern des rechten Rheinufers. Wäh⸗ rend der Abwesenheit des Petri gewann Schinderhannes immer mehr an Ansehen. Am hellen Tage trieb die Bande ihre Pferde⸗ diebstähle. Die Friedensrichter haßten die neuen Gesetzesformen, viele hatten sich auch überlebt. Auf dem ganzen Räubertheater standen die Friedensrichter Fölixr von Ober⸗ stein und Horstmann von Bacharach allein da. General Wirion organisierte die Natio⸗ mal⸗Gendarmerie in den 4 Departements des linken Rheinufers. Drei Männer sind unter diesen Gendarmen zu nennen, deren Namen unsterblich sein sollten, solange noch der Name des Schinderhannes im Volksmund lebt: Adam, Poincenet und Le Cavelier, alle aus Kirn. Bei einem Streifzug erwisch⸗ 2 eee m 1 5 0 0 0 1 ö Ses A le SS Ks= S nen S S GS GS Se YS A=— W M ten sie Hannes mit Johann Müller in Schneppenbach, und brachten sie nach Sim⸗ mern. Beide Kerle wurden in dasselbe Ge⸗ wölbe hinuntergehaspelt, das den Schwarzen Peter schon beherbergt hatte. So große Be⸗ friedigung diese Verhaftung einerseits her⸗ vorrief, so groß war die Bestürzung in jenen Kreisen, die Bekenntnisse zu be⸗ fürchten hatten. So kam eines Tages ein reicher Pächter namens Scherer aus dem Bezirk Hermeskeil zu dem Apotheker Ellig in Kirn und bat ihn um ein Tränkchen, das den Räuber töten sollte. Es käme ihm, meinte Scherer, auf 50 Louisdor— also 800 Mark— nicht an, wenn dadurch ver⸗ hütet werden könne, daß Schinderhannes ehr⸗ liche Leute ins Gefängnis brächte. Ellig mischte ein unschuldiges Tränklein zusam⸗ men, das dann der Scherer einem gewissen Kipper gab, mit dem Auftrag, es in die Suppe zu schütten, die dem Schinderhannes mittags gereicht wurde. Als praktisch ver⸗ anlagter Mensch trank Kipper den Schnaps selbst aus, der ihm recht gut bekam. In der Nacht vom 19. zum 20. August 1799 entwich Schinderhannes aus dem Ge⸗ fängnis. Ueber dem Gewölbe, das er be⸗ wohnte, saß Philipp Arnold von Argental, der später selbst ein Mitglied der Schinder⸗ hannesbande wurde. Dieser schnitt ein Loch in den Boden, verklebte es mit Brot und haspelte den Mitgefangenen in der zur Flucht bestimmten Nacht an einem Strohseil in die Höhe. Durch die Küche entkamen die zwei Strolche. Schinderhannes verrenkle sich bei dem Sprung zur Erde das Bein, lieh sich in Sonnschied ein Pferd und ließ sich zu Nagel nach Bärenbach bringen, der ihm das Bein einrichtete. 1 Nun beging Bückler eine ganze Anzahl von Straßen räubereien, die Straße Bingen⸗ Kreuzuach⸗Kirn war ein Hauptfeld seiner Tätigkeit. Bei Waldböckelheim überfiel er einen Trupp Handelsjuden und raubte sie aus. Dann mußten sie die Stiefel aus⸗ ziehen, die durcheinandergeworfen wurden. Schinderhannes stellte sich dann mit dem Gewehr schußfertig hin und befahl, daß jeder innerhalb 5 Minuten seine Stiefel wieder anhaben müsse. Dies gab Ver⸗ anlassung zu einer wüsten Rauferei, jeder wollte seine Stiefel zuerst anhaben und es gab blutige Köpfe. Die Räuber freuten sich köstlich über diese Roheit. Auf seinen vielen Wanderungen und auf Kirchweihen machte Bückler die Bekanntschaft eines in jeder Beziehung höchst merkwürdigen Menschen namens Karl Benzel aus Reichen⸗ bach bei Baumholder. Vier Jahre lang hielt sich Benzel der Bande fern, als er jedoch um die Hand eines Mädchens warb und von dem Vater abgewiesen wurde, beging er seinen ersten Einbruchdiebstahl, wobei er 9 zwei Hämmel erbeutete. Er ging direkt zum Katzenloch bei Birkenfeld, wo eine Nieder⸗ lage der Räuberbande war. Er wurde mit großer Freude aufgenommen und blieb dann beständig bei den Räubern. Man kleidete ihn völlig neu. Benzel saß oft tagelang vor der Bibel und dem Gesangbuch, er ging sogar zum Abendmahl, auf die Gefahr hin, er⸗ griffen zu werden. Gelegentlich eines Ver⸗ hörs sagte er: David, der ja auch ein großer Sünder gewesen wäre, sei am Ende auch noch zu hohen Ehren gekommen. Bei einem Raubzug in Otzweiler wurde der Hausbesitzer Peter Riegel erschossen, sein Schwiegersohn Konrad Bär fürchterlich mißhandelt, bei Sobernheim schossen die Räuber den Handelsmann Samuel Levi vom Pferd und beraubten ihn. g Im Jahre 1800 lernte Schinderhannes auf einer Kirchweihe die 17jährige Bänkel⸗ sängerin Julie Bläsius aus Weierbach bei Kirn kennen. Er dichtete ein Lied auf das Mädchen, das lange von den Bänkelsängern auf den Kirchweihen der Nahe- und Huns⸗ rückgegend gesungen wurde. Julie machte die Raubzüge der Bande öfters mit und stand in Männerkleidern Schildwache. Bis zu Bücklers Tode war sie seine ständige Gefährtin und gebar ihm 2 Kinder. Man kann es kaum verstehen, wie der berühmte“ Räuberhauptmann bei all seiner Frechheit so feige sein konnte, wie in folgen⸗ dem Falle: Bückler und Benzel wohnten eine Zeitlang auf dem Eigener Hof. Als sie einmal recht gemütlich zusammensaßen, er⸗ schien plötzlich der Brigadier(Gendarmerie⸗ wachtmeister) Adam und packte sogleich den Schinderhannes an der Gurgel. Die Beiden kamen ins Handgemenge, da kam Benzel zu Hilfe und befreite den Kameraden, der schleu⸗ nigst Reißaus nahm. Die beiden Strolche wären zweifellos imstande gewesen, den Bri⸗ adier zu überwältigen. Benzel war der ragende er wurde gefangen, weil ihn der Freund schmählich im Stiche ließ. Wir lernen jetzt einen anderen, ganz furchtbaren Menschen kennen, der die Räu⸗ bereien in ein ganz neues Fahrwasser brachte. Johann Leiendecker, ein hinkender Schuster, durfte sich wegen seines körper⸗ lichen Gebrechens, das ihn zu leicht kennt⸗ lich machte, auf der Straße nicht sehen lassen, deshalb machte er den Vorschlag, nächtliche Einbrüche in Judenhäusern vor⸗ zunehmen. Als erster wurde Wolf Wiener in Hottenbach überfallen, wobei die Bewohner des Hauses schwere Mißhandlungen zu ex⸗ dulden hatten. Es folgten die Raubzüge in Laufersweiler, Offenbach, Merxheim, Sötern, Lettweiler usw. 1 Auf dem Kallenfelser Hof bei Kirn wohnte Bückler mit Julie wochenlang. Drei Schnei⸗ der waren an der Arbeit, prächtige Kleider anzufertigen. Jedes Kind in den Dörfern Kallenfels, Hahnenbach, Sonnschied, Griebel⸗ schied kannte die Räuber. Die jungen Bur⸗ schen spielten mit ihnen Karten, die Mädchen tanzten mit ihnen auf dem Ball, den Schin⸗ derhannes in Griebelschied veranstaltete. In 172— Meddersheim, wo er ebenfalls wochenlang hauste, stand vor seiner Wohnung eine Schildwache. Prächtig gekleidet empfing er, auf dem Sofa sitzend, die Juden, die Ge⸗ sandtschaften schickten oder durch Erpresser⸗ zettel bestellt waxen. Für hohe Summen verkaufte er Sicherheitskarten, auf denen geschrieben stand: Im dritten Jahre meiner Regie⸗ rung im Soonwald. 11 Johannes durch den Wald. Auch diese Erfindung ist dem Leiendecker zuzuschreiben, die durch Brandbriefe be⸗ reichert wurde. Die meisten dieser Brand⸗ briefe wurden von ihm verfaßt und ge⸗ schrieben. Darin wurde den Opfern befohlen, so und so viel Karolin an einen näher bezeichneten Ort zu bringen, oder dem Ueberbringer zu zahlen. Im Weigerungs⸗ falle wurde mit Mord und Brandstiftung gedroht. (Fortsetzung folgt.) Uleine Mitteilungen. Die aus dem In- und Ausland überaus stark besuchte diesjährige Hauptversammlung des Gustav⸗Adolf⸗Vereins in Erlangen (2. bis 4. Oktober) sprach die große Liebes⸗ gabe im Betrag von, 300 000 Mk. dem Diakonissenhaus Danzig zu. Die Gemeinde Hermagor in Kärnten und Heusenstamm in Hessen wurden mit je 40000 Mk. bedacht. Die Gesamteinnahmen des durch die ge⸗ waltsame Abtrennung vieler Millionen Evan⸗ gilischer von ihren Mutterkirchen so über⸗ aus bedeutsam gewordenen Gustav⸗Adolf⸗ Werkes beliefen sich im Vorjahr auf 85 Millionen Mark. Das laufende Jahr zeigt einen weiteren Aufschwung. Die am Ernte⸗ dankfest in unseren beiden Kirchen für Heusenstamm erhobene Kollekte erbrachte die schöne Summe von 2119 Mk. * Die deutsche evangelische Presse zählt rund 900 Blätter, die in einer Gesamtauflage von 9 Millionen allwöchentlich in die Lande gehen. Diese Zahlen zeigen, was es auch, ganz abgesehen von ihrer religiösen Bedeu⸗ tung für den Kulturbesitz unseres Volkes bedeuten würde, wenn es nicht der Treue der Leserschaft und der in Vorbereitung be⸗ findlichen Notaktion gelänge, wenigstens den größeren Teil dieser für die innere Ge⸗ sundheit unseres Volkes unentbehrlichen Or⸗ gane am Leben zu erhalten. Auch, wo man sich zu Einschränkungen genötigt sieht, sollte man sich vor Maßnahmen hüten, die den dauernden Verlust wertvoller Wirkungs⸗ möglichkeiten und Anknüpfungspunkte für den späteren Wiederaufbau bedeuten. * Der Cvangelische Arbeiterverein, dessen wiederholte vorjährige Aufführung von Anzengrubers„Meineidbauer“ noch bei vielen in bester Erinnerung steht, läßt am Sonntag, dem 29. l. Mts., abends 7 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten Fr. Gerstäckers„Ter Wilderer“, Drama in fünf Aufzügen nebst zwei Verwandlungen durch Mitglieder des Vereins zur Aufführung bringen. Auch diesmal stellen sich die Mit⸗ wirkenden für eine gemeinnützige Sache zur Verfügung; denn der Ueberschuß soll restlos der Elisabeth⸗Kleinkinderschule, die bekannt⸗ lich auch mit großen finanziellen Schwie⸗ rigkeiten zu kämpfen hat, zugeführt werden. Näheres im Sonntagsgruß unter„Evang. Arbeiterverein“. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 22. Oktober, 19. n. Trinitatis. Kollekte für die evangelischen Gemeinden in Oesterreich. Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Mahr.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. — Abends 6 Uhr: Pfarrer Becker.— Ju⸗ gendvereinigung der Matthäusgemeinde: Jeden Montag, abends 8 Uhr: männliche Abteilung; jeden Donnerstag, abends 8 Uhr: weibliche Abteilung. Johanneskirche. Vorm. 9 Uhr!: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 6 Uhr: Pfarrer Ausfeld.— Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal: Pfarrassistent Müller.— Montag, den 23. Oktober, abends /8 Uhr: Konfirmandenvereinigung der Lukas⸗ gemeinde, männliche Abteilung.— Freitag, den 27. Oktober, abends /6 Uhr: Konfir⸗ mandenvereinigung für die Mädchen aus der Johannesgemeinde. * Evang. Arbeiterverein. Sonntag, den 29. l. Mts., pünktlich 7¼ Uhr(Kassenöffnung 7 Uhr), Turnhalle (Nordanl.): Volksunterhaltungsabend. Auf⸗ führung des Dramas in 5 Aufzügen nebst 2 Verwandlungen:„Der Wilderer“ von Friedr. Gerstäcker. Eintrittskarten für Mit⸗ glieder und Angehörige zu 25 und 20 Mk. (numeriert), 15 Mk. unnumeriert, bei den Mitgliedern Bingel, Lindenplatz und Scholz, Kreuzplatz, für Mitglieder der übrigen evang. Vereine in Gießen zum gleichen Preise bei Kaufmann Scholz, Reformhaus. Für Nichtmitglieder zu 30 und 25 Mk. (numeriert) und 20 Mk.(unnumeriert) in der Musikalienhandlung E. Challier, der Ferberschen Universitätsbuchhandlung, Sel⸗ tersweg, und der Schneiderschen Buchhand⸗ lung, Neuen⸗Bäue. Verantworllsch: Pfarrer Bechtolshesmer. Drück und Derlag der Brühpschen UNutversfilts- Buch uad Weindenckere N. Lange, Gießen. — Sede e