ster ritt ts gte. en. ier⸗ ds tag onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Mr. 34 Gießen, Jo. S. n. Trinitatis, den 20. August 1922 II. Jahrg. Der Zug des Lebens. Evang. Joh. 5, 24. Wer mein Wort höret und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben. In der Kunsthalle zu Düsseldorf hängt ein Bild, ein Seitenstück zu dem bekannten Gemälde in der Berliner Nationalgalerie „Zug des Todes“. Es ist unterschrieben „Zug des Lebens“. Das Bild will eine Illustration sein zu der bekannten Geschichte von den Weisen aus dem Morgenlande. Der Maler läßt aber nicht nur die drei Magier dem blendenden Stern folgen, dessen leuch⸗ tender Glanz über dem dunkeln Horizont glänzend aufflammt, hinter ihnen, die auf Kamelen an der Spitze des Zuges einher— reiten, folgt eine dichtgedrängte, bunt⸗ gemischte Schar von Menschen verschiedenen Alters und Standes, Große und Kleine, Alte und Junge, Männer und Frauen, Greise und Kinder, Jünglinge und Mädchen, Gesunde und Kranke, Krüppel, Lahme Blinde, getragen und gestützt von den Armen der Liebe. Sie alle folgen dem Stern, von einem tiefen inneren Verlangen getrieben, die einen mit aufgehobenen betenden Händen, die andern mit ausgestrecktem Finger nach vorn weisend, aber alle mit einem unaus⸗ sprechlichen Ausdruck seliger Hoffnung in den leuchtenden Augen und auf den verklär⸗ ten Zügen— ein wundersamer Zug des Lebens. Er reißt sie fort mit geheimnis⸗ voller seliger Gewalt durch die Wüste, über den Acker voller Dornen und Disteln, nur ein Ziel haben sie vor Augen: hin nach oben, hin zum Himmel. 0 Einzelne Szenen sind besonders er⸗ reifend auf dem Bild. Da schiebt ein ein⸗ acher Mann aus dem Volke auf einem Karren sein todkrankes Weib, das mit auf der Brust gefalteten Händen still ergeben daliegt, vor sich hin. An der Seite geht ein Mädchen, mit der einen Hand den Karren festhaltend, mit der andern nach oben deutend, als wollte es dem lieben kranken Mütterlein tröstend zuflüstern:„Sei nur getrost, bald hat das Weinen ein Ende.“ Vorn an der Spitze des Zuges, allen vorauseilend, sieht man eine Frau mit fliegenden Schritten vor⸗ wärts eilen, an jeder Hand ein Kind, einen Knaben und ein Mädchen. Sie will die Kinder hinführen zum Stern von Beth—⸗ lehem, auch sie sollen teilnehmen an dem Zug des Lebens. Auf ihren Lippen lesen wir:„Ihr Kinder, laßt die Welt und ihre Lust, laßt, was irdisch ist, dahinten, folgt dem Lebensfürsten nach.“ Und das ist es, was Eltern und Kinder, Alte und Junge, beherzigen wollen. Ihr Eltern, lernt von diesem Weib, nehmt eure Kinder an der Hand und führet sie hin zum Stern von Bethlehem, geht ihnen aber selbst durch gutes Beispiel und frommes Vorbild voran. Und ihr Kinder, nehmt auch ihr teil an dem Zug des Lebens. Folgt nicht der Welt und ihrem blendenden Schein. Sie kann euch nicht geben, was ihr nötig habt für eure unsterblichen Seelen, es bleibt eine gähnende Leere, wo ihr den nicht habt, der allein ewiges Leben und volles Genüge gibt, Jesum, Christum, unsern Herrn. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 37. Der Gießener Bub vor 50 Jahre n. Von Louis Frech. (Fortsetzung.) Der Weg um die Neue Anlage, welchen ich täglich zweimal nach und zweimal von der Schule zurückzulegen hatte, war selbst⸗ verständlich viel, viel schöner, wie über den Neuenweg, der sich in seinem Gesamtbild gegen früher kaum geändert hat. Heute ist er wesentlich sauberer; denn damals war er für die Fuhrwerke der Bauersleute und Gießener Landwirte die Hauptverkehrsstraße. Zur Erntezeit lagen überall die Strohhalme, Heubüschel, Dickwurzblätter und dergleichen umher, und es roch zeitweilig stark nach Ackerbau und Viehzucht. Demgegenüber ver⸗ hielt sich die Neue Anlage wie der Tag zur Nacht. Man war im Freien und in frischer Luft, und das Auge hatte seinen Genuß; denn die Bäume und das Strauch- werk befanden sich in ihrem Anfangs⸗ stadium und waren noch nicht so belaubt und buschig wie später, so daß man die ganze Anlage mit ihren Bosketts, Rondels, Beeten und Wiesenflächen überblicken konnte. Im Winter war es allerdings anders, da pfiff der Nordost von den Gänsäckern her un⸗ behindert über die ganze Anlage hinweg, und bei Sturm und Schneegestöber hieß es, sich nach vorn überlegen, um voran zu kommen. In solchen Fällen hatte man in den Straßen der Stadt mehr Schutz. Aber da immer ein ganzes Rudel Jungen gemeinsam den Weg zurücklegte, gab es stets Unter haltung genug, um den Unbilden des Wet⸗ ters nicht allzuviel Aufmerksamkeit zu 0 1 4 1 2 1 — 134— schenken. Einen großen Vorteil hatte der weder durch Passanten noch durch Fuhrwerke gestörte Weg über die Neue Anlage für uns, nämlich den, daß wir auf demselben an kriti⸗ schen Tagen, d. h. an solchen, an welchen es wahrscheinlich war, daß man in der Schule „dran kam“ die Lektion gemeinsam durch⸗ hechelte. Es blieb dabei bei dem, der zu Hause nichts geschafft hatte, wenigstens soviel hängen, daß der Lehrer sich der Ein⸗ sicht, der Junge habe sich, wenn auch ungenügend, vorbereitet, nicht verschließen konnte. Meine erste engere Freundschaft schloß ich mit zwei Buben, Otto und Julius Sch., Vettern, die in der„Scheppeck“, das ist das Sackgäßchen auf der Westanlage, nicht weit vom Selterstor, in einem frei im Garten stehenden Haus wohnten. Der ältere war eine Waise und wurde von Verwandten, die wie Eltern für ihn sorgten, mit deren Söhnchen erzogen. Letzteres ging damals noch nicht in die Schule, während sein Vetter das Gymnasium besuchte und eine Anzahl Schulkameraden zu Freunden hatte, die ihn öfters besuchten und die ich dadurch auch kennen lernte. Wir vergnügten uns im Som⸗ mer täglich in dem großen Garten, welcher mit seinem hinteren Ende bis an die Wieseck reichte, mit allem möglichen Zeitvertreib. Wir brachten uns eine Schaukel zwischen zwei Bäumen an und bauten uns eine Gartenhütte, bei deren Errichtung soviel Köche mithalfen, daß es mich heute noch wundert, daß der Brei nicht verdorben wor- den ist. Aber es ging ganz gut, wenn auch trotz der vielen Hilfe etwas langsam. Wir hatten nur eine einzige Leiter, und da war es an der Tagesordnung, daß stets einige oben auf den Stangen hingen und nicht herunter konnten, weil die Leiter auf der andern Seite verwendet wurde. Als die Hütte fertig wahr, fehlten nur noch die Bänke ringsum; da es aber an Brettern gebrach und der bei den Gießener Buben schon im zarten Alter beginnende chronische Mangel an Kleingeld auch noch im 11. Jahre kein Zeichen von Besserung aufwies, so war guter Rat teuer. Aber unser Freund Friedrich W. wußte Bescheid. Er entfernte im Interesse der guten Sache aus dem Bett der häuslichen Hilfskraft seiner Eltern die Bretter, auf welchen der Strohsack ruhte und half dem dadurch entstehenden Mangel durch Ein⸗ chlagen von Nägeln und Spannen von Bindfaden ab, auf die nun der Strohsack zu liegen kam. Unter allgemeiner Anerken⸗ nung der Findigkeit des Spenders wurden die Bretter in Empfang genommen und auf die in den Boden geschlagenen Holzstöcke aufgenagelt. Aber das Dienstmädchen ent⸗ deckte infolge der Berg- und Talform seines Ruhelagers rasch die hinter seinem Rücken vorgenommene Wandlung. Als Friedrich W. eines Tages fröhlich, wie immer, und nichts ahnend aus dem Gymnasium nach Hause kam, wartete sein Vater mit einer Tracht Prügel nur solange, bis sein Sprößling den Ranzen abgelegt hatte, um ihm an dessen Stelle die Quittung über das meuchlings entfernte Strohsackfundament aufzuhängen. Außerdem erging der strenge Befehl, dieses sofort wieder herbeizuschaffen. Die unter Wehklagen noch selbigen Abend an die dicht⸗ gedrängt auf den Bänken hockende Buben⸗ schar gerichtete Bitte, die sechs Bretter wieder zurückbringen zu dürfen, wurde mit sehr gemischten Gefühlen entgegengenommen und schließlich mit dem Bescheid„Schaff erscht annere ebei“ abgetan. Das war nun leider nicht möglich, und so blieb unserem Fried⸗ rich nichts anderes übrig, als die gestif⸗ teten Sitzgelegenheiten heimlich wieder zurückzuholen. Der status quo ante in der Dachstube war bald wiederhergestellt, aber Friedrich W. wurde ob seiner Hinterlistigkeit von seinen Kameraden in den„Jamb“ ge⸗ steckt, was soviel wie Verruf bedeutete. Da aber unser Freund unter diesem augen⸗ scheinlich sehr litt, nahmen wir ihn schon. nach einigen Tagen wieder in Gnaden auf, zumal er uns einen Vorschlag unterbreitete, der schon wegen der nun doch etwas dring⸗ lich gewordenen Bretterbeschaffung nicht von der Hand zu weisen war.. (Fortsetzung folgt.) Die Einnahme von Brest⸗Litowsk. Aus dem Kriegstagebuch des Majors d. Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. (Fortsetzung.) In gleicher Höhe mit uns, auf der linken Seite der Straße, stieg eine Staub⸗ und Rauchwolke auf. Schon erfolgte etwas weiter zurück eine zweite Entladung. Da erscholl der Ruf:„Ein feindlicher Flieger!“ Wirklich flog ein solcher gerade über der Straße von Osten nach Westen und warf mit Behagen und großer Geschicklichkeit noch weitere Bom⸗ ben ab. In der Marschkolonne entstand na⸗ türlich große Aufregung. Ich zog sofort ein Geschütz und den Wagen mit dem einen Flugzeugabwehrgestell seitlich der Straße heraus, ließ es aufbauen, und das ging so rasch, daß ich den Flieger noch beschießen und von der Straße vertreiben konnte. Nach einer halben Stunde sah ich ihn seitlich von uns in respektvoller Entfernung nach der russi⸗ schen Linie zurückfliegen. Durch die erste Bombe wurden 3 Mann und 2 Pferde des in gleicher Höhe mit mir marschierenden Munitionswagens verwundet, zum Glück nur leicht. Ein Zugstrang wurde durch ein Sprengstück glatt durchschnitten. Ich hatte auf der linkne Seite der Straße auf die Batterie gewartet und war dann zu dem auf der anderen Seite reitenden Wachtmeister hinübergeritten. Hätte ich ihn zu mir her⸗ übergerufen, wäre uns wohl durch die Bombe ein Unglück zugestoßen. Die Ver⸗ wundeten sind Kanonier Eckelmann am Kopf, Fahrer Helsper am Unterarm, Fahrer Schee⸗ * — 135— der an der Schulter. Sie begegneten mir später ganz vergnügt, als sie zur Sanitäts⸗ kompagnie zurückgingen. So hatte ich an einem Tag ebensoviel Verwundete wie vorher in 8 Monaten. Ich blieb mit meinem Fliegerabwehr⸗ geschütz noch stehen und beobachtete den Himmel genau. Da kam un halb elf Uhr ein zweiter Flieger, diesmal von Westen her, der auch Bomben auf die Straße warf. Ich beschoß ihn sofort, er war aber bald so nahe bei uns, daß ich das Feuer einstellen mußte, bis er über uns hinweggeflogen war, wobei ich sicher auf einen Bombengruß für uns gerechnet hatte. Er warf aber erst einige 100 Meter östlich unseres Stand⸗ ortes eine Bombe ab, die in eine Batterie unserer schweren Artillerie fiel und unglück⸗ licherweise gerade einen Munitionswagen traf, in dem einige Geschosse sich entluden. Der Wagen wurde mitten entzwei gerissen, die Geschosse fielen auf die Straße. Mehrere Mann waren tot, andere verwundet, ebenso waren Pferde tot. Sobald es möglich war, beschoß ich den Flieger wieder, nun nach Osten feuernd. Die Schüsse lagen sehr gut. Der Flieger, der gerade über unserer neben der Straße zur Rast aufgefahrenen Abtei⸗ lung flog, die mit ihren dichten Massen ein dankbares Ziel bot, änderte sofort die Rich⸗ tung, warf noch eine Bombe in ein Wäld⸗ chen, in dem sich aber niemand befand, und flog dann eilends davon. Mein rasches Ein⸗ greifen und gutes Schießen wurde von ver⸗ schiedenen höheren Vorgesetzten gelobt. Der Fliegerangriff hat der Division etwa 6 Tote, 12 Verwundete und eine Anzahl Pferde gekostet. Mein zweites Fliegerabwehrgeschütz war weiter nach Kobrin zu aufgebaut worden. Ich rückte mit meinem nach 11 Uhr ab und kam an der Unglücksstelle vorüber, wo die Toten und Verwundeten, der zerrissene Mu⸗ nitionswagen und die Geschosse noch lagen. Nicht weit von Kobrin ließ ich mein Ge⸗ schütz wieder aufstellen. Dieses zweite Gestell ist einfacher wie das zuerst hergestellte und kann in der halben Zeit aufgestellt werden. Als das hintere Geschütz dann wieder ab⸗ . worden war und an mir vorüber⸗ m, ritt ich mit diesem um 1 Uhr vor, um wieder zur übrigen Batterie und der Abteilung zu kommen. Wir kamen durch Kobrin. Das ist eine Stadt von 20 bis 30000 Einwohnern, großenteils Juden, strotzend vor Schmutz, verseucht von Cholera, zur Hälfte niedergebrannt. Um 2 Uhr gab es ein heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen. Ich wußte nicht, wo die Abteilung geblieben war, und marschierte hinter Kobrin auf einer großen, Straße nach Nordosten. Endlich kam ein Unteroffizier mit dem Be⸗ fehl, die beiden Geschütze sollten vorkommen, die Abteilung gehe in Feuerstellung. Ich ritt allein vor, irrte vorne lange bei feuern⸗ den Batterien einer anderen Division herum, bis ich endlich die Protzen unserer 5. Batterie fand, wo ich erfuhr, daß Leutnant Obenauer mit meiner Batterie noch an der großen Straße halte. Nach längerem Suchen fand ich sie weiter rückwärts, auch die Flieger⸗ abwehrgeschütze waren wieder zur Batterie gestoßen. Um ½4 Uhr aß ich Feldküchen⸗ suppe, in die es hineinregnete. Als gegen Abend der Regen aufhörte, und es wieder hell wurde, ließ ich wieder ein Abwehrgeschütz aufbauen. Vor uns schossen viele Batterien, und die Russen antworteten recht kräftig. Endlich um 7 Uhr, als es gerade dunkel wurde— gegenüber Frankreich, wo wir vor einem Jahre waren, wird es hier eine Stunde früher Nacht—, kam der Befehl zum Biwakieren. Ich suchte in der Nähe einen geeigneten Platz aus, aber es gab wieder ein spätes Essen. Wir leben eben ganz russisch: russisches Konservenfleisch, russische Salzgurken, beides in Brest⸗Litowsk in großen Mengen er⸗ beutet, russische Kartoffeln von den Fel⸗ dern. Die Verpflegung der Russen ist nach dem, was wir an Lagerplätzen fanden, sehr gut, besser vielleicht als unsere. Sie haben Fische in großen Fässern, Gurken, Ge⸗ 97 Die Fleischkonserven schmeckten sehr gut. Abends war ein herrlicher Sternenhimmel, aber nachts gab es wieder Sturm und Regen. Heute früh konnten wir ausschlafen. Um 9 Uhr erhielt ich den Befehl, mit meiner Batterie zu den übrigen, etwa einen Kilo⸗ meter entfernten Batterien nach Podberze zu kommen. Die Russen sind in der Nacht wieder ausgerückt. Und während es gestern hieß, wir gingen nicht weiter vor, hier würde eine Stellung ausgebaut, ist heute schon eine Kavalleriedivision, der unsere Batterie zugeteilt wurde, hinter den Russen her, und es wird nicht lange dauern, so werden wir auch weiter müssen. Nun sind wir schon über 40 Kilometer östlich Brest-Litowsk; vor uns liegt ein übles Sumpfgebiet. Nach viermonatlicher Offensive wäre für Mann und Roß die Pferde hier bei Kräften zu halten, ist sehr schwierig— Ruhe sehr nötig. Aber der Befehl von oben soll lauten:„Rastlose Ver⸗ folgung des Feindes mit Einsatz der äußer⸗ sten Kraft von Mann und Pferd, um dem Feind möglichst viel Abbruch zu tun, ihn nicht zum Sammeln kommen zu lassen.“ Wenn wir dadurch den Frieden erzwingen können, sollte es mir recht sein. Ich habe so den Eindruck, als ob aus einer großen Offensive im Westen überhaupt nichts würde. Die Opfer würden sicher sehr groß sein. Kommen wir ohne sie zu einem Ende, dann sind Tausende kräftiger Männer dem Vater⸗ lande erhalten. 1. September 15. Heute hatte ich einen harten Tag. Um ¼5 Uhr Abmarsch — 136— von Podberze, von 9 Uhr an Gefecht bis abends ½7 Uhr. Von morgens 4 bis abends 7/8 Uhr hatte ich nichts gegessen, da ich auf einen solchen Verlauf des Tages nicht gerech⸗ net und mir nichts eingesteckt hatte. Die Hauptsache ist, daß der Tag uns keine Verluste gebracht hat. Ich blieb mit Gottes Hilfe vor allen um mich einschlagenden Geschossen bewahrt. Leutnant Nebel entging, wie durch ein Wunder, großer Gefahr. Ueber ihm platzten gleichzeitig 5 Schrapnells. Er warf sich auf die Erde und blieb heil. September us. Der September setzte wie der August, mit einem heftigen Gefecht ein. Würde der Monat im übrigen wie der vorige verlaufen, wäre es mir lieb. Aber einen Tag wie gestern möchte ich sobald nicht wieder mitmachen. Um 5 Uhr rückten wir gestern früh ab und zunächst auf der großen Straße nach Nordosten vor. Bei Ilosk bogen wir mit einem Detachement 118er nach rechts von der Straße ab und stießen unvermutet rasch auf starke feindliche Kräft. Die Batterie ging um 9 Uhr nordöstlich in Stellung, ich weiter nach vorn, um mir eine Beobachtungsstelle auszusuchen. Dies war sehr schwierig, da in dem flachen, mit kleinen Waldstücken besäten Gelände wenig Uebersicht vorhanden ist. Ich kam weit vor an einem Waldrand, wo ich sofort Infanteriefeuer erhielt. Auf dem Bauch liegend, gruben wir uns ein. Bald zeigte sich, daß uns auch sehr starke Artillerie gegenüber stand, die offenbar von Hochständen aus beob⸗ achtete, da sie sehr gut schoß. Sie sparte dabei nicht mit Munition. Unsere Infanterie kam nicht recht voran. Nach und nach wurde unsere gesamte Artillerie eingesetzt, und es war wieder ein toller Lärm. So stark war ich noch nie an einer Beobachtungsstelle beschossen worden. Den ganzen Tag von Infanterie und Artillerie. Ich stärkte mich mit dem Spruch: „Fürchte dich nicht, glaube nur.“ Ein schweres Geschoß schlug 6 Schritte hinter unserem Erdloche ein, uns in Staub und Rauch hüllend. Um 4 Uhr morgens hatte ich Kaffee getrunken. Da alles überraschend schnell kam, hatte ich, als ich porging, nichts eingesteckt. Mittagessen ließ ich nicht vorbringen, weil der Mann zu sehr gefährdet gewesen wäre. So mußte ich bis gestern 7 Uhr vorn aus⸗ halten. Nur 3 Hygiannatabletten hatte ich enossen. Die Batterie hatte auch Artillerie⸗ euer erhalten, ebenso die an dem Dorfrand zurückgegangenen Protzen. Aber, Gott sei Dank, sind nirgends Verluste eingetreten. Die Russen sind heute nacht wieder zurück⸗ gegangen. Die Nächte sind eben unangenehm kalt, auch heute morgen ist es kalt. Um 8 Uhr Abmarsch über Nowosiolki, Michalki, wo wir länger Rast machten, bis Borki. Hier bezogen wir um 6 Uhr Biwak. Tagsüber war es recht heiß gewesen. In einer feindlichen Artilleriestellung fand einer meiner Unteroffiziere einen russischen Revolver, der mit Dum⸗Dum⸗Geschossen ge⸗ laden war. Ich lieferte ihn dem Divisions⸗ 4 kommandeur ab. 3. September 15. Um 9 Uhr Weiter⸗ marsch angetreten. Bald erschien ein feind⸗ licher Flieger, der Bomben auf unsere Marschkolonne abwarf. Ich beschoß und ver⸗ jagte ihn. Wir marschierten über Urupka, Miendzylesie, wo lange gerastet wurde, bis 2 Kilometer westlich Jelenow, das nahe der Isiolda liegt. Nur die 6. Batterie ging etwas weiter vorn in Stellung, während die übrigen Batterien um 6 Uhr in einem Wald Biwak bezogen. Ich ließ ein Abwehrgeschütz außerhalb des Waldes aufstellen. Wir sind 100 Kilometer(Luftlinie nord⸗ östlich Brest⸗Litowsk. Die Russen halten sich jenseits der Jasiolda. Was wird es nun geben? 5. September 15. Gestern regnete es fast den ganzen Tag. Wir spielten in unserem Zelt viel Skat. Unsere Division ist aus der Bugarmee und dem Beskidenkorps ausgeschieden und kommt auf irgendeinen anderen Kriegsschauplatz, wohl nach dem südöstlichen. Die deutschen Truppen, die seither dort waren, hatten es, soviel wir erfuhren, ganz gut. Trostloser wie hier kann die Gegend dort auch nicht sein, und die Choleragefahr wird dieselbe sein. Ich bin mit der Aenderung ganz zu⸗ frieden. Wir haben nun Marsch bis zum 12. September, kommen dann auf die Bahn, und ich glaube, daß wir dann über Warschau fahren verden. Da wäre der Kreis auf der Karte geschlossen. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 20. August, 10. n. Trinitatis. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Matthäusgemeinde: Pfarr⸗ assistent Becker.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Jugendvereinigung der Matthäusgemeinde: Jeden Montag, abends abends 8 Uhr: männliche Abteilung; jeden Dienstag, abends 8 Uhr: weibliche Abtei⸗ lung.— Dienstag, den 22. August, abends 8/ Uhr: Zusammenkunft der Helfer und Helferinnen der Markusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrassistent Müller.— Vormittags 9 Uhr, zugleich Militärgottesdienst: Pfarrer Ausfeld. Evang. Arbeiterverein. Sonntag, den 3. September; Familien⸗ ausflug nach Großen⸗Linden. Mitte Sep⸗ tember ist eine zweitägige Tour nach der Edertalsperre. Näheres bei Herrn K. Weller, Rathaus. 5 Wartburgverein. Sonntag, den 20. August: Der Familien⸗ ausflug wird verlegt. Nachmittags: Wan⸗ derung. Treffpunkt 2 Uhr Lahnbrücke. Führer: W. Richter. Abends 8 Uhr im Heim: Vortrag(Pfarrer Becker). Merantwortlich: Pfarrer Bechlofshesmer Druck und 1 Brühf'schen Unwersstüts⸗Buch⸗ und Stesndruckerel R. Lange, Gießen Fortseung solgt.) — —. 1—— W fffffffpf 0/ ⁵˙ m-...., ⅛t¼᷑ ,,,,