0 0 in 19 h pn ⸗ ar e⸗ 15 ur br 1 u 95 en b el, l * t: t, t: u- + ir⸗ de, m⸗ ide. f. haben, ist das nicht alles eine Gabe von 7 3* 5 4 onntagsgruß emeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 37 Gießen, 23. S. n. Trinitatis, den I9. November 1922 Jahrg. II. vom seligen Heimgang eines Großen. Eph. 2, 8 u. 9. Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das⸗ selbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme. Im Jahre 1759 lag der Komponist Georg Friedrich Händel schwer krank. Als er sein Ende nahen fühlte, ließ er sich von seinem Diener John den 91. Psalm vorlesen. Nach Beendigung der Vorlesung sprach Händel: „Das war schön! O, das ist die Speise, die da sättigt und erquickt! Lies mir noch mehr, lies mir das 15. Kapitel im ersten Brief Pauli an die Korinther!“— John las von neuem. Mehrmals unterbrach ihn der Kranke:„Halt ein, sag das noch einmal!“ Nach einer Weile ließ er sich aus dem Gesangbuch seiner seligen Mutter deren Lieb⸗ lingslied vorlesen: 5 „Ich bin gewiß in meinem Glauben, Der mich in Christum einverleibt, Wer kann mir dieses Kleinod rauben, Das mir sein Blut und Tod verschreibt? Sein teures Wort bekräftigt dies, Drum sagt mein Glaub': Ich bin gewiß!“— Des Kranken Lippen flüsterten während des Vorlesens leise, er sprach die Worte mit, soviel er deren auswendig wußte, dann sagte er:„O, es ist doch eine schöne Sache, wenn jemand seines Glaubens so gewiß sein kann! Wie herrlich ist die evangelische Kirche mit ihrer Predigt von der freien Gnade Gottes in Christo als der Hoffnung des Sünders! Müßten wir uns auf unsere Werke verlassen, du lieber Gott, was sollte aus uns werden! Was wir Gutes an uns Gott? Was man aber geschenkt bekommen hat, darauf kann man doch nicht pochen, als wäre es ein Verdienst. Und haben wir denn alles getan, was wir tun konnten und sollten? Ach, daß Gott erbarm', wie vieles klagt wider uns! Wenn das Wort von der Gnade nichts ist, dann adieu Hoffnung! Als ich noch jung war, da hat man mich in Italien katholisch machen wollen. Herr, mein Gott, ich danke dir, daß du da beigestanden bist, daß ich e das Netz gegangen bin; denn da läge ich jetzt ohne Trost! Wahrlich, Dr. Martin Luther hat das rechte Evan⸗ gelium herausgefunden, daß dem Glauben an Jesum Christum die Seligkeit aus Gna⸗ den geschenkt wird. An diese Gnade hängte ich mich mit beiden Händen. Allein zu dir, Herr Jesu Christ, Mein' Hoffnung steht auf Erden!“ Händels öfters ausgesprochener Wunsch, am Todestage seines Heilands zu sterben, wurde ihm gewährt. Am Karfreitag ent⸗ schlief dieses teure Glied der evangelischen Kirche mit den leise geflüsterten Worten: „Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Ach, laß mich mit dir sterben und auferstehen!“ Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 37. Der Gießener Bub vor ahren. Von Louis Frech. (Fortsetzung.) Basts Bleiche, die einen Umfang von wohl 400 Metern hatte, war unsere Prärie, und wir fühlten uns auf ihr, wie die Rot⸗ häute auf der ihrigen. Wenn die Schule aus war, schickten sich die Bleicherinnen meist an, die trockene Wäsche einzuheimsen, und dann stand uns die große Wiese mit ihrem nur auf dem mitten durchgehenden Pfad abge⸗ tretenen dichten Gras zur unbeschränkten Be⸗ nutzung. Wir spielten Schlag- und Reiter⸗ ball, Barlauf und Bockspringen. Am meisten Vergnügen bereiteten uns aber nach wie vor die Bogen und Pfeile, weil wir es mit ihnen mit der Zeit zu einer erstaunlichen Geschicklichkeit gebracht hatten, darob be— wundert wurden und uns geschmeichelt fühl⸗ ten. Waren wir des Spielens auf der Wiese müde, dann zogen wir über den durch die jetzige Bleichstraße ersetzten Feldweg auf den sich längs derselben, also der Bleiche gegen⸗ überliegenden Zimmerplatz. Auf diesem stan⸗ den eine Anzahl Bäume, an die ringsum für Baumpfähle und dergleichen vorgesehene, noch unbearbeitete Stangen gelehnt waren. Diese machten von weitem den Eindruck von Indionerzelten, und als wir sie möglichst regelmäßig im Kreise geordnet, den Baum in der Mitte als Stützpunkt, zurechtgerückt hatten, verfügten wir über eine Anzahl solcher hölzerner Zelte. Niemand störte uns. Die Stangen standen lange Zeit ohne Ver⸗ wendung da, und so konnten wir treiben, was wir wollten. Es ist selbstverständlich, daß wir Farmer und Indianer spielten und gegenseitige Beschleichungen und Ueberfälle ausführten, bei welchen uns Professor von Schlagintweit zuweilen lächelnd zusah. Wir bauten uns auch ein Blockhäuschen, und es 80 — 186— war uns in demselben äußerst wohl zumute, wenn von außen die Pfeile der Indianer wider die Bretter prässelten. Natürlich holten wir uns diese Pfeile herein und schossen sie durch die Schießscharten wieder zurück. Manchmal wurde auch ein„Jagdzug“ in die Stephansmark unternommen, dessen Ergeb⸗ nis im günstigsten Fall eine vom Pfeil erreichte Maus war, an denen es damals mehr wie genug gab. Manche Tage wurden als Arbeitstage festgesetzt. An diesen fand die Herstellung von Bogen, Pfeilen und Lanzen statt. Die Buben aus der Stadt, welche mit⸗ spielen wollten, wurden auf diese Tage be⸗ stellt und angewiesen, Holzbrettchen zur Her⸗ stellung der Pfeile und Pfriemen aus einer Eisenhandlung für die Spitzen mitzubringen. Dann ging die Schnitzerei los, wobei neue Pläne ausgeheckt wurden. Die Aeste für die Bogen mußten die Erlenbüsche am Klingel⸗ bächelchen stellen; die Lanzen lieferten die Weidenbäume an der Wieseck. Daß bei diesen Liebhabereien die zur damaligen Zeit den. Knaben überreichlich aufgebürdeten Schul⸗ arbeiten nicht in der erforderlichen erschöp⸗ fenden Weise erledigt wurden, liegt auf der Hand, und es mußte daher im Winter vieles nachgeholt werden, was im Sommer ver⸗ säumt worden war. Aber wer will es den Jungen verdenken, daß sie das Tummeln in Gottes freier Natur dem Hocken hinter den Büchern vorzogen! Bei unseren Spielen ist nie etwas Schlimmes passiert, ausgenom⸗ men, daß mein Freund L. U. beim Ueber⸗ klettern eines Haufens Stangen ausglitt und den Arm brach.„Wo ist denn mein Arm!“ rief er, denn er hatte das Gefühl, wie wenn ihm dieser auf einmal fehle. Dann erhielt noch ein Junge, namens Hofmann, einen Lanzenwurf unter die Nase, wobei die Ober⸗ lippe durchbohrt wurde und mächtig an⸗ schwoll. Sein älterer Bruder, ein Tele⸗ graphenbeamter, kam zufällig dazu, wie wir den Getroffenen, welcher wie ein Löwe brüllte, an der Pumpe abwuschen.„Du willst ein Indianer sein,“ sagte Hofmann senior. „Weißt du micht, daß die Indianer die größten Martern erdulden, ohne einen Laut von sich zu geben; und du heulst, wie ein Schloßhund!“ Das leuchtete dem kleinen Kerl ein, und obgleich er sicherlich arge Schmerzen hatte, verbiß er sie mannhaft, ging aber heim, denn trotz der kalten Auf⸗ schläge wurde die Lippe immer dicker. Als er sich nach ein paar Tagen wieder einstellte, war sein Mundwerk in jeder Beziehung wieder in Ordnung. Das waren schöne Zeiten, und die Erinnerung an sie setzt sich aus Licht, Luft und Sonnenstrahlen zu⸗ sammen. Manchmal, wenn ich für meine Eltern in der Stadt, meist bei Buschs etwas zu holen hatte, kam ich mit den„Kreuzern“ zu⸗ sammen, die ich auch täglich in der Schule sah, aber sie dabei nie in ihrer Gesamtheit beieinander hatte. Da wurde dann jedes⸗ mal Bericht erstattet. Wenn ich Zeit hatte, spielte ich auch eine Stunde lang mit ihnen oder absolvierte eine Prügelei mit einem der Schusterjungen Gießens; denn diese lebten mit den Kreuzer Jungen in althergebrachter Fehde. Eines Abends war etwas Besonderes los; denn man veranlaßte mich unter aller⸗ hand Andeutungen, noch etwas zu verweilen. „Es geht vom Dachs Klein aus,“ hieß es. Das genügte, und ich blieb, obgleich ich wußte, daß es zu Hause Schelte absetzen würde. Da kam er denn auch, als es dunkelte. Er gab mir die Hand und freute sich, mich wieder einmal zu sehen.„Schad', daß de weg⸗ gezoge bist,“ sagte er,„hättst inzwische manchen Spaß hier mit erlewe könne!“ Dann fragte er die andern:„Is die Bopp noch nett da?“ Da kam sie schon. Es war eine ausgestopfte Jacke mit wagrechtem Ober⸗ arm und am Ellenbogen nach oben gerich⸗ teten Unterarmen. Aber als Kopf saß ein in ein Tuch eingebundenes rundes Lumpen⸗ bündel mit einer Fastnachtslarve und einem alten Hut darauf. Das ganze Machwerk stak auf einer Stange.„So, nun los!“ kommandierte Dachs. Nun gings im Trab durch die Sonne, die Schäferei über den Neuenweg auf die Neue Anlage. Mittler⸗ weile war es dunkel geworden, und die Gaslaternen flammten, eine nach der andern, auf. Da, wo jetzt das Wetterhäuschen in der Südanlage steht, machten wir Halt. „Ihr bleibt alle hier stehen und du Frech gehst jetzt mit mir enniwer bei die Häuser. Nemm die Bopp!“ sagte Klein. Ich tat, wie geheißen, ließ mir die Puppe geben, und so schoben wir über den Fahrweg nach dem nächsten Haus, in welchem im Parterre zwei Fenster erleuchtet waren,„So, jetzt geb mir emal die Bopp!“ sagte Klein. Damit reichte er mir seinen Stock und forderte mich auf, damit leise an das Fenster zu pochen. Ich tat es, und gleich darauf wurde es geöffnet. Ein Kopf erschien, um nach dem Klopfer zu sehen. Im gleichen Augenblick hielt ihm der dicht an die Wand gedrückte Dachs Klein die Puppe vor das Gesicht. Ein kurzer Schreckenslaut erscholl, dann sauste eine Faust auf den Hut der Puppe, daß es nur so krachte. Das war das Signal für ein unbändiges Gelächter der ganzen Gesell⸗ schaft, welcher der Vorgang nichts Neues war. Selbstverständlich verschwanden wir mit unserer Puppe schleunigst in Junkers Garten, an dessen Einmündung in den Seltersweg ich mich rasch verabschiedete; denn es war nicht ausgeschlossen, daß der Gefoppte nach uns suchte.„Komm bald widder!“ riefen sie mir nach. Zu Hause erzählte ich als Ur⸗ sache meines Ausbleibens den Streich und empfing dabei die Weisung, etwas Derartiges nicht wieder mitzumachen, da infolge des Schreckens beim Vorhalten der Puppe den Betreffenden der Schlag rühren könne. Es leuchtete mir dies ein, und am andern Tage in der Schule teilte ich mein Bedenken den — 187— Teilnehmern von gestern abend mit, mit der Bitte, es dem Dachs zu sagen. Als mir dieser einige Zeit später begegnete und ich auf die Sache zurückkam, sagte er:„Is bereits ge⸗ ännert un ausprowiert. Mer hawwe en Pack Schafswoll auf e Stängelche gebunne un mit Mehl bestreut, un mit diesem Puder⸗ pinsel neulich eme neugierige Fräulein iwwers Gesicht gefahre! Die is vom Schlag nett gerührt worde, awwer geschimpft hat se wie en Rohrspatz! Fräulein, hab ich ihr zugerufe, Sie sin selbst schuld dra', daß wir Sie etwas gepudert hawwe, denn warum hawwe Sie geguckt? Für ke jung Dam schickt sich's nett, das Fenster aufzemache, wenn ihr awends gekloppt wird! Gu' Nacht Fräu⸗ lein! A'genehme Ruh! Ach Frech, was hammer gelacht iwwer das Fräulein mit sei'm weiße Gesicht!“— So erzählte Klein in seiner trockenen Weise und verabschiedete sich mit der Bemerkung:„Jetzt wird e Paus gemacht, der Rummel is in de ganz Stadt rum.“— In der Schule waren wir zu Ostern eine Klasse höher gerückt, in die fünfte, in welcher die in Nr. 31 des Sonntagsgrußes bereits erwähnte Landkarte hing. (Fortsetzung folgt.) Grabinschriften aus alter Zeit. Auf dem Friedhofe des pfälzischen, unweit der Ebernburg gelegenen Dorfes Feil⸗ Bingert findet sich ein Grabstein, dessen In⸗ schrift charakteristisch ist. Man sieht da eine jetzt von dichtem Buschwerk umgebene rote Sandsteinsäule, die, wie das früher dem Ge⸗ schmack der Menschen entsprach, oben ab⸗ gebrochen ist. Auf der Vorderseite ist zu lesen:„Hier ruhet nach nützlichem Tagewerk das Sterbliche von Johann Michael Günther, vormals Bergverwalter und Gutsbesitzer, ge⸗ boren auf der Saline Theodorshalle den 1. e 1757, gestorben in Bingert den 3. September 1826 und mit ihm seine Gattin Katharina geb. Gundrum, geboren in Bacharach den 8. April 1755, gestorben dahier den 4. April 1829.“ Auf der der Friedhofspforte abgewandten Seite steht: „Was ist doch Pracht und Herrlichkeit Und alles Gut am Ende? Nur herrlig in dem Gang der Zeit, Wird alles dann zur Blende. Wie zittert nicht der reiche Mann, Der keines Armen Dank gewann, In Todes-Schacht zu fahren! Glückauf! getrost fahr ich davon, Wo ich dort edler werde. Glückauf, glückauf, wir kennen schon Den Mutterschoß der Erde. Der ist so kühl, der ist so still, Kein Schwadengift und kein Gerüll Kann uns dort weiter schaden.“ Ueber dieser Inschrift sind zwei gekreuzte Bergmannsschlägel angebracht. Seitwärts steht:„Dieses Denkmal errichteten ihre beiden noch hinterlassenen Söhne Theodor und Karl Günther aus kindlicher Liebe und Dankbarkeit zu ihrem Andenken mit man⸗ chem von ihnen unterstützten Nothleidenden. bis zu ihrem letzten Hauche.“ Auch Daten über das Leben dieser beiden Söhne finden sich auf der Säule. Der Grabstein wie seine Inschrift sind recht interessant und eigenartig. In der Inschrift zeigt sich echte Volksppesie. Die orthographische Ungenauigkeiten(„herrlig“, „Gerüll“ statt„Geröll“), die sich darin finden, deuten darauf hin, daß man diesen Vers nicht aus irgendeinem Buche abge⸗ schrieben hat, sondern daß er von einem Manne aus dem Volke herrührt. Wunder⸗ schön ist hier auf das Leben des Bergmanns hingewiesen. Der Vers atmet ganz den Geist der Zeit, in der der Vernunftglaube herrschte. Diesem Vernunftglauben war jedoch tiefes Gefühl beigemischt, er strebte namentlich darnach, Gottes Gebote zu erfüllen. Dazu gehört auch, daß man den Armen beisteht. Der Mann, der unter diesem Grabsteine schläft, und seine Gattin, haben in den schweren Jahren der Not im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts, da arme Leute scharenweise nach den reicheren Gegenden kamen, um Gaben zu heischen, sich der Notleidenden angenommen. Der Sohn und der Enkelsohn des Johann Michael Günther waren Besitzer der Ebern⸗ burg, bis diese vor einigen Jahren an ein Konsortium, dessen Präsident der Kreuz⸗ nacher Landrat von Nasse war, überging. Es bestand nämlich die Gefahr, daß die aus der Geschichte der deutschen Reformation berühmte Burg durch Uebergang in fremde Hände in ein katholisches Krankenhaus um⸗ gewandelt worden wäre. Damit wäre zweifel⸗ los ihr historischer Charakter verwischt worden.— Es gibt auch auf dem alten Gießener Friedhofe Grabinschriften charakteristischer Art. Im Mai 1663 trug sich hier ein Unglücksfall zu. Unser Kirchenbuch gibt dar⸗ über Auskunft, indem es unter dem 8. Mai 1663 folgendes schreibt:„Herr Eberhard Stroh, Fürstlicher Stückkapitän und Zeug⸗ hausverwalter, seines altlers) 54 J. 2 Mon. Herr Erhard Friederich Stroh, der Mathe⸗ matischen Kunst Beflissener und Stückfenrich, seines Altlers) 25 Jahr 4 mon. 12 Tag, Johann Philipp Vetzberger, Bürger, Bender und Feuerwerker seines altlers) 54 Jahr 4 Monat 2 Wochen 2 Tag. Diese drey haben dem Herrn Grafen zu Weilburg auf seine Heimführung ein Feuerwerck gefertiget, wel⸗ ches durch etliche Schläg auf einen Sturm⸗ schuß angangen, wodurch sie jämerlich ver- sengt und erschlagen worden.“ — 188— Dem einen dieser drei Unglücklichen haben seine Angehörigen einen Grabstein errichtet, der sich heute noch an der nach Osten gerichteten Giebelseite der Alten Friedhofs⸗ kapelle befindet. Die Inschrift— ihre Ent⸗ zifferung verdanke ich Herrn Oberkriegs⸗ gerichtsrat Koch— hat folgenden Wortlaut: „Dem Weyland Edel- gros achtbar- und mannfesten Herrn Eberhard Strohen von Giesen bürdig gewesenen Hoch fürst. Hessen⸗Darmst: bestverdienten Zeughaubtmann. Nachdem derselbe am Ften May 1663 bey einem unvermutlichen entzündeten Feuer⸗ werck, welches er bearbeiten halffen, jämmer⸗ lich erschlagen, unzweiffentlich aber seeligst verschieden Wird gegenwärtig Grabstein zu unsterb⸗ lichem Andencken und letzter Ehrenbezeugung auffgerichtet von dessen nachgelassenen höchst⸗ betrübter Wittib, Töchtern im Jahre 1664.“ Man wundert sich, daß hier des mit dem Vater um das Leben gekommenen Sohnes gar nicht gedacht wird, und die Vermutung wird rege, das Stroh zweimal verheiratet war und daß die zweite Frau mit den Kindern aus erster Ehe in keinem guten Verhältnisse stand. Diese Vermutung wird durch einen Eintrag eines alten Kirchen⸗ buches bestätigt. Am 4. September 1649 hatte sich Stroh als Witwer mit Anna Elisabetha Wendelin— es ist nicht aus⸗ geschlossen, daß der Familienname hier fehlt, daß also„Wendelin“ der Vorname des Vaters war— aus Idstein verheiratet. Auf alle Fälle ist die Grabschrift, die ihm die 8 Gattin gewidmet hat, inter⸗ essant. Man vergleiche mit diesen hier mitgeteil⸗ ten Inschriften die Inschriften aus neuerer Zeit. Sie sind alle in der flachsten und unpersönlichsten Weise abgefaßt, geben höch⸗ stens einige Daten an. Damit steht im Zusammenhang der traurige Zerfall der Grabmalkunst, der im 19. Jahrhundert ein⸗ getreten ist und auf den Herr Professor von Grolmann aus Wiesbaden neulich im „Sonntagsgruß“ hingewiesen hat. Es ist völlig berechtigt, heute von einer Granit⸗ industrie zu reden; denn die einst in Deutsch⸗ land so hoch entwickelte Steinmetzkunst ist, was Grabdenkmäler betrifft, jetzt so gut wie zerfallen. Die Grabsteingeschäfte fertigen die Grabsteine, die ihnen in Auftrag gegeben werden, selten selbst an, sondern beziehen diese, wenn sie das ihren Bestellern auch nicht immer sagen, zumeist von großen. Firmen, die nur Dutzendware liefern. Wann wird hier wieder neues Leben erwachen? H. B. Uleine Mitteilungen. Wie die Einträge in den Büchern der Standesämter, so werden jetzt auch die Kirchenbucheinträge in der nüchternsten Form abgefaßt. Früher konnten die Pfarrer das in viel freierer Weise gestalten. Ein Gießener Taufeintrag vom 25. August 1625 hat bei⸗ spielsweise folgenden Wortlaut:„Velten Röder ein soltat, Juliana eheleut eine junge Tochter getauft worden. Compatres(Paten) sein gewessen Hans Herman Renners Tochter Emmel(Emmeline), des dicken schersanten Frau Barbara und Hans Peter Pistor. heist das Kind Barbara Emmel.“ Das Eingeklam⸗ merte steht nicht im Text, sondern wird hier zum besseren Verständnis beigefügt. Ist das nicht eine wundervolle Bezeichnung,„der dicke schersant“. Den Namen des Mannes hat der Pfarrer, der den Taufeintrag machte, nicht gewußt, aber er kannte ihn unter dem Namen„der dicke Sergeant“, und so schrieb er in das Kirchenbuch ein. Uirchliche Anzeigen. Sonntag, den 19. Novbr., 23. n. Trinitatis. Kollekte für die Frauenvereine. Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Mahr.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. — Abends 5 Uhr: Pfarrer Becker.— Jugendvereinigung der Matthäusgemeinde: Diese Woche: Dienstag, den 21. November, abends 8 Uhr: männliche Abteilung; Mitt⸗ woch, den 22. November, abends 8 Uhr: weibliche Abteilung.— Donnerstag, den 23. November, abends 8 Uhr: Bibelstunde für die Markusgemeinde im Markussaal. * Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 5 Uhr: Pfarr⸗ assistent Delp.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal: Pfarrer Mahr.— Montag, den 20. November, abends ½8 Uhr: Konfirmandenvereinigung der Lukasgemeinde, männliche Abteilung.— Freitag, den 24. November, abends /6 Uhr: Konfirmandenvereinigung für Mädchen au der Johannesgemeinde. 5 N Wartburg verein. Samstag, den 18. und Sonntag, den 19. November, abends 8 Uhr: Lichtbilder⸗ vortrag von Univ.⸗Garteninspektor Rehnelt über„Ceylon“. Der Ertrag ist für die Kleinkinderschule bestimmt. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Untwersttäts⸗Buch⸗ und Steindruckerel R. Lange, Gießen.