1 onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Pr. 8 Gießen, Sexagesimae, den 19. Februar 1922 II. Jahrg. Das Heimatland der Frommen. Weisheit Sal. 4, 14. Des Gerechten Seele gefällt Gott, darumb eilet er mit ihm auß dem bösen Leben. Ein Vatter eilet mit seinen Kindern, als dem allerbesten und köstlichsten Schatz, wann er siehet, daß plötzlich ein Fewers⸗Brunst entstehet, damit er sie verwahren möge. Ein Ackermann eilet mit seinen Garben und führet dieselben ein, wann er siehet, daß Regenwetter einfället. Ein Gärtner eilet mit seinen zarten Gewächsen und hebet sie auß, wann er mercket, daß ein harter Frost vor⸗ handen. Also eilet Gott mit seinen Ge⸗ rechten auß diesem bösen Leben, damit sie das Unglück nicht berühren möge. Wohin aber? Nicht in ein irdisch Hauß, nicht in ein ewig Gefängnüß, sondern in die beständige Himmels⸗Wohnung, in die Statt des lebendigen Gottes, in das himmlische Jerusalem, in die heilige Statt, in das newe Jerusalem, in ein Hauß, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel, in das himmlische Paradies, in das Land der Lebendigen, da man singet in den Hütten der Gerechten: Todt, wo ist dein Stachel? Hell, wo ist dein Sieg? Gott aber sey Danck, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum, an den Orth, da ist Frewde die Fülle und lieblich Wesen zu Gottes Rechten ewiglich, Da die Engel singen nova canticab), Und die Schellen klingen in Regis curiaꝰ), Eya, weren wir da! Eya, weren wir da! Dahin wolle uns allen in Gnaden ver⸗ helffen Gott Vatter, Sohn und heiliger Geist, die heilige und hochgelobte Drey⸗ faltigkeit, welcher sey Lob, Ehr und Preiß in alle Ewigkeit. Konrad Misler, Pfarrer zu Gießen, gest. 1689. 1) neue Lieder. 2) im Palaste des Königs. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 35. Der Bote ausdem Hinterland. In den Tagen, da der Eisenbahnverkehr stockte und die Post keine Pakete annahm, erwachte in mir die Erinnerung an das, was meine Mutter mir oft von einem alten Boten aus dem Hinterlande erzählt hatte. Es war der alte Evelbauer aus Erd⸗ hausen bei Gladenbach, der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, als meine Mut⸗ ter ein Kind war, Botengänge zwischen Gießen und dem damals hessischen Kreise Biedenkopf, dem sogenannten Hinterlande, bis hin nach Gladenbach besorgte. Seine Beförderungsmittel waren Schiebkarren und Zwerchsack, in denen er durch geschickte Ver⸗ packung so viel unterbrachte, als man sonst auf einen Wagen lud. Zweimal kam er wöchentlich zu jeder Jahreszeit in Wind und Wetter durch die Dörfer und Wälder am Dünsberg hergewandert, vor sich den Karren herschiebend, den Sack über der Schulter tragend. Im großelterlichen Hause, dem alten Pistorschen Geschäfte, das damals eine gemischte Warenhandlung war, sprach er zu⸗ nächst vor und gab seinen Bestellzettel im Laden ab. Dann wanderte er weiter, tauschte Bücher in der Leihbibliothek um, kaufte bunte Wolle und Noten ein, kurzum er er⸗ ledigte alles, was man ihm in den hinter⸗ ländischen Dörfern und Landstädtchen zur Besorgung aufgetragen hatte. Der stattliche Alte war sehr freundlich und kinderlieb. Im Frühling brachte er nach Gießen den ersten Gruß aus dem maigrünen Wald, im Som⸗ mer das erste Erdbeersträußchen. Einmal brachte er sogar zu aller Entzücken ein lebendes Eichhörnchen mit. Bei den Gladen⸗ bacher Kindern umgab ihn der Nimbus des Weihnachtsmannes, der die Wunschzettel mit nach Gießen nahm und mit klopfenden Herzen begrüßt wurde, wenn er die geheim⸗ nisvollen Päckchen und Schachteln ablieferte. Wie vertraut war dem Alten jeder Baum und alles, was an seinem Wege lag, durch die jahrelang fortgesetzten Botengänge ge⸗ worden. Seine Besorgungen führte er stets zur Zufriedenheit seiner großen Kundschaft aus; denn auf den Evelbauer war Verlaß. Paula Georgi. Beim deutschen Beskidenkorps. Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns der Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. 3. Die Kämpfe bei Lemberg. (Schluß.) Ich wollte die Nacht im Zelt schlafen, aber meine Leutnants sind immer mehr für ein Haus, und ich gab nach. Aber schon * ö 1 0 vor drei Uhr wurde ich durch die unver⸗ schämten Fliegen geweckt und konnte nicht mehr einschlafen; dabei hätte ich doch Zeit gehabt, so lange zu schlafen, wie ich nur wollte. Um 5 Uhr stand ich auf. Bald darauf kam ein feindlicher Flieger, den ich mit meinem auf dem großen Platz aufgestellten Abwehrgeschütz vertrieb. Ich möchte doch einmal einen herunterholen. Aber bei dem Schießen mit den gewöhnlichen Feldgeschützen ist das der reine Zufall. Hiermit kann man mur erreichen, daß man die Flieger in der Beobachtung stört und sie verscheucht. Abends. Aus der Zeitung ersah ich, daß Professor Biermann(früher in Gießen, zu⸗ letzt in Halle, bedeutend auf dem Gebiete des bürgerlichen Rechts) als Bataillons⸗ führer in Galizien gefallen ist. Wieviel Werte vernichtet dieser Krieg!! Und an Männern, die als Gelehrte oder Künstler Hervorragendes leisten, verliert Deutschland sicher am meisten, weil in keinem Lande so viele Männer der Kunst und Wissenschaft freiwillig in vorderster Linie kämpfen. Solche Männer sollte man auch bei der Verwaltung der besetzten Gebiete u. dergl. verwenden; für den Schützengraben sind sie zu gut. Dabei sitzen bei diesen Ver⸗ waltungen gar manche, die vorne hingehör⸗ ten und nur durch gute Beziehungen an⸗ genehme Posten erhalten haben. 9. Juli 15. Nun sind wir einmal 14. Tage ohne Gefecht gewesen, die letzte Zeit sogar ganz in Ruhe, was, zumal bei der großen Hitze, sehr wohltuend war. Wir werden aber wohl bald wieder in Marsch gesetzt werden, und zwar wohl nach Ruß⸗ land, dessen Grenze wir ja schon ganz nahe sind, kommen. Wir vermuten, daß es sich darum handeln wird, Warschau zu nehmen. Hoffentlich gelingt es, und zwar sehr bald. Heute hatte die ganze Abteilung auf meine Anregung hin Feldgottesdienst. Divisions⸗ pfarrer Hoffmann, der über zwei Stunden bis hierher zu reiten hatte, ist bei uns, wo er frühstückte und auch zum Essen blieb. Er ist sehr unterhaltend. Hier kommen wir viel mit den Offizieren der anderen Batterien und der Kolonnen zusammen. Anfangs war ich furchtbar ab⸗ gespannt, aber jetzt verspüre ich die gute Wirkung der Ruhe. Nur die Fliegenplage ist sehr unangenehm; wir schlafen deshalb jetzt im Zelt. Es ist sehr heiß,— Regen wäre er⸗ wünscht; er wird aber vielleicht gerade zum Marsch kommen, wo er weniger angenehm ist. Da öfter feindliche Flieger erscheinen, habe ich jetzt noch ein zweites Flugzeug⸗ abwehrgeschütz aufbauen lassen. Mit beiden beschoß ich einen Flieger längere Zeit, und glaube auch, daß seine Maschine getroffen wurde, denn sie wankte einmal sehr be⸗ denklich. Abends. Als wir heute gerade unser Mit⸗ tagessen unter der blühenden Linde ein⸗ genommen hatten, brach ein schweres Ge⸗ witter los, und wir waren froh, daß wir in das Schulzimmer flüchten konnten und nicht auf dem Marsch oder in Feuerstellung waren. Eine halbe Stunde lang ging ein wolkenbruchartiger Regen nieder und da⸗ zwischen Hagel mit Körnern dicker wie Schrapnellkugeln. Leider brachte das Wetter nicht die erhoffte Abkühlung. Ich ritt gegen Abend mit Leutnant Obenauer nach dem 31 Stunden entfernten Städtchen Belz, um Salatöl zu kaufen. Die Wege waren nach dem Regen so glitschig, daß es schlecht zu reiten war. Belz war ein Ort mit ganz städtischem Aussehen. Wie überall in Ga⸗ lizien, bewohnten die Juden in großen Steinhäusern die Mitte der Stadt; außen herum liegen die Holzhäuser der Landleute. Die ganze innere Stadt ist von den Russen niedergebrannt worden, und zwar schon im vorigen Herbst. Aber jetzt noch hausen die kinderreichen Familien in den Kellern oder kleinen Holzbaracken, die auf den and⸗ stätten errichtet sind. Die Juden haben aller⸗ hand zu verkaufen, aber jetzt ist das Ver⸗ kaufen verboten, da in Belz die Cholera. herrscht und täglich 10 bis 15 Opfer fordert. Wie ein schwerer Druck lastet dieses Ge⸗ spenst auf den sonst so lebhaften Juden. Die äußere Erscheinung der Männer ist höchst unangenehm. Das Haar tragen sie meist kurz geschoren, nur über den Ohren darf es nicht geschnitten werden, und so haben schon die kleinen Jungen die Locke über dem Ohr. Allerdings lockt sich nicht jedes Haar, dann hängt eine lange Strähne über das Ohr herunter. Der Kopf ist, auch bei den Jungen, mit einem kleinen runden Sammet⸗ käppchen bedeckt, das die Männer auch unter dem Hut tragen. Dazu kommen der lange, meist recht schmierige schwarze Kaftan und hohe Stiefel. Die meisten Männer haben Vollbärte. Die Juden machen es hier wie bei uns. Auf dem Lande fangen sie an; sind sie wohlhabend geworden, dann ziehen sie in die Landstädtchen und später in die großen Städte. Ueberall geben sie dann diesen Orten das Gepräge. Die Juden hier rufen dem Hosianna zu, von dem sie Vorteil zu er⸗ langen hoffen, denken dabei aber nur an das Geschäft. So rufen sie jetzt:„Hoch die Deitschen, nieder mit die Russen!“, dabei haben vorher viele von ihnen den Russen Spionendienste geleistet. Zum hundertsten Geburtstage Viktor habichts. Von Dr. jur. et phil. Karl Esselborn. (Fortsetzung.) Durch„seine Stellung als provisorisches Mitglied der Kreisschulkommission für den Kreis Grünberg und dadurch, daß er, ob⸗ wohl nicht in diesen Kreis gehörig, bereit⸗ willig hier und da geistliche Funktionen ausgeübt, wo andere es versäumten, war er in Grünberg von der vorteilhaftesten Seite bekannt und galt allgemein für den Geistlichen, der die Grünberger in Bezug auf Akustik sehr schlecht gebaute Kirche am besten ausfüllte“. Daher wünschte man ihn, als am 26. Dezember 1857 durch den Tod des dortigen ersten Pfarrers, Kirchenrats Friedrich Wilhelm Ebel, der„län⸗ gere Jahre nicht mehr geistig kräftig genug war, um sein Amt selbst zu verwalten und einen Vikar haben mußte“, dessen Stelle frei wurde, allgemein zu seinem Nachfolger. In Grünberg lagen die kirchlichen Verhält⸗ nisse„schon viele Jahre im Argen“. Ein erheblicher Fortschritt war schon eingetreten, seit am 24. November 1857 Dr. Emil Steinmetz(geb. 1826, gest. in Mainz 1905) zum zweiten Pfarrer ernannt worden war; denn dieser hatte es verstanden, den Kirchenbesuch bedeutend zu heben und das „freundliche Entgegenkommen“ und die Zu⸗ friedenheit der Gemeinde zu gewinnen.„Ge⸗ rade das hatte aber auch den kirchlichen Sinn noch mehr geweckt und den Wunsch rege gemacht, daß auch die erste Pfarrstelle mit einem Geistlichen besetzt werde, der in glei⸗ cher Weise eine tüchtige Wirksamkeit ent⸗ falte.“ Einen solchen erblickte man in Ha⸗ bicht.„Es war wirklich überraschend, wie in dieser Beziehung eine vollständige Ueber⸗ einstimmung der Beamten, Bürger usw. herrschte.“ Förmlich Beauftragte erschienen bei dem Kreisrat Gustav von Zangen, um ihn aufzufordern, alles aufzubieten, um die Ernennung Habichts zu erreichen(Brief Zangens an den Prälaten Dr. Karl Zim⸗ mermann vom 16. Februar 1858). Die erste Grünberger Pfarrstelle erforderte, darüber war man sich im Oberkonsistorium voll⸗ kommen klar,„einen Geistlichen, der der Aufgabe, welche er lösen sollte, vollständig gewachsen war.., der Predigergabe ge⸗ ug besaß, um sein Publikum zu fesseln, der aber zugleich Weltklugheit genug hatte, um sich in den Grünberger schwierigen Ver⸗ hältnissen— da sich dort auch das politisch⸗ demokratische Element in störender Weise auch auf kirchlichem Boden geltend gemacht hatte— mit sicherem Blick den richtigen Weg und das richtige Maß zu finden, und Energie genug, um, was er als recht und zweckmäßig erkannt hatte, auch mit Nach⸗ druck durchzuführen“. Alle diese Eigenschaf⸗ ten besaß Habicht: er war ein eifriger Seel⸗ sorger, der„großes Vertrauen, Anhänglich⸗ keit und Liebe“ in seiner Gemeinde besaß, „auf positivem Boden stand, aber fern von jedem Extrem“ wax und sich auszeichnete durch„seine große Tätigkeit, seinen klaren, sicheren Blick, sein ruhiges, maßvolles Be⸗ nehmen, seine politische Zuverlässigkeit, seine Ergebenheit gegen seine Vorgesetzten“, seine Energie in der Durchführung des für gut und zweckmäßig Erkannten, alles Eigen- 3 5 schaften, die„dafür bürgten, daß er dem⸗ nächst ein sehr tüchtiger Dekan werden könnte“. Auch der Superintendent Simon sprach sich für Habicht aus. So wurde ihm am 21. Januar 1859 die erste Grünberger Pfarrstelle übertragen; seine Predigergaben und seine vorzügliche Eignung zum Dekan waren hierbei in letzter Linie ausschlag⸗ gebend. Am 20. Februar trät er, nachdem er durch den Dekan seiner neuen Gemeinde vorgestellt worden war, seinen Dienst da⸗ selbst an. Auch hier war seine Tätigkeit segensreich. Wenn die Visitationen in den Jahren 1860, 1864 und 1869 die günstigsten Ergebnisse hatten, so teilte er sich in dieses Verdienst mit dem zweiten Pfarrer Steinmetz(bis 1865) und dem Mitprediger Georg Pull⸗ mann(seit 1865 zweiter Pfarrer und später Habichts Nachfolger), die„alle zu den besseren Predigern gehörten und in der Treue und Sorge für das Amt, jeder in seiner Weise und an seiner Stelle lobens⸗ werten Wetteifer an den Tag legten“. Ha⸗ bichts Verdienste wurden auch bald durch seine Ernennung zum Dekan des Dekanates Grünberg anerkannt. Einen Höhepunkt in Habichts Predigertätigkeit bildet seine von edler vaterländischer Begeisterung durch- glühte„Predigt bei dem Festgottesdienste zur Feier des 18. Oktobers 1863 in der Stadtkirche zu Grünberg“, die im Druck erschien und zum besten des Fonds für Her⸗ stellung des alten Wartturms verkauft wurde. Elf Jahre währte seine Wirksamkeit in Grünberg, die später durch die Erteilung des Ehrenbürgerrechts dieser Gemeinde an⸗ erkannt wurde, dann wurde er zu einem andern Wirkungskreis berufen, nach Rüssels⸗ heim. Dort waren die kirchlichen Verhält⸗ nisse trostlos: die Kirchlichkeit war„er⸗ schreckend im Abnehmen, eine wahrhafte Kirchenscheu war eingerissen und Luxus, Vergnügungssucht, Sonntagsentheiligung, Materialismus, Indifferentismus herrschten fast allgemein“. Diese Zustände waren zum Teil dadurch verursacht, daß die beiden letz⸗ ten Geistlichen, Johann Adam Kolb (18371853), Habichts ehemaliger Lehrer, und Ludwig Albrecht Braun(1854 bis 1869), erst in vorgerücktem Alter auf die Stelle kamen und bald zur Annahme von Vikaren genötigt waren. So waren in den letzten zwölf Jahren nicht weniger als sechs Vikare daselbst. Da„die Vikare nur kurze Zeit in Rüsselsheim blieben, so bildete sich zwischen ihnen und den Gemeinden kein Verhältnis, von Seelsorge war kaum die Rede, es herrschte infolgedessen in der Ge⸗ meinde wenig religiöser und kirchlicher Sinn, und die Kirche war spärlich besucht“. Der Gemeinderat sah deshalb„mit umso größerer Besorgnis in die Zukunft, als dort viele Fabrikarbeiter wohnten, die vor⸗ zugsweise geneigt waren, nach den ma⸗ 3 teriellen Genüssen des Lebens zu streben“. Daher wünschte der Gemeinderat„einen besonders tüchtigen, noch in voller Kraft stehenden Mann“ an diese Stelle. (Schluß folgt.) Uleine Mitteilungen. Der„Sonntagsgruß“ hat eine Reihe von Mitarbeitern gewonnen, von denen er sich beson ere Förderung verspricht. Zwar konn⸗ ten diese Mitarbeiter nicht ausdrücklich ihre Bereitwilligkeit, der Gemeinde zu dienen, kundgeben; denn sie sind schon vor mehr als 200 Jahren in die Ruhe des Volkes Gottes eingegangen, es handelt sich nämlich um Gießener Pfarrer aus dem 17. Jahr⸗ hundert. Predigten, die sie gehalten haben, sind noch vielfach im. Druck erhalten, sie zeichnen sich aus durch den unverfälschten Glauben, der in ihnen zum Ausdruck kommt, und durch eine poetische, bilderreiche und sehr anschauliche Sprache, sie sind ohne Zweifel weit hervorragender als so viele Predigten, die man 100 und 200 Jahre später den evangelischen Gemeinden dar⸗ geboten hat. Aus diesen Predigten sollen in Zukunft hin und wieder kurze Ausschnitte wiedergegeben werden. Wir zweifeln nicht, daß diese Väter unserer Gemeinde, die längst schon auf dem Alten Friedhofe schlafen, zu ihren Lebzeiten herzlich gern sich bereit erklärt hätten, 250 Jahre später zu den Nachlebenden zu reden, darum glauben wir, mit unserem Nachdruck kein Unrecht zu be⸗ gehen. Heute beginnen wir mit dem Abdruck einer Stelle aus einer Predigt, die der Pfarrer Konrad Misler im Jahre 1658 gehalten hat. Er war 1617 zu Münzenberg geboren, wirkte in Gießen als Lehrer an der Stadtschule von 1638 bis 1650, als Lehrer am Pädagogium von 1650 bis 1653, als Pfarrer bis zu seinem am 20. November 1689 erfolgten Tode. In unserem Sterbe⸗ register steht, daß am 26. November 1689 bestattet wurde„der wollverdiente, fromme und friedliebende Herr M.(Magister) Conrad Misler, Stadtprediger und Archidiakonus alhier“. Selbstverständlich haben wir die alte Schreibweise beibehalten. * Unsere beiden Kleinkinderschulen leiden unter der Ungunst der Zeit, besonders unter der Geldentwertung, deshalb hat sich der Wartburgverein entschlossen, zur Unter⸗ stützung dieser beiden Anstalten am 23. und 24. Februar, abends 8 Uhr, im Johannes⸗ saal Konzerte zu veranstalten. Zu den Aus⸗ führenden gehören u. a. die Mitglieder des hiesigen Mandolinen- und Guitarrenver⸗ eins, ferner Herr Harfenist Wigger als Solist und Frau Mendelssohn⸗Bartholdy als Rezitatorin. Für jeden der beiden Abende wird ein besonderes Programm auf⸗ gestellt werden. Karten zu 4 Mark können bei Herrn Challier sowie bei Gemeinde⸗ helfer Engels in Empfang genommen wer⸗ den, auch ist Pfarrer Bechtolsheimer, der Vorsitzende der Vorstände der beiden Klein⸗ kinderschulen, bereit, den Verkauf von Ein⸗ trittskarten zu vermitteln. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 19. Februar. Sexpagesimae. In der Stadtkirche. Vormittags 91/ Uhr: Pfarrer Mahr.— Vorm. 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.— Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Becker.— Montag, den 20. Februar, abends 5½½ ꝓTUhr: Zusammenkunft des Frauenver⸗ eins der Matthäusgemeinde.— Montag, den 20. Februar, abends 8 Uhr: Vereini⸗ gung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde.— Montag, den 20. Februar, abends 8 Uhr: Gemeinde⸗ abend mit Bibelbesprechung, zugleich Helfer⸗ versammlung der Markusgemeinde.— Don⸗ nerstag, den 23. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde.— Don⸗ nerstag, den 23. Februar, abends 8 Uhr: Zusammenkunft des Frauenvereins der Markusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr: farrer Bechtolsheimer.— Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 6 Uhr: Pfarr⸗ assistent Müller.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ esprechung im Johannessaal: Pfarrer Aus⸗ feld.— Montag, den 20. Februar abends 7½ Uhr: Jugendvereinigung der Lukas⸗ gemeinde(männliche Abteilung). Am Sonntag, den 26. Februar, findet in beiden Kirchen im Abendgottesdienst 1 8 und Feier des heiligen Abendmahls att. * Evang. Arbeiterverein. Samstag, den 18. Febr., abends 8¼ Uhr: Hauptversammlung im Vereinslokal.— Sonntag, den 26. Febr., abends 7½ Uhr: Kammermusikabend im Johannessaal. Ein⸗ trittskarten zu 1 Mk. für Mitglieder bei Bingel, für Nichtmitglieder zu 2 Mk. bei Challier und in der e Buchhand⸗ lung, an der Kasse 1 Mk. Aufschlag. Wartburg verein. Sonntag, den 19. Februar, nachm. 2 Uhr: Wanderung beider Jugendabteilungen. Treffpunkt: Heim.— Abends 8½ Uhr: Vortrag von Pfarrer Bechtolsheimer: Bilder aus dem Tierleben; daselbst Ausgabe der Karten für die am 23. und 24. Februar stattfindenden Konzerte(Leitung Herr Hans Sonntag⸗Gießen).— Die Bibelstunde(Pfr. Becker) wird für diese Woche auf Dienstag, den 21. Februar, verlegt.— Sonntag, den 26. Februar, abends 8 Uhr: Familienabend (musikalischer und deklamatorischer Wett⸗ streit) im Markussaal. 5 Berantworflich: Pfarrer Bechtols heimer, Druck und Perlag der Brühl'schen Untversttäts⸗Buch⸗ und Steindruckere R. Lange, Gießen