1 onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Mr. 25 Gießen, I. S. n. Trinitatis, den 18. Juni 1922 II. Jahrg. Herrnhut. Pfsalm 1, 3. Der ist wie ein Baum, ge⸗ pflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. In diesen Tagen feiert die Herrnhuter Brüdergemeinde ihr zweihundertjähriges Be⸗ stehen. Es war im Juni 1722, als die ersten vertriebenen mährischen Brüder nach der Oberlausitz kamen und dort von dem Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf angesiedelt wurden. Zinzendorf ist, solange er lebte, der Mittelpunkt dieses Kreises frommer Menschen gewesen und hat ihn nachhaltig beeinflußt. Er war ein hoch⸗ begabter, genialer Mann, dabei ein Mann von tiefer Frömmigkeit, dem die evan⸗ gelische Kirche viel Segen verdankt. Das ver⸗ steht man schon, wenn man seine Lieder liest oder singt. Lieder wie„Jesu, geh voran auf der Lebensbahn“ und„Herz und Herz vereint zusammen“ werden stets zu dem herrlichsten Besitze unserer Kirche ge⸗ rechnet werden. Viele seiner Lieder sind nicht gerade leicht zu lesen, sie gehen in absonder⸗ lichem Gewande einher, geben aber Ausdruck von einem unverfälschten Christenglauben. Dem Grafen war der Glaube Herzenssache, mit Jesus stand er in lebendiger Beziehung. Sein Biograph August Gottlieb Spangen⸗ berg sagt, daß das Herz des Mannes in den Versen zum Ausdruck komme: Herr Jesus, mach mich fertig, Gehorsam und gewärtig, Und fähig, deinen Willen Mit Freuden zu erfüllen. Daß ich dich bei mir finde Und alles überwinde, Daß mich kein Fall noch Glücke Aus deiner Ordnung rücke. Daß ich dich fröhlich liebe, Ob's hell ist oder trübe, Und du mein bleiben müssest, Du schlägest oder küssest. Daß Zinzendorf in einer Zeit, in der das Missionswerk stillstand, sich der Heiden⸗ bekehrung gewidmet hat, wird allezeit ge⸗ würdigt werden. Von Fehlern und Irrtümern ist der seltene Mann nicht frei geblieben. Seine Lehrart hat sich nicht immer an die Be⸗ kenntnisschriften der evangelischen Kirche an⸗ geschlossen, das ist der Fall, wenn er Jesus als seinen Schöpfer bezeichnet. Mitunter erreicht er, wenn er von Jesu Wunden spricht, den Gipfel der Geschmacklosigkeit. Es gibt eine Aeußerung von ihm über die heilige Dreieinigkeit, die zum Mindesten sehr eigenartig ist. Auch das, was in Herrn⸗ hut geschah, ist nicht immer vorbildlich gewesen, und die Brüdergemeinde ist der Gefahr der Sektenbildung nicht entgangen. Darum hat es dem Grafen an Widersachern nicht gefehlt, er hat sie innerhalb der luthe⸗ rischen Kirche, aber auch in pietistischen Kreisen, deren Eigenart er doch teilte, ge⸗ funden. Zu allen Zeiten hat es lebendige Frömmigkeit gegeben, die außerhalb der Kirche entstanden ist und sich zeitweise nur sehr lose an die Kirche angelehnt hat Wenn diese Frömmigkeit sich jedoch gegen die Kirche gekehrt oder sich ihr kühl und gleichgültig gegenübergestellt hat, so ist sie Irrwege gegangen und hat keine Segens⸗ früchte hervorgebracht. Frommes Leben kann auch die theologische Wissenschaft nicht ent⸗ behren; denn die lenkt den brausenden Strom in das rechte Bett. Die Brüdergemeinde hat im Laufe der Zeit ein herzliches Verhältnis zur Landeskirche gefunden, sie hat auch die Wissenschaft nie verachtet, sondern sie in den Dienst des frommen Lebens gestellt. Auf alle Fälle ist der sächsische Graf im Reiche Gottes ein Großer gewesen, und das Psalm⸗ wort, das der Kirchenhistoriker Harnack auf Augustin anwendet, können wir auch auf ihn beziehen: er war wie ein Baum, ge⸗ pflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. H. B. Die Einnahme von Brest⸗Litowsk. Aus dem Kriegstagebuch des Majors d. Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. (Fortsetzung.) 30. Juli 15. Heute fühle ich mich wieder ganz wohl und kräftig, und das ist gut, denn es geht heute noch weiter. Die Russen sind abgezogen; weit hinten brennen die Ortschaften. Wir beschossen einen feind⸗ lichen Flieger und um 4 Uhr die Russen im Wald. Nachher spielten wir Skat. Um 7 Uhr ging ich zu den Protzen zurück, die einen Kilometer weit rückwärts in schönem Buchenwald stehen. Der Weg strengte mich noch recht an. Ich besuchte dort auch Haupt⸗ mann Plesser, der auch krank war. Ueber⸗ haupt geht es die Reihe um, aber es scheint e ö ö 1. . 1 — 98 doch nichts Ernstes zu sein; denn alle sind nach drei bis vier Tagen wieder gesund. Die Kämpfe hier im Osten von der Ostsee bis nach Bessarabien gehen— den Eindruck haben wir— nach einem einheitlichen, großzügigen Plan vor sich. Aber niemand wartet auf die Entscheidung, damit bringt man nur die Nerven herunter. Seit sechs bis acht Monaten steht bei jeder großen Unternehmung in den Zeitungen, jetzt falle im Osten die Entscheidung, die für den ganzen Weltkrieg von ausschlaggebender Be- deutung sein werde. Ich habe mir längst abgewöhnt, daran zu glauben. Wir wissen micht, wie es bei den Russen in Wirklich- keit aussieht, wieviel Menschenmaterial sie noch zur Verfügung haben, wie es mit ihren Finanzen steht und wie vor allem mit der Stimmung im Volk. Von dem allen hängt es ab, ob der Krieg mit ihnen dem Ende nahe ist oder ob uns ein neuev Winterfeldzug bevorsteht, der natürlich keine Entscheidung bringen könnte, sondern zum wenigsten noch einen Frühjahrsfeldzug im Gefolge haben würde. Doch ist es nicht so, als ob wir keinen. Stellungskampf mehr wollten. Der Be⸗ wegungskrieg ist derart anstrengend für Roß und Mann, daß er auch nicht ad infinitum weitergeführt werden kann; vielmehr ist dar⸗ nach ein Stellungskampf, wenn er nicht allzu lange dauert, recht erwünscht. Könn⸗ ten wir einen zweiten Winterfeldzug unter den gleichen äußeren Umständen verbringen wie der erste an der Bzura, ich würde, glaube ich, ganz zufrieden dabei sein. Im, letzten Winter waren meine Nerven infolge der Verwundung noch zu sehr herunter, als ich wieder ins Feld kam. Jetzt sind sie viel besser. Und nach der Unruhe des Bewegungs- krieges wirkt die relative Ruhe des Stel- lungskampfes wohl ganz angenehm. 31. Juli 15. Gestern früh wurde fest⸗ gestellt, daß die Russen abgezogen waren, aber wegen des hügeligen Waldgeländes mit viel Unterholz konnte unsere Infanterie nur langsam und mit größter Vorsicht folgen. So kam es, daß wir erst gegen 3 Uhr nachmittags unsere Stellungen verließen. Auf einer breiten Straße, die bei Regen⸗ wetter völlig grundlos sein muß, rückten wir vor und rasteten dann lange vor dem Ende des Waldes, an dessen Anfang viele tote Russen gelegen hatten. Inzwischen war erkundet worden, daß die Russen sich in einer starken Stellung nördlich Sielec(8 Km. südlich Cholm) hielten, vielleicht ja nur mit schwachen Kräften. 5 Um 6 Uhr ritt Hauptmann Hirschberg mit den Batterieführern durch einen zweiten Wald vor und suchte Stellungen aus. Die vierte und sechste Batterie erhielten solche nördlich Kumow angewiesen. Da man bei dem Heraustreten aus dem Wald von den feindlichen Höhen aus gesehen wurde— wir erhielten beim Erkunden der Stellung auch Artilleriefeuer—, so ging unsere In⸗ fanterie erst nach Einbruch der Dunkelheit aus dem Wald hervor, und die beiden Batterien folgten unmittelbar. Da die Lage sehr ungeklärt war, ließen wir die Protzen für die Nacht nur 100 bis 200 Meter hinter den Geschützen angespannt stehen und schlugen auch dort unser Zelt auf, Erst um halb 12 Uhr kamen wir zum Schlafen. Auf 3 Uhr hatte ich Wecken bestellt, um mir eine Beobachtungsstelle auszusuchen und die Geschütze sich weiter eingraben zu lassen. Um 2 Uhr wurde ich durch die Meldung geweckt, die Russen griffen an, unsere In⸗ fanterie, die etwa 600 Meter vor uns lag, verlasse ihre Stellungen und gehe in den weit hinter uns gelegenen Wald zurück. Mein bei der Infanterie befindlicher Beob⸗ achter hatte daraufhin auch gleich mit dem Abbau der Telephonleitung begonnen, und ich war ohne jede Verbindung mit der vor⸗ dersten Linie sowie nach rückwärts, da die Verbindung dahin über die Infanterie ging. Ich schickte meinen Telephonisten sofort wieder nach vorn, hielt eine bereits zurück⸗ marschierende Kompagnie an, erreichte auch, daß die Infanterie vorne zunächst blieb— es kamen gar keine Russen, höchstens waren es einzelne Patrouillen gewesen— und telephonierte dann eifrig mit dem Ba⸗ taillonsführer und Regimentsführer der vor mir befindlichen Infanterie, mit meinem Regiment und der Artilleriebrigade. Nach langem Hin und Her erreichte ich, daß die Infanterie den Befehl erhielt, vorne zu bleiben. Mit Schlafen war es nichts mehr. Um 4 Uhr ging ich nach vorn und ließ mir kurz hinter der Infanterielinie eine Beob⸗ achtungsstelle einrichten, in der ich nun sitze. Die Lage ist ganz ungeklärt, vor den russischen Gräben sind ganz mächtige Draht⸗ verhaue, man sieht auch einzelne Leute darin, feindliche Artillerie feuert noch. Gestern abend und heute früh haben die Russen mehrere Dörfer hinter ihren Stel⸗ lungen angezündet. Vom Waldrand aus sah ich gestern abend die mächtigen Kuppeln der Kirche von Cholm. Es scheint heute nichts besonderes unter⸗ nommen zu werden, und ich werde wohl wieder gar lange hier an der Beobachtungs⸗ stelle sitzen können. (Fortsetzung folgt.) Ernst Moch. Von Dr. jur. et phil. Karl Esselborn. (Fortsetzung.) Um diese Zeit hatte er Henriette von Bosse, die damals in Kassel bei einer Tante zu Besuch weilende Tochter eines braunschweigischen Oberstleutnants, kennen gelernt und sich mit ihr verlobt. Die Eltern der Braut legten nach Henriettens Abreise von Kassel den Liebenden eine einjährige e Deere eee S S SS o S 2022 8 — 99 Prüfungszeit auf, während deren sie sich nicht sehen sollten und sich nur schreiben durften. Koch sollte inzwischen das Assessor⸗ examen ablegen, um sich eine feste Stel⸗ lung zu erringen. Der glücklichen Brautzeit verdankte der„Prinz Rosa⸗Stramin“ seine Entstehung. Im Sommer 1832 sandte Hen⸗ riette ihrem Verlobten ein Notizbuch, auf dessen Deckel sie einen persischen Prinzen, der seinen Tschibuk raucht, auf rosa Stra⸗ min gestickt hatte. In seinem Dankesbrief schrieb Koch u. a.:„Das wunderschöne Notizbuch ist jetzt mein treuer Begleiter; es steht schon der Anfang eines neuen Ge⸗ dichts darin, das deinen schönen Namen tragen soll.... Weißt du, wie mein erstes Buch heißen soll? Prinz Rosa⸗Stramin!“ Im April 1834 erschien Kochs erstes Buch unter jenem Titel und unter dem Pseudo⸗ nym Ed. Helmer bei Luckhardt in Kassel. Es war als„erster Band“ bezeichnet; denn Koch plante, wie er am Schluß des letzten Kapitels auseinandersetzt, einen zweiten. Dieser sollte aber nicht erscheinen, und daß er nicht erscheinen konnte, darin lag die Tragik seines Lebens. n In seinem„Prinzen Rosa⸗Stramin“ hat Koch eines der köstlichsten Bücher geschaffen. In dem Werk, das, wie erwähnt, kein Roman, keine Novelle ist, sondern viel aus des Dichters eigenem Leben mitteilende Stimmungsbilder lose aneinanderreiht, hat er seiner Henriette ein unsterbliches Denkmal gesetzt. In dem Buche begleitet der ese den Dichter in seine Witzenhäuser Kinder⸗ zeit, auf den Kirchturm, wir sehen ihn in der Schule und auf den Hochschulen zu Mar⸗ burg und Göttingen. Neben seinem dichte⸗ rischen Wert hat der Prinz Rosa⸗Stramin auch einen zeitgeschichtlichen,„als ein köst⸗ liches Porträt der damaligen Zeit mit ihrer politischen Kannegießerei und ihrem Bürger⸗ gardenenthusiasmus“(Ph. Lösch, Ge⸗ schichte des Kurfürstentums Hessen, Marburg 1922 S. 208). Ueber die Bürgergarde der Stadt Schinkenburg, die Koch auch in der Novelle„Der K (Erzählungen, Kassel 1847 S. 50) gießt er seinen ganzen Humor aus. Die Bürger⸗ garden hatte ein Gesetz vom 23. Juni 1832 ins Leben gerufen, und die Typen der Schinkenburger hatte er der Residenzstadt Kassel entnommen; nur für den Postmeister Paps diente ihm zum Vorbild der Post⸗ meister Thielepave in Wabern In einem Briefe, den er am 7. Juni 1855 an Karl Altmüller, Hessenland, 27, Jahrgang, Kassel 1913 S. 262—271) spricht sich Koch selbst über einige seiner Vorbilder aus:„Der humoristische Gahelstich ist teilweise Kopie. Ich wohnte nämlich 1826—27 zu Göttingen in der Allee(Alleestraße 18) beim Schneider Koch in einem Hause mit dem Stud theol. Ludwig Boehme aus Braunschweig(den ich später einmal dort in seiner Heimatstadt am sog. Bohlwege besucht habe), einem tief önigin Gemahl“ erwähnt humoristischen, talentvollen Jünglinge, der aber schon damals an der Auszehrung dahin⸗ siechte. Er war ein gründlich ausgebildeter Klavierspieler und nicht ohne poetisches Talent. In seinem Leben spukte wirklich eine mysteriöse erste Liebe. Zu Kassel war er nie mit mir. Böhme schwärmte für Jean Paul, und Sie hätten ihn hören sollen, wenn er mit seinem hageren bleichen Gesichte und den großen vorliegenden Augen vorm In⸗ strumente saß, aus dem aufgeschlagenen Buche irgendein phantasiereiches Fragment aus Richter(z. B.„Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab“ oder„Die Neu⸗ jahrsnacht eines Unglücklichen“) deklamierte und dabei die Begleitung des Klaviers im⸗ provisierte.— Wirklich großartige Melo⸗ dramen! Was er zu seinem Porträt gesagt hat, habe ich nie erfahren.— Die Lenzbacher Kindergeschichten in den e rsten Kapiteln sind meist Erinnerungen aus Witzenhausen. Ein Brüderchen hatt' ich nie. Die Schinken⸗ burger Gestalten sind zum Teil aus dem damaligen Felsenkeller⸗ und Bürgergarde⸗ leben zu Kassel, dessen Philisterei nur so vieles verleidete.“ Als das Buch erschien, war Koch mit dem Publikum völlig zerfallen und stand im Begriff, es auch mit sich selbst zu werden. In einer solchen Stimmung konnte er auch nicht die nötige Sammlung finden, um sich zur zweiten Staatsprüfung vorzubereiten, wozu er zu Anfang des Jahres 1834 an das Obergericht als Referendar zurück⸗ geschickt worden war. Seine tiefe Verstim⸗ mung fühlte die Braut aus seinen Briefen heraus und wurde dadurch so sehr in ihrem Gemüte angegriffen, daß ihre Eltern, die die Zukunft ihrer Tochter nicht genügend gesichert hielten und überdies die Empfin⸗ dung gewannen, als habe Koch, um Henriette nicht zu verlieren, seine politische Ueber⸗ zeugung seiner Liebe geopfert, die Verlobung auflösten, damit dieser„aus der weichlich poetischen Stimmung, in die ihn diese Liebe versetzt hatte, herausgerissen und sich wieder⸗ gegeben werde“. Sein Leben war damit um die schönsten Hoffnungen betrogen. Dazu kam ein ernstes Zerwürfnis mit seinem Vater, mit dem er sich nie besonders ver⸗ standen. Der weichlich veranlagte Dichter verlor über alledem das Gleichgewicht seiner Seele. (Fortsetzung folgt.) Achtzig Jahre. Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sinds achtzig Jahre Psalm 90, 10. Vor kurzem wurde in meinem Familien⸗ kreise ein achtzigster Geburtstag gefeiert. Tief berührte es mich, ja, ich kann sagen, es stimmte mich andächtig, zu sehen, wie so viele Kreise, nahe und fernstehende, ihre der„Sonntagsgruß“ in — 100— Anhänglichkeit und Liebe dem greisen Ge⸗ burtstagskinde entgegenbrachten. Nicht alle unter ihnen kennen die wechsel⸗ vollen Schicksale dieses Lebensweges, soweit solche selbst von den nächsten Angehörigen mitempfunden werden können. Das weiß man nur selbst, denn es ist eine weise Ein⸗ richtung der Vorsehung, daß alles, was die Hauptsache in eines jeden Lebenswege ist, das, was uns zu innerem Reifen verhilft, vor menschlichen Augen meist verborgen bleibt. Es entwickelt in der Stille, im Ver⸗ borgenen; ist doch auch das Reifen der Frucht am Baum vor unseren Augen ver⸗ borgen. Zu solch innerem Reifen sind not⸗ wendig die Leidenswege, die Kämpfe, die wir im Innern auskämpften, um ganz und ausschließlich Gottes Eigentum werden zu können. Wir müssen lernen, daß, wie das wie du willst, nicht wie ich will. Wir müssen einsehen und danken lernen, daß, wie das Psalmwort sagt, unser Leben viel Mühe und Arbeit sein muß, damit wir Zweck und Ziel dieses Lebens erkennen. Nicht Arbeit allein, wie das tägliche Leben sie von uns fordert, sondern Arbeiten, Denken und Beten für alle, die unseres Gedenkens bedürfen. Dazu gehören in erster Linie unsere Ange⸗ hörigen und Hausgenossen,— wir sollen aber auch aller derer denken, die in Not und Trübsal sind, oftmals in weiter Ferne,— Dulder, die wir nie gesehen, mit denen wir uns aber eins fühlen in dem Erdenleid, das uns alle begleitet. Erkennen wir in solcher Weise unsern Lebenszweck und unser Lebensziel, so werden aus der Trübsal heraus unsere Blicke nach oben gehen; denn wir wissen: Die Heimat der Seele ist droben im Licht. Baronin R. Zum Code von Christoph Nuths. Dem Lebensbilde Christoph Ruthsens, das in Nr. 11 und 12 dieses Jahrgangs brachte, muß nun leider der Schluß folgen: Christoph Ruths ist am 6. Juni 1922 aus diesem Leben geschieden, er erlag den Folgen einer Grippe, die ihn im Frühjahr befallen hatte. Bis zuletzt war der Heimgegangene literarisch tätig. Am Tage seines Todes lieferte die Buch⸗ druckerei die ausgedruckten Bogen des dritten Teiles seines Alexanderzugromans,„Tita⸗ nische Szenen“ und einen altindischen Roman„Rukmini“, eine von ihm selb⸗ ständig bearbeitete Episode aus seinem großen unveröffentlichten Roman„Im Glanze der Ushas“ ab. Beide Werke sind bis auf die Titelblätter fertiggestellt. Vierzehn Tage vor seinem Tode sandte er eine im Januar und Februar entstandene historische Novelle„Talistris, die vote Barbarin“ an die Verlagsbuchhandlung von Hochmeister und Thal in Leipzig, die ihm die Anregung dazu gegeben hatte. Das Werk, das der 171 8 Schwanengesang seines Verfassers ist, ist eine novellistische Bearbeitung eines Stoffes, den er früher bereits dramatisch behandelt hatte. Mit verschwenderischer Hand teilte Ruths die Gaben seines reichen Geistes aus. Für ihn gab es kein Ruhen und Rasten, nur das Schaffen hatte für ihn Wert, nicht das Geschaffene selber. Dabei war er stets un⸗ abhängig von den Forderungen der Masse und der Mode. Die Mitwelt schenkte seinen gedankenreichen Werken nicht die Beach⸗ tung, die sie verdient hätten, die Nachwelt wird diese Unterlassung gutzumachen haben. Esselborn. Uirchliche Anzeigen. Sonntag, den 18. Juni. 1. n. Trinitatis. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becker.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarr⸗ assistent Becker.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrassistent Becker.— Montag, den 19. Juni, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Mat⸗ thäusgemeinde.— Dienstag, den 20. Juni, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmier⸗ ten weiblichen Jugend der Matthäus⸗ gemeinde.— Montag, den 19. Juni, abends 8/ Uhr: Zusammenkunft der Helfer und Helferinnen der Markusgemeinde im Gemeindesaal. a In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal: Pfarrer Mahr. * Evang. Arbeiterverein. Sonntag, 18. Juni: Familienausflug nach Annerod. Im Saale von. Engelhardt gemeinschaftlicher Kaffee(Portion 6 Mk.), Musik, Gesangsvorträge, Theateraufführun⸗ gen, Spiele. Abmarsch 21/ Uhr Ecke Kaiser⸗ Allee, Moltkestraße. Wartburg⸗ Verein. Sonntag, den 18. Juni, vormittags: Waldwanderung. Proviant mitnehmen. Ab⸗ marsch 9 Uhr Ludwigsplatz. Führer: W. Richter und L. Schott. Abends: Teilnahme am Familienabend des Wartburgvereins in Wieseck. Gemeinsamer Abmarsch abends 7 Uhr Ecke Marburger Straße und Nord⸗ Anlage. Anfang in Wieseck 7 Uhr. Ein⸗ trittskarten sind im Heim zu haben.— Dienstag, den 20. Juni: Helfersitzung.— Freitag, den 23. Bibelstunde im Heim. Perantwortlsch: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen. Se DSS S S SSS D 5— P, A S 2 79 ———————