onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 29 Gießen, 5. S. n. Trinitatis, den J. Juli 1922 II. Jahrg. Die heilige Schrift und das Menschenleben. 2. Mose 20, 13. Du sollst nicht töten. Am 13. August 1663 wurde in Gießen ein Student zu Grabe getragen, der im Streit erstochen worden war. Unser Kirchenbuch schreibt hierüber:„Herr Friederich Plönnies, beider Rechten Studiosus von Lübeck, welcher Freitags den 7. bey nacht in einem ver⸗ muthlichen Streit eine tötliche Wunden be⸗ kommen, woran er folgenden Sonntag/ vor 5 uhren gegen Abend seelig gestorben, seines Alters ungefähr 23 Jahr.“ Daran schließt der Pfarrer, der den Eintrag macht, die Bemerkung:„Gott behüte diese Stadt und Hohe Schul gnädiglich für dergleichen traurigen Fällen!“ Dieser Vorfall spielte sich in dem Zeitalter ab, das unmittelbar auf den Dreißigjährigen Krieg folgte. Es ist immer so, daß ein lang andauernder Krieg die Menschen dazu treibt, das Leben ihrer Mitmenschen gering zu achten. Der Krieg verwildert die Völker, läßt sie namentlich das 5. und das 7. Gebot übertreten. Wir haben in den vier Jahren, die auf den 11. November 1918, den Tag des Ab⸗ schlusses der kriegerischen Unternehmungen, — 2 keine anderen Wahrnehmungen ge⸗ macht. Das Urteil der heiligen Schrift über den Mord ist ganz klar und unzweideutig. Die Bibel brandmarkt den Mord als fluchwür⸗ diges, schändliches Verbrechen. Ob eine blutige Tat aus Eigennutz, aus Haß oder Rache geschieht, sie bleibt verabscheuungs⸗ würdige Sünde, die schwere Schuld nach sich zieht. Keine Tat klagt vor Gott so sehr an wie der Mord. Zu Kain sprach Gott: Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde. Im Volksempfinden ist es fest verankert, daß der Mörder von Gewissensqualen namenloser Art gefoltert wird. Ob er auch dem irdischen Richter ent⸗ geht, ob seine Tat auch verborgen bleibt, die Stimme im Innern läßt ihm keine Ruhe, sie verbittert ihm seine Tage, sie macht ihm das Leben zur Qual. Der große Seelen⸗ kenner Theodor Fontane hat in seiner Er⸗ zählung„Quitt“ ergreifend die Qual eines Mannes geschildert, der seinen Feind getötet hat. Es gelingt ihm zu entfliehen, aber über das Weltmeer trägt er seine Schuld, er 1755 einsam im 1 und sieht seinen Tod als Sühne für seine Tat an. Vor dem Kriege rühmten wir uns unserer Kultur und Gesittung. Mancher Erzieher mag, wenn er das 5. Gebot erklärte, ge⸗ dacht haben: Eigentlich ist das gar nicht nötig, der moderne Mensch, auch die mo⸗ derne Jugend, steht so hoch, daß Taten, die einer dunklen, wilden Vergangenheit an⸗ gehören, heute nicht mehr begangen werden, und es entspricht nicht mehr dem modernen Empfinden, das Schreckliche eines Mordes zu schildern. Wir sind eines anderen belehrt worden, in den letzten vier Jahren sind in allen Gegenden unseres Vaterlandes Blut⸗ taten geschehen. Darum muß auch der mo⸗ derne Mensch nachdrücklich auf das alte Gottesgebot hingewiesen werden: Du sollst nicht töten, und mit einem alten Gebete wollen wir in diesen Tagen beten: Vor Pestilenz und teurer Zeit, Vor Krieg und Blutvergießen, Vor Aufruhr und Zwietracht, Vor Hagel und Ungewitter, Vor Feuer⸗ und Wassersnot, Vor dem ewigen Tod Behüt' uns, lieber Herre Gott! H. B. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 37. Der Gießener Bub vor 50 Jahre n. Von Louis Frech. *(Fortsetzung.) Neben dem„Kuttches⸗Spiel“ erfreute sich ein anderes schönes, aber auch auf dem Aussterbeetat stehendes Spiel großer Be⸗ liebtheit. Wir nannten es das„Aff⸗Bauer⸗ Claus⸗Spiel“. An demselben konnten be⸗ liebig viel Spieler teilnehmen. Diese er⸗ hielten Namen, deren Anfangsbuchstaben sich nach der Reihenfolge des Alphabets richte⸗ ten. Die drei ersten Namen sind die vor⸗ erwähnten, denen dann noch„Doktor“, „Esel“.„Faust“ usw. folgten. Diese Be⸗ zeichnungen wurden mit Kreide unterein⸗ ander an die Wand eines Hauses, in der Regel des Hauses des Gesellschaftsvereins in der Sonnenstraße, geschrieben und hinter jede ein Strich gezogen. Dann begann das Spiel, indem der mit dem hübschen Namen „Aff“ Bezeichnete einen der andern Namen laut ausrief. Der Genannte ergriff schnell den unter dem Namenverzeichnis, auf dem Boden oder Sockel des Hauses liegenden Ball und suchte einen der sich so schnell wie mög⸗ lich entfernenden übrigen Jungen zu treffen. Kopf und Hände waren„faul“, d. h. es galt so viel wie vorbeigeworfen, wenn diese Teile getroffen wurden. Gute Spieler liefen daher auch nicht weit weg, sondern fingen, wenn nach ihnen geworfen wurde, den Ball mit den Händen auf. Traf der Ball ord⸗ nungsgemäß, dann mußte der Getroffene nach einem andern werfen, bis schließlich der Ball sein Ziel verfehlte. Dann wurde dem Vorbeiwerfer ein„Kindchen“ ange⸗ kreidet, hinter seinen Spielnamen malte der„Aff“ in Notenmanier ein Kindchen auf den Kreidestrich. Die Erreichung der zu Anfang des Spiels festgesetzten Anzahl der „Kinnerchen“, meist 12, setzte demselben ein iel. Es war belustigend, bei Meinungsver⸗ schiedenheiten mit anzusehen, wie die Jungen sich darüber stritten, ob einer noch„e Kinnche krie“ sollte oder nicht. Es kann sich jeder ausmalen, welch spassige Kombi⸗ mationen bei den Auseinandersetzungen mög⸗ lich sind, und wir haben oft genug wahr⸗ genommen, daß Passanten stehen blieben und lachend zuhörten, wie wir in Buben⸗ manier, in erregter und lauter Weise uns gegen die Aufoktroierung der„Kinnerchen“ wehrten. Unmittelbar an dieses Spiel schloß sich der„Faulball“ an. Derjenige, der mit den meisten„Kinnerchen“ gesegnet war, mußte längs der Wand des Hauses tanzen, dann wurde von dem, der die kleinste Kinder⸗ anzahl hatte, 19 2 ihm geworfen. Traf er, so bekam er ein Kindchen ausgewischt, warf er vorbei, so erhielt er eins angekreidet, während dem Tänzer eins gestrichen wurde. Hierauf kam der zweitzahlreichste Familien⸗ vater an die Reihe, bis die„Kinnerchen“ alle wieder verschwunden waren. Das Tanzen galt keineswegs als Ver⸗ gnügen. War es an und für sich schon bla⸗ mabel, viele Kinderchen erhalten zu haben, so sank die damit verbundene Stimmung bei dem als Zielscheibe dienenden noch mehr herab; denn es wurde mit aller Kraft nach ihm geworfen und wo der Ball hintraf, da brannte die Stelle. In der Regel nahm die Spielerei mit Einbruch der Dunkelheit ihr Ende. Dann ging man, wenn noch nicht Abendessenzeit war, nach„Busch's Treppe“, wo man sich unterhielt und auf Allotria sann. So hieß es eines Abends:„Wißter was? Mer bringe dem Awwele e Ständche.“ Der Awwele war ein alter Kleiderjude, welcher in der Rittergasse wohnte und mit seinem Familiennamen Beyfuß hieß. Der Mann trübte kein Wässerchen, brachte sich und seine Familie schlecht und recht durch, reizte aber durch seine eigentümliche Sprache mit ausgeprägt jüdischem Jargon, über⸗ haupt durch sein ganzes Wesen, die Spott⸗ lust der Jungen. Alle waren mit dem Vorschlag sofort einverstanden, und das Rudel — 114— zog, unterwegs lebhaft schwätzend, über die Mäusburg durch das enge 0 1 gegenber der Dreihäusergasse, vor Awweles Haus. Selbstverständlich versäumte keiner, über den in der Mitte der Judengasse in den Boden eingefügten, ein Kanalloch ver⸗ deckenden Stein hinwegzuspringen; denn hier lag nach der Ueberlieferung ein Jude begraben. Man sieht, der Blödsinn erhält sick selbst in Dingen, an die niemand glaubt. Awwele war zu Hause, wie uns sein Spröß⸗ ling Leopold, der zwei Jahre älter war als ich, und sich uns zugesellt hatte, aussagte. Wir stellten uns auf und sangen„Ach wie ist's möglich dann, daß ich dich lassen kann“ und dann„Deutschland, Deutschland über alles“. Awwele erschien vor seinem etwa drei Meter über der Straße liegenden Fen⸗ ster, schmunzelte wohlgefällig und sagte dann:„Wart', es kriegt jeder ebbes!“ Er holte ein Körbchen voll Aepfel und teilte sie aus. Als dies geschehen war, riefen wir dreimal„Hurra“ und dann ich weiß nicht, wie es geschah, sang die Bande, wie auf Kommando:„Der Bismarck kommt geritte, die Zeitung in der Hand, o weh ihr arme Jidde, die Cholera is im Land!“ Das war nicht schön und schnöder Undank, und Awwele empfand das auch; denn plötzlich ergoß sich ein Kübel Wasser über unsere Häupter, und das Fenster wurde rasch zu⸗ gemacht. Allgemeine Entrüstung und Um⸗ schau nach etwas zum Fenstereinwerfen, aber es war nichts derartiges da. Wohl aber Leopold, über den nun alle herfielen, der sich aber tapfer seiner Haut wehrte und da⸗ durch mächtig in unserer Achtung stieg. Er wurde aufgefordert, nachzusehen, ob sein Vater mit Wasser oder sonst was geschüttet habe. Rasch erschien er auch am Fenster und rief:„Reinem Wasser!“ Dabei flogen ihm eine Anzahl Apfelkrotzen an den Kopf. Klapp, war das Fenster zu und wir wander⸗ ten lachend und uns gegenseitig abputzend, mach dem Kreuz zurück. Am andern Tage hieß es, die Kreuzer Buben hätten sich vom Awwele Beyfuß noch einmal taufen lassen. Die Ferien wurden tüchtig ausgenützt, nicht nur durch Spiele und Spaziergänge, sondern auch durch allerhand lose Streiche. Bei diesen war in seinen Bubenjahren der vor vier Jahren verstorbene, hier selbst sehr populär und beliebt gewesene Arzt Dr. Karl Klein, ein Gießener Kind, meist der Anführer. Eines Mittags, als ein tüch⸗ tiger Schwarm größerer und kleinerer Jungen beisammen war, trat er in unsere Mitte und sagte:„Heut wird ein Ulk ge⸗ macht, wer nicht dabei sein will, scher sich weg!“ Es ging keiner; alle wollten mit⸗ machen. Klein, den wir damals schon den „Dachs“ nannten, erklärte nun, daß wir zu zwei und zwei mit einem Abstand von 25 Schritten um die neue Anlage(Süd⸗ anlage) und weiter um die drei Schoren Judengäßchen hen und diejenigen der Entgegenkommen— grüßen wollten, die von den vordersten beiden gegrüßt worden wären, und zioar mit einer kleinen, verbindlichen Verbeu⸗ gung, freundlichem Lächeln und einem ele— ganten Schwung der Kopfbedeckung. Wer eine solche nicht bei sich habe, und das war bei den meisten der Fall, solle sie holen, was dann auch sofort geschah. Dann wurde von Klein die Begrüßung vorgemacht, und jeder von uns mußte an ihm vorüber⸗ gehen und sie wiederholen. Das war schon zum Totlachen, namentlich bei den Klei⸗ meren, bei denen das freundliche, schmun— zelnde Lächeln anfänglich nicht recht ge⸗ lingen wollte. Dann geriet es aber, und die Gesellschaft wanderte zum Neuenweger Tor, an welchem sie sich zu zwei und zwei auf⸗ stellte und dann 10 und nach, immer mit dem festgesetzten Abstand, Arm in Arm abmarschierte. Dachs Klein marschierte an der Spitze und suchte die Leute aus, die gegrüßt werden sollten. Der erste, dem diese Massenehre zuteil wurde, war ein Gießener Uni⸗ versitätsprofessor, dessen Name mir ent⸗ fallen ist, ein alter, weißhaariger Herr, der unseren Gruß ungefähr sechsmal er⸗ widerte, dem aber, trotzdem er mit seinen eigenen Gedanken mehr beschäftigt schien, wie mit sonst etwas, schließlich doch, wahr⸗ scheinlich auch durch die Regelmäßigkeit der Wiederholung auffiel, daß die Sache kein Ende nahm. Er blieb stehen, zwinkerte die gerade grüßenden Zwei durch die Brille an und sagte:„Die jungen Herren leisten sich wohl einen Scherz?“—„Verzeihung, ja: Sie sind aber gleich durch, es kommen nur noch etwa sechs nach uns!“ war die prompte Antwort. Der Herr Professor zog aber vor, sich seitwärts in die Büsche zu schlagen. Er verschwand in der Richtung zum „Busche Sannche“, dem eiinnstmaligen Stammlokal des Korps Hassia. Ein Steg über den Schorgraben verband die neue Anlage mit dem Garten dieser Wirtschaft, in welcher auch die Honoratioren zeitweise ihre Schoppen tranken. (Fortsetzung folgt.) die Einnahme von Brest⸗Litowsk. Aus dem Kriegstagebuch des Majors d. Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. (Fortsetzung.) Soeben erhalten wir von einer hier liegen⸗ den Funkerstation die Nachricht, daß War⸗ schau und Iwangorod gefallen sind. Die Nachricht drückt mich nieder, daß es den Russen gelungen ist, aus beiden Festungen ihre Artillerie, Vorräte und Haupttruppen zurückzuschaffen, und daß der Rest der Trup⸗ pen, nachdem der Abtransport vollendet war, 1 175 die Plätze räumte oder übergab. (Ist es so, dann ist uns der große Schlag, der geplant war, nicht gelungen, die letzte den ö Russen verbliebene Bahn Warschau— Brest⸗ Litowsk zu erreichen, ehe der Abtransport erfolgt war, wodurch uns viel Gefangene und Kriegsgerät in die Hände gefallen wären. In diesem Falle ist hier immer noch kein, Ende abzusehen, solange uns nicht die innere Revolution in Rußland zu Hilfe kommt. Denn die Russen kommen immer wieder in neuen vorbereiteten Stellungen, gegen die sie uns anrennen lassen. Politisch wäre ja auch der geringere Erfolg von Wert; auch bekommen wir mehr Bahnverbindungen in die Hand, so daß der Nachschub erleichtert wird. Unsere Offensive dauert nun schon über drei Monate. Welche ungeheure An⸗ strengung umschließt diese Zeit. Und immer weiter geht es. Darin liegt ein gewaltiger Wille zum Sieg und eine ungeheure Kraft. Aber alles hat doch auch seine Grenzen. Aug ust 15 Gestern früh brachen, wir um 7 Uhr auf, marschierten über Lud⸗ winow, Cycow, Ostrowek nach Lumin. Zwei meiner Geschütze blieben zur Flieger⸗ abwehr in Ostrowek, während ich mit den beiden anderen in Stellung ging. Hier ist eine ausgedehnte Seenplatte, Seen, Wälder und Sümpfe ringsum. Die Russen sind weit zurück, aber wir folgen wegen der Schwierig— keit des Geländes nicht odey nur langsam. Es wird versucht, auf einer Seite herumzu⸗ greifen und dadurch den uns gegenüber⸗ liegenden Feind zum Rückzug zu zwingen. Meine beiden Geschütze stehen an dem großen Suminsee, unmittelbar hinter der Infan⸗ terielinie zur Abwehr eines etwaigen An⸗ griffs. An dem See entwickelte sich heute ein lebhaftes Badeleben. Die ganze Infan⸗ terie, auch soweit sie in Reserve liegt, wurde zum Baden geführt. Der Tag verlief ganz friedlich. Wir wohnen etwas rückwärts in einer Scheuer. Ich lief viel zwischen hier und vorne herum. 10. August 15. Seit dem 14. Juli haben wir außer an zwei Tagen täglich Kämpfe gehabt und teilweise vecht schwere, allerdings auch immer Erfolge, aber sie kosten Opfer. Trotz der körperlichen Anstren⸗ gungen, der dauernden Nervenanspannung, und oft kurzer Nachtruhe fühle ich mich wohl und gesund. Am Vormittag des 8. August ging ich zu den Geschützen am Suminsee und dann weiter nach vorn, um den Verlauf der neu gebauten deutschen Schützengräben fest⸗ zustellen. Meine Geschütze standen nämlich so, daß ich bei einem Angriff der Russen flankierend wirken konnte; schoß ich dabei aber zu weit rechts, so flankierte ich unsere eigenen Gräben. In den Kämpfen der letzten vierzehn Tage wurde ich zweimal beschuldigt, in die eigene Infanterie, die dabei Verluste hatte, geschossen zu haben; jedesmal konnte ich aber nachweisen, daß dies nicht der Fall war. Bei der Unübersichtlichkeit des Geländes und dem oft sehr schnellen Vor— 25 gehen unserer Infanterie, über das wir nicht immer hinreichend unterrichtet wer⸗ den, kann es einmal vorkommen, daß unsere Artillerie in die eigene Infanterie schießt. Ich habe das bei Radochonce selbst beob⸗ achtet und am 7, Mai auf dem Megelingrun mit unserer schweren Artillerie fast am eigenen Leibe verspürt. Aber unsere Infan⸗ terie behauptet oft, von eigener Artillerie beschossen zu werden, während es die russische ist. Die Frontlinie läuft oft so im Bogen oder Zickzack, daß man Feuer von einer Seite erhält, von der man es nicht früher möglich hält. Ich als Artillerist war mir manchmal schon im Zweifel darüber, ob über unsere Köpfe hinwegsausende Geschosse von uns oder von den Russen kamen. Leutnant Obenauer kam in Sumin zur Batterie zurück. In der Stellung am Suminsee hatte ich nur wenig und auf große Entfernungen ge⸗ schossen. Am Sonntag abend erhielt ich den Befehl, mich dem Vorgehen des Res.⸗Inf.⸗ Regts. 118 anzuschließen. Ich rückte um halb acht Uhr, als es anfing, dunkel zu werden, mit der Batterie ab und nahm um halb neun Uhr bei Stockfinsternis bei Zalucze⸗Nowe noch eine Feuerstellung ein. Wir kamen wieder zu spät zum Essen und zur Ruhe, unser Zelt hatten wir bei den Geschützen aufgeschlagen. Gestern. vormittag wurden dann auch die anderen Batterien vorgezogen, und um halb 11 Uhr mußte ich weiter westlich hinter Zalucze in Stellung gehen. Kaum war ich mit Einrichten der Beobachtungsstelle im Bodenraum eines Hauses fertig und hatte einige Schüsse ab⸗ gegeben, da kam der Befehl zum weiteren Vorgehen. Die Batterieführer ritten mit Hauptmann von Hirschberg vor, die Batte⸗ rien folgten. Die Russen hatten den größten Teil des Dorfes Zawadowka, bis wohin wir vor mußten, in Brand gesteckt, und das war unser Glück. Denn durch den Rauch war den Russen das Vorgehen unserer Bat⸗ terien in dem ganz offenen Gelände ent⸗ gangen. Ich brachte meine Batterie kurz hinter den rauchenden Trümmern in Stel⸗ lung und ging zur Beobachtung in ein wenige hundert Schritt seitwärts gelegenes, noch gut erhaltenes Haus, wo wir auf dem Boden das Scherenfernrohr aufstellten und durch ein kleines Loch im Dach sehr gut beobachten konnten. Ich entdeckte kurz nach Eröffnung des Feuers um 1 Uhr eine feind⸗ liche feuernde Batterie, die ich alsbald unter Feuer nahm. Zunächst brachte ich 2, dann 5 Geschütze zum Schweigen. (Fortsetzung folgt.) Kleine Mitteilungen. In den nächsten Tagen werden die Wählerlisten für die demnächst stattfinden⸗ den Kirchenwahlen offengelegt werden. Es der Wahl sich beteiligen will, dringend an⸗ zuraten, nachzusehen, ob sein Name in der Liste steht, da die Kirchenvorstände aus Mangel an Unterlagen nicht die Gewähr übernehmen können, daß alle wahlberechtig⸗ 10 Gemeindeglieder in der Liste verzeichnet sind. 5 Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 16. Juli, 5. n. Trinitatis. Kollekte für die Anstalt für Epileptische in Nieder⸗Ramstadt. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde: Pfarrassistent Becker.— Vormittags 9¼ Uhr: Pfarre Mahr.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. (Orgelfeier.) Jugendvereinigung der Matthäusgemeinde: Montag, den 17. Juli, abends 8 Uhr: männl. Abteilung, Dienstag, den 18. Juli, abends 8 Uhr: weibl. Abtei⸗ lung.— Dienstag, den 18. Juli, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib⸗ lichen Jugend der Markusgemeinde.— Don⸗ nerstag, den 20. Juli, abends 8/ Uhr: Zusammenkunft des Frauenvereins der Markusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 9¼ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal: Pfarrassistent Becker.— Freitag, den 21. Juli, um 5 Uhr, im Johannessaal: Vorstandssitzung des Ge⸗ meindefrauenvereins, um 8 Uhr: Versam lung des Frauenvereins der Johannes⸗ gemeinde. * Evang. Arbeiterverein. Montag, den 17. l. Mts., abends 8 Uhr, auf Textors Terrasse: Sitzung des gesamten Festausschusses. Tagesordnung: Bericht über das finanzielle Ergebnis des Festes Uf, anschließend Gemütliches Zusammensein aller Mitwirkenden. Angehörige mitbringen. Vorstandsmitglieder unseres Vereins wollen bereits um 7½ Uhr anwesend sein, zu einer kurzen Vorstandssitzung. * Wartburg verein. Sonntag,. 16. Juli? Wanderung zur „Waldesruh“; Abmarsch 6/ Uhr Lahn⸗ brücke. Führer: W. Schön und H. Ganß.— Dienstag, 18. Juli, abends 8½¼ Uhr, im Heim: Vortrag von Lehrer Philipp⸗Offen⸗ bach.— Mittwoch, 19. Juli: Mädchen? abteilung, abends 8/ Uhr: Vortrag von ist jedem unserer Gemeindeglieder, das an Lehrer Philipp⸗Offenbach. R. Lange, Gießen. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. ruck und Merlag der Brühl'schen Unversstäts⸗Duch⸗ und Stesndruckerel r S W e SSSSSSC!!!!!