te Ir er k, 2 + en ag onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Wir 18 Gießen, Ostern, den 16. April 1922 II. Jahrg. Jesus lebt. Evang. Luk. 24, 22 u. 23. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern: die sind früh bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kom⸗ men und sagen, sie haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. Selten haben sich Menschen in einer so trostlosen Lage befunden wie die Jünger Jesu nach dem Tage von Golgatha. Wie Niederlage, wie Zusammenbruch war es über sie gekommen. Das geht aus den traurigen Worten der beiden Emmausjünger hervor. Ihre Hoffnung war entschwunden, sie waren verstört, und die Botschaft, daß Jesus auf⸗ erstanden sei und lebe, kam ihnen vor wie ein Märlein. Aber wie Osterglockenton leise anhebt, wenn zuerst nur eine Glocke klingt, dann jedoch immer stärker wird, wenn die anderen Glocken mitschwingen und schließ⸗ lich in vollen, tiefen Tönen über das Land schallen, so verbreitete sich nach Jesus Kreuzes⸗ tod immer mehr die Kunde, daß er lebe, schließlich drang sie hinaus über Land und Meer, nach Griechenland und nach Rom und bis an der Welt Ende, und der frohe, sieges⸗ gewisse Glaube an den Auferstandenen hat das alte Heidentum in Trümmer geschlagen und der Welt ein neues Leben gebracht. Kann ein Mensch heute noch daran zwei⸗ feln, daß Jesus lebt? Beinahe 1900 Jahre sind vergangen, daß er auf Erden weilte. In dieser Zeit sind Staaten entstanden und wieder untergegangen. Große und kühne Denker haben philosophische Systeme auf⸗ gestellt und Weltanschauungen verkündet, und die Jahrhunderte, die folgten, sind über diese Systeme und Weltanschauungen hin⸗ weggegangen, daß sie heute nur noch ge⸗ schichtlichen Wert haben. Dichter, Erzieher, Gesetzgeber, Reformer aller Art haben der Menschheit die Wege gewiesen, und die Menschheit hat diese Wege wieder verlassen. Jesus hat in dieser Zeit an Bedeutung nur gewonnen, keiner kann über ihn zur Tagesordnung hinweggehen, jeder Denkende, ob er nun für ihn oder wider ihn ist, muß sich mit ihm auseinandersetzen. Millionen, von Menschen bekennen heute, daß er ihres Lebens Kraft ist und daß sie nur durch ihn selig werden können. In der Traurigkeit ist er 15 Trost, in der Versuchung ihr Halt, in Sünde und Schuld ihre Rettung, an⸗ gesichts des Todes ihre Hoffnung. Was der innig fromme, früh dahingeschiedene No⸗ valis gesungen hat, klingt am Osterfeste in so manches Christenherz hinein: Er lebt und wird nun bei uns sein, Wenn alles uns verläßt, Und so soll dieser Tag uns sein Ein Weltverjüngungsfest. H. B. Gießener Originale vor 50 Jahren. In einer jeden Stadt und in einem jeden Dorfe gibt es sogenannte Originale, das sind Menschen mit absonderlichen Anschau⸗ ungen und absonderlichen Gewohnheiten, Menschen, die sehr auffallen und häufig die Lachlust der anderen reizen. Unter ihnen gibt es solche, die keineswegs unintelligent find, die aber so verschrobene Ansichten haben und sich so merkwürdig betragen, daß jeder auf sie aufmerksam wird. Aber auch sehr viele Geistesschwache befinden sich in ihren Reihen, Menschen, die einen geisti⸗ gen Defekt haben aber harmlos sind und durch ihre komische Außenseite den ande⸗ ren bemerkbar werden. Zu leicht nur bieten sie eine Zielscheibe des Spottes, nicht nur für Kinder, obwohl es nicht recht ist, einen Geistesschwachen— in Oberhessen sagt man „Halbschlächten“— zu verspotten. Aber derartige Leute fühlen sich oft nicht wohl, wenn die anderen sich nicht mit ihnen beschäftigen. Man sagt, daß heutzutage die Originale dieser Art seltener werden, das ist nicht richtig, sie treten nur weniger in die Oeffentlichkeit als in den Tagen, da in Stadt und Land noch jeder den anderen kannte. Viele Geistesschwache werden jetzt auch frühzeitig in einer Anstalt unterge⸗ bracht, so daß ihnen die Betätigung auf der Straße nicht mehr möglich ist. In diesen Zeilen sollen einige Gießener Ori⸗ ginale aus der Zeit vor dem Jahre 1870 geschildert werden, die Bezeichnung„Gie⸗ ßener Originale aus der Zeit vor fünfzig Jahren“ ist also etwas weit gefaßt. Ihre Haupttätigkeit mögen diese Menschenkinder in den 60er Jahren des vorigen Jahr⸗ hunderts entfaltet haben. Die vorliegende Arbeit ist aus dem Zusammenwirken zweier Gießener entstanden, die als Kinder mit diesen absonderlichen Menschen noch in Be⸗ rührung gekommen sind; eine Gießenerin und ein Gießener haben hier miteinander gearbeitet. Hoffen wir, daß dieses Zusam⸗ menarbeiten ein einheitliches Ganze zutage gefördert hat. Geschichtliche Berichte aus 6 alter, entlegener Zeit rühren ja selten von einem einzigen Autor her.— Wir nennen hier zuerst die„Hex Braun“. Sie wohnte in einem alten Häuschen, an dessen und an anderer Stelle jetzt in der Bahnhofstraße der Neubau ge⸗ treten ist, in dem die Firma Schade& Füllgrabe ihr Geschäft betreibt, früher, also zu der Zeit, da die„Hex Braun“ lebte, nannte man diese Straße den Reichensand. Das Haus hatte ein großes Hoftor, das sich für Kinder vorzüglich zum Versteckspiel eig⸗ nete. Rief nun eins der Kinder„die Hex Braun!“ so flog die ganze Schar wie ein aufgescheuchter Vogelschwarm eiligst ausein⸗ ander. Die Scheiben der Fenster des Häus⸗ chens, das wir hier im Auge haben, waren mit dem zu einem Brei zusammengerührten Staub eines kleingeklopften Ziegelsteins be⸗ strichen. Ob damit ein magisches Licht in der Stube erzeugt und eine Einwirkung auf die Gemütsverfassung der Kundinnen der „Hex Braun“ erzielt werden sollte, oder ob das rötliche Licht zur Schonung der Augen der Bewohnerin des Häuschens diente, weiß wohl niemand mehr. Wahr⸗ scheinlich war das erstere der Fall; denn die Frau beschäftigte sich mit Wahrsagerei und wurde von den feinsten Damen auf⸗ gesucht. Es mag ja auch eine große Ueber⸗ windung gekostet haben, den schmutzigen Tempel der Sibylle aufzusuchen, aber die Liebe macht bekanntlich blind, und die Triebfeder für den„Blick in die Zukunft“ war auch hier in 99 von 100 Fällen der Wunsch, etwas über den„Zukünftigen“ zu erfahren. Die Kinder guckten mit Scheu nach den roten Fensterchen hinauf. Uebri⸗ gens ging die„Hex Braun“ selten auf die Straße, so daß die Kinder sie kaum zu sehen bekamen. Wer ihr aber begegnet war, schilderte sie mit den haarsträubendsten Farben. Der„Isiat“ war ein harmloser Mensch und doch ebenfalls der Schrecken aller Kinder, er hatte nämlich ein so un⸗ gewöhnliches Aeußeres. Aus dem Gesicht sahen ein Paar hervorstehende, schwarze Augen heraus, ein großer, schwarzer Schnurrbart hing melancholisch über den Mund. Wenn man ihm seinen Spitznamen „Isiat“ zurief, so nahm das Gesicht einen unheimlichen Ausdruck an. Er war der Sohn eines Nagelschmiedes, dessen Geschäft durch die fortschreitende Technik ganz zurückge⸗ gangen war und der infolgedessen verarmte. Der„Marxe-Peter“ war ein Idiot, aber ein ganz ungefährlicher Mensch. Wenn. ihm ein Kreuzer oder im Metzgerladen ein Stück Wurst winkte, so machte er in Befolgung der Aufforderung einen„Hop⸗ pas“.„Peter, mach'en Hoppas!“ wurde ihm gesagt, dann sprang der Peter in die Höhe, aber nicht mit gleichen Füßen, son⸗ dern wie bei einem Sprungschritt hob er den einen Fuß etwas später als den andeen und sprang in die Höhe. Das Gelächter, das den„Hoppas“ des sonst ungelenken alten Mannes begleitete, glich dem Wiehern eines Pferdes. Peter hatte eine Nase, die über das normale Maß hinausging. Es ist selbstverständlich, daß eine so ausgiebig ausgestaltete Nase ein vorzüglicher Behäl⸗ ter für große Mengen Schnupftabak war. Das hatte Peter schnell herausgefunden und sich dem Laster des Schnupfens ergeben. Aber als Insasse des Hospitals war es um seine Einkünfte schlecht bestellt, da muß⸗ ten die Kreuzer für den„Hoppas“ her⸗ halten. Peter trug ein grauwollenes Wams und eine Zipfelmütze, deren Quaste beim „Hoppas“ lustig in die Höhe schnellte. Er war ein so origineller Kauz, daß sich so⸗ gar ernsthafte Leute etwas darauf zugute taten, ihn zu kopieren. Wer das konnte, be⸗ saß ein Mittel, jederzeit ungekünstelte Hei⸗ terkeit hervorzurufen. Auf Maskenbällen war der Peter vor 50 Jahren eine immer wiederkehrende Figur, die dem Darsteller, wenn er seine Sache verstand, ebensoviel Vergnügen machte, wie dem Publikum. Böse wurde er nur, wenn die Buben ihn aufforderten, ihnen eine„Pris'“ zu geben. Geradezu in Verzweiflung konnte man ihn bringen, wenn ihm gesagt wurde:„Peter, heirat' die Gret!“ Das war ein ganz ver⸗ blödetes Wesen, das nicht sprechen, son⸗ dern nur unbehilfliche Laute hervorbringen konnte. Wenn man ihm das sagte, so fing er an zu weinen und jammerte:„Ich sag's meine Bürgermeister.“ Fragte man den „Marxe⸗Peter“:„Wie alt bist du?“, so gab er zur Antwort:„Hunnert und die siewezig.“ Originale gab es auch unter der dama⸗ ligen jüdischen Bevölkerung. In der Juden⸗ gasse, der jetzigen Rittergasse, wohnte der Althändler„Awele“ Beifuß, der nament⸗ lich mit Kleidern handelte. Mund und Nase waren an ihm sehr entwickelt, er ging gebückt und war froh, wenn ihn die Leute in Ruhe ließen. Auf jedem Jahr⸗ markt war der Awele zu sehen, dort be⸗ trieb er einen schwungvollen Handel mit alten Kleidern und anderen Gegenständen. Amüsant war es, mitanzusehen, wie er seine Ware den Bauern zeigte. Er klopfte auf jedes Stück und versicherte, daß es ein ganz ausgezeichnetes Stück sei, ohne jeglichen Fehler. Der Käufer dagegen traute diesen Worten nicht ohne weiteres, son⸗ dern breitete das Stück aus, hielt es gegen die Sonne, um, wenn er ein Mottenloch oder sonst einen Fehler entdecken konnte, den Preis herabzudrücken. Waren beide end⸗ lich handelseinig und war der Preis be⸗ zahlt worden, so kam es auch vor, daß der Bauer einen ungültigen Silbergroschen mit⸗ eingeschmuggelt hatte, dann war Awele ganz außer sich, er winkte und rief in die Menge hinein, aber der Bauer war längst ent⸗ schwunden. , n n ie 8 0 l 1. 150 . 8 — 0 ⸗ 8 so 7. Auch die„Susmänner“ waren Juden, es waren zwei Brüder, kleine, alte Männer, die miteinander Geschäfte trieben. Der eine hieß kurzweg das„Susmännchen“, der an⸗ dere wurde mit seinem Vornamen das „Bärche“ genannt, sie sammelten Lumpen und Knochen. In meinem Elternhause, so erzählt die Gießenerin, die an diesen Aus⸗ führungen beteiligt ist, war es Sitte, daß wir Kinder Abfälle sammelten und dann den„Susmännern“ verkauften, der Erlös kam in unsere Sparbüchse. Das„Sus⸗ mäunche“ hatte eine rauhe und tiefe Stimme und stotterte mächtig. Wenn er Lumpen und Knochen aufkaufen wollte, so rief er in die Haustür hinein:„Nix zu has⸗handele?“ Eines Tages, so erzählt unser männlicher Mitarbeiter, war ich Zeuge davon, wie er an dem ehemals Habenicht'schen Hause an der Stadtkirche stand und nach dem ersten Stockwerke hinauf rief:„Is mei' Brau-, mei Brau⸗, Brau⸗, Braurer drohowe?“ (Ist mein Bruder droben?) Je mehr wir Buben lachten, desto schwerer fiel ihm die Aussprache, schließlich verschwand er in der Haustür, um nach seinem Bruder zu suchen. Ob er dort glimpflicher behandelt wurde, bezweifle ich; denn Habenicht hatte eine Lampenfabrik, und bei den Arbeitern wird er vom Regen in die Traufe ge⸗ kommen sein. Konnte das„Susmännche“ mit der Sprache nicht weiter, so half das „Bärche“ mit seiner raschen Zunge nach, und das Geschäft entwickelte sich zur beider⸗ seitigen Zufriedenheit. In dieser Reihe ist auch die„Male“ zu nennen, eine derbe Frauenfigur ohne den ausgesprochenen jüdischen Typus, auch sie sammelte Lumpen und Knochen, war also Konkurrentin der Susmänner. Von morgens früh bis abends spät ging sie diesem Ge⸗ schäfte nach, und oft sah man sie mit dem Lumpensack auf dem Rücken, in vorgebeugter Haltung und mit langen Schritten durch die Straße nach ihrem kleinen Wagen gehen, den ein kräftiger Hund zog. Hatte sie ein Stück der Straße abgesucht, so fuhr sie eine Strecke weiter und nahm wieder andere Häuser vor, alles in hastigem und eifrigem Tempo. Ihrem Hunde war sie immer einen Schritt voraus und zog ihn an einem kleinen Stricke nach. Sie war eine ordentliche und fleißige Person. Auch sie war bekannt als Kartenlegerin, ihr Aeußeres war jedoch so, daß auch vor ihr die Kinder sich fürchteten. Eines Tages, so erzählt uns die mehrfach erwähnte Gießenerin, wurde ich in das Haus geschickt, in dem die„Male“ wohnte, um bei unserem gleichfalls dort wohnenden Schuhmacher eine Bestellung zu machen. Ich machte diesen Gang nicht gern, und richtig, es passierte mir auch etwas. Ich verfehlte die rechte Tür, klopfte an und die„Male“ streckte ihren Kopf heraus, um nach meinem Begehr zu fragen. Ich war so erschrocken, daß mir die Sprache verging. Eilends lief N ich davon, verfehlte auf der Treppe den 11 1 8 und purzelte die ganze Treppe hin⸗ unter. Ein Straßenbild Kameruns. Von Missionar Heinrich Walther-Beuern. (Fortsetzung.) Wir wandern weiter Schon ist es ziem⸗ lich heiß geworden. Die Sonne meint es recht gut, auch läuft schon der Schweiß den Rücken hinunter, trotzdem wir uns ziemlich leicht angezogen haben. Um 7 Uhr ertönt die Glocke und ruft die Schüler in die Schule, Man sieht dann die Knaben mit der Tafel und den Büchern unter dem Arm. Es fällt auch der Unterschied der Schüler auf. Die einen sind ziemlich groß, wir schätzen sie auf 15—17 Jahre, dazwischen kleine, die 8 bis 10 Jahre alt sind. Ihre Schulen setzen sich aus verschiedenen Altersklassen zusammen. Auch fällt die Kleidung auf. Manche haben ein Lendentuch um, es ist das einzige Klei⸗ dungsstück; andere wieder haben außer dem Lendentuch auch noch den Oberkörper mit einem weißen Hemdchen bedeckt, das sich sehr nett von der schwarzen Haut abhebt. Wieder andere haben Hosen an und haben über den Oberkörper eine Weste gezogen, die so weit ist, daß man vier bis fünf solcher Kerlchen darunter unterbringen könnte. Doch der kleine, junge Mann ist stolz auf seinen Schmuck und bildet sich etwas darauf ein. Ja, gar manchmal sah ich Kerlchen, die Kleidungsstücke, die sonst nur Frauen tragen, angezogen hatten. Stolz und hochmütig wan⸗ dern sie dahin, haben sie doch was ganz Besonderes angezogen. Wer schreit denn da auf der Straße? Wir werden es gleich sehen. Da ist ein Vater hinter seinem Sohne drein, mit der Peitsche ihn in die Schule treibend. Wohl ist ja kein Schulzwang in Kamerun, aber die Väter wollen haben, daß ihre Söhne in die Schule gehen, daß sie was Tüchtiges werden, und so treibt man sie mit der Rute in die Schule. 5 Nun sieht man auch Frauen ausgehen. Auf dem Kopfe tragen sie einen Korb oder eine Kalabasse. In demselben haben sie Knollen oder Ableger von irgendeiner Frucht, und auch die primitive Hacke schaut heraus, mit der hohe, ameisenhügelähnliche Haufen aufgeworfen werden, in die die Früchte eingepflanzt werden. Auf dem Rücken trägt eine Frau ein kleines Kind, das mit einem Tuch fest über den Rücken gebunden ist. Wir fragen sie:„Nango, o mala oe? Frau, wo gehst du hin?“„Na mala o eyidi Ich gehe in den Wald“, ant⸗ wortete sie uns.„O mapula bola oten? Was willst du dort tun?“„Na mapula de da. Ich will Essen pflanzen.“ Sie ist sehr freundlich und trotz der vielen Arbeit find diese Frauen immer zuvorkommend und denn die Arbeit ist ja für die Sklaven und 64 haben immer ein freundliches Lachen für uns. Auf den Straßen wird es immer stiller und stiller, nur sieht man einige Knaben, die auf den Straßen herumlungern. Etwa um 9 Uhr sieht man alte Männer aus dem Zimmer herauskommen. Den ganzen Tag liegen sie auf der faulen Haut, unserm Herrgott die Tage wegstehlend. Im Munde haben sie eine Tonpfeife und der Rauch steigt in die Höhe. Dann wird der Liegestuhl unter einen Baum gestellt, und mit der größten Ruhe legt sich der Alte hinein. Viele ver⸗ sammeln sich nun unter diesem Baum und das Palaver(der Streit) nimmt seinen Anfang. Mit der größten Seelenruhe wird der ernste Stoff, den sie haben, behandelt. Wir gehen hin, um dem Gespräche zu lau⸗ schen. Was verhandeln sie? Sie haben ein Heiratspalaver. Denn dieses füllt ja die meiste Zeit ihres Lebens aus. Sie streiten miteinander. Jeder will an einer Frau Teil haben. Der erste sagt: Ich habe 500„Bema“ für sie bezahlt. Der andere: Und ich habe noch mehr bezahlt, und lügt noch was hinzu. Und ein dritter: Und ich habe noch eine Ziege mehr bezahlt. Ach, wie schwer ist so etwas, und wirklich für die Richter eine sehr heikle Sache, um diese verwickelten Sachen auseinanderzuzerren. Dann dreht sich ihr Gespräch auch um die Steuer; denn Steuer⸗ zahlen tun die Schwarzen auch nicht gerne. Wofür denn auch? Ihre Vorfahren haben ja auch gelebt, ohne Steuer bezahlt zu haben.— So kann man sie nachmitkags finden. Und manchmal geht's dabei laut zu. Doch zu Schlägereien kommt es nicht, da die Neger ziemlich ruhig sind und nicht leicht erregbar. Gegen 1 Uhr kommen die Frauen aus dem Felde. Auf dem Kopfe haben sie ihren Korb; dieser ist wieder gefüllt, und zwar mit Feldfrüchten. Unter dem Arm tragen sie Holz, für das sie auch selber sorgen müssen, Frauen. Für einen hochwohlgeborenen Mann ist ja die Arbeit entehrend. Wir grüßen die Frau:„ANango o timbi? Frau, bist du zurückgekehrt?“ Sie erwidert:„E sango. Ja mein Herr.“ Der Schweiß läuft ihr am ganzen Körper herunter. Doch wieder hat sie ein freundliches Lächeln für uns. Ja, die Frauen Kameruns sind sehr fleißig und gar manchmal habe ich ihnen ein Lob gespendet. Wir gehen nun in die Nähe einer Hütte, nehmen unter einem Baume Platz, um zu sehen, was es nun gibt. Die Frau setzt ihr Kind, das den ganzen Morgen auf dem Rücken der Mutter zugebracht hat, auf die Erde, um das Mittagessen zu bereiten. Sie setzt sich dann vor die bekannte Mühle, und mit einem Stein werden die Knollen oder Maiskerne gerieben. Die Mühle besteht aus einem großen Stein, der mit einer kleinen Vertiefung versehen ist. In dieselben wer⸗ den die Früchte gebracht und dann mit dem andern Stein zerrieben. Fortsetzung folgt. * Zur Notiz. Die Fortsetzung der„Ge⸗ schichten und Bilder aus Alt⸗Gießen“ er⸗ scheint in der nächsten Nummer. Uirchliche Anzeigen. Sonntag, den 16. Apkil, 1. Ostertag. Kollekte für die Kirchenkasse. In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Becker.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für Matthäus⸗ und Markus⸗ gemeinde gemeinsam: Pfarrer Becker.— Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Becker. In der Johanneskirche. Vorm. 9 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 6 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Anschließend Beichte für die Konfirmanden aus der Johannesge⸗ meinde und deren Angehörige. Montag, den 17. April, 2. Ostertag. In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Mahr.— Nachmittags 2 Uhr: Vor⸗ stellung und Prüfung der Konsirmanden aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becker.— Abends 6 Uhr: Pfarrer Becker. 5 In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Johannes⸗ gemeinde. Feier des heiligen Abendmahls: Pfarrer Ausfeld.— Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtols⸗ 1— Abends 6 Uhr: Pfarrassistent üller. * Evang. Arbeiterverein. Am 1. Feiertag, vorm. 9¼ Uhr, Stadt⸗ kirche: Gemeinsamer Besuch des Gottes⸗ dienstes.— Prof. Koob ist aus Gesund⸗ heitsrücksichten außerstande, seinen 2. Vor⸗ trag, der für den 2. Osterfeiertag in Aus⸗ sicht genommen war, in nächster Zeit zu halten. Außerdem muß die für den 30. April in der Turnhalle geplante Aufführung des Volksstücks„Die Else vom Erlenhof“ aus rein technischen Gründen bis zum Herbst verschoben werden.— Samstag, 22. l. M., abends 8 Uhr, Vereinslokal, Sitzung des Festausschusses. Wartburg verein. 2. Ostertag: Tageswanderung mit Ab⸗ kochen nach Salzböden— Schmelz— Fron⸗ hausen. Anmeldungen bis spätestens Samstag abend im Heim. Führer: Schott, Minke.— Mittwoch, abends 8/ Uhr, für die Mädchen⸗ abteilung: Konzertabend im Heim.— Don⸗ nerstag, abends 8 ¼ Uhr, für die Jüng⸗ lings⸗ und Männerabteilung: Konzertabend im Heim.— Freitag, abends 81“ Uhr, für die Jünglings⸗ und Männerabteilung: Bibelstunde und Diskus ions bend. Herantwortlich: Pfarrer Bechtolshesmer. Druck und Verlag der Brühßschen Unversitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen