S „ onntagsgruß emeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen 8 Gießen, 2. S. n. Epiph., den 5. Januar 1922 II. Jahrg. Unsere Kranken. Aus der Gießener Franzosenzeit 1790. 1. Kor. 12, 26. So ein Glied leidet, so] Von Professor Dr. Karl Ebel, Direktor leiden alle Glieder mit. Zum drittenmal innerhalb kurzer Zeit geht jetzt eine Seuche durch unser Land. Wir sind während des Krieges vor Pestilenz, wie man früher sagte, bewahrt geblieben; die gefährlichen Seuchen, die in früheren Zeiten von Asien den Weg zu uns fanden, haben im wesentlichen an den Grenzen Deutsch⸗ lands Halt gemacht, im letzten Kriegsjahre aber kam, wie man vermutet, von Spanien her, die Krankheit, die jetzt wieder gewaltig um sich gegriffen hat. Straßauf, straßab sind die Menschen erkrankt, ganze Familien liegen darnieder, und wenn diese Krankheit auch im allgemeinen harmlos verläuft, Opfer hat sie doch schon gefordert. In solchen Zeiten darf der Christ nicht kalt und gleichgültig bleiben, noch weniger darf der Gesunde sich seiner Kraft rühmen; denn Menschenkraft vergeht wie ein Traum⸗ bild in der Nacht. Jede Epidemie soll in den Herzen der Christen ernste Gedanken wecken. Sie soll uns an unsere Hinfälligkeit er⸗ innern, an die Pflicht, allezeit bereit zu stehen, dem Rufe Gottes zu folgen, an die Pflicht, der Seele Seligkeit zu bedenken. Un⸗ möglich auch darf der Christ an dem Leiden seiner Mitmenschen ohne Teilnahme vor⸗ übergehen. Er soll, wenn er kann, sich an der Pflege der Kranken beteiligen, er soll, wo sich ihm Gelegenheit bietet, die Arbeiten, die der Kranke nicht bewältigen kann, mitüberneh⸗ men. Wer den Beruf dazu hat und sich vor Ansteckung nicht fürchtet, soll auch Kranke besuchen. Zum mindesten soll der Christ die jetzt äußerlich und innerlich Angefochtenen in sein Gebet einschließen. Paul Gerhardt bittet in einem Neujahrsliede Gott in so inniger Weise: Hilf gnädig allen Kranken, und Matthias Claudius sagt in seinem un⸗ vergleichlichen Abendliede: Verschon uns, Gott, mit Strafen und laß uns ruhig schlafen und unseren kranken Nachbar auch. Der Gott, der Plage und Trübsal schickt, um seine Menschenkinder auf den Weg der ewigen Seligkeit zu führen, wolle die Plage, unter der wir jetzt leiden, bald wieder von uns nehmen! H. B. der Universitäts-Bibliothek zu Gießen. (Fortsetzung.) Sie wird von den Kriegskommissaren, die sich während des Gefechts an die Tore be⸗ geben hatten, hereingelassen, ist aber zu schwach, um den Wall und alle Tore zu besetzen. So gelingt es einer österreichischen Husaren⸗ und Ulanenabteilung, durch das Neuenweger Tor einzudringen und die ganze Kompagnie samt ihrem Hauptmann ge⸗ fangen zu nehmen. Nur ein kleiner Teil der Franzosen hielt sich im Bogen des Neustädter Tores. Nach dem Verfasser der Kriegsgeschichte waren die eingedrungenen Reiter 400 Mann stark, nach Chastel war es ein Leutnant Weber von den Sachsen⸗ Husaren, der das kühne Reiterstück voll⸗ brachte, mit nur sechs Mann eine Festung zu nehmen und das hereingelassene fran⸗ zösische„Piquet“ von 40—50 Mann zu Gefangenen zu machen. Chastel fügt aber hinzu, daß„kurz hernach“ eine Menge Kaiserliche in die Stadt gekommen seien. So wird es wohl richtig sein, daß der kecke Husarenleutnant nur die Spitze der übrigen 400 Reiter gewesen ist. Dies ereignete sich zwischen 1 und 2 Uhr nachmittags. Zu der⸗ selben Zeit begannen die Franzosen aus einem Achtpfünder und zwei Haubitzen die sie in den Gärten an der Pulvermühle in Stellung gebracht hatten, eine lebhafte Ka⸗ nonade auf die Stadt. Die ersten Granaten fielen in der Neustadt nieder und eine davon war es, die in die Wohnung Schaumanns einschlug. An mehreren Stellen der Stadt brach Feuer aus, das trotz der sonst so guten Löschvorrichtungen wegen der allgemeinen Kopflosigkeit nicht schnell genug gelöscht werden konnte. Denn ein unbeschreibliches Getümmel herrschte in den engen Straßen, namentlich in der Neustadt. Zwei Stunden lang dauerte die angstvolle Lage, die uns die „Kriegsgeschichte“ in lebhaften Farben schildert. Da schloß der Führer der Oester⸗ reicher, Obrist von Görger von den Berchini⸗ Husaren, mit Ney einen Waffenstillstand bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr, weil ihm das Schicksal der Stadt naheging. Neys Be⸗ dingung war die Herausgabe der gefange⸗ nen Kompagnie, die schon nach Reiskirchen abgeführt war. Gegen 5 Uhr rückten 4000 Mann österreichischer Infanterie durch die Stadt nach der Lahn und besetzten das dies⸗ e seitige Ufer nebst der Brücke, die damals oberhalb der jetzigen an der unteren Spitze der der Möserschen Mühle gegenüberliegen⸗ den Insel den Fluß überspannte. Als Veranlassung der Beschießung Gie⸗ ßens am 11. September nennt Schau⸗ mann die Mißhandlung einiger französischer Soldaten durch Gießener Bürger. Die Mei⸗ nungen darüber waren jedenfalls geteilt, und verschiedene Gerüchte schwirrten in der Stadt. Chastel erzählt, mit den Kaiserlichen sei eine Menge Bauersleute, Männer und Weiber, welche ihnen Viktualien nachtrugen, in die Stadt gekommen. mancher Fehler von seiten der Bürgerschaft vorgefallen und manches dem General Ney unter einem falschen Lichte vorgebracht wor⸗ den sein, worüber er erboste und die Stadt in Brand zu stecken sich vornahm. Viele Leute liefen aus Neugierde heerdenweise, besonders Frauenspersonen, auf den Wall. Es wurde dem General Ney durch die Vorposten referirt, die Bürger hätten die Franzosen wieder hereingelockt, selbst zu Ge⸗ fangenen gemacht und getödtet, endlich vivat die Kaiserlichen laut gerufen, wie diese sich an das Thor begaben“. Die„Kriegs⸗ geschichte“ weiß von der Aussage französi⸗ scher Gefangenen zu berichten, wonach man bei ihnen befürchtete,„die in Gießen ab⸗ geschnittene Compagnie würde ohne Barm⸗ herzigkeit zusammen gehauen worden seyn, und deswegen hätte General Ney sich rächen wollen“. Sie fügt aber hinzu, daß die Ver⸗ anlassung der Beschießung sich nicht zu⸗ verlässig bestimmen lasse, und be treitet die Absicht Neys, die Stadt zu vernichten. Richtig dürfte sein, was Erzherzog Karl sagt, daß sich die Kaiserlichen der Stadt mit Hilfe der Einwohner bemeistert hätten. War auch das Verhältnis der Bürgerschaft zu den Franzosen im allgemeinen nicht schlecht, so mußte man doch die Verjagung des Feindes aufs innigste wünschen. Und daß die Stimmung der Einwohner für eine tätige Teilnahme an den Kämpfen war, geht deutlich aus dem Bericht Chastels her⸗ vor, besonders aus dem Umstande, daß die Kriegskommission am 12. September die Bewaffnung der Bürgerschaft verhinderte. (Fortsetzung folgt.) Beim deutschen Beskidenkorps. Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns der Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. 3. Die Kämpfe bei Lemberg. (Fortsetzung.) Heute nacht wird es wohl wieder früh losgehen, damit wir die Fühlung mit dem 12 nicht verlieren. Die Russen sind Meister des Rückzugs. Mit verhältnismäßig schwachen Kräften, die sich aber in stark ausgebauten Stellungen befinden, halten sie uns immer so lange auf, daß die Haupt⸗ „Es soll dabei 1 armee geordnet zurückgehen kann, und lösen sich dann meist ohne schwere Verluste von uns los, um sich wieder in der nächsten vorbereiteten Stellung festzusetzen. Oft müssen sie allerdings, wenn wir zu scharf nachdrängen, eine oder zwei Stellungen übergehen und, ohne einen Schuß daraus abgegeben zu haben, preisgeben. Wie nieder⸗ drückend muß das doch für eine Truppe sein, immer zurück zu müssen, soviel Arbeit umsonst gemacht zu haben, und es ist nur zu bewundern, daß die Russen dann doch immer wieder zähen Widerstand leisten. Zu meinem Leidwesen mußte ich heute abend feststellen, daß ich Kleiderläuse auf dem Körper habe. Obwohl diese Plage schon an der Bzura in der Batterie stark ver⸗ breitet war, blieb ich seither davon verschont. Nach Ansicht meines Freundes Schmitt bin ich aber jetzt erst ein richtiger Feldsoldat. 21. Juni 15. Ich hätte in der Nacht vorzüglich geschlafen, wenn ich nicht vier⸗ mal durch Befehle geweckt worden wäre. Um 3 Uhr aufgestanden, um 4 Uhr Ab⸗ marsch; wieder durch Wald, der aber viel besser bewirtschaftet ist, wie in den Gegen⸗ den durch die wir seither kamen. Auch an einem schön gepflegten Pflanzgarten kamen wir vorüber, der mich an die Pflanzgärten meines Schwiegervaters im Gießener Stadt⸗ wald erinnerte. Um 7 Uhr gingen wir bei Zarudee in Stellung, da sich der Feind hier wieder festgesetzt hat. Am Waldes rand um mich her haben sich wieder unangenehm viele Beobachtungsstellen eingenistet. Es ist trüb regnerisch und kühl. Im Unterstand lese ich die interessante Rede des Abgeord⸗ neten Fuhrmann, in der er auch die Frage der Kriegsziele berührt. Mit dem Plan, ganz Belgien zu annektieren, kann ich mich immer noch nicht befreunden. Aber es ist ja auch zum Glück nicht meines Amtes, darüber zu entscheiden. 22. Juni 15. Wir stießen gestern, als wir aus dem großen Wald herauskamen, auf eine starke feindliche Stellung, in der sich auch ein steiler kahler Berg befand, mit drei Schützengräben nebst Drahtverhauen übereinander, gerade unserer Beobachtungs⸗ stelle gegenüber. Am Nachmittag ent⸗ wickelte sich ein sehr heftiger Artillerie⸗ kampf. Unsere Infanterie ging vor, und es mußten alle Reserven eingesetzt werden, Gegen Abend ging 1h von uns— mit meinem Scherenfernrohr konnte ich, alles genau beobachten— die 35. Reservedivision im Sturm vor. Die Russen flohen, und nun schoß die gesamte Artillerie in die asse hinein. Auch die russische Artillerie schoß offenbar auf ihre zurückgehenden Leute, die nun in Scharen überliefen und zu Ge⸗ fangenen gemacht wurden. Darauf wurde der Berg von schwerer Artillerie und Feld⸗ artillerie unter Feuer genommen. Für die russische Grabenbesatzung die wahre Hölle. i Es wurde aber dunkel, ohne daß unsere⸗ Infanterie die Höhe hätte nehmen können, was ihr dann aber in der Nacht gelang. Wir hatten bis 8 Uhr geschossen, meine Batterie 543 Schuß verfeuert. Da die Lage hier sehr ernst war— wir hatten nach links die Fühlung mit der Nachbardivision verloren—. hatte ich schon Nachmittags im Wald, einige 100 Meter hinter der Beobachtungsstelle, eine Blockhütte errichten lassen. Endlich um 9 Uhr konnten wir uns dorthin zurückbegeben, während das Infanteriegefecht nicht weit von uns immer noch im Gang war. In der Nacht gelang es den Russen, eine Kompagnie des Reserve⸗Regiments 83 zu überrumpeln und derselben schwere Verluste beizubringen. Infolge der überaus Pee Anstrengungen des Tages waren die Leute wohl übermüdet und die Wachen hatten geschlafen. Gestern verloren auch wieder brave Sol⸗ daten durch Verrat ihr Leben. Unsere schwere Artillerie, welche der Feind natürlich be⸗ sonders gern zu fassen sucht, war kaum— etwa ein Kilometer hinter uns— in Stel⸗ lung gegangen, als die feindliche Artillerie auch schon sich gegen die Stellung einschoß und, nachdem dies mit wenigen Schüssen vorzüglich gelungen war, schwere Artillerie direkt in die Batterie hineinschoß, die meh⸗ rere Tote und Schwerverwundete hatte. Da der Feind unmöglich die Stellung einsehen konnte, wurde die Umgebung abgesucht und in einem Haus ein Kerl gefunden, der mit den Russen telephonisch verbunden war und ihnen die Beobachtung gegeben hatte. Es soll ein österreichischer Soldat sein, der bei den Kämpfen im vorigen Herbst gefangen genommen war. 0 (Fortsetzung folgt.) Eine Episode aus Heinrich Dernburgs Gießener Studentenzeit. Nach Akten des hessischen Staatsarchivs mit⸗ geteilt von Tr. Karl Esselborn. Dem Drucke von London und Petersburg nachgebend, hatte König Friedrich Wil⸗ helm IV. von Preußen trotz des siegreichen Vordringens seiner Truppen. in Dänemark sich bewogen gefühlt, mit den Dänen in Unterhandlungen zu treten, die am 24. Au⸗ gust 1848 zu Malmö zum Abschluß eines Waffenstillstandes auf sieben Monate führ⸗ ten. Danach sollten die beiden. Elbherzog⸗ tümer Schleswig und Holstein von den preußischen und dänischen Truppen geräumt und in ihnen eine die dänischen Interessen aufs beste wahrende provisorische Regierung eingesetzt werden, Darin lag eine Preisgabe der schleswig⸗holsteinischen Sache, die eine Herzenssache des deutschen Volkes gewesen war. Als der Waffenstillstandsvertrag der Deutschen Nationalversammlung in Frank⸗ furt a. M. zur Ratifikation vorgelegt wurde, da trat die Versammlung am 4. September dem Antrage Dahlmanns auf Verwerfung des Vertrages bei. Das gesamte Reichsmini⸗ sterium legte daraufhin sein Amt nieder, und Dahlmann wurde von dem Reichsverweser, dem Erzherzog Johann, mit der Bildung eines neuen Ministeriums betraut, doch ge⸗ lang ihm das nicht, und das alte Mini⸗ sterium trat wieder ein, die schleswig⸗hol⸗ steinische Frage wurde nochmals aufgenom⸗ men und am 16. September der Waffenstill⸗ standsvertrag angenommen. Wie fast überall in Deutschland entstand hierdurch„auch in Gießen eine ungewöhn⸗ liche Aufregung der Gemüter“. Diese stei⸗ gerte sich noch, als am Morgen des acht⸗ zehnten die Beschlüsse der am Tage vorher auf der Pfingstweide bei Frankfurt a. M. abgehaltenen Volksversammlung bekannt wurden. Der Bezirksausschuß der demo⸗ kratischen Vereine Oberhessens beschloß so⸗ fort, in dem Philosophenwald, wo sich an jenem Tage ohnehin durch ein abgehaltenes Volksfest eine größere Menge zusammen⸗ gefunden hatte, eine Volksversammlung zu berufen und ihr jene Frankfurter Beschlüsse zur Genehmigung vorzulegen. Die Gießener Volksversammlung wurde abends gegen 5 Uhr eröffnet. Zunächst betrat der bekannte August Becker, Redakteur des demokratischen„Wehr dich“, die Red⸗ nerbühne, übernahm den Vorsitz der Ver⸗ sammlung, teilte ihr die Beschlüsse der Frankfurter Volksversammlung mit und empfahl sie zur gleichmäßigen Annahme. Diese erfolgte dann auch sofort. Nach Becker sprach zunächst der Assistent am chemischen Laboratorium Friedrich Fer⸗ dinand Wilhelm Bopp(geb. zu Darmstadt am 19. Januar 1825, immatr. S. S. 1844), ein Sohn des Darmstädter Hofgerichtsadvo⸗ katen Philipp Bopp. Es sei, so führte er aus, jetzt nicht mehr Zeit zum Reden, sondern zum Handeln. Er wolle daher nur wenige Worte sagen. Ec fordere die Versammlung auf, sich zu bewaffnen und noch denselben Abend mit nach Frankfurt zu ziehen, um den Beschlüssen der Minorität der National⸗ versammlung mit Gewalt der Waffen Gel⸗ tung zu verschaffen. Die nähere Besprechung über Ausführung dieses Zuges solle sogleich im Gasthaus zum Prinzen Carl stattfinden. Nach Bopp forderte der Student der Rechte Heinrich Dernburg(geb. zu Mainz am 3. März 1829, immatrikuliert S. S. 1847), der nachmalige berühmte Pan⸗ deltist, zu einem alsbaldigen bewaffneten Zuge nach Frankfurt auf, er selbst werde noch den nämlichen Abend nach Frankfurt gehen. Zugleich wandte er sich an einige in der versammelten Volksmenge stehende Sol⸗ daten und verwarnte sie— nach der einen Lesart—, sich zu solchen Metzeleien, wie sie in Mainz vorgekommen, herzugeben; nach der anderen Lesart sprach er die Er⸗ wartung aus, daß die Soldaten nicht auf das Volk schießen würden. e 3 i Auf ihn folgte als Redner der Studiosus der Kameralwissenschaft Theodor Leißner aus Schönhaide(Sachsen)(immatrikuliert S. S. 1846), der mit plumpen Aufforde⸗ rungen gegen die Fürsten die Aufforderung verband, die vierunddreißig Fürsten Deutsch⸗ lands bei der dermaligen passenden Ge⸗ legenheit fortzujagen. Unterdessen waren gegen sechs Uhr münd⸗ liche Nachrichten über den Ausbruch des Frankfurter Aufstandes nach Gießen gelangt, die allerdings nur sehr unbestimmter und unwichtiger Natur waren, da dieser Auf⸗ stand erst gegen zwei Uhr eigentlich aus⸗ gebrochen war. Becker teilte die empfangenen Nachrichten der Volksmenge mit und er⸗ klärte, man müsse sich mit Waffen versehen und sich für alle Fälle bereit halten, andere Redner schürten das Feuer, und die Ver⸗ sammlung trennte sich unter dem lauten Ruf„nach Frankfurt, nach Frankfurt!“. Gleich darauf fand die Versammlung im Gasthaus zum Prinzen Carl statt. Bo pp und Dernburg wiederholten ihre Auf⸗ forderungen zum alsbaldigen bewaffneten Zug nach Frankfurt, während Becker und andere sich lebhaft dagegen erklärten und die Erwählung einer Abordnung durch⸗ setzten, die sich wirklich noch an demselben Abend nach Frankfurt begab, um an Ort und Stelle genauere Nachrichten über den Stand der Dinge in Frankfurt einzuholen. Gleichwohl machte sich Bo pp, mit einem Degen bewaffnet, in Begleitung von etwa zwanzig, größtenteils den untersten Ständen angehörigen Personen, die wohl keine klare Vorstellung von dem Zweck des Unter⸗ nehmens hatten, noch an demselben Abend zu Fuß auf den Weg nach Frankfurt. Dieser Zug setzte seinen Weg teils zu Fuß, teils auf einem Leiterwagen bis Kloppenheim fort. Als dort die Teilnehmer davon Kennt⸗ nis erhielten, daß der Aufstand in Frank⸗ furt gänzlich unterdrückt sei, kehrten sie größtenteils vereinzelt nach Hause zurück. An diesem bewaffneten Zug nahm Dern⸗ burg nicht teil, sondern fuhr vielmehr an demselben Abend in Begleitung des Stu⸗ denten der Rechte Moritz Bardeleben aus Frankfurt(immatr. S. S. 1847) mit der Post dorthin und kehrte andern Tages nach Gießen zurück. Infolge jener Vorgänge wurde gegen Bopp, Dernburg und Leißner eine Straf⸗ untersuchung wegen hochverräterischer Unter⸗ nehmungen eröffnet. Heinrich Dernburg war, als seine Fest⸗ nahme erfolgen sollte, zufällig abwesend auf Besuch. Sein Vater, Dr. Jakob Dern⸗ burg(1795-1878), der von 1845 bis 1849 Professor in Gießen gewesen und dann Generaladvokat in Darmstadt geworden war, ließ ihn daraufhin eiligst von dort 2 65 1 und überlieferte ihn freiwillig der Hand der Justiz. Er erlitt nur eine zehnwöchige Unter⸗ suchungshaft und bestand schon im fünften Semester(am 9. August 1849) die Prüfung bei der Gießener Juristenfakultät mit 1 auf 2. Dann begab er sich zur Fortsetzung seines Studiums nach Berlin. (Schluß folgt.) Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 15. Januar. 2. n. Epiphania. Kollekte für die evangelischen Gemeinden in Oesterreich. In der Stadtkirche. Vormittags 9¼ Uhr: Pfarrassistent Becker.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarr⸗ assistent Becker.— Abends 5 Uhr: Pfarrer Mahr.— Montag, den 16. Jan., abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib⸗ lichen Jugend der Markusgemeinde.— Dienstag, den 17. Jan., nachm. 4 Uhr: Frauenmissionsverein.— Donnerstag, den 19. Jan., abends 8 Uhr: Zusammenkunft des Frauenvereins der Markusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr (zugleich Militärgottesdienst): Pfarrer Aus⸗ feld.— Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Abends 5 Uhr: Pfarrassistent Müller.— Abends 7¼ Uhr: Vereinigung der konfir⸗ mierten männlichen Jugend der Johannes⸗ gemeinde.— Montag, den 16. Jan., abends 7½ Uhr: Jugendvereinigung der Lukas⸗ gemeinde(weibliche Abteilung).— Freitag, den 20. Jan., abends 5½ Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Johannes⸗ gemeinde. * Evang. Arbeiterverein. Sonntag, den 15. Jan., abends 8¼ Uhr, im Vereinslokal: 2. Teil des Vortrages des Herrn Prof. Koob. * Wartburg verein. Sonntag, den 15. Jan., abends 8 Uhr, im Markussaal: Familienabend. Musikali⸗ sche Darbietungen. Eintritt frei. Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer Druck und Berlag der Brühbschen Unsperfifäts-Buch⸗ und Steindruche te R. Lange, Gießen