5 onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen . 20 Gießen, Cantate, den IJ. Mai 1922 II. Jahrg. Die schlichte Treue. Evang. Luk. 16, 10. Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu. Auf der Hauptstraße einer großen Stadt herrscht am Abend ein lebhaftes Treiben. Hin und her gehen die Menschen, einige eilen rasch vorbei, offenbar haben sie noch dringende Geschäfte zu erledigen, die meisten aber schlendern dahin, daß man es ihnen anmerkt, wie sie sich ihrer Feierabendruhe freuen. Es ist viel Jugend auf der Straße, gruppenweise stehen Jünglinge und Jung⸗ frauen beisammen, sie sind heiter und guter Dinge und haben keine Sorgen. Alte und junge Männer schreiten selbstbewußt und würdevoll einher, man sieht es ihnen an, daß sie etwas gelten wollen und Wert darauf legen, von anderen beachtet zu werden. Stolze Frauen stehen vor den Schaufenstern und überlegen, was sie von dem reichen Ge⸗ winne, der jetzt ihren Ehemännern zufließt, kaufen sollen. Spielende Kinder werfen sich den Ball zu oder hüpfen über die Figuren, die sie mit Kreide auf den Bürgersteig auf⸗ gezeichnet haben. Durch diese lebhaft be⸗ wegte Menge schreitet eine Diakonisse. Sie sieht sich nicht um, sie beeilt ihre Schritte, gewiß hat sie noch wichtige Berufspflichten zu erfüllen. Vielleicht wartet ein Fieber⸗ kranker auf sie, daß sie seine Körpertempe⸗ ratur feststelle, oder sie soll einem Kinde einen neuen Verband anlegen oder einer alten, armen Frau eine Gabe bringen. Man sieht, daß für diese Schwester das Leben kein Spiel ist. Sie kommt vor lauter Mühe um die anderen gar nicht dazu, an sich zu denken. Andere Frauen in ihrem Alter denken jetzt an die neuesten Frühjahrsmoden, die Schwester trägt das schlichte Gewand, das schon vor 80 Jahren die ersten Kaisers⸗ werther Diakonissen getragen haben. Die Welt rings um sie her sinnt auf Vergnügen und Zerstreuung, die Schwester bringt ihre Nächte an Krankenbetten zu und freut sich, wenn beim Uebergang der Nacht zum Tages⸗ lichte der Kranke ruhiger wird und in einen sanften Schlaf fällt. Wenn jemand sich an der Theateraufführung eines Vereins be⸗ teiligt, so wird sein Name am anderen Tage mit Rühmen erwähnt, niemand spricht und schreibt darüber, wenn eine Schwester Woche für Woche Menschen verbindet, die von einem schweren Krebsleiden heimgesucht sind, und wenn sie von früh bis spät sich den Grippekranken widmet. In der Zeit, in der der Achtstundentag für alle Betriebe durch⸗ geführt ist, arbeitet sie 12 und 14 Stunden, manchmal bringt sie eine ganze Woche mit Nachtwachen zu, auch am Sonntag ist sie nicht beschäftigungslos. Die, denen die Schwester dient, verlangen Erhöhung des Stundenlohns und Gehaltes, sie selbst ar⸗ beitet„um Gottes willen“, ohne Lohn, sie arbeitet, um die Liebe zu vergelten, die der Heiland ihr erwiesen hat. Was an ihr in die Erscheinung tritt, das ist die schlichte Treue, die Treue, die vor der Welt nicht glänzen will, die Treue, die in sich selbst Befriedigung findet. Unser Zeit⸗ alter ist krank und verderbt, der Egoismus macht sich breit und drückt alles Leben nieder, darum geht es uns auch so schlecht, darum sind wir so unglücklich. Es kann nur anders werden, wenn die Menschen wieder das Gute tun um seiner selbst willen. Die Welt vergeht mit ihrer Lust, wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in e Ein vergessener oberhessischer Erzähler. Ein Gedenkblatt zum 100. Geburtstage Wilhelm Jägers. Von Dr. jur. et phil. Karl Esselborn. Die Familie, der Wilhelm Jäger ent⸗ stammt, ist zuerst zu Grebenau nachweisbar. Ein gewisser im Jahre 1601 geborener Hans Jäger wird am 1. Januar 1627 von dem Landgrafen Georg II. zum Förster daselbst ernannt. Zugleich ist er Schultheiß des be⸗ nachbarten Waltersdorf. Nach dem Kirchen⸗ buch zu Grebenau starb er 1665; da Walters⸗ dorf Filiale von Grebenau ist, so geht daraus nicht 7 in welchem der beiden Orte er sein en beschloß. Sein Sohn, Johann Hermann(1649—1724), dessen Beruf un⸗ bekannt ist, scheint in Grebenau gelebt zu haben. Dann ist die Familie in drei Gene⸗ rationen in Schlitz ansässig: Johann Ludwig Jäger(1679—1751) ist daselbst Stadt⸗ musikant, Georg Heinrich Jäger(1717 bis 1793) Stadtschreiber und Organist und der am 24. April 1785 geborene Johannes (Hans) Jäger Distriktseinnehmer, im Neben⸗ amt Postverwalter und Organist und ver⸗ heiratet mit Luise Eckhardt(geb. am 7. April 1799 zu Watzenborn, gest. am 31. August 1879 zu Jugenheim in Rheinhessen), der Tochter des Pfarrers Andreas Eckhard(gest. 1832). Beide sind die Eltern Wilhelm Jägers. ( * 1 1 1 J 1 19 9 5 8 Konrad Andrecke Wilhelm Jäger erblickte am 10. Januar 1822 in Schlitz das Licht der Welt! Seinen ersten Unterricht empfing er in der Schlitzer Stadtschule, dann erbot sich der damalige Stadtpfarrer Ludwig Ehristian Dieffenbach, ihn und seine Schwester Agathe(geb. am 15. September 1825), die nachmalige Gemahlin von Ernst Lucius in Jugenheim in Rheinhessen, mit seinen drei eigenen Kindern— zwei Söhnen und einer Tochter— zu unterrichten. Auch Dieffenbachs Schwiegervater, der Kirchenrat Johann Ferdinand Schlez, der bekannte Pädagoge, beteiligte sich an dem Unterrichte der Kinder, und der Gedanke, Schüler eines so ausgezeichneten Mannes gewesen zu sein, gehörte zu Jägers schönsten Jugenderinne⸗ rungen. i 11. Musikalische Begabung, ein Erbteil der Familie, die sogar mehrere Berufsmusiker unter ihren Angehörigen zählte, hatte Wil⸗ helm geerbt. Sein Vater, der selbst, be⸗ sonders im Schloß des sehr musikliebenden Grafen Görtz, mit großem Eifer Kammer⸗ musik trieb, und sich auch im Komponieren versucht hat, ließ sich die musikalische Aus⸗ bildung des Sohnes angelegen sein. Dieser lernte mehrere Instrumente spielen, darunter Geige und Klavier, mit mehr als bloß dilettantischer Fertigkeit, und wurde auch in der Musiktheorie unterwiesen. Die künst⸗ lerische Begabung des Knaben beschränkte sich aber nicht auf die Musik; auch für das Zeichnen besaß er nicht unbedeutende, An⸗ lagen, die sein Vater dadurch ausbildete, daß er ihm durch einen Hersfelder Zeichen- 12 5 Zeichen⸗ und Malunterricht erteilen ieß. Auch Jägers jüngerer, 1833 geborener Bruder Friedrich zeigte künstlerische An⸗ lagen auf dem Gebiete der Musik und bilden⸗ den Kunst. Nach dem Willen der Eltern widmete er sich dem Apothekerberuf, ward Provisor in der Merckschen Apotheke in Darmstadt und machte daneben bei den Malern August Lucas und Paul Weber Malstudien. Im Jahre 1865 widmete er sich ganz der Malerei und siedelte nach München über, wo er zunächst die Akademie der bil⸗ den den Künste besuchte und sich dann als Tier⸗ maler niederließ, der sich über die Grenzen Deutschlands hinaus großen Ansehens er⸗ 1 Er starb in München im September Im Herbst 1837 bezog Wilhelm Jäger das Gießener Gymnasium zusammen mit den beiden Söhnen des Pfarrers Dieffen⸗ bach. Der ältere, Ferdinand Dieffen⸗ bach(18211861), war sein bester Jugend⸗ freund, dessen in Gent hergestelltes Bildnis noch bis zuletzt in seinem Zimmer hing. Dem jüngeren, Christian Dieffen⸗ bach(1822—1901), dem bekannten Kinder⸗ liederdichter, stand er weniger nahe. Zu diesem Freundeskreise gehörte auch Georg Engelbach(1823-1885), ein Sohn des Pfarrers Wilhelm Engelbach zu Brauer⸗ schwend und später selbst Pfarrer und sich auf dem Gebiete der Dichtkunst versuchend. Zu Beginn und am Ende der Ferien, auch in den Stürmen und im Schneegestöber der Weihnachtszeit, machten die vier Freunde den Weg von Gießen in die Heimat und dann wieder dorthin zurück in zweitägiger Wanderung. 4 Unter seinen Lehrern auf dem Gymnasium empfing er von dem Direktor Joseph Hillebrand, der zugleich den philo⸗ sophischen Lehrstuhl an der Universität inne hatte, den tiefsten Eindruck. Am wenigsten vielleicht befriedigte und förderte ihn der Religionsunterricht, den er auf dem Gym⸗ nasium empfing. Er bestand nach seiner eigenen Schilderung(Allg. Anz. 1846 Sp. 2334) darin, daß„der Lehrer gegen alle möglichen Laster eiferte, die er den Kin⸗ dern andichtete, über die verderbliche Rich⸗ tung des jetzigen Zeitalters räsonierte und am Ende froh war, wenn er die Stunde, d. h. 45 Minuten, auf diese Weise und etwa noch durch ein improvisiertes und nichtssagendes Gebet ausgefüllt hatte“. Ostern 1840 verließ er das Gymnasium nach gut bestandener Reifeprüfung. Er bezog nun die Universität Gießen. Am 12. Mai 1840 wurde er als Student der Kameralwissenschaften eingeschrieben. Justus Liebigs Vorlesungen, die zu den für das Kameralfach vorgeschriebenen ge⸗ hörten, begeisterten ihn so, daß er gern zum Studium der Chemie übergegangen wäre, wenn sich die Familie zur Billigung eines so kühnen Entschlusses hätte emporringen kön⸗ nen. Aber Chemie, das erschien damals als etwas zu Neues und Unsicheres, um die Lebensexistenz darauf zu gründen. So blieb Jäger bei dem einmal ergriffenen Fache und bestand im Herbst 1843 die kamera⸗ listische Fakultätsprüfung, bei der er am besten bei Liebig abschnitt. Am 27. Dezember 1843 wurde er zum Akzeß bei dem Sekretariate der Oberfinanz⸗ kammer 1. Sektion in Darmstadt zugelassen, am 18. Januar 1844 erfolgte sein Dienst⸗ antritt. Bis zum 10. Februar 1845 hatte er diese Stelle inne, dann kam er auf das Bureau des Steuerkommissärs Friedrich Georg Venator in Schlitz. Daneben arbeitete er auch in den Geschäften seines Vaters, um sich mit dem indirekten Steuerwesen be⸗ kannt zu machen. Bei Venator blieb er auch zunächst, nachdem er im Frühjahr 1846 die allgemeine Prüfung im Finanzfach mit gut bestanden hatte. Im August 1847 setzte er seinen Akzeß bei dem Steuerrat Ludwig Friedrich Hoffmann in Gießen fort, bis er am 4. November 1847 Gehilfe bei der Steuerkontrolle in Darmstadt wurde. Hier zogen ihn die Künste und Wissenschaften an und boten ihm ein Gegengewicht gegen die trockene Amtstätigkeit, die ihn wenig be⸗ friedigte. Theater, Konzerte, das Museum 0 0— 79— und vor allem die Hofbibliothek ermöglich⸗ ten ihm ein höheres geistiges Leben. Der Politik dagegen stand er kühl gegenüber. Bewegten auch ihn die freiheitlichen Ge⸗ danken des Jahres 1848, war ihm auch, namentlich in veligiösen Dingen, eine recht freie Denkungsart eigen, so schloß er sich doch nicht, wie mehrere seiner Bekannten, der äußersten Linken, den Ultraliberalen an, sondern beteiligte sich sogar an einer Gegenaktion gegen diese in Frankfurt. Inzwischen erkrankte sein Vater ernstlich. Es war zu vermuten, daß er, wenigstens auf einige Zeit, seinem Dienste nicht mehr würde vorstehen können.“ Um ihn, der„sich nur ungern von seinen Berufsgeschäften völlig getrennt haben würde“, unterstützen zu können, suchte Wilhelm um seine Ent⸗ lassung von der Stelle eines Gehilfen bei der Steuerkontrolle nach unter der Vor⸗ gabe, seine eigene Gesundheit in Schlitz wiederherstellen zu wollen. Am 5. Sep⸗ tember 1850 wurde seinem Wunsche will⸗ fahrt. Als sich der Zustand seines Vaters f. aber nicht besserte, bat er bald darauf, daß er seinem Vater aushilfsweise beigeordnet würde. Auch diese Bitte wurde ihm am 26. September gewährt. Schon am 15. De⸗ zember 1850 starb sein Vater.(schluß folgt.) Ein Straßenbild Kameruns. Von Missionar Heinrich Walt her-Beuern. (Fortsetzung statt Schluß.) Die Blätter, die mit einer dicken Haut über⸗ zogen sind, sind herzförmig und haben einen starken Geruch. Die Blüten gleichen einer Apfelblüte, und zur Hauptblütezeit ist der ganze Baum mit einer solchen Menge Blüten versehen, daß man meint, er sei mit Schnee bedeckt. Die Früchte gleichen einem mittel⸗ großen Apfel und haben eine grüne Farbe, werden aber in ganz reifem Zustande gelb. Das ganze Jahr findet man Früchte an diesem Baum, und so lernt man diese Früchte, die sich anders nicht genießen lassen, sehr schätzen. 5 5 Nach dem Essen machen wir noch einmal eine kleine Wanderung in das Dorf, um das Leben auch abends kennen zu lernen. Der Mond scheint ziemlich hell, und so können wir alles genau sehen. Vor den Hütten sitzen die Neger und unterhalten sich. Andere essen noch zu Nacht. Wir begrüßen sie: „Lo jai bwama? Seid ihr wohl?“„E Sango, ja mein Herr“, so tönt es uns ent⸗ gegen. Wir bleiben bei ihnen und unter⸗ halten uns ein wenig mit ihnen. Wieder andere haben schon ihre Matten vor die Hütten gelegt und liegen schon darauf, sie wollen die Nacht unter freiem Himmel zubringen. Es geht ja auch; denn es ist ja ziemlich warm. Da sehen wir noch eine Mutter. Um sie herum sitzen eine ganze Menge Kinder. Sie hängen an der Mutter Mund, und gespannt hören sie zu. Die Mutter erzählt, und wir hören zu. Sie er⸗ zählt gerade das schöne Märchen von der Spinne und dem Tausendfuß. Beide waren sehr gute Freunde. Eines Tages treffen sie sich wieder einmal, und nachdem sie sich begrüßt haben, sagt der Tausendfuß zur Spinne: Du, ich will dir einmal etwas erzählen. Die Spinne sagt: Beginne! Da sagt der Tausendfuß: Ich glaube, die Menschen sind taub, denn wenn ich nicht den Menschen bis an den Leib steige, so merkt er es gar nicht, daß ich da bin. Gehe ich auf dem Erdboden, so höre ich selbst meine Füße stampfen, denn ihr Stampfen macht ein solches Geräusch, wie das eines fahren⸗ den Dampfers. Und dessen Geräusch muß man doch hören. Aber trotzdem hören es die Menschen nicht. Also sage ich: Die Men⸗ schen sind taub! Nun fing die Spinne an zu erzählen und sagte: Und ich sage, die Menschen sind blind. Wenn ich mir ein Haus gebaut habe, so kommen diese Blinden heran und zerstören es mir. Das Gespinst umgibt ie, und noch nicht einmal sagen sie: Das Gespinst der Spinne umgibt meinen Leib. Sie zerreißen den Bau mit ihren Händen und zerstören ihn ganz. Ich flüchte mich dann in das Gras und baue mir später wieder ein anderes Haus. Aber ich bleibe bei meiner Behauptung: Die Menschen sind blind! Da sagte der Tausendfuß weiter: Und ich behaupte auch noch: Die Menschen sind dumm, denn sie lieben den Leib nicht, den ihnen Gott gegeben hat am Tage ihrer Ge— burt. Zuerst gehen sie nackt, werden aber die Kinder größer, so nehmen sie ein Stück Zeug und binden es um die Hüfte. Ja andere nehmen auch noch ein größeres Tuch, das den Bauch und auch noch den unteren Teil der Brust bedeckt.(Bis zum fünften Jahre laufen ja die Kinder nackend.) Außerdem be⸗ decken sie auch noch den Kopf, und so kann keine Sonne noch Regen darauf kommen. Alles ist aber gut, was Gott gegeben hat. Und regnet es, dann haben sie noch so ein merkwürdiges Ding, das nach oben zeigt, damit sie nicht naß werden(Regenschirm). Also glaube ich recht zu haben, wenn ich sage, die Menschen sind auch noch dumm, wollen sie es doch nicht so haben, wie es Gott bestimmt hat. Wären sie nicht dumm, so würden sie Regen und Sonnenschein auf ihren Körper kommen lassen wie wir und würden ihn nicht verhüllen.(Der Tausend⸗ fuß ist ein wurmähnliches, fingerlanges, schwarzes Tierchen und hat sehr viele Füße. Sicherlich sind es über hundert. Deshalb Tausendfuß genannt.) Und nun erzählt sie auch noch das Märchen vom Habicht und dem Huhn, das ja eines der schönsten Kame⸗ runmärchen ist. Die Tiermärchen sind ja was Schönes, und es ist auch ein Beweis dafür, daß die Schwarzen denken. Hier dieses Märchen beweist, daß die Schwarzen sich ihre Gedanken darüber gemacht haben, warum die Feindschaft zwischen dem Habicht N und dem Huhn so groß ist. Eines Tages war das Kind des Habichts sehr krank. Der Habicht rief nun alle klugen Leute zusam⸗ men und bat sie, doch seinen Sohn gesund zu machen. Aber keiner war imstande die Krankheit zu heilen. Das betrübte den Ha⸗ bicht sehr. Doch eines Tages kam ein Mann zu ihm und sprach: Du, ich habe dir eine gute Meldung. Ich weiß jemand, der schwere Krankheiten heilen kann. Aber du mußt mir's gut. Das will ich schon, aber wenn mein Kind doch stirbt, was dann? Da sagte der Mann: Dann gebe ich dir das Geld wieder zurück. Nun bezahlte der Ha⸗ bicht diesen Mann sehr gut. Da ging dieser Mann zur Spinne und sagte zu ihr; Du mußt hingehen und das Kind des Habichts heilen, denn es ist schwer krank. Gehe du. hin, gib ihm Medizin, daß es wieder gesund wird. Aber die Spinne sagte: Wenn du mich hinträgst, dann gehe ich hin, andernfalls nicht, denn wenn mich auf dem Wege das Huhn sieht, dann wird es mich fressen. Der Mann wollte nicht, sondern wollte die Spinne dazu bewegen. Und er frug die Spinne: Was für eine Feindschaft besteht denn zwischen dir und dem Huhn? Ach, weißt du das nicht, daß das Huhn bekannt emacht, alle Käfer aufzufressen. Und die ameruner zählen die Spinnen auch zu den Käfern. Der Mann glaubte aber der Spinne nicht, da er dachte, sie sei zu faul zum Gehen.(Schluß folgt.) Ein neues Buch von helma Esselborn. Unsere Leser erinnern sich dankbar der chönen Sammlung von Erzählungen, die Helma Esselborn unter dem Titel„Urgroß⸗ tantens Raritätenschrank“ im Jahrgange 1920 des„Sonntagsgrußes“ veröffentlicht hat. Geschichten aus alter Zeit, so könnte man diese gemütvollen, interessanten Er⸗ zählungen auch nennen, die mittlerweile in Buchform erschienen sind und eine große Verbreitung gefunden haben. Nun hat die Verfasserin ein neues Buch herausgegeben, das für die Kinderwelt bestimmt ist; es ist betitelt„Wie Hannepeterle ein Mann wurde“ und ist im Verlage von Hegel und Schade in Leipzig erschienen. Von einem kleinen Knaben wird da erzählt, der von seiner Großmutter erzogen wird und fern von der Welt ein einförmiges Leben ver⸗ bringt. Da kommt zu ihm„ein winzig Männchen im grauen Jäckchen“„Rot⸗ zipfelchen“ genannt, das den Knaben im Traum in die bunte, weite Welt einführt. Hannepeterle tritt ein in das Försterhaus, erlebt im Walde Advents- und Weihnachts⸗ freude, macht mit seinem kleinen Begleiter eine Schlittenfahrt, sieht die Soldaten zur Parade aufmaxschieren, besucht den Zirkus, schwimmt im Teich und lernt die Tierwelt Erzählung, es erinnert an die Kunst des Dänen Andersen, muß aber als eine durch⸗ aus selbständige Schöpfung angesehen wer⸗ den. Helma Esselborn ist eine geborene Er⸗ zählerin, sie vermeidet jedwede Reflexion, hält sich nicht mit unnötigen Schilderungen auf und trifft allemale den kindlichen Ton. Unzweifelhaft wird ihr Buch den Kindern Freude machen, es kann deshalb als Ge⸗ burtstags⸗ und Weihnachtsgeschenk an⸗ gelegentlich empfohlen werden. Der Verlag hat sich rechte Mühe gegeben, das Buch schön auszustatten, Buchschmuck und Abbildungen rühren von Johannes Adolf her, der Preis stellt sich auf 16 Mark. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 14. Mai. Kantate. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfir⸗ mierten aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becker.— Vormittags 9¼ Uhr: Pfarrer Mahr.— Vormittag 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. — Montag, den 15. Mai, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde.— Montag, den 15. Mai, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde.— Donnerstag, den 18. Mai, abends 8 Uhr: Zusammenkunft des Frauenvereins der Markusgemeinde. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Ehristenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarr⸗ assistent Müller.— Vormittags 9/ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer. b Evang. Arbeiterverein. Sonntag, den 14. Mai: Nachmittags⸗ wanderung durch den Wald mit dem Endziel Hausen. Führer Herr Weller. Abmarsch 3½ Uhr Ecke Licher Straße⸗Schiffen berg. Weg. Wartburg⸗ Verein. Sonntag, den 14. Mai: Familienausflug nach Annerod. Abmarsch 2¼ Uhr Trieb (Schützenhaus). Bei ungünstiger Witterung (Regen) finden sämtliche Darbietungen und Aufführungen abends 8 Uhr im Markus⸗ saal statt. Donnerstag, den 18. Mai: Erzählungen und Musik. Freitag, den 19. Mai: Bibl. Diskussionsabend. Sams⸗ tag, den 20. Mai, abends: Zusammenkunft der älteren Abteilung. Spaziergang.— Mädchenabteilung: Mittwoch, den 17. Mai: Vortrag von Pfarrer Schorlemmer, Lich. Sonntag, den 21. Mai, abends 8 Uhr: Jugendwerbetag und zugleich letzter Fa⸗ milienabend dieses Halbjahres. Eintritts⸗ karten für Mitglieder und deren Angehörige im Heim, bei Frl. Weller und L. Schott. Für Nichtmitglieder im Musikhaus Busch, kennen. Das Buch ist halb Märchen, halb Kirchenplatz. An der Abendkasse erhöhte Preise. Berantwortsich; Pfarrer Bechtols heimer. Druck und erlag der Brühlschen Untversttäts⸗ Buch ⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen. 4