l. r * 2 r, Er e r hr 15⸗ sa⸗ bei 5 o· er 1 onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Mir l Gießen, Jubilate, den 7. Mai 1922 II. Jahrg. Der Mampf gegen die Welt. 1. Joh. 2, 15. Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. So jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. 5 Der Feind(der Christen) ist die zu allem bösen reitzende Welt, die ligt nun gantz im argen und wird regiret von dem argen, i das ist vom Teuffel. In derselben gehet es * 1 nach dem geschrieben stehet: Die bösen Exempel verführen und verderben das gute, unnd die veitzende Lust verkehrt unschuldige Hertzen. Da werden offtmals mit Sünden verstricket, welche wohl ihr lebenlang so schwer zu sündigen nie keinen vorsatz ge⸗ habt haben, dann wie man bey den frommen from ist, also ist man verkehrt bey den ver⸗ kehrten, wie David sagt im 18. Psalm. Bey den stolzen Weltkindern lernet man Hoffart unnd stoltz, bey den Gotteslästerern und Flüchern lernet man Fluchen und so fort mit gleichmäßigen Sünden, dann wie Chry⸗ sostomus wol geschrieben hat: Wie es schwer ist, einen Baum der an der straßen stehet zu bewahren, daß er alle Früchte zur weiffigkeit bringe, so ist es auch schwer, die Seele und das Gewissen unbefleckt behalten, welche sich der Welt anhängig gemacht haben. Dann ob wohl der Apostel Paulus eyfrig vermahnet: Stellet euch nicht dieser Welt gleich, so prädominieret doch die Weisheit der Welt, beschrieben im Buch der Weis⸗ heit: Wolher, nun laßt uns wohl leben, weils da ist, und unseres Leibs brauchen, weil er jung ist, wir wollen uns mit dem besten Wein und Salben füllen, last uns die Meyenblumen nicht verseumen, last uns Kräntze tragen von jungen Rosen, ehe sie welck werden. Unser keiner laß ihm fehlen mit prangen, das man allenthalben spüren möge, wo wir fröhlich gewesen sind, wir haben doch nichts mehr darvon dann das. Ungeachtet nun sie solches anschlagen und fehlen, dann ihre Boßheit verblendet sie, daß sie Gottes heimliche Gerichte nicht er⸗ kennen, so folgen ihnen doch die gerechten Gerichte Gottes mit ewiger traurigkeit nach. Wo hat dieser Welt Feind hingeführet die erste Welt? In die Leib und Seel verderb⸗ liche Sündfluth. Wohin die schändliche Leut zu Sodoma? In den Schwefel und Fewer Regen deß Zorns Gottes, anderer Exempel jetzo zu geschweigen. Ist also wahr, was Chrysostomus geschrieben: Ein elender zu⸗ stand ist es umb die Welt, viel erbärmlicher — sind die so der Welt folgen, Wie können wir aber diesem Feind widerstehen, daß wir von ihm nicht überwunden werden? Folgen sollen wir dem getrewen raht des Apostels Johannes in seiner Epistel im andern Ca⸗ pitel: Liebe Kindlein, habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist, so jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe das Vaters. Durch den Glauben müssen wir aller Welt Laster überwinden, damit unsere Herzen dadurch nicht berücket werden, so ist der Glaub schon der Sieg, der die Welt überwunden hat. Sehr schön hat Am⸗ brosius geschrieben: Wer begehret, selig zu werden, der muß sich über die Welt schwin⸗ gen, wann der Leib in der Welt ist, sollen die gedancken, Hertz unnd Seel in dem Himmel seyn. Inmittelst müssen wir von Herzen beten: 5 Ich lig im streit unnd widerstreb, Hilff o Herr Christ, mir schwachen, An deiner Gnad allein ich kleb, Du kannst mich starcker machen. Ludwig Seltzer, Pfarrer zu Gießen, gestorben 1642. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 36. Gießener Zustände in der ersten Hälfte des 18. Jahr⸗ hunderts. (Schluß.) „Der Spengler Münding wurde seines ärgerlichen Lebens und sündlichen Betra⸗ gens gegen sein Eheweib wegen nachdrück⸗ lich erinnert.“ „Auf unsern Buß⸗, Fast⸗ und Bettag ersten Osterfeyertag hat des sogenannten Juden tauben Itzigs Sohn sich bestialisch betruncken und auf der Straße gelermet und geschrien.— Auch geschiehet die Anzeige, daß die hiesige Juden auf unsere Sonntage ihren Handel treiben und mit Päcken in die Häuser gehen, ingleich richten es die Juden mit Fleis darauf ein, daß ihre Schule zu⸗ gleich mit unserem sonntäglichen Gottes⸗ dienst zu Ende gehet, dahero dann eine Menge von 50, 60 Juden unter den Kirch⸗ leuten vermenget nach Hause gehen.“ „Erschien Meister Henckel, Schuhmacher allhier, welcher eine sehr uneinige Ehe mit seiner Frau führen soll, hatte zwei Messer⸗ stiche, einen an der Hand, den andern am Hals, welche ihm seine Frau zugefüget hätte mit beygefügten Worten: Hund, jetzt „ sollst du die schwere Noth kriegen. Er habe sie darauf wacker abgeprügelt. Die Schwieger⸗ mutter seye meist schuld daran, er wolle jedoch seine Frau es nicht entgelten lassen, ob sie wohl schon vorher ihm über eine nichtige Ursach den Brey ins Gesicht ge⸗ worfen. Bate jedoch, den Schwiegervater und die Schwiegermutter dahin anzuweisen, daß seine Tochter durch jene nicht verhals⸗ starrigt werden möge, wie bisher geschehen. Ihm wurde nachdrücklich Vorstellung gethan und sollen seine Frau und Schwiegereltern auch vorgenommen werden.“ „In dem Löberischen Haus in der Capel⸗ lansgasse soll sogar auf die Sonntage unter der Predigt eine schändliche Sauf⸗ und Spielgesellschaft seyn.“ „Zeigte der Opferman an, wie der Armen⸗ voigt Caspar N. ohnlängst einen Juden wegen Gassenexcesse geschlagen, im Moment wären zwey Juden Nahmens Hayum, der Juden⸗Vorsänger, und Feibelmanns Sohn in seiner und des Praeceptoris Wagner Gegenwart zu Trutz um die Kirche herum und in deren Thür getreten. Sollen von Herrn Rath Freund vorgefordert und des⸗ falls nach Befinden gestraffet werden.“ „Die Häfnerin Hartin auf dem Sältzer⸗ weg ist angezeiget worden, daß sie ihren. Brennofen auf die Sonntagnächte hitze, an⸗ bey schlimme Gesellschaften hege, auch ihre Tochter bey Nachtzeit herumvagiren lasse. Herr Pfarrer Müller hat sie vorgefordert, und sie negiret(leugnet) alles.“ „Der hiesige Schumacher Trinckaus, der ehedem dem Satan gerufen, hat von neuem im Spiel eine gantze Summe verlohren, nachher dem bösen Feind gerufen, dabey das Kind dem Fenster herausgehalten, mit dem Beysatz: er sey dem Teufel einmal eine Seele schuldig, wolle ihm inmittelst das Kind geben.“ 1748. „Es wurde über die schlechte Aufführung einer„Weibsperson“ aus Alsfeld geklagt, in der nächsten Sitzung wurde niedergeschrie⸗ ben:„Dieses Mensch hat sich hinwegbegeben und ist in Holland gereiset.“ Sie wird sich in Holland kaum besser betragen haben. „Des Säuhirten Frau hat angezeiget, daß ihr Stieffsohn sie hart geschlagen habe.“ Der junge Mensch wurde vorgeladen, es heißt im nächsten Protokoll:„Der Säu⸗ hirtin Stieffsohn ist nicht erschienen, weil er dem Vorgeben nach eben auf der Wache gestanden, die Stieffmutter und ihr Mann haben sich sistirt. Da nun das Weib nach Vorhaltung des unter ihr ergangenen ärger⸗ lichen Wesens mit vielem frechen Gewäsche sich rechtfertigen wollen, ihr böses Leben aber, und daß sie dem Stiefsohn zu seinem Verfahren vielfältige Ursach gäbe, einigen Herrn Senioribus bekandt war, ihr Mann auch ettliche von ihren Brandewein⸗Trink⸗ gläsern mitbrachte und vorzeigte, so ist ihrer vermeynten Rechtfertigung Einhalt geschehen, sie zu Aenderung ihres Lebens ernstlich ermahnet, und, wo solche nicht erfolgte, mit gebührender Ahndung bedrohet worden.“ „So ist auch der Thorschreiber Merckel erschienen. Da er nun wegen des Lerms, den er im Hause mit seiner Frauen gehabt, 1 zur Rede gesetzt worden, hat er sich zwar bescheidentlich entschuldiget und angeführet, daß sie solches mit ihren losen Maul und schändlichen Worten verursachet, worauf er aber, lieber in Güte und auf christliche Att, die zur Besserung diene, als mit Schlägen ihr zu begegnen, erinnert worden.“ 1749. In diesen Jahren wird eine Frau Sack oft von dem Kirchenkonvente getadelt. Von ihr heißt es:„Die Sackin erschien, leugnete das imputatum(das ihr Vorgehaltene) und schob es auf die berüchtigte Simon Adams Liese⸗Käth. Si ewurde ernstlich bestraft und. zur Besserung angewiesen, scheint aber von einem verstockten Gewissen zu seyn.“ Die hier genannte„Simon Adams Liese⸗Käth“ gehörte nicht zu den Zierden der damaligen Gießener Frauenwelt. ö „Von den Senioribus wurde angezeigt, daß, als sie vor einigen Wochen ihren ge⸗ wöhnlichen sonntäglichen Umgang gehalten, der hiesige Chirurgus Junghenn unter der Frühpredigt in des Branntweinbrenner Ferbers Haus gewessen, ohne daß sie seiner gewahr worden. Als sie einige Häuser weit vorbey gewesen, habe er das Fenster ge⸗ öffnet und gerufen: Sehen sie, ihr Herrn! hier habe ich dem Mann einen Zahn aus⸗ gerissen, er kann nicht in die Kirche kom⸗ men. Ueber welche frevelhafte Beschimpfung sie hiermit klagen wolten.“ Junghenn leistete später private Abbitte und zahlte einen Gulden Strafe. „Es haben die Schuhknechte am ver⸗ gangenen Sonntag einen großen Lermen auf der Straßen gehalten und den Lieutnant Löber entsetzlich gescholten, deren Anführer der Schuhknecht Stemler gewesen.“ Da man in dieser Zeit so oft von den Schuhknechten hört, so ist anzunehmen, daß das Schuh⸗ machergewerbe damals in der Stadt Gießen in Blüte stand. Löber war Leutnant bei der Bürgerwehr, 8 „Der Schuhmacher Keil als sogenannter Vater der Herberge vor die Schuhknechte soll in einem Hause allerley Excesse der Schuhknechte auch auf Sonntage unter der Predigt dulden.“ a 5 Ein böser Streit spielte sich damals zwi⸗ schen einer Gießener Bürgerfrau, die Rinn hieß, und ihrer Schwiegertochter ab. Dar⸗ über ist zu lesen:„Die Rinnin nebst ihrer Schwiegertochter erschien, declarirte auf be⸗ schehenen Vorhalt ihres schändlichen Zancks, Fluchens usw. welchermasen ihre Schwieger⸗ tochter sie eine alte Hexe, Mäusmacherin, Schindkaut beständig nenne, sie auch schlage, wie noch letzter Tage geschehen seye. Die * On i 5 igt, ge. en, der ner ner de ee wee eee, ee ee eee au ae ee straffet, Es ist . r*. 2 f 1 8 Schwiegertochter negirte(leugnete) obiges 5 eme klagte aber, daß jene, ihre chwiegermutter, ihr das ihre nehme, und da sie dieses verhindern wollen, ein Messer herausgezogen mit dem Bedrohen, ihr ein Kreutz auf den Backen zu schneiden. Das Entwendete bestehe in einer halben Mest Weitzenmehl, Buchäckernöhl und etlichen Mesten Gerste, welche Rinnin mittelst Durch⸗ brechen der Wand, da Deponentin(die An⸗ zeigende) nicht zu Hause gewesen, geraubet und theils versoffen habe. Auch wünsche Rinnin dem Kind der Deponentin die schwere Noth, und zwar so lange, bis jene solche Krankheit ihm wieder abnehme. IIIa(jene, nämlich die Rinnin, erwiderte darauf): Gott solle ein Zeichen an ihr thun, sie ewiglich nicht zu Gnaden annehmen, sie beide Beine brechen lassen, wann es wahr seye, über welche Contestationes(Beteuerungen) man erstaunen mußte. Beyde Theile wurden nach Beschaffenheit der Sache scharf be⸗ zur Besserung ermahnet und weil die Sache schon vor der 1 Obrigkeit anhängig, derselben das weitere überlassen.“ allerdings erstaunlich, was die „Rinnin“ ihrer Schwiegertochter gegenüber für Worte gebrauchte und wie wenig liebe⸗ poll es unter beiden zuging. An dem, was die„Rinnin“ gesagt hat, kann man die Sünden des zweiten Gebotes, das Fluchen, Schwören, auch das Zaubern kennen lernen; denn die böse Frau hat sich anheischig ge⸗ macht, ihrem Enkelkinde eine Krankheit an⸗ zuhexen. Wenn die Schwiegertochter ihre Schwiegermutter eine„Mäusmacherin“ Rennt, so macht sie ihr auch den Vorwurf, daß sie Hexenkünste treibe und Ungeziefer herbeischaffe. So ist dieses Protokoll ein umerfreuliches aber treffliches Beispiel für den Aberglauben, der in jener Zeit in weiten Kreisen der städtischen und ländlichen Bevöl⸗ kerung herrschte. Am Ende des 18. Jahr⸗ hunderts gingen namentlich die Geistlichen gegen diesen Aberglauben vor und suchten das Volk auf alle mögliche Weise von diesem finsteven Wahne abzubringen. Hier ragte be⸗ sonders der Pfarrer Schlez in Schlitz, der von 1759 bis 1839 lebte, hervor. „Es wurde, angezeigt, daß die Hand⸗ werckspursche unter währendem Sonntags- gottesdienst in der Stadt sonderlich auf dem Brand ohne Scheu spatzieren gingen.“ Nicht immer ging es vor dem Konvent so wüst zu, wie damals, als die„Rinnin“ und ihre Schwiegertochter einander ihre Sünden vorhielten, so lesen wir auch von einer Verhandlung, die sehr erfreulich war: „Es war Johann Melchior Vogt mit seiner Frau citiret, beide erschienen und hatten vielerlei Beschwerden gegeneinander. Man vedete ihnen nach Befinden zu, und sie gaben einander die Hände mit dem Ver⸗ sprechen, sich fürderhin friedlich und christ⸗ lich einander zu beleben.“ Das Wort„sich — * 7 beleben“ bedeutet so viel wie„sich gegen- einander z uverhalten“.— 0 Unsere Mitteilungen sollen hier zunächst beschlossen werden. Es naht von 1751 an auch für die Stadt Gießen eine Zeit, da die Stürme großer Kriege über Deutsch⸗ land hinwegbrausen und die Verhältnisse erheblich beeinflußten. Wie es in der Stadt im Siebenjährigen Kriege und später wäh⸗ rend der Franzosenkriege zuging, soll auf Grund der Kirchenkonventsprotokolle ein einander zu verhalten“.— Zwei wertvolle Mitteilungen, die uns aus unserem Leserkreise zugingen und Aus⸗ drücke, die wir nicht zu beuten wußten, erklären, seien zum Schlusse noch wieder⸗ gegeben. In Nr. 9 des„Sonntagsgrußes“ war von einem„Sporer“ Textor die Rede, der Mann war Sporenmacher. In Nr. 15 war ein„Lairerhaus“ am Kanzleiberg ge⸗ mannt; das muß heißen„Leiterhaus“, es handelt sich um eine an der Hauswand angebrachte Ueberdachung, unter der die langen Feuerleitern angebracht waren. Viele der heute Lebenden wissen sich noch dieses Leiterhäuschens zu erinnern. H. B. Ein Straßenbild Kameruns. Von Missionar Heinrich Walt her-Beuern. (Fortsetzung.) 1 Die tote Mutter und Gattin liegt auf einem Bett, ganz weiß angezogen. Wie friedlich liegt sie da! Ist sie doch in Christo entschlafen, und wie hatte sie sich auf die Stunde der Erlösung gefreut. Wie manchmal hatte es bei ihr geheißen:„Wann werde ich dahin kommen, daß ich sein Angesicht sehen darf?“ Nun ist sie bei ihm, den ihre Seele liebte. Um das Bett herum sitzen die Kinder und nächsten Angehörigen der Verstorbenen. Alle sind Christen und kennen Jesum, des⸗ halb ist alles Schreien und Weinen der Klageweiber untersagt. Gewiß, auch sie trauern, hatten sie doch ihre Mutter so un⸗ endlich lieb, aber sie wissen auch wieder, daß es ein Wiedersehen gibt, deshalb sind sie so gefaßt. a a 4 Nachdem wir ihnen ein Trostwort gesagt, gehen wir weiter, denn der Tag will sich neigen. Da hören wir ein Glöcklein! Es ruft die Leute zum Taufunterricht. Bald darauf sehen wir Frauen und Männer mit neuen Lendentüchern angezogen zur Kapelle eilen, um dort fleißig zu lernen, damit sie bald durch die heilige Taufe in die Gemeinde Ehristi aufgenommen werden. Unsere Gebete gelten ihnen, daß sie Gott der Herr stark mache wider alle Versuchungen, und daß sie einmal tüchtige Christen werden, die ihm und seinem Namen alle Ehre machen! Wir gehen wieder den Berg hinauf, um zu Abend zu essen. Nach dem Essen wollen wir noch einmal hinunter zu den Leuten gehen. Wir kommen gerade rechtzeitig noch droben an, um den herrlichen Sonnenunter⸗ N 8 7* 3 7 5 — 76— 5 Auch regt der Zitronensaft die Nierentätig⸗ gang zu sehen, der in den Tropen so präch⸗ tig ist. Kleine Wölkchen steigen am Himmel auf, gleich einer Schafherde, die ein Hirte austreibt. Allmählich werden sie von der untergehenden Sonne in ein herrliches Rot gefärbt, daß man sich unwillkürlich in eine schöne Heidelandschaft versetzt meint. Die Bäume in dieser Landschaft werden markiert von schwarzen Wolken, die sich zwischen diesem Rot befinden. Diese Heidelandschaft wird auch noch durch silberhelles Blau unter⸗ brochen, daß man unwillkürlich einen See in der Heidelandschaft zu finden meint. Im Hintergrund sieht man dann das feurige Rot, und man glaubt eine brennende Stadt zu sehen. Rund herum tauchen schwarze Wolken auf, die das Mauerwerk darstellen, welches die Stadt umgibt. Wir sind ganz hingenommen von der Pracht und rühmen die Allmacht Gottes, der das alles so schön gemacht, und stimmen mit dem Psalmisten ein:„Herr, wie sind deine Werke so groß und viel. Du hast sie alle weislich geordnet und die Erde ist voll deiner Güter!“ Nun läutet unsere Tischglocke, und wir setzen uns nieder zum Essen. Als Nachtisch habe ich Ananas holen lassen. Sie sehen walzenförmig aus. Nachdem die Schale ent⸗ fernt ist, schneidet man sie in Scheiben und ißt sie; sie schmecken gerade wie Erdbeeren. Die Ananasstaude wird etwa einen Meter hoch und sieht einer Kaktuspflanze sehr ähnlich. Die schwertförmigen Blätter sind am Ende mit Stacheln besetzt, daher heißt es, recht vorsichtig sein, daß man sich nicht ritzt. Zwischen den Blättern kommt der Blütenstiel mit seinen vielen himmelblauen Blüten hervor. Sind die Blüten verblüht, so setzt sich die Frucht an, die etwa so groß wie eine halbausgewachsene Runkel rübe wird. Aus mehreren Blüten wird sie gebildet. In unreifem Zustande sind die Früchte grün, nehmen aber dann beim Ausreifen eine gelbrötliche Farbe an. Aus der Schale läßt sich ein tadelloser Saft herstellen, der sehr erfrischend wirkt. Man legt die Schale 2 bis 3 Tage in das Wasser, läßt sie ziehen, hierauf siebt man das durch und so hat man einen tadellosen, erquickenden Saft. Sodann fällt auch das wohlschmeckende Trinkwasser auf. Ja, wovon schmeckt es denn so gut? Ist es doch gekochtes Wasser. Wie bekannt, muß alles Wasser in den Tropen gekocht werden, damit die Dysenteriebazillen, die in ihm enthalten sind, getötet werden. Durch das Kochen aber bekommt das Wasser einen sehr faden Geschmack. Dieser Geschmack wird gehoben, indem man etwas Zitronensaft und Zucker dran tut. Dieser Zitronensaft ist ganz rein. Vor dem Essen holt man einige Früchte vom Baum, dann schneidet man eine in der Mitte auf und drückt den Saft einer halben Zitrone in ein Glas Wasser. Dadurch wird das Wasser ziemlich frisch, bekommt einen sehr angenehmen Geschmack und bietet somit eine große Erquickung. keit an, und das ist für die Tropen ein Ding der Notwendigkeit, da die Nierentätigkeit dort häufig durch das Klima leidet. Der Zitronenbaum ist ein ziemlich kleiner, nie⸗ derer Baum, der mit vielen Dornen besetzt ist. Der Stamm wird etwa 3 Meter hoch; die Aeste sind ziemlich weit verzweigt. (Schluß folgt.) Uno con Dios es siempre la mayoria. (Einer mit Gott ist immer die Mehrheit.) (Span. Sprichwort.) Von Adalbert Bindewald. O furchtsam Menschenherz, das oft sich fragt, Ob's auch der Mehrheit zu mißfallen wagt, Bei allen Taten vor- und rückwärts schaut, Anstatt daß es allein auf Gott vertraut. Sieh' dich nicht um, geh gradenwegs voran, Gradaus zu gehn ist immer wohlgetan, Und stößt du an, so denke an den Herrn, Derpetrus angesehn mit jenem Blick von fern. Auf Menschenmeinung allzuviel nicht merke, Die innre Stimme nur sei deine Stärke, Der Menge Beifall hinterläßt nur Leerheit, Einer mit Gott ist stets und bleibt die ö 1 Mehrheit. Kleine Mitteilungen. Ludwig Seltzer, der Verfasser der an der Spitze dieser Nummer stehenden religiösen Betrachtung, war ein Gießener; er war hier geboren am 29. Juli 1581 als Sohn des Eberhard Seltzer. Er bekleidete eine Schulstelle zu Alsfeld und war gleichzeitig Pfarrer von Elbenrod, von 1605 bis 1621 war er Pfarrer in Münster bei Butzbach, dann bis 1636 Pfarrer in Worms, von 1636 bis zu seinem am 26. Oktober 1642 erfolgten Tode Pfarrer und Superintendent in seiner Vaterstadt. In der alten Fried⸗ hofskapelle, gerade dem Eingang gegenüber, befindet sich sein Grabdenkmal. Die In⸗ schrift besteht aus lateinischen Versen, die Seltzer kurz vor seinem Hinscheiden ge⸗ schrieben hat. In diesen Versen erzählt er in trockener Form seinen Lebenslauf. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 7. Mai. Jubilate. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.— Vormittags 9¼ Uhr: Pfarr⸗ assistent Becker.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde Pfarr⸗ assistent Becker.— Montag, den 8. Mai, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmier⸗ ten männl. Jugend der Matthäusgemeinde. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrer l tolsheimer.— Vorm. 9½ Uhr(zugleich Militärgottesdienst): Pfarrer Ausfeld.— Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Jo⸗ hannesgem.: Pfr. Ausfeld.— Abends 8 Uhr: Bibelbespr. im Johannessaal: Pfr. Adolph. Verantwortlich: Pfarrer Bechtofs heimer, Druck und Perlag der Brühl'schen Untwerfftäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen. 75 1 Bech⸗ „dF. AAA ꝛ ·m]i S