1 3 7 9 2 Gießen, 8. S. n. Trinitatis, den 6. August 1922 die Wege Gottes. Psalm 145, 17. Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und heilig in allen seinen Werken. Man hört wohl so oft:„Die Welt kann nicht von einem gerechten, weisen und freundlichen Gott regiert werden, denn die Dinge gehen doch zu verkehrt und un⸗ recht zu.“ Ich erwidere: Das liegt nicht an einer Ungerechtigkeit auf seiten Gottes, sondern 75 dem mangelnden Verständnis unserer⸗ eits. 5 Ich höre davon, daß man in einer Fabrik sehr schöne Schals anfertige. Ich trete dort unten im Erdgeschoß ein und sehe dort nur das rohe Material, und ich sage:„Sind das die Schals, von denen ich soviel Rüh⸗ mens gehört habe?“—„Nein,“ sagt der Fabrikant,„steigen Sie in das oberste Ge⸗ schoß“; und ich steige hinauf. Hier fange ich schon an, etwas vom Muster zu sehen. Aber der Fabrikant sagt:„Bleiben Sie hier nicht stehen, gehen Sie nach dem ober⸗ sten Geschoß der Fabrik, und dia werden Sie das Muster ganz erkennen und fertig⸗ gestellt sehen.“ Ich tue das, und oben an⸗ gelangt, sehe ich das vollkommene Muster eines ausgesucht prächtigen Schals. i Ebenso ist's in unserem Leben. Solange wir auf einer niedrigen Stufe christlicher Erfahrung stehen, begreifen wir Gottes Wege nicht. Er heißt uns, höher hinaufzusteigen, wenn wir gern mehr erkennen möchten. Wir steigen höher und höher empor, bis wir anfangen, etwas von der Bedeutung der göttlichen Pläne, die über uns walten, zu verstehen, und so schreiten wir aufwärts, bis wir endlich an der Pforte des Himmels selber anlangen und dort Gottes Gedanken in ihrer Vollendung erkennen— Gottes vollkommene Gedanken der Gnade, Liebe und Leutseligkeit. Und wir werden dann aus⸗ rufen:„Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und heilig in allen seinen Werken.“ Alles ist gut und recht oben, alles gut und recht unten. Deshalb haltet es fest, daß es keine Ungerechtigkeit auf Gottes Seite gibt, sondern daß nur unser Geist und Gemüt unfähig und unzulänglich ist, Gottes wunder⸗ weise Wege zu verstehen. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 37. Der Gießener Bub vor 50 Jahren. Von Louis Frech. (Fortsetzung.) Außer unserem Klassenführer, Herrn A., bemühten sich noch die Herren Reallehrer Werner und Dr. Karl Landmann um unsern geistigen Aufschwung. Ersterer war ein Herr, welcher den Schülern ein gewisses Wohl⸗ wollen entgegenbrachte. Er hatte eine humo⸗ ristische Ader, lebte und ließ leben. Es lag ihm beispielsweise fern, einen berechtigten Heiterkeitsausbruch im Keime zu ersticken, wie dies sonst üblich war. Es machte ihm im Gegenteil Spaß, wenn die ganze Klasse hell herauslachte. Er liebte es, uns damals eine Zeitlang in das Tun und Treiben der Mäuse, Aale, Frösche, Lurche und was sonst“ noch zu dieser Gesellschaft zählte, einzu⸗ führen und über das Durchgesprochene kleine Aufsätze schreiben zu lassen. Es liegt auf der Hand, daß bei diesen Arbeiten allerhand Eutgleisungen stattfanden, die beim Vor⸗ lesen in ihrer ganzen Komik zum Vorschein kamen und dann weidlich belacht wurden. So bauten wir unsere Anfangskenntnisse in der Satzbildung, Rechtschreibung und Satzzeichenanwendung spielend aus. Unge⸗ zogenheiten duldete Herr Werner nicht. In seinen Stunden kamen solche auch kaum vor; die ganze Art des Unterrichts schloß solche aus. Einen Freund hatte Herr Werner unter uns Schülern; er saß auf der zweitletzten Bank und hieß H. Dieser war etwas schwer von Begriff, und auch mit der Zunge wollte es nicht so recht gehen. Manche Worte machten ihm Schwierigkeiten und kamen daher etwas verschwommen und undeutlich heraus. So konnte er das Wort„Aal“ nicht klar und sauber aussprechen. Es kam ganz hinten aus dem Gaumen und klang wie das quallige, behagliche und tiefe Quaken eines satten Froschgroßvaters. Herr Werner nannte daher H. den„Oal“, welchen Spitznamen er, als er nach Jahren die Schule verließ, noch führte und zur Erinnerung an die amphibischen Stunden mit in seine Heimat nehmen durfte. Ganz anders in seinem Wesen und seiner Lehrmethode war Herr Dr. Landmann, ein schöner, stattlicher Mann mit schwarzem Haar und Vollbart und goldener Brille. Wir hörten von ihm zum erstenmal die altgriechischen Sagen von Herakles, Kadmus, II. Jahrg. 4 onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen 0 — 126— dem Gründer Thebens, von Dädalus und Ikarus, von Tantalus, Pelops, Hektor, Ajax und Odysseus. Er wußte uns Jungen seine Schilderungen in einer Weise vorzu⸗ tragen, daß alle gespaunt zuhörten und sich keiner muckste. Namentlich machten die zwölf Arbeiten des Herakles und die Erziehung der spartanischen Jugend einen unauslösch⸗ lichen Eindruck auf uns, und jeder wird sich damals wohl vorgenommen haben, das nach- zuahmen und auch einmal ein tüchtiger Kerl zu werden, der das Zeug dazu hat, Helden⸗ taten zu verrichten. Leider blieb Herr Dr. Landmann nicht lange bei uns. Schon im folgenden Jahre verließ er zu unser aller großem Bedauern die Schule. Wir waren ihm alle sehr zugetan, und es hat uns daher nicht wenig gekränkt, daß er ohne Abschied wegging. Mit dem Direktor St. hatten wir so gut wie gar nichts zu tun. Wohl kam er ab und zu einmal unangemeldet in die Klasse, um eine Viertelstunde lang dem Unterricht beizu⸗ wohnen, verschwand aber dann wieder, nach⸗ dem er hier und da mit einer Bemerkung in denselben eingegriffen hatte. Während seiner Anwesenheit lastete auf dem muster⸗ gültig dasitzenden Auditorium eine schwüle Temperatur. Zu elektrischen Entladungen kam es aber in der sechsten Klasse bei solchen Besuchen niemals. Desto mehr Blitz und Donner mit Hagel und Einschlagen gab es später. Nach der Schulordnung war das Laufen in den Gängen und auf den Treppen berboten. Ebenso Schreien, Pfeifen und der⸗ gleichen. Hatte sich der gestrenge Herr einmal in das Parterre verlaufen— sein Zimmer befand sich im ersten Stock—, dann hörten wir seinen dünnen, spitzen Pfiff, den er zwi⸗ schen den Zähnen hervorstieß, wenn ihm etwas gegen den Strich ging. Die Wirkung war überall die gleiche. Alles, was eben noch im Sturm das Freie zu erreichen versucht hatte, klappte förmlich zusammen, heuchelte harmlose Unbefangenheit und mustergültige Bravheit. Jeder bemühte sich aber, sich so schnell wie möglich außer Schußweite zu bringen; denn so wollte es das St.üsche Regime. Desto ungebundener ging es auf der Straße her. Kam einer daher, der einen bekannten Spitznamen hatte, so konnte er sich darauf verlassen, gefoppt zu werden. So erinnere ich mich, daß einem gerade vorübergehenden Gießener Spenglermeister, der auf den seinem Beruf angepaßten hübschen Spitznamen„Löffelblech“ hörte, dieser nachgerufen wurde. Stehen bleiben, sich langsam umdrehen, dann aber mit einigen mächtigen Sätzen wie ein Donner⸗ wetter zwischen die Buben fahren und auf diese wie ein Besessener losschlagen, war eins. Der eigentliche Attentäter ging leer aus; denn der hatte sich sofort aus dem Staub gemacht, während die anderen im Gefühle ihrer Unschuld keine Ursache zum Davonlaufen hatten und stehen geblieben waren. Aber die Rache blieb nicht aus. Plötz⸗ lich schlug ein von oben herabgekommenes Fläschchen mit roter Tinte auf den alten Strohhut des erbosten Spenglers auf, und der Inhalt ergoß sich wie ein Blutstrom über die Kopfbedeckung und den Kittel. Löffelblech stellte seine Justiz ein, lief in die Schule und berichtete den Vorgang dem Direktor. Aber die Untersuchung verlief im Sande. Es hatte keiner gerufen und auch keiner mit der roten Tinte geworfen, die Jungen ver⸗ rieten nichts. Der Mann hatte mit seinem Spitznamen schon oft schlechte Erfahrungen gemacht. Er war selbst schuld daran; denn solange die Jungen wußten, daß er auf den Spitznamen reagierte, riefen sie ihm diesen aus sicherer Entfernung nach. In dem geschilderten Falle hatte er neben der Genug⸗ tuung, eine Anzahl Unschuldiger verprügelt zu haben, nichts davon, als den Aerger und einen rot gefärbten Hut und Kittel, von dem verschmierten Gesicht abgesehen. (Fortsetzung folgt.) Die Einnahme von Brest⸗Litowsk. Aus dem Kriegstagebuch des Majors d. Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. (Fortsetzung.) Jetzt konzertiert die Kapelle noch in un⸗ serem Biwak, und mein Freund Schmitt, den ich gestern besucht hatte, sitzt bei uns. Solch friedliche Stunden tun wohl. Es ist jetzt ziemlich sicher, daß wir morgen 1510 übermorgen hier in der Nähe eingesetzt werden. 1.9. August 15. Gestern kurz nach 7 Uhr Abmarsch über Miedzylis, Tutschna nach Sagorow, 25 Kilometer. Ehe ich essen konnte, mußten wir Batterieführer nach vorn, suchten Stellungen und Beobachtungsstellen aus. Zu guter Letzt erhielt ich dann den Befehl, bei Sagorow zwei Abwehrgeschütze aufzustellen und mit dem Rest der Batterie in der Nähe zu biwakieren. Die anderen Batterien sind noch fast 5 Kilometer weiter vor in Feuerstellung, 7¼ Kilometer von dem äußersten Fort von Brest⸗Litowsk ent⸗ fernt. Ob die Ruhe für mich lange dauern wird, weiß ich nicht. Unsere Vorgesetzten können nicht sehen, daß jemand Ruhe hat. Die Gegend ist furchtbar öde, alles nieder⸗ gebrannt, kein Wasser, kein Futter für die Pferde. 1. Heute ist mein 10jähriger Hochzeitstag. Liebe Erinnerungen tauchen in meinem Innern auf. 20. August 15. Der Himmel ist trüb, und es regnet. Wir haben unser Zelt so 1 vergrößert, daß unsere Lager auch tags⸗ über liegen bleiben können, und davor noch unser Tisch steht. Die Ruhe ist wohltuend. Bei dem schlechten Wetter ist auch vorn bei den in Feuerstellung befindlichen Batte⸗ rien Ruhe. Die beiden ersten Tage waren für 8 gelt und em 0 en. n itt, ms. 2 e e sehen sind,— die Batterieführer, die von uns abgelöst wurden, hatten am Waldrand auf Bäumen Hochsitze— befahl der Bri⸗ gadekommandeur, daß zwei Batterieführer statt von den Hochsitzen vom Kirchturm von Kopytow aus beobachten müßten. Die Kirche liegt gerade hinter unserer Infan⸗ terielinie, und die feindliche Artillerie war darauf eingeschossen. Als Oberleutnant Win⸗ disch(6. Batterie) und Leutnant Hahn (5. Batterie) vorgestern nachmittag aus dem Walde kamen, um nach der Kirche zu gehen, bekamen sie sofort Schrapnellfeuer. Sie legten sich hin. Sobald sie aber aufstanden, um weiter zu gehen, kam ein feindlicher Gruß herüber. So brauchten sie anderthalb Stunden, um den 500 Meter langen Weg urückzulegen. Gestern früh ging Leutnant Thüre, der die 5. Batterie noch führt, schon um 4 Uhr auf den Kirchturm und stellte sein Scherenfernrohr oben auf. Später wurde er zur Abteilungsbeobachtung in den Wald gerufen, um das Ergebnis seiner Beobach⸗ tung mitzuteilen. Nachdem er kurz fort war, funktionierte das Telephon der 5. Bat⸗ terie nicht mehr, und der Telephonist an der Kirche ging weg, um die Leitung abzu⸗ gehen. Wegen der Unterbrechung der Tele⸗ phonverbindung kam auch der am Scheren⸗ fernrohr sitzende Unteroffizier vom Turm herunter. Nach kurzer Zeit nahm die russische Artillerie die aus Holz gebaute Kirche wieder unter Feuer. Schon der zweite Schuß schlug unterhalb der Stellen, wo das Scherenfern⸗ rohr noch stand, in den Turm, nach zwanzig Schüssen ging die Kirche in Flammen auf, das Scherenfernrohr war natürlich verloren. Zum Glück ist aber keinem Menschen etwas zugestoßen. Ich habe der 5. Batterie nun mein Scherenfernrohr geliehen, ein Grund mehr, meine Batterie in Reserve zu be⸗ lassen. Gestern gelang es uns, nahe unserem Biwakplatz in 5 Meter Tiefe reichlich Wasser zu finden, heute nacht stürzte der Brunnen leider wieder ein. Wir bekommen eben wenig Post. 22. August 15. Noch liegen wir in Ruhe bei Sagorow. Es ist richtiges Herbst⸗ wetter, viel Regen und Nebel. Ich lese, wir spielen stundenlang Skat, gegen Abend reite ich spazieren, was bei dem Sandboden hier ein Vergnügen ist. Vorgestern kam Oberleutnant Müller vom Urlaub zurück; er soll die Führung der 5. Batterie übernehmen. Da er sich aber gesundheitlich nicht wohl fühlt, bat er, ihm einen erfahrenen Offizier beizugeben. Da wurde zu unserem großen Bedauern Leut⸗ nant Thüre zur 5. Batterie versetzt. Er selbst war auch wenig erbaut davon, da er seit Ausbruch des Krieges in der 4. Bat⸗ terie war. — 127— Die Sammlung für das„Kreuz in Eisen“ in Darmstadt ergab bei unserer Division 8160 Mk., doch ein schönes Zeichen der Opferbereitschaft unserer Soldaten. Heute vor einem Jahre empfingen wir die Feuertaufe. Wer hätte damals geahnt, wieviel Gefechte und Schlachten wir mit⸗ machen müßten! Ich hatte in 365 Tagen 188, die Batterie 256 Gefechtstage. Gott möge uns auch weiter so gnädig beistehen, wie seither, und der Welt bald Frieden schenken! 2 4. Au gust 1 5. Zum Schutz der Pferde habe ich im Wald nahe unserem seitherigen Biwakplatz Ställe aufbauen lassen, und heute sind wir umgesiedelt. Unser Zelt steht am Waldrand, so daß ich die Abwehrgeschütze unter Augen habe, auch den Himmel nach Fliegern beobachten kann. Heute vertrieb ich schon einen feindlichen Flieger. Sobald wir das Surren eines Motors hören, stürzen wir mit den Ferngläsern aus dem Zelt, um festzustellen, ob es ein Freund oder Feind ist. Ich erwache bei dem schwächsten Ge⸗ räusch eines Fliegers. Unsere Armee soll Brest-Litowsk nehmen. Die Sache wird Zeit und Opfer kosten. Wären wir nur schon am Ziel! 2 6. Aug ust 15. Brest⸗Litowsk ist ge⸗ fallen! Wieviel rascher ging das, als nicht nur wir, sondern auch unsere oberste Heeresleitung erwarteten. Und nun kommt wieder die wichtige Frage: was gibt es mit den freiwerdenden Truppen? Gestern morgen um 4 Uhr ritt ich aus unserem schönen Waldbiwak bei Sagorow ab, um eine Feuerstellung für die Batterie auszusuchen. Im Nebel verritt ich mich und irrte durch Wälder und Wiesen, bis ich end⸗ lich um 6 Uhr an die richtige Stelle kam. Die Verspätung schadete aber nichts, da sich bald herausstellte, daß die Russen ihre Stel⸗ lungen geräumt hatten. Ich war nach dem langen, scharfen Ritt wie durch Wasser gezogen. 1 5 Da kein Befehl kam, lagen wir gestern bis zum Nachmittag bei Kopytow. Endlich kam der Befehl für die Division, weiter nordwest⸗ lich in Stellung zu gehen, da heute all⸗ gemeiner Angriff sein sollte. Wo wir bis dahin gestanden hatten, kamen drei deutsche 21⸗Zentimeter⸗-Mörser hin, von denen ich bisher noch keine gesehen hatte, ungeheuere Mordinstrumente. General von Schippert wurde die gesamte Artillerie des Korps unterstellt, 5 f Um ½4 Uhr ritten die Batterieführer mit dem Abteilungs- und Regimentskommandeur vor. Nach einer Besprechung ritten wir dann mit Hauptmann von Hirschberg noch sehr viel weiter nach vorn, und endlich um ½7 Uhr bekam ich den Platz angewiesen, wo ich mit meiner Batterie in Stellung gehen sollte, um in der Nacht im Fall eines russi⸗ schen Angriffs unsere Infanterie zu unter⸗ — 128- stützen. Während wir vorn waren, schossen die links von uns stehenden Oesterreicher mit 1 5 nan Geschützen ein Fort von Brest⸗ itowsk zusammen. An vielen Stellen brann⸗ ten Dörfer. Meine Batterie war weit zurück bei Do⸗ brynka, wo wir eigentlich biwakieren sollten. Ich mußte dorthin reiten. Es wurde schon dunkel, der Weg war schwer zu finden, da die Karte nicht richtig war. Um ½8 Uhr kam ich in Dobrynka an, aß etwas und rückte um 8 Uhr mit der Batterie ab. Auf dem Marsch hatten wir vor uns ein schauerlich schönes Bild des Krieges. In einer Breite von we⸗ nigstens 20 Kilometer bildete der Horizont ein einziges Flammenmeer. Die vor Brest⸗ Litowsk liegenden Orte und die Stadt selbst brannten. Hier und da stieg eine die ganze Gegend fast taghell erleuchtende Flammen⸗ säule auf, und bald darauf war eine heftige Entladung zu hören. Ein een oder dergleichen war in die Luft geflogen. Keiner von uns hatte während des ganzen Krieges eine solche Feuersbrunst gesehen. Ich war den Tag sieben bis acht Stunden geritten, immer auf meinem guten Hans. Vor uns knallte die Infanterie noch etwas, in der Ferne sah man platzende Artillerie- geschosse, hörte auch manchmal Abschüsse, aber es wurde bald ganz ruhig. Nur Spren⸗ gungen waren noch zu hören. Es schien richtig, was wir auf unserem Vormarsch gehört hatten, daß nach einem aufgefangenen russischen Funkspruch um 11 ß nachts Brest⸗Litowsk geräumt werden solle. Ich sandte nach Ankunft in der Feuerstellung noch einen Beobachter zur Infanterie, mit 0 ich telephonisch verbunden war. Gegen Uhr begaben wir uns zur Ruhe. Um 1 uhr teilte der Beobachter mit, daß die Infanteriepatrouillen die ruf ssischen Schützen⸗ gräben leer gefunden a und heute früh war unsere Infanterie schon bis am Bug. Die Brücken werden alle ie det sein, und so werden wir, da der Bug breit ist, nicht so schnell hinüberkommen. Bei Wlodawa sind schon lange unsere Truppen auf das Ostufer des Bug gekommen und weit nach Osten vorgedrungen. Sie be⸗ drohten ernstlich die Rückzugslinien der Russen, und damit ist wohl auch die eilige Aufgabe der Festung Brest⸗Litowsk zu er⸗ klären. Auf diese Art konnten die Russen wohl nicht alles Material, namentlich an schwerer Artillerie, und die großen Vorräte wegschaffen. Sie werden aber dafür gesorgt haben, daß nichts in brauchbarem Zustand in unsere Hände fällt. Wird sonach die Beute nicht sehr groß sein, so sind andererseits unsere Verluste sehr gering, die im Falle einer gewaltsamen Einnahme der Festung sicher groß gewesen wären. Nun heißt es wieder, auf Befehle warten. Was wird ge⸗ plant sein? Immer weiter nach Osten dem Feind folgen? Und was wird aus unserer Bugarmee, was aus dem Beskidenkorps wer⸗ den? Jedensalls werden die nächsten Tage ohne Kampf sein. Fortsetzung folgt. Uleine en en Die Zahl der J 10 ndianer in Amerika, der Ureinwohner des Landes, beträgt heute noch etwa ½ Million. Auch unter ihnen hat die 6 N Eingang gefunden. Auf Alaska z. B. wirken auf 113 en e nen 171 von zehn amerikanischen Kirchen⸗ gemeinschaften entsandte Missionare. Die Aussichten für die Mission werden als günstig bezeichnet. Das Rassen⸗ und Gesell⸗ schaftsbewußtsein des Indianers ist in einer Umbildung begriffen, wozu namentlich der Grundsatz der Regierung beiträgt, ihm so⸗ bald als möglich das gleiche Bürgerrecht wie dem Weißen zu gewähren. Und im Zusam⸗ menhang mit dieser allgemeinen Erweite⸗ rung des geistigen Horizonts gelangt er auch zu einer gerechteren Würdigung und höheren Einschätzung der christlichen Re⸗ ligion, die durch das unchristliche Verhalten vieler Weißen weithin bei ihm in Mißkredit gekommen war. g Die deutsche evang. Kirche im Elsaß be⸗ findet sich, wie alles, was deutsche Kultur in der verlorene Westmark heißt, in einer der schwersten Krisen ihrer Entwicklung. Mit 160 000 überwiegend evangelischen Altdeut⸗ schen wurden 51 altdeutsche Pfarrer aus⸗ gewiesen. 31 altelsässische Pfarrer haben die Heimat freiwillig verlassen, in der sie nicht mehr nach ihrer Ueberzeugung wirken kön⸗ nen. Die elsässische Kirche hat somit ½ ihrer Geistlichen verloren. Unter den Zurück⸗ gebliebenen sind viele Betagte. 70 Gemeinden sind verwaist. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 6. August, 8. n. Trinitatis. Kollekte für die Innere Mission. In der Stadtkirche. zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Matthäusgemeinde: Pfarrass. Becker.— Vormittags 95/ Uhr: Pfarrer Becker.— Jugendvereinigung der Mat⸗ thäusgemeinde: Montag, den 7. August, abends 8 Uhr: männl. Abteilung, Dienstag, den 8. August, abends 8 Uhr: weibl. Ab⸗ teilung. In der Johanneskirche. Vorm 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarr⸗ ö assistent Müller. Wartburg verein. Sonntag, den 6. August: Bundesschwimm⸗ fest des Hessenbundes. Abends in der Turn⸗ halle(Steinstraße) Familienabend. Das Nähere s. Beilage zur vorigen Nummer. Evang. Arbeiterverein. Sonntag, den 6. August: Beteiligung an den Veranstaltungen des Wartburgvereins. Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer 10 255 Verlag der Brühl'schen We ind Stein örnckeref Lange, Gießen. Vormittags 8 Uhr, .