ie Gießen, Invokavit, den 5. März 1922 s Kreuz und Crost. Jes. 40, 8. Das Wort unseres Gottes blei— bet in Ewigkeit. Woher wir kräfftigen Trost nehmen kön⸗ men in allem Creutz: Das Wort unsres Gottes bleibet in Ewigkeit, das ist aber das Wort, welches unter euch verkündiget ist. Die Heyden haben zwar vorgegeben, daß Philosophia sey meditatio mortis“), aber wens zum treffen kommen, so hats nicht anders gelautet als kerendum, quod mu- tari nequit, was nicht zu endern, mus man geschehen lassen. Ein schlechter Trost! Ungern ließ er das Leben sein Und fuhr ohn trost zur Hellenpein. Cicero, der weise Heyde, wolt auch trost suchen, aber er muste bekennen: Tentatis rebus omnibus, nihil invenio, in quo ac- quiescam, ist alles umbsonst, weiß nirgent nichts zu finden, da ich mich tröste unnd gründe. Aber das geoffenbarte Wort, das ist die vechte Panacaea, das ist die geistliche Apothec, da finden wir Lehr und Trost wider Sund und Teuffel, Todt und Helle, wider alles Creutz unnd widerwertigkeit. Wen das Wasser zu Mara bitter ist, legt Moses auff Gottes befehl ein Holtz darein, so wird es gantz süße. Diß Holtz ist das gepredigte Wort, das machet alles Creutz auch den Todt selbsten süße. Dieses hatte wohl gefaßet David, darumb bekannte er frey herrauß: Herr, wen dein Wort nicht were mein Trost gewesem, so were ich ver⸗ gangen in meinem Elend. Daher nennets Christus das einige nötige unnd den besten Teil. Wen uns demnach der liebe Gott nach seinem heiligen Willen in die Creutzschul führet unnd darinnen exerciret, so lasset uns nicht ungedultig werden, sondern uns vielmehr zu seinem Wort halten, darauß seinen willen erkennen. Als Herrn Philippo Melanchthoni ein Töchterlein gestorben unnd D. Lutherus sampt anderen ihn trösteten, wolt er den trost nicht annehmen, meinete, das Creutz were ihm viel zu schwer, nimmt er die Biblia unnd findet gleich den 100. Psalm, darin auch diese worte stehen: er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volck und zu Schaaffen seiner weyde, da sprach er: ists dem lieben Gott gnung, daß er uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volck und zu Schaafen seiner weyde, so müssen wir auch zufrieden seyn, wenn er sein gemächte wider zerbricht. Das that ein einiger Spruch, der gab ihm Safft und Krafft, darumb selig sind die, welche Gottes Wort hören, lesen unnd dasselbige in gutem Herzen bewahren. Justus Geilfus, Pfarrer zu Gießen, gest. 1653 7 g e *) Vorbereitung auf das Sterben. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 36. Gießener Zustände in der ersten Hälfte des 18. Jahr ⸗ hunderts. (Fortsetzung. 1710. „Ist gestern am Himmelsfahrtstage ein öffentlicher Weinschanck draußen auf dem Marktplatze gehalten und einer Namens Dieffenbach fast todt geschlagen worden, welches soll untersucht werden.“ Es kam damals sogar vor, daß Frauen im Gotteshause miteinander stritten, so heißt es:„Des Schornsteinfegers Weib soll am ersten Ostertage unter der letzten Predigt eine andere Frau im Stuhl geschlagen ha⸗ ben, sollen die Umstehenden gehört werden.“ Der Streit hat sich demnach in der Kirchen⸗ bank abgespielt. Zwei Monate später wurde wieder darüber verhandelt mit dem Resul⸗ tate:„Ist die Schornsteinfegerin mit des Zimmermanns Burghards Frau verglichen, nachdem sie so wol ihr als auch dem Con⸗ vent Abbitte gethan, und seynd ihr 5 Gul⸗ den vor das Armuth zu erlegen gesetzet worden.“ 1771115 Die Maigasse, so klein sie war und noch ist, ist damals oft in unrühmlicher Weise ge⸗ mannt worden. Im Mai wurde protokolliert: „Gestern Abend bey dem Gewitter soll in der Maygasse schändlich Schelten und Zank⸗ ken seyn vorgegangen.“ f „Wird vorgefordert der Barbier Benner allhier, welcher in der Burgkirche am Sonn⸗ tag 8 Tage sich volgesoffen eingestellet und daselbst geschlaffen und die Treppe hinunter⸗ gefallen, worüber groß Aergernüß entstan⸗ den. Will zwar die Trunckenheit nicht lassen an sich komen, indessen wird ihm erustlich vorgestellet sein übeles Leben und verspricht er Besserung.“ Ein rechter Wüterich scheint der„Weiß⸗ bender Roth“ gewesen zu sein; denn von ihm heißt es:„Hat in des Sattlers Hause onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen — 38— Caspar Hieronymus am Walthor gesoffen und gespielet und hernach entsetzlich etliche Stunden auf der Gasse greulich gebrüllet. Herr Oberschultheiß will es untersuchen und abstrafen.“ 0 e „Es sollen die Juden auf Sonn⸗ und Feyertägen mit ihren Säcken herumgehen 10 handeln, worauf soll achtgegeben wer⸗ 1 W.“ Der Bettel war in diesen Tagen groß; denn wir lesen:„Die Bettelvögte seynd vorgefordert und ihnen bey Strafe der Ent⸗ ziehung ihres Lohns befohlen worden, auf die Gassenbettler besser acht zu haben.“ Mit zänkischen Frauen verfuhr man da⸗ mals recht energisch, das lehrt folgender Fall:„Stellen sich Anna Maria, Peter Cämmerers Eheweib allhier, contra Sophie, Kaspar Kraylings, Korporals unter hiesiger Guarnison Eheweib, da jene diese am nächst⸗ verwichenen großen Bußtage frühe unter der Predigt wegen eines Geschwätzes in ihrem Hause überfallen, heftig gescholten, auch gar geschlagen, wie darüber von Herrn Schult⸗ heiß die Abhörung geschehen. Will sich Anna Maria Cämmerer noch rechtfertigen, es wird ihr aber ihre Boßheit ernstlich vor⸗ gestellt, muß die beleidigte um Verzeihung bitten, auch dem Kirchenconvent angeloben zur Besserung, soll auch entweder 5 Gul⸗ den vor die Armen geben oder fünf Tage auf die Pforte gesetzet werden.“ „Der Leinweber Niclaß Bechtold soll sei— nem Bruder gefluchet haben, bey tausend Teufel er wolle nicht zu ihm über die Schwelle gehen. Von Herrn Oberschultheiß zu untersuchen.“ „Erscheinet Johann Daniel Schäfer und wird wegen seines üblen Lebens und Schlä⸗ gerey seiner Frau ernstlich vernommen, entschuldiget sich, daß er nicht übig(üppig) trincke, auch seine Frau nicht schlage, ohne wenn sie ihm nicht die Gebühr tue in seiner Haushaltung und ein gar loses Scheltmaul brauche. Wird beweglich zur Einigkeit er⸗ mahnet und ihm das Schlagen verboten.“ Dieser Mann scheint der Ansicht gewesen zu sein, daß es unter gewissen Umständen das Recht des Ehemanns sei, seine Frau zu prügeln. ö Ein anderer hat damals den wilden Mann gespielt:„Der Schieber in der Neustadt allhier soll den Oberleib entblößet und mit dem Degen auf der Gasse herumgelaufen, auch dem Gottfried Weißgerber die Fenster eingeschlagen haben.““ In der. nächsten Sitzung erscheint der Angeschuldigte, dessen Name, richtig geschrieben Schiefer lautete, und versprach Besserung. „Wird auch Hermann Ritter vernommen, weil er in seinem Alter so wenig nach Gott und seinem Worte frage. Er entschuldigt sich mit Armuth und Leibes Gebrechlichkeit, daß er in der Kirche nicht könne stehen, er wolle gern im Hauß das heilige Abendmahl ge⸗ 0 0 brauchen, sich auch künftig so verhalten, daß man seine Besserung sehen solle.“ Her⸗ mann Ritter war Hafner, er ist drei Jahre später, 78 Jahre alt, gestorben. Da er kirch⸗ lich beerdigt wurde, so hat er augenscheinlich der Mahnung des Kirchenkonvents Gehör gegeben. 147183 „Die Becker fangen abermahl wiederum an, durch die gantze Stadt Sonntags Mor⸗ gens vor und unter der Predigt ihre Laden aufzumachen und Wecke auszustellen oder doch darauf zu legen und an den Thüren feil zu haben.“ In der nächsten Sitzung wurde vermerkt:„Der Becker halber soll nachmahlen denen Zunftmeistern ernstlich zugeredet werden, daß nach der Fürstlichen Ordnung nur diejenige Becker, an welchen die Reihe, und kein Laden Sonntags auf⸗ gemacht werde, sondern damit Brod in der Stadt zur Notdurfft sey, jeder was er noch zu verkauffen, in die Schirne schicke, oder im Hauß zwar denen, so etwas verlangen, in der Stille lasse, nicht aber auf den Laden oder auch hinter den offenen Laden stellen möge.“ Hieraus geht hervor, daß, wie es jetzt in Kleinstädten noch der Fall ist, die Bäcker ihre Ware damals am Fensterladen ausstellten, Schaufenster gab es selbstver⸗ ständlich in der ersten Hälfte des 18. Jahr⸗ hunderts noch nicht. Die Schirne waren. Verkaufsstände auf dem Marktplatz. 1714. „Der Kastenknecht Engelhard soll unlängst das Fenster aufgemacht und den Teuffel gerufen haben, ihn zu holen da er voll ge⸗ wesen sei.“ ö 5 „Am Sonntag nach der zweiten Predigt seynd in des Dreher Vetzberger Hause die Offizier mit Pfeiffern schon versammelt ge⸗ wesen.“ i „Es soll ein Kerl in der Maygasse Nah⸗ mens Hermann Bensheim mit Zauber⸗ künsten und Siebdrehen groß ärgernüß trei⸗ ten.“ g 1716. „Am Sonntag 8 Tage sollen des Juden Gersons Söhne unter der Nachmittagspre⸗ digt an hiesige Metzger etliche Stück frie⸗ sische Kühe verkauft haben. Soll untersuchet und Verkäuffer insonderheit wie auch Käuf⸗ fer gestrafet werden.“ Hier ist interessant, daß man schon vor 200 Jahren aus Fries⸗ land Schlachtvieh nach Hessen ausgeführt hat. Heute noch gelangt Vieh aus dem Norden unter der Bezeichnung„Husumer Vieh“ hier zum Verkauf. Ae „Ist wieder wegen der Handwercks-Bur⸗ schen, welche auf den Sonntag unter der Morgen⸗-Predigt auf der Straßen, sonder⸗ lich umb die Kirch herumblaufen, Erinne⸗ rung und Erwehnung geschehen, ob es nicht F c nöthig sey, daß noch ein Bettelvogt ange⸗ nommen werde.“ Dergleichen Klagen hören wir aus dieser Zeit oft. Die Handwerks- burschen, die in großer Zahl durch die Städte zogen, hatten ihre getrennten Her⸗ bergen; so wird oft aus Gießen die Her⸗ berge der Schuhmacher erwähnt. Oft schei⸗ nen diese jungen Leute allzu lustig gewesen zu sein, natürlich nur dann, wenn sie Geld hatten. Wenn sie kein Geld hatten, machten sie oft Tumult. Die Bettelvögte, ursprüng⸗ lich dazu bestimmt, auf die Bettelleute ein Augenmerk zu haben, übten in dieser Zeit den Dienst von Schutzleuten aus. Die gute, alte Zeit zu rühmen, hat man gar keinen Anlaß, wenn man von der Un⸗ ordnung hört, die vor 200 Jahren oft im Gottesdienste vorkam. So lesen wir:„Seynd unterschiedene schlimme Excesse, die in der Burgkirche mit schlagen und anderen Aergernüssen geschehen, angezeiget, welche durch den Herrn Oberschultheiß mit Gefäng⸗ nüß sollen bestraffet werden.“ In gleicher Weise heißt es einige Monate später:„Den 22. Sonntag p. Trin. haben 2 Junge pur⸗ sche in der Burgkirchen unter der Morgen⸗ predigt hinder dem Bild geschlagen. Sollen der Obrigkeit angedeutet werden.“ 1718. „Ist wegen des schändlichen Töpfewerffens. Erinnerung geschehen, und weil man einige böse Buben weiß, die es verübet, soll dar⸗ auf inquiriret werden.“ Rohe Menschen, die ihrem oft durch den Alkohol herbeigeführten Zorn durch Fluchen Luft machten, wurden damals hart angefaßt. So heißt es:„Der Daniel Schiber(Schie⸗ fer) hat gestern Abend so entsetzlich den Satan über sein Weib und Kind gerufen, als er besoffen gewesen ist.“ Einen Monat später wurde niedergeschrieben:„Der Michel Schiber ist mit gefängnüß abgestraffet wor⸗ den, ist nicht der Daniel gewesen.“ Bemerkt sei, daß das Wort„besoffen“, das unseren Ohren so anstößig ist, in der alten Zeit diesen Charakter nicht hatte, sonst hätten die Pfarrer und Kirchensenioren, die doch Männer von guten Sitten und guter Er⸗ ziehung waren, es nicht angewendet. Zu allen Zeiten wird über das Treiben in der Pulvermühle, die stets ein Wirtshaus war, geklagt. Vermutlich entwickelte sich dort ein wildes Treiben, weil das Haus vor den Toren der Stadt lag. Der Kirchenkon⸗ vent klagte:„Ins Höpfners Haus sollen verwichenen Sonntag unter offizier unter der predigt beym Branntwein gesessen ha⸗ ben, soll untersucht werden, wie auch der Pulvermühl halber, wo sie Sonntags viel muthwillen treiben sollen.“ 1719 „Wird angezeigt, daß einige Bürger, der Geibel, der lahme Curt und Peter Gaup Sambstags Abends dem Thor hinausgehen, 39 Sonntags draußen bleiben und dann gantz betrunken Sonntags Abends wieder zur Statt kommen, soll Herrn Oberschultheiß angezeigt werden.“ Solche Vergehen wer⸗ den heute nicht mehr bestraft. Naiv ist es, einen Gießener Bürger kurz als den„lah— men Curt“ zu benennen. „In der Burg-Kirchen ist ein Paar Ehe⸗ leut copulirt worden, denen bey dem Her⸗ ausgehen von den bösen Buben eine Schnur vorgezogen und dadurch gehemmt worden, dem Muthwillen soll gesteuert werden.“ Wir können diese Tat Gießener Buben nicht für so gefährlich ansehen, als dies die alten Kirchensenioren taten. Es scheint ein alter Volksbrauch zu sein, daß Knaben ein Seil vorhalten, wenn ein Brautpaar die Kirche verläßt und daß dann der Bräutigam einige Münzen austeilt, worauf das Seil zu Boden sinkt. Noch vor 40 Jahren geschah das in Rheinhessen, wenn ein Bräutigam zur Hoch— zeit seine Braut von auswärts holte. Die Knaben warteten stundenlang, bis der Wa⸗ gen ankam, der Bräutigam warf Geld auf die Straße und der Wagen fand dann kein Hemmnis mehr. Von einer späten Konfirmation berichtet der Eintrag:„Es ist erschienen Anna Ger⸗ traudt, Conrad Löhlbachs, gewesenen Sol⸗ datens Tochter, welche in ihrer Jugend ist versäumt und nicht zur Schul gehalten, viel weniger zum Gebrauch des h. Abendmahl angewiesen worden. Nachdem sie aber ein Verlangen nach dieser himmlischen Mahl- zeit getragen, ist ihrem Begehren willfahrt worden, zu welchem Ende sie coram con- ventu ecclesiastico(vor dem Kirchenkon⸗ vent) examinirt und nachdem sie ihr Glau⸗ bens-Bekenntnus abgelegt, mit gewöhnlichen Ceremonien vermittels des Gebrauchs des h. Abendmahls confirmirt worden.“ (Fortsetzung folgt.) hessische Biographien. Trotz der Ungunst der Zeiten schreiten die „Hessischen Biographien“, die Herman Haupt in Verbindung mit Karl Esselborn und Georg Lehnert herausgibt und die im„Hessi⸗ schen Staatsverlag“ erscheinen, rüstig weiter, auch die zuletzt erschienene 6. Lieferung ent⸗ hält eine Reihe interessanter Beiträge. So finden wir Artikel, die das Leben und Wir⸗ ken des Politikers Ernst Emil Hoffmann, des Chemikers Fresenius und des Offiziers Karl Friedrich Maurer, den die Leser des „Sonntagsgrußes“ schon durch Esselborns Veröffentlichung,„Etappe Langen“, kennen lernten, schildern Sehr zu begrüßen ist, daß die„Hessischen Biographien“ sich nicht auf Gelehrte und Schriftsteller beschränken, son⸗ dern auch Männer des praktischen Lebens vorführen. Alfred Börckel schildert das Le⸗ ben und die Tätigkeit der Mainzer Kauf⸗ leute Kayser und Humann, Georg Lehnert macht uns mit dem Offenbacher Klavier- 40. fabrikanten Andre bekannt, und General⸗ leutnant Keim bringt eine Biographie des Artillerieoffiziers Hahn. Die traurige Zeit, da in Deutschland die Besten durch den politischen Druck, der von Metternich aus⸗ ging, zur Auswanderung gedrängt wurden, lernen wir in den Ausführungen kennen, die Herman Haupt über Johann Jakob Küchler und die beiden Brüder Münch macht. Endlich enthält diese Lieferung auch bedeutungsvolle Beiträge zur Gießener Ge⸗ schichte. Der früh verstorbene Mediziner Hegar und der Turnlehrer Rübsamen, der vielen der heute Lebenden noch in guter Er⸗ innerung ist, kommen hier zu Ehren. Auch erfahren wir, daß der Forschungsreisende Dieffenbach, der in den Jahren 1839— 1841 Neuseeland durchforschte, ein Sohn des 1843 verstorbenen Gießener Pfarrers und Pro⸗ fessors Ludwig Adam Dieffenbach 15 2 Deo servire libertas. (Gott dienen heißt Freiheit.) Von Adalbert Bin dewald. Nach Freiheit sehnet sich und schreit die Welt, Und Freiheit gilt als höchstes Glück hinieden. Von allen Enden uns entgegengellt, Der Ruf nach Freiheit, die uns nicht be⸗ schieden. Was wir so heftig wünschen wird uns oft, Es fällt uns scheinbar zu wie Frucht vom Baume; 5 Doch gleicht es selten dem, das wir erhofft, Nicht unserm Sehnsuchtsbild vom Frei⸗ heitstraume. Die Wirklichkeit erweist als Hirngespinst Das Freiheitsziel, das wir uns selber setzen; Denn wahre Freiheit ist nur Gottesdienst, Sich beugen vor den göttlichen Gesetzen. Nicht Menschendienst, noch feile Erdenlust Erhebt die Seele zu den höchsten Höhen, Es gibt nur eine Freiheit in der Brust, Wenn willig wir des Ewigen Wege gehen. Kleine Mitteilungen. Die veligiöse Betrachtung, die sich in dieser Nummer unseres Gemeindeblattes fin⸗ det, ist einer Predigt des Gießener Pfarrers Justus Geilfus entnommen. Er war, wie Diehl in seinem Werke„Hassia sacra“ mit⸗ teilt, am 16. November 1590 zu Witzen⸗ hausen geboren, studierte in Marburg, und Gießen, war 1615—1620 Rektor in Weil⸗ burg, 16201635 Pfarrer in Lang⸗Göns und 16351653 Pfarrer zu Gießen. Geil⸗ fus starb dahier am 14. April 1653, er wurde am 18. April zu Grabe gebracht. An diesem Tage schrieb der Professor und Superintendent Peter Haberkorn in das Sterbebuch ein:„Der Ehrwürdige und Hochgelarte Herr M. Justus Geilfusius, sehr wohl verdiente Seelsorger und Mitprediger zu Gießen, auf die 18 Jahr lang, mit Be⸗ gleitung und hertzlichem Beklagen der gantzen Gemein ehrlich und christlich zur Erde bestattet worden.“ * In den. nächsten Wochen wird in unseren beiden Kirchen die elektrische Beleuchtung hergerichtet werden, in der Stadtkirche ist mit dieser Arbeit bereits der Anfang ge⸗ macht worden. 0 Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 5. März. Invokavit. In der Stadtkirche. Vormittags 91/ Uhr: Pfarrer Mahr.— Voem. 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.— Abends 6 Uhr: Pfarver Becker. — Montag, den 6. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde.— Diens⸗ tag, den 8. März, abends 8 Uhr: Helfer⸗ versammlung der Männer⸗ und Frauen⸗ vereinigung der Matthäusgemeinde.— Mittwoch, den 8. März, abends 6 Uhr: Pas⸗ sionsgottesdienst: Pfarrer Mahr.— Don⸗ nerstag, den 9. März, abends 8 Uhr: Ver⸗ einigung der konfirmierten weiblichen Ju⸗ gend der Matthäusgemeinde.— Donners⸗ tag, den 9. März, abends 8 Uhr: Zusam⸗ menkunft des Frauenvereins der Markus⸗ gemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 9 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 6 Uhr: Pfarr⸗ assistent Müller.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal: Pfarrer Mahr.— Montag, den 6. März, abends 7½ Uhr: Jugendvereinigung der Lukas⸗ gemeinde(männliche Abteilung). * Evang. Arbeiterverein. Sonntag, den 12. März, in Gemeinschaft mik dem Wartburgverein und Ev. Bund Familienabend in der Stadtkirche(siehe Wartburgverein). Eintrittskarten bei den Mitgliedern Bingel, Lindenplatz und Scholz, Kreuzplatz.— Wer für wenig Geld gute Theatervorstellungen im hiesigen Stadt⸗ theater besuchen will, trete der neugegrün⸗ deten Theatergemeinde bei Einzeichnungs⸗ liste für die ersten beiden Vorstellungen bei Herrn C. Weller, Altes Rathaus. Wartburg verein. Sonntag, den 5. März: Nachm. Spazier⸗ gang nach dem Gleiberg. Treffpunkt: 2 Uhr Lahnbrücke.— Abends 8 Uhr im Heim, Diezstraße: Bekanntgabe der Wanderungen zur Erlangung eines Wanderstockes. Fest⸗ setzung der ersten Tagestour. Anschließend Vortrag.— Freitag, den 10. März: Bibel⸗ stunde. Pfarrer Becker. i Ferenworflsch: Ffarrer Bechtolshefmer, Druck und Verlag der Brühl'schen Undwpersitäts-Buch⸗ und Steindruckere R. Lange, Gießen 5 2