Sonntags gruß emeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen W Gießen, 5. S. n. Epiph. „den 5. Februar 1922 II. Jahrg. vom menschlichen Fortschritt. Evang. Matth. 16, 26. Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Zu den Schlagworten, denen die Welt nachläuft, gehört das Wort„Fortschritt“. Errungenschaften äußerlicher Art, an denen wir ja sehr reich sind, gelten in der öffent⸗ lichen Meinung gls Kennzeichen einer Auf⸗ wärtsbewegung der Menschheit. Hochmütig pflegen unsere Zeitgenossen auf die Ver⸗ gangenheit herabzusehen und sich so zu ge⸗ bärden, als seien unsere Altvordern in allem weit rückständiger und darum minderwer⸗ tiger, beurteilt an dem Stand der heutigen Kultur. Wer so denkt, hat keine Ahnung von den inneren Werten des menschlichen Daseins, von den Ewigkeitswerten, an denen allein die Stellung jedes Zeitalters zur Frage des Fortschrittes gemessen werden kann. Vor dem Krieg hatte dieser verhängnis⸗ volle Irrtum, dieser verblendete Dünkel unseres Geschlechts sich bis zur Unerträg⸗ lichkeit gesteigert. Und je mehr die Welt auf ihre äußerlichen Erfolge und Fortschritte sich eingebildet hatte, um so mehr mußte das Innenleben, die Seele dieser Weltbürger, veröden, nahm die Gottentfremdung über⸗ hand. Doch der Weltenlenker ließ auch dies⸗ mal wie in anderen ähnlichen Fällen die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Er hat mit eiserner Faust dazwischen gegriffen und diesem Geschlecht eine Lehre gegeben, die es in Jahrhunderten nicht wieder ver⸗ gessen wird. Der furchtbare Krieg hat mit einem Schlag dem eingebildeten Fortschritt Halt geboten, er hat auch in seinem Verlauf und in seinen entsetzlichen Nachwirkungen den Menschen gezeigt, wohin sie kommen ohne Gottesfurcht. Haben wir in den letzten Jah⸗ ren bis herein in die jüngsten Tage nicht mit Schaudern gesehen, wie tief das Ge⸗ schlecht, das sich stets als das„moderne“, fortschrittliche“„aufgeklärte“ anugesehen hat, hinabgesunken ist in Unkultur, Barbarei und Verkommenheit! Eine an Wahnwitz grenzende Sucht nach Zerstörung aller Werte, eine in ihrem Widersinn bis zur Selbstzerfleischung sich steigernde Selbstsucht hat verhängnisvoll um sich gegriffen und bedroht das Gemeinschaftsleben, das doch mur auf der Hingabe aller an große gemein⸗ same Ziele und Pflichten beruhen kann, in seinen Grundlagen. Wie ist das alles denk⸗ bar und möglich!? Die Antwort fällt dem, der tiefer blickt und nicht an dem gleißenden Schein der Oberfläche sein Auge haften läßt, nicht schwer: Weil die Menschheit falsche Wege der Entwicklung gegangen ist, weil sie das für Fortschritt gehalten hat, was in Wahr⸗ heit innere Verarmung und letzten Endes Verrohung bedeutete. Wahrer Fortschritt liegt nur in der zunehmenden Annäherung der Menschen an Gott. Die wachsende Gottentfremdung, die unser „Kulturzeitalter“ mehr wie alles andere kennzeichnet, ist tatsächlich Rückschritt. Wie jämmerlich von den Menschenkindern des 20. Jahrhunderts, wenn sie glauben, durch Flugzeuge, drahtlose Telegraphie und che⸗ mische Wundertaten den alten Gott über⸗ flüssig gemacht zu haben, wenn sie sein Regiment vermeinen absetzen zu können! Der große Gott von gestern und heute bleibt derselbe in alle Ewigkeit. Er hat ungezählte Geschlechter in all ihrem Glauben und Irren kommen und gehen sehen. Tausend Jahre sind vor ihm wie ein Tag. Er bleibt, der er war und ist und sein wird. Nur er kann die Menschheit aufwärts führen, die nur so⸗ lange wirklich voranschreitet, als sie seine Hand nicht von sich stößt. Nur in diesem Sinne ist das Dichterwort zu verstehen: „Wohl stürzt, was Macht und Kunst erschufen, Wie für die Ewigkeit bestimmt— Doch alle Trümmer werden Stufen, Worauf die Menschheit weiterklimmt.“ Beim deutschen Beskidenkorps. Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns der Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. 3. Die Kämpfe bei Lemberg. (Fortsetzung.) Auf den Wiesen rings um das Dorf wei⸗ den Pferde, Kühe, Schafe und Schweine. Wenn es abends heimgeht, schwingen sich die kleinen Jungen auf die nackten Pferde und reiten im Galopp zurück; es sind ge⸗ borene Reiter. Ich besuchte den Pfarrer des Dorfes und ließ mir die kleine Holzkirche im Innern zeigen; sie ist sehr einfach. Der Gottesdienst wird nach griechischem Ritus abgehalten, es gilt aber das römisch⸗katho⸗ 1 „ e lische Dogma. Der Papst ist das Oberhaupt der Kirche, jedoch dürfen die Pfarrer heira⸗ ten. Der Pfarrer hat eine sehr nette Frau, zwei Töchter und drei Söhne; sie sprechen ruthenisch, der Pfarrer auch deutsch. Er erzählte, daß die russischen Offiziere, die seit September in Lemberg waren, ihre Frauen dorthin kommen ließen; sie nah⸗ men mit ihnen leerstehende Wohnungen ein, sandten alle Möbel nach Hause und suchten sich dann eine andere Wohnung. Aus den Biwaks der hinten in Reserve liegenden Truppen erschallt abends Gesang und Musik. 2. Juli 15. Auf dem Frühstückstisch stehen Rosen, die mir gestern die erwachsene Tochter des Pfarrers schenkte, und ein Strauß Kornblumen und Gräser, die ich heute bei einem Morgenspaziergang, wäh⸗ 7 5 die anderen noch schliefen, gepflückt abe. Gestern abend ritt ich noch mit Leutnant Obenauer nach dem/ Stunden entfernten Mosty⸗Wielkie, wo viele hohe Stäbe liegen. Es war etwas kühl geworden, und der Ritt durch die Wiesen war herrlich. Hier ist viel »Moorboden, aber infolge der langen Trocken⸗ heit kann man jetzt ruhig darüber hinreiten, doch klingt es beim Traben ganz hohl. Mosty⸗Wielkie ist ein Städtchen, dessen Mitte um den Marktplatz herum von den Russen völlig niedergebrannt ist. Ich lese eben Aufsätze von Fr. Meinecke: „Die deutsche Erhebung von 1914“. Nach dem Kriege wird es von großer Bedeutung sein, wie das innere politische Leben sich entwickelt, ob der Kampf der Parteien, der ja für das staatliche Leben notwendig ist, sich in anständigen und versöhnlichen For⸗ men bewegen wird, ob namentlich die Sozial⸗ demokratie durch richtige Behandlung zur positiven Mitarbeit gewonnen wird. Die Art, wie Graf Westarp bei der letzten Ta⸗ gung des Reichstags gegen die Sozialdemo⸗ kratie vorging, läßt da allerdings die Be⸗ fürchtung aufkommen, daß die Parteien und ihre Führer in die alten Fehler zurückfallen werden. So unsympathisch mir vor dem Le Krieg die Beteiligung am öffentlichen und politischen Leben und Treiben war, hier möchte ich nach dem Krieg mich betätigen, um ausgleichend zu wirken. Nachmittags. Den ganzen Tag war es schwül, aber das drohende Gewitter zog vor⸗ über, ohne den ersehnten Regen gebracht zu haben. Da völlige Ruhe herrscht, nicht einmal von weitem Geschützfeuer zu hören ist, will ich jetzt nach Bendiuha zurück⸗ reiten, um Bekannte aufzusuchen. Abends. Ich war bei Major Wangemann, Hauptmann von Hirschberg und meinem Freund Schmitt, die alle in Bendiuha in Reserve liegen. Auf dem Rückweg kehrte ich noch bei der freundlichen Pfarrersfamilie ein, die uns gestern abend besucht und das Flugzeugabwehrgeschütz besichtigt hatte, Bei dem Pfarrhaus ist auch für die Familie ein Unterstand gebaut, aber ich hoffe für sie, daß es hier nicht zum Kampfe kommen wird. Diese paar Ruhetage taten wir außer⸗ ordentlich wohl; meine Nerven sind wieder gekräftigt. Das war aber auch nötig, denn ich war in einem Zustand, daß ich am liebsten gegen jeden, der nur in meine Nähe kam, grob geworden wäre. Aber noch konnte ich mich beherrschen. 3. Juli 15. Es ist furchtbar heiß Ich sitze in unserer Scheuer und lese:„Tas Wirtschaftsleben der westdeutschen Grenz⸗ länder.“ Wann wird die Zeit kommen, da ernstlich über Fragen des Friedens ver⸗ handelt werden kann? In den 183 Tagen der ersten sechs Monate dieses Jahres hatte ich 142 Gefechtstage. Die Bierbankpolitiker daheim, die sich nicht vorstellen können, was das besagt, scheinen in ihren Ansprüchen an unsere Leistungen immer anspruchsvoller zu werden. Nach der Einnahme von Lem⸗ berg stand in einem Leitartikel der„Kölni⸗ schen Zeitung“ eine lange Entschuldigung, warum nicht mehr Gefangene gemacht wor⸗ den wären, die Zahlen hätten den Erwar⸗ tungen nicht entsprochen. Dabei sind auf der Front in Galizien innerhalb 14 Tagen über 200 000 Russen gefangen genommen worden. Aber der Appetit kommt beim Essen, besonders, wenn andere die Gefangenen machen müssen und man sie selbst zu Hause zum Frühstück in der Zeitung vorgesetzt bekommt. 5 (Fortsetzung folgt.) Aus der Gießener Franzosenzeit 1790. Von Professor Dr. Karl Ebel, Direktor der Universitäts⸗Bibliothek zu Gießen. (Schluß.) Zu diesem Brief seien noch einige Be⸗ merkungen gestattet: Daß sich die französischen Soldaten in Gießen gut betragen haben, gilt nur von der Besatzung, die unter MPvens und seines utnants Lecomte Befehl stand. Diese bei⸗ den Offiziere traten allerdings von vorn⸗ herein jedem versuchten Uebergriff energisch, manchmal persönlich entgegen. Dagegen wurden von durchmarschierenden Truppen, namentlich aber von den sogenannten Kom⸗ missären, einer Art Intendanturbeauftrag⸗ ten, die für die Herbeischaffung des Heeres⸗ bedarfs zu sorgen hatten, Bedrückungen und Erpressungen aller Art, selbstverständlich auch Gewalttätigkeiten verübt. Meist gab es nur ein Mittel, Herabsetzung der Forde⸗ rungen zu erreichen, das war die Bestechung, der Kommissäre und Militärpersonen bis zu den Generälen hinauf gleichermaßen zu⸗ gänglich waren. Unsere Quellen sind voll von Beispielen dieser Art und zeigen, wie unbefangen dieses Mittel angewandt wurde, e uam Schlimmes und Unerträgliches von der Bevölkerung abzuwenden. Oft bot man Offi⸗ zieren jedes Grades als etwas Selbstver⸗ ständliches Geschenke an, um sie den vor⸗ zutragenden Wünschen günstig zu stimmen, oder um sich für die Gewährung dankbar zu erweisen. Chastel berichtet, daß der Kom⸗ mandant Pven den General Ney zwar als einen guten Kriegsmann, aber auch„als den größten Bösewicht, der in der alten und neueren Geschichte seines gleichen kaum hätte, dessen Hauptleidenschaft hauptsächlich Geiz wäre“, geschildert habe. Yven habe hinzugefügt, wahrscheinlich fände sich Ney getäuscht in seiner Hoffnung, daß ihm die Stadt Gießen ein paar hundert Louisdor zum Willkomm bringen würde. Es waren nur Wenige, die das Geschenk zurückwiesen, und ihre Namen werden jedesmal mit be⸗ sonderer Genugtuung verzeichnet. Dieses Verhalten der Franzosen in der Oberpfalz, in Franken und überhaupt auf ihrem Marsche hat gerade die Bauernauf⸗ stände hervorgerufen. Als Jourdan dem Erz⸗ herzog weichen mußte, erhob sich das Land⸗ volk allerorten gegen seine Bedrücker und ge⸗ staltete den Rückzug der Franzosen zur Flucht. Schaumann irrt, wenn er solche Nachrichten für Zeitungsgewäsch erklärt und von einem stolzen Rückmarsch spricht. Wie verlustreich dieser Rückmarsch wer, geht aus der Darstellung des Erzherzogs Karl hervor, und gleichzeitige Geschichts— werke sprechen sich noch deutlicher aus. Die von A. G. L. Lentin aus dem Englischen übersetzte anonyme„Geschichte des Feld⸗ zuges von 1796 in Deutschland und Ita⸗ lien“, Göttingen 1798, schildert den Zu— stand der Armee Jourdans folgendermaßen: „Die verschiedenen Korps der französischen Armee, welche keine regelmäßige Zufuhr von Lebensmitteln, noch bestimmte Punkte zum Rückzug hatten, warteten nicht länger auf die Befehle ihrer Generale. Sie waren in einzelnen Parthien geflohen und hatten die Gegenden, durch welche sie kamen, ge⸗ plündert und verwüstet. Ein großer Theil der Infanterie hatte die Gewehre weg⸗ geworfen und war ohne Schuhe. Stets ver⸗ folgt durch die Oesterreicher und Bauern, die gegen sie aufgestanden waren, hatten Schrecken und Muthlosigkeit Jourdans Truppen ergriffen; sie zeigten weniger das Bild einer Retirade, als einer tumultuari⸗ schen Flucht Mangel an Unterhalt und übermäßige Anstrengung und Desertion ver⸗ minderten ihre Zahl eben so sehr, als das Schwerd des Feindes, und der Verlust, den sie auf ihrer Retirade von der Naab bis an die Lahn erlitten, wird allgemein auf mehr 721 147 0 Mann angegeben.“ er auch die Ereignisse in Gießen selbst sprechen gegen Schaumanns Ansicht. Die „Kriegsgeschichte“ berichtet, daß am 9. Sep⸗ tember 400 Verwundete in der Stadt an⸗ kamen, die meistens noch den ersten Ver e band hatten. Und daß auch in unserer Ge⸗ gend die Bauern kräftig gegen die fliehenden Franzosen vorgingen, beweist die Bitte Yvens an die Regierungsräte v. Buri und Schwabe und den Ratsschöffen Tasche, sie möchten ihn nach Grünberg zur Besichtigung von 1200 dort eingetroffenen Flüchtlingen begleiten,„und gegen die Anfälle der Bauern sichern“. Das war schon am 5. Sep⸗ tember, und am 12.(nach dem Scharmützel und der Beschießung der Stadt) kam der Grünberger Amtmann, Hofrat v. Schmal⸗ kalder,„an der Spitze von einer unüberseh⸗ baren Menge(mit Heugabeln, Sensen und Feuergewehren) bewaffneter Unterthanen aus dem Grünberger Amt mit klingendem Spiele in die Stadt geritten“. Die Gießener Kriegs⸗ kommission nahm dies dem tapferen Amt⸗ mann sehr übel, weil er ohne Auftrag ge⸗ handelt habe, und verhinderte die Bürger⸗ schaft, sich den Bauern anzuschließen, die Oesterreicher aber teilten Patronen an die Bauern aus. Schaumanns Irrtum läßt sich dadurch erklären, daß Jourdan hier bei Gießen ernst⸗ lichen Widerstand, scheinbar nicht ohne Er⸗ folg, versucht hat. Außerdem scheint man in den Gießener maßgebenden Kreisen, be⸗ einflußt durch das Verhalten des Komman⸗ danten Yven, vielleicht auch durch den Pro⸗ fessor Crome und den eifrigen Dolmetscher Chastel, einen Franzosen, ganz allgemein ein günstiges Urteil über den seither erfolg⸗ reichen Feind gehabt zu haben. In seinem oben genannten Geschichtswerk hat Schau⸗ mann übrigens seine Ansicht modifiziert. Hier spricht er mit Schärfe von der„Zügel⸗ losigkeit der französischen Soldaten“ und von der„schleunigen Flucht“ der„Schul⸗ digen“, denen er allerdings die bei ihren Heerführern aushaltenden, zum schnellen Rückzug gezwungenen„Unschuldigen“ gegen⸗ überstellt. ü Es war nicht meine Absicht, in dem vor⸗ stehenden Aufsatz eine erschöpfende Dar⸗ stellung der Gießener Geschichte jener Tage zu geben, sondern die Ereignisse nur soweit zu schildern, als es für das Verständnis des Schaumannschen Briefes nötig schien, und bei dieser Gelegenheit einige noch verbliebene Unklarheiten zu beseitigen. Wer sich über die für unsere Stadt so interessante und folgen- schwere Periode genauer unterrichten will, sei auf die Lektüre der oben genannten chronikalischen Aufzeichnungen mit ihrer Fülle von Einzelheiten, besonders auch auf Wolfgang Meyers fleißige Arbeit, die das Gießen der Jahre 1796 und 1797 ausführ⸗ lich schildert, hingewiesen. Auffallend bleibt es, daß die schwer einschneidenden Gescheh—⸗ nisse an der einzigen Zeitung der Stadt, vorübergegangen sind. Zwar findet man dem Gießer Intelligenzblatt, fast spurlos unter den„Ein⸗ und Auspassierten“ wäh⸗ rend der Zeit der österreichischen Besetzung zahlreiche K. K. Offiziere, aber während der 0 %%% — 24— 1 Franzosenzeit fehlen die entsprechenden fran⸗ Jene schrecklichen Tage, an die uns der zösischen Namen gänzlich. Das Leben scheint Schaumannsche Brief erinnert, sind nicht seinen gewöhnlichen Gang zu gehen: die amtlichen Anzeigen enthalten nichts anderes als sonst, es wird ruhig weiter geheiratet, betauft, beerdigt, und jede Woche hat ein anderer Bäcker das Frischbacken. Nur ein Zeichen neben den oben erwähnten Ankündi⸗ gungen der„Kriegsgeschichte“ deutet an, daß sich etwas Außergewöhnliches ereignet hat: die am 17. September fällige Nr. 39 des Intelligenzblattes erschien erst am 24. und in ihr macht der in den verflossenen Tagen vielbeschäftigte Lektor be⸗ annt: „Künftigen Montag über acht Tage, als den Zten Oktober, werde ich meine Vor⸗ lesungen und Privat⸗Unterrichtsstunden wie⸗ der anfangen, welches ich hiermit allen meinen respectiven Zuhörern und Schülern 19 gehorsamster Empfehlung zu wissen thue. Gießen, den 24ten September 1796. F. T. Chastel.“ Unmittelbar daneben findet sich unter„Be⸗ mehr„Deutschlands trübste Zeit“, wie man sie einst genannt hat. Eine viel trübere Zeit ist über uns hereingebrochen. Doch damals folgte ein glänzender Aufstieg dem Zusam⸗ menbruch, und darum dürfen wir auch heute auf Deutschlands Erneuerung hoffen. Aber von innen, aus dem deutschen Volke heraus, muß sie kommen. Uirchliche Anzeigen. Sonntag, den 5. Februar, 5. n. Epiphania. In der Stadtkirche. Vormittags 91/ Uhr: Pfarrer Mahr.— Vorm. 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.— Abends 5 Uhr: Pfarrer Becker. — Montag, den 6. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde.— Mon⸗ tag, den 6. Februar, abends 8 Uhr; Ge⸗ erdigte bei der Stadtkirche“ folgender Aus⸗ zug aus dem Kirchenbuch:„Am 13. Sept. und Frauenvereinigung der Johann Daniel, Philipp Henrich Hillgarts, Burgers und Stadtbleichers, ehel. Sohn, alt 19 Jahr, starb an den von den Fran⸗ zosen erhaltenen Wunden.“ Der Eintrag im Kirchenbuch sagt genauer„an den von einem französischen Chasseur Wunden“. Auch Chastel und die„Kriegs⸗ geschichte“ erwähnen den tragischen Tod dieses einzigen Opfers aus der Bürgerschaft, der erstere unterm gleichen Tage in etwas sonderbarem Deutsch:„Dem Stadtbleicher Hilgarten sein Sohn wurde gestern malitiö⸗ ser Weise von einem französischen Chasseur todt theils geschossen, theils gehauen. Er ist heute begraben worden.“. erdigung, die am 11. September, also am Tage der ersten Beschießung, unter beson⸗ deren Umständen stattfand, überhaupt nicht mitgeteilt. Der entsprechende Eintrag im Kirchenbuch der Burgkirche, dessen Kenntnis ich gleichwie die des eben zitierten der Güte des Herrn Pfarrers Bechtolsheimer ver⸗ danke, lautet: „Frau Sibilla des verstorbenen Professors der Oekonomie Herrn Breidenstein hinter⸗ lassene Wittwe, geb. Esch aus Kilianstädten Fürstl. Hess. Hanauischen Amts Bücherthal, alt 76 Jahr 9 Monat 12 Tag, starb am 8 ten ejusd. Da. die Franzosen auf ihrem Rückzug aus Franken die ganze Stadt um⸗ ringt hatten, so getraute sich niemand den Leichnam auf den Kirchhof vor die Stadt zu bringen, sondern derselbe wurde auf Ver⸗ fügung des Füfstl. Consistoriums am 11. in die Burgkirch begraben.“ erhaltenen 0 Pfarrassistent Müller. meindeabend mit Bibelbesprechung, zugleich Helferversammlung der Markusgemeinde.— Dienstag, den 7. Februar, abends 8 Uhr: Oeffentliche Helferversammlung der Männer⸗ Matthäus⸗ gemeinde. Vortrag von Pfarrer Mahr.— Donnerstag, den 9. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten. weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr: Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld.— Abends 8 Uhr: Bibelbespre⸗ chung im Johannessaal: Pfarrer Adolph. — Montag, den 6. Februar, abends 702 Uhr: Jugendvereinigung der Lukasgemeinde (männliche Abteilung). Merkwürdigerweise wird eine andere Be⸗ Evang. Arbeiterverein. Sonntag, den 5. Februar, abends 7 Uhr (pünktlich): Volksliederabend. Eintrittskarten für Mitglieder unseres Vereins und des Wartburgvereins bei Bingel(Lindenplatz), für Nichtmitglieder in der Ferberschen Buch⸗ handlung und bei Challier. Die 3. Abteilung des Programms zeigt lebende Lieder, nicht lebende Bilder. N Wartburgverein. Sonntag, den 5. Februar: Spaziergang. Treffpunkt Ludwigsplatz 2 Uhr. Abends 8 Uhr: Zusammensein im Heim(siehe auch Evang. Arbeiterverein).— Freitag, den 3 10. Februar, abends 8 Uhr: Bibelstunde und Diskussionsabend im Heim. Berantworflich: Pfarrer Bechtolshesmer Druck und Berlag der Brüßhl'schen Unwersttäts- Buch⸗ und Steindruche n: R. Lange Gießen