„— E ²˙—˙. r onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen n Gießen, 3. S. n. Trinitatis, den 2. Juli 1922 II. Jahrg. die Ruhe des Volkes Gottes. Hebr. 4, 9. Darum ist noch eine Ruhe vor⸗ handen dem Volke Gottes. DO wie sehr nöthig ist doch die Ruhe in diefer Welt; denn es ist wahr, was der ge⸗ meine Verß sagt: Nichts kann ohn alle Ruh bestehn, Es wehrt nicht lang und muß vergehn. Welches Gott, der Allmächtige wol gewust, darumb er auch den sibenden zum Ruhetag gemacht. Da Noa eine Tauben auß dem Kasten ließ, unnd sie nicht fand, da ihr Fuß ruhen kund, getrawet sie nicht lenger zu flihen, sondern macht sich wider zu dem Kasten, da that Noa seine Hand herauß und namb sie wieder zu sich in den Kasten. wie lieblich ist uns die Ruhe, darumb sich auch ein Taglöhner nach dem Abend sehnet, damit er ruhen möchte. Nun werden wir dort (im ewigen Leben) von aller Unruhe ge— freyet seyn. Ruhe werden wir haben von der Arbeit im Lehr⸗, Wehr⸗ und Nehrstand, Ruhe wird ein jedweder haben von seiner Hanthirung, darin er ihm seyn Brod muß lassen sawer werden. Ruhe werden wir haben für dem Teuffel, dann er wird völlig unter unsere Füße getreten werden. Ruhe werden wir haben für dem Todt, der uns in diesem Todtenleben, wie es Augustinus nennen will, immer uffm Fuß nachschleicht. Ruhe werden wir haben für den Sünden, die uns nicht mehr ankleben und in uns wohnen wird, sondern werden den Engeln Gottes gleich seyn. Ruhe werden wir haben für der argen Welt, wider welche wir mit großer Frewdigkeit stehen werden, die uns ge⸗ ängstet und unsere Arbeit und Werke, so in Gott gestahn gewesen, verworffen haben. Ruhe wird seyn für der Thewrung, Ruhe für allerhand Kranckheiten, Ruhe für dem leydigen Kriegswesen, und in Summa, Ruhe werden wir haben für allerley Uebel Leibs und der Seelen, Guts und Ehren. Wer wolt nun nach solcher gewünschten Ruhe und Sicherheit nicht ein großes verlangen tra⸗ 7 gen? Da die Kinder Israel auß Egypten zogen, folgete 5 8 5 der König Pharao nach biß ans rohte Meer, da sie aber zum Herrn riefen, theilete sich das Meer, und sie gingen mit großer Frewde truckens Fußes 5 durch, also ziehen die Gläubigen aus dem istlichen Egypten, aber die Unruhe der lt folgt ihnen immer nach bis an den Todt. Im Todt aber kommen wir gleich⸗ samb ans rohte Meer, da gehen wir hin⸗ durch und werden für der Welt Unruhe gantz abgeschieden und gesichert. Hartmann Mogius, Pfarrer zu Gießen, gestorben 1658. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 37. Der Gießener Bub vor 50 Jahre n. Von Louis Frech. (Fortsetzung.) Das Mittagessen hatte mir schon viel zu lange gedauert, denn es zog mich mit allen Sehnen nach dem Kreuz. Mein Vater konnte es nicht leiden, wenn der Löffel hingelegt O und auf die Straße gestürmt wurde. Ebenso war es ihm ein Greuel, wenn mir meine Kameraden unten in allen Tonarten pfiffen. Daher erhob ich mich phlegmatisch, schlen⸗ derte ein paarmal im Zimmer herum, ging dann wie von ungefähr nach dem Fenster und kam gerade recht, um der bereits unten versammelten Bubenkorona einen Wink zu geben, das Pfeifen zu unterlassen; denn die Mäuler hatten sie schon gespitzt. Sodann machte ich mich auf Französisch davon, D 95 ich ging unauffällig zur Türe hinaus, lief aber dann, was ich laufen konnte, die Treppen hinunter zu meinen Kollegen, die mich mit lautem Geschrei in Empfang nahmen. Oben wußte man, was das bedeutete, denn es war nicht das erstemal, daß ich mich so ge⸗ drückt hatte und so begrüßt wurde. Und nun begann ein Sturmlauf nach dem Kreuz. Die vier, welche zuerst dort waren, konnten sich auf Buschs Treppe setzen, die anderen mußten, wenn sie sich nicht auf die Mauer plazieren wollten, stehen Sehr oft war die Treppe bereits besetzt. Bei Tag oder bei schönem Wetter hatte dies nichts auf sich, weil in der Regel doch bald ein Spiel an⸗ gefangen wurde. Abends jedoch, oder wenn es regnete, waren die Sitzungen von längerer Dauer und diejenigen am besten daran, die einen Platz auf der Treppe hatten. Heute war ein besonderer Tag; heute mußte ein Palawer 1 werden, denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Teilnehmer waren genug da, große und kleine. Die Unterhaltung begann damit, daß die älteren Jungen die Vorschulabitu⸗ rienten mit dem am Vormittag stattgehabten Examen aufzogen.„Was ihr gefragt worde seid, hätt“ unser Katz' 55 beantworte — 106— könne,“ sagte einer und„Wenn euer Lehrer wieder emal ein' vor all de Leut' geie (geigen) läßt, dann soll er'n sich erst die Nas butze lasse“ ein anderer. Das erste wurde mit bissigen Gegenbemerkungen be⸗ stritten, das letztere dagegen konnte nicht in Abrede gestellt werden, denn es war Tat⸗ sache, und ganz Gießen erzählte sich in seiner kleinbürgerlich-drastischen Weise die arge Verlegenheit des armen Jungen, der erst sein Stück fertig spielen mußte, ehe er an sich denken durfte. So ging das Hin und Her eine Zeitlang weiter, bis das Thema erschöpft war. Dann beschlossen die „Großen“„Kuttches“ zu spielen, die an⸗ deren liefen heim und holten sich ihre Stelzen, welche teilweise eine beängstigende Höhe hatten, die es beispielsweise gestattete, von der Sonnenstraße aus die Kreuzer Mauer an ihrer höchsten Stelle, also am Buschschen Hause, zum bequemen Auf- und Absteigen zu benutzen. Im Stelzenlaufen. entwickelten die Kreuzer Buben eine wahre Virtuosität. Sie schlenderten und torkelten auf den Pflastersteinen herum, hüpften und liefen Trab auf ihren verlängerten Beinen und fochten mit der einen, wie eine Lanze eingelegten Stelze aufeinander zu hickelnd, Turniere aus, oder die ganze Gesellschaft machte auf der einen balanzierend, mit der zweiten Stelze Gewehrgriffe. Trotz dieser waghalsigen Manöver auf den langen Höl—⸗ zern ist meines Wissens nie ein Unglück passiert. Fiel einer, dann landete er auf den vier Füßen, wie eine Katze. Die Stelzen fertigte der Hausschreiner für ein paar Pfennige oder umsonst an. Es brauchte daher kein Junge aus Mangel an Kleingeld den die andern beneidenden Zuschauer zu spielen. Das„Kuttches⸗Spiel“, zu welchem sich mun die größeren Jungen anschickten, ist inzwischen verschwunden. Schade drum, denn es war ein anregendes, den ganzen Körper in Anspruch nehmendes, gesundes und gern gewähltes Spiel. Es verdankt dem, neben einem kräftigen Stock die Hauptrolle spielen⸗ den Utensil, nämlich der die Zehen der Schweine schützenden Hornbekleidung,„der Kutt“, seinen Namen. Diese Zehenhüllen, die die Form der Kaputze einer Mönchskutte haben, werden von den Metzgern den ge— schlachteten Schweinen abgezogen und weg⸗ geworfen. Es lagen daher in den Höfen der Metzger, die damals, da es noch kein Schlachthaus hier gab, auf ihren Grund⸗ stücken schlachteten, stets Kutten herum. Die „Kutt“ bildete somit ein billiges, aber auch wegen ihrer außerordentlichen Zähigkeit un⸗ verwüstliches und speziell für das Spiel einzigartiges Objekt. Um das„Kuttches⸗Spiel“ nicht gänzlich der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, lasse ich hiermit eine Beschreibung desselben folgen. Vielleicht gibt dieselbe über kurz oder lang die Anregung, es wieder auszugraben. In der Stadt wird man es aber kaum jemals wieder dulden. Es würde nach Para⸗ graph soundsoviel der Polizeiverordnung eine den öffentlichen Verkehr störende Hand⸗ lung bedeuten und daher nicht erlaubt sein. Unser Platz für das Spiel war das Kreuz, in der Fortsetzung der Sonnenstraße. Durch Wegschlagen der einen Hälfte eines der Pflastersteine wurde eine Kaute geschaffen, welche den Mittelpunkt für das Spiel bil⸗ dete. Etwa 2—3 Meter von diesem ent⸗ fernt, im Kreise angeordnet, befanden sich eine Reihe(in der Regel 8—10) auf gleiche Weise entstandener Löcher. An dem Spiel konnten so viel Jungen teilnehmen, wie Löcher— das mittlere eingerechnet— vor⸗ handen waren, aber auch weniger, bis zu zwei herab. Das Spiel begann damit, daß die Kutte in das mittlere Loch gelegt wurde und sämtliche Teilnehmer ihre Stöcke in dasselbe steckten, dann im Kreise herum gingen und dabei riefen:„Prügelche, Prü⸗ gelche 1, 2, 3, Prügelche, Prügelche 1. 2 3, Prügelche, Prügelche ins Loch.“ Mit dem letzten Wort stürzte jeder auf eins der äußeren Löcher zu und steckte seinen Stock hinein. Damit wurde dieses sein Eigentum. Es hatte also jetzt jeder seine Kaute, bis auf einen, denn das Loch im Mittelpunkt schied vorerst aus. Der Uebriggebliebene mußte nun die Kutte treiben, d. h. sie mit seinem Stock in eins der Löcher zu bringen und darin mit diesem solange festzuhalten suchen, bis er dreimal„Prügelche, Prügelche 1, 2, 3“ gesagt hatte. Gelang ihm dieses, dann ging das betreffende Loch sofort in seinen Besitz über und der vorige Inhaber mußte nun die Kutte treiben. Das war keineswegs leicht; denn die ganze Gesellschaft schlug mit ihren Stöcken unbarmherzig auf die Kutte ein, um sie möglichst weit vom Spiel⸗ kreis zu entfernen. Dabei kam es vor, daß diese haushoch in die Höhe oder weit weg bis zum Seltersweg flog. Damit nicht genug, suchte man sie noch weiter wegzuschlagen. (Fortsetzung folgt.) Die Einnahme von Brest⸗Litowsk. Aus dem Kriegstagebuch des Majors d. Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. (Fortsetzung.) Abends um 6 Uhr kamen wir nach Cholm, das voll deutschen Militärs verschiedener Divisionen steckt. Die Abteilung bezog Biwak in dem großen Hof eines staatlichen Semi⸗ nars. Wir Offiziere werden die Nacht in einem Zimmer des riesigen Seminargebäu⸗ des verbringen. Cholm ist eine richtige Stadt, die ich mir eben ansah. Auf einer das Gelände überragenden Höhe liegt eine monumentale Kirche mit mehreren Kuppeln. Von hier aus konnte ich das Feuer unserer bereits weiter vorgeschobenen schweren Ar⸗ tillerie beobachten, die den abziehenden Feind beschoß. Die Stadt scheint vorwie⸗ gend von Juden bewohnt, die jetzt voller Neugier in den Straßen herumwimmeln. 6 ft 2 E in O EPF e e — 107— Christenmenschen sieht man kaum. Bis heute früh verluden die Russen hier am Bahnhof Truppen und zerstörten dann die Anlagen. Eine Fabrik neben dem Bahnhof steht noch in Flammen. 5 f Wir sind dem Feind dauernd dicht auf den Fersen, befinden uns hier aber in einem sehr schwierigen Wald- und Sumpfgelände. 4. Aug ust 15. Das neue Kriegsjahr hat gleich recht scharf eingesetzt. Das Se⸗ minar in Cholm, in dem wir die Nacht vom 1. zum 2. August verbrachten, war das zweite anständige Haus, in das ich seit dem Verlassen Deutschlands kam. Es war 1890 errichtet, offenbar eine Art Gewerbe⸗ schule, aber militärisch geleitet. Bei der Einweihung werden die Leute auch nicht gedacht haben, daß nach 25 Jahren deutsche Offiziere auf der Verfolgung russischer Truppen darin wohnen würden. Unser mit Parkett belegtes Zimmer war hoch und geräumig, aber außer Tisch und Sitz⸗ gelegenheiten waren keine Möbelstücke vor— handen. Wir mußten also auch hier auf Stroh schlafen, und uns aus dem Eimer waschen. Aber es war doch ein angenehmes Gefühl, daß man sich wieder einmal in einem unseren Ansprüchen entsprechenden Zimmer befand. In dem mehrere hundert Zimmer umfassenden Gebäude waren alle messingenen Türklinken von den Russen mitgenommen worden, ebenso die Glocken der verschiedenen Kirchen. Zur Feier des glücklichen Abschlusses des ersten Kriegsjahres tranken wir eine Flasche Sekt, die mein Schwiegervater durch Ka⸗ nonier Lang geschickt hatte, der während seines Urlaubs meine Frau besuchte. Abends kam auch noch Nebels Beförderung zum Leutnant heraus, auch Obenauer ist Leut⸗ mant geworden, er ist noch in Urlaub. Wir schliefen sehr gut, völlig ungestört bis 6 Uhr. Um ½7 Uhr rückten wir ab, aber nur wenige Kilometer bis Oksow, wo sich die ganze Division auf kleinem Raum sammelte. Die Russen waren aber noch näher, als die Führung gedacht hatte, und fingen an, in und hinter dem Ort mit Artillerie zu schießen. So wurden nach und nach mehrere Batterien eingesetzt. Um 3 Uhr wurden Hauptmann Plesser und ich vorgeholt. Wir ritten durch Wald, wo die Infanteriekugeln nur so pfiffen. Das letzte Stück gingen wir zu Fuß bis zum Waldrand, vor dem sich unsere Infanterie etwas vorgearbeitet hatte. Der Feind lag auf 400 bis 500 Meter gegenüber und schoß andauernd. Alle Stäbe: Brigade, Regiment, Abteilung sowie Bat⸗ terieführer saßen in Schützenlöchern am Waldrand und beobachteten. Die Batterien gingen hinter dem Wald in Stellung, ich suchte mir am Waldrand auch einen Be⸗ obachtungsstand aus und schoß noch tüchtig. An dem Waldrand waren auch Maschinen⸗ gewehre eingebaut, und das Geknalle und Geknatter erinnerte mich an den Tag auf dem Megelingrun. Einige Schritte hinter meiner Beobachtungsstelle wurden gefallene Infanteristen beerdigt. Erst um 8 Uhr abends ging ich zu dem Zelt zurück, das am hinteren Ausgang des Waldes bei den Protzen, etwas vor der Feuerstellung, er⸗ richtet war. Bis dorthin kamen noch In⸗ fanteriegeschosse, wodurch ich leider ein gutes Pferd verlor. Unsere Infanterie hatte an diesem Tage ziemlich Verluste, meist aber nur Leichtverwundete. (Fortsetzung folgt.) Ernst Koch. Von Dr. jur. et phil. Karl Esselborn. 5(Fortsetzung.) Am 27. April wurde er für reif erklärt, die Sakramente zu empfangen. Nach genom⸗ mener Rücksprache mit dem Kapitel nahm der Geistliche die ihm als Protestant er⸗ teilte Taufe als gültig an. Noch denselben Abend berichtete Koch seinem würdigen Kaplan, und am andern Morgen empfing er die heilige Kommunion, beides in der im Hospital wohlerhaltenen bischöflichen Ka⸗ pelle.“ Damit war„der Rücktritt in die mütterliche Kirche“ vollzogen, woran er schon im Jahre 1834 in der Heimat und im Jahre 1836 in Spanien flüchtig gedacht hatte. „Am folgenden Tage wurde er vom Arzte für kuriert erklärt und ging zu seinem Ba⸗ taillon zurück. Im Monat Juni kam die unerwartete Nachricht, daß der Rest der Fremdenlegion nach Hause geschickt werden sollte. Am 1. August ging er mit Abschied von Pamplona weg.“ So erzählt Koch selbst in einem„Eine „Bekehrung“ überschriebenen und K. unter⸗ zeichneten Aufsatz in den von H. Himioben unterzeichneten„Katholischen Sonntags- blättern zur Belehrung und Erbauung“ (5. Jahrgang, Mainz 1846 Nr. 28 vom 12. Juli S. 220 f.) das Ende seines spani⸗ schen Aufenthaltes. Die sonderbaren Anschauungen, die der merkwürdige Mann von den christlichen Kirchen hatte, und sein Uebertritt zum katho⸗ lischen Glauben überraschen uns nicht weiter. Koch ging ohne sichtbaren Grund im Alter von 26 Jahren zur Fremdenlegion, ein Beweis, daß er ein exzentrischer Mensch war, dessen Nerven stark überreizt waren. Sein Glaubenswechsel ist nur unter den. gleichen Voraussetzungen zu erklären. Don Raphael Salvador— der Name klingt sehr phantastisch— wird es 1 an Bekeh⸗ rungsversuchen nicht haben fehlen lassen, vielleicht ist auch der ganze Bericht auf die Einbildungskraft des Erzählers zurückzu- führen. Nach einer sechswöchigen Wanderung von Pamplona aus über Metz und Sierk langte er im September 1837 in Marburg an, wo . — 108— ihn ein Freund aus Fronhausen auf der Landstraße auffing und ihm eine Stunde darauf aus Lewalds„Europa“ Franz Dingelstedts Worte vorlas: Kurhessen hat eigentlich nur einen einzigen Dichter ge⸗ boren, und diesen zufällig; das ist Ernst Koch, den Verfasser des„Prinz Rosa⸗ Stramin“. Seitdem er heimlich sein Vater⸗ land verlassen, ist seine Spur verschwunden. Möge die Vorsehung ihn beschützen auf seinen dunkeln Pfaden.“ Koch, zu Tränen gerührt, verlangte Papier und Feder und schrieb sein Gedicht„Gruß an die Heimat“. Der verloren Geglaubte wurde im Eltern⸗ hause in Kassel mit offenen Armen aufge⸗ nommen. Dagegen nahm ihn der Kurfürst nicht wieder in den Staatsdienst auf. Damit er seinem Vater den Unterhalt vergüten konnte, arbeitete er zwei Jahre lang bei dem Advokaten Rösing und begann gleichzeitig eine Darstellung des althessischen Privat- rechts. Doch noch ehe er diese vollendet hatte, berief ihn Hassenpflug, der nach einem Zerwürfnis mit dem kuͤrfürstlichen Mit⸗ regenten aus dem hessischen Staatsdienst entlassen worden war, 1838 hohenlohe— sigmaringische Dienste angenommen hatte und im folgenden Jahre an die Spitze der Verwaltung des Großherzogtums Luxemburg etreten war, als Regierungssekretär nach uxemburg. Im Mai 1840 gründete er mit der Tochter des Eigentümers Müllen⸗ dorf daselbst einen Hausstand. Von den aus der Ehe hervorgegangenen neun Kindern starb die Hälfte im Kindesalter. Nach dem noch im Jahre 1840 erfolgten Rücktritt Hassenpflugs blieb Koch in der Verwaltung und wurde im Dezember 1842 Bureauchef. Von Anfang 1844 bis Januar 1846 be⸗ kleidete er die Stelle eines Rendanten am Hauptpostamt, dann wurde er auf Warte⸗ geld gesetzt und hatte nur den deutschen Text des„Memorials des Großherzogtums Luxemburg“ zu besorgen. Im Herbst 1847 legte er dem Publikum zum erstenmal unter seinem wirklichen Namen eine Probe seiner geistigen Beschäftigungen vor, welche sich bisher anonym oder unter fingiertem Namen. Leonhard Emil Hubert(so im„Ver⸗ fassungsfreund“), Hubertus(so in seinen Beiträgen zu Hahndorfs„Blättern für Geist und Herz“), Eduard Helmer— mehr oder weniger bemerkbar gemacht hatten.“ (Schluß folgt.) Uleine Mitteilungen. Hartmann Mogius war 1601 zu Gette⸗ nau geboren, er war Pfarrer in Kölbe, Pä⸗ dagoglehrer zu Marburg und von 1633 bis zu seinem Tode Pfarrer in Gießen. Er starb am 11. Februar des genannten Jahres und wurde am 19. Februar zur Erde be⸗ stattet. Der Professor und Superintendent Peter Haberkorn schrieb damals in das Kirchenbuch:„Herr M. Hartmannus Mo⸗ gius, ecclesiastes Gissensis in die 24 Jahr lang, darin er sich sehr wohl verdienet ge⸗ macht, trewlich gedienet und mit hertzlicher Condolentz der gantzen christlichen Gemein beklaget und beweinet worden, im 57. Jahr seines Alters. Gott erfrewe ihn ewiglich.“ Mogius war einer von den Gießener Män⸗ nern, die als Urkundspersonen das Schrift⸗ stück unterschrieben haben, durch das der Kanzler Antonius Wolff von Totenwart im Jahre 1635 zur Erinnerung an seine dahingeschiedene Ehefrau für die Gießener Armen 50 Goldgulden stiftete. Aus der heute mitgeteilten Betrachtung geht her⸗ vor, daß sie mitten im Dreißigjährigen Krieg geschrieben worden ist, sie stammt aus dem Jahr 1635. Der Ausdruck„ecelesiastes Gissensis“ bedeutet„Gießener Pfarrer“. * Der Gesamtkirchenvorstand richtet an alle Glieder unserer Gemeinde die Bitte, sich an dem 30. Stiftungsfest des Evangelischen Arbeitervereins recht zahlreich zu beteiligen. Das Programm des Festes ist in den dieser Nummer beigeg benen„Monatlichen Mittei⸗ lungen“ enthalten; es wird gebeten, dieses Programm zu beachten. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 2. Juli, 3. n. Trinitatis. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becker.— Vormittags 9 Uhr: Pfarrer Mahr.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. — Montag, den 3. Juli, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend, Dienstag, den 4. Juli, abends 8 Uhr: Vereinigung der weiblichen Jugend, jedesmal der Matthäusgemeinde.— Diens⸗ tag, den 4. Juli, abends 8/ Uhr: Helfer⸗ versammlung der Männer- und Frauen⸗ vereinigung der Matthäusgemeinde. Dienstag, den 4. Juli, abends 8 Uhr: Ver⸗ einigung der konfirmierten weiblichen Ju⸗ gend der Markusgemeinde.— Donnerstag, den 6. Juli, abends 8 Uhr: Zusammen⸗ kunft des Frauenvereins der Markus⸗ gemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarr⸗ assistent Müller.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: e im Johannessaal: Pfarrer er. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Undverfftdts-Buch⸗ und Steindruckerel 5 R. Lange, Gießen. e