ihm. 8 — = 2 8 e eee e . 8 ge urg⸗ i ber. Uhr. jarsch toll e. den nen. 5 7 onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 40 Gießen, 16. S. n. Trinitatis, den I. Oktober 1922 Jahrg. II. 7 An unsere Leser. Es ist unseren Lesern bekannt, daß durch die ungeheuere Preissteigerung gerade der letzten Monate das Zeitungsgewerbe so be⸗ droht ist, daß täglich in Deutschland Zei⸗ tungen und Zeitschriften ihr Erscheinen ein⸗ stellen. Soll der„Sonntagsgruß“ nicht dem gleichen Schicksal verfallen, so muß der Bezugspreis erhöht werden. Dieser Preis bemißt sich zunächst für den Monat Oktober auf 15 Mk., weitere monatliche Festsetzungen werden erfolgen. 15 Mk. erscheinen als eine hohe Summe, wenn man den Wert der Mark in der Vorkriegszeit in Betracht zieht, wenn man sich jedoch fragt, was man heute für 15 Mk. noch bekommt, so ist dieser Betrag sehr mäßig. Wir sind überzeugt und hoffen, daß die Glieder unserer evangelischen Gemeinde das Blatt, das nun 11 Jahre lang in unsere Familien kommt und eine weite Verbreitung gefunden hat, das ihnen religiöse Betrachtungen, Notizen über das kirchliche Leben und Darstellungen aus der Heimatgeschichte darbietet, nicht dem Untergang preisgeben werden. Mögen unsere Leser bedenken, daß jeder, der den „Sonntagsgruß“ nun abbestellt, das Weiter⸗ erscheinen des Blattes auf das ernstlichste gefährdet. Verlag und Redaktion des„Sonntagsgruß“. Konsirmandenzeit. Eph. 6, 4. Ihr Väter, ziehet sie(die Kinder) auf in der Zucht und Ver⸗ mahnung zum Herrn. In diesen Wochen hat der Konfirmanden⸗ unterricht in vielen Gemeinden wieder be⸗ gonnen, in Gießen allein sind 550 Kinder diesem Unterricht zugeführt worden. Darüber wird bei ernsten Christen kein Zweifel be⸗ stehen, daß die Konfirmandenzeit eine heilige und ernste Zeit ist. Das Höchste und Beste soll dem Kinde, das bald in die Arbeit des Berufes eintritt oder doch mit dem Leben der großen Welt in Berührung kommt, in dieser Zeit an das Herz gelegt werden, Jesus soll in seiner Seele Gestalt gewinnen, damit das Kind im späteren Leben einen festen Halt hat und sein Wollen auf das 2. Gute richtet. Der Geistliche allein kann hier nicht alles leisten, versagt ihm das Elternhaus die Mithilfe, so ist seine Arbeit umsonst. Paulus sagt, was Eltern tun sollen, damit die Konfirmandenzeit für das Kind gesegnet sei. Ihr Väter— natürlich richtet sich dieses Wort auch an die Mütter— ziehet eure Kinder auf in der Zucht und Vermahnung zum Herrn. In der Zucht! Im Hause muß eine feste, christliche Ord⸗ nung sein, von dem törichten Worte von dem Jahrhundert des Kindes und von der Ansicht, daß das Kind sich völlig frei ent⸗ wickeln solle, wollen verständige Menschen längst nichts mehr wissen. Der noch unge⸗ festigte Mensch muß sich in willigem Ge⸗ horsam von dem Gefestigten und Reifen führen lassen und ist auch froh, wenn er noch solche über sich hat, die ihn führen. Aber auch die Vermahnung zum Herrn darf nicht fehlen, die Hinleitung zu Jesus. Diesen Weg zeigt man dem Kinde nicht dadurch, daß man viele Worte macht, sondern durch das Beispiel der Gottesfurcht und Heilands⸗ liebe. Sieht ein Kind, daß seine Eltern im Gebetsleben stehen, daß sie das Wort Gottes in Ehren halten und darnach trachten, wie sie selig werden, so wirkt das mehr als vieles Reden. Den Weg zum Heiland hat mancher im Gotteshause gefunden. Darum sollen Eltern, die für heranwachsende Kinder zu sorgen haben, nicht versäumen, diese zum Besuch des Gottesdienstes anzuhalten, indem sie selbst am Sonntag beim Klang der Glocken dahin gehen, wo die Gemeinde anbetend zusammenkommt. H. B. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 37 Der Gießener Bub vor 50 Jahren. Von Louis Frech. (Fortsetzung.) Von da gingen wir zu einem Onkel der beiden Sch., welcher auf dem Asterweg wohnte und ein Junggeselle wie auch ein Kinderfreund war. Er hörte uns lächelnd zu, dann öffnete er einen Wandschrank und holte eine Flasche heraus, in welcher er einen selbsthergestellten„Waldkräuterlikör“ aufbe⸗ wahrte.„Derselbe,“ so belehrte uns der Onkel,„ist ein Beruhigungsmittel, und da ihr sehr aufgeregt seid, so will ich euch ein Gläschen spenden. Seid bescheiden, denn ö unserer sechs, und da fiel das Quantum für mehr wie eins gibt's nicht!“ Wir waren 8 — 158— den einzelnen etwas homöopathisch aus. Dann gab er uns zu unserer großen Freude, die ihm wieder viel Vergnügen bereitete, einen halben Gulden= 30 Kreuzer. Bei meiner Tante Lampus am Walltor ergatterte ich einen Sechsbätzner- 17½ Kreuzer. Auf dem Rückweg sprachen wir noch bei zwei Tanten von Sch. vor, die uns aber fort⸗ jagten. Bei dem Vater unseres Freundes Fr. W., des früher erwähnten Dienst⸗ mädchenbettbretterräubers, getrauten wir uns nicht, etwas zu sagen und gingen wie begossene Pudel wieder fort, um uns auf der Straße über unser heldenhaftes Auftreten gegenseitig auszulachen. Aber nun war guter Rat teuer. Das Geld reichte nicht, und die Aussichten, auch den Rest zu bekommen, sehr mäßig. Schon wollten wir in die Scheppeck einbiegen, da kam der Milchkutscher unseres Viertels angefahren. Wir winkten ihm und er hielt an. Wir erzählten ihm unsere Not und knöpften ihm 6 Kreuzer ab. Damit aber war mit unserer Sammlung Schluß, und es dämmerte schon.„Was mache mer jetzt?“ hieß es. Ich erklärte von vorn⸗ herein, daß ich den Schwengel bei meinem Petter Wiener nicht hole, ich habe ihn hin⸗ getragen, holen könne ihn aber ein anderer. Davon wollten die anderen aber nichts wissen. Gerade, weil ich ihn hingebracht habe, müsse ich ihn auch wieder holen. Dann wäre ich ja auch der einzige, der den Mann näher kenne. Sie setzten mir derartig zu, daß ich nachgab, wenn auch mit sehr ge⸗ mischten Gefühlen. Ich hatte Frau Sch. die Beschaffung des Schwengels bis zum Abend versprochen und wollte mein Wort halten. Meine fünf Fechtbrüder vom Nachmittag begleiteten mich bis an das Hoftor und schoben mich hinein. Zögernd ging ich weiter, je näher ich der Haustüre kam, desto lang⸗ samer. Dafür hatte ich aber um so größeres Herzklopfen. Wenn ich doch wenigstens das Geld hätte voll zurückzahlen können, aber es fehlten noch zwölf Kreuzer. Endlich faßte ich mir ein Herz und stapfte die Treppe hinauf. Die Goth nahm mich in Empfang. Wir kamen ins Gespräch, und schließlich tischte ich ihr die Geschichte wahrheitsgetreu auf. „Was ihr aber für böse Jungen seid,“ sagte sie,„der Petter ist noch in de Werk⸗ statt, ich will mit dir enunner geh', sonst jagt er dich, daß de die Bei' verlierst. Unn hier haste noch die fehlende 12 Kreuzer. Ohne die is' es erst recht nix. Un jetzt vorran!“„Nimm du das Geld,“ bat ich. Ich gab ihr, was ich hatte und dann gingen wir⸗ Wie wenn ich gehängt werden sollte, schlich ich hinter der Frau her, die Treppe hinunter und in die Werkstatt hinein, die fast ganz dunkel war. Nur der Türe gegenüber brannte eine tief über der Werkbank hängende Lampe. Mein Petter Wiener feilte an etwas herum und blickte erst dann mit gesenktem Kopf über die ganz vorn auf der Nasenspitze hängende Brille hinweg seine Frau an, als sie ganz nahe bei ihm angekommen war. Ich hielt mich begreiflicherweise im Dunkeln. „Na, was haste?“ fragte er.„Hier ist den Freche-Louis un will de Pumpeschwengel widderhawwe.“„Hab' ich mirs doch gleich gedacht!“ fuhr er auf.„Wo is denn der ausbub?“„Nu fahr nur nett gleich aus de Haut!“ beschwichtigte ihn die Goth.„Buwe sein Buwe, unn du wirscht auch nett viel anderster gewese sei'“„Da geh wenigstens mal herbei, du Geschäftemächer!“ befahl er. (Fortsetzung folgt.) 94 Ueber Reform des Grabmalwesens. (Zur Ausstellung im Oberhess. Kunstverein. Von Prof. Dr. W. v. Grolman⸗Wiesbaden. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts setzt im künstlerischen Fühlen, namentlich auf dem Gebiete der Architektur und der von ihr abhängigen Gewerbe, in allen euro⸗ päischen Ländern ein rapider Verfall ein. Man kann sagen: die erste Weltausstellung, die in London 1885 stattfand, bedeutet zu⸗ gleich das Grab der alten künstlerischen Kultur Europas. Es begann in Deutschland die Periode der rein äußerlichen ungefühl⸗ ten Imitationen aller möglichen historischen Stile, bis mit dem„Jugendstil“ um die Jahrhundertwende das Chaos sich vollendete, um dem allmählichen Aufstieg zu weichen. Leicht kann man auf jedem älteren Friedhof diese Entwicklung verfolgen. Das erste Drittel des 19. Jahrhunderts brachte noch einmal in den stimmungsreichen und anmutigen Denkmalen der Empire⸗ und Biedermeier⸗ zeit eine wahre Blüteperiode, wie sie seit der Spätgotik und Frührenaissance nicht mehr erlebt wurde. Es war der letzte origi⸗ nale Stil des Grabmals, das sich von da an müde durch die falsch verstandene Gotik, italienische und deutsche Renaissance durch⸗ schleppte, um dann seit etwa 1880 ein Opfer der neu aufkommenden, jeder künst⸗ lerischen Erwägung baren Granitindustrie zu werden, die mit ihren polierten schwarzen Platten, schematischen Obelisken und Kreuzen den Friedhof überschwemmte. Man hielt das für vornehm und bemerkte nicht, von der abscheulichen rohen und nüchternen. Form abgesehen, daß die glänzenden, spie⸗ gelnden Steine wie die Faust auf das Auge in die weiche Atmosphäre unserer Natur paßten, in die sie wahre Löcher rissen, indem sie zugleich alle Harmonie des Fried⸗ hofs zerstörten. Die Steinmetzen ihrerseits wurden schließlich Händler und Kommissio⸗ näre der Granitwerke und ihrem Handwerk immer mehr entfremdet. Teils begnügten sie sich mit der Eintragung mattgoldener In⸗ schriften in schlechter Lateinschrift, die wie Reklameschilder den Betrachter anschreien, teils verunzierten sie den Friedhof durch eigene Produkte, die wie die künstlichen Felsen, die mit dem Sandgebläse und aus⸗ geschnittenen Schablonen hergestellten Orna⸗ mente nicht einmal mehr den Titel einer degenerierten Kunst beanspruchen können, 7 dem Ende des 19. Jahrhunderts und bieten leider noch immer unsere Friedhöfe ein Bild geistiger Oede und Unkultur, deren Anblick feiner empfindende Menschen ge⸗ radezu mit Grauen erfüllen kann, und eines der entsetzlichsten Beispiele für die seelische Verwahrlosung, in die das Zeitalter des Materialismus die Menschheit gestürzt hat. Leicht wird der aufmerksame Beobachter fest⸗ stellen, wie auch der Text der Inschriften, die noch zur Urgroßväterzeit fast immer eine persönliche Note trugen, an dieser Ent⸗ seelung teilnahmen. Hier helfend einzugreifen, war das Ziel, das sich die„Wiesbadener Gesellschaft für bildende Kunst“ stellte, als sie 1905 mit der ersten Ausstellung für Friedhofskunst in Deutschland hervortrat. Im Anschluß an diese wurde eine feste Organisation ge⸗ schaffen, die engste Zusammenarbeit von Kunst und Handwerk erstrebte. Um letzteres mit guten Vorlagen— sowohl für die Denkmale wie für die Schrifttexte— ver⸗ sehen zu können, wurde eine Reihe unserer führenden Künstler gewonnen, die der Wies⸗ badener Gesellschaft nicht nur fertige Ent⸗ würfe gegen mäßige Vergütung zur Ver⸗ fügung stellten, sondern auch ihre Bereit⸗ schaft zu unverbindlicher Anfertigung ganz neuer, für spezielle Zwecke gezeichneter Ent⸗ würfe erklärten. Gegenwärtig arbeitet die Gesellschaft mit einem Stab von 30 Künst⸗ lern und verfügt über rund 2500 Vorlagen. Auf der andern Seite sind ihr lokale Stein⸗ metzgeschäfte in über 50 deutschen, öster⸗ reichischen und Schweizer Städten angeglie⸗ dert, die ihrerseits die Verpflichtung über⸗ nehmen, stets ein kleines Musterlager nach Entwürfen der Wiesbadener zu unterhalten und mit einer mehr oder weniger umfang⸗ reichen Kollektion von Entwürfen und Photo⸗ graphien bereits ausgeführter Denkmale aus⸗ gestattet wurden. Außerdem steht die Wies⸗ badener Zentrale(Kapellenstraße 41) jederzeit direkt mit Ansichtssendungen und künstle⸗ rischer Beratung zur Verfügung. Das gilt auch für Gemeindevorstände, die sich mit der Absicht tragen, eine Kriegerehrung zu errichten. Die heutige Ausstellung enthält eine große Reihe zum Teil umfangreicher, aber auch ganz einfacher Projekte dieser Art. Ueberhaupt ist die Pflege des einfachen Grabmals, wie es alltäglich benötigt wird, der vornehmste Zweck des ganzen Unter⸗ nehmens. Rückkehr zum heimischen, leicht f 5 und billig zu bearbeitenden Sandstein— in dem fast alle jene köstlichen, oft heute noch wohlerhaltenen Denkmale vor 100 Jahren ausgeführt wurden—, Verwendung von 5 Schmiedeeisen und Eichenholz, dessen Halt⸗ barkeit kaum hinter dem Stein zurücksteht, würde in der heutigen Zeit manchem die Aufgabe erleichtern, ein ehrendes Gedenk⸗ zeichen auf dem Grab seiner Lieben zu errichten. — 159— 133 tende n wüsten, laienhaften Dilettantismus, absolute Unkunst darstellen. So boten seit Wenn du nur treu verbleibst. (Schluß.) Die Müllersleute brachten Essen und Kaffee für den armen Mann und erklärten sich bereit, ihn bis zum nächsten Tage bei sich zu behalten. Weiter ging der Weg des Arztes und seines Begleiters im Schneesturm. Christoph dachte, als er aus dem Hoftor heraustrat, daran, daß sein Schicksal nicht viel von dem des Besenbinders verschieden sei. Als er an die Errettung des Mannes von. dem Tode des Erfrierens dachte, stand wieder das Lied vor ihm: Er wird dir Hilfe senden, Wenn du's am mind'sten gläubst, Und all dein Unglück wenden, Wenn du nur treu verbleibst. Rechts stieg vor den beiden, die sich mühsam durch den Schnee hindurcharbeite⸗ ten, eine steile Höhe, der Höllberg, auf, Pappeln, vom Winde gepeitscht, erhoben sich am Bachrande. Das Tal wurde breiter, infolgedessen brauste auch der Sturmwind heftiger den beiden in das Gesicht, es war ein mühsames Ankämpfen gegen die Ge⸗ walt des El mentes. Endlich erschienen die ersten Häuser von Wöllstein. Wohl war die Straße über und über mit Schnee bedeckt, nirgendswo war Bahn gemacht, aber die Gebäude gaben doch Schutz gegen den Wind, und man brauchte nicht mehr ängstlich darauf zu achten, wohin der Fuß trat. Der Hausflur des Hauses des Arztes war hell beleuchtet. Kaum hatte die Glocke angeschlagen, so kamen Frau und Kinder herbeigeeilt und gaben ihrer Freude, daß der Vater bei dem furchtbaren Wetter heim⸗ gekehrt war, Ausdruck. Der gewissenhafte Mann schüttelte den Schnee von den Klei⸗ dern und ging ohne weiteres zu der auf ihn wartenden Kranken. Christoph hatte dem Knecht das Pferd übergeben und wurde nun in das Wohnzimmer gerufen. Dort hatte die Magd für ihn schon den Tisch gedeckt. Eine dampfende Bohnensuppe wartete auf ihn, zweimal mußte er den Teller füllen. Dann gab es gesalzenes Schweinefleisch mit Sauerkraut, Brot und Käse, alles, so viel er essen konnte, und die Frau des Hauses schenkte ihm aus einem Kruge ein Schoppenglas mit Wein ein. Seit Jahren hatte der arme Mann ein derartiges Essen nicht mehr bekommen. Kartoffelkrüstchen, Zichoriekaffee, hin und wieder trockenes Brot, das war es, von dem er und die Seinen nun viele Wochen gelebt hatten, Zu nöti⸗ gen brauchte man ihn wahrlich nicht, er hieb ein wie ein Drescher, und die, die in dem Zimmer ab und zugingen, merkten, daß Christoph lange Zeit hindurch Hunger ge⸗ litten habe. Hier saß er in einem schönen, 180 wohldurchwärmten Zimmer, zu Hause hatte er nur Jammer und Elend vor Augen, einen unwirtlichen Raum und Poren Kinder. Während er am wohlbesetzten Tische saß, fielen ihm seine Kinder ein, und da konnte er den Tränen nicht mehr wehren, ver⸗ geblich suchte er sie vor den staunenden Menschen zu verbergen. So fand ihn der heimgekehrte Arzt. Er gab Frau und Kindern ein Zeichen, daß sie das Zimmer verlassen möchten, und fragte den weinenden Mann in zartfühlender und freundlicher Weise nach seinem Kummer. Da vertraute sich ihm Christoph rückhaltlos an. Er berichtete, wie es ihm den ganzen Winter hindurch so schlecht ergangen sei, die er nirgendswo Arbeit finden konnte, wie ihm das Herz blutete, wenn er seine Kinder darben sah. Schließlich berichtete er auch, ohne einen Namen zu nennen, daß man ihm angeboten habe, sich auf unehrliche Art durchzubringen, wie es ihm aber entsetzlich sei, seinen guten Namen und sein gutes Gewissen verlieren zu müssen. g Schweigend hatte der Arzt diesen Bericht angehört. Wohl wußte er, daß jetzt die Menschen landauf, landab bittere Not litten, daß die Not aber so groß sei, wie sie ihm aus den schlichten Worten Christophs entgegen⸗ getreten war, hatte er nicht geahnt. Ohne ein Wort zu sagen, griff er in die Tasche und gab dem bedrängten Manne einen Kronentaler, dann ging er hinaus und bat seine Frau, dem Christoph allerhand einzu⸗ packen. Als er wieder herein kam, wollte dieser sich mit lebhaften Worten des Dankes entfernen, Dr. Schmidt aber drückte ihn nieder auf seinen Stuhl und sagte:„Chri⸗ stoph, hätte ich gewußt, daß es dir so schlecht geht, so hätte ich mich schon längst um dich gekümmert. Das will ich jetzt aber tun. Gestern hat mir der Herr Brunck in Für⸗ feld gesagt, daß er ein Kellerhaus bauen will und dazu einen tüchtigen Mann sucht, der die Arbeit allein ausführt. Ich werde dich empfehlen, und du kannst schon die mächste Woche anfangen. Ist das fertig, so findet sich weiter Rat. Vor allem, Christoph, wenn du mich brauchst, so weißt du, wo ich wohne. Und jetzt will ich dich nicht länger aufhalten, du sollst heim zu deinen Kindern.“ Als Christoph wieder auf die Straße trat, hatte sich der Sturmwind ganz gelegt und der Mond schien durch die Wolken. Mit einem großen Paket ging der Mann durch den tiefen Schnee seinen Weg. Als er zu Hause angekommen war und das Paket aus⸗ feld packte, fielen ihm Sachen entgegen, die er lange nicht mehr gesehen hatte: zwei Laibe Brot, ein großes Stück Speck, mehrere Käse, gedörrte Zwetschen, sogar eine Blutwurst. Wie würden sich seine Kinder beim Er⸗ wachen darüber freuen! Und dann der Kronentaler, den er in der Westentasche trug, wieviel konnte er damit kaufen, um die Kinder satt zu machen. Als der Mann sich in dieser Nacht auf seinen Strohsack nieder⸗ legte, bat er Gott, es den guten Doktors⸗ 1 leuten zu vergelten, was sie an ihm getan hatten, und als er die Augen schon ge⸗ schlossen hatte, ging ihm noch einmal der Vers durch die Seele: Er wird dir Hilfe senden, Wenn du's am mind'sten gläubst, Und all dein Unglück wenden, Wenn du nur treu verbleibst.— Am nächsten Tage hatte Christoph Rusch zwei Besuche. Frühmorgens, als es noch kaum Tag geworden war, kam der Jakob Rheingans von Münsterappel, um sich zu bedanken, daß er mit Dr. Schmidt ihn vom Tode des Erfrierens gerettet hatte. Auch der Jakob trug in seinem Leinensacke Vor⸗ räte heim, die ihm die Müllersleute mit⸗ gegeben hatten, und sagte, er hoffe, in Kriegsfeld im Walde Arbeit zu finden. Abends um sieben Uhr kam der Kaspar Sand. Aber noch ehe dieser sprechen konnte, sagte Christoph:„Kaspar, ich mach nicht mit. Ich kann jetzt Arbeit finden und will meinen ehrlichen Namen behalten. Daß du mir gestern abend mit dem Oel ausgeholfen hast, dafür seist du bedankt. Den Sonntag bringe ich dir das Oel wieder zurück. Aber 9955 zehn Gäule bringen mich in den Ibener a 1.“ „Narr!“ sagte Kaspar,„wer nicht will, der hat gegessen.“ Mit schweren Tritten ging der Mann davon. H. B. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 1. Oktober, 16. n. Trinitatis. In der Stadtkirche. Vormittags 9¼ Uhr, Pfarrassistent Becker.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarrassistent Becker.— Jugendvereinigung der Matthäusgemeinde: Jeden Montag, abends 8 Uhr: männliche Abteilung; jeden Dienstag, abends 8 Uhr: weibliche Abtei⸗ lung.— Montag, den 2. Oktober, abends 4 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib⸗ lichen Jugend der Markusgemeinde.— Dienstag, den 3. Oktober, abends 8 Uhr: Helferversammlung der Männer⸗ u. Frauen⸗ vereinigung der Matthäusgemeinde.— Don⸗ nerstag, den 5. Oktober, abends 8 Uhr: Zusammenkunft des Frauenvereins der Mar⸗ kusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr, zugleich Militärgottesdienst: Pfarrer Aus⸗ feld.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche füy die Johannesgemeinde: Pfarrer Aus⸗ eld.— Abends ½8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde. Evang. Arbeiterverein. „Dienstag, 3. Okt., 8 Uhr: Vorstands⸗ sitzung.— Sonntag, 15. Okt.: Besichti⸗ gung des Museums des Oberhessischen Ge⸗ schichtsvereins. Sonntag, 29. Okt.: Volksunterhaltungsabend in der Turnhalle, Aufführung des Stückes„Der Wilderer“. Verantwortssch: Pfarrer Bech tolshesmer. Druck und Bersag der Brühl'schen intpersstäts⸗ Buch/ und Stein druckerel R. Lange, Gießen. S S—————= 2 2— r Peer ESP e, S 2 B S r A