* 3 g 7* 5 N 1 5 5 1 * e . BFF onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 13 Gießen, Ostern, den 27. März 121 0. Jahrg. vom Leben nach dem Code. Offenbarung des Johannes 22, 5. Es wird keine Nacht da sein, und sie werden nicht bedürfen einer Leuchte oder des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten, und sie werden re⸗ gieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. Etwa anderthalb Stunden von Mainz entfernt liegt der Layenhof, ein Hofgut, das einst Eigentum eines Mainzer Kurfürsten war, seit dieser Zeit aber schon sehr oft seinen Besitzer gewechselt hat. Dicht an der Mauer, die die Gebäude umschließt, besindet sich ein kleiner Friedhof, auf dem einst die Gutsangehörigen zur Ruhe kamen. Dieser Friedhof ist von keiner Mauer, auch von keinem Zaune umschlossen, die meisten Grab⸗ steine sind längst eingesunken, an denen, die noch stehen, ist die Inschrift verwittert und mit Moos überzogen Eine davon— ich habe sie einst mit vieler Mühe entziffert— lautet: „Ich werde weiterleben. Wie? Vervoll⸗ abgetan, das schmerzliche Schuldgefühl wird aufgehoben sein. Was hienieden früh ab⸗ gebrochen wurde— wir denken da an das Sterben kleiner Kinder— wird sich dort droben weiter entwickeln. Dort wird, wie die Offenbarung des Johannes so schön sagt, keine Nacht sein, die Seligen bedürfen nicht einer Leuchte oder des Lichts der Sonne: denn Gott der Herr wird sie erleuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. Daß wir diese frohe Hoffnung haben, an ihr auch jetzt, in dunkler, schwerer Zeit festhalt n önnen das gründet sich aufden Sieg, den Jesus durch seine Auferstehung von den Toten errungen hat, den Sieg, den wir am Osterfeste mit Dank und Freude feiern. Wir seiern den Sieg des großen Lebensfürsten und Todesüberwinders allemale im eben be⸗ ginnenden Frühlinge. Ludwig Uhland hat den Frühling und das Leben nach dem Tode in wunderbarer Weise zueinander in Beziehung gesetzt, wenn er singt: Wohl blühet jedem Jahre Ein Frühling, mild und licht, Auch jener große, klare, Getrost! er sehlt dir nicht. Er ist dir noch beschieden kommnet? Das wird sich sinden.“ Der Mann, der darunter ruht, hat diese Worte selbst aufgezeichnet und bestimmt, daß sie auf seinen Grabstein geschrieben werden sollten. Er hieß Wilhelm Schubert, hat einst den Layenhof besessen und ist dort um das Jahr 1830 verstorben. Er war nicht ohne Geistesbildung, aber rechthaberisch, streit⸗ süchtig und unruhig. Als Schriftsteller und Politiker hat er sich betätigt, wenn auch nicht in einer Weise, die man rühmen kann. Man lann seine Grabinschrist trotz ihres seltsamen Inhaltes nicht einfach als glau⸗ benslos abtun Ueber ein Leben nach dem Tode hat dieser Sonderling nicht einfach, wie das so mancher gedankenlose Mensch in der Gegenwart tut, gespottet, seine Worte deuten vielmehr auf ein gewisses Suchen nach dem Ewigen hin. Daß Schubert kein unedler Mensch war, beweist ein Grabstein, der neben dem seinigen steht. Unter diesem Steine ruht sein Gutsverwalter, dem der Gutsherr ein Denkmal seiner Treue ge— setzt hat. Es ist zu bedauern, daß dieser Mann nicht zur Bibel gegriffen hat. Dort hätte er finden können, wonach sein Herz augen⸗ scheinlich verlangte. Die Heilige Schrift sagt uns an vielen Stellen, daß es ein Leben nach dem Tode gibt. Dort werden wir mit Gott untrennbar verbunden sein und dem Heiland allezeit angehören. Dort werden die Erdenmängel, Sünde und Leid, von uns Am Ende deiner Bahn, Du ahnest ihn hienieden, Und droben bricht er an. H. B 2 2*— Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 30. Der Gießener Bub aus dem vorigen Jahrhundert und was mit ihm zusammenhängt. Von Louis Frech Fortsetzung.) Beim Spaziergang um die„Schoren“ durfte nicht vergessen werden, ein Klümp— chen Zucker mitzunehmen, das dann in das erwähnte Brünnchen geworfen wurde. Es sollte damit den darin befindlichen, des Herausgefischtwerdens harrenden Kleinen eine Freude gemacht und ihnen gezeigt wer— den, wie gut sie es einmal hätten, wenn sie vom Storch jemandem gebracht würden. Wieviel stille Wünsche werden wohl die Zuckerklümpchen begleitet haben. Wenn sich die Gelegenheit nicht bot, das Brünnchen zu bedenken, so legte man irgendeine Süßig keit oder ein Spielzeug vor das Fenster, um den Storch anzulocken. Häufig genug soll er nicht haben widerstehen können, was dann unter den Kindern der Stadt Veranlassung i 5 1 — der Anwendung des Mittels die weiteste rbreitung zu schaffen. Flog der Storch über die Stadt, was im Sommer tagtäglich Pues so sangen die Kleinen, ihn mit den Blicken verfolgend: Storch, Storch, guter, Bring mir en Bruder. Storch, Storch, bester, Bring mir e Schwester! Unter solchen Umständen hatte natürlich ein regelrechter, sich der Pflichten seines Berufes bewußter Storch vollauf zu tun. Der Gießener Gemeindestorch, der aus dem Preußischen herübergekommen war, konnte damals ein Liedchen von der Fülle seiner Amtsgeschäfte singen. Oft brachte er es nicht allein fertig, und da mußte ihm die Frau Störchin helfen. Das war es wohl auch, was die beiden allabendlich hoch dro⸗ ben in ihrem Nest in langandauerndem Gellapper ihren Jungen erzählten. So lange der kleine Gießener noch nicht laufen konnte, verbrachte er tagsüber die Zeit im Bettchen oder auf einer sonstigen improvisierten Unterlage, je nach dem Luxus, den sich die Eltern gestatten konn⸗ ten. Vielfach legte man auch ohne viel Um stände das Kindchen auf das Bett des Vaters oder der Mutter. Ob das vom Standpunkte der häuslichen Ordnung richtig war, wollen wir dahingestellt sein lassen, jedensalls machte man sich damals darüber keine Kopsschmerzen. Die beschränkten Wohnungsverhältnisse— außerhalb der vier Schoren standen zu dieser Zeit nur wenige Häuser— zwangen, über manches hinwegzusehen, was man gegenüber heutigen Gepflogenheiten als einen Verstoß betrachten würde. Aber auch mit anderen Dingen, die mit dem Raummangel nichts zu kun hatten, nahm man es ebenfalls nicht so genau. Es lag überhaupt im Charakter der damaligen Zeit, im Haushalt nicht viel Federlesens zu machen. Die Eltern hatten ihre Arbeit, und wo Dienstmädchen im Hause waren, mußten diese nicht nur bei den häuslichen Obliegenheiten, sondern auch in der Wirtschaft, beim Handwerk, Geschäft usw. tüchtig mitanpacken, so daß für die Kinderwartung nicht viel Zeit übrig blieb. Bei schönem Wetter wurde eine Ausnahme gemacht und der Kleine ins Freie getragen, aber beileibe nicht vor der Taufe; der Aberglaube verbot dies. Auch durfte man kleine Kinder nicht zum Fenster hinaus⸗ oder hereinreichen oder über sie hinweg⸗ steigen. Das brachte dem Kinde irgendeinen Nachteil. Die Taufe feierte man in den Gießener bürgerlichen Familien in althergebrachter Weise als ein schlichtes aber weihevolles und hehres Fest. Die ganze Wohnung wurde auf den Kopf gestellt, geputzt und gefegt, der Fußboden geschrubbt und, wo es üblich war, mit weißem Sand bestreut, frische Gardinen wurden aufgehängt! kurzum, es mußte alles blitzblank sein, denn der Pfarrer sechste Bub.“ Auf kam in das Haus, und ihm durfte man sich in allem nur von der besten Seite zeigen. eee wurden auch Kuchen ge⸗ acken, denn an die Taufe schloß sich ein geselliges Beisammensein der gesamten Tauf; gesellschaft bei Kaffee und Kuchen. Wein und sonsligen Genüssen, wie sie eben die Verhält⸗ nisse der Familie gestatteten, an, Dabei ging es gemessen aber doch gemütlich zu, und manche Taufe blieb den Teilnehmern zeitlebens eine schöne Erinnerung. Der Pfarrer ließ sich, mitunter nicht ungern, bewegen, ein Stündchen dazubleiben. Das wurde stets als eine große Ehre angesehen, und wenn später von dem schönen Verlauf der Taufe bei Bekannten die Rede war, ver⸗ säumte man nie, hervorzuheben, daß der Pfarrer an der Anschlußfeier teilgenommen habe. Pfarrer Engel“),„das Kirchenrätche“, war in der damaligen Zeit ein ganz besonders gern gesehener Gast bei solchen Gelegen⸗ heiten, denn er fühlte sich wohl unter seinen Pfarrkindern, und diese bekamen dann manche hielt er in der Familie N b Laufe der Nachfeier eine kleine Ansprache, in welcher er auch erwähnen wollte, das wievielte Söhnchen der Täufling sei. Da er dies aber nicht wußte, unterbrach er einen Augenblick lang seine Rede, neigte sich nach der neben ihm sitzenden Mutter des kleinen Weltbürgers und fragte halblaut:„Der wie⸗ vielte Bub?“„Der vierte,“ antwortete diese, leise zwar, aber es hörten es doch alle. Fortfahrend sagte Engel:„Es is der den sofort einsetzenden Widerspruch bemerkte er:„No, was net is, kann noch wer'n.“... So ganz unrecht hatte er damit nicht, denn es kamen noch ein Junge und zwei Mädchen nach— Dem nachmaligen Schwiegervater des Verfassers, Kanzleirat Demuth, antwortete das Kirchen⸗ rätchen auf die Bitte, die Taufe seines Jungen vorzunehmen:„Gut! Ich hab' de Sonntag drei Taufe; zu dir komm' ich zu⸗ letzt, bei dir bleib ich.“ Als er dann um 5 Uhr nachmittags erschienen war und die Taushandlung vorgenommen hatte, fragte er:„Demuth, was hawwe mer dann vor e Stöfsche?“ Es wurden ihm die zwei vor⸗ gesehenen Weinsorten zu kosten gereicht. Mit Schmunzeln entschied er sich für die eine Sorte.„Bei der bleiwe mer,“ sagte ex, Demuth auf die Schultern klopfend,„und eh' mer heimgeh', läßt de noch e Schälche gute Kaffee mache.“ So geschah es denn auch. Bei dem angeborenen„Wenn ich sitze, dann sitz' ich“ des Gießeners war auch die Tauffeier bei ihm ein dehnbarer Begriff, Geh. Kirchenrat Pfarrer Dr. Engel (17901864), der selbst einer Gießener Bür⸗ gersfamilie entstammte und nie aus Gießen herausgekommen ist, war hier ein sehr popu⸗ lärer Mann, der im vertrauten Kreise in der Gießener Mundart redete 0 Probe seines Humors zu kosten. So n und es wurde manchmal spät, bis sich die Geladenen zum Heimweg anschickten Da auch die Dauer einer solchen Festlichkeit als Maßstab für einen schönen und gemütlichen Verlauf angesehen wurde, so hütete sich jeder, mit dem Aufbruch den Anfang zu machen; denn er lief Gefahr, daß man ihm dies übel nahm Das Kirchenrätchen legte Wert darauf, nicht als Spielverderber be⸗ trachtet zu werden, und wenn es sich schließ⸗ lich empfahl und seinem Hause in der Ka⸗ planeigasse““) zustrebte, so geschab dies nie, ohne eine, wenn auch rasch vergängliche, greifbare Erinnerung in Gestalt eines Päck⸗ chens Kuchen in das Alltagsleben der folgen⸗ den Tage mitzunehmen. (Fortsetzung folgt.) Beim deutschen Beslidenkorps. Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns d. R. a. D. dgerichtsrat Trümpert⸗ Gießen. (Fortsetzung. Die Gegend hier ist wunderbar schön, ringsum hoher Buchenwald, der nun bald grün werden wird, viel Wild, Hirsche und Rehe, darin, die man bei Spaziergängen aufscheucht. Das ganze Leben hier bekommt mir viel besser, als der öde Stellungskrieg im Winter. Den ganzen Tag bin ich im Freien, bin schon braun gebrannt, wie ich es daheim den ganzen Sommer nicht werde, und fühle mich durchaus wohl. Auch die Stimmung ist sehr gut. Die Pferde stehen im Freien, aber es sind aus Reisig Hütten er⸗ richtet worden, die sie einigermaßen gegen Regen, Wind und Kälte schützen. 12. April 15. Am 9. tobte in Richtung auf den Uszokerpaß ein heftiger Kampf. Hier bei uns herrscht seit vorgestern beiderseits lebhafte Artillerietätigkeit. Gestern und heute ist abscheuliches Regenwetter, und es wurde weniger geschossen. Im Winter müssen die österreichischen Truppen unter ungeheuer schwierigen Ver⸗ hältnissen hier gekämpft haben Aber es wurde nicht für regelmäßige Ablösung, wie 3 bei unserer Infanterie stattfindet, gesorgt, ondern die österreichische Infanterie lag viele Wochen lang ununterbrochen im vor⸗ dersten Schützengraben, wurde nicht genü⸗ gend verpflegt, und so ist die Truppe jetzt verbraucht. Die Offiziere, mit denen wir zusammen kamen, ind äußerst liebens⸗ würdige, nette Leute, aber die Stellung zu ) Engel wohnte lange Jahre in dem Hause, das jetzt Nr. 7 führt, und in dem jetzt eine Wirtschaft betrieben wird. Dieses Haus war damals Pfarrhaus(die Kaplanei). Er wohnte in den letzten Jahren seines Lebens in dem Hause Neuen Bäue 2 in dem sich jetzt die Ton⸗ und Steinguthandlung der . 1 Pfeiffer befindet dort ist er auch ge⸗ rben. ihren Untergebenen ist nicht, wie bei uns, zwischen beiden besteht eine Kluft. Für die Menage der Offiziere ist aufs beste gesorgt, während ein großer Teil der Verpflegung für die Mannschaft hinten bei den Bagagen hängen bleibt. Dort hatten die Leute, wie ich selbst beobachtete, an einem Tag Hirsch⸗, Reh⸗ und Wildschweinbraten, während uns hier vorn die Soldaten um trockenes Brot anbettelten. Wir liegen wenige 100 Meter hinter dem vordersten Graben, der sogen. Schwarmlinie; die zweite Stellung befindet sich ein Kilometer hinter uns Die Oester⸗ reicher wundern sich sehr, daß unsere Ar⸗ tillerie so nahe hinter der vordersten In⸗ fanterielinie in Stellung gehe, das täte die ihre nicht. Ich muß nun auch sagen, daß mir die ersten Nächte, wo wir nur öster⸗ reichische Truppen vor uns hatten, etwas ungemütlich waren. Jetzt liegt das Res.⸗ Inf.⸗Regt. 118 vor uns, was beruhigend ist. Die Oesterreicher wurden ganz heraus⸗ gezogen: sie möchten gegen Italien gehen, gegen das bei den Oesterreichern offenbar ein kräftiger Haß besteht. Die Oesterreicher haben die Schützengräben nur oberflächlich ausgehoben und mit Reisig bedeckt. Die An⸗ lage gewährt weder gegen Artilleriefeuer, noch gegen die Witterung Schutz. Wenn es regnet, strömt das Wasser wie ein Bach in den Graben von der Höhe bis hinunter ins Tal. Unsere Infanterie ist nun fleißig bei der Arbeit, um den Graben besser und sicherer auszubauen. 16. April 15. Die feindliche Artillerie schießt zeitweise sehr lebhaft. So auch heute auf unseren Hang, aber zu kurz. Unsere Stellung ist wohl noch nicht erkannt, das Feuer galt wohl der unter uns liegenden Infanterie. Zwischen den beiderseiligen Schützengräben weiden Männer und Frauen aus Virava und Meggisalu ihre Ziegen und Schase. Beide Dörfer sind nicht besetzt. aber es gehen zeitweise Patrouillen herein, bald von den Russen, bald von uns. Dann wird von der gegnerischen Artillerie einige⸗ mal hineingeschossen. wobei schon verschie⸗ dentlich unglückliche Einwohner, die ihr Heim nicht verlassen wollten, verwundet wurden. Ich beobachtete, daß morgens ein Ehepaar mit Kindern aus einem vor dem Dorf be⸗ findlichen verlassenen Unterstand heraus⸗ kam, in dem sie offenbar die Nächte zu⸗ bringen. Gegen Abend machte ich mit Leut⸗ nant Thüre einen Spaziergang auf die Höhe 580, wo eine österreichische und eine württembergische Batterie(13er) stehen. Zurück gingen wir an dem Graben der 118er entlang, wobei ich einen Gießener Bekann⸗ ten traf, Feldwebelleutnant Wachsen, der erst kürzlich herauskam. Der Bataillons⸗ kommandeur erzählte uns, nach Mitleilung seines Regimentskommndeurs solle morgen Waffenstillstand eintreten. Wie dieser Ge⸗ danke zündet, das Blut in Erregung bringt! Sollte es wahr sein? O, das wäre herrlich 18. April 15. Sobald die 55 der Höhe über uns stehende Batterie feuert, erwidert sofort die, russische Artillerie; die zu kurz gehenden Schüsse schlagen hinter unserer Bcobachtungsstelle im Walde ein, Heute schossen die Russen rings um unsere Stellung herum. Meine Leute haben sich feste Wohn⸗ unterstände gebaut; ebenso Unterstände für die Munition. Die Munitionsergänzung er⸗ folgt vom Tal aus mittels Tragtieren. Nachmittags besuchte ich Major Wangemann in einer Mühle bei Vilag. Er muß zurück, um sich einer Operation zu unterziehen. Für die Zeit seiner Abwesenheit führe ich neben meiner Batterie auch die Abteilung. Ich ging dann noch in das Dorf Vilag, in das die Russen kurz vorher einige schwere Brum⸗ mer gejagt hatten, und meldete mich beim Regimentskommandeur als Abteilungs- führer. Ueber das Protzenlager, in dem die Unteroffiziere und Mannschaften schöne Hütten, mit Tischen und Bänken davor, er⸗ richtet hatten, gelangte ich bei Dunkelheit vorn wieder an. Mit dem Waffenstillstand war es leider nichts. 21. April 15. Es findet öfters leb⸗ hafter Arkilleriekampf statt. Vorgestern er⸗ hielten wir wieder starkes Artilleriefeuer, nachdem wir kaum mit Schießen begonnen hatten. Die Russen haben aber die Batterie seitlich noch nicht richtig gefaßt. Ich habe jetzt das Scherenfernrohr der Abteilung hier, da kann man ganz anders wirken. Mit dem Handglas ist die Beobachtung doch sehr un⸗ zureichend. (Fortsetzung folgt.) Uleine Mitteilungen. Der Organist an der Heilig⸗Kreuz⸗Kirche zu Berlin, Herr Fritz Schink, der hier schon mehrere Male Kirchenkonzerte, die künstlerisch sehr vollendet waren, gegeben hat, beabsichtigt in Verbindung mit der Konzertsängerin Frau Dr. Kickhefel⸗Klare aus Frankfurt a. M. abermals am 30. März in der Stadtkirche ein Konzert zu veranstal⸗ ten. Auch der Gießener Orchesterverein unter der Leitung des Herrn Musiklehrers Gern⸗ hardt hat seine Mitwirkung zugesagt, so daß alle Freunde edler Kirchenmusik dieser Ver⸗ onstaltung mit großen Erwartungen ent⸗ gegensehen. Auf dem Programme stehen die Namen Johann Sebastian Bach, Händel, Mozart, Liszt und andere mehr. Karten sind im Vorverkauf in der Mufikalienhand⸗ lung des Herrn Busch sowie an der Abend⸗ kasse zu erhalten. Die Preise stellen sich für Altarplätze auf 5 Mk., für das Schiff auf 3.50 Mk., die Empore auf 2.50 Mk. Gerade in dieser schweren Zeit wird vielen in unserer Gemeinde eine derartige Darbietung sehr willkommen sein. * Alles Gefühl für das Heilige drängt nach Anschauung, um in ihr sich selbst zu klären und zu vertiefen Und wenn die Karwoche in uns dieses Gefühl für das Heilige des Erlöserleidens Jesu wachrust, so war es ein gesegnetes Erleben, daß diese Anschauung gegeben wurde in dem Lichtbildervortrage, den Herr Pfarrer Ausfeld am Palmsonntag im Markussaal über das Heilige Land hielt. Wo dieses Land mit all den Stätten, die ge⸗ weiht sind durch das Leben und Leiden des Erlösers, die die gesamte Christenheit als ihre heiligsten verehrt, zu uns redet, da vermögen ja Worte nicht das wiederzugeben, was in der Unmittelbarkeit des Gefühls er⸗ lebt wird. Darum kann es nicht gelingen, den Eindruck des gewaltigen Ernstes und der ergreifenden Tiefe, der von diesen Bildern ausging, zu schildern, und sei es auch mit den beredtesten Worten. Daß der Vor⸗ tragsabend dieses Sichrüsten auf die Passions⸗ woche begünstigte, dafür sind alle dankbar, die diesen Vortrag anhörten. Wenn Herr Bauer durch passende Violinsoli, die durch die ausdrucksvolle Klavierbegleitung seiner Tochter sehr in ihrer Wirkung gewannen, den Abend verschönern half, so sei ihm an dieser Stelle für sein freundliches Mitwirken herz⸗ licher Dank gesagt. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 27. März, 1. Ostertag. Kollekte für die Kirchenkasse. Stadtkirche. 9½: Pfarrer Mahr.— 11: Kinderkirche für Matthäus⸗ und Markus⸗ gemeinde: Pfarrer Mahr.— 6: Beichtgottes⸗ dienst für die Konfirmanden aus der Markus⸗ gemeinde und deren Angehörige: Pfarrer Becker. Johanneskirche. 9½: Pfarrer Bechtols⸗ heimer.— 11: Kinderkirche für die Lukas⸗ gemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— 6: Pfarrer Ausfeld. Montag den 28. März. 2. Ostertag. Stadtkirche. 9½᷑: Konsirmation der Kinder aus der Markusgemeinde, Feier des heiligen Abendmahls: Pfarrer Becker.— 2: Prü⸗ fung und Vorstellung der Konfirmanden aus der Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.— 6: Pfarrassistent Ramge. Johanneskirche. 9½(zugl. Militärgottes⸗ dienst): Pfarrer Ausfeld.— 11: Kinder⸗ kirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— 2: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— 6: Pfarrassistent Müller. Nr tcartsic? Pfarrer Rechlofsb Amer Drück Und Verlag der Früßlsschen Unversitäts⸗Buch⸗ und Stein drin R. Lange, Gießen