S onntags gruß emeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen N Gießen, Gkuli, den 27. Februar 1921 10. Jahrg. Der Todesüberwinder. dem Gedanken an den Tod? Und wenn ja woher soll man die Fähigkeit und die f 9 25 ei in Erlöser T! 0 1 5 Hiob 19. 25 Ich weiß, daß mein fer Kraft nehmen, dem Tod ruhig, ja mit lebt. froher Erwartung ins Auge zu schauen, Der lange Krieg hat uns vieles gelehrt, ihn nicht als„Würger“, sondern als was auch den Aeltesten, Erfahrensten unter uns bis dahin fremd gewesen war, soviel Neues Ungeahntes, daß wir uns schließlich fast durch nichts mehr überraschen lassen. Das Bedeutsamste ist wohl aber das, daß so viele gelernt haben, die Todesfurcht zu verachten. Wer den Tod nicht fürchtet, ist unülerwindlich. Die Mens chen hängen im allgemeinen ängstlich am Leben um jeden Preis, selbst um das Opfer ihrer Ueber⸗ zeugung, ihrer Ehre. Die Ueberzeugungs⸗ treue, der Bekennermut, die Fähigkeit zum Märtyrertum sind dagegen Kennzeichen der göttlichen Herkunft unserer Seele. haft große Menschen waren zu alten Zeiten diejenigen, die dem Tod ins Auge sehen konnten und durch Todesdrohungen nie⸗ mals von dem geraden Weg, den sie sich gewählt hatten, abgebracht werden konnten. Heute, wo das Leben vielfach trostlos und freudenleer erscheint, wo wir im wahren Sinn des Wortes zu kämpfen haben um die Erhaltung unseres Daseins und manchmal gewiß die Empfindung hegen, daß ein an⸗ deres, höheres Leben, das Leben im Jen⸗ seits, begehrenswerter erscheint, wie können wir da bestehen, wenn uns immer der Tod als etwas furchtbares schreckt! Der Ge⸗ danke ist ja entsetzlich, Angst und Schrecken zu empfinden gleicherweise vor dem Leben, das uns täglich neue Furchtbarkeiten brin⸗ gen kann, wie vor dem Sterben. Das muß doch schließlich zur Verzweiflung führen. Ruhe kann unsere Seele nur dann finden und Gleichmaß und Lebensmut, wenn sie den Tod zu überwinden weiß, wenn sie den be⸗ ständig drohenden Möglichkeiten des Ver⸗ lustes von allem, was ein Mensch besitzt, woran er sein Herz hängt, auch des Ver⸗ lustes des Lebens ruhig entgegensehen kann. Wer mit solch abgeklärter Weltanschauung den Exeignissen und Zuständen gegenüber⸗ steht, der nimmt auch das Leben, mag es noch so verändert und äußerlich verschlech⸗ 75 gegen frühere Zeiten erscheinen, jeden Tag aufs neue als ein Gnadengeschenk aus Gottes Hand entgegen, das ihn wahrhaft erfreut. Solche Lebensphilosophie wird gar man⸗ chem unbegreiflich sein: Wie soll man Le⸗ bensfreude gewinnen durch Befreundung mit Wahr⸗ „Freund“ im Sinn der be annten Bilder von Alfred Rethel anzusehen? Darauf gibt es nur eine Antwort: Von der Religion, der heute so viel angefeindeten, für überflüssig und unzeitgemäß erklärten Religion, dem stärksten Lebensquell für unser irdisches Da⸗ sein, dem einzigen Felsen in der wogenden Brandung der Zeit. Der fromme Dichter Christian Fürchtegott Gellert, einst Uni⸗ versitätsprofessor in Leipzig, hat in seinem 59. Lebensjahr vor seinen Studenten ein Bekenntnis abgelegt, das auch heute nach 150 Jahren seine volle Wahrheit behält und unserer Zeit ganz besonders beherzigens⸗ wert erscheinen muß:„Ich habe 50 Jahre gelebt und darin mehr als einmal an den Pforten des Todes gestanden. Aber ich habe es erfahren, daß nichts, nichts ohne Aus⸗ nahme als die göttliche Kraft der Religion die Schrecken des Todes besiegen hilft. Ich habe es erfahren, daß nichts als der heilige Glaube an unsern Heiland und Erlöser den angen Geist bei dem entscheidenden Schritt in die Ewigkeit stärken und das Gewissen, das uns anklagt, stillen kann. Das bezeuge ich vor Gott.“ vom Aufstieg einer deutschen Familie. Fünfzig Jahre nach Luthers Tod blühte in Gießen eine Familie Holwegk, auch Hol⸗ weck, Holweg und Hollweg geschrieben. Sie tritt uns in dieser Zeit in drei Linien ent⸗ Dege h Nebeneinander stehen die Familien S Paulus, des Hans(auch Johannes ge⸗ nannt) und des Philipp Holwegk. Dem Paulus Holwegk wird 1576 ein Kind Els⸗ beth geboren, unter den Paten befindet sich Elsbeth, die Ehefrau des Adam Frech. 1581 wird ihm ein weiteres Kind, Barb mit Namen geboren, unter den Paten be⸗ findet sich Barb, die Ehefrau des Gerlach Ebel. Die heute hier noch existierenden Fa⸗ milien Frech und Ebel können sich demnach rühmen, daß ihre Vorfahren einst Ge— vattersleute der Familie Holwegk waren. Am 2. Oktober 1597 wurde die Frau des Hans Holwegk zu Grabe getragen, in der⸗ selben Zeit sterben ihm zwei kleine Töchter, vermutlich sind diese drei Glieder der Fa⸗ milie Opfer der Pest gewesen, die in diesen Jahren in Gießen grassierte. Nach sehr kurzer — e W.. . 3 Zeit trat Hans Holwegk wieder in den Stand der Ehe. Daß er zweimal verheiratet war, geht auch aus dem Sterbeprotokoll hervor; denn als er am 9, Juni 1645 zu Grabe getragen wurde, wurde in das Sterbe⸗ protokoll eingetragen:„Johannes Holweg 76 jar vixit in altero matrimonio“, d. h. er lebte in zweiter Ehe. In unserem Traubuche vom Jahre 1598 heißt es:„Johannes Holwegk Burger alhier undt Catharina seligen Henrichen Burks verlassene(= hinterlassene) Tochter alhier den 29. Januarii aufgeruffen.“ Es ist an⸗ zunehmen, daß die Eheschließung an dem⸗ selben Tage stattfand. Diesem Paare wurde am 25. Januar 1601 ein Sohn getauft, der den Namen Hermann erhielt. Beide, der Vater Johannes Holwegk und der Sohn, Hermann Holwegk, sind, wie wir hier schon im voraus angeben wollen, die direkten Vorfahren des Reichskanzlers von Beth⸗ mann Hollweg. Die Notizen, die wir hier über Johannes und Herma ein Holwegk brin⸗ gen, haben wir unseren Kirchenbüchern ent⸗ nommen, über Hermann Holwegk hal uns Herr Professor D. Dr. Diehl in Friedberg schäzenswerte Angaben übermittelt. Das, was wir weiter aus der Ahnenreihe dieser Familie mitteilten, gründet sich vollständig auf die Forschungen des Herrn Amts⸗ richters Dr. Majer⸗Leonhard in Frankfurt a. M., des Herausgebers der hochinter⸗ essanten„Mitteilungen der Genealogischen Gesellschaft zu Frankfurt am Main“.— Beiden Herren schuldet der Verfasser dieses Artikels für freundliche Auskunft Dank. Wie der Reichskanzler von Bethmann Hollweg selbst der Frankfurter Genealogi⸗ schen Gesellschaft mitgeteilt hat, so war sein Ahnherr Johannes Hollweg Schuh⸗ machermeister in Gießen. Dessen Sohn Her⸗ mann studierte Theologie, war von 1622 bis 1624 Konrektor in Butzbach, von 1684 bis 1635 Pfarrer in Holzheim, von 1635 dis 1640 Pfarrer in Butzbach, er starb da⸗ selbst am 21. Juni 1640. Verheiratet war er mit Katharina Dickhaut, Tochter des Ratsherrn und ältesten Schöffen Dietrich Dickhaut zu Butzbach. Auf Grund der Ermittlungen der ge⸗ nannten Forscher veröffentlichen wir hier folgende fortlaufende Ahnenreihe: 1. Johannes Hollweg, Schuhmacher⸗ meister in Gießen, geboren 1569, beerdigt 9. Juni 1645. 2. Hermann Hollweg, Pfarrer in Butz⸗ bach, 16011640. 3. Johann Valentin Hollweg, Pfarrer in Nauheim bei Limburg, geboren 1. Apri 1628, gestorben 1677. 4. Georg Philipp Hartmuth Hollweg, Ge⸗ richtsprokurator in Frankfurt a M., ge⸗ storben 14. April 1720. 5. Johann Abraham Hollweg, Handels⸗ mann in Frankfurt a. M., 1698 bis 1762. 6. Johann Jakob Hollweg, 1748 bis 1808. Dieser vermählte sich mit der einer nassauischen Beamtenfamilie entstammenden Susanna Elisabetha Bethmann, er wurde Teilhaber des Frankfurter Bankhauses Ge⸗ brüder Bethmann und fügte seinem Namen den seiner Ehefrau hinzu, so daß die Fa⸗ milie sich von nun an Bethmann Hollweg nannte. 7. Moritz August von Bethmann Hollweg. preußischer Minister, 1795 bis 1879. Der Adel wurde ihm von dem Könige von i verliehen, und zwar der erbliche 8. Felix Karl Moritz von Bethmann 1800 Wirklicher Geheimerat, 1824 bis 9. Theobald Theodor Friedrich Alfred 78 8 Hollweg, Reichskanzler, 1856 18 5 10. Der älteste Sohn des Reichskanzlers ist auf dem östlichen Kriegsschauplatz ge⸗ fallen, eine Tochter ist mit dem Grafen Zech vermählt, außerdem lebt noch ein jüngerer Sohn. Die Geschichte dieser Familie ist typisch für den Aufstieg einer deutschen Familie. Der erste nachweisbare Ahne ist ein Hand⸗ werksmeister. Dessen Sohn wendet sich dem Studium der Theologie zu und wird hessi⸗ scher Pfarrer. Das war schon in alter Zeit vielfach so, wie auch Gustav Freytag nach⸗ gewiesen hat, daß deutsche Familien zu⸗ nächst in der Art aufstiegen, daß die Hand⸗ werkersöhne Pfarrer oder Lehrer an den Lateinschulen wurden. Johann Valentin Hollweg ergriff den Beruf des Vaters, sein Sohn Georg Philipp Hartmuth dagegen wurde Jurist. Daß Pfarrerssöhne Juristen oder Universitätsprofessoren wurden, kommt in alter Zeit gleichfalls oft vor. Pfarrer und Beamten können durch ihre Berufs⸗ arbeit kein Vermögen erwerben, sie müssen zufrieden sein wenn sie sich mit ihrer Fa⸗ milie auf anständige Art durchbringen. An⸗ scheinend hat das Vermögen der Familie Hollweg bis zu dem Frankfurter Gerichts⸗ prokurator gefehlt; indem sich aber dessen Sohn Johann Abraham dem Ha delsstande widmete und ein Handelsmann wurde, strömte anscheinend das Geld ein. Wir be⸗ merken hier, daß die Bezeichnung„Han⸗ delsmann“, unter der wir heute mehr einen Häuserhändler verstehen, in alter Zeit einen Großkaufmann bedeutete, der Klein⸗ kaufmann wurde Krämer genannt. Nach⸗ dem in dieser Familie Geld war, konnten f sich ihre Glieder auch der höheren Be⸗ amtenlaufbahn widmen und zu den höchsten Stellen im Reiche gelangen. Der Weg der Familie Hollweg ging also von der Gießener Schuhmacherwerkstatt, in der der Ahnherr neben der Glaskugel saß und für seine Mit⸗ bürger Schuhe machte, bis zum Reichs⸗ kanzlerpalast in der Wilhelmstraße zu eee 3 Berlin. Ohne allen Zweifel sind die Glie- eine hübsche, freundliche Wohnung aus. Lag der dieser Familie, die wir für einen Zeit⸗ sie auch vor den Toren der Festung Mainz, raum von rund 350 Jahren verfolgt die später allerdings ihre Wälle und Grä⸗ haben, tüchtige ehrenhafte Menschen ge- ben viel weiter vorgeschoben hat, so lag sie wesen. Und wenn man auch sagen mag, daß doch im Grünen, mitten unter Gärten und der vor kurzem dahingeschiedene Reichs⸗ Gemüsefeldern. Mir war es, wenn ich meine kanzler im Weltkriege seiner Aufgabe nicht Schritte dorthin lenkte, als sei ich wieder gewachsen war, das Zeugnis wird ihm nie⸗ in meiner Heimat auf dem Dorfe. Unter⸗ mand versagen, daß er durch die Vornehm⸗ dessen wurde ein Möbelstück nach dem heit seiner Gesinnung, durch seine ausge⸗ andern fertig, Besondere Mühe gab ich mir breitete Bildung, seine Pflichttreue und seine mit einem Sekretär, der oben eine Klappe Vaterlandsliebe sich seiner ehrenhaften Ahnen hatte, die man herunterlassen konnte, so würdig erwiesen hat. H. B. daß sie als Schreibtischplatte gelten konnte. Hinter dieser Klappe befanden sich kleine Schubladen mit eingelegter Arbeit, und oft Am Martinsturm. 3 sagte ich scherzend:„Siehst du, Johanna, Erzählung. hier bringen wir später unsere Wertpapiere (Fortsetzung. unter.“ Im Spätsommer 1857 nahm mich der Anfang November, wenn die Feldarbeit Meister eines Tages beiseite und sagte zu zu Ende ist und der neue Wein im Keller mir:„Hättest du nicht Lust, in der Möbel⸗ gärt, findet die Siefersheimer Kirchweihe fabrik von Bembe als Werkmeister einzu⸗ statt. Ich ließ mir von meinem Meister treten? Der alte Herr Bembe hat mich drei Tage Urlaub geben und reiste mit gestern nach einem passenden Mann ge⸗ meiner Braut zu meiner Mutter. Hatte doch fragt, da sein seitheriger Werkmeister vor Johanna seither weder meine Angehörigen drei Wochen gestorben ist. Das wäre vor⸗ noch meine Heimat gesehen. Nicht deshalb läufig für dich besser, als wenn du dein gingen wir gerade zur Kirchweihzeit nach eigenes Geschäft anfängst. Wenn du dich Siefersheim, weil wir unterdessen Lust an selbständig machst, mußt du gleich dein ge⸗ solchen Vergnügungen bekommen hätten, spartes Geld in das Geschäft stecken: denn unsere Gesinnung war dieselbe geblieben. die Holzhändler geben einem Anfänger nichts Nein, bei solchen Volksfesten sind die Leute auf Kredit.“ N auf dem Lande allesamt zu Hause und sind Dieser Vorschlag leuchtete mir sofort ein. in der Lage, Gäste aufzunehmen, was nicht Als ich Feierabend hatte, ging ich zu Jo⸗ der Fall ist, wenn die Feldarbeit getan wer⸗ hanna, um mit ihr die Sache zu besprechen. den muß. Meine Mutter war voller Freude, Sie war damit einverstanden, daß ich diesen als ich ihr die Braut in das Haus brachte. Posten annehmen solle, und so machte ich Schon am Samstagabend im dichten Nebel schon acht Tage später mit Herrn Bembe kamen wir an. Wir waren mit der Post bis aus, daß ich am 1. Januar des kommenden nach Wöllstein gereist und gingen die kurze Jahres bei ihm eintreten solle. Meine Braut Wegstrecke von hier aus zu Fuß. Am näch⸗ und ich beschlossen nun, uns an Weihnachten sten Tage gingen wir miteinander in die trauen zu lassen. Gern gingen wir Sonntags Kirche. Wie richteten sich da, als der Gottes- miteinander in die Johanneskirche in der dienst zu Ende war und wir in das Freie Schöfferstraße, in der unser Ehebund ge⸗ kamen, die Augen meiner Landsleute auf schlossen werden sollte. uns, besonders auf meine Braut! Meine Die Wochen, die nun kamen, waren die Altersgenossen traten auf dem Kirchhofe schönsten in meinem ganzen Leben. Ein auf uns zu und begrüßten uns. Fast in alle ungewöhnlich schöner und warmer Herbst Häuser wurden wir eingeladen. Um nie⸗ war uns im Jahre 1857 beschieden. War manden zu kränken, mußten wir in diesen dieses Jahr doch ein Weinjckhr, wie man drei Tagen viele Besuche machen, und in es seit den berühmten Jahren 1811 und jedem Hause wurde nach rheinhessischer Sitte 1834 nicht mehr erlebt hatte. Meine Braut der Kuchenteller und die Weinflasche auf und ich setzten unsere Sonntagsspaziergänge den Tisch gestellt. Auch den Pfarrer Engel, fort. Wir schritten auf Landstraßen und der auf Böhme gefolgt war, besuchten wir, Feldwegen dahin, neben denen abgeerntete und zum Bürgermeister Möbus gingen wir, Felder lagen In wunderbarer Fülle prang⸗ damit er mir meinen Geburtsschein, den ich ten die Obstbäume. Herrliches Obst sahen zur Eheschließung brauchte, schrieb. wir bei den Obstfrauen, die in der Stadt auf Dienstags kehrten wir wieder nach dem Markte oder an Straßenecken ihren Mainz zurück, und die beiden nächsten Stand hatten. Knaben ließen über die Wochen vergingen uns in gewohnter Tätig⸗ Stoppeläcker ihre Papierdrachen fliegen, und keit. Johanna war aus dem Geschäfte aus⸗ die Jäger spürten den Hasen nach. Wir getreten, um ihre Ausstattung in Ordnung waren beide froh in Gedanken an unsere zu bringen; ich war natürlich bei meinem Zukunft. Da die Wohnung, die Johanna Meister geblieben. Am Sonntag, dem 15. No— mit ihrer Mutter seither bewohnte, zu klein vember— ihr werdet gleich hören, warum war, so suchten wir uns im Gartenfelde ich diesen Tag so genau im Gedächtnis 1 1 1 1 9 l U f 38 behalten habe—, waren wir nachmittags zu Hause geblieben. Ich unterhielt mich mit Johanna und ihrer Mutter, las die Zeitung, sah auch mit meiner Braut hin⸗ über nach dem Martinsturm, der vom Herbstnebel umgeben war und trotzig und klotzig über die Wälle hinausragte. Abends ging ich bei guter Zeit weg. Johanna be⸗ gleitete mich bis zur Haustür. Sie trug an diesem Tage eine weiße Schürze; als ich mich von ihr verabschiedet hatte und mich noch einmal nach ihr umwandte, um ihr zuzunicken, sah ich die weiße Schürze durch den dunklen Herbstabend leuchten. fallen, und die anderen Brüder und Schwestern leben noch und grüßen herzlich ihren Bruder und alle sind ängstlich, von ihm etwas zu wissen.“— Aus diesen ergreifenden Worten geht hervor, daß, was wir schon lange wußten, Leid um Opfer des Krieges nicht nur bei uns, sondern in ganz Europa ist. Sicher ist es Torheit, an ewigen Frieden zu denken, aber wir können das Problem des Pazifis⸗ Am Mittwoch, dem 18. Pe dene cke mich mein Meister nachmittags nach der mittleren Gaugasse, wo ein Laden einge⸗ richtet wurde und ich den Boden legen sollte. Da es von hier nur ein Paar Schritte bis zum Kästrich war, so beschloß ich, nach Feierabend, wie ich hanna hinüberzugehen. Ich war froh und vergnügt bei meiner Arbeit, ich lag auf den Knien und schlug mit dem Hammer auf die großen Nägel ein, mit denen die Dielen befestigt wurden. Drei Uhr war es, da taten mir die Knie wehe, und ich wollte gerade einmal aufstehen, da wankte auf einmal der Boden, wie es bei dem stärksten Erdbeben nicht geschehen kann, und ein Donnerton erschütterte die Luft, als ob sämtliche großen Festungsgeschütze von Mainz auf einmal abgefeuert würden. Fortsfolgt Uleine Mitteilungen. In unserem in der vorigen Nummer ver⸗ öffentlichten Aufrufe zur Spende von Gaben zur Erneuerung der abgelieferten Glocken und Orgelpfeifen heißt es, daß Gaben an eine der hiesigen Banken eingezahlt werden möchten. Das ist natürlich so zu verstehen, daß alle in Gießen vertretenen Banken in Betracht kommen und daß jeder Ein⸗ zahlende sich an die Bank wendet, mit der er in Geschäftsverbindung steht. Auch die Bezirkssparkasse nimmt Gaben entgegen. * An das evangelische Pfarramt Gießen ge⸗ langte in den letzten Tagen aus Torino (Turin) eine Postkarte mit folgendem In⸗ halte:„Wollten Sie so gütig und freund⸗ lich sein, mir zu sagen, ob in Gießen noch sich findet ein italienischer Korporal mit Namen Georg Perrone, von 8gten Infan⸗ terie-Regiment, 4te Compagnie. Er war in Gießen als Kriegsgefangener an den Aten October 1918; von da an haben wir keine Nachricht mehr von ihm bekommen, und wir wissen nicht, ob er tot oder leben⸗ dig sei. Wir würden Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie etwas von diesem armen Korporal sagen könnten, und wir danken Ihnen bestens und grüßen Sie herzlich Ihr ergebener Johann Garbero, Cavour [Torinos. Die Mutter von George Perrone ging und stand, im Schurzfell auf einen Augenblick zu Jo⸗ mus nicht so im Handumdrehen abtun. Die Frage entsteht, ob die Völker in der Zukunft untätig zusehen werden, wenn, wie es in England und Rußland vor 1914 geschehen ist, dazu getrieben wird, daß die Blüte der Menschheit, unendliches Leid er⸗ regend, auf den Schlachtfeldern dahinsinkt. Ueber diese Frage darf man natürlich die nicht hören, die im Kriege samt ihren Angehörigen weit von dem Schusse waren. In erster Linie sollte man eine Umfrage bei den Müttern und Gattinnen veranstalten. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 27. Februar. Okuli. In der Stadtkirche. Vormittags 9 Uhr: Pfarrer Becker.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarrer Becker.— Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Ramge.— Mittwoch den 2. März: Passionsgottesdienst: Pfarrer Mahr.— Montag den 28. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. — Dienstag den 1. März, nachmittags 4 Uhr: Frauenmissionsverein.— Dienstag den 1. März, abends 8 Uhr, im Mat⸗ thäusfaal: Helserversammlung; um 8½ Uhr: Versammlung der Männer- und Frauen⸗ vereinigung der Matthäusgemeinde. Vor⸗ trag von Pfarrer Mahr über:„Was hat die Kirche den Sekten voraus?“ Freie Aus⸗ sprache. Gäste willkommen.— Donnerstag den 3. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr, zugleich Militärgottesdienst: Pfarrer Aus⸗ feld. Im Anschluß an den Gottesdienst Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für die Militärgemeinde.— Vormittags 11 ¼ Uhr: Kinderkirche für die Johannes⸗ gemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Abends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends /½8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde. — Montag den 28. Februar, abends ½8 Uhr: Vereinigung der konsirmierten männ⸗ lichen Jugend der Lukasgemeinde.— Don⸗ nerstag den 3. März, abends 8 Uhr, im Johannessaal: Vortrag über„Die Kirchen⸗ austrittsbewegung“(kirchl. Vereinigung der Johannesgemeinde). Wartburgverein und Evangeli⸗ scher Arbeiterverein s. Beilage. Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer Truck und Perlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckere R. Lange, Gießen. lebt noch, ein Bruder ist im Krieg ge⸗ ———äg