onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 52 Gießen, Weihnachten, den 25. Dezember 1921 Jo. Jahrg. weihnachten. Evang. Luk. 19, 10: Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Wieder läuten die Weihnachtsglocken durch das Land, wie in alter, seliger Kinderzeit Aber fast scheint es, als hätten sie heute nicht mehr so schönen Klang wie damals! Dachten wir früher in den Festtagen an all das, was Weihnachten uns gebracht, heute steht auch an solchen Tagen wohl bei vielen im Vordergrund der Gedanke an all das, was wir verloren haben. Und wie viel ist das. In wie vielen Häusern fallen die Gaben auf dem Weihnachtstisch infolge der herrschenden Teuerung immer spärlicher aus! Das ist aber wohl kein Schade. Wir waren zu verwöhnt geworden durch all den Wohlstand der langen Friedensjahre und 8 uns soviel Ansprüche angewöhnt. ielleicht wird es noch ein Segen. dieser schweren Zeit werden, daß wir wieder be⸗ sckeidener und ansprucksloser werden wie unsere Väter, die dabei doch glücklicher und zufriedener waren als wir. Das ließe sich leicht verschmerzen. Wenn nur die nicht fehlten, die uns der grausige Krieg ge⸗ nommen, deren Augen einst geleuchtet hatten unter dem Christbaum, und die dann mit leuchtenden Augen hinausgezogen sind für das Vaterland, um nicht wiederzu⸗ kehren. An keinem Tage des Jahres tut ihr Fehlen so weh, wie gerade am Weih⸗ nachtsabend. Wer sein Vaterland, sein Volk lieb hat, der weiß noch von anderem Verlust. Unser Heer, unsere Flotte, unsere Kolonien, weite Striche unseres Vaterlandes mit reichen Bodenschätzen, unseres Landes Wohl⸗ stand und Freiheit, das alles hat man uns genommen. Und mehr noch! Was unseres Volkes Ruhm und Ehre einst war vor der Welt: Treue und Glauben, Zucht und Ord⸗ nung, Ehrlichkeit und Redlichkeit, Zufrieden⸗ heit und Bescheidenheit, Gottesfurcht und Respekt vor Gottes Geboten, viel davon ist verloren. Aber nun horch, was die Weihnachts⸗ glocken uns läuten! Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Mag alle Welt sich von uns wenden, er tut es nicht. Mögen wir der ganzen Welt Freundschaft verloren. „ seine nicht. Er sucht das Verlorene. ll die Sünden unseres Volkes schvecken ihn nicht ab. Die haben ihn ja herab⸗ gezogen auch zu uns. So kann doch noch alles wieder gut werden, mag der Schaden auch noch so groß sein. Er ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Er sucht auch unser armes, verirrtes und verwirrtes Volk. All die Gerichte, die über uns gekommen— wir dürfen auch in ihnen seine suchende Hand sehen, die uns selig machen möchte. Selig, nicht reich. Reichtum macht nicht wahrhaft glücklich. Möchten das doch die glauben, die heute Geld auf Geld häufen und doch nie genug bekommen können. Die Geschichte lehrt, daß der Reichtum für ein Volk oft der Anfang vom Untergang gewesen ist. Selig sollem wir werden. Und die Seligkeit hängt nicht ab von der Aeußerlichkeit des Lebens.„Wir sind schon selig“, hat einer einmal bekannt mitten in Not und Entbehrung, in Ver⸗ folgung und Trübsal. Gott will nicht, daß wir verloren gehen, drum läßt er es wieder Weihnachten werden. Christ der Retter ist da! So läuten es die Weihnachtsglocken ins Land. O, daß es doch nicht auch vom unserm deutschen Volk heißen möchte, wie einst von Israel: Sie hatten keinen Raum für ihn in der Herberge. Nein, nimm ihn heute mit Freuden an, dann wird es auch endlich über dir wieder heißen:„Friede auf Erden“. weihnachten und Neujahr in der Heimat. Jugenderinnerungen. Weihnachten feiert man nicht nur am 25. und am 26. Dezember, sondern schon in der Adventszeit, wenn die Gedanken auf das schöne Fest gerichtet sind und man allenthalben die Zurüstungen für das Fest betreibt. Fast ist die Vorahnung noch schöner als das Fest selber. Das habe ich alle Male als Kind empfunden. Weihnachtlich war es uns Kindern in der abgelegenen Land⸗ gemeinde schon zu Mut, wenn die Händ⸗ lerinnen, die Sachen für das Fest ver- kauften, in das Elternhaus kamen. Es waren dies Frauen, die in der Adventszeit Hausier⸗ handel mit Zuckerwaren trieben, sie hatten ihre Waren in Körbe verpackt, die sie auf dem Kopfe trugen, Noch heute muß ich mich wundern, wie sie das fertig brachten, schwere Lasten stundenlang auf dem Kopfe über Land zu tragen, ohne den Korb auch nur mit einer Hand festzuhalten. Unter den Korb hatten sie, damit das harte Flecht⸗ werk keine Schmerzen verursachen sollte, — 206— einen sogenannten„Ring“ gelegt, ein mit Lappen ausgefülltes rundes Polster. Was für schöne Sachen bargen diese Körbe in sich, gespannt betrachteten wir Kinder ihren Inhalt. Gab es doch in dem Dorfe keine Konditorei oder andere Läden, in denen man das, was das Herz begehrte, und was der Geldbeutel vermochte, hätte kaufen können. Die Körbe der Händlerinnen waren angefüllt mit Honigkuchen, sogenann⸗ ten„Lebkuchen“, die die Kinder so gern ver⸗ speisten, obwohl sie zwischen den Zähnen hängen blieben. Außerdem brachten diese Frauen Zuckerwaren mit, die schön blau, rot oder gelb, oft auch mit Reimen verziert waren, und die als Schmuck des Christ⸗ baumes dienten. Uns Kindern war ein⸗ geschärft worden, daß wir dieses Konfekt nicht essen sollten, weil wir sonst krand würden. Trotzdem kam nach dem Feste ein Stück nach dem andern abhanden, ohne daß wir für eine Krankenhausbehandlung reif geworden wären. Weihnachtlich wurde es uns auch zumut, wenn die Händler mit den Tannenbäumen kamen und ihre Ware auf der Straße oder in einem Hofe zum Verkaufe ausstellten. Da gingen wir mit dem Vater hin, der Baum wurde eingehandelt und, wenn Schnee lag, von uns auf dem Kinderschlitten heim⸗ gefahren. Von Anfang Dezember an gingen abends seltsam vermummte Gestalten durch das Dorf, es waren das der„Pelznickel“(Sankt Nikolaus) und das„Christkindchen“, Der Pelznickel trug die übliche Tracht: langen Mantel, breiten Hut oder Pelzmütze und hatte die Rute in der Hand. Das Christ⸗ kindchen war ganz in Weiß gekleidet und brachte Aepfel und Nüsse mit. Beide scheinen sich ganz gut miteinander vertragen zu haben. Ich entsinne mich, daß sie an einem Winterabend, während ich als kleiner Junge zusah, in unserem Wohnzimmer miteinander tanzten. Mein Vater besorgte die Tanzmusik, indem er die Tanzweise dazu pfiff. Auch das Herstellen und Backen des Weih⸗ nachtsgebäckes, der Waffeln, des Anis⸗ gebackenen, der Zuckerplätzchen und Makro⸗ nen gehörte zu den Weihnachtsvorbexei⸗ tungen. Eifrig hielt ich das Waffeleisen über das lodernde Feuer, half beim Aus⸗ stechen der Plätzchen und freute mich über die Vögel, Sterne und die sonstigen Figu⸗ ren, die dabei entstanden. Noch sehr klein war ich, als ich einmal mit meiner Mutter beim Bäcker war und in der Backstube neben einer großen Mulde still in einer Ecke Laß während die Plätzchen im Ofen waren Leb⸗ haft redende Frauen warteten gleichfalls, bis ihr Gebäck aus dem Ofen kam. Ich war so vertieft in das Zuschauen und so erfüllt von Erwartung des Schönen, das an Weih⸗ nachten kommen sollte, daß ich kein Wort sprach, auch mich nicht regte. Im Anfang nahm man von meiner kleinen Persönlichkeit keine Notiz, bis eine ältere Frau auf mich aufmerksam wurde. Sie lobte mich wegen, meiner Artigkeit über alle Gebühr und schenkte mir Plätzchen. Die übrigen Frauen folgten ihrem Beispiel, ich war unstreitig der Held des Tages und der Backstube. Von dieser vielbelobten Artigkeit soll später nicht mehr viel zurückgeblieben sein. Wie groß war endlich die Freude, wenn wir Kinder am heiligen Abend in das Zimmer gerufen wurden, in dem der bren⸗ nende Christbaum stand. Auf dem runden Tische, in dessen Mitte der Baum stand, lagen die Geschenke. Es gab Nützliches: Taschentücher, Schulranzen, Mütze, Hand⸗ schuhe, aber auch Spielsachen. Wie danke ich noch heute meinen Eltern, daß sie uns die Spielsachen nicht vorenthielten und nicht nach der Art sehr verständiger Menschen nur nützliche Sachen kauften. Spielsachen haben für das Kind einen eigenartigen Reiz, sie beflügeln seine Phantasie, sie regen es zur Tätigkeit an, sie füllen ihm die Stunden aus. Es kommt ja nicht darauf-an, daß die Spielsachen besonders kompliziert und teuer sind, einfache Sachen erfüllen auch ihren Zweck. Wenn man dem Kinde keine Spiel⸗ sachen schenkt, so fertigt es die sich selber an, macht sich aus alten Lappen Puppen, bindet eine Kordel an eine Gerte und nennt das Ganze sein Pferd. Unter unseren Spiel⸗ sachen waren alte Bekannte und neue An⸗ kömmlinge. Das Schaukelpferd, auf dem wir manchen unternehmenden Ritt machten, stand jahrelang unter dem Tische, bis es auf den Speicher, wo wir nun unseren Zirkus einrichteten, geschafft wurde und all⸗ mählich in Trümmer ging. Es war uns einst von einer wegziehenden Familie, deren Söhne erwachsen waren und sich nicht mehr um das Schaukelpferd kümmerten, geschenkt worden. Zwei dieser Söhne sind berühmte Männer geworden, der eine als Gelehrter und Kirchenmann, der andere als Dichter. Auch der große Baukasten machte uns lange Zeit Freude, bis sich seine einzelnen Be⸗ standteile mehr und mehr verzettelten. Alle möglichen Bauten wurden damit aufgeführt, Wohnhäuser, Kirchen, Stallungen, am lieb⸗ sten Kirchtürme, an denen solange gearbeitet wurde, bis der schwankende Bau zusammen⸗ stürzte. Sechs Jahre mag ich alt geworden sein, da bekam ich zu Weihnachten einem Pferdestall. Ich sehe ihn noch vor mir, es war ein langgestrecktes, nicht überdachtes Gebäude, das ungefähr zwölf Pferdestände mit ebenso vielen hölzernen hielt. In der Ecke befand sich ein Futter⸗ kasten und ein gleichfalls aus Holz ge⸗ formter Pferdebursche. Auch der Malkasten machte große Freude. Er enthielt Bleistift⸗ vorlagen, die zumeist Gebäude darstellten, eine Palette und verschiedene Farbsteine, mit denen ich dann die Vorlagen hübsch gelb und rot anstrich; denn von Malen konnte da nicht die Rede sein. Pferden ent⸗ 7 N Der Weihnachtsabend war für uns Kinder nicht denkbar ohne den Onkel, der unver⸗ heiratet war und immer zur Bescherung kam. Er kam nie mit leeren Händen. Da er viele Ehrenämter hatte, so mußte er oft nach Darmstadt und nach anderen Städten reisen. Da hatte er Gelegenheit, für seine Neffen und Nichten Geschenke einzukaufen. Ich danke ihm heute noch für manches wert- volle Buch, das er mir schenkte, und segne sein Andenken über sein Grab hinaus. Er war für uns Kinder ein Freudebringer, nicht nur durch die Geschenke, die er uns gab, sondern noch mehr durch seine ganze freundliche Art, namentlich auch durch die Art, wie er interessant und humoristisch zu erzählen wußte. Als wir noch kleiner waxen, holten wir uns am ersten Feiertage bei unseren Paten das Weihnachtsgeschenk. Es bestand in einem großen Lebkuchen, in Zuckerwaren, Aepfeln und Nüssen. Oft gab es ein buntes Taschen⸗ tuch dazu, in das wir die Bescherung packten. Die Paten meines im Alter unmittelbar nach mir kommenden Bruders wohnten außerhalb, sie schickten das„Christkindchen“ mit der Post. Es war regelmäßig in ein Zigarrenkistchen gepackt, in den Honigkuchen war ein Taler oder ein Fünfmarkstück ge⸗ steckt. Damit konnte man damals viel kaufen. Der Postwagen, der die Pakete brachte, kam abends um 9 Uhr an, da verfehlten wir nicht in den Tagen, in denen das Geschenk des Paten erwartet wurde, nach der Post⸗ agentur zu gehen. Im Dunkeln standen wir auf der Straße, endlich kam der schwere Wagen durch die enge Gasse herangepoltert. Der Postknecht— so nannte man in jener bescheidenen Zeit den das Fahrzeug lenken⸗ den Mann, heute wird er wohl einen klang⸗ volleren Titel haben— stieg von seinem Sitze herunter und lud die Pakete aus. War das„Christkindchen“ darunter, so konnte es gleich in Empfang genommen werden. Im Wirtszimmer— der Postagent war zu⸗ gleich Gastwirt—, stärkte sich der Post⸗ knecht, und weiter rumpelte der Wagen nach der Endstation. Unsere Eltern hatten den vernünftigen Grundsatz, daß die Spielsachen zum Spielen da seien. Andere Familien unseres Be⸗ kanntenkreises waren der Meinung, daß sie nur zum Anschauen da seien. An Weih⸗ nachten wurden sie auf dem Gabentische aufgestapelt, aber die Kinder durften sie nicht anrühren. Jahr für Jahr paradierten sie da in unnahbarer Schönheit, so erinnere ich mich, daß in einer Familie ein Schäfchen wohl ein Jahrzehnt in ewiger Jugend und Unversehrtheit tronte. Wir spielten mit un⸗ seren Sachen, dabei gingen sie natürlich entzwei. f f Waren in meiner Kindheit die Spielsachen mein Entzücken, so traten, als ich heran⸗ wuchs, die Bücher an ihre Stelle. Auch hier danke ich dem Onkel, daß er meinen Wün— — 207— schen so gütig entgegenkam. Noch sehe ich die farbigen Bilder des naturkundlichen Buches, das er mir einst zu Weihnachten schenkte, die Tiere, Vögel, Pflanzen und Mineralien, die da in Buntdruck zu sehen waren. Aus einem„Jugendalbum“, das Beiträge verschiedener Art enthielt, habe ich recht viel Anregung entnommen. Ein Glück für mich war es, daß an meinem Heimatorte keine Indianerbücher zu kaufen waren. Als ich in die Stadt zur Schule kam, hatte ich keinen Geschmack mehr an den Siouxhäupt⸗ lingen, dem Falkenauge, der Geierklaue, und wie diese Herrschaften alle heißen. Als ich 15 Jahre alt war, fand ich unter dem Christbaum die kleine, vierbändige Reklam⸗ sche Ausgabe von Goethes Werken, und war von diesem Geschenke hochbeglückt. Ueber- haupt ist es nicht auszusagen, was der Ver⸗ leger Philipp Reclam mit seinen Klassiker⸗ ausgaben und seiner„Universalbibliothek“ in Zeiten, in denen es derartige literarische Unternehmungen noch nicht gab, für Segen gestiftet hat. Andere Bücher, die ich später in der Weihnachtszeit gelesen habe, sind mir unvergeßlich geblieben, so Mörikes Gedichte, Brehms Tierleben, Riehls kulturhistorische Novellen, Ludwig Richters Selbstbiographie. Für mich hängt an diesen Büchern heute noch etwas von Christbaum und seinem hellen Scheine. Dann kam an den Festtagen der Gang zur Kirche. Kinderkirche gab es dort damals noch nicht, wir Kinder nahmen also am Gottesdienste der Erwachsenen teil und ge— wöhnten uns daran, den Gottesdienst nicht zu versäumen. Allzu viel habe ich in den ersten Zeit von der Predigt nicht verstanden. Ich saß auf der Orgelempore, wo die Schul- kinder ihren Platz hatten, und sah zuweilen durch die gemalten Scheiben in das Freie. Es kam mir sonderbar vor, daß sich da draußen alles in bunten Farben darstellte. Eine Konfirmationsfeier, die in meinem siebenten Lebensjahre stattfand, ist mir noch in lebhafter Erinnerung, sie hat auf mich einen tiefen Eindruck gemacht. Leider hatten wir in meiner Kindheit in Hessen noch das alte Gesangbuch, und so sind wir kaum mit dem herrlichen Schatze deutscher Weihnachts- lieder bekannt geworden. Aber wir Kinder sangen auch die weniger gehaltvollen Lieder mit besonderer Liebe. Höre oder singe ich heute das Lied„Ehre sei Gott, in der Höhe, der Herr ist geboren“, so steigt vor mir die Zeit auf, da ich als Kind in der Heimat⸗ kirche saß. Ist dieses Lied an Gehalt auch den Weihnachtsliedern Gerhards und Lu— thers nicht gleich, so war sein Verfasser — er heißt Niemeyer— doch ein wahr— haft frommer und auch ein wahrhaft deut- scher Mann, der in der Zeit der Fremd— herrschaft, nämlich im Jahre 1808, wegen seiner deutschen Gesinnung als Geisel nach Paris gebracht wurde. (Schluß folgt.) ö 1 10 g N 1 1 0 — 208— zehn Jahre Sonntagsgruß. Mit der Nummer, die wir heute ausgeben, schaut der„Sonntagsgruß“ auf ein zehn⸗ jähriges Bestehen zurück, zum Weihnachts⸗ feste 1911 erschien die erste Nummer. Seit dieser Zeit sind im ganzen 519 Nummern erschienen. Der Jahrgang 1911 umfaßt 53 Nummern, als 1914 der Krieg aus⸗ brach und so viele Angestellte des Verlages zum Heeresdienste eingezogen wurden, war es in einem Falle nicht möglich, das Blatt zu drucken, und im März 1920 fiel eine Nummer infolge politischer Ereignisse aus. Was das äußere Aussehen betrifft, so hat unser Gemeindeblatt in diesen zehn Jahren sich einige Male verändert. Im August 1914 mußte es, weil der Druckerei die Hilfskräfte fehlten, auf die Hälfte seines Umfanges beschränkt werden. Am 1. Juli 1917 zwang die Papiernot dazu, das jetzige kleinere For⸗ mat zu wählen und die Titelbilder, Zeich⸗ nungen des Künstlers Übbelohde, weg⸗ zulassen. Am Inhalte des Blattes ist nichts geändert worden. Nach wie vor will es dem religiösen und kirchlichen Leben unserer Gießener Kirchengemeinde dienen und be⸗ sonders die Heimatgeschichte pflegen. Daß der Herausgeber das Ziel, das ihm von Anfang an vorschwebte, bis auf diesen Tag verfolgen konnte, verdankt er treuer Mit⸗ hilfe. Vor allem schuldet er Dank der Brühl⸗ schen Universitäts-Buch⸗ und Steindruckerei, die zu keiner Zeit Mühe und Kosten gescheut und auch unter den schwierigen Umständen, wie sie der Krieg gebracht hat, das Blatt gefördert hat. In den Kreisen unserer Ge⸗ meinde hat das Blatt viele Freunde und Gönner gefunden. Wertvolle Mitarbeit ist ihm geleistet worden, und viele Gemeinde⸗ glieder haben aus eigenem Antrieb dem Herausgeber aus ihrem Familienbesitz wert⸗ volle Dokumente zur Gießener Geschichte zur Verfügung gestellt. So hat sich das Blatt im Laufe von zehn Jahren in unserer Ge⸗ meinde eingebürgert und auch weiterhin im Lande Freunde gefunden. Möge ihm diese Freundschaft und Förderung auch in Zu⸗ kunft erhalten bleiben. Gießen, am 4. Adventssonntage 1921. Bechtolsheimer. Uleine Mitteilungen. Am heiligen Abend, und zwar um 5 Uhr, soll in unseren beiden Kirchen Weihnachts⸗ gottesdienst stattfinden. In der Johannes⸗ kirche soll dieser Gottesdienst liturgisch aus⸗ gestaltet werden. Fräulein Ida Stammler wird Weihnachtslieder singen, ein Quintett, bestehend aus Gliedern unserer Kirchen⸗ gemeinde, wird musikalische Vorträge dar⸗ bieten. Herr Heinrich Wigger wird dabei als Harfenspieler mitwirken. In der Stadtkirche findet am zweiten Weihnachtstage, abends 5 Uhr, liturgischer Gottesdienst statt. * Der Deutschtums⸗Bund in den abgetrete⸗ nen Teilen von Posen und Westpreußen, der Bund der christlichen Deutschen in Galizien, der Bund der Deuts chen in den ehemals russi⸗ schen Teilen von Polen und die Deutschen in dem polnis ch gewordenen Teile von Oester⸗ reichisch-Schlesien haben sich auf einer Zu⸗ sammenkunft in Lodz zu gemeinsamer Arbeit für das Wohl der deutschen Minderheiten in Polen zusammengeschlossen. * In Hamburg ist der Vorschlag gemacht worden, die evangelischen Kirchen so, wie es vielfach in katholischen Kirchen geschieht, an jedem Morgen zu einer kurzen Feier zu öff⸗ nen, welche den Arbeitstag durch Schrift⸗ verlesung oder an besonderen Tagen durch eine kurze Ansprache, umrahmt von Orgel⸗ spiel, einzuleiten hätte. Kirchliche Anzeigen. Samstag den 24. Dezember: In der Stadtkirche. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Mahr. In der Johanneskirche. Nachm. 2 Uhr: Weihnachtsfeier der Kinderkirche der Jo⸗ hannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Nach⸗ mittags 3½ Uhr: Weihnachtsfeier der Kin⸗ derkirche der Lukasgemeinde: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer.— Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. 1. Weihnachtstag, 25. Dezember: Kollekte für die Kleinkinderschulen. In der Stadtkirche. Vormittags 9/ Uhr: Pfarrer Becker.— Abends 5 Uhr: Pfarr⸗ assistent Becker. In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr: Pfarrer Ausfeld. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Lukas⸗ und Jo⸗ hannesgemeinde.— Abends 5 Uhr: Pfarr⸗ assistent Müller. 2. Weihnachtstag, 26. Dezember: In der Stadtkirche. Vormittags 9 Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und Feier des heil. Abendmahls für Matthäus⸗ und Markus⸗ gemeinde.— ends 5 Uhr: Liturgischer Gottesdienst: Pfarrer Becker. In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld. * Evang. Arbeiterverein und Wartburg⸗ verein siehe Monatsprogramm. Am 24. Dezember, nachmittags 5 Uhr, Beteiligung am Gottesdienst in der Jo⸗ hanneskirche. Berantwarflisch: Pfarrer Bechfolshesmer Druck und Berlag der Brühl'schen inwerfftäts⸗Buch⸗ und Steindruchere! R. Lange, Gießen