Gemein ee 2 onntagsgruß deblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Fr. 30 Gießen, 18. Sonnt. u. Trinitatis, den 27. Septbr. 1921 Jo. Jahrg. Dankbarkeit. Psalm 103, 2. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. Wenn ein Mensch die Hilfe eines anderen begehrt, so läßt er nicht nach, ihn anzugehen. Den Weg zu ihm findet er in solcher Lage bei Tag und Nacht. Hat er aber Hilfe gefunden, so verschiebt er die Erstattung des Dankes von Tag zu Tag. Hierzu glaubt er noch immer Zeit zu haben, all⸗ mählich ist so viel Zeit vergangen, daß die Ansicht aufkommt, nun sei es überhaupt unschicklich, noch zu danken, und das Ende ist, daß der, dem geholfen worden ist, die empfangene Wohltat ganz vergißt. Sehr treffend sagt der Psalmist, daß das Danken darin bestehe, daß man erfahrene Wohltat nicht vergißt. Aber die Welt ist undankbar. In dem interessanten Buche„Saarbrücker Kriegschronik“ berichtet ein Mitkämpfer des Krieges 1870/71, wie er einem Einwohner aus Forbach, der irrtümlich als Spion nach Mainz verbracht worden war, dadurch aus großer Bedrängnis hilft, daß er sich per⸗ sönlich bei dem Gouverneur für die Unschuld des Mannes verbürgt. Ein Jahr darauf trifft er den Forbacher in einem Gasthause und begrüßt ihn freundlich; da steht dieser, ohne ein Wort zu sagen, auf und setzt sich an einen anderen Tisch. Wie oft vergißt der Mensch die Wohltaten, die ihm sein Gott erwiesen hat. In der Not ruft er ängstlich; hat er Hilfe gefun⸗ den, so vergißt er das Danken. Der Hei⸗ land hat so viel an uns getan, sic für uns in den Tod gegeben, aber„von Liebe nur durchdrungen, hast du so viel getan und doch bist du verklungen, und keiner denkt daran“. Wer seinem Gott dankbare Gesin⸗ nung entgegenbringt, wer des Heilandes Treue nicht vergißt, der ist ein glücklicher, ein seliger Mensch; denn die Gnade, die Hilfe von oben ist ihm allezeit wee e Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 30. Der Gießener Bub aus dem vorigen Jahrhundert und was mit i e on Louis Frech. (Fortsetzung.) Es war auch Zeit, daß das unruhige Treiben aufhörte und das geregelte Alltags- leben seinen Anfang nahm. Ein gewisses Abflauen machte sich ohnedies schon bemerk⸗ bar. Die Kinder hatten keine rechte Spiellust mehr, namentlich die Buben, denn der Schnee zog an und die frische Winterluft auch. Am Silvesterabend fand noch einmal, gewissermaßen als Schlußakt, ein allgemei⸗ nes Spielen der ganzen Familie statt. Die Mädchen beschäftigten sich mit der Puppen⸗ küche und Puppenstube, die Jungen spielten unter sich oder mit den Eltern mit einem der ihnen bescherten Spiele oder mit den zwei Schalen einer Nuß„Kree⸗Weiß⸗Kessel“, wobei Nüsse den Einsatz bildeten. Heute durften alle bis 12 Uhr aufbleiben und da mußte für Zeitvertreib gesorgt werden. Die Mutter hatte eine Bowle angesetzt, die der Vater dauernd auf ihre Güte untersuchte, und jedesmal als Resultat seiner Proben gab er bekannt:„Se muß noch ziehe.“ Andere Fa⸗ milien kochten Schokolade, zu welcher frisch⸗ gebackener Kuchen oder Neujahrsbrezeln ge⸗ gessen wurde. Die Schokolade genoß da den Vorzug, wo die Damen überwogen und wo das Einverständnis der männlichen Fami⸗ lienmitglieder nicht erst eingeholt zu wer⸗ den brauchte. War Besuch da, der sich in der Regel aus Damen der Verwandtschaft, oder aus dem Freundeskreis zusammensetzte, dann kochte man ebenfalls Schokolade. Es ließ sich dabei so schön erzählen. Das Feuer prasselte und sprühte in dem Ofen, und draußen schneite es. Alles mögliche wurde da besprochen. Am Walltor fing man an und am Selterstor hörte man auf, und man⸗ cher ehrbaren Bürgersfrau muß es dabei tüchtig in den Ohren geklungen haben.„Ja, die und die!“„Ich sags natürlich nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit! Nein, so was!“ Die Köpfe wurden zusammengesteckt, und wenn man sich dann dabei auch mal der bescheidenen im Hintergrund bei der Zigarre oder der Pfeife stillvergnüglich hok⸗ kenden Eheherrn erinnerte, so geschah dies meist nur deshalb, weil man sich in all dem Wortschwall plötzlich bewußt wurde, daß diese entschiedene Gegner des„Durchhechelns“ waren. Zuweilen traf der Blick nur die leeren Stühle, denn die Familienhäupten hatten die günstige Gelegenheit benutzt, sich zum„Busche Sannche“ oder in den ue Riemen“, oder„Ins Lotze“, oder zum„Louis Lony“ und wie die Wirtschaften alle hießen, aus dem Staube zu machen. Es wurde zwar, darüber ein wenig geschmollt, aber nur pro forma, denn jetzt war die Luft rein, und —— — 154— man konnte ungeniert die anderen Stadt⸗ viertel auch noch der Kritik unterziehen. So verrann eine Stunde nach der anderen. Hier und da hörte man draußen, meist in der Ferne, einen Schuß knallen. Je näher die Mitternacht herankam, desto lebhafter wurde die Schießerei. Die Gießener Buben ließen es sich nicht nehmen, zu diesem Neujahrs⸗ vergnügen auch ihr Teil beizutragen. Wo⸗ chenlang vorher wurde mit der Herstellung der„Mordschläge“ und des sonstigen Feuer⸗ werkszeuges, welches beim Explodieren mehr oder weniger Spektakel machte, begonnen. Ich erinnere mich, für die Neujahrsnacht bis zu 30 Kanonenschläge fabriziert zu haben. Andere Buben machten es ebenso, und man kann sich vorstellen, daß, wenn so ein Rudel tatenlustig ausrückte, es in allen Ecken knallte. Die drei Organe der Ortspolizei kümmerten sich, wenn man sie in Ruhe ließ, blitzwenig um die Schießerei. Nur wenn man ihr die Kanonenschläge in den Hausgang ihres Amtslokals warf, dann ergrimmten die alten Herren und bedauerten, daß sie nicht 50 Jahre jünger waren. Die neue An⸗ lage(Süd-Anlage) war hauptsächlich das Feld für die Kanonenschläge. Man zündete den Zunder an und warf sie, wenn Schnee lag, in ein Stück Zeitungspapier einge⸗ wickelt, damit sie nicht erlöschten, über den Schoorgraben in die Gärten. Ein Haupt⸗ vergnügen machte es uns, die bekannten Feuerwerksfrösche mit einem Stückchen Kor⸗ del, an welches ein Steinchen gebunden war, auf die Bäume am Selterstor oder in den Anlagen zu werfen. Der Bindfaden verfing sich im Geäst, und der Frosch baumelte lustig glimmend über den Häupten der nichtsahnen⸗ den Spaziergänger, die erschrocken zusam⸗ menfuhren und sich duckten, wenn es über ihnen so und so vielmal krachte. Eines be⸗ sonders losen Streiches erinnere ich mich, der einem bekannten Gießener Baßgeigen⸗ virtuosen passiert ist. Er war am Silvester⸗ abend auf dem Weg zu irgendeiner„Re⸗ doute“ und trug sein umfangreiches In⸗ strument in der üblichen Weise untergefaßt den Seltersweg hinunter. Bei der Wolken⸗ gasse gelüstete es ihn, eine Habana anzu⸗ zünden, und so stellte er einen Herrn und ließ sich Feuer von ihm geben. Wir Buben kamen gerade daher, zündeten schnell einen Frosch an, und schlupp verschwand er durch eins der Schallöcher in dem Bauch der Baß⸗ geige. Ob dieser Frechheit war der Meister vom Brummbaß nicht wenig erzürnt und sucht einen zu erwischen. Dabei gab er sein ganzes musikantisches Schimpflexikon zum besten. Wir kniffen natürlich aus, aber ohne große Anstrengung, denn unser Verfolger kam schlecht voran, dieweil mit einer Baß⸗ geige unterm Arm und bei fußhohem Schnee nicht gut wettzulaufen ist. Bei der Löwen⸗ gasse fing's in dem Kasten an zu knallen sechs⸗, acht⸗, zehnmal. Die Leute, welche die Sitnation sofort begriffen, brachen in lautes Lachen aus, und wir heulten vor Ver⸗ gnügen,— dann verschwanden wir im Junkers Garten(Plockstraße) im Dunkeln. Leider wurde die Sache der Schule angezeigt, und ich bekam 2 Stunden Arrest. Beim Verhör zuckte es unserem Lehrer verräterisch um die Mundwinkel. Ich saß meine Strafe mit dem Gedanken ab, daß das neue Jahr gut anfange. Der Baßgeigenstreich war zwar nicht fein, aber schön war er doch! Das war am ersten Januar die Meinung der ganzen Stadt. Uebrigens hat mir der Baßgeigenbesitzer viele Jahre später, als er bei einer festlichen Gelegenheit in der Kapelle mitwirkte, mich aber nicht kannte, unter nicht besonders schmeichelhaften Auslassungen über den Attentäter den Streich haarklein erzählt. „Der hat seinen Namen net umsonst!“ sagte er und ich gab ihm recht. Was sollte ich anders machen? Doch zurück zur Familie, die, wie das die Nähe der Mitternacht mit sich bringt, sich in großer Spannung befand und ange⸗ strengt auf das Zwölfschlagen der Turmuhr lauerte. Das Christbäumchen erstrahlte im Glanze der Lichter. Die Fenster wurden geöffnet und man hörte den Trubel auf der Straße. Da—, der erste Glockenschlag und dann donnerte und brauste es an allen Ecken und Enden:„Prosit Neujahr!“. Die Knallerei erreichte ihren Höhepunkt und unter diesem Tohu⸗Wabohu fiel man sich um den Hals, beglückwünschte und küßte sich. Der abhanden gekommene Eheherr erschien und gewann der Familie das neue Jahr ab und wenn dabei in der allgemeinen Sil⸗ vesterfreude auch einmal ein Kuß„neben⸗ hinausfiel“, so wurde dies als ein begreif⸗ liches Versehen nachsichtig entschuldigt. Dann lauschte man dem Choral, der vom Kirch⸗ turm nach den vier Windrichtungen ge⸗ blasen wurde, und nachdem dieser verhallt war, schloß man die Fenster, die Kinder durften die Christbaumlichtchen auspusten, der Besuch verabschiedete sich und man be⸗ gab sich mit dem Bewußtsein zur Ruhe, das neue Jahr„gut angetreten“ zu haben. Man⸗ chem aber drängte sich, als alles still ge⸗ worden war, der Gedanke auf: Was wird es uns bringen? Werden wir das nächste Silvester wieder so fröhlich und gesund be⸗ gehen können?„Vertraue auf Gott!“, war, ist und bleibt die Antwort auf diese Frage, „er wird's wohl machen!“ Der Schlummer senkte sich auf die um ein Jahr älter gewordenen Gießener, und draußen gaukelten sachte die Schneeflocken in den Straßenfluchten und zogen der Stadt zum Neujahrstag ein neues, weißes Feier⸗ tagskleid an. (Fortsetzung folgt.) eee . — 155— Eine Kriegsgefangenschaft im Jahre 1866. Aus den hinterlassenen Papieren des Ge⸗ heimerats Theodor Goldmann mitgeteilt von Dr. Karl Esselborn. 1. Für die diplomatische Geschichte des Jah⸗ res 1866 ist neuerdings eine ebenso wich⸗ tige wie wertvolle Quelle erschlossen wor⸗ den in den von Wilhelm Schüßler heraus⸗ gegebenen„Tagebüchern des Freiherrn Rein⸗ hard von Dalwigk⸗Lichtenfels“(Stuttgart und Berlin 1920). Darin wird auch er⸗ wähnt,„daß der Provinzialdirektor Gold⸗ mann wegen seiner Weigerung, auf preu⸗ ßische Aufforderung als Mitglied in die neugebildete Regierung zu Homburg ein⸗ zutreten, als Staatsgefangener nach Wesel geschickt worden sei“. Die Nachricht von diesen„Gewaltschritten“ erhielt Dalwigk am 12. August in Berlin. Er verlangte sofort in einem Schreiben an Bismarck„auf das dringendste Zurücknahme jener Schritte“, ohne jedoch Antwort zu erhalten. Ueber diese Vorgänge liegen Aufzeich— nungen Goldmanns vor: für die Zeit bis zur Gefangennahme eine kurze Denkschrift, für die Zeit der Festungshaft in Wesel Briefe, zumeist an seine Gemahlin. Diese Episode ist ein Ruhmesblatt in Goldmanns Lebensgeschichte. Sie kann nicht lebendiger wiedergegeben werden als mit seinen eigenen Worten. Im folgenden wird die Denkschrift vollständig, die Briefe dagegen werden aus⸗ zugsweise, so weit sie von allgemeinem In⸗ teresse sind, mitgeteilt. Theodor Goldmann war am 2. Juli 1821 in Gießen geboren als Sohn des Hof⸗ kammersekretärs Wilhelm Goldmann“)(ge⸗ boren am 19. Mai 1792 in Grünberg, ge⸗ storben am 23. Januar 1873 in Darm⸗ stadt. Seine amtliche Laufbahn begann er im August 1842; von da an war er als Akzessist bei verschiedenen Gerichts- und Verwaltungsbehörden tätig, bis er 1847 Mitglied der Isenbur ischen Rentkammer in Büdingen wurde. Am 21. August 1848 wurde er Regierungssekretär in Biedenkopf, 1852 u in Darmstadt, 1854 Kreisrat in Lauterbach, 1858 in Dieburg und am 4. Mai 1866 Provinzialdirektor in Gießen. Seine Uebersiedelung dorthin fällt in die Kriegszeit. Am 25. Juni 1866 wurde seiner Frau im Auftrag des Oberbefehls⸗ habers des 8, deutschen Armeekorps die Er⸗ laubnis erteilt, nach Gießen zu reisen und ihre Möbel dorthin zu transportieren sowie nötigenfalls eine Extralokomotive oder einen Militärzug zu benutzen. Nachdem die Besetzung der Provinz Ober⸗ hessen durch die preußischen Truppen erfolgt * Anm. der Red.: Nach dem Taufbuch der Gießener Burgkirche hieß die Mutter Wilhelmine Luise von Zangen. war, wurde am 29. Juli 1866 der Landrat von Briesen als Zivilkommissarius für sie durch das preußische 3 der aus⸗ wärtigen Angelegenheiten bestellt und an⸗ gewiesen, die Zivilverwaltung dieser Provinz unter Autorität des Oberbefehlshabers der Mainarmee, Generalleutnants Freiherrn v. Manteuffel, einstweilen zu führen. Am 4. August wurde 1 zugleich zum Zivil⸗ kommissär für die Landgrafschaft Hessen— Homburg ernannt und am folgenden Tage ein„Regierungsblatt für das Landgrafthum Hessen und die Großherzoglich Hessische Pro- vinz Oberhessen“ zum erstenmal ausgegeben, das in Homburg gedruckt und bis zum 20. September im ganzen viermal ausge⸗ geben wurde. Als Oberbehörde wurde eine „Landesregierung zu Homburg“ eingesetzt. Dieser gegenüber hatten alle Beamten in dem besetzten Gebiete innerhalb vierzehn Tagen einen Revers zu unterschreiben, auf Grund dessen sie sich bereit erklärten,„den Anordnungen der Königlich preußischen Ad⸗ ministration, unbeschadet des dem Aller- höchsten Landesherrn geleisteten Diensteids, unter den obwaltenden Umständen unweiger⸗ lich nachzukommen und alles zu unterlassen, was die Interessen der Königlich preußischen Regierung beeinträchtigen könnte“. Die Unterzeichnung dieses Reverses konnte Goldmann nicht mit seinem Gewissen ver⸗ einigen. Das war eigentlich das Natur⸗ gemäße. Daß man in Oberhssen und in Gie⸗ ßen nicht allgemein so dachte, mochte u. a. darin seinen Grund gehabt haben, daß die Preußen ausdrücklich erklärt hatten,„daß die Okkupation nicht gegen die Bevölkerung, sondern gegen die Großherzogliche Regie- rung gerichtet sei“. In dieser Richtung ist ein Brief bemerkenswert, den Goldmanns Vater am 13. August an dessen Frau schrieb. Darin heißt es:„Während hier(in Darm⸗ stadt) jedermann, selbst Fremde auf der Straße mich anredend, mir zu einem Sohne und Ihnen zu einem Gatten Glück wünscht, auf welchen man stolz zu sein Ursache habe, macht man Ihnen in Gießen noch das Herz schwer, indem man sagt, er hätte, den Revers unterschreiben sollen, da ja die Preu⸗ ßen nichts als Liebes und Gutes wollten, daß Theodor zu weit gegangen sei und am Ende seine Haft provoziert habe.— Wenn es den Preußen gelungen ist, durch Theo⸗ dors Verhaftung, wie man ihm selbst ge— sagt hat, nun ein Exempel zu statuieren und die übrigen Beamten in Oberhessen einzu⸗ schüchtern und diese nun den Revers unge⸗ ändert unterschreiben oder unterschreiben lassen, nachdem vorher alles einmütig be⸗ schlossen hatte, den Revers nur in der von Herrn Buff und Theodor verabredeten Fas⸗ sung zu unterschreiben, so ist dies deren Sache, und ich tadle es nicht weiter, wenn sie nun die unbedingte Unterzeichnung mit ihrem Gewissen und Eide vereinbarlich und ihrer künftigen Existenz förderlicher erachte— 26 ten. Wenn aber Theodor nach seiner pflicht⸗ mäßigen Ueberzeugung nicht glaubte, weiter gehen zu dürfen, als verabredet war, wenn er nach seinem Dienst⸗ und Untertaneneide, von welchem der Großherzog ihn noch nicht entbunden hat, weder in Gießen noch Hom⸗ burg eine Stelle in fremdem Dienste im Widerspruch mit der Verordnung vom 11. Juli annehmen wollte und konnte, so tat er nur seine Pflicht, unbekümmert um die Folgen, um die Vorteile oder Nachteile, welche die bevorstehende Abtretung der Pro⸗ vinz an Preußen im Gefolge haben kann; mögen es auch andere halten, wie sie wollen, weil sie entweder fürchten oder hoffen von der Zukunft. Theodor hat ganz nach mei⸗ nem Sinne gehandelt, wenn er sagte: Alles verloren, nur nicht die Ehre, und die Preu⸗ ßen selbst müssen es achten, wenn der Be⸗ amte seinem Landes- und Dienstherrn den geleisteten Eid hält,... der ohne Rücksicht auf Vorteile oder Nachteile nur seiner Ueber⸗ zeugung folgt.... Wenn Theodor auf sei⸗ nen Vorteil hätte sehen wollen, so würde ihm Briesen ohne Zweifel eventuell Vorteile an⸗ zubieten bereit gewesen sein, denn er hätte dann in Theodor einen einflußreichen An⸗ fang gehabt.“(Fortsetzung folgt.) Omina ad dei gloriam. (Alles zur Ehre Gottes.) Mit deinem Wort erleuchte mich, durch deinen Geist erneure mich, in deiner Gnad' erhalte mich, 5 daß ich dein bleibe ewiglich. Wie sehr gefiel mir diese Ueberschrift eines Artikels, der mir zufällig in die Hand kam. Aber wie erschüttert war ich zu lesen, wie in einer fanatischen Zeit Christen von An⸗ dersgläubigen dem Märtyrertode überant⸗ wortet wurden„zur Ehre Gottes“. Un⸗ willkürlich kam mir die Erinnerung an die vielen treuen Gläubigen, die in ganz letzter Zeit ebenfalls ihre Treue mit dem Tode besiegeln mußten, einem grausamen Tode von der Hand entmenschter Kreaturen, bei denen nicht Glaubensfanatismus, sondern ein völlig von Gott und allem Erhabenen abgewendeter Sinn die Triebfeder war. Doch gab mir dies schöne Wort:„Alles zur Ehre Gottes“ viel zu denken, und in meiner Seele stiegen Bilder auf, wie es schön und friedlich sein müßte auf Erden, wenn wir alles, was wir beginnen, tun wollten, um Gott zu verherrlichen. Wenn schon beim ersten Morgengrauen unser Herz mit Dank und Anbetung sich dem Schöpfer Himmels und der Erden zuwenden wollte, wenn dann eine jede Arbeit, jeder Gang, jede kleine oder große Handlung, jedes Wort, das wir sprechen, zur Ehre Gottes geschähe! Es würde dann unmöglich sein, ein un⸗ freundliches Wort zu reden, eine übereilte Tat zu begehen, von großem Unrecht ganz abgesehen. Und wenn dann am Abend der arbeits⸗ und oft auch sorgenreiche Tag vor⸗ über wäre und wir auf unser Tun und unser Unterlassen zurückzudenken vermögen, mit welcher Dankbarkeit würden wir da sagen müssen, daß der barmherzige Gott uns doch allezeit nahe war, und wir könn⸗ ten ihn nur bitten, uns zu helfen, mehr und mehr zu wachsen in allem unsern Tun, damit es ihn verherrliche und uns ihm näher bringe, uns und alle die, die mit uns gleichen Sinnes sind, mit denen wir dem gleichen Ziel entgegenpilgern. Es soll uns nicht gereuen der schmale Pilgerpfad, wir kennen ja den Treuen, der uns gerufen hat. Baronin R. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 25. Sept., 18. n. Trinitatis. Kollekte für die evang. Frauenvereine. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfir⸗ mierten aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becker.— Vormittags 9½, Uhr: Pfarrer Mahr.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer 1 In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfir⸗ mierten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal: Pfarrer Adolph. Evang. Arbeiterverein. Sonntag den 25. Sept., abds. 8 Uhr in der Turnhalle(Saalöffnung 7½ Uhr): Volks⸗ unterhaltungsabend zum Besten un⸗ serer Volksbildungs- und Wohlfahrtsbestre⸗ bungen. Musikvorträge, Rezitationen: Frau Mendelssohn⸗Bartholdy, Deklamationen in ess. Mundart: Herr Schnabel, Lieder zur Laute: Herr W. Geilfus, Märchenauffüh⸗ rung:„Der Blumen Rache“, Schwank in 1 Akt:„Das verwechselte Zeitungsinserat“, turn. Darbietungen. Eintrittskarten(auch für Nichtmitgl.) zu 2 und 3 Mk.(etztere numeriert) sind bei Herrn Challier sowie bei den Mitgliedern Bingel und Scholz zu haben. An der Abendkasse erhöhte Preise. Galeriekarten nur an der Abendkasse 1 Mk. Kinder unter 10 Jahren bitten wir zu Hause zu lassen. 5 1 Wir können unseren Mitgliedern den An⸗ kauf preiswerter Winterkartoffeln vermitteln. Es handelt sich um gute Ware, die billigen ist als sonst im Handel. Bestellungen müssen innerhalb einer Frist von 8 Tagen erfol⸗ gen. Einzeichnungsliste und Bezugsbedin⸗ gungen liegen bei dem 2. Vorsitzenden Herrn Weller(Altes Rathaus) offen. Wartburgverein. f Sonntag, den 25. September, nachmittags 2 Uhr: Spaziergang. Führer: Herr Philipp. Abmarsch Schützenhaus. Abends 8 ¼ Uhr: Vortrag im Heim. Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer, Pruck und Verlag der Brühl'schen Undversttäts ⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen