„ 3 Sonntagsgruß emeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen N Gießen, Trinitatis, den 22. Mai l921 10. Jahrg. Erneuerung. Evang. Joh. 3, 3. Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Wir stehen auf einem Trümmerhaufen. Die Frage ist jetzt nur die: Bauen wir auf oder verfinken wir mit den Trümmern im Abgrund? Nicht nur unser Volk im ganzen sieht sein Dasein zerschlagen, auch jeder Ein⸗ zelne ist gewissermaßen zusammengebrochen. Unser Volk kann nur dann wirklich wieder erstehen, wenn jedes seiner Glieder an sich die Erneuerung vollzieht. Sind wir uns dessen bewußt? Man hört allenthalben den Ruf nach Arbeit, nach Sparsamkeit, nach Zucht und Ordnung. Fange doch erst einmal der Einzelne an, diese Forderungen selber zu erfüllen! Die Entscheidung darüber, ob es überhaupt jemals wieder aufwärts gehen kann mit unserm Volk, steht einzig und allein bei jedem von uns. Da mögen sich die Regierenden noch so sehr mühen und die Köpfe zerbrechen, um die beste Wirtschafts⸗ form, die zweckmäßigste Verfassung zu fin⸗ den— es wird nichts helfen, wenn nicht jeder Volksgenosse selber als Bauarbeiter an der Wiederaufrichtung tätigen Anteil nimmt. Darum fort mit der schnöden Selbst⸗ sucht und dem Wuchergeist, der unser deut⸗ sches Wesen so verzerrt hat, fort auch mit der Verschwendung und Vergnügungssucht, die die Sorgen im wilden Taumel ersticken möchte, fort auch mit dem Nachgeben gegen die niederen Triebe des Materialismus in uns! Zurück zur Selbstzucht, zum Glauben der Väter, zur dienenden Liebe, zum Be⸗ wußtsein der Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen! Nur dann kann von der Hoffnung auf Wiederaufrichtung die Rede sein, wenn jeder seine Pflicht darin sieht, den Worten des Dichters nachzuleben: „Immer strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an.“ Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 30. Der Gießener Bub aus dem vorigen Jahrhundert und was mit ihm zusammenhängt. Von Louis Frech. Faortsetzung.) Als wir mit unseren schweren nassen Litg⸗ klumpen die kurze, rechts von Tannenbäum⸗ chen, links von Gärten flankierte Straße— das Engelbachsche Haus stand bereits— zurückgelegt hatten, wurde auf den primi⸗ tiven Holzbänken der sogenannten großen. Allee— das waren einige Bäume im Eck der Gabelung der Straße, da wo jetzt auf dem Ludwigsplatz die Lutherlinde steht— Halt gemacht und geruht. Dann gings über die Wieseckbrücke und den Neuenweg heimwärts, nicht ohne auf der Straße allgemeine Heiter⸗ keit hervorgerufen und von den uns Begeg⸗ nenden mit prophetischen Bemerkungen über die nächste Zukunft bedacht worden zu sein. Leider gingen diese nur zu rasch in Erfül⸗ lung. Nichtsdestoweniger war anderen Tags große Bäckerei auf der Kreuzer Mauer. Als Feuerungsmaterial mußte nun trockenes, faules Holz herhalten, weil der Zunder ohne Geld nicht zu beschaffen, letzteres aber ein rarer Artikel war. Ueberdies glimmte und rauchte das Holz gut und erfüllte somit ohne Kosten seinen Zweck. Von da ab roch es auf dem Kreuz brenzlich. Das obrigkeit⸗ liche Sicherheitskleeblatt sah sich den Be— trieb zwar einmal an, fand aber, da der⸗ selbe den baupolizeilichen Vorschriften nicht widersprach, keinen Anlaß zum Einschreiten, zumal es auch richtig annahm, daß die Sache nicht ewig dauere. Nach kurzer Zeit flaute sie dann auch ab und ein ergiebiger Platzregen enthob die drei Gießener Polizei⸗ diener und die Mütter weiterer Besorgnisse. Die G. m. b. H. liquidierte sang- und klanglos, aber die Mauer sah aus, wie wenn sämtliche Weißbinder Gießens ihr Meisterstück an ihr gemacht hätten. Es dauerte noch Wochen, bis sie die ihr aufoktroyierte„Weißheit“ wieder los war und wie vorher als Sitz— gelegenheit dienen konnte. Kam die Zeit herbei, da die Maikäfer, die wir mit dem geläufigeren Namen„Kläw⸗ wern“ bezeichneten, in dem wunderschönen Monat Mai herumflogen, dann traten diese auch auf dem Kreuz sehr lebhaft in die Ex⸗ scheinung. Sie wurden von den Buben meist aus dem elterlichen Garten mitgebracht, aber auch sonst gesammelt, wo sie sie bekommen konnten. Es gab keinen Buben, welcher nicht diesem Sporte huldigte, der aber die unangenehme Seite hatte, daß die Tiere nachts durchgingen, wenn ihr Gefängnis nicht richtig verwahrt war. Deshalb durften sie auch manche Buben abends nicht mit ins Haus bringen. Da mußte sie dann ein Freund bis zum andern Tag mitnehmen. Ein solcher Helfer in der Not war unser * 8 g. 1 leider noch in den Schuljahren verstorbener Spielkamerad Fritz Müller, welcher eigent⸗ lich anders hieß, nichtsdestoweniger aber an die 100 Stück der braunen Gesellen, selbst⸗ verständlich wohlvorgezählt und mit dem ersorderlichen Futter versehen, übernommen und in seinem Zigarrenkistchen verstaut hatte. Das war übrigens gar nicht so ein⸗ fach; denn hatte man glücklich einen Käfer hineinpraktiziert, dann kamen an anderer Stelle mehrere wieder heraus. Nach Schluß auf dem Kreuz pendelte unser Freund heim und stellte seinen Kasten auf den Kleider⸗ schrank in der Schlafstube seiner Eltern; oben darauf als Belastung ein Bügeleisen. Es ist bekannt, daß die Käfer, wenn sie, einer neben dem andern, mit vereinten Kräften ihre keilförmigen Köpfe zwischen den Deckel und Kistenrand zwängen, einen erstaun⸗ lichen Druck ausüben und den Deckel soweit zu heben vermögen, daß sie sich durchdrücken können. Das geschah auch hier. Das Bügel⸗ eisen rutschte mitten in der Nacht ab, fiel mit einem fürchterlichen Krach auf den Boden, und die Kläwwern schnurrten brummend im Zimmer herum. Die jäh aus ihrem Schlum⸗ mer aufgeschreckten Eltern unseres Freundes fuhren aus den Betten. Sie brauchten nach der Ursache nicht lange zu suchen, denn es schwirrte nur so um sie herum, und an ihren unbedeckten Stellen hatten sie das Gefühl, wie wenn sie mit dürren Tann⸗ äpfeln beworfen würden. Die Lampe wurde angezündet und die Fenster geöffnet, und eine wilde Jagd begann. Der Tritt der beiden erbosten Ehegatten verursachte ein Geräusch wie zerbrechende Eierschalen. Im Hause hatte man den Plums des Bügel⸗ eisens gehört; auch das dumpfe Gestampf der Schritte ließ nichts Gutes ahnen. Daher fand sich alles, was Beine hatte, vor der Schlafzimmertür ein. Aber nur die Kinder wurden eingelassen, denn ohne Hilfe war nicht fertig zu werden. Endlich wurde man der Störenfriede Herr und der unterbrochene Schlaf nahm seinen berechtigten Fortgang. Leider wußte andern Tages die ganze Stadt von der nächtlichen Familienunterhaltung. Die Nachbarn im Hause gegenüber hatten sich, wie von einem 1.-Rang⸗Platz aus, die Sache angesehen und aus der Schule geplaudert. Zudem fand man das Corpus delicti, den in der Nacht zum Fenster hinaus⸗ geworfenen Zigarrenkasten, auf der Straße. d auf seinen Deckel geklebten Zettel tand: Kläwwern von Fritz Müller. Da war nichts zu machen. a Andern Tags wurden die über Nacht in Kost und Logis gegebenen Käfer, sofern sie nicht, wie im vorliegenden Fall, mit des Geschickes Mächten in Konflikt geraten waren, den Eigentümern wieder zurück⸗ erstattet. Diese ließen dann einen nach dem andern auf der Mauer krabbeln. Dabei sang 5 die ganze Gesellschaft: 1 „Kläwwerche Kläwwerche, flieg, 2 Dein Vatter is' im Krieg, b Dei' Mutter is' im Pommerland, ommerland is' abgebrannt, „Kläwwerche, Kläwwerche, flieg!“ Dieser poetischen Aufforderung leistete auch der Käfer alsbald Folge. Nachdem er sich, wie sich das für einen oberhessischen Mai⸗ käfer von selbst versteht,„besonnen“ hatte, spreizte er die Flügel und schnurrte unter ö dem Geschrei der gesamten Bubenschaft: „Grüß mer de Spa—— atz!“ empor. Daß es auch damals schon gar nicht so einfach war, in die Höhe zu kommen, das erfuhr auch der Käfer sehr rasch am eigenen Leibe. Schon ein paar Meter über dem Fußboden nahm die Luftreise ein tragisches Ende. Die Spatzen, welche sich bei solchen Gelegenheiten scharenweise einfanden, saßen oben auf dem „Kennel“ der Pelikanapotheke und äugten mit schräg gehaltenen Köpfen nach unten, 4 um sich auf ihr Opfer zu stürzen. Einen 1 Augenblick lang sah man einen Knäuel Spatzen, ein paar Flügel und sonstige Fetzen ö des Käfers in der Luft herumfliegen und 1 dann wiederholte sich der Vorgang bei jedem neuen Käfer, jedesmal mit einem„Hurra“ begleitet, wie man es sonst nur zu hören 4 bekommt, wenn es extra einstudiert wor⸗: den ist. (Fortsetzung folgt.) 1 Etappe Langen. Erinnerungen aus den Jahren 1813 bis 1815 von Karl Friedrich Maurer, mitgeteilt von Dr. Karl Esselborn. (Fortsetzung.) 5 „Daran kann und darf es nicht fehlen, indessen, wenn Sie das angebotene Bett für sich nicht annehmen wollen, so bitte ich, zu erlauben, daß ich es Ihrem Herrn Adju⸗ tanten zur Verfügung stelle, in dem ich einen noch jungen, aber durch anhaltende Märsche sehr fatiguierten Menschen erkenne!“ „Wenn Sie das tun wollen, so nehme ich es mit herzlichem Danke an!“ So geschahe es. Es fehlte nicht, daß der Obristleutnant mir auf Befragen, welches Geschick mich in das Haus geführt, worin er sich befinde, Gelegenheit gab, ihm Näheres darüber mitzuteilen, was er mit freund⸗ lichem Interesse vernahm. Er blieb einige Tage in andauernd sehr freundlicher Weise im Hause. Sein Regiment gehörte, wie ich mich erinnere, zum Thielemannischen Korps. Seine nächste Station erhielt das Regiment von hier ab zu Bessungen bei Darmstadt. Von dort schrieb der Obristleutnant noch sehr freundschaftlich, weil er ein Paar Hand⸗ schuhe bei uns liegen gelassen hatte Später vernahm ich zu meiner Freude, daß er nach der Schlacht bei Waterloo General geworden. Bald nachdem das Erzählte geschehen, zogen die bayerischen und österreichischen * e 2 ee. * 1 dieser Truppen zogen nur bei 88 Truppen, die sich bei Hanau geschlagen hatten, durch unsern Ort gegen den Ober⸗ rhein. Die Bayern rasch und munter voran, wie sie sich das Marschieren, vereint im Dienste mit der französischen Armee, so wie auch unsere hessischen Truppen, an⸗ geeignet hatten. Ich kann und will es nicht verleugnen, daß die deutschen Truppen neben ihrer nationalen Bravheit in dem Dienste mit französischen Truppen mehrfach ver⸗ eint, gar manches im Kriege Nützliches erlernt haben. b Die österreichischen Regimenter, darunter meines Erinnerns das Regiment Jordis, folgten den Bayern unmittelbar nach, etwas schleppend und langsam. Hinter jedem Re⸗ giment wurden die dazu gehörigen Weiber, in einem Trupp vereint, eskortiert. Sehr drollig erschien es mir, daß die Feldkessel für die österreichischen Regimenter einige Tage nach deren Durchmarsch bei uns und, als solche in der Nähe von Basel in der Schweiz bereits angekommen sein konnten, durch besondere Kesselträger nachgeschleppt wurden. Was kann den Soldaten im Biwak ein Feldkessel nützen, den sie nicht un⸗ mittelbar bei sich haben und der ihnen nur nachgeschleppt wird? Jeder Träger hatte etwa sechs oder mehr Kessel, einen in den andern ziemlich hoch aufgestuft, auf dem Rücken hängen zwischen drei oder vier auf⸗ recht stehenden Stangen, die oben und unten an entsprechend abgerundeten Brettern be⸗ festigt waren. Diese Aufladung mochte nach oben ziemlich übergewichtig gewesen sein; denn ich bemerkte bei dem Durchzug der Kesselträger, daß bald dem einen, bald dem andern der obere Teil der ihm aufgehängten Last entweder rechts oder links e und es ihm Mühe verursachte, die Last wieder in gerade Richtung zu bringen. Von der angegebenen Zeit an fanden noch langehin fast tagtäglich mehr oder weniger starke Züge von Truppen statt von verschie⸗ denen Nationalitäten und Waffengattungen, als Russen, Oesterreicher, Preußen, Bayern und ere deutsche Stämme, teils Infan⸗ terie, Kavallerie, Artillerie, Pontons⸗ euqipagen und andere Trains, besonders fir sich oder verschiedene Waffenarten, der Reihe nach in einer Kolonne vereint. Manche . ns durch oder sie verblieben zur Einguartierung für einen oder mehrere Tage. Tagtäglich hatte man ohne Vorausankündigung Einquartie⸗ rung zu erwarten. In meiner neuen Stellung kam ich mit den Truppen in gar mannigfache Berüh⸗ rung. Die trübe und nasse Jahreszeit war bereits eingetreten, und es regnete beinahe jeden Tag ununterbrochen. Eines Nachmit⸗ tigs ich befand mich in meiner Geschäfts⸗ stube, die nach der Straße zu lag, ganz allein zu 7 da meine Frau ausgegangen war, und ich eine Magd zum ständigen halten können, Dienst noch nicht hatte er pochte es plötzlich gar arg gegen das Tor, das zu dem Hof führte. Ich gewahrte einen österreichischen Kavallerieoffizier und einen Gemeinen mit ein paar Pferden vor dem Tor, eilte sogleich hinzu, um von innen zu öffnen, und führte dann die Eingetretenen, wie verlangt, nach dem Pferdestall. Der Offizier sowie der Gemeine waren in ihre schweren Mäntel gehüllt und diese, obgleich der Regen schon einige Zeit vorüber, noch fast triefend von Wasser. Der Offizier be⸗ zeugte sich gar gewaltig unwillig, als er bei dem Eintritt in den Stall auch kaum eine Spur von Heu, Stroh oder Hafer darin gewahrte. „Ja, weder hier im Stalle noch in der Scheune, die Sie hier gegenüber sehen, habe ich im mindesten etwas von Fourage, aber ich bitte sehr, sich deshalb nicht zu beun⸗ ruhigen, in dem Orte befindet sich eine Masse Fourage aller Art, und es wird ohne allen Verzug das Erforderliche von seiten des Ortsvorstandes herbeigeschafft werden, sobald ich ihn deshalb habe beschicken lassen können. Vor allen Dingen bitte ich, in die Stube einzutreten, sich an dem Ofen zu erwärmen, einige Gläser Wein einzu⸗ nehmen und dann auch etwas warme Speise, die von meiner Frau aufs schnellste her⸗ gerichtet werden wird, doch muß ich sie zu dem Ende, weil ich im Augenblick ganz allein im Hause bin, selbst aus dem Hause meines Nachbars herbeirufen. Der Offizier, der erkannte, daß das von mir Verheißene alsbald in Vollzug kam. zeigte sich nun sehr zufrieden, ja, als er sich einigermaßen erwärmt fühlte, Trank und Speise genossen, auch seine Pferde aufs beste besorgt wußte, war er sehr heiter, freundlich und gesprächig über mancherlei, und ich mußte in ihm einen sehr fein gebildeten jungen Offizier des Kürassierregiments Fürst Liechtenstein erkennen. Die Unterhaltung zwischen ihm und mir war ziemlich lebhaft, als er plötzlich die Frage stellte, welchem Lande er meines Dafürhaltens seiner Geburt nach angehöre. „Ja, das kann ich nicht wissen, Sie sprechen sehr rein und gut deutsch, so daß ich einen besonderen Dialekt daraus nicht er⸗ kennen kann. Ich will annehmen, Sie sind er Wiener aus sehr guter Fa⸗ milie.“ „Das nicht, ich bin weder Wiener noch überhaupt ein Deutscher, vielmehr ein Spanier.“ „Ah, me allegro mucho, senor, a ver en Usted un hombré de Espagna en la casa mia!“(Es freut mich recht sehr, Herr, in Ihnen einen Mann aus Spanien in meinem Hause zu sehen!) Ueberrascht rief er:„Sie sprechen ja spanisch?“ „Ja, aber nur sehr wenig.“ „Waren Sie in Spanien?“ „Einige Jahre ununterbrochen.“ 8 „Was hat Sie nach Spanien geführt?“ „Der Krieg; ich habe den Feldzügen wäh⸗ rend der Jahre 1808 bis 1812 in Spanien beigewohnt.“ „Sie haben sonach dem Militär angehört?“ „Jawohl, nahehin achtzehn Jahre lang.“ „Da darf ich also einen alten Kameraden, in Ihnen begrüßen?“ „Wie es Ihnen gefällig ist.“ „Waren Sie in Madrid?“ „Einigemal!“ „Haben Sie dorten etwa eine Familie Santa Cruz kennen gelernt?“ „Doch nicht, aber wohl ist mir der Name, und zwar Conte de Santa Cruz, bekannt geworden.“ „Nun ich bin ein Conte de Santa Cruz“) aus Madrid und in dem Hause meines Oheims, des Fürsten von Liechtenstein, in Wien erzogen worden.“ „Es freut mich, in Ihnen einen Neffen dieses Fürsten in meinem Hause zu haben. Einen fein gebildeten jungen Mann habe ich alsbald in Ihnen erkannt.“ „O, es wäre mir sehr erwünscht, von Ihnen Mitteilung darüber zu erhalten was Sie in Spanien gesehen und erlebt haben.“ „Dazu bin ich sehr gerne bereit, soweit meine Erinnerung ausreicht, aber um diese aufzufrischen, muß ich Sie bitten, mir vor⸗ erst einige Fragen zu stellen.“ (Fortsetzung folgt.) An unsere Gemeindeglieder! In neuerer Zeit suchen Angehörige einer Sekte, die sich als die neuapostolische Ge⸗ meinde bezeichnet, Glieder unserer Gemein⸗ den zum Treubruch zu verleiten und zu sich herüberzuziehen. Die Lehre dieser Sekte steht mit der heiligen Schrift in offenbarem Widerspruch und ist deshalb eine verderb⸗ liche Irrlehre. Es wird gesagt, daß Gott in diesen Kreisen das Apostelamt erneuert habe, Glieder der neuapostolischen Sekte werden als Apostel bezeichnet, und es wird be⸗ hauptet, daß diese Apostel ausschließlich das Heil vermitteln, weil in ihnen Christus gegenwärtig sei. Es wird ferner behauptet. daß für den Glauben und das Leben nicht die heilige Schrift maßgebend sei, sondern das, was diese sogenannten Apostel sagen. Eine ganz und gar unbiblische und höchst schäd⸗ liche Irrlehre ist auch die, daß die sogenann⸗ ten Apostel versiegeln, das heißt, daß sie durch Handauflegen anderen das Heil, die Gotteskindschaft und die Anwartschaft auf die Auferstehung zum ewigen Leben zu⸗ erkennen. Sogar Tote werden versiegelt. In den Versammlungen der Neuapostolischen treten Frauen und Mädchen auf, angeblich *) Oberleutnant Graf Peter Silva Santa Cruz vgl. Schematismus der Oesterreichisch⸗ 8 Armee für das Jahr 1814 um zu weissagen. Die evangelische Kirche und ihre Einrichtungen, so die Konfirma⸗ tion, werden von dieser Sekte heftig ange⸗ griffen und herabgewürdigt. Anschluß an die Neuapostolischen bringt nach rasch vor⸗ übergehender Begeisterung Friedlosigkeit und Verzweiflung. Da von dieser Sekte gegen⸗ wärtig mit großem Ungestüm und in nie er⸗ müdender Zudringlichkeit versucht wird, Evangelische zu gewinnen, so sind wir, die vier Gemeindepfarrer, von der Sorge um unsere Gemeinden getrieben, genötigt, ernst und nachdrücklich vor dieser Gefahr zu warnen. Besonders bitten wir, auf Schwache und Gefährdete in unserer Mitte ein wach⸗ sames Auge zu haben. N Gießen, Pfingsten 1921. 5 Bechtols heimer. Ausfeld. Mahr. Becker. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 22. Mai. Trinitatis. Kollekte für die evangelischen Gemeinden im Ausland. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becker. — Vormittags 9¼ Uhr: Pfarrassistent Ramge.— Vormittags 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Matthäusgemeinde: Pfarr⸗ assistent Ramge.— Montag den 23. Mai, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmier⸗ ten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarr⸗ assistent Müller.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarr⸗ assistent Müller— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal: Pfarrer Aus⸗ feld.— Montas den 23. Mai, abends 8Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde. * Evang. Arbeiterverein. Sonntag den 22. Mai: Besichtigung des Bergwerks, anschließend Zusammensein in der Bergschänke. Treffpunkt 2 Uhr Ecke der Liebig⸗ und Frankfurter Straße.— Die Zu⸗ sammenkunft des gem. Chors findet Montag den 30. Mai statt. N Wartburg⸗Verein. Sonntag den 22. Mai: Wanderung. Treff⸗ punkt 2 Uhr Schützenhaus. Abends im Heim: Bericht über Pfingstwanderungen. E Donnerstag, 26. Mai, nachm. 3, im Gast⸗ hof„Hindenburg“: Hauptversammlung des Verbandes evang. kirchl. Frauenvereine. Perantwortlich: Pfarrer Bechtofs heimer Pruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindrückere 0 R. Lange, Gießen. 5 2 ö ä 1. I — N 14 19 *