1 ist onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Kürze noch die ruhmredige Ausführlichkeit Nr. 34 Gießen, I3. Sonnt. n. Trinitatis, den 2]. August 1921 10. Jahrg. von alten und neuen Grabinschriften. Evang. Luk. 22, 42. Und er sprach zu Jesus: Herr gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Wenn man die Inschriften auf Grabsteinen aus alter Zeit liest, so staunt man zunächst über ihre Ausführlichkeit. Oft sind die Steine mehr als einen Meter hoch, und der Stein metz hat eine große Zahl von Zeilen ein⸗ gemeißelt. An Gedankengehalt sind diese In⸗ schriften, auch wenn sie geschichtlich inter⸗ essant sind, mitunter arm und für uns Men— schen der Gegenwart recht langweilig zu lesen. In der Regel enthalten sie nichts als eine maßlose Verherrlichung des Toten, eine Verherrlichung, die man auch als Menschen⸗ vergötterung bezeichnen kann. Das beweisen einige Grabsteine, die wir in der Alten Gie ßener Friedhofsfopelle finden. An der dem Eingang gegenüberliegenden Wan sehen wir das lebensgroße Standbild des Superinten denten und Professors Justus Feuerborn (15871650). Er wird genannt„ein herr⸗ licher und umb die ganze christliche Kirche hochverdienter und durch viele erbauliche Schriften berühmter Schriftsteller“. Der Pfarrer Johannes Dietrich wird in latei⸗ nischer Sprache als ein hochberühmter Pfar⸗ rer und sehr würdiger Superintendent be— zeichnet Die Witwe Barbara Winckelmann, die ihrem Ehemann, dem Pfarrer und Pro⸗ fessor Johannes Winckelmann(1551— 1626 ein„Ehrengedächtnis“ errichtet hat, wird als eine„ehrenvolle“ und„tugendsame“ Frau gerühmt. Ihr Ehemann wird genannt der „wohlehrwürdige, hochachtbare und hoch⸗ gelahrte Herr Johannes Winckelmann, der heiligen Schrift vortrefflicher Doctor“. Eine sehr ausführliche Grabinschrift ist der Witwe des Kurmainzischen Leibarztes Elwert, der Frau Anna Margaretha Elwert, geb. Hert (1659— 1743) gewidmet, sie wird da eine „gottselige Hanna“ genannt, ihr Lebenslauf, so heißt es, sei„sehr rühmlich“ gewesen. Moderne Grabinschriften zeichnen sich da— gegen durch Kürze aus, Name, Geburts- und Sterbedatum, das ist alles. Weder diese der alten Zeit trifft den rechten Ton, den Ton, der dem christlichen Glauben entspricht. Auf Grabsteinen sollten, wenn man auch den Stand des Verstorbenen angibt, Hinweise auf menschliche Herrlichkeit und irdischen Ruhm möglichst vermieden werden; denn mit dem Grabe endet alles Irdische. Es ist auch töricht, wenn Menschen Bestimmungen treffen, die noch lange nach ihrem Tode von den Nach— lebenden auf das genaueste erfüllt werden sollen, was ja auch in den seltensten Fällen geschieht. Ein bekanntes Wort aus dem Volksmunde sagt von Toten, die sich im Grabe umdrehen wenn etwas geschieht, das dem Willen zuwider ist, den sie einst im Le— ben bekundeten. Ein moderner Dramatiker läßt eine seiner Figuren auf einen derartigen Hinweis ein sehr kluges Wort reden, da heißt es nämlich: wenn wir einmal im Grabe lie— gen, dann ist alles Irdische zu Ende. Nein, wenn man Grabsteininschriften ent— wirft und wenn man von den Toten redet, so soll man sich an Worte der heiligen Schrift anschließen, an Worte des Glaubens, des Trostes, der Ewigkeitshoffnung. Am allermeisten soll man da von Gottes und des Heilandes Gnade reden; denn dieser Gnade ist der Entschlafene ganz anheimgege— ben. Darum hat jener reumütige Uebeltäter am Kreuze das Rechte getroffen, wenn er zuletzt zu Jesus noch sagt: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Von einer Fortsetzung seiner Erdenwünsche und Erdenhoffnungen sprach dieser Mann nicht mehr, er wünschte nur, daß Jesus, den er in seinem unschuldigen Sterben als seinen Heiland und Erlöser erkannt hatte, an ihn denken möge, wenn der letzte Kampf aus⸗ gekämpft sei. Das war das letzte und zugleich wichtigste Anliegen, das ihm durch den Sinn ging. H. B Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 30. Der Gießener Bub aus dem vorigen Jahrhundert und was mit ihm unn Von Louis Frech. (Fortsetzung.) In der Schule wurde Feuer im Ofen ge— macht und mit Holz oder Braunkohlen unter⸗ halten. Steinkohlen oder Koks kamen da— mals nicht zur Verwendung. Die irischen Füllöfen und sonstigen Erzeugnisse der mo⸗ dernen Osenindustrie kannte man noch nicht. Kachel⸗ oder Wormser Oefen waren überall im Gebrauch und man kam damit aus. Sie brauchten nicht ausgemauert zu werden, wa⸗ ren bedeutend billiger und keine Kohlen- fresser. In der Schulstube wurde es recht behaglich. Das Feuer knisterte und sprühte, und man empfand es als eine sehr unangenehme Stö⸗ rung, wenn Herr Franz in Verkennung des Sinns, welche seine Pflegebefohlenen für solche friedliche und anheimelnde Stunden hatten, ungemütlich wurde. Die Versammlungen auf dem Kreuz nah⸗ men allmählich einen frostigen Charakter an. Die Hände in den Taschen standen die Jun⸗ gen umher, neckten sich oder liefen einander nach. Buschs Treppe und die Mauer wurden kaum noch benutzt, denn sie waren zum Draufsetzen zu kalt. Die in jedem Jahr im Herbst auftauchenden selbstangefertigten La— ternen aus ausgehöhlten Dickwurzeln, mit eingeschnittenen Gesichtern boten nur für einige Abende Abwechslung, denn sie erfüll⸗ ten nur so lange ihren Zweck, als sie frisch waren Schon nach ein paar Tagen wurden ge welk und verloren ihre schöne rote oder gelbe Farbe. Eine beliebte Unterhaltung im Spätherbst war das Spiel:„Husare, die ware.“ Meist in der Dämmerung begann es. Mehrere sich in einem Viereck aneinander reihende Stra— ßen bildeten das Spielgebiet, z. B. Kreuz, Sonne, Schäferei und Neuenweg, oder Seltersweg, Junkers Garten(Plockstraße), Schoor(Süd-Anlage), Neuenweg. Ein Schwarm Buben wählte mehrere aus ihrer Mitte, die die Abfänger waren. Diese son derten sich von den übrigen ab und verbar gen sich in der nächsten Straße. Die anderen zogen dann vorsichtig und nach allen Seiten spähend durch diese Straße. Sprangen dann ie Abfänger hervor, so stob die ganze Ge— sellschaft auseinander und lief, was sie lau⸗ sen konnte, weiter bis zur nächsten Ecke der festgesetzten Straße, dort brüllten sie heraus— fordernd:„Husare, die ware!“, um zu zei⸗ gen, wo sie waren. Die Abfänger versteckten sich bald hier bald da, und der ganze Zweck des Spiels bestand darin, den einen oder an⸗ deren zu erwischen und ihm eine freundschaft— liche Tracht Prügel zu verabreichen. Der also Bedachte mußte dann den Aufpasser spielen, während der Fänger zu dem Schwarm übertrat und so Gelegenheit hatte, die von ihm verabfolgten Püffe von einem anderen wieder zurückzuerhalten. Das Spiel wurde in verschiedenen Zeiten verschieden ge— spielt; die Grundidee, das Rufen, Durch⸗ sausen der Straßen, Abfangen und Durch prügeln blieb die gleiche. Der Reiz des Spie⸗ les lag in der Ungewißheit, in der Dunkel⸗ heit jeden Augenblick erwischt zu werden, da⸗ her war scharfes Aufpassen, vorsichtiges Vor⸗ gehen, aber auch tüchtiges Laufen nötig. Obgleich das:„Husare, die ware“ aus vollen Lungen hinausgerufen wurde, genierte es weder die Gießener Einwohner, noch die— jenigen, welche für Ruhe und Ordnung zu sorgen hatten. Ja, es konnte einem der letz⸗ teren passieren, daß er, wenn er an irgend⸗ einer Ecke in die in vollem Galopp um diese zusammen und noch vieles herumstürmenden„Husaren“ geriet, tüchtig angerannt wurde. Dieses Spiel war mehr 134— für größere Buben geeignet, die kleinen mach⸗ ten aber mit, so gut es eben ging. Die herannahende Weihnachtszeit setzte nach und nach dem Herumtreiben und dem Spielen im Freien ein Ziel, denn man wollte doch den Angehörigen— das war so üblich— eigenhändig ein Christlindchen, in Gießener Mundfaulheit„Krißkinnche“ aus⸗ gesprochen, anfertigen, und so begannen denn die abendlichen Weihnachtsarbeiten. Die einen sägten mit der Laubsäge Näh⸗ kästchen und Staubkörbchen für die Mutter und Schwester und Schreibzeuge, Kalender— gestelle und dergleichen für den Vater oder Bruder aus, während andere Lampenschirme und sonstige geeignete Dinge aus Modell— bogen ausschnitten und zusammenklebten, meist mit einer roten oder blauen Papier⸗ unterlage, die dann durch die Arabesken und Verzierungen als farbiger Grund hervor- leuchteten. Die Hauptsache dabei mußte aber schließlich, damit die Gegenstände Halt und Schick bekamen, der Buchbinder bzw. Schrei⸗ ner machen. Auch Lampenteller und Lappen teppiche, zu welchen bei allen Tanten und Befreundeten, bei den Schneidern und Pol⸗ sterern das Material zusammengefochten wurde, ferner Spazierstöcke, die in irgeno— einer Hecke gelegentlich entdeckt und nun ge⸗ holt worden waren, bildeten die Stücke, die den Weihnachtstisch zieren sollten. Gerade die Stöcke waren ein gesuchter Artikel, uno manche Buben hatten in deren Zurichtung eine anerkennenswerte Geschicklichkeit. Der Stock, dessen Griff die im rechten Winkel zu ihm stehende Wurzel abgab, wurde von der Rinde befreit, dann mit einer Glasscherbe glatt geschabt, hierauf über einer Spiritus⸗ flamme mit schwarzen Brandflecken versehen und schließlich lackiert und mit einer Zwinge ausgestattet. Auch Bänkchen, Stühlchen und sonstige kleine Möbel für Schwesters Puppen- stube oder-küche zimmerten die Geschickteren andere, was im Bereich des Könnens der Buben lag. Beliebt waren auch die Krippen mit dem Jesuskino⸗ lein darinnen, die heiligen drer Könige mit dem Stern, der, an einem dünnen Draht be⸗ festigt, die heilige Familie von oben herab beleuchtete. Für diese bildliche Darstellung der heiligen Ehristnacht gab es Modellbogen, die ausgeschnitten und mit ihren Figuren und Häuschen, Bäumen und Sträuchern auf einem Pappdeckel schön angeordnet unter kei⸗ nem Christbaum fehlen durften. Alle diese Arbeiten wurden am Familientisch ausge⸗ führt; natürlich im geheimen, was man daran erkennen konnte, daß wenn zufällig dasjenige, für welches das Geschenk bestimmt war, einmal herübersah, der Verfertiger schnell damit unter den Tisch fuhr, oder durch eine Wendung seines Körpers den Gegen⸗ stand zu verdecken suchte, dabei den Indis⸗ kreten mit einem vorwurfsvollen Blick an⸗ sehend. Selbstverständlich beeilte man sich durch ein möglichst auffallendes Wegsehen . oder eine Aenderung der Schaden wieder gut zu machen. Das knall⸗ rote oder grüne Wämschen, heute„Sweater“ genannt, welches die Mutter ihrem Buben strickte und ihm während des Entstehens so wenig geschossen. Die Infanterie baut die und so viel mal anprobierte, damit es auch richtig paßte, war natürlich für einen anderen Buben bestimmt, dessen Mutter keine Zeit für diese Arbeit hatte und man glaubte diese harmlose Notlüge, anders machen ließ. (Fortsetzung folgt.) Beim deutschen Beskidenkorps. 2. Die Kämpfe um Przemysl.“ Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns der Res. a. D. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. (Fortsetzung.) Um 11 Uhr vormittags ging ich mit der Batterie etwa einen Kilometer vor. Die neue Feuerstellung befindet sich im Tal am Nordausgang von Radochonce und kann vom Feind nicht eingesehen werden. Meine Be⸗ obachtungsstelle habe ich jetzt östlich des weil sich das eben nicht — 135— Sitzrichtung den Himmel bedeckt und der Aufenthalt im Be⸗ obachtungsgraben wesentlich angenehmer, als die Tage vorher. Nur sitzt man hart und unbequem; zu Hause würdigt man gar nicht, was ein bequemer Stuhl wert ist. Heute wird von ihr genommene Stellung aus, woraus zu schließen ist, daß es nicht gleich weiter gehen soll. Allerdings hieß es gestern abend, unsere Division werde bald hier heraus und an den rechten Flügel gezogen, wo angegrif⸗ fen werden soll. Oesterreicher kämen an un⸗ sere Stelle. Die links von uns stehende deutsche Division ist heute nacht durch eine österreichische ersetzt worden. Der Hauptwiderstand der Russen, die Przmysl also doch zu halten versuchten— wir befinden uns hier einer von der Festung aus vorgeschobenen Stellung gegenüber, die auch ziemlich viele schwere Artillerie besitzt — ist ja wohl gebrochen, aber es ist dann nur die Frage, wo die Russen sich von neuem stellen. Aus dem eigentlichen Gebirge sind wir heraus. Das Gelände besteht hier aus Olszankatals, ziemlich weit von den Protzen entfernt, in einem verlassenen, fast 2 Meter tiefen Schützengraben. Die ganze Gegend hier ist von unzähligen Schützengräben durch⸗ zogen, da schon bei dem ersten Vorgehen der Russen hier Kämpfe stattfanden. Von hier aus kann ich einen Teil der niedergebrannten Ortschaften sehen, ein trauriger Anblick. Da die Russen immer noch mit schwerer Artil⸗ lerie nach Radochonce schießen, halten sich die nichtgeflüchteten Bewohner, meist Frauen und Kinder, bei Tag und Nacht in Sano⸗ gruben an den Hängen der vielen Höhenzüge auf; hier haben sie auch ihren spärlichen Hausrat hingebracht, damit er nicht, wenn Feuer ausbricht, verloren geht. Täglich kann man an verschiedenen Stellen Feuersbrünste sehen. Unsere Protzen stehen in einem schönen Buchenwald. An der Stelle lag bisher In⸗ fanterie in Reserve, die sehr schöne, feste Unterstände gebaut hat, in die wir einzogen. Davor sind Tische und Bänke gezimmert. Aber die Verpflegung ist knapp; Post kommt auch wenig heran. Zum Trinken haben wir nur Kaffee, Tee und Kakao. Und dabei die große Hitze. Es ist eben sehr anstrengend, und wir nehmen alle zusehends ab. Wenn nur meine Sommerwäsche käme, ich erhitze mich sehr, kann mich aber nur selten gehörig waschen. Ich wünschte den Großmäulern zu Hause, die am Biertisch Krieg führen und mit unseren Leistungen und Erfolgen nicht zufrieden sind, nur einmal eine Woche so ein Leben, wie wir es nun schon fast ein Jahr führen. 2 1. Mai 19 15. Der gestrige Abend war sehr schön. Fresenius besuchte uns und wurde mit Kakao bewirtet. Die Nachtigall schlug, unsere Leute musizierten und sangen; ein reizendes Manöverbild. Heute ist der vielen schmalen Tälern und Schluchten, die das Vorkommen unserer Infanterie und das Auffinden feindlicher Artilleriestellungen natürlich sehr erschweren. Abends. Wir sitzen gemütlich vor unserem Schlafunterstand bei der guten Beleuchtung einer kürzlich gelieferten Azetylenlampe. Es ist schön warm, und ausnahmsweise herrscht völlige Ruhe, auch das Infanteriegeknalle schweigt heute abend. d Da ich den Hauptangriffspunkt, der seit gestern abend unserer Division zugewiesen worden ist, von meiner letzten Beobachtungs- stelle aus nicht sehen konnte, ging ich um 5 Uhr nachmittags von dort weg, wusch mich bei den Protzen, zog frische Wäsche an und packte aus dem Wäschesack die überflüssigen Sachen in den Koffer, der heute endlich wie⸗ der einmal vorkam. Dann machte ich mich auf die Suche nach einer neuen Beobach⸗ tungsstelle, die ich am Nordrand des Waldes, an dessen Südrand unsere Protzen stehen, fand. Morgen früh um drei Uhr wird dort mit dem Bau eines Unterstandes begonnen. Der Zugang ist wesentlich sicherer und, da er durch Wald führt, auch angenehmer, wie nach meinen seitherigen Beobachtungsstellen. Diese wurden mehrfach beschossen, waren auch nicht völlig gedeckt zu erreichen. Bei der letz⸗ ten war besonders unangenehm, daß ich durch den Nordteil von Radochonce gehen mußte, wohin die feindliche Artillerie täglich in unregelmäßigen Zwischenräumen schoß. Heute abend kam endlich wieder einmal Post und alle sind eifrig beim Lesen der Briefe aus der lieben Heimat. 2 2. Mai 1915. Am Waldrand sind sehr geschickt zwei Unterstände angelegt wor— den, die mit Fichtenstämmchen und Erde ein⸗ gedeckt sind. Einer sitzt in dem einen Unter⸗ stand am Scherenfernrohr und beobachtet, andere liegen im Wald. Wenn die Russen 1 hierher schießen sollten, verschwinden wir schnell in den Unterständen. Ein Vorteil der neuen Stelle, auf den wir uns besonders ge⸗ freut hatten, nämlich, daß wir im Waldes⸗ schatten sein könnten, kommt heute nicht zur Geltung. Es ist so kühl, daß ich die Hinden⸗ burgjacke, den dicken Mantel und Ilses Stau⸗ chen angezogen habe. Um uns herum schwir⸗ ren Maikäfer in großer Zahl. In den letzten Tagen sah man hier große Schwärme von Störchen. Sie schienen durch die Brände ihre Nester verloren zu haben und sind nun obdachlos. Heute herrscht ziemliche Ruhe. In der ver⸗ gangenen Nacht griffen die Russen links von uns an, wurden aber abgeschlagen. Offenbar hatten sie gemerkt, daß ihnen da nicht nur deutsche, sondern österreichische Truppen gegenüberstanden, und hatten gedacht, gegen diese Erfolge erzielen zu können. Zum Glück hatten sie sich getäuscht. Da nur alte Zei⸗ tungen und auch diese nicht lückenlos zu uns gelangen, wissen wir gar nichts Näheres über die wichtigen Vorgänge dieses Monats. In Galizien ist es ja überall gut vorwärts ge⸗ gangen, aber hier leisten die Russen ener⸗ gischen Widerstand und wir werden nicht so schnell weiterkommen. (Fortsetzung folgt.) Uleine Mitteilungen. Unserem Mitarbeiter Herrn Landesbiblio⸗ thekar Dr. zur. Karl Esselborn wurde vor kurzem von der Philosophischen Fakultät der Landesuniversität auf Grund einer Arbeit über„Der Deutschkatholizismus in Hessen“ die Würde eines Dr. phil. zuerkannt. Hoffent⸗ lich gelingt es trotz der Schwierigkeiten im Buchgewerbe, diese Arbeit, die in weiten Kreisen Interesse erregen wird, im Druck herauszugeben. * Mit Rücksicht auf das Verhalten von Zu⸗ schauern bei unseren kirchlichen Trauungen hat sich der Gesamtkirchenvorstand veranlaßt gesehen, aufs neue den Zutritt solcher, die nicht zur Hochzeitsgesellschaft gehören, nur gegen Eintrittskarten, die das Brautpaar ver⸗ teilt, zu gestatten. Solange es noch Zuschauer gibt, die sich während der ganzen Trauungs⸗ handlung unterhalten und das Brautpaar bei seinem Einzug in die Kirche in unangenehmer Weise ins Auge fassen, wird man von dieser Maßregel nicht abgehen können. * Wie verwüstend die politischen Verände⸗ rungen des Friedensschlusses für die evan⸗ gelische Sache und Kultur sind,— denn nur diese sind die Leidtragenden— ist noch viel zu wenig ins Bewußtsein der Oeffentlichkeit getreten. Folgende erschütternde Zahlen, de⸗ nen man nichts hinzuzusetzen braucht, entneh⸗ men wir der„Köln. Volkszeitung“. Dana zählt die evangelis ch⸗theologische Fakultät der Universität Straßburg bei 12 Professoren kaum 20 Hörer. Fast 100 evangelische Pfar⸗ rer haben seit dem Waffenstillstand das Elsaß verlassen müssen, und von den ungefähr 150 000 ausgewiesenen Altdeutschen waren die meisten evangelischen Bekenntnisses. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 21. Aug., 13. nach Trinitatis. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Matthäusgemeinde: Pfarrapsi⸗ stent Ramge.— Vormittags 9½ Uhr: Pfar⸗ rer Becker. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Matthäus- und Markus⸗ gemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrassistent Müller.— Vormittags 9½' Uhr: Pfarrer Ausfeld. * Evang. Arbeiterverein. Sonntag, den 28. l. Mts., nachmittags von 3 Uhr an, auf Textors Terrasse Gartenfest mit reichhaltigem Programm(siehe nächste Nummer des Sonntagsgrußes). Bei ungün⸗ stiger Witterung im großen Saale. Gäste willkommen 5 Wartburg-Verein. Sonntag, 21. August, Familienausflug, je⸗ doch nicht nach Fronhausen, sondern, da dort Missionsfest ist, nach Schloß Friedel hausen. Waldgottesdienst(Dekan Gußmann), Wett⸗ spiele der Jugendabteilung und gemütliches Zusammensein mit dem Marburger Bruder⸗ verein auf der Waldwiese im Schloßpark. Alles nähere s. Monatsprogramm. Abmarsch vormittags 6 Uhr Ecke Stein- und Ederstraße. Abfahrt für ältere Mitglieder mit Angehöri⸗ gen 8.20 Uhr ab Gießen. Treffpunkt gegen 8½ Uhr Bahnhof Friedelhausen. Nachzügler fahren mittags 12.37 Uhr ab Gießen. * Berichtigung. In der vorigen Nummer unseres Ge⸗ meindeblattes war— und zwar in dem Ar⸗ tikel„Der Gießener Bub“— der Ausdruck „Bunnefeicht“ für Vogelscheuche mitgeteilt worden. Der Verfasser des Artikels, Herr Frech, bringt uns selbst die Worterklärung. Statt„Bunnefeicht“ muß geschrieben, wer⸗ den„Bunnevoigt“. Der„Bunnevoigt“ war der Bohnenvogt, der Garten und Acker vor den Vögeln schützte.— In demselben Artikel muß es S. 130, Spalte 2, Zeile 10 von oben ch statt„Missetäter“ heißen„Buben“. Perantworssich: Pfarrer Bechtofshesmer Prüͤck und Perlag der Frühl'schen Ünsverssiäts⸗Buch ⸗ und Steindruckere! R. Lauge, Gießen