e 2 onntangsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr 1 Gießen, 4. Advent, den J8. Dezember 1921 10. Jahrg. Hin zu Jesus. Offenbarung Johs. 3, 20. Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und mir die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. Es ist ein alter Gruß: Aus Nacht zum Licht! Und je schwärzer die Nacht um uns ist im Getriebe der großen und der kleinen Welt, um so mehr verlangt unsere Seele nach einem Steuer, nach Licht. Wo finden wir es? Etwa bei unseren Gegnern? Etwa im Taumel sich immer sinnloser gebärdender Vergnügungen, die letztlich doch bloß den Jammer unseres Herzens betäuben sollen? Im Grunde haben wir alle Heimweh, wie nach einem friedlichen sternhellen Abend nach des Tages aufreibendem Lärm, aber nicht für unser Aeußeres, nein, für unser Aller⸗ innerstes! Wenn wir nur wüßten, wo solcher Friede zu finden, da die Seele mit sich selber beruhigende, aufrichtende, hoff⸗ nungsneue Zwiesprache halten kann! Wir wollen hinein in ein neues Leben. Dazu freilich brauchen wir Kraft, und diese Kraft gilt es zu sammeln. Für die alte Kirche galt die ganze Adventszeit als Bußzeit. Aber vom alten Bußbegriff sind wir los⸗ gekommen, der sich in allerlei Aeußerlich⸗ keiten gefiel. Wir wissen, daß„Buße“ innere Einkehr und Umkehr, Gesinnungsvertiefung bedeutet, und so hat Luther Recht, wenn er seine 95 Thesen mit den zwei großen Sätzen beginnt:„Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße! will er, daß das ganze Leben seiner Gläubigen eine stete Buße sei. Dies Wort aber kann und mag nicht vom Sakrament der Buße, das ist von der Beichte und Genugtuung, so durch der Priester Amt geübt wird, verstanden werden.“ Nein, von innen heraus muß es kommen! Und da müssen zumal wir Heutigen erst wieder neu fragen lernen, wer denn dieser „Herr und Meister“ ist, was sein Erscheinen, auf das wir uns in der Adventszeit vor⸗ bereiten sollen, für unser Innerstes hier auf Erden besagen will? Da muß nicht unser Denken allein, sondern auch unser Fühlen und Wollen, gerade auch dies, ein⸗ setzen. Da müssen wir uns nicht um theo logische Streitigkeiten, um kirchliche Aus— legungen kümmern, sondern zu diesem Herrn und Meister selber gehen, wie einst Niko⸗ demus in stiller Nachtzeit. Wo finden wir diesen Meister? Seine Spuren schon im Alten, sein Wesen im Neuen Testament, und dann ihn ganz in unserm Herzen. Da kommt auf einmal Licht und Leben in uns, das Neue, Große, Unaussprechliche, der Friede, den die Welt nicht geben und nicht nehmen kann. Nur, wir müssen auch danach suchen, es wollen! Dazu ist die Ad⸗ ventszeit da! Nutzen wir sie! Versuchen wir es mit Karl Geroks Adventsworten: „Ich klopfe an! Der Abend ist so traut, So stille nah und fern. Die Erde schläft, vom klaren Himmel schaut Der lichte Abendstern. In solchen heil'gen Dämmerstunden Hat manches Herz mich schon gefunden; O denk', wie Nikodemus einst getan: Ich klopfe an.“ K. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 34. Eine Abschiedspredigt aus dem Jahre 1616. Im Jahre 1616 verließ der Pfarrer und Professor D. Kaspar Finck, ein geborener Gießener, seine Vaterstadt, um einen Ruf als Generalsuperintendent zu Koburg an— zunehmen. Seine Abschiedspredigt ist im Druck erschienen und heute noch erhalten. Sie führt den Titel„Vale Giessenum, das ist christliche hertz- und lehrhaffte Valet⸗ und Letzungs-Predigt, 14. S. n. Trin. 1616. D. Caspar Finck, Professor und Prediger zu Gießen, Generalsuperintendent, Pfarr⸗ herr, Assessor des Consistorii, Professor des Gymnasiums zu Koburg.“ Als Motto ist dieser Predigt das Wort Augustins voran— gestellt: Si dulcis est patria, ingrata est peregrinatio(wenn das Vaterland an— genehm ist, ist es undankbar, wenn man es verläßt). Als Text hat Finck den Abschnitt aus der Apostelgeschichte gewählt, in dem Paulus zu Milet Abschied von dem Aeltesten der Gemeinde zu Ephesus nimmt. Diese Predigt ist sehr lang, wir teilen aus ihr nur das mit, was heute noch interessieren kann. 5 Finck sagt da:„Fast umb diese Zeit ist es das Jahresgewänd, daß ich ewer Lieb vor sechs Jahren Gottes Wort in der Kir chen allhie zu S. Lorentz zu predigen an— gefangen habe.“ Merkwürdig ist, daß hier eine Gießener Kirche als Kirche„zu Sankt Lorenz“ bezeichnet wird; soweit wir wissen, hat die Stadtkirche stets Pankratiuskirche geheißen. — 202— Ueber die Veranlassung seines Weggangs von Gießen sagt der Prediger nur folgendes: „Ob ich wol nicht ungemeint gewesen, mein Leben in diesem meinem Vaterlandt zu enden und mich bey meine vier allhie ruhende Kindlein begraben zu lassen, so hats doch durch sonderbare Regierung Gottes auff dißmal gestalter Sachen nach nicht seyn wöllen.“ An Widerspruch scheint es Finck in Gießen nicht gefehlt zu haben; denn er teilt folgen⸗ des mit:„Danke demnach Gott dem All⸗ mechtigen, der mir seine Gabe reichlich ver⸗ liehen, mir in meinem Lehr- und Predigt⸗ ampt trewlich beygestanden, mich auch wider den Teuffel und alle meine Feinde, sie seyen heimlich oder öffentlich gewesen, gantz vetterlich(väterlich) beschirmt hat... Ich danck auch allen meinen Feinden und Miß⸗ günstigen; denn die haben mich offtmahl über das Betbüchlein gejaget und manchen schönen Trostspruch zu verstehen gelehret, verzeihe ihnen auch von Hertzen alles, was sie an mir verübet haben... Und muß bekennen, daß ich weder kleinem noch gro⸗ ßem, weder Gelehrten noch Ungelehrten, weder Studenten noch Bürgersleuten ge⸗ schonet habe, was ich aber offtmals für Danck darüber verdienet, das weyß Gott am besten, wie man mich bißweilen durchgezogen, belogen, bald dieses, bald jenes getadelt, ist mir zwar bewußt, achte es aber nicht einen Pfifferling.“ ü Kaspar Finck ist am 19. Oktober 1578 in Gießen getauft worden, ist also ungefähr am 16. Oktober des genannten Jahres ge⸗ boren, sein Vater wird in unserem Tauf⸗ buche als Balzer(Balthasar) Finck be⸗ zeichnet. Es scheint, daß auf Finck sich das Wort bezogen habe, daß der Prophet in seinem Vaterland nichts gilt, weil man ihn, wie er sagt, in Gießen so oft„durchgezogen“ hat. Es war nur gut, daß der Mann ein hartes Fell hatte und das Durchhecheln nicht„einen Pfifferling“ achtete. H. B. 35. Die wirtschaftliche Lage der Stadt Gießen und der benachbarten Orte nach dem Siebenjährigen Kriege. Es ist bekannt, daß die Stadt Gießen und das benachbarte Gebiet während des Sieben⸗ jährigen Krieges längere Zeit von den Fran⸗ zosen besetzt waren und hierunter mancher⸗ lei zu leiden hatten. Als der Krieg zu Ende war, lag hier das wirtschaftliche Leben recht darnieder, Stadt- und Landgemeinden waren mit ziemlichen Schulden belastet, und die Geschäfte gingen schlecht. Damals— es war im Jahre 1767— wollte die Regierung in Darmstadt wissen, wie es in dieser Hin⸗ sicht hier stände, und der Fürstliche Regie⸗ rungsrat von Klipstein in Gießen erstattete einen längeren Bericht, der sich heute im Staatsarchiv zu Darmstadt befindet. Aus diesem interessanten Schriftstück sei das Fol⸗ gende wiedergegeben: Stadt und Oberamt Gießen mit dem Hüttenberg hatten fruchtbaren Ackerhoden. Einige Gemeinden, so Garbenteich, Allen⸗ dorf, Heuchelheim und Steinbach, hatten Mangel an Holz, einigen Gemeinden des Hüttenberges fehlten die Wiesen, deshalb trieben sie auch weniger Viehzucht und hatten Mangel an Dung. Im Oberamte Gießen wurden zumeist Korn, Gerste und Weizen angebaut, der Hafer reichte nicht aus. Die Schaf- und Schweinezucht war bedeutend, es wurde eine ansehnliche Qualität Wolle gewonnen, auch wurden Oelfrüchte erzielt. Die Bewohner des Oberamtes bauten viel Flachs an, den sie selbst spannen, zu Tuch verarbeiteten und auf die Märkte brachten. Viel von dem gewonnenen Garn wurde auch nach den Fabriken in Bielefeld und in den Niederlanden gebracht. Erheblich war der Anbau von Gemüse, Kohl, Kraut, gelben und weißen Rüben, Kartoffeln und Dick⸗ wurz. Nach außen wurde viel Obst verkauft. In der Nähe von Gießen wurde„ordinä⸗ rer“ und türkischer⸗ Tabak angepflanzt, dieser wurde an die Gießener Tabakspinner verkauft, die ihn„ohngepeizt“ und„in Stangen gesponnen“ weiterverkaufen. Da⸗ von nährten sich in Gießen ungefähr 14 Familien. Der Tabakbau war einträglich, der Zentner wurde mit 10—14 Gulden bezahlt. Zwischen den Tabakpflanzen zog man Kraut, da das den Tabak vor Un⸗ geziefer schützte. In Gießen bestand die „Schatzmannsche“ Fabrik. Der Döngesberg enthielt Eisensteine, an der Bieber gewann man Kalksteine. Zu Gießen, Großen-Linden und Pohl⸗Göns wurde Ziegelerde gegraben, diese wurde an die Töpfereien zu Butzbach und an die Stadtziegelhütte zu Gießen geliefert. Die Ziegelhütte zu Großen-Linden war im Kriege zerstört worden. Jede Gemeinde hatte so viele Steinbrüche als sie brauchte. Der Wald bei Annerod, genannt der„Firne⸗ wald“, war durch den Krieg völlig ruiniert worden. Klipstein machte in seinem Berichte auch Vorschläge, wie man die Steuerkraft des Be⸗ zirkes heben könne. Vor allem solle man sich die Hebung der Universität zu Gießen. angelegen sein lassen. Man solle tüchtige Professoren berufen, die Ferien verkürzen, damit die Landeskinder hier studierten und nicht nach auswärts gingen. Es sei auf einen Zuwachs von 100 Studenten zu rechnen, jeder von diesen verbrauche durchschnittlich 300 Gulden in der Stadt, davon hätten Wirte, Kaufleute(„Cramer“) und Hand⸗ werker Vorteil. Man solle, um dem Müßig⸗ gang zu steuern, mehr Hausindustrie ein⸗ führen. Da hier viel Flachs gezogen werde, so solle man an der Lahn eine Bleiche an⸗ legen, die den Bielefelder und holländischen Bleichen ähnlich wäre. Die Leintuchmanu⸗ faktur in Gießen sei zu heben. Die Kaufleute sollten sich zusammentun und Kapital zu⸗ — p— eee e — 203— sammenlegen, um dann das gesponnene Garn zu den Preisen, wie das die aus⸗ ländischen Kaufleute taten, von den Land⸗ leuten anzukaufen und an inländische Meister zu geben. Es seien„geschworene Schau⸗ meister“ zu erwählen, die die Stücke be⸗ sichtigten und die guten Waren mit Blei⸗ stiftzeichen versähen. Schon vor 100 Jahren habe man solche Schaumeister gehabt. In diesem Berichte ist auch die Rede von Wollenarbeitern, Tuchmachern, Hosenstrickern und Strumpfwebern, denen man gestatten sollte, auf den Märkten zu verkaufen. Den Handwerkern solle man„Cramerey“ nicht gestatten. In Gießen wurden damals jährlich sieben Kram⸗ und Viehmärkte abgehalten. Der erste davon fiel auf denselben Tag wie der Hessen⸗ Kasselische Markt zu Ebsdorf und war dar⸗ um wenig besucht. Zu diesen Märkten kamen Roßkämme und Hornviehhändler; sie wux⸗ den Mittwochs abgehalten, so Mittwochs nach Mariae Heimsuchung, nach Bartholo⸗ mae und nach Michaelis. Klipstein schlug auch vor, gute Land⸗ straßen zu unterhalten, damit die Zölle ver⸗ mehrt und der Verkehr gehoben werden sollte. Im Bezirke herrsche infolge des Kriegs Armut, viele Untertanen seien durch Fouragierungen, Viehseuchen, Hagelschlag, Mißwachs und Geldleistungen verarmt, doch sei die Verarmung lange nicht so groß wie nach dem Dreißigjährigen Kriege, es gab im ganzen Bezirke keine entvölkerte Ortschaft und keine unbebauten Felder. Groß waren die Kriegsschulden der einzelnen Gemeinden, darum solle man darauf bedacht sein, im Haushalte der Gemeinden Ordnung herzu⸗ stellen und unnütze Ausgaben zu 1 Hdventsgedanken. Betrachte ich mir in der Abendstille den Sternenhimmel, so scheint er mir stets so besonders viel in der jetzigen Zeit zu sagen, in der Zeit der inneren Vorbereitung auf das Fest der Geburt unseres Heilands. Ich denke dann gern zurück an eine Weihnachts⸗ zeit in Capri, wo ich zum erstenmal den tiefen Eindruck des südlichen Sternenhimmels empfing. Man mußte sich in den Anblick versenken, um zu verstehen, wie das Licht eines Sternes den Weisen aus dem Morgen- lande den Weg zeigen konnte zu der Stätte, der sie mit der ganzen Inbrunst ihrer Herzen zustrebten, um die Erfüllung des Sehnens ihrer Seelen zu finden. Sie brauchten einer Führung, und eine schönere konnte ihnen nicht zuteil werden. Wenn wir uns doch Zeit und Muße nehmen wollten, um uns in der Abendstille in den Anblick des weiten Firmaments zu versenken, es würde uns helfen, uns aus dem ürdischen Treiben in hellere Sphären zu flüchten, aus der Unrast in die Stille der Ewigkeit. Wir wissen ja, daß, obwohl Generation auf Gene⸗ ration dahingeht, die Sterne droben ihre Bahnen ziehen, unbeirrt in alle Ewigkeit. Die Menschen aber, welche gelernt haben, zu ihnen aufzublicken in Freud und Leid, wer⸗ den mehr und mehr innerlich gesunden und sich leiten lassen, in dem Wirrsal dieses Lebens ihre Hoffnungen und Endziele nach den himmlischen Wegweisern zu richten. Sp laßt uns diesem Gottesgeschenk, dem verheißenen Heiland, mit Hoffnung und Stille entgegensehen und mit gläubigem Herzen ihn empfangen mit dem Ruf: Christ, der Retter ist da! Und der Tannenbaum, der draußen in Sturm und Wetter durch— schüttelt, von der Schneelast gebeugt, uns von fernen Höhen nun mit der reinen Bergesluft die Hoffnung des Immer⸗ wieder⸗Aufstehens nach Not und Trübsal bringt, auch er ruft uns zu: Christus, der Retter, naht! Bereiten wir unsere Herzen, ihn zu empfangen, denn„er ist zum Heil erschienen der allerärmsten Welt“. Baronin R. Uleine Mitteilungen. Nachdem in den letzten Jahren wieder⸗ holt Versuche gemacht worden waren, durch Verhandlungen oder durch Drohungen mit Gewalt der evangelischen Kirche in Posen ihr neues Diakonissenhaus oder das alte Haus, das zu einem großen Altenheime, dem Johannenhause, eingerichtet ist, zu ent⸗ ziehen, hat der Magistrat der Stadt Posen beantragt, das Johannenhaus behufs Er— weiterung des Städtischen Krankenhauses auf drei Jahre zu enteignen; die 115 Bewohner des Johannenhauses, meist alleinstehende alte Damen, die von Diakonissen versorgt werden, sollen auf die Straße gesetzt wer— den— ein merkwürdiges Gegenstück zur Vertreibung der 1000 deutschen Ansiedler und ihrer Familien aus ihren Wohnstätten mitten im Winter! Der Magistrat begründet seinen Antrag damit, daß das Johannenhaus„nicht stif⸗ tungsgemäß benutzt“ werde; 24 seiner Zimmer sind nämlich von dem Kommando der westlichen Bürgerwehr gewaltsam be— schlagnahmt! Nebenbei bringt der Kreisarzt seit längerer Zeit nach Bedarf Pocken-, Ruhr⸗ oder Typhusstationen in einem Teile des Neuen Diakonissenhauses unter, ein weiterer Teil seines Isolierhauses ist zu Lazarettzwecken beschlagnahmt, so daß dieses große Privatkrankenhaus großenteils von der öffentlichen Krankenpflege beansprucht wird und das Stadtkrankenhaus wirklich ent⸗ lastet, ohne jedoch dafür Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln zu erhalten. In allen Kulturstaaten unterstützen die Behörden Wohlfahrtsanstalten, wie diese der Posener evang. Kirche; die polnischen Be— hörden schädigen ihre Liebesarbeit, wo sie nur können, trotz der Bestimmungen in 204 8110 der polnischen Staatsverfassung und §8 des Minderheitsschutzvertrages, welche den nationalen, konfessionellen und sprach⸗ lichen Minderheiten das Recht zur Grün⸗ dung und zum Betriebe von Wohltätig⸗ keits⸗, religiösen und sozialen Anstalten geben. N Unter den sieben Millionen Einwohnern, welche Deutschland durch die Gebietsver⸗ luste infolge des Krieges eingebüßt hat, befinden sich 5 Millionen Katholiken. In⸗ folgedessen ist der katholische Bevölkerungs⸗ teil in Deutschland von 36,7 auf 33,5 Proz. der Einwohnerzahl zurückgegangen. * Wie die Zeitungen gemeldet haben, so hatte die thüringische Regierung beschlossen, daß das Reformationsfest, das man seit alter Zeit in Thüringen am 31. Oktober feiert, nicht mehr als offizieller Festtag gelten solle. Dieses Gesetz ist aber ein Schlag in das Wasser gewesen; denn die Bevölkerung hat sich ihm nicht gefügt. Die Geschäfte blieben an dem Tage geschlossen, und die Evangelischen gingen in die Kirchen. Wenn doch die Regierenden aus der Geschichte lernen wollten! Im Jahre 1792 hat man in Frankreich verfügt, daß die christlichen Feiertage nicht mehr gelten sollten, statt dessen wurden republikanische Feiertage ein⸗ geführt, und ein republikanischer Kalender, der die Woche auf 10 Tage festlegte, trat in Kraft. Die Folge war, daß außer den Beam⸗ ten, die dazu gezwungen wurden, kaum jemand sich nach diesen Bestimmungen rich⸗ tete, und daß Weihnachten, Ostern und Pfingsten sowie der christliche Sonntag nach wie vor heilig gehalten wurde. Als Napo⸗ leon J. an das Ruder gekommen war, fand er nichts Eiligeres zu tun, als daß er den neuen Kalender außer Wirksamkeit setzte. * Am 24. Dezember soll nachmittags 5 Uhr in unseren beiden Kirchen Weihnachtsgottes⸗ dienst gehalten werden. 5* Wie im Vorjahre, so hat auch in diesem Jahre der in Neuyork wohnende Herr Georg Lampus, ein geborener Gießener— die Familie Lampus gehört zu den ältesten Fa⸗ milien unserer Stadt— der Kleinkinder⸗ bewahranstalt gedacht und ihr einen nennens⸗ werten Betrag überwiesen. Solche Beihilfen haben unsere Wohltätigkeitsanstalten be⸗ kanntlich jetzt sehr nötig. Es ist erfreulich, daß viele Deutschamerikaner der alten Heimat in Treue gedenken. Die Deutsch⸗Reformierte und die Fran⸗ zösisch⸗Reformierte Gemeinde in Erlangen, welche bereits seit dem 1. März 1920 einen gemeinsamen Pfarrer haben, vereinigen sich am 1. Januar 1922 zu einer Reformierten Gemeinde. Die dadurch entbehrlich werdende Französisch⸗Reformierte Kirche haben sie um der gemeinsamen protestantischen Sache. willen für den brüderlichen Preis von 120 000 Mark der Evangelisch⸗Lutherischen Gemeinde in der Neustadt von Erlangen überlassen. Die im National Lutheran Council ver⸗ einigten lutherischen Kirchen Nordamerikas haben in der zweiten Hälfte des Oktobers einen Werbefeldzug veranstaltet, um zur Fortführung ihres Liebeswerkes an den Lutherischen in Europa 1¼ Mill. Dollars aufzubringen. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 18. Dezember, 4. Advent. In der Stadtkirche. Vormittags 9¼ Uhr: Pfarrassistent Becker.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.— Nachmittags 31/ Uhr: Weihnachtsfeier der Kinderkirche der Markus⸗ gemeinde: Pfarrer Becker.— Nachmittags 4½ Uhr: Weihnachtsfeier der Kinderkirche der Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. In der Johanneskirche. Vorm. 9¼ Uhr: Pfarrassistent Müller.— Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ 9 im Johannessaal: Pfarrassistent ecker. * Evang. Arbeiterverein. Die Weihnachtsfeier findet am 2. Weih⸗ nachtstag im großen Saale des Hotels Ein⸗ horn statt. Musikalische, theatralische und Gesangsdarbietungen, Deklamationen und Ansprache(Pfarrer Becker) und Verlosung zugunsten unserer Bildungs- und Wohl⸗ fahrtsbestrebungen. Die Herren Pianist Hahn und Musiklehrer Gernhardt wirken mit. Ein⸗ trittskarten für Mitglieder und deren An⸗ gehörige zu 1 Mk., für Nichtmitglieder zu 2 Mk. in den Geschäften Scholz u. Bingel. Spenden zur Verlosung(auch Gebäck) er⸗ beten an Herrn Weller(Rathaus). Das Pro⸗ gramm wird in den nächsten„Monatl. Mit⸗ teilungen“ veröffentlicht.— Sonntag den 18. Dezember siehe Wartburgverein. Wartburg verein. Sonntag den 18. Dezember: nachtsfeier im großen Saale des Hotels Einhorn. Musikalische Darbietungen unseres Orchesters unter Mitwirkung von älteren Mitgliedern und Freunden in altbekannter Weise, Aufführungen von 2 Märchen, Dekla⸗ mationen, turnerische Darbietungen unserer Turner usw. Eintritt 3 Mk. und nume⸗ rierter Mittelbalkon 4 Mk. Das Belegen von Plätzen ist streng untersagt. Saal⸗ öffnung 7½ Uhr. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolshesmer. Druck und Verlag der Brühl'schen Untversitäts-Wuch⸗ und Steindruckere R. Lange, Gießen Weih⸗