Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen N Giegßen, 2. Sonntag n. Ep., den 16 Januar 1921 10. Jahrg. Opfer. 1. Petri 4, 10. Dienet einander, ein jeg⸗ licher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. Wie oft war in den letzten Jahren die Rede von„Opfertagen“, an denen für irgendeinen gemeinnützigen Zweck Geld⸗ spenden gegeben wurden! War es wirklich ein Opfer wenn du da eine Kleinigkeit hergabst? Ist es wirklich ein Opfer, wenn du in des Vaterlandes furchtbarer Not redest und schreibst und sammelst und selber etwas gibst— ein Opfer in Gott wohl⸗ gefälligem Sinne? Glaubst du deinen Näch⸗ sten, dein Volk, dein Vaterland wahrhaft zu lieben, wenn du zu nichts weiter fähig bist? Dich als ganze Persönlichkeit ver⸗ langt die Not der Zeit, nicht bloß einige Brocken, die von deinem Tische fallen, einige Gelegenheitsdienste di? vielleicht mehr deiner Eitelkeit und Selbstsucht als der hingebenden Liebe entsprungen sind. Es ist so, wie der Schweizer Gottes⸗ gelehrte Vinet gesagt hat:„Lieben heißt auf den Altar steigen, und zwar nicht, um sich vernehmen zu lassen, sondern um sich zu opfern.“ Im Krieg haben viele Hunderttausende unserer besten Volksgenossen ihre Vater⸗ landsliebe mit dem Opfertod be iegelt. Als Folge dieser beispiellosen Hingebung ist zu⸗ nächst eine Selbstsucht ohnegleichen in die Erscheinung getreten, die in gegenseitigem Ausbeuten, Betrügen und Stehlen ihren Ausdruck gefunden hat. Zugleich hat der Opfersinn selbst im kleinen erschreckend ab genommen. Wohin müssen wir treiben, wenn wir als ganzes Volk solchem ver ängnisvollen Zeit⸗ geist nicht entgegenzuwirken verstehen? Unsere Rettung liegt allein darin, daß wir Ernst machen mit der christlichen Liebe, mit der Losfung:„Dienet einander!“ Opfern müssen wir uns der Not der Zeit. Nur so vermögen wir die schwere Schuld zu sühnen, um deren willen uner Volk solch furcht⸗ bare Heimsuchung erleidet Mit ganzer Seele müssen wir ein jeder Einzelne von uns, eine Aufgabe übernehmen an dem Wieder- aufbau unseres Vaterlandes. Arbeiten in diesem Sinne heißt Gott und dem Nächsten wahrhaft dienen, heißt jeden Tag, den dir Gottes Gnade schenkt, zum„Opfertag“ im edelsten Verstand des Wortes machen. es dann Erinnerung nach um rund Und noch Eines vergiß nie bei aller dei zer Arbeit: Nicht allgemeinen Ideen und Welt⸗ beglückungsplänen opfere deine Zeit und Kraft, widme deine Hingebing und Be⸗ geisterung, sondern der perfönlichen Liebe zu deinem Nächsten! Wie sagt doch der Dich⸗ ter Dehmel so treffend: „Ein bißchen Güte von Mensch zu Mensch sist besser als alle Liebe zur Menschheit.“ Bilder aus dem Uriegsgefangenen⸗ lager Gießen. Von Studienrat Prof. Dr. Fritz Schmoll, Hauptmann d. Res. a. D. (Schluß.) Befand sich der Empfänger außerhalb des Lagers auf einem Arbeit kommando, so wurde der Betrag mit einer Quit tungskarte und dem linken Abschnitt der Posta weisung dem Kommandoführer übersandt, welcher die Aushändigung zu veranlassen und die Quit⸗ tung zurückzusenden hatte. Wenn ein Ge⸗ fangener in ein anderes Lager abgescholen oder ausgetauscht war, so gingen die An— weisungen an das Postamt zurück und die Beträge wurden an das neue Lager oder in die Heimat zurückgeleitet. Grundsätzlich wurde den Gefangenen kein deut ches bares Geld in die Hand gegeben, sondern Lager geld aus Papier, das als Zahlungsmittel in den Kantinen und den von der Inspektion der Kriegsge angenenlager zugelassenen Ver⸗ kaufsstellen im Lande galt. Diese tauschten wieder bei der Bankfstelle des Lagers gegen deutsches Geld ein. Auch die Bezahlung der Gefangenen auf den Arbeits⸗ kommandos hatte in Lagergeld zu erfolgen. Auf diese Weise wurde einereits das deutsche Geld, besonders die kleinen Zah— lungsmittel, nicht in Anspruch genommen, andererseits eine verhältnismäßige Siche— rung gegen Fluchtversuche der Gefangenen geschaffen. Ungewöhnlich groß wurde na türlich infolgedessen die Arbeit der Bank⸗ stelle bei dem plötzlichen Abtransport der Gefangenen nach dem Abschluß des Waffen stillstandes. Alles im Besitz der Ge'angenen befindliche Lagergeld, es handelte sich meiner anderthalb Millionen Mark. mußte abgenommen, ge— zählt und quittiert werden. Da nicht ge— nügend bares Geld von der Reichsbank zur Verfügung gestellt werden konnte, so be kamen die Gefangenen Gutsch eine mitge geben, und die Zahlung mußte von Re i auf diplomatischem Wege gierungs wegen * * onntagsgruß erfolgen. Die Bankstelle aber, die Tag und Nacht arbeitete, um den an sie gestellten Anforderungen zu genügen und keinen Ab⸗ transport durch Rückständigkeit in Frage zu stellen, darf es sich als ganz besonderes Verdienst anrechnen, daß nicht eine einzige Reklamation aus dem Auslande erfolgte. Interessant war es übrigens, auch noch zuletzt den Unterschied zwischen Engländern und Franzosen zu beobachten. Während jene nur in seltenen Fällen ein Guthaben hat⸗ ten, da sie in den letzten Tagen all ihr Geld in Wein angelegt hatten, trugen fast alle Franzosen Anweisungen auf hunderte von Mark, nicht wenige sogar solche auf Tausende nach Hause, ein Zeichen für ihre große Sparsamkeit. Ist es doch bekanntlich das Ideal des Franzosen, möglichst bald ein kleiner„Rentner“ zu werden. Bei weitem den größten Raum und das meiste Personal, deutsches und fremdländi⸗ sches, beansprucht die Paketstelle. Zunächst in einer besonderen Baracke neben der Lie⸗ bigshöhe untergebracht, erwies sich Anfang 191/ der dort zur Verfügung stehende Platz als unzulänglich, und es mußte das Lager⸗ haus der Firma Bär& Wetterhahn ge⸗ mietet, aber doch durch eine im Hof aufge⸗ steltte Baracke vergrößert werden. Daneben bestand eine Zweigstelle innerhalb des Lagers. Bei der Paketstelle ging es zu wie in einem Ameisenhausen, ihre Leitung lag in der Hand eines sprachkundigen, organi⸗ satorisch hervorragend geschickten Mannes, des Vizefeldwebel Wissenbach. Ich er⸗ wähnte bereits, daß die Anzahl geprüfter und auszugebender Pakete monatlich zuwei⸗ len 150000 Stück betrug, daß also an manchen Tagen mehrere Waggons, manch⸗ mal 5—7 eintrafen, die stets innerhalb einiger Stunden entladen werden mußten, um die Eisenbahnwagen wieder dem Ver⸗ kehr zuzuführen. So kam es, daß zuweilen kaum noch ein Plätzchen zur Unterbringung von Paketen übrig schien, daß gefährliche Stockungen drohten. Dann mußte eben auch die Nacht hindurch gearbeitet werden, um Luft zu schaffen. Und das scheinbar Un⸗ mögliche wurde möglich gemacht nach dem Grundsatz:„Schwierigkeiten sind dazu da, um überwunden zu werden.“— Nach der En ladung der Wagen. welche die franzö⸗ sischen Pakete aus der Schweiz, die englischen aus Holland gebracht hatten, durchliefen die Pakete zunächst die Kartei. Dort wurde auf jedem der Vermerk über den augenblick⸗ lichen Aufenthalt des Empfängers ange⸗ bracht. Für die Pakete, deren Adressaten im Lager waren, fand die Prüfung erst dort statt; sie wurden täglich mit Fuhrwecken, zuletzt auch mit der Elektrischen auf den Trieb befördert. Die Pakete für die Kom⸗ mandierten fanden ihre Prüfung im Lager⸗ hause an der Bahn um alsbald wieder der Post zur Nachsendung übergeben zu wer⸗ den. Große Mengen mußten an anoere 0 Lager weiter befördert werden, weil ihre Eigentümer dorthin übergesiedelt waren. Natürlich dauerte es stets geraume Zeit, meist 4 und mehr Wochen, bis die Ange⸗ hörigen die neue Adresse wußten. So lange trafen die Sendungen noch hier ein. Auch der nicht eingeweihte Leser wird ermessen können, wie viel rein mechanische Arbeit, wie viel Handgriffe nötig waren, um die vielen Zehntausende von Paketen stets mal Zeiten der Ruhe. Und gab es solche, etwa infolge von Sperren, so waren sie nicht einmal willkommen, da nachher ein um so größerer Zustrom automatisch ein⸗ setzen mußte. Es ging einem wohl wie Till Eulenspiegel, der stets weinte,„wenn sein Weg einmal bergab führte, weil er fürchtete. er müsse nachher wieder steigen.— Außer den Paketen gab es noch große Frachtgut⸗ sendungen, Kisten im Gewicht von 1½ bis 4 Zentner, meist Liebesgaben und dann wöchentlich die Brotsendungen der Fran⸗ zosen, die sog. Biskuits. Auch diese ge⸗ waltigen Mengen mußten entladen, beförbert und umgepackt werden, möglichst ohne un⸗ nötigen Zeitverlust, einmal aus Gründen des chronischen Raummangels, dann aber auch unter dem wich eigen Gesichtspunkt, daß die Arbeitswilligkeit der Gefangenen auf au wärtigen Kommandos stets in hohem Maße von dem regelmäßigen Eingang der Pakt und Biskuit Postsendungen, natürlich auch der Brief- und des Geldes abhing. Daß es trotz aller erdenklichen Mühe, welche die Paletstelle sich dauerud gab, zu schier un⸗ zähligen Reklamationen kam, ist bei den oben gesch'lderten Gemütszustand der Kriegs- gefangenen erk ä u lich entspyrang vachgewie⸗ senermaßen aber auch in vielen Fällen ledig⸗ lich bösem Willen. Natürlich verursachten diese Reklamationen stets ungeh ure Mühe und Arbeit die Prüfung des Inhalts der Pakete erfolgte natürlich ausschließlich durch deutsches Personal, während die mecha⸗ nischen Arbeiten des Oe'fnens und Wieder⸗ verpackens der Pakete durch Gefangene vor⸗ genommen wurden. Bei dem knappen mir zur Verfügung stehenden Raum muß ich mich auf die kurze Bemerkung beschränken, daß verbotene Gegenstände, die natürlich jedem Prüfer genau bekannt sein mußten, entnommen und nach bestimmten Grund⸗ sätzen behandelt wurden. Um den Gefange⸗ nen Gelegenheit zu bieten, sich davon zu überzeugen, daß ihnen nichts von ihrem rechtmäßigen Eigentum vorenthal'en oder gar entwendet wurde, war die Einrichtung cetroffen, daß stets Vertrauensleute der ver⸗ schiedenen Nationalitäten bei der Prüfung zugegen waren. 8 Indem ich mit dieser knappen Schilde⸗ rung die Reihe der„Bilder“ abschließe hoffe ich dem Leser wenigstens einen Ein⸗ blick in die Vielheit und die Eigenart der in einem Kriegsgefangenenlager zu leistenden im Fluß zu halten. Dabei gab es kaum ein⸗ . 1 Arbeiten geboten und die Ueberzeugung ge⸗ Classicus(Lehrer gnädigst vociert wurde. stärlt zu haben, daß nichts versäumt wurde, Da er dann seine Inaugural Disputation, um das Los der Gefangenen in Deutsch- specimen eloquentiae sacrae in sermone land so erträglich zu machen, wie es in Paulli materna pietate concitati, genandt unseren Kräften stand. unter jeiner Hochwürden Herrn Dr. und 5 Superintendent Be iner gehal en, darauf ihn Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 173) von hiesiger Löbl. Philosophischen Fa- 2 Kein i cultaet nebst zwölf anderen Candi a en die 28. Der Lebenslauf eines Gie de Magister⸗Würde ertheilet wurde. Beh öffent⸗ ner Pfarrers aus dem 18. Jahr⸗ lichen actibus disputatoriis hat er sich öfters hundert. 1 so wohl opponendo alß respondendo zum Früher war es allgemein üblich, daß bei Vergnügen des auditorii hören lassen; wie Beerdigungen der vom Pfarrer versaßte er dann auch alz Ihro Hochwürden Herr Lebenslauf des Verstorbenen verlesen wurde. Superint.: Benner Doctor Theologiae Das ist eine Sitte die in Landgemeinden wurde die Ehre hatte, unter Selbigem die wohl jetzt noch besteht. Wir veröffentlichen Inaugural-disutation zu defendieren. Anno hier den Lebenslauf des im Jahre 1753 1744 wurde er gnädigst vociert zum zwey— verstorbenen Gießener Pfarrers Eberwein. ten Prediger an hiefiger Burgkirche, bei Das interes ante Schriftstü wurde uns zur welcher Stelle er sowohl als am Paeda- Einverleibung ir das Archiv der e angeli⸗ gogzio Gott und dem Nächsten treulich zu schen Kirche Gießen von Herrn Professor dienen gesucht, worüber auch seine Herrn Dr. Ebel, dem wir auch an diefer Stelle Vorgesetzte ein vollkommenes Wohlgefallen Dank sagen, übergeben. bezeuget, und jetzt erwehn ter Dr. und Su⸗ . perint. Benner 3 biß an sein Ende be⸗ 8 a sonders wehrt gehalten hat. Personalia. a 5 Daß hernach sein nunmehr in Gott Zum Lebenslauf des seelig verstorbenen ruhender Herr Amtszantecessor von dem Herrn Definitoris(Mitglied der Prüfungs- Höchsten mit Krankheik beleget wurde, so kommission) und ersten Stadt⸗ und Burg- daß selbiger die mehrste Zeit sein Amt nicht pfarrers allhier, Johann Conra) Eber verrichten konnte, so wurde ihm gnädigst weins, anla igend: so ist Derselbe auf befohlen, denselben auf alle Art und Weiße diese mühsee tige Welt gebohren Anno 1707 zu assistieren. welches er auch ohnentgelt⸗ den 22ten January. Sein seeliger Vatter lich mit willigster Auffetzung seiner Zeit und war Herr Johann Christoph Ebe wein, ge⸗ Kräfte ziemlich lang praestiert hat. Wie er wesener Professor Philos. ordin,: Paedago- übrigens so wohl diese als seine nachherige giarcha(Director des Gymna i ims), wie Fundtiones(Aemter' geführet, davon ist auch Burgprediger allhier in Giezen. Die auch die es ein Zeugnis daz, als die Pre⸗ Mutter. Frau Helena Christina, eine ge- diger Stelle an der S adtlirche erledigt bohrene Heltebrandten. wurde ein hiesig wohlweiser Rath ihn da⸗ So bald dieße Gottseelige Elbsern ein so mals aus besonderen Vertrauen bemerkte. theures Geschenk von Gott empfangen, ele⸗ Weil aber der oberste Hirte seiner Ge— ten sie dasserbe Seinem Erlöser Jesu Christo meinde auf Erden⸗ gantz was anderes be— durch das Bad der Wiedergeburt, die heilige schlossen, so geschah es, daß 1750 derselbe Taufe einzuverleiben, welches dann ge⸗ zum Nachfolger seines seelig verstorbenen schehen am Tag seiner Geburt. Die Tauf⸗ H. Antecessoris des Herrn Assessor Schel⸗ zeugen waren 1. Herr Johann Conrad lings, so wohl im definitorio als Predigt Scipio. Raths Schöff und Apotheker all⸗ Amt an beyden Kirchen gnädigst berufen hier, 2. Frau Anna Margaretha, Herrn wurde. Welche letztere Aem der er dann mit Dr. Eberts, Chur Mayntzisch gewesenen aller Wachsamkeit Treue un unermüd ichen Leib⸗Medici hinterlassene Wit ib, welche ihm Fleiß bey Tag und Nacht wie Staltkundig, den Namen Jo! ann Conrad beygeleget. An und wie die allgemeine Wehmuth über sein einer sorgfä'tigen und Got kes ürch ien Er⸗ frühes Ableben genugsam bezeuget, vor⸗ ziehung haben es seine besagte liebe Eltern gestanden. nicht ermangeln lassen, wie sie ihn dann In den Ehestaud hat er sich begeben Anno frühzeitig zur Schule angehalten so daß er 1734. mit der Tugend belob'en damaligen schon im zehnten Jahre seines Alter in das Jungfer, jetzo aber sehr betrübten und ge— hiesige Fürstl. Paedagoglum illustre Gym- beugten Wittib Susanna Maadalena, des nasium) konnte gebracht werden. Im 15. weyl. Hochwürdigen H. Mag. Jol ann Phi- Jahr wurde er stu liozus. Er adplicirte lipp Listen, gewesenen Metropolitani( Dekan) (widmete) sich mit großem Fleiß auf die zu Kirtorf. hinterlassene ejeliche Tochter, Philologie, Philosophie und Theologie auf in welcher neunze njährig vergnüsten(— zu⸗ hie iger weltbekannter und berühm er Uni- friedenen), obwohl mit beständigem Hauß— versität und brachte es durch seine Ge- Creutz heimgesuchten Ehe erzielet worden. lehrsamke't und aute Aufsühreng dahin, daß 9 Kinder, davon noch 4 Söhne und 2 Töch⸗ er in seinem 27ten Jahr an das hiesige ter, so lang es dem großen Gott gefällig, Hochfürstl. Paedagogium als Praeceptor im Leben, 3 Söhne aber dem seeligen .—T—T:. 9 5 7 2 Vatler in die frohe Ewigkeit voraus⸗ gegangen sind. Seiner Krankheit betrefsend; so hat selbige in einer äußersten Verhärtung der Leber bestanden, welche schon vor gar vielen Jahren ihren Anfang genommen und durch die harte Drückung des Magens seit ohngefähr einviertel Jahr gar empfindliche Krampf⸗ und Magenschmerzen verurfacht, welche auf keine Weiße haben können gehoben werden, sondern die Kräfte sind dadurch gäntzlich verzehrt worden, biß daß endlich die Gelb⸗ sucht und eine innerliche Entzündung darzu⸗ geschlagen, woran er vorgestern den Sten dieses Nachmitlags kurz vor 3 Uhr mit starkem Gebeth und Glauben unter in⸗ 9 Fleelen dero Anwesenden, zu Gott seinen unsterblichen Geist, seinen ge⸗ treuen Heiland und Erlöser, dem er sich in seiner langwierigen und schmertzhaften Krankheit gedultig und gelassen ergeben, zu getreuen Händen überliefert, nachdem er sein Leben gebracht hat auf 46 Jahre 6 Monathe und etliche Wochen. Der Herr erfreue ihn in den Wohnungen des Frie⸗ dens, und sey der Verlassenen Vatter, Ver⸗ sorger und Beschützer, wie Er verheißen hat. * Die hier eingeklammerten Zusätze rühren von dem Herausgeber her. Die Sprache dieses Lebenslaufs ist sehr ungelenk, die vielfach eingestreuten lateinischen Ausdrücke machen das Schriftstück für viele unver⸗ ständlich. Als es abgefaßt wurde, waren die deutsche junge Lessing und Klopstock, die Sprache gereingt haben, noch Männer. Uleine Mitteilungen. Vor 10 Jahren wurde von einem Herrn Ernst Edler von der Planitz in 5 Bänden ein Werk herausgegeben über den angeb⸗ lichen Brief eines ägyptischen Arztes Benan der ein Jugendfreund Jeu gewesen sei und ausführliche Wil angen über sein Leben gemacht habe. Das Buch fand in der Wissen⸗ schaft keine Beachtung. Nun hat der Ver⸗ fasser angeblich auf einer Papyrusrolle einen neuen Hinweis gefunden, der die Echtheit des Benanbriefes erhärtet. Seltsamerweise sind die Originale beider Apokryphen bisher nicht veröffentlicht worden, ja, der Benan⸗ brief soll verloren gegangen sein. Nun hat der Professor der Theologie an der Uni⸗ versität Berlin, D. Schmidt, den angeb⸗ lichen Brief unter die Lupe genommen und hat seinen Quellen nachgeforscht. Professor Schmidt ist es nicht zweifelhaft, daß, aus welchen Gründen immer, der Brief gefälscht und sein Verfasser kein Aegypter, sondern, Herr von der Planitz ist. * Die allgemeine Teuerung und Steigerung der Unkosten macht sich auch bei der Bibel⸗ verbreitung sehr bemerkbar. Während 1907, noch 2 623 216 Bibeln und Bibelteile in Deutschland verbreitet werden konnten, ist diese Zahl, wie der neueste 107. Jahres- bericht der würtlembergischen Bibelanstalt feststellt. 1918 um fast 1 Million auf 1697 264 gesunken. Welches Bild werden erst die Zahlen von 1919 und 1929 geben! Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 16. Januar, 2. n. Epiphanias. In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Becker.— Vormit ags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarrer Becker.— Abends 5 Uhr: Pfarr⸗ assistent Ramge.— Montag den 17. Ja⸗ nuar, abends 8 Uhr: Vereinigung der kon⸗ firmierten männlichen Jugend der Mat⸗ thäusgemeinde.— Dienstag den 18. Ja⸗ nuar, nachmittags 4 Uhr: Frauenmissions⸗ verein.— Donnerstag den 29. Januar: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr: Pfarrer Aus seld.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johan esgemeinde: Pfarrer Aus eld.— Abends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends ½8 Uhr: Ver⸗ einigung der konfirmierten männlichen Ju⸗ gend der Johannesgeme nde— Montag den 17. Januar. abends 1/8 Uhr: Vereini⸗ gung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde. 5 Evang. Arbeiter verein. Sonntag den 16. Januar vorm. 11 Uhr: Besichtigung des Säuglingsheims. Zusam⸗ menkunft an der Stadtkirche. Rege Beteili⸗ gung auch der Frauen erwünscht.— Die Geistliche Musikaufführung findet Sonntag den 30. Januar, abends 8 Uhr, in der Stadtkirche statt. Mitwirkende: Fran Land⸗ gerichtsrat Schudt(Alt), Frau L Scholz (Melodramen), Herr Organist Görlach (Orgel), die Herren Egly, Gernhardt, Her⸗ tel, Junker, Währum(Streichquin et) sowie unsere Gesangsabteilung. Karten zu 1 Mk. bei den Mitgliedern Bingel Bit ner, Heß und Scholz sowie in der Musikalienhand⸗ lung Challier— Man sichere sich recht zeitig Karten! Wartburg⸗ Verein. Sonntag den 16. Januar, abends 8 Uhr im Markussaal. Kirchstraße 9: Familien⸗ abend. Musi alische Darbietungen: Vortrag des Herrn Pfarrer Schorlemer-Lich über: Ungarn, Land, Leute, Sitten und Ge⸗ bräuche. Eintritt für Mitglieder und deren Angehörige frei. Freunde und Gönner sind herzlich eingeladen besonders die Eltern unserer jüngeren Mitglieder(Der Saal ist geheizt.) Der für den 30. Januar vor⸗ gesehene Lichtbildervortrag„Das Bergische Land“ wird wegen der Musi'auf führung des Ev. Arbeitervereins am gleichen Tage auf den 6. Februar verlegt. Rerantwortsich: pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch und Steindruckerel R. Lange, Gießen.