* S onntags gruß emeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 20 Gießen, Pfingsten, den 15. Mai 192 10. Jahrg. Rein und treu! Zum Pfingstfest. Von D. Karl Hesselbacher. Nachdruck verboten. Als ich einmal in den letzten Tagen so recht miedergeschlagen war beim Gedanken an unseres Vaterlandes Not und Schmach, sagte mir ein junger frommer Mann:„Ich lasse mir es nicht nehmen— ich glaube, daß Gott noch etwas ganz Großes mit unserem Volke vorhat. Sonst würde es nicht von ihm in die Feuertaufe genommen!“ Das war ein tapferes Wort. Wir wollen es fest⸗ halten: Gott nimmt uns in eine Feuer⸗ taufe! Und in aller Feuertaufe gilt das Wort des Täufers:„Er wird euch mit dem heili⸗ gen Geist und mit Feuer taufen!“ Wir müssen hinein ins ärgste Feuer, damit Gottes Geist in uns zur hellen Glut auf- flammt.. Ihr wißt doch, daß es nicht ohne Feuer abgeht, wenn aus dem Metall etwas Rechtes werden soll? Schlacken müssen weg— das reine Metall muß ans Licht. Und so müssen wir hinein ins Feuer, damit das Edelmetall, das Gott in unsere Seele gelegt hat, endlich einmal ans Licht und an den Tag kommt. Was nicht taugt, das verbrennt. Und wir wollen nicht darum uns grämen, wenn vieles verbrennt, auch von dem, was uns lieb und teuer ist. Auch in unserem eigenen Wesen muß doch viel mehr verbrennen, damit endlich einmal das zutage kommt, was wir nach Gottes Willen werden können und werden müssen. Und was wir nach Gottes Willen werden sollen, das liegt in den zwei Worten„rein und treu“! Seid ihr einmal einem Menschen begegnet, aus dem heraus euch etwas entgegen⸗ geleuchtet hat wie Gottes Geist? Ich hoffe doch! Dann wißt ihr, was„göttlich“ ist! Eine Menschenseele, die völlig lauter ist. So wis der liebe Mann auf dem Dorf, zu dessen Füßen ich als Kind so oft gesessen bin. Von dem haben auch seine schlimmsten Feinde ge⸗ sagt:„Da weiß man immer, wie man mit ihm dran ist!“ Das wollte sagen: bei dem Manne gibt es keine Hintergedanken. So wie er sich gibt, so ist er. Und wo sein Name steht, da steht sein Kopf. Sein Wort, das ist immer eine Tat. Denn er sagt nichts, was er nicht auslöst. Müßte das nicht Christenart gewonnen werden für Jesus und seine Sache? Nur darum, weil es so wenig lautere Na— turen unter uns gibt! Weil viel zu viel Wortgepränge bei uns gemacht wird und weil viel zu viel religiöse Schwärmerei unter uns ist statt wahrer Nüchternheit, die aus dem Innersten herausquillt. Darum bedürfen wir der Feuertaufe. Es muß aus unserem Wesen viel Hängen am Eiteln und Vergänglichen ausgebrannt wer⸗ den. Wir müssen noch viel mehr frei gemacht werden von dem Ehrgeiz, mit dem wir uns beflecken. Glaubt mir, die Welt hat scharfe Augen und vor allem ein sehr feines Gefühl. Sie merkt auf ein Haar, wo es einem nur um sich zu tun ist. Und wenn sie das einmal herausgefühlt hat, dann ist es ein für alle⸗ mal verspielt.„Gib dich, wie du bist— aber spiele keine Rolle!“ Das gilt für nie mand mehr als für einen Christenmenschen. Aber das Wörtlein hat eine Fortsetzung. Die heißt: gib dich allemal ganz! Denn das heißt„treu sein“! Die Treue ist das Fundament, auf dem unser ganzes Volks- leben sich wieder aufbauen muß. Sonst bleiben wir am Boden liegen! Die Treue, zu der wir Deutschen geboren sind. Unser be sonderer Schmuck, unsere eigentümlichste Gottesgabe. Das, was uns zum deutschen Volk gemacht hat und was uns in allen Stürmen der Weltgeschichte aufrechterhalten hat. Diese Treue muß wieder auf ihren Thron gesetzt werden. Darum müssen wir in die Feuertaufe hinein. Darum finden wir keine Hilfe in der ganzen weiten Welt. Darum werden wir ganz und gar allein auf uns gestellt. Damit will uns unser Gott sagen:„Nichts wird euch retten als die Treue!“ Werdet wieder das Volk, das nichts Edleres und Größeres kennt als seine Pflicht. Werdet wieder das Volk, dessen höchster Stolz es seit, Väterzeiten war, das Arbeitervolk ohnegleichen in der Welt zu sein! Werdet wieder das Volk, von dem einer seiner Edelsten gesagt hat: Deutsch sein, heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun! Und nun frage ich euch, die ihr euch Christen nennt: Wo seid ihr in diesem Kampfe des deutschen Volkes um sein Schick sal und seine Zukunft? Seid ihr die Füh rer? Nimm es ganz persönlich! Frage dich, ist mein Platz, an dem ich stehe, die Ossen sein? Warum gilt unsere Sache so wenig barung dieser Lauterkeit und dieser Treue auf der Welt? Warum gibt es so wenige, Habe ich keine Zeit, müde zu sein, bis ich die durch einen aufrichtigen Christenmenschen mein Werk vollbracht habe aus meinem 1 60% besten Können und meinem veinsten Wollen heraus?* Es ist die Zeit gekommen, da Gottes Geist im Feuer auf die Erde fliegt. Kommet, lasset euch fassen von seiner Glut! Auf, ihr alle, werdet Menschen, die sich taufen lassen mit „Feuer und heiligem Geist?“ Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 30. Der Gießener Bub aus dem vorigen Jahrhundert und was mit ihm zusammenhängt. Von Louis Frech. (Fortsetzung.) Eines Tages bot sich ein anderer Zeitver⸗ treib. Ein vorbeifahrender Wagen hatte einen Brocken Lette verloren. Im Hand⸗ umdrehen entwickelte sich eine Art Kreuzer Feldkonditorei, deren Tisch die Mauer bil— dete. Allerhand Figuren, namentlich Bretzeln und Mertesmänner, wurden ge— knetet, und da man dabei auch an das Backen dachte, kam einer auf die Idee, einen Backofen zu formen, der aber wegen Materialmangel nur sehr bescheiden ausfiel. Was aber dem eigentlichen Ofen an Größe abging, wurde durch die Länge des Schorn— steins ersetzt. Natürlich mußte nun auch Feuer in das Bauwerk gemacht werden. Damit es möglichst viel Rauch gab, wurde zunächst glimmender Zunder in das Häus⸗ chen geschoben und tüchtio nachgeblasen. Die ganze Gesellschaft war voll Freude über den rauchenden Schornstein, und jeder hatte nun natürlich den Wunsch, einen solchen Ofen zu besitzen. Aber das Baumaterial reichte nicht aus, und so reifte der Entschluß heran, auf einen Samstagmittag, an wel— chem die größeren Jungen schulfrei hatten, im Felde Lette zu holen. Mit der Erlaubnis der Mutter— der Vater wurde wohlweis—⸗ lich nicht gefragt— und éinem Stück Brot ausgerüstet, zog die Karawane durch den bereits erwähnten Junkers Garten— das war ein Weg, welcher durch Gärten nach der damals im Bau begriffenen„Neuen Anlage“, jetzt Südanlage, führte und an dessen Stelle die Plockstraße getreten ist— nach der heutigen Bleichstraße zu, die zu dieser Zeit nur ein bescheidener Feldweg ohne Häuser war und auf dessen linker Seite, da wo jetzt das Adamische Eckhaus an der Südanlage steht, sich ein Zimmer— platz mit einem niedrigen, langgestreckten Häuschen befand. Dieses lief mit der nach⸗ maligen Südanlage parallel, stand etwa einen Meter tiefer, wie das Niveau derselben und wurde von vorn und hinten von Obst⸗ bäumen überragt. Außerdem befand sich im Vordergrund ein Ziehbrunnen; alles in allem ein Idyll. In diesem Häuschen. wohnte die aus der Gießener Scharfrichter- familie entstammende Frau Bast und ihre verwitwete Tochter mit ihren Kindern. Der ersteren gehörte die Bleiche, welche sich, mehrere Morgen groß, von dem erwähnten Wege ab, bis hinunter an die Wieseck zog, also da, wo jetzt das Besitztum der Firma Wallenfels& Sauer sich befindet. Dorthin lenkten wir unsere Schritte; denn der Ort, wo der Lette geholt werden sollte, lag mitten im Felde an der Stelle, auf welcher in späteren Jahren die Firma Heyligenstagedt Comp. ihre Maschinenfabriken errichtet hat. Wir mußten den Weg der Bleiche entlang, genau wie jetzt die Bleichstraße läuft, einschlagen; denn zwischen der Neuen⸗ weger und der Seltersweger Brücke gab es damals nur noch einen Uebergang über die Wieseck, und dieser war ein Steg, über welchen unser Weg führte. Man mac be⸗ rückhichtigen, daß in den 60er Jahren zwi⸗ über dieselbe hinaus, bis zum Schiffenberger Weg und dem Riegelpfad fast keine Häuser standen und das ganze Terrain mit Gärten und Aeckern übersät war. Die Neue(etzt Süd⸗) Anlage ist 1863—65 und die Lud⸗ wigstraße in den 70er Jahren entstanden. Brücken waren daher noch nicht nötig. Die ganze Gesellschaft, wohl ein Dutzend Buben, zog über den etwa einen Meter breiten, nur auf der einen Seite mit einem Geländer versehenen Steg, durch die Wiesen und Felder der Stephansmark, über die nach dem hinteren Riegelpfad. Die Ober⸗ hessische Bahn sperrte diesen damals noch nicht von der Stadt ab Wir konnte daher direkt auf unser Ziel,„die Litgkaut“, zusteuern. Diese war eine kleine Wüstung mit Wassertümpeln, welche von zahlreichen Fröschen, Salamandern, Käfern und sonsti⸗ gem Getier bevölkert waren. Hier angekom⸗ men, wurde zunächst das mitgenommene Brot vertilgt, dann holten die größeren Jungen vom Rande der Wasserlachen das weiche Material heraus, während die klei⸗ neren die herumliegenden trockenen Brocke“ zertraten und auf einen Haufen trugen. Hierauf fing das allgemeine Mischen und. Kneten an, wobei sich die Gesellschaft zum Teil dermaßen zurichtete, daß das Wieder- sehen bei der Mutter allerhand erwarten ließ. Als schließlich jedem sein Klumpen zugeteilt und eine Säuberung, soweit sich dies ermöglichen ließ, vorgenommen worden war, wurde der Heimweg, diesmal nach dem Schiffenberger Weg zu, angetreten. Am Klingel-(Bruch-)Bach machten die älteren Jungen noch einmal den Versuch, den jün⸗ geren die Kleider und Schuhe zu säubern, aber mit wenig Erfolg. So zog denn die Karawane ab, durch das enge Gäßchen, welches der Südgrenze des Wenzels-(früher Busch-, später Steins-) Garten entlang zog und den Schiffenberger Weg mit der heutigen Gartenstraße verband. Es mündete an dem breiten eisernen Gartentor dieses, auch noch der gegenwärtigen Generation bekannten ehemaligen Vergnügungsetablissements, an schen dem Schorgraben und der Wieseck und jetzt die Ludwig- und Stephanstraße führen, — 1 1 ee der Stelle, wo sich jetzt noch das Stück Grenzmauer zwischen dem Engelbachschen und dem Nattmannschen Haus befindet. Die Gartenstraße ist an die Stelle der alten Chaussee getreten, welche an dem erwähnten Tore als solche ihr Ende hatte und sich hinter ihm nach rechts als Fahrweg für die 5 1 links als Fußweg für die Besucher des Lokals fortsetzte. Die Bergstraße ist der ausgebaute alte Fahrweg längs der Nord⸗ seite des Gartens bis zum Schiffenberger Weg. (Fortsetzung folgt.) Etappe Langen. Erinnerungen aus den Jahren 1813 bis 1815 von Karl Friedrich Maurer, mitgeteilt von Dr. Karl Esselborn. Der Verfasser der folgenden Erinnerungen, Friedrich Maurer, war am 2. Fe⸗ bruar 1781 zu Ingweiler geboren als Sohn des dortigen Amtsschaffners Johann Ludwig Maurer. Seine Jugend verlebte er in Pir⸗ masens, wohin sein Vater Ende des Jahres 1781 versetzt worden war. Ende des Jahres 1793 kam er nach Darmstadt besuchte dort noch zwei Jahre lang das Gymnasium und trat am 6. Juli 1796 in das erste Leib⸗ grenadierbataillon ein, das eine Woche später seinen Marsch nach Triest antrat und Ende des folgenden Jahres wieder nach Darm⸗ stadt zurückkehrte. Im Mai 1803 wurde er zum Leutnant ernannt und bald darauf zu der neu gebildeten Brigade Groß- und Erb⸗ prinz, dem späteren vierten Infanterieregi⸗ ment, damals in Arnsberg, Brion und Werl stationiert, versetzt. Als Brigadeadjutant machte er den Krieg von 1806/1807 gegen Preußen mit. Nach dem Kriege kam das erste Bataillon nach Darmstadt, das zweite nach Butzbach und das Füsilierbataillon und der Stab nach Friedberg in Garnison. Im August 1808 wurde das Regiment für Spa⸗ nien mobil gemacht. Dort kämpfte Maurer, bis er in der Nacht vom 6. zum 7. April 1812 bei dem Sturm der Engländer auf die Festuno Badajoz an der linken Hand schwer verwundet und gefangen genommen wurde. Bis Mitte Juni 1813 war er in englischer Kriegsgefangenschaft in Montgomery, dann wurde er als kriegsuntauglich nach Hause entlassen. Bald nach seiner Rückkehr in die Heimat legte er die Prüfung für den Verwaltungs⸗ dienst ab, und am 2. Oktober 1813 wurde er als Nachfolger des Hofkammerrats Johann Valentin Heim zum Rentamtmann des Amtes Kelsterbach mit dem Wohnsitze Langen ernannt. Noch ehe seine Anstellung definitiv geworden war, hatte er sich im Sommer 1813 mit der am 8. Februar 1793 geborenen Marianne Hollenhorst, der Tochter des Zuchthausinspektors Norbert Hollenhorst in. Arnsberg, mit der er sich während seines dortigen Aufenthaltes verlobt hatte, ver- heiratet Bereits am 14. Dezember 1814 starb sie an den Folgen eines unglücklichen Wochenbetts. Im November 1815 schloß er zu Langen eine zweite Ehe mit Luise Schenk zu Schweinsberg(geb. 15. Februar 1792), der Tochter des Freiherrn Schenk zu Schweinsberg auf Hermannstein. Bis 1821 bekleidete er die Rentamtmannsstelle in Langen, dann wurde er zum Rat bei der neu errichteten Rechnungskammer in Darm⸗ stadt ernannt. Im Jahre 1856 trat er als Geh. Oberrechnungsrat in den Ruhestand. Am 18. Juni 1833 zum zweitenmal Witwer geworden, verheiratete er sich zwei Jahre darauf zum drittenmal mit der kinderlosen Witwe des Amtskellers Pohl(gest. 1830), Johanna geb. Machenhauer(geb. 14. März 1796), deren Vater Amtmann in Drei⸗ eichenhain gewesen und kurz zuvor(5. Mai 1835) zu Offenbach gestorben war. Auch sie überlebte er um ein Jahr und starb am 20. Juni 1868. In den Jahren 1852 bis 1865 zeichnete Maurer in drei Foliobänden„Erinnerun— gen aus meinem Leben“ auf. Der zweite Band behandelt die spanische Kriegszeit und die Zeit der englischen Gefangenschaft, die beiden andern enthalten die Zeit vorher und nachher. In dem ersten Teile sind besonders wertvoll die anschaulichen Schil— derungen von Pirmasens zur Zeit des Land grafen Ludwigs IX., während der zweite Band eine überaus wichtige Quelle für die hessische Kriegsgeschichte, insbesondere die SGeschichte des vierten Regiments bildet. Die Pirmasenser Erinnerungen wurden im Jahre 1916 in Band 28 bis 30 der hessi schen Volksbücher(Pirmasens und Buchs weiler) und größere Abschnitte aus dem zweiten Bande im Jahre 1912 in den„Bil dern aus den Aufzeichnungen Karl Friedrich Maurers über den spanischen Feldzug und seine englische Gefangenschaft“(Vom Rhein. 11. Jahrg. S. 67— 78, 88—94; 12. Jahrg. S. 1—7, 14 f., auch als Sonderdruck er schienen) veröffentlicht. 0 Die folgenden Mitteilungen stellen eine etwas gekürzte Bearbeitung des Anfangs des im Jahre 1856 begonnenen dritten Bandes dar, der bis jetzt noch nicht der Benutzung zugänglich gewesen ist, während von den beiden ersten Bänden sich un— wesentlich gekürzte Abschriften im Staats- archiv zu Darmstadt befinden. Die etwas breit angelegten Schilderungen Maurers geben ein plastisches Bild von all den Truppenmassen, die in den Jahren 1813 bis 1815 durch Maurers Amtssitz Langen hindurchgekommen sind, und sind sowohl kulturgeschichtlich wie ortsgeschichtlich von Bedeutung. Deshalb verdient auch der Eigen— tümer der Erinnerungen, Maurers Enkel, Herr Landgerichtsrat Dr. Gustav Maurer in Darmstadt, den Dank der hessischen Ge schichtsfreunde für die bereitwillige Erlaub— nis der vorliegenden Veröffentlichung. de 800 Infolge der Schlacht bei Leipzig hatte sich ö das Kriegsgetümmel in unsere Nähe ge⸗ zogen. Nur kurze Zeit vor dem Tage der Schlacht bei Hanau bin ich zwischen den vereinten bayerischen und österreichischen . Truppen unter Marschall Wrede und der im Rückzug befindlichen französischen Armee unter Kaiser Napoleon nach Langen über⸗ gezogen, um daselbst das Geschäft als Rent⸗ amtmann des Amtes Kelsterbach von dem seitherigen Vikar zu übernehmen. Schon in den ersten Tagen nach der Woche meines Eintreffens zu Langen er⸗ f hielt ich daselbst Einquartierung in dem 1 von mir bezogenen Hause. Es gehörte dieses den Erben meines Amtsvorgängers, sehr freundlich von außen, nicht minder in dem Innern, aber dieses Innere erschien fast 1 gänzlich ausgeleert, was einen üblen Ein⸗ druck machte. Im oberen Stock fanden sich nur vor: ein Tisch, einige Stühle, eine Bettstelle. Alles, was von den Eignern des Hauses noch nicht weggeräumt worden, war nur von unbedeutendem Wert. Ich selbst hatte mit meiner Frau den unteren Stock bezogen und mich vorerst nur mit dem Notwendigsten versehen, als zwei Betten, eines für meine Frau, das andere für mich, einer Kommode, einem Spiegel, einem f Tisch einem halben Dutzend Stühlen und ö wenigem Küchengeräte. . Meines Erinnerns war es Dienstag der Woche, die der meines Umzugs nach Langen. folgte, als in der Frühe ein Wachtmeister im Hause erschien, um darin Quartier zu bestellen für den Kommandeur des zweiten schlesischen Husarenregiments, Obristleutnant von Eicken, und dessen Adjutanten. Der Wachtmeister war zunächst mit meinem älte⸗ ren Bruder“), der sich zu Besuch bei mir befand, zusammengekommen und mit diesem in Zank und Streit geraten wegen der ganz leeren Zimmer im Oberstock des Hauses. 1 Ich vernahm dieses alsbald und stellte mich dem Wachtmeister als Wirt des Hauses dar mit der Bitte, sich wegen dessen Leere be⸗ ruhigen zu wollen, indem ich hoffe, trotzdem seinen Herrn Kommandeur zufriedenstellen zu können, so daß er von diesem irgendeinen. Vorwurf nicht werde zu befürchten haben. Es wurde sogleich für möglich beste Speise und Trank sowie für Herbeischaf⸗ fung des nötigen Futters für die Pferde, die in der vorhandenen Stallung aufgestellt werden möchten, gesorgt und für anderes, 1 was möglich war. Den Obristleutnant bewillkommnete ich bei seiner Ankunft vor dem Hause mit ge⸗ bührender Freundlichkeit und Höflichkeit und der Aeußerung, daß er zwar ein ganz freundliches Haus hier sehe, leider stehe es ) Ludwig Maurer, geboren am 15 Sep⸗ ö tember 1779 zu Ingweiler, gestorben als ö 18 zu Darmstadt am 17. August eben ohne mein Verschulden im Innern. fast ganz leer. Ich selbst sei vor wenigen Tagen erst als Invalide darin einlogiert worden. An Verpflegung darin solle, soweit ich es vermöge, durchaus nichts fehlen, in⸗ dessen sei ich nur im Besitz von zwei Betten, das eine für meine Frau und das andere für mich. Das letztere stehe dem Herrn Obrist⸗ leutnant zur Verfügung. „Ei, mein Bester, ich werde ebensowenig Ihr Bett als das Ihrer Frau in Anspruch nehmen, bin vielmehr vollkommen damit zufrieden, wenn Sie nur einige Bausche Stroh zum Lager verschaffen können.“ (Fortsetzung folgt.) Uirchliche Anzeigen. Sonntag den 15. Mai. 1. Pfingsttag. Kollekte für die Lutherstiftung. In der Stadtkirche. Vorm 8 Uhr: Pfarrer Mahr.— Vormittogs 9½ Uhr: Pfarrer Becker. Beichte und Feier des heiligen Abend⸗ mahls für Matthäus- und Markusgemeinde — Vormittags 11¼ Uhr: Kinderkirche für Matthäus- u. Markusgemeinde gemeinsam: Pfarrer Becker. n der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Ausfeld. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes⸗ gemeinde: Pfarrer Ausfeld. Montag den 16. Mai. 2. Pfingsttag. In der Stadtkirche. Vorm. 8 Uhr: Pfarr⸗ assistent Ramge.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Mahr. In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 9¼ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Lukas⸗ und Johannesgemeinde. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer. 9* Evang. Arbeiterverein. Am 1. Pfingstfeiertag: Gemeinsamer Kirchgang(Stadtkirche).— Am 2. Pfingst⸗ feiertag: Spaziergang nach der Ganseburg. Abmarsch 2 Uhr Ecke Schiffenberger Weg und Licher Straße. Führung: Herr Friedrich Büttner.. Wartburg⸗ Verein. 1. Pfingsttag: Morgens 7 Uhr: Choral⸗ blasen vom Turm der Stadtkirche. 9½ Uhr: Gemeinsamer Gottesdienst(Stadtkirche).— 2. Pfingsttag: Tagestour mit Abkochen nach Kloster Arnsburg—Lich. Abmarsch morgens 7 Uhr vom Ludwigsplatz. Rückfahrt von Lich 7.25 u abends. Führer: Herren Kliffmüller und Schön sen.— Wanderung Edertalsperre. Treffpunkt: Pfingstsonntag 8 Uhr am Bahnhof. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen.