72 onntagsgruß emeindeblatt fur die evan gelische Kirchengemeinde Gießen E Gießen, Invokavit, 5 13. Februar 1921 10. Jahrg. Das Beispiel. Phil. 3, 17. Folget mir, liebe Brüder, und S sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Ein Philosoph meint einmal:„Nichts ist so ansteckend als das Beispiel, und wir stiften nie viel Gutes oder viel Böses, was nicht ähnliches Gute oder Böse hervor⸗ brächte“. Wenn man sich doch mehr bewußt wäre, daß Vormachen weit besser und wirk⸗ samer ist als alles Vorreden, daß Ermah⸗ nungen nur dann fruchten, wenn sie von wenschen, die darin liegt, daß du mit jedem Schritt und Tritt ein Beispiel gibst für andere, sei es im Guten oder im Bösen. Lebe nie gedankenlos in den Tag hinein, jede deiner Handlungen ist— eben als Beispiel für die anderen— entweder ein Stück Auf⸗ bau oder ein Stück Niederreißen, niemals ist sie gleichgültig und belanglos. Je höher du stehst in der Volksgemeinschaft, um so eindrucksvoller wirkt jede deiner Handlun⸗ gen und Aeußerungen als Beispiel. Das Wasser fließt stets den Berg hinunter. Bei⸗ spiele wirken immer nach unten am stärksten. dem guten Beispiel des Mahners bekräftigt sind Das gilt in der Jugenderziehung wie im Verkehr mit unsern Mitmenschen über⸗ haupt. Den meisten Segen für ihr ganzes späteres Leben haben unsere Kinder nicht von schönen Worten und guten Lehren— diese allein haften niemals tief in der Seele—, sondern von dem Geist, der im Hause herrscht, von der Lebensführung der Eltern, von dem Beispiel, das Vater und Mutter selber in ihrem täglichen Handeln geben. Das köstlichste Erbe, das wir unsern Kindern hinterlassen können, ist die Pflege religiösen Lebens als etwas Unentbehr⸗ liches, Selbstverständliches, das sie aus dem Elternhaus einfach als Fortsetzung lieb⸗ gewordener Gewohnheit mit hinübernehmen in ihre spätere eigene Häuslichkeit. Und mehr noch: auch unsere Beziehungen zur Außenwelt des Hauses, zu den Ge⸗ schäftsleuten und Berufsgenossen, mit denen wir alltäglich zu tun haben, zu den Auf⸗ gaben der Volksgemeinschaft in Staat und Gemeinde, zu Freunden und Nachbarn müssen ständig von dem Bewußtsein unserer⸗ seits getragen sein, daß das eigene Beispiel in allen Lebenslagen entscheidend ist und allein erfolgreich wirkt. Es wird so viel gesprochen von dem Wiederaufbau unseres niedergeschmetterten Vaterlandes und der Pflicht jedes Einzelnen, daran mitzuhelfen. Solange einer dem andern das bloß sagt, wird es nicht besser. Fange bei dir selber an, heute noch! Wähle dir eine praktische Aufgabe, mit der du, über deinen sonstigen Pflichtenkreis hin⸗ aus dem Genenwohl dienen kannst, eine Aufgabe, die deinen Fähigkeiten entspricht und, sei sie auch noch so eng umgrenzt, deine vielleicht oftmals in Worten betonte Vater⸗ landsliebe in die Tat umsetzt. Zeige auch in deinem Alltagsleben stets die Verantwortung gegenüber deinen Mit⸗ Unsere Uleinkinderschulen. Die evangelische Gemeinde Gießen verfügt über zwei Kleinkinderschulen. Die ältere der beiden, die vor 80 Jahren begründete Klein⸗ linderbewahranstalt in der Diezstraße, ist eine Schöpfung des Geh. Kirchenrates Dr. Engel. Die Elisabeth-Kleinkinderschule im Wetzlarer Weg verdankt ihre Entstehung hauptsächlich drei Männern, dem jetzigen Herrn Prälaten(damals Pfarrer der Lukas⸗ gemeinde) Euler sowie den unterdessen dahin geschiedenen Herren Kommerzienrat Hey⸗ ligenstaedt und Sparkassedirektor Doering, sie ist im Jahre 1895 in das Leben ge treten. Die beiden Anstalten werden von Schwestern geleitet, die ihre Ausbildung im Diakonissenhause Nonnenweier bei Lahr erhalten haben. Ihre Aufgabe ist es, sich der noch nicht schulpflichtigen Kinder anzu nehmen, sie in christlichem Geiste zu erziehen und sie in der Zeit, da die Mutter durch andere Arbeiten in Anspruch genommen ist, zu behüten. Die Kleinkinderbewahr⸗ anstalt verabreicht den Kindern auch Mittag⸗ essen. Wer sich davon überzeugen will, wie es in diesen Schulen zugeht, der nehme einmal an einer Weihnachtsfeier teil, bei der die Kinder selbst zu Wort kommen, alte Weihnachtslieder singen und im Glanze des Christbaumes fröhlich sind. Die Verwal- tungsgeschäfte der Schulen leiten Vorstände, die aus Männern und Frauen aus den Kreisen der evangelischen Kirchengemeinde Gießen zusammengesetzt sind. Seither hat es keine besondere Mühe ge kostet, die erforderlichen Mittel aufzubringen. Wohltäter und Freunde haben Jahr um Jahr ihre Gaben beigesteuert, auch die Stadt Gießen, die Kirchengemeinde Gießen und gemeinnützige Anstalten wie die Bezirks sparkasse Gießen haben geholfen. Durch die 1 66— 88 N von den Eltern gezahlten Schulgelder ist eine wohl nicht große, aber rec elmäßig ein⸗ gehende Summe zusammengekommen, und die Vorstände konnten ohne Sorge in die Zukunft sehen. Die ungeheure Preissteige⸗ rung der letzten Jahre hat das alles geändert und die Vorstände vor große Schwierig⸗ keiten gestellt. Wohl sind die seitherigen Einnahmequellen geblieben, aber die Aus⸗ gaben haben sich in besorgniserregender Weise vervielfältigt. So machen die Unter⸗ haltungskosten für das Gebäude in der Diez⸗ straße einen so hohen Betrag aus, daß demgegenüber alle Einnahmequellen ver⸗ sagen. Die dringend nötige Unterhaltung des Daches und der Fußböden kann nicht mehr länger hinausgeschoben werden. An Hilfe hat es auch in der letzten Zeit nicht gefehlt Ein aus Gießen stammender Deutsch⸗ Amerikaner, Herr Georg Lampus in Neu⸗ york, hat der Kleinkinderbewahranstalt, ein Gießener Herr hat der Elisabeth-Klein⸗ kinderschule eine namhafte Summe gestiftet. Weitere Hilfe ist nötig. Wir hoffen, daß diejenigen unter unseren Gemeindegliedern, die dazu in der Lage sind, uns diese Hilfe nicht vorenthalten werden. HGeschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 29 * 8. Gießener Zustände im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. (Fortsetzung.) 1650. „Ist erinnert worden, daß die Seniores under der Sonntagspredigt herumb gehen und die circumstantes pueros(die herum⸗ stehenden Knaben) notiren sollen.“ Von der Einweisung eines Seniors in sein Amt handelt der Eintrag:„Balthasar Kempf ist zum Senioren genommen wor⸗ den und hat an Eidesstatt Handgelöbnis gethan, sein Seniorat kreulich zu führen.“ 1651. „Wollenwebergesellen lauffen auf die Gassen und treiben des Nachts allerley Muthwillen.“„Paedagogici haben sich in der Kirch geschlagen und sind gar nicht stille.“ Derartige Klagen über die Schüler des Pädagogiums(Gymnasiums) gehen durch die Jahrhunderte.„Juden halten alle 9 ihren Convent in der Mühl⸗ gassen.“ 1652. Daß es in der harten Zeit, die auf den großen deutschen Krieg folgte, auch Leute gab, die noch Sinn für Humor hatten, geht aus einem Eintrage des genannten Jahres hervor. Im Mai wurde protokolliert: „Gerlach Bößens Hausfrau soll gesagt haben, daß sie niemahl in einer predigt gewesen auf die Wercktag,. Soll fürgefordert werden.“ Zur nächsten Sitzung war diese Frau mit ihrem Mann erschienen, und das Protokoll meldet:„Gerlach Bößens Haus⸗ geklagt, daß er anderer Leut Garn zu sich nehme. Ist zur Buß erinnert worden. Er aber ist hinausgegangen, lachend und sagend, sein Name bring es mit sich. Ist diese Sach dem Herrn Oberschultheiß an⸗ heimb gegeben worden zur Bestrafung.“ Die hier gesperrten Worte sind auch im Original gesperrt. Was mit dem Missetäter, der sich vor dem Konvent über seinen eigenen Namen lustig machte, geschehen ist, können wir nicht ermitteln. Zum eisernen Bestand auch der Gebilde⸗ ten gehörte um die Mitte des 17. Jahr⸗ hunderts ein sehr solider hanebüchener Aber⸗ glaube, dessen schlimmsten Auswüchse nach dem Dreißigjährigen Kriege in den Hexen⸗ verfolgungen zutage getreten sind. So wurde im Juli 1652 zu Gießen protokolliert: „Joh. Hamel ist noch nicht erschienen, soll vorgefordert werden deswegen, daß er Chri⸗ stallseher umb Raht gefragt. Gibt für, Meister Hanß hab ihm denEinschlag gegeben“ Dieser Eintrag ist nicht ganz klar, unter dem „Meister Hanß“ ist kein anderer zu ver⸗ stehen als der damalige Gießener„Scharpf⸗ richter“. Auf Sünden, die von den Seniorenkon⸗ venten oft gerügt wurden, beziehen sich die Einträge:„Dantzmeisters Hausfraw soll gerufen haben: Der Teufel sole⸗ sie holen undt Gott kein Theil an ihr haben.“„In Hans Peter Vetzbergers Hauß habe ein Soldat gesagt, daß, wenn er ein Maß Bier trinke, der Sathan ihm das Geld darzu gebe.“„Schulmeister von Watzenborn und seine Hausfrau leben nicht beysammen, weil er alles versauffe. Ist erinnert worden, sich zu ihm zu thun, will es aber nicht thun. Deswegen er nicht mehr Schulmeister seyn soll, weil er selbst den Abscheid begehret und sie nicht mehr will zu ihm. Deswegen es für die Cantzley soll gewiesen werden.“ Im Dezember dieses Jahres hat der Kon⸗ vent wieder mit Gerlach Böß zu tun, dem augenscheinlich die Verhandlung vor den Senioren keine schlaflosen Nächte brachten. Es heißt von ihm:„Gerlach Böß ist zu Wahrsagern gelauffen, ist fürgefordert wor⸗ den, aber nicht erschienen.“ Auch die Juden beschäftigten wiederholt den Konvent.„Die Juden halten ihre con- venticula(Zusammenkünfte) nochmahlen.“ 1653. 8 „Die Fuhrleute führen, wie berichtet, aufn Sonntag Wasser zum Brauen“.„Gottfried Burkards Hausfrau und die Ochsenwirtin haben sich heßlich gescholten, sollen vor⸗ gefordert und zur Einigkeit angewiesen wer⸗ den.“„Jacob Simon und Philipps Man haben am Sonntag Birn geschüttelt und nach Hauß geführet, sollen vorgefordert und ihnen ein Straff angesetzet werden.“ frau gestehet, daß sie in keine Wochen⸗ predigt komme wegen der aber bessern. Er, Gerlach Böß, wird an⸗ Arbeit, will sich 95 —— 3 — 5— 27— 1654. In diesem Jahre wird wieder ein Gieße— ner Bürger erwähnt, mit dem der Konvent schon früher zu tun hatte.„Johann Jörg Stoll säufft sich alle Tag voll. Muß vor⸗ gefordert werden.“ Nicht besser hat sich ein anderer betragen, von dem Haberkorn proto⸗ kolliert:„Nicolaus Werner, der Bien-Nickel genandt, läufft voll und doll durch die Gassen, ob er schon neulich vorgefordert worden ist.“ Etwas unbestimmt lautet der Vorwurf, der einem Bürger gemacht wird, dessen Nachkommen heute noch in unserer Stadt in Ansehen stehen:„Philipp Weidig tyrannisiret in seinem Hauß, ist citiert wor⸗ den, aber nicht erschienen.“ Auf Nikolaus Werner scheint der Umstand, daß der Senio⸗ renkonvent sich mit ihm beschäftigte, keinen beonderen Eindruck gemacht zu haben; denn es heißt von ihm:„Bien⸗Nickel bessert sich noch nicht, sauffet undt fluchet, lebt ärger⸗ lich.“ Abermals einen Monat später heißt es von ihm:„Weil die Vermahnung nichts ver⸗ fangen wollte, als soll Bien-Nickel der Obrigkeit überlassen werden.“ (Schluß folgt.) Am Martinsturm. Erzählung. (Fortsetzung.) Die Preußen traten zwischen und uns ge— boten Ruhe. Als meine Widersacher die blanken Knöpfe und die Gewehrkolben sahen, ließen sie mich los und verschwanden in der Heringsbrunnengasse. Ich hatte richtige Schläge gekriegt, war aber weiter nicht beschädigt. Als ich meinen ganz und gar beschmutzten und zertretenen Hut vom Boden aufgehoben hatte und mich zum Weggehen wandte, sah ich an der Straßenecke das Mädchen stehen, um derent⸗ willen ich die Schläge gekriegt hatte. Sie war ganz blaß und zitterte noch an allen Gliedern, aber wie sie mich sah, kam sie auf mich zu, gab mir offen und bescheiden die Hand und sagte:„Wer weiß, was die rohen Menschen mit mir gemacht hätten, wenn Sie nicht gekommen wären.“ Ich war, als ich jung war, keiner von denen, die jedem Mädchen in das Gesicht gucken, als ob sie mit jeder gleich eine Liebschaft anfangen wollten, aber ich war auch kein Stockfisch, der den Mund nicht aufzutun weiß, wenn eine Vertreterin des e die ungefähr 20 Jahre alt ist und ein glattes, freundliches Gesicht hat, ihm in den Weg tritt. So bot ich denn dem Mädchen meine Begleitung nach ihrer Wohnung an; mein Anerbieten wurde auch dankend angenommen. Meine Schutzbefoh⸗ lene wohnte, wie sie mir sagte, auf dem Kästrich; das ist die am höchsten gelegene Straße von Mainz, von der man auf die ganze Stadt, auf den Rhein und das Land zwischen Biebrich und Hochheim schaut. Wir suchten bei unserem Wege Straßen auf, die nicht allzu sehr vom Karnevalslärm erfüllt waren, und gingen langsam in der Rich⸗ tung nach dem Gautor, wo der Kästrich liegt. Unterwegs hatte ich Gelegenheit, das Mädchen genauer zu betrachten. Sie war mittelgroß, von zierlicher Gestalt und freund⸗ lichem Gesichtsausdruck, das Haar hatte sie, wie es damals Mode war, in Zöpfen um den Kopf gelegt. Das war der Anfang meiner Bekauntschaft mit meiner Braut; denn das will ich gleich sagen: das Mädchen ist meine Braut ge⸗ worden. Sie hieß Johanna Seitz. Ihr Vater war Schaffner an der Taunusbahn ge⸗ wesen, lebte aber damals, im Jahre 1856, nicht mehr. Johanna wohnte mit ihrer Mutter zusammen und hatte eine Stelle als Putzmacherin in einem Geschäfte auf der Ludwigsstraße. So schnell, als ich das hier erzähle, haben wir uns natürlich nicht verlobt. An jenem Abend bin ich mit Johanna bis vor ihre Haustüre gegangen und habe sie gefragt, ob ich am Sonntag wiederkommen dürfe. Das wurde mir freundlich gewährt, und so lernte ich denn am nächsten Sonntag auch die Mutter kennen, eine stille, ernste Frau, die in wohlhabenden Familien der Stadt nähte. Die kleine Wohnung war auf das sauberste und ordentlichste hergerichtet. Wie gerne weilte sich in dem kleinen, rückwärts gelegenen Zimmex, wo die gehäkelten Deckchen auf den Möbeln lagen und der Kanarienvogel im Käfig neben dem Fenster ohne Ermüden sein Lied sang. Das Haus stand in unmittel- barer Nähe des Gautors. Wenn man von den Fenstern der Rückseite ausschaute, so fiel der Blick auf die Festungswerke. Aus den Wällen erhob sich ein massiger, hoher, vier- eckiger Turm, der wohl schon auf viele Jahr- hunderte zurückschaute. Mehrere Stockwerke waren in diesem Gebäude übereinander ge— schichtet, ein niedriges Dach krönte das Ganze. Wozu dieser Turm gebraucht wurde, wußte ich nicht, ich machte mir auch keine Gedanken darüber, ich hörte nur von meiner Braut, daß das der Martinsturm sei. Rings war der Turm von Bäumen umgeben. Wenn ich mit Johanna und ihrer Mutter in dem nach hinten gelegenen Zimmer saß, so gingen unsere Blicke immer nach dem Turme. In den geräumigen Wallgräben sah man preu⸗ ßische und österreichische Soldaten exer⸗ zieren. Reiche Leute hatten dort, auf dem Kästrich, ihr Quartier nicht aufgeschlagen. Daß ich mich an diese Familie so rasch an⸗ schloß, lag auch daran, daß sie aus meiner Gegend stammte. Johannes Eltern waren waren beide aus Gensingen an der Nahe ge bürtig und waren, als das Kind ein Jahr alt war, nach Mainz gezogen. Rasch hatte ich mich daran gewöhnt, jeden Sonntag— nachmittag meine Schritte nach dem Kästrich zu lenken. Wie froh war ich alle Male, wenn ich durch die steil ansteigende, gewundene e — Gaugasse, 6 . 28 an der Stephanskirche vorüber nach dem mir wohl bekannten Hause auf der Höhe schritt. Oft saßen wir einen ganzen Nachmittag im ruhigen Gespräche beisam⸗ men, oft aber auch machte ich mit Johanna einen Spaziergang. Im Sommer gingen wir besonders gern am Rheinufer auf u ab und sahen, wie die großen Dampfer, die von Bingen kamen, an den Landungsbrücken anlegten. An Herbst- und Wintertagen gingen wir durch die Hauptstraßen der Stadt und sahen uns die Schaufenster an. Ich hatte Mitgesellen, die jeden Sonntag mit ihren Bräuten dahin gingen, wo Tanzmusik war, nach Zahlbach, nach Kastel, nach Kostheim. Nach diesen Vergnügungen trugen wir kein Verlangen, wir waren auch ohne Tanzmusik und ohne Karneval froh und zufrieden, und ein Jahr verging uns im Fluge. Glücklich war für uns diese Zeit auch des⸗ halb, weil sie mit lockenden Zukunftsplänen plänen ausgefüllt war. Ich hatte mittler⸗ weile den Entschluß gefaßt, in Mainz selbst, wenn auch natürlich in kleinem Maßstabe, mein Geschäft anzufangen. Kundschaft hoffte ich zu bekommen; denn mein Meister bekam in der Regel so viele Bestellungen, daß er nicht alle ausführen konnte. Er versprach, mir Kunden zuzuweisen. Ich hatte im Lauf der Zeit Geld gespart, auch Johanna hatte bei der Sparkasse eine hofften wir, daß es gehen werde. Sehr be⸗ schöfstigten uns die Gedanken an den späte⸗ ren Hausrat. Es verstand sich von daß wir unser Mobiliar nicht in irgendeinem Magazin kaufen würden, sondern ich selbst wollte alles anfertigen. Der Spezereihändler, in dessen Haus Johanna mit ihrer Mutter wohnte, hatte hinter seinem Hause einen kleinen Hof, der von einem Schuppen be⸗ grenzt wurde. Da dieser Schuppen leer stand, so mietete ich ihn für billiges Geld und vichtete ihn zu einer Werkstatt ein. An der Rückseite hatte der Schuppen ein Fenster, von dem man nach den Wällen und nach dem Martinsturm sehen konnte. Nun ging dort in den Abendstunden ein Sägen, Häm⸗ mern und Klopfen los. Wenn ich auch von der Tagesarbeit noch so müde war, so ging ich doch immer mit neuem Eifer an die Ar⸗ beit in der eigenen Werkstatt. Ich sang und pfiff, wenn ich die Bretter zusammenfügte und mit Leim hantierte, und nahm alle meine Kunst zusammen, um uns eine schöne Wohnungseinrichtung herzurichten. Johanna war fast immer zugegen. Einmal wollte sie mithelfen, schlug sich aber mit dem Hammer auf die Finger, da ließ sie lachend von der Arbeit ab. War der Abend schön, so standen vir oft Hand in Hand am Fenster des Schuppens, schauten nach dem Martinsturm und sahen, wie der Posten einsam auf und ab wanderte. Johanna war in diesen Abend⸗ stunden auch nicht müßig, sie nähte fleißig an ihrer Ausstattung. (Fortsetzung folgt.) kleine Einlage, so selbst, Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 13. Februar. Invokavit. In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Becker.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: nd Pfarrer Becker.— Abends 6 Uhr: Pfarrer Mahr.— Montag den 14. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. — Dienstag den 15. Februar, nachmittags 4 Uhr: Frauenmissionsverein.— Donners⸗ tag den 17. Februar, abends 8 Uhr: Ver⸗ einigung der konfirmierten weiblichen Ju⸗ gend der Matthäusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 9¼ Uhr: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Abends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Ver⸗ einigung der konfirmierten männlichen Ju⸗ gend der Johannesgemeinde.— Montag den 14. Februar, abends ¼8 Uhr: Ver⸗ einigung der konfirmierten männlichen Ju⸗ gend der Lukasgemeinde.— Mittwoch den 16. Februar, abends 6 Uhr: Passions⸗ gottesdienst: Pfarrer Ausfeld.— Donners⸗ tag den 17. Februar, abends 8 Uhr im Johannessaal: Vortrag von Med.-Rat Dr. Walger über: Evangelium und Kommunis⸗ mus(Männervereinigung der Johannes⸗ gemeinde). * Evang. Arbeiter verein. Samstag den 12. Februar, abends 8/ Uhr, im Gewerbehaus, Kirchstraße: Jahres⸗ versammlung. Tagesordnung: 1. Jahres⸗ bericht; 2. Rechnungsablage; 3. Wahlen; 4. Satzungsänderung(Beitragserhöhung usw.); 5. Arbeitsgemeinschaft Hess. Vereine; 6. Verschiedenes.— Sonntag den 20. Febr. Vortragsabend; Karten zum„Meineid⸗ bauer“ bei Challier und den bekannten Mit⸗ gliedern. Wartburg⸗Verein. Sonntag den 13. Februar, abends 8 Uhr, im Markussaal, Kirchstraße 9: Familien⸗ abend. Mufsikalische Darbietungen, Solis und Vortrag: Eine Wanderung durch das Bergische Land mit Lichtbildern. Eintritt für Mitglieder und deren Angehörige sowie eingeladene Gäste pro Person 50 Pfennig. Nichtmitglieder 2 Mk. Ausgabe der Ein⸗ trittskarten für Mitglieder und deren An⸗ gehörige an jedem Vereinsabend; für Nicht⸗ mitglieder im Musikhaus Busch, Kirchen⸗ platz.— Donnerstag den 17. Februar, S9 Uhr: Vortrag: Kolbe sen. 9—9½: Bibelbesprechung: Pfarrer Becker.— Sonn⸗ tag den 20. Februar, abends 8 Uhr, im Heim, Diezstraße 15: Mitgliederversamm⸗ lung. Tagesordnung: 1. Mitteilungen; 2. Vorstandswahl; 3. Programm für den Monat März. Vollzähliges Erscheinen, be⸗ sonders der älteren Abteilung, unbedingt erforderlich. Berantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei N Lange, Gießen. . N