SA 0⁵ SAR Sonntags gruß emeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 50 Gießen, 3. Advent, den II. Dezember 1921 10. Jahrg. 1 Ganze Christen. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. Evang. Luk. 9, 62. Wer seine Hand an den 33. Liebestätigkeit in alter Zeit. Pflug legt und siehet zurück, der ist nicht Unsere Gemeindeglieder interessiert es geschickt zum Reich Gottes. wohl, was mit den Beträgen geschieht, die sie beim Gottesdienste in die Opferstöcke Der Dichter Storm tat einmal den Aus- geben, und mit dem Gelde, das sie bei spruch:„Der eine fragt, was kommt danach? Taufen und Trauungen in die Büchsen der andere fragt nur: Ist es recht? Und werfen. Im kirchlichen Sprachgebrauche also unterscheidet sich der Freie von dem nennt man das, was in den Kirchen ein⸗ Knecht.“ Als wir auf der Schule dieses geht die„sonntäglichen Kirchenopfer“. Diese Thema als Ferienaufsatz zu behandeln hatten, Beträge werden in vielen Fällen nach außen stellten wir uns entschlossen auf die Seite gegeben. So erheben wir Kollekten für den dessen, der als freier Mann nur nach dem Gustav-Adolf-Verein, für äußere und innere „Ist es recht?“ fragt und sich von den Mission, für Jugendpflege, für die Pflege Folgen seiner Handlung in keiner Weise der Gliederbeschädigten und Fallsüchtigen abhängig macht. Unser Lehrer schüttelte dazu und zur Linderung von Kriegsnot. Wird den Kopf und meinte, die Wahrheit liege in in dem Gottesdienste keine besondere Kol der Mitte. Wir empfanden diese Auskunft lekte angezeigt, so wird das gespendete Geld als unzureichend, ohne uns des lezten Grun⸗ für die Armen unserer Gemeinden verwen des deutlich bewußt zu sein. Sagt uns das det. Diese Verwendung erfolgt durch die Gewissen nicht geradezu, ob eine Handlung Pfarrer, die Gemeindeschwestern, auch durch recht ist oder nicht? Ist es nicht Schwäche, die kirchlichen Frauenvereine. Dem gleichen wenn man die Folgen einer Tat in Erwä⸗ Zwecke dienen auch die Büchsengelder, das gung zieht? Ganz gewiß, wir können nicht sind die Spenden, die bei Trauungen und halbieren, und der ist ein Halbierer, der Taufen eingehen. Im allgemeinen sind das nicht weiter kommt, als eine Anzahl Gründe in unseren Kirchengemeinden erhebliche Be dagegen und eine Mehrzahl dafür aufzu⸗ träge, die viel Segen stiften, namentlich in bringen. Dann fehlt eben immer die unmittel- der gegenwärtigen Zeit der Verarmung und bare und unbedingte Gewißheit, die zu einer Teuerung. Selbstperständlich wird über die ganzen, zielbewußten Tat nötig ist. Solche Verwendung gewissenhaft Buch geführt; die Menschen sind darum meist die unent⸗ hier eingenommenen und ausgegebenen Be schlossensten Leute; gedrückt, ratlos, im prak- träge laufen durch die Kirchenrechnung. tischen Leben unbrauchbar. Sie meiden aus In alter Zeit ist das in ähnlicher Weise lauter Angst vor dem falschen Wege die gehandhabt worden, doch gab es damals letzten Folgerungen und halten sich lieber Notstände, die heutzutage nicht mehr vor auf der goldenen Mittelstraße, zufrieden, handen sind. Alten Aufzeichnungen ent⸗ wenn sie niemand zu lieb und niemand zu nehmen wir, wie die kirchliche Liebestätig⸗ leid sind. keit in Gießen früher gestaltet war. Im Ein ehrwürdiger Mann empfing einst in Jahre 1727 gingen im ganzen ein 1611 seinem Garten einen jungen Studenten und Gulden, das ist, wenn man den damaligen bot ihm einen am Boden liegenden Apfel Geldwert in Betracht zieht, eine ganz an⸗ an. In seiner angeborenen Bescheidenheit sehnliche Summe. Der größte Teil hiervon wollte dieser nur die Hälfte annehmen.„O, wurde für im Hospitale untergebrachte diese Halbierer!“ rief der Alte, und das Stadtarme verwendet, nämlich 1406 Gul ing dem Jungen wie ein Pfeil ins Herz. den. Dann heißt es in dieser Aufstellung Sein ganzes Wesen wurde ihm plötzlich weiter, daß 153 Gulden gegeben wurden an klar; er war in allem nur halb, vor allem„frembde und reysende Personen“.„Diese in seinem Glauben. Da wurde ihm dies frembde und reysende Personen haben in Scherzwort der Anlaß, sich seinem Gott ganz sich begriffen 594 Handwercks⸗Gesellen, 26 zu übergeben. Er durfte es erleben: Es gibt Studiosos, 17 getaufte Juden, 56 Brand Geist von Gott, der uns in alle Wahrheit Beschädigte, 78 abgedanckte Soldaten, wo— führt, da, wo wir nicht mehr mit unserm runter 27 Ober- und Unteroffiziere gewesen, Verstand ängstlich hin und her wägen, son⸗ 8 Pfarrer und Pfarrers-Witwen, 13 Schul⸗ dern klare Befehle erhalten; Ich sende dich! meister, 186 Reysende, 19 Kirchenkollekten. und„Tue das, so wirst du leben“.— dt. An gestifteten Almosen sind in der Stadt — 198— kirche und auf'm Rathhause an die hiesige Armen ausgetheilt worden 391 Gulden“ Diese Aufstellung gibt uns etwas Auf⸗ schluß über die damaligen Zustände. Viel mehr als heute zogen vor 200 und noch vor 100 Jahren die Handwerksgesellen zu Fuß durch das Land, zu Fuß, weil sie kein Geld für die Post und das Marktschiff hat⸗ ten. Wir kennen ja aus alten Bildern das Aussehen dieser Wandernden. Als der spä⸗ tere Direktor der Friedberger Blindenanstalt Johann Peter Schäfer im Jahre 1831 als Schneidergeselle auf die Wanderschaft ging. da geschah es, wie er später berichtete, in folgender Aufmachung:„Mittags Uhr wanderte ich fort mit einem wohlgefüllten Felleisen auf dem Rücken, einem mit schwar⸗ zem Wachstuch überzogenen Zylinderhut auf dem Kopf, eine Schnapsflasche, die mir ein Nachbar, der schon in der Fremde gewesen, gefüllt hatte, an der Seite, Schuhe und Ga⸗ maschen an den Füßen und einen festen Knotenstock in der Hand, das Wanderbuch in der Tasche— so verließ ich die Heimat. An Geld' trug ich nicht schwer, ich hatte ganze fünf Gulden bei mir.“ Auf manchem alten Bilde sieht man, wie Handwerksbur⸗ schen„fechtend“ hinter dem Postwagen oder hinter der Chaise einherlaufen. Aber auch arme Studenten, die zu Fuß nach ihrer Heimat wanderten, ließen sich beschenken. Ob es mit den getauften Juden immer seine Richtigkeit hatte, wird wohl zu be⸗ zweifeln sein, es ist nicht ausgeschlossen, daß auch solche als getaufte Juden auftraten, die christlich-germanischen Familien ent⸗ sprossen waren, und denen es nur um das Reisegeld zu tun war. Daß Brandbeschä⸗ digte als Gaben Heischende auftraten, ist daraus zu erklären, daß es damals noch keine Brandversicherung in unserem Sinne gab. Noch vor 40 Jahren zogen in Hessen Brandbeschädigte, die nicht versichert ge⸗ wesen waren, sowie solche, denen ein Stück Vieh zugrunde gegangen war, mit obrig⸗ keitlicher ver, die die Mildtätigkeit ihrer Mitchristen in Anspruch nahmen waren oft um ihres Glaubens willen vertrieben oder auf andern Art stellenlos geworden. Ein trauriges Ka⸗ pitel bilden die abgedankten Militärpersonen. Wenn sie invalid geworden waren, so waren sie der Not und dem Hunger preisgegeben. Ein altes Volkslied sagt:„Komm, häng den Schnappsack um, du bist Soldat gewest“, und der Invalide mit dem Leier⸗ kasten war früher eine oft gesehene Erschei⸗ nung. Im Jahre 1727 wurden hier auch 26 Kol⸗ lektanten„für türckische Gefangene“ unter⸗ stützt. Jahrhundertelang hat man in West⸗ europa für solche gesammelt, die sich in türkischer Gefangenschaft befanden und die man loskaufen wollte. Aber sicher ist auch 0 Bescheinigung durch Stadt und Land. Gewiß auch hier ist manche Unlauter⸗ feit mitunterlaufen. Die Pfarrer und Leh⸗ Bruder, hier viel Betrügerei mit im Spiele gewesen. Es wird im 18. Jahrhundert gewesen sein, da reiste ein Mann durch Holland, um Geld zu sammeln, mit dem 8700 Christen, die sich angeblich in türkischer Gefangenschaft befanden, losgekauft werden sollten. An vielen Orten glückte ihm auch sein Unter⸗ nehmen. Allmählich kam man ihm aber auf die Spur, er war ein Betrüger, der das gesammelte Geld mit schlechten Leuten ver⸗ geudete, und in Herzogenbusch wurde er an den Galgen gehängt. b Rendant Adolf Bieler(1791— 188%. 1(Schluß.) Jetzt wurde der Halbkreis enger und enger, schon durchfurchten feindliche Kugeln dieses Chaos aller Waffengattungen. Da brachte die äußerste Not, wie immer, auch uns die rasche Rettung, auf eine schauderhafte, ent⸗ setzliche Weise. Plötzlich, der Verzweiflung nahe, drangen wir, in eine dichte Masse geschart, nahe am Ufer mit gefälltem Ba⸗ jonett und unwiderstehlicher Gewalt vor⸗ wärts, mit Löwenmut jedes sich uns ent⸗ gegenstemmende Hindernis werfend, und nur auf diese heroische Weise war es möglich. über manche Leichname schreitend, die Brücke zu erreichen. Hier war nun freilich Platz genug, und wir gingen, die schadhaften Stel⸗ len meidend, unversehrt hinüber, um am jenseitigen Ufer angelangt, alsbald links im Walde dem feindlichen Feuer entgegenzu⸗ eilen. Gegen Abend setzten wir unseren Marsch durch die Wälder und über Knüppeldämme weiter fort, die Russen mit Wittgenstein hinter uns lassend. c. Der Sauerkrautorden. Außer anderen Eigentümlichkeiten besaß der Kommandeur des 2. Bataillons des Leibregiments die Eigenschaft, ein großer Konfusionsrat zu sein. Erwähntes Bataillon hatte gegen Ende unseres Aufenthaltes in Moskau vor dem Kaiser Napoleon eine Revue zu passieren. Ein Sergeant Abel war in neuester Zeit täglich und stündlich bei dem Bataillonschef mit Einmachen von Sauer⸗ kraut und überhaupt nach Kräften für die Versorgung desselben bemüht und beschäftigt gewesen. Als nun der Kaiser einige Braven bezeichnet haben wollte, kam der Chef so sehr in Verlegenheit, daß er nicht imstande war, einige Fassung über sich zu gewinnen und stotternd den ihm im Gedächtnisse und seiner Menage gegenwärtigen Sergeanten Abel nannte. Hierauf erfolgte die Erteilung des Ordens der Ehrenlegion. Ueber dieses un⸗ schickliche Benehmen des Majors wurde über⸗ all tadelnd geurteilt, und die So daten nann⸗ ten die Auszeichnung Abels, eines sonst un⸗ bescholtenen älteren Unteroffiziers, den Sauerkrautorden, und zwar von Rechts wegen. „ ee eee r 8 . K 2 * Ur m II sch me ein d. Der Pudel. Nachdem es unter vielen Anstrengungen gelungen war, die entkräfteten, abgematteten und erstarrten Soldaten auf die Beine zu bringen, wofür sich der Chef des Hessischen Leibregiments mit schäumendem Munde, unter Toben, Zanken und Fluchen viele Mühe gab und den kranken Hauptmann Gilbert ausschalt und seinem Schicksale über⸗ lassen wollte, wenn er nicht der Schlacht beiwohne(es handelt sich um die Schlacht von Grasnoi), ja sogar im Zorne einen arm⸗ seligen Franzosen, der nicht recht auf⸗ und fortkommen konnte, mit seinem Degen durch⸗ bohrte, brachen wir nach einer äußerst kalten und wie gewöhnlich schlaflosen Nacht, nur mit einigen abgesottenen, noch harten Roggenkörnern genährt, in aller Frühe am 17. November 1812 von Grasnoi auf, die Fortsetzung unseres kläglichen Rückzuges er⸗ wartend. In dieser Voraussetzung sah man sich aber bald sehr getäuscht; denn anstatt die Straße nach Smolensk und Wilna zu ver⸗ folgen, schlugen wir die entgegengesetzte ein und marschierten in der Richtung zurück, von welcher wir tags zuvor gekommen waren. Zwar freuten wir uns schon, auf die sich vor uns zeigenden Kosaken ein Treibjagen anzustellen, indessen sollte sich die Szene plötzlich ändern. Die Söhne der Wüste, die sich zwischen uns und dem über einen Tage⸗ marsch zurückgebliebenen Korps Ney befan⸗ den, suchten bei unserer Annäherung schnell das Weite, und rechts abschwenkend befanden wir uns bald an unserem linken Flügel, neben der französischen jungen Garde und ihren Geschützen der russischen Streitmacht gegenüber, die nicht ermangelte, uns mit ihren Feuerschlünden recht lebhaft zu emp⸗ fangen. dem linken Flügel beschossen, standen wir, Gewehr im Arm, fast unbeweglich den ganzen Tag über im heftigsten Geschützfeuer. Eine Fahne wurde uns zertrümmert, außer vielen Soldaten blieben elf Offiziere auf dem Plaße, dem Oberst wurden zwei Pferde nacheinander unter dem Leibe getötet. Durch unsere Untätigkeit hatten wir Muße, die Aufmerksamkeit auf einen Umstand ganz eigener Art hinzuwenden. Der Bataillons⸗ tambour Buchenau hatte einen großen und schönen Pudel. Während jener die Taschen der Gefallenen nach Lebensmitteln durch⸗ suchte, machte dieser die wunderlichsten Ka⸗ priolen. Unermüdlich verfolgte das unschul⸗ dige Tier, keine Gefahr ahnend, eine jede in seiner Nähe einschlagende Kugel, in der Absicht, sie spielend zu apportieren. Durch die Menge der Kugeln, die mitunter Schnee und Eis aufrissen, vor und hinter ihm auf⸗ schlugen und ihn so in Verlegenheit setzten, wohin er sich zunächst mit Erfolg springend wenden solle, wurde dieses interessante Schau⸗ syiel, im stärksten Kontrast mit dem großen Drama, recht ergötzlich, doch blieb jede An⸗ Von zwei Seiten, von der Front und — 199— strengung, mit wie großer Körpergewandtheit auch das Tier eine Kugel zu erhaschen suchte, obgleich manche ihn zu berühren schien, zum Glück für ihn, erfolglos, und gewährte uns dieses harmlose Spiel, trotz der Schrecken des Kampfes einige Erheiterung 5 unserer verzweiflungsvollen, trostlosen Lage. e. Das Opfer der Treue. Ein seltenes Beispiel der Hingebung, Treue, Liebe und Aufopferung eines Sol- daten für einen Vorgesetzten ist mir bekannt geworden. Zur Beurteilung der Tat werfen wir einen flüchtigen Blick auf die handelnden Personen. Der Leutnant Sommer vom zweiten Bataillon war ein Mann von etwa 20 Jahren, von Gestalt klein, aber korpulent, mit rundem, blühendem Gesichte, hellblonden Locken und im höchsten Grade mit der Eitelkeit behaftet. In seinem Tun und Lassen ein gewöhnlicher Mensch, stand er mit keinem der Soldaten in näherer Be- ziehung, außer daß er von einem derselben bedient wurde. Dieser Soldat hieß Georg Andreas Gerlach von Fellingshausen bei Gießen und konnte in gleichem Alter sein wie Sommer. Er war von Natur klein und etwas hager, aber dennoch stark und kräftig, hatte dunkles, krauses Haar, eine stumpfe Nase, hervorstehende Stirn und hervorstehendes Kinn. Sein Wesen war heiter und doch be— sonnen, im Dienste war er ohne Tadel. Als auf dem Schlachtfeld von Grasnoi dem Leutnant Sommer ein Bein zerschmettert wurde, brach er in eine erbärmliche Rede aus, worin er die Umstehenden ermahnte und warnte, ihre Söhne niemals Soldaten wer⸗ den zu lassen und an seinem Geschicke sich ein warnendes Beispiel zu nehmen. Bei der furchtbaren Kälte konnten die Verwundeten nur mit der größten Mühe von dem Schlacht— feld nach dem dreiviertel Stunden entfernten Grasnoi verbracht werden. Hier, in einem gelb angestrichenen Gebäude, rechts im zwei⸗ ten Zimmer des Erdgeschosses— das erste Zimmer war mit verwundeten Franzosen an⸗ gefüllt— wurden die schwer Blessierten auf hartem Boden gebettet. Obgleich Oberarzt Hoffmann alles zur Linderung der Unglück⸗ lichen tat, so war doch weder Trost noch Hoffnung für sie zu exwarten. Hauptmann Raabe war schwer verletzt, Leutnant Som⸗ mer und Leutnant Weidig hatten Beinver letzungen, Leutnant Hallwachs hatte eine zer⸗ schossene Ferse, dem Hauptmann Stumpf war das Schienbein eingeschlagen, Leutnant Stein war am Arm verwundet. Erzähler dieses hatte mit noch einigen Kameraden wohl dreiviertel Stunden lang bei diesen Schlachtopfern hilfreich verweilt, als sich der Rest der Armee, vom Schlacht- felde kommend, durch Grasnoi zurückzog. Da trat der Oberst in die Stube, nahm eiligst Abschied von den Offizieren und sagte unter anderem:„Meine Herren, wir sind alle verloren.“ Nach seiner Entfernung mach — 200— ten auch wir Anstalten zum Rückzug, den in der Zubereitung begriffenen Kaffee nicht ab⸗ wartend. Bei unserem bitteren Abschied erklärte nun Gerlach, den gewissen Tod vor Augen sehend, indem bald, wie leicht zu vermuten ist, das Gebäude mit seinem ganzen Inhalte ab⸗ brannte, daß er seinen Herrn und Leutnant nicht verlassen wolle, und blieb trotz aller Gegenvorstellungen bei den schwerverwun⸗ deten und sterbenden Offizieren, ihnen die⸗ nend, zurück. Sein Los war nicht beneidens⸗ wert, aber seine schöne Tat, seine Hingebung, das freiwillige Opfer seines Lebens, verdient eine ehrende Anerkennung. Anmerkung der Redaktion. Bie⸗ ler scheint zunächst nicht ganz sicher gewesen zu sein, ob der treue Soldat in Rußland sein Leben geendet habe oder ob er in die Heimat zurückgekehrt ist; er wandte sich des⸗ halb im Jahre 1844 an den Bürgermeister von Fellingshausen. Dieser schrieb zurück, daß Georg Andreas Gerlach in Rußland verschollen sei. 31 Jahre nach, seinem Tode lebten noch sechs seiner Geschwister. f. Die Macht der Gewohnheit. (Am 18. November 1841.) Es war am 18. November 1841, als das von Sr. Königlichen Hoheit dem Groß- herzog von Hessen für die Krieger des Vaterlandes gestiftete Felddienstzeichen im Kreise Gießen dahier feierlichst verteilt wurde. Nach diesem Akte fand ein solennes Mahl statt, und wohl an 400 Veteranen, wobei sich über 300 Landleute und keine aktiven Militärs befanden, hatten 9 versammelt. Wenn erwähnt wird, daß sich viele bei diesem Freudenfeste seit den Feldzügen, also min⸗ destens seit 26 Jahren, zum erstenmal wieder⸗ sahen und herzlich begrüßten, wenn das Innern der Brust von der Flamme der Begeisterung für den allverehrten Landes⸗ fürsten tief ergriffen wurde, so kann man hieraus auf die allgemeine Heiterkeit schließen. Durch völlige Hingebung artete aber nach und nach der Frohsinn in ein so lärmendes Getöse aus, daß man sich inmitten eines Rottenfeuers oder an dem Ufer der sturm⸗ bewegten See zu befinden glaubte. Unter diesen Umständen war es keinem Sprecher möglich, zur Ausbringung eines Toastes sich irgendwie Gehör zu verschaffen, und man verzweifelte an Herstellung der Ruhe und Ordnung bei den jugendlich be⸗ geisterten Gemütern der ehrwürdig ergrauten ö Uleine Mitteilungen. Die lutherische Kirche in Lettland ist in größter Bedrängnis. Das neue Agrargesetz läßt jeder Kirche als Kirchenvermögen nur noch 50 Hektar Landes, und auch diese können meist wegen Mangels an Inventar nicht bewirtschaftet werden. 32 Pastoren sind von den Kommunisten ermordet, andere ge⸗ flohen; 40 Prozent der Landespfarren stehen leer. 0* Zum Besten des Studentenheims findet Donnerstag, 15. Dez., abends 8 Uhr, im Katholischen Vereinshause eine Abendfeier statt, zu der die Herren Geheimrat D. Krüger, stud. med. Schliephake und stud. math. Delp musikalische Darbietungen zu⸗ gesagt haben. Ein Hirtensp'el„Die Ver⸗ kündigung“ kommt zur Auffül rung der Ein⸗ trittspreis beträgt 5 Mk. Im Hinblick auf den guten Zweck sei diese Veranstaltung unseren Gemeindegliedern empfohlen. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 11. Dezember, 3. Advent. Kollekte für die ev. Gemeinde Weickartshain. In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrassistent Becker.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarrer Becker.— Abends 5 Uhr: Pfarrer Mahr.— Montag den 12. Dezember, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib⸗ lichen Jugend der Markusgemeinde.— Mon⸗ tag den 12. Dezember, abends 8 Uhr: Zu⸗ sammenkunft des Frauenvereins der Mat⸗ thäusgemeinde.— Dienstag den 13. De⸗ zember, nachmittags 4 Uhr: Frauenmissions⸗ verein. In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr. zugleich Militärgottesdienst: Pfarrer Aus⸗ feld. Beichte und Feier des heiligen Abend⸗ mahls für die Militärgemeinde.— Vormit⸗ tags 11 Uhr: Kinderkirche für die Jo⸗ hannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Abends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für die Lukas⸗ gemeinde.— Abends 7¼ Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde.— Montag den 12. De⸗ zember, abends 7 Uhr: Jugendvereinigung der Lukasgemeinde(männliche Abteilung). * Wartburg verein. Sonntag, 11. Dez., abends 8: Bekannt⸗ — Kämpen. Da aber richtete ich mich als Chef machung über Weihnachtsfeier, Bericht über des Ganzen auf, erhob meinen Kommando⸗ Versammlung des Hessenbundes. stab und rief mit lauter Stimme:„Achtung!“ 1 Und gleich wie der vernichtende Blitzstrahl den Moment des Erstaunens und Schweigens 1 bedingt, so war die ganze Versammlung Kinder, die für die Weihnachtsfeier vor⸗ lautlos„gefesselt vom starren Kommando“, tragen wollen, melden sich bei Frau Scholz, und der Vortrag wurde mit Andacht ver- Kreuzplatz. Geschenke für die Verlosung an nommen. Herrn Weller erbeten.. Evang. Arbeiterverein. Berantworflich Pfarrer Bechtölshelmer Drück und Berlag der Brüßhl'schen Untversstäfs-Büch⸗ zind Steindrucker⸗ N. Lauge. Gießen 7 er e —— eee eee