— unserer Feinde verschlossen. 4 onntags gruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen 2 Gießen, J. Sonntag n. Ep., den 9 Januar 1921 10. Jahrg. Landesmissionsfest. 1. Chronik 15, 7. Ihr aber seid getrost und tut eure Hände nicht ab; denn euer Werk hat seinen Lohn. Missionsfeste sind vor dem Kriege immer fröhliche Feste gewesen. Da kamen viele Teilnehmer in den Dorf- oder Stadtkirchen zusammen, oft auch unter freien Himmel, unter rauschenden Bäumen. Man sang die alten herzerhebenden Mi i sionslieder„Wach auf, du Geist der ersten Zeugen“ oder„Eine Herde und ein Hirt“, Missionare berich— teten von ihrer Arbeit unter den Heiden oder von dem Stande der Missionsarbeit überhaupt, und allemal kam eine reiche Kollekte für diese Reichsgo tesarbeit zusam⸗ men. Unser hessisches Landesmi'stionsfest liegt nicht gerade günstig, es fällt mitten in den Winter, in eine Zeit, da wegen der vorausgegangenen Festtage die Zahl der Kirchenbesucher nicht eben groß ist, aber es war doch seither stets ein schönes Fest, das zu den Höhen des christlichen Glaubens- lebens hinansührte und Senn für die Acbeit weckte, die das Evangelium den Heiden bringen will. Nun liegt über diesem Feste etwas wie Resignation, wie Enttäuschung, wie Schmerz über fehlgeschlagene Erwar⸗ tung; denn der Krieg und sein für uns unglücklicher Ausgang hat das Missions⸗ werk emp indlich gestört. Insbesondere ist die deutsche Mis ion in ihrer Arbeit ge⸗ hemmt, Arbeitsfelder, die sie seit Jahr⸗ zehnten pflegte, sind ihr durch die Gewalt Dennoch sind wir nicht mutlos. Gottes Werk kann wohl einmal aufgehalten, nie— mals aber ganz zu nichte gemacht werden. Mancher Bach versiegt im trockenen Som mer, um im Herbste wieder wasserreich da- hinzu fließen. Allen Missionsarbeitern und allen, die die Heidenmission durch ihre Gaben fördern und für sie beten, gilt das Wort: Ihr aber seid getrost und tut eure Hände nicht ab; denn euer Werk hat seinen Lohn. Heidenmission ist Gottes ureigenes Werk, und dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn. H. B. a Ein Winter an der Bzura. Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns d. R. e e 1 in Gießen. (Schlu Mit Schaudern lese ich von den„Er- folgen“ der Fliegerbomben in heimgesuchten Städten, toten Frauen und Kindern. Grauenhaft! Und wie beruhigt es mich, daß Ihr in Gießen vor solchem Besuch sicher seid, ich könnte sonst nicht einmal mit einiger Ruhe an Euch denlen. Brief vom 26. Februar 1915: Du willst wissen, wie es in mir aussieht. Die sehr gedrückte Stimmung, aus der ich anfangs des Monats an Dich schrieb, war wohl mit durch meine sehr unangenehme Erkältung und das völlige Einsitzen ver⸗ schuldet. Die Erkältung bin ich nun, Gott sei Dank, gauz los. Auch meine Augen lich hatte eine heftige Augenentzündung) sind wieder fast völlig ge und. Ich mache mir täglich mehrmals hinter der Scheuer/ bis eine Stunde Bewegung. Wenn wirerst wieder in Bronislawy sind, kann ich auch wiedert reiten. Also meine Stimmung ist jetzt viel besser, aber meine Nerven sind nicht wieder so kräftig geworden, wie sie vor meiner Ver⸗ wundung waren. Und noch ein anderes kommt hinzu. Ich, wir beide, denken jetzt zu sehr an unser eigenes kleines Geschick, unser Glück. Dabei handelt es sich um das Schicksal des ganzen Volkes. Da kommt es auf mein Leben, auf das Glück meiner Fa milie für die Allgemeinheit nicht an. Durch meinen Aufenthalt bei Dir nach meiner Verwundung und aus Deinem Brief habe ich erst recht erkannt, was ich Dir bin, und ich weiß jetzt erst recht, was Du ver⸗ lieren würdest, wenn ich nicht mehr heim⸗ käme. Dieses alles läßt mich mehr am Leben hängen, weniger zum Opfern bereit zu sein, als das Vaterland es jetzt von. seinen Männern verlangt, verlangen muß. Brief vom 10. März 1915, Wie gut haben es die Offiziere und Soldaten, die nicht verheiratet sind. Wenn ich Dich und die Kinder nicht hätte, für die ich leben will, wäre mir jetzt alles gleichgültig. Da könnte der Krieg dauern, so lange er wollte; sie könnten mich totschleßen. Aber so hat mein Leben ja nicht nur, abgesehen von der Allgemeinheit, für mich allein Wert und Bedeutung. Du schreibst, Du könntest den Begriff eines guten Gottes mit den Grausamkeiten und Härten des Krieges nicht in Einklang bringen. Mein Gottesglaube ist während des Krieges noch keine Minute wanlend ge⸗ worden. Ich bete morgens und abends mein gewohntes Gebet, und wenn eine besondere Gefahr droht, rufe ich ihn um Schutz an. Gott hat doch diesen Krieg nicht gemacht, auch nicht gewollt, sondern er hat ihn zu— r — . 8 —— 8 7 r Willen, weil er den Menschen⸗ den freien Willen gegeben hat, der die unbedingte Vor⸗ aussetzung eines subjektiv sittlichen Handels sehr hoch gestiegen und strebt nicht nach Verwirklichung des Gebotes: Nächsten als dich selbst!“, sondern sie folgt mehr der Eigenliebe, dem Eigennutz und hat dadurch das furchtbare Elend dieses Krieges heraufbeschworen, an dessen Ende alle Völker erschöpft sein werden. Ich habe aber die Zuversicht, daß diese schwere Prü⸗ fung, zum wenigsten bei unserem deutschen Volk eine sittliche Wiedergeburt und Höher⸗ entwicklung zur Folge haben wird. An⸗ zeichen sind jetzt schon in reichem Maße vor⸗ handen. Nach dem Friedensschluß muß nur dafür gesorgt werden, daß nicht mit dem Aufhören der Not auch die innere Erhebung dahinschwindet. Und daran zu wirken, wird späterhin eine dankenswerte Aufgabe sein im Dienste des Vaterlandes und des deut⸗ schen Volkes. 9 1 Krieg t nauch, wie nötig es schon in 5 5 Kindern die Liebe zum lend zu wecken und bei den Erwachse⸗ nen, namentlich auch den Frauen, sie wach zu erhalten, denn ohne diese Liebe wäre das deutsche Volk, die im Felde stehenden Soldaten und die daheimgebliedenen Frauen, nicht fähig gewesen, bereitwillig dem Vater⸗ land die schweren Opfer zu bringen, die dieser Krieg allen unmittelbar und mittelbar daran Beteiligten auferlegt. Und Du sollst, wenn ich unsere Kinder nicht miterziehen könnte, ihnen auch diese hingebende Liebe zum Vaterland als ein Vermächtnis von mir mit ins Leben geben. Brief vom 20. März 1915. Am letzten Nachmittag in Dembsk saß ich 1 121 in unserem hübschen Zimmer. Der Blick fiel durch die Fenster auf die sonnenbeschienenen, noch leicht beschneiten Felder; man hörte keinen Schuß fallen, es war so friedlich ringsum. Ich las in einem Osterblatt von einem Landsturmmann, der draußen ver⸗ wundet worden ist und sich nun auf der Heimfahrt befindet. Seine Frau und Kinder warten ihn klopfenden Herzens; die Frau crägt das Jüngste, ein Kriegskind, das der Vater noch nicht gesehen, auf dem Arm. Ein Wagen hält vor dem Haus; voll Un⸗ geduld eilen die Kinder hinaus. Aber das ist ja nicht der Vater, ein fremder Soldat ist's, mit einem Vollbart. Enttäuscht kehren sie zur Mutter zurück und teilen ihr dies mit. Doch sie schließt beglückt ihren Mann mit dem Kriegerbart in die Arme, und nun erkennen auch die Kinder in dem fremden Soldaten den Vater wieder.— Kannst Du Dir vorstellen, mit welchen Empfindungen ich diese Geschichte gelesen habe? Meine Augen wurden voll Tränen. Wann wird enn dieser beglückende Augenblick beschieden ein ꝰ. „Liebe deinen Brief vom 21. März 1915. Sonu⸗ i tagmorgen. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein. Wir gingen spazieren nach ist. Bis jetzt ist die Menschheit noch nicht P gingen spazi ch Szezonow, und es war eine Freude, sich einmal ganz frei und ungefährdet bewegen zu können; auch gar nicht schießen zu hören. Wenn diese angenehme Ruhepause nur kein allzu rasches Ende findet. Gar übel sind doch die Männer daran, die jetzt als Landsturm ohne Waffen ein⸗ gezogen werden und nach kurzer Ausbil⸗ dungszeit ins Feld kommen. Sie kommen größtenteils zur Infanterie, und das Leben im Schützengraben und in engen oft schmutzi⸗ gen Quartieren wird gar manchen recht schwer werden. Und für die Aelteren sind auch die körperlichen Anstrengungen recht unangenehm. Als Offizier genießt man doch manche Bequemlichkeit und Annehmlichkeit gegenüber den Mannscha ten, was einem das Kriegsleben erleichtert. Um keine Un⸗ zufriedenheit zu erregen, beschränke ich diese allerdings, was Essen und Trinken und Unterkunft anlangt, soweit wie möglich. Die Frage, ob der Mann im Felde oder die Frau daheim seelisch mehr leidet, die Du in deinem letzten Brief erwähnst, wird nie entschieden werden können. Die Emp⸗ findungen beider sind verschieden und ebenso die Leiden. Ich muß sagen, die Aussicht auf ein wenn auch schwieriges Leben der Frau, das der Erziehung und der Sorge für die Kinder gewidmet ist, erscheint mir immer⸗ hin erfreul icher, als die Aussicht auf den Tod in jungen Jahren. Vor allem, da man auch nicht weiß, wie er kommt. Es hat nicht jeder, der fällt, das Glück, duech Kopf- oder Herzschuß im Feuer zu bleiben. Und wir denken doch auch dabei nicht nur an uns, sondern auch an das Schicksal unserer Frauen und Kinder. Jeder, der an diesem Kriege unmittelbar oder durch nächste An⸗ gehörige. die im Felde stehen, bet ei igt ist, trägt sein vollgerütteltes Maß von Leid. Nunmehr erfolgte der Abtransport nach den Karpathen. Die Reise dorthin und die folgende Osterfeier habe ich im Sonntags⸗ gruß Jahrgang 1919, Nr. 13) beschrieben. Wie es uns dort in. den Karpathen weiter erging, kann ich ein andermal erzählen. Bilder aus dem Uriegsgefangenen⸗ lager Gießen. Von Studienrat Prof. Dr. Fritz Schmoll, Hauptmann d. Res. a. D. (Fortsetzung.) Noch ein letztes Bild! Die Post im Lager! Da ich mehr als zwei Jahre der sog. 5 prüfungsstelle vorgestanden habe, so bewege ich mich hier auf einem wohlvertrauten Gebiete. Es ist die Zentrale, bei der alle Postsendungen, 7 5 Palete und Geld ein⸗ laufen und von der die Briefe ausgehen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob Emp⸗ — — —— fänger oder Absender sich im Lager selbst befinden oder auf einem Arbeitskommando leben. Wenn man bedeunlt, daß zum hiesigen Lager zeitweise über 20000 Gefangene ge⸗ hörten, so mag man sich ein Bild von der ungeheuren Arbeitslast machen, die bewältigt werden mußte; denn jeder Brief und jedes Paket war auf seinen Inhalt zu prüfen. Ich entsinne mich, daß in manchen Mo⸗ naten mehr als 400000 Briefe und Post⸗ karten, und 120— 150 000 Pakete zu prüfen waren. Diese Gesamtarbeit mußte mit einem Personal von rund 290 Köpfen geleistet werden, die sich auf die Brief-, Geld- und Paketabteilung verteilten. Bei letzterer waren außerdem täglich etwa 300 Gefangene mit mechanischen Arbeiten beschäftigt, bei den anderen Abteilungen entsprechend weniger. Bei der Briefabteilung lag 40—50 Dolmetschern, seit der Einführung des Hilfsdienstgesetzes beiderlei Geschlechtes, die Prüfung der ein⸗ und ausgehenden Briese und Postkarten ob. Während die Zahl der ausgehenden Sen⸗ dungen festgelegt war, indem jeder Briefen usw. kannten frei, beliebig oft zu schreiben. In⸗ folgedessen war die Anzahl der eingehenden Sendungen stets erheblich höher als die der ausgehenden. Jeder Brief mußte geprüft, also gelesen werden, bei achtstündiger Ar- beitszeit eine äußerst anstrengende Tätig⸗ keit, da eine mangelhafte Prüfung die schwersten Folgen haben konnte. Galt es doch, durch die Aufmerksamkeit der Dol⸗ metscher zu verhindern, daß militärisch oder wirtschaftlich wichtige Nachrichten durch Kriegsgefangenenbriefe in die feindlichen Länder gelangten, andererseits derartige Mitteilungen in eingehenden Briesen zweck⸗ dienlich zu verwerten. Und es waren zu⸗ weilen äußerst wichtige und interessante Nachrichten, die es in den Briefen zu lesen gab. Gesammelt und kritisch ge ichtet muß⸗ ten sie stets ein ziemlich getreues Spiegelbild der Verhältnisse im Auslande geben. Nach erfolgter Prüfung wurden die eingegange— nen Briefsachen sortiert nach Kompagnien zund Arbeitskommandos und ausgegeben, bzw. den Arbeitskommandos zweimal wöchentlich zugesandt. Die ausgehenden Sendungen unterlagen einer Liegefrist von 10 Tagen, d. h. sie durften frühestens am 11. Tage, nachdem sie geschrieben waren, das Lager verlassen. Der Grund ist einleuchtend. Es sollte da⸗ durch erreicht werden, daß wichtige Nach— richten, die für die Heimat bestimmt waren, veralteten und dadurch an Wert einbüßten, falls sie etwa aus irgend einem Grunde der Aufmerksamkeit des prüfenden Dol⸗ metschers entgangen sein könnten. Natürlich wurde immer wieder der Versuch gemacht, den etwa auch Zivilpersonen Ge⸗ fangene monatlich 2 Briefe und 4 Postlarten schreiben durfte, war für den Empfang von keine Norm vorgeschrieben; es stand also den Angehörigen und Be⸗ N die Zeusur unwirksam zu machen, indem man sich verabredeter Zeichen oder Ausdrücke bediente, die an sich harmlos erschienen, aber in bestimmtem Zusammenhang gebraucht, der Nachrichtenvermittlung dienen sollten. Es mußte also der prüfende Dolmetscher möglichst findiger sein als der Schreiber, und es war manchmal erstaunlich, was für Mittel ausgesonnen wurden, um den Prüfer zu täuschen. Am erfindungsreichsten waren auch hier entschieden die Franzosen. Diese bedienten sich auch sehr oft der sog. Geheim schrift, d. h. sie schrieben vielfach mit un sichtbarer Tinte. Entweder füllten sie mit solcher Geheimschrift die freigelassenen Teile des Briefbogens, das Innere des Um⸗ schlags, oder sie schrieben mit Geheimschrift zwischen die Zeilen des mit Blei oder richtiger Tinte geschriebenen Briefes. Als Geheimtinte kommen vielerlei Säfte in Betracht, z. B. Speichel, Zwiebelsaft, Stärke löfung, Reiswasser, Milch, Zuckerwasser, Eisenchloridlösung und viele andere. Nur bei sehr genauer Prüfung mit dem Auge iße das Vorhandensein solcher Gebeimechrist zuweilen zu erkennen, in den meisten Fällen überhaupt nicht. Wohl aber erscheint die Schrift viel fach schon bei einfachem Erwärmen am Ofen, am sichersten allerdings infolge chemi scher Einwirkung. Je nach der verwendeten Tinte und den zur Sichtbarmachung be Uutzten Chemikalien kann eine solche Geheim schrift wundervoll blau, rot oder oft braun entwickelt und gelesen werden. Man kann sie dann wieder bleichen, also verschwinden lassen, und der Empfänger des Briefes, der Geheimschrift vermutet, kann sie trotz— dem wieder hervorrufen. Eine solche che mische Prüfung der Briefe ist also von hoher Bedeutung, durch sie können gefährliche An— schläge, Spionage- und Sabotagepläne unter Umständen aufgedeckt und vereitelt werden. Natürlich erfordert ihre Anwendung viel Zeit und besondere Einrichtungen, soll sie planmäßig durchgeführt werden.— Zu der Postprüfungsstelle gehörte eine Geldabteilung, von einem Bankbeam⸗ ten geleitet. Jahrelang hat sich Herr Dietz von der hiesigen Bank für Handel und Industrie dieser äußerst verantwortungs— vollen und vielseitigen Aufgabe gewidmet. Täglich trafen hunderte von Geldsendungen ein. Die Postanweisungen mußten natürlich genau in ein Hauptbuch eingetragen werden, jeder Gefangene besaß eine besondere Konto— karte, auf der er den erhaltenen Betrag oder eine von ihm gewünschte Teilsumme quit— tierte.(Schluß folgt.) Uleine Mitteilungen. Deutsche Mädchen meidet die Schweiz! Täglich lockt die Valuta ein halbes Hundert stelleusu der deutscher Mädchen nach der Schweiz Pinüber. Nicht immer sind es die besten Elemente. Das hat zu solchem Ueberangebot geführt, daß auch gute Familien nur noch Mädchen mir lang⸗ jährigen Zeugnissen und guten Keuntnissen annehmen. Viele sitzen nun beschäftigungs⸗ los da und das Leben ist teuer. Leider hat auch der früher so gute Ruf deutscher Mäd⸗ chen unter diesen Umständen erheblich ge⸗ lit en; man hört Aeußerungen wie:„Sie stehlen alle und sind moralisch minderwer⸗ tig.“ Sind solche Urteile gleich in ihrer Ver⸗ allgemeinerung ungerecht, so sollen sie doch als Warnungsruf nicht ungehört bleiben. Vor kurzem sind die letzten Missionsange⸗ hörigen der Berliner Mission aus Ostafrika zurückgekehrt, nämlich Missionar Prie⸗ busscch mit Frau und Frau Superintendent Nauhaus mit 6 Kindern, die sich nach mehr als Zjähriger Trennung mit ihrem in ägyp⸗ tische Gefangenschaft fortgeführten Vater endlich im Berliner Misssonshaus wieder zu—⸗ sammensanden. Misfionar Priebusch hat vor seiner Abreise den in Mi sionskreisen weit⸗ hin bekannten farbigen Helser Martin Nga⸗ nischo in Daresfsalam zum Pastor ordiniert, um die Gemeinden, von deren gesunder christlicher Zucht er viel Erfreuliches berich⸗ ten kann, nicht ganz ohne Hirten zurück⸗ zulassen. Diefer erste farbige Ordinierte der Berliner Mission auf ihrem ostafrilanischen Arbeitsfelde, und die Bewährung der so hart geprüsten Gemeinden bedeuten Lichtblicke gegenüber der schmerzlichen Tatsache, daß nun auch der letzte Rest der so hoffnungs⸗ vollen Berliner Missionsarbeit aus afrika verschwunden ist. Nach einer Meldung von katholischer Seite ist in Sachsen der Pfarrer von Lau⸗ sigk Dr. Albani zur römischen Kirche übergetreten und ins Kloster gegangen, Al⸗ bani gehörte den Kreisen der hochkirchlichen Vereinigung an und machte schon früher da⸗ durch von sich reden, daß er der Wieder⸗ einführung der Messe das Wort rede e. Aus der römischen Kirche ist ausgetreten der frühere päpstliche Geheimkämmerer Monsignore Rudolf v. Gerlach. Prälat v. Gerlach stammt aus Bayern und war Sch ler der päpstlichen Diplomatenakademie Dei nobili Ecclesiastici. Er machte von sich im Kriege reden durch seinen Handel mit dem französischen Kardinal Dubourg, der aus seiner Hand den Kardinalshut anzu⸗ nehmen sich weigerte. Im Kriege verurteil⸗ ten ihn die Italiener wegen angeblicher Spionage. Augenblicklich gibt er seine Me⸗ moiren über seinen Aufenthalt im Vati⸗ kan heraus.*. Im Jahre 1920 fanden an Amtshand⸗ lungen in unseren Gemeinden statt: in der Mat häusgemeinde 104 Trauungen, 124 Taufen, 82 Beerdigungen; in der Markus⸗ gemeinde 81 Trauungen. 112 Taufen, 60 Beerdigungen; in der Lukasgemeinde 115 Trauungen, 164 Taufen, 94 Beerdigungen: Ost⸗ in der Johannesgemeinde 90 Trauungen, 117 Taufen, 60 Beeroigungen. Konsirmiert wurden in der Matehäusgemeinde 110, in der Markusgemeinde 99, in der Lukasge⸗ meinde 159, in der Johannesgemeinde 104 Kinder. 4 Am 2. Januar wurde im Vormittags⸗ gottesdienste der Stadtkirche Pfarrassistent Karl Müller aus Offenbach durch Herrn Dekan Gußmann⸗Kirchberg ordiniert. In⸗ dem die obere Kirchenbehörde nun den zwei⸗ ten Pfarrassistenten für Gießen bestellt hat, hat sie eine schon vor mehreren Jahren vom Gesamtkirchenvorstande ausgesprochene Bitte erfüllt. Da während des Krieges und unmittelbar nach dem Kriege nur sehr we⸗ mige Kanbidaten zur Verfügung standen, kounte diese Maßnahme erst jetzt getroffen werden. Daß eine Vermehrung der Kräfte nötig war, beweisen die oben mitgeteilten Zahlen der Amtshandlungen des abgelau⸗ fenen Jahres. Pfarrassistent Ramge ist der Stadtkirche bzw. der Matchäus⸗ und Mar⸗ lusgemeinde, Pfarrassistent Müller der Jo⸗ hanneskirche bzw. der Lulas⸗ und Johannes⸗ gemeinde zugeteilt. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, 9 Ignuar 1. n. Kollekte für die Heidenmission. In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Mahr.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr,— Abends 5 Uhr: Pfarrer Becker.— Montag, 10. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konsirmierten weib⸗ lichen Jugend der Markusgemeinde.— Donnerstag, 13. Januar, versammelt sich der Frauenverein der Markusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr: Pfarras istent Müller.— Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 5 Uhr: Pfacrer Ausfeld.— Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal: Pfarrer Adolph.— Mon⸗ tag, 10. Januar, abends ½8 Uhr: Ver⸗ einigung der konfirmierten weibl. Jugend der Lukasgemeinde.— Freitag, 14. Ja⸗ nuar, abends ½6 Uhr: Vereinigung der kon⸗ sirmierten männlichen Jugend der Johan⸗ nesgemeinde Evang. Arbeiter verein. Wir machen auf die Ende Januar statt⸗ findende geistliche Musikaufführung in der Stadtkirche aufmerksam. Wartburg⸗ Verein. Sonntag, 9. Januar, abends 8½ Uhr, Mitgliederversammlung der Männer- und Jugendabteilung im Heim. Tagesordnung: Vereinsarbeit im neuen Jahr, Trennung der Abteilungen und Einteilung der Jugend⸗ Abteilung. Bekanntmachung über neue Vor⸗ stalulen Größere Veranstaltungen im Jahre 88 Jedes Mitglied wird um pünktliches Erscheinen dringend gebeten. Verantwortlich: Pfarrer Bechtols! heim er. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen. Epiphanias. standswahl. Vorlegen von neuen Vereins⸗ 3