—— — onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen 10 Gießen, Lätare, den 6. März 1921 O. Jahrg. Ein Feierabendklang. Kol. 3, 15. Der Friede Gottes regiere in euren Herzen. Durch eine stille Dorfstraße führte mich vor kurzem der Weg, als der Abend schon tief hereindunkelte. Plötzlich strahlte ein heller Schein vor mir auf, von den Fenstern der kleinen Kirche her. Die Glocke rief zur Passionsandacht. Obwohl wegmüde, trat ich ein. Im Gedränge des Alltags steigt oft eine stille Sehnsucht nach Feierabendfrieden auf. Hier in der entlegenen Dorfkirche fand ich ihn. Von der bescheidenen Kanzel herab sprachen zu meiner Seele Worte, wie ich sie in großen Domen schon öfter vergebens erhofft. Des Petrus Verleugnung behandelte der Geistliche. Er nannte sie eine köstliche Geschichte trotz oder gerade wegen des:„Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.“ Denn dieser Petrus— das seien durch⸗ schnittlich wir Christenmenschen: oft tapfer in großen Entscheidungen, aber feige und treulos, wenn es sich inmitten des Alltags, vielleicht bei irgendeinem zufälligen Ge— spräch, darum handle, Farbe zu bekennen. Petrus war damals tief gefallen. Aber, und das ist das Köstliche: Sein Meister nahm ihn wieder an trotz allem, weil Petrus sich N Hebe wieder mich zu dir empor! Rette mich! Denn in der Seele Gründen Recken hoch sich meine schwarzen Sünden. Hebe wieder mich zu dir empor! Durch den lichten Abend wehte, während ich dahinschritt, milder Südwind, und in meinem Herzen war im Gedenken an den Dorngekrönten tiefer Feierabendfriede. zur Glockenspende. In der„Oberhessischen Völlszeitung“ lesen wir folgendes„Eingesandt“: „An die evangelischen Bewohner der Stadt Gießen wendet sich ein Aufruf des evangeli⸗ schen Gesamtkirchenvorstandes mit der Bitte um Gaben für die Wiederbeschaffung der infolge des Krieges abgelieferten Glocken und Orgelpfeifen in den beiden Kirchen. Gleichzeitig wird angegeben, daß sich die Kosten auf etwa 80000 Mark belaufen werden— ein Wink, wie tief ungefähr die Spender in ihre Taschen greifen können. Gegen diese Art Appell an die Opferwillig⸗ keit der evangelischen Christen ist nichts einzuwenden, es ist besser, als wenn die verließ auf des Verleugneten Gnade und Vergebung. Und dann kam der mich er⸗ greifende Schluß der Predigt:„Es gibt noch einen zweiten tief Gesunkenen in der Passionsgeschichte, Judas. Warum ging der so elend zugrunde? Noch lange nicht wegen seines schnöden Verrats in entscheidender Stunde. Sondern weil er an der Gnade Jesu verzweifelte!“ Das ist es: Keine Weltweisheit, aber göttliche Wahrheit. Besinnlich zog ich mein Straße weiter. Das stumme Land ringsum war jetzt vom Vollmond erhellt. Plötzlich tauchte aus langer Vergessenheit das er⸗ greifende Lied eines weltlichen Dichters unserer Tage, Peter Baums, in meiner Seele empor; auch ein Sehnsuchtsklang, ein Petrusseufzer, mitten aus dem Gedränge des Alltags der Welt heraus: Dorngekrönter, lichter Menschensohn, Laß mich wieder deine Knie umfassen! Lange irrt' ich auf der Sünde Gassen, Dorngekrönter, lichter Menschensohn. Hin ist meiner Seele Krone— hin! Wie ein Rost zerfraß sie das bebe Schauernd neige ich mich deiner Reine. Hin ist meiner Seele Krone— hin! Kosten auf die Allgemeinheit ausgeschlagen werden, was eine bedeutende Erhöhung der Kirchensteuer bewirken würde. Ich wünsche der Sammlung einen vollen Erfolg und auch die 80 000 Mark, möchte aber jedem Spender ans Herz legen, soviel zu geben, daß das Doppelte, also 160 000 Mark, zusammen—⸗ kommt. Er nehme nicht eins, sondern zwei Einzahlungsformulare, das eine richte er an den Kirchenvorstand, das andere viel— leicht an den Oberbürgermeister, letzteres mit der Bitte, den gezeichneten oder bei der Bank eingezahlten gleichen Betrag zum Besten der notleidenden Kinder zu verwenden oder der Quäkerspeisung zuzuführen. Der Klang der neuen Glocken und Orgelpfeifen wird noch einmal so schön und feierlich in den Ohren der evangelischen Einwohner wider hallen, wenn sie daran erinnert werden, daß sie ein gutes Werk getan haben. Wenn! es dem Gesamtkirchenvorstand dann noch gefallen sollte, die gespendeten Glocken mit einer Inschrift zu versehen, die späteren Geschlechtern Kunde gibt von der an den darbenden Kindern geübten Barmherzigkeit der Evangelischen Gießens, so wäre mir das auch recht. Vom Frieden auf Erden ind wir noch recht weit entfernt, aber den Menschen, hier den Kleinen, ein Wohl 1 4 1 5 8 gefallen zu erzeigen, können wir uns sofort leisten. Ein kirchlich und christlich gesinnter Arbeiter.“ Dem Vorschlag, der in diesen Zeilen ge⸗ macht wird, stimmen wir aus vollem Herzen zu. Auch berührt uns sympathisch die An⸗ regung, den neuen Glocken Inschriften zu geben, die von der Not unserer Tage und der Barmherzigkeit, die diese Not lindern will, den späteren Geschlechtern Kunde über⸗ mitteln. Beim deutschen Beskidenkorps. Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns d. R. a. D. Landgerichts vat Trümpert⸗ Gießen. 28. März 15(Palmsonntag). Wir ha⸗ ben die letzte Nacht im schönen Ruhequartier Kolonie Lyszkowice verbracht, wo wir acht Tage lang nichts vom Krieg merkten, nur während der ersten Tage aus weiter Ferne Kanonendonner vernahmen. Jetzt wird eifrig gepackt, da es heute weiter geht. Die drei Batterien der zweiten Abteilung mußten je zwei Geschütze und zwei Muni⸗ tionswagen mit den Unteroffizieren, der Be⸗ dienungsmannschaft und den 0 Pferden, sowie einen Offizier abgeben. Die Batterien haben von jetzt ab nur noch 4 Geschütze, offenbar im ganzen Heere mit der Zeit durchgeführt werden soll. Aus den abge⸗ gebenen Zügen werden neue Batterien bzw. Regimenter gebildet. Zu unserer Abteilung kommt als 7. Batterie eine Haubitzenbatterie hinzu, ebenfalls zu 4 Geschützen. Unsere erste Abteilung bleibt vorerst noch hier. Ich muß Leutnant Beck abgeben, was uns allen sehr leid tut, da er ein sehr angeneh⸗ mer Kamerad, dienstlich auch sehr tüchtig war. Nun nehmen wir Abschied von zunächst nach Deutschland zurückkehrenden Kameraden, die über ½ Jahr Freud und Leid des Krieges mit uns geteilt haben. Dunkel liegt vor uns allen die Zukunft; aber Gott, der uns seither beigestanden hat. wird auch fernerhin mit uns sein. Abends. Um ½12 Uhr mittags mar⸗ schierte ich mit der Batterie von Lyszkowice ab. Es lag Schnee, aber es war nicht kalt. Durch Lyszkowice marschterten die Kano⸗ niere singend vor der Batterie; das können die Polen wohl nicht begreifen, daß Sol⸗ daten im Kriege so guter Dinge sein können. Ueber Vorwerk Mikuly kamen wir nach Kolacinek, wo sich um das malerische Holz⸗ kirchlein ein Prozession bewegte, während die Glocken läuteten, ein seit Monaten nicht gehörter Klang, der mich andächtig stimmte. Es war eine lands chaftlich hübsche hügelige, waldreiche Gegend, durch die wir kamen, aber die Wege stellenweise sehr schlecht. Ueber Stefanow erreichten wir nach 6 Uhr Kolonie Olsza, wo wir Quartier bezogen. Aber Nachtruhe wird es nicht geben, da wir mitten in der Nacht verladen werden sollen. was 0 0 ö Wohin wird die Reise gehen? Man munkelt don den Karpathen und der Bukowina. 29. März 15. Um 1 Uhr nachts rückte ich mit der Batterie nach dem nahe⸗ gelegenen Bahnhof Rogow. Um 1½ Uhr begann die Verladung, die 2 Stunden dauerte. Außer der Batterie gehört auch die Abteilung nebst Stab zu unserem Traus⸗ port, dessen Führer ich bin. Gegen 4 Uhr morgens Abfahrt. Um 7 Uhr kamen wir durch Piotrtow(Petrikau), wo ein österreichischer Intendanturleutnant zu uns stieg und uns Interessantes erzählte. Um 11 Uhr gab es in Tzenstochawa(Czenstochau) einen längeren Aufenthalt, sowie Frühstück. Es schneit und ist kalt. Unser Wagen ist nicht geheizt, und ich habe Füße wie Eis. Alle Bahn⸗ hofsgebäude und Anlagen an der ganzen Strecke sind niedergebrannt und zerstört; auch alle Ueberführen waren zerstört, sind aber wieder hergestellt. Die Zerstörungen wurden im vorigen Herbst von den öster⸗ reichischen und deutschen Truppen vorge⸗ nommen, als sie den Vorstoß gegen Lublin und Warschau aufgeben und sich zurückziehen mußten. Der den Russen bereitete Aufent⸗ halt ermöglichte dann die Ansammlung stär⸗ kerer Kräfte und an manchen Stellen ein erneutes Vorgehen. Ueber Myszkow, Bendzin, Sosnowice kamen wir auf deutsches Gebiet, fuhren aber aber nur durch einen kleinen Zipfel Schle⸗ siens über Schoppnitz, Myslowitz an der Dreikaiserecke vorüber nach dem österreichi⸗ schen Oswiecim(Auschwitz, wo wir um 5 Uhr Mittagessen erhielten; von da ging die Fahrt weiter nach Oderberg, wo es um 8 Uhr Abendessen gab. Um 31½ Uhr waren wir über die russisch⸗deutsche, um 5 Uhr über die deutsch⸗österreichische Grenze ge⸗ den kommen. Von Myslowitz bis Oswieeim fuhr ich auf der Lokomotive, einer deutschen, dann bei Dunkelheit von Dziedritz bis Oderberg auf einer österreichischen; es war recht interessant. 30. März 15. In der Nacht kamen wir auf ungarisches Gebiet. Ueber Teschen er⸗ reichten wir morgens um 6½ Uhr Rosen⸗ berg an dem Waag, wo sich beim Aus⸗ steigen unseren Blicken eine wunderbar schöne Gebirgslandschaft, in leichten Schnee gehüllt, darbot. Es gab dort Frühstück und für die Pferde reichlich Heu, das sie seit Monaten entbehren müssen, und über das sie gierig herfielen. Bei herrlichem Sonnen⸗ schein ging die Fahrt weiter in das Tal des Waag, rechts und links schneebedeckte Berge mik Tannenwäldern, im Hintergrund über den Wollen die„Hohe Tatra“ mit der„Franz⸗Joseph⸗Spitze“. Es waren die ersten Schneeherge, die ich in meinem Leben sah Von Vihodna bis Csorba, auf dem schönsten Teil der Fahrt, fuhr ich auf der Lokomotive, dieses Mal einer ungarischen; der Lokomotivführer, ein Siebenbürger Deutscher, ein echter Mann, unterhielt mich b 9 n sehr gut. Aus seinen und anderer Leute Aeußerungen merkte ich, daß sie kein rechtes Vertrauen mehr zu ihrem Heere, besonders zur Führung, haben, und ein gutes Ende nur noch von den Deutschen erwarten. Die Gebirgsbewohner, Slowaken, haben eine eigenartige, aber kleidsame Tracht; sie fahren auf Schlitten, die von großgehörnten Ochsen gezogen werden. In Iglo gab es Mittag-, in Kaschan Abendessen. 3 1. März 15(mein Konfirmationstag,). In der Nacht kamen wir über Myszkolz, heute vormittag durch Homonna. Seit ge— stern abend war der Wagen wieder unge⸗ heizt, draußen war es kalt und stürmisch, und wir froren recht. Gern verließen wir deshalb nach 57stündiger Fahrt um 1 Uhr mittags in Koskocz(Karpathen) die Bahn. In ½ Stunde war der Zug entladen. Hier bezogen wir Ortsunterkunft, aber die Unter⸗ kunft ist sehr schlecht. Straßen und Häuser sind noch schmutziger, wie in Russisch-Polen. Wir haben ein leerstehendes Haus zuge— wiesen erhalten, in dem es von Schmutz strotzte. Nun ist reinegemacht worden, da geht es. Wir bemerkten aber zu spät, daß in dem Hause vorher ein Seuchenlazarett untergebracht war. Hauptmann Fresenius wohnt bei einer kinderreichen Familie: ein Säugling. dessen Wiege, ein richtiges Moseskörblein, mit Stricken an der Decke aufgehängt ist, sorgt für Unterhaltung. Seit gestern abend haben wir nichts mehr zu essen bekommen. (Fortsetzung folgt.) Am Martinsturm. Erzählung. (Fortsetzung.) Es war ein langandauerndes, furchtbares Rollen und Poltern, ein Beben, ein Zittern, daß ich meinte, alles verginge unter mir und jeden Augenblick müsse das Erdreich bersten. Steine wurden auf das Haus, in dem ich weilte, geschleudert, daß das Dach erkrachte, Steine flogen auf die Straße, vom Gautor wälzte sich eine dicke Staub⸗ und Rauch⸗ wolke hernieder zur Stadt, ich hörte Men⸗ schen in Jammer und Schrecken aufschreien. Wie ich auf die Straße kam, weiß ich heute nicht mehr, habe es auch nie gewußt. Kaum hatte ich einen Fuß vor die Haustreppe gesetzt, da sah ich einen am Kopfe bluten⸗ den Soldaten vom preußischen Infanterie⸗ Regiment Nr. 34 in Richtung nach dem Tiermarkte laufen, und ein Barbier, der aus seinem Laden stürzte, schrie:„All⸗ mächtiger Gott, der Martinsturm ist in die Luft geflogen.“ Als ich das hörte, war ich einen Augen⸗ blick wie vom Schrecken gelähmt; ich taumelte und mußte mich an eine Hauswand an⸗ lehnen. Dann trieb es mich nach dem Kästrich hin, ich wollte sehen, wie es mit dem Hause stand, in dem Johanna wohnte, Aber ich kam nur bis zum Gautor. Sol- daten hatten den Zugang zum Kästrich, dessen vorderer Teil in Flammen stand, abge⸗ sperrt. Es herrschte ein unbeschreibliches Getümmel. Preußische Offiziere und Sol daten eilten hin und her, Tote und Ver— wundete lagen umher und wurden weg— getragen, Frauen sanken ohnmächtig zu⸗ sammen, aufgeregte, schreiende, weinende Menschen liefen durcheinander. Der Platz vor dem Gautor war mit brennenden Trüm⸗ mern angefüllt, ich sah die Gautorwache unter Führung eines Unteroffiziers an⸗ marschieren. Hilf Himmel! wie sahen die armen Soldaten aus! Der Unteroffizier hatte sein Taschentuch um die Stirn ge— schlungen. Ein Mann schwankte hin und her, daß ihn ein Kamerad stützen und ihm das Gewehr tragen mußte, einem dritten floß das Blut über das Gesicht, die Leute sahen aus, als ob sie aus der Schlacht kämen. Vom Stephansturm läutete die Sturmglocke, Signalhörner gellten, es herrschte ein wirres Durcheinander, es war, als ob Mainz untergehen sollte. Ich versuchte, durch die Postenkette durch zudringen, da wurde mir ein energisches „Zurück!“ zugerufen. Ich wandte mich an einen Hauptmann und bat ihn, mich durch⸗ zulassen, da ich um meine Braut in großer Angst sei. Der Hauptmann war ein freund— licher Mann, er mag das Entsetzen in meinem Gesichte gesehen haben und gab Befehl, mich durchzulassen. Dicker, grauer Qualm drang mir entgegen und benahm mir den Atem. Als ein Luftzug den Qualm auseinanderwehte, sah ich, daß der Kästrich, diese früher so stille und einsame Straße, eine Trümmerstätte war. Steine, die mehrere Zentner schwer waren, waren durch die Luft geflogen. Kinder, die gespielt hatten, Erwachsene, die ihrer Arbeit nachgegangen waren, waren durch die niederfallenden Steine getötet worden. Das Haus, in dem Johanna gewohnt hatte, wie auch die rechts und links angrenzenden Häuser, waren von Grund aus zerstört, ganz in sich zusammen— gesunken, alle brannten lichterloh. Ich wollte in das brennende Haus eindringen, da riß mich ein Feuerwehrmann am Arme zurück und rief mir zu:„Sind Sie denn nicht gescheit, Sie sehen ja, daß da die Flammen überall herausschlagen!“ Da sah ich aus der Richtung, wo heute der Mainzer Haupt⸗ bahnhof liegt, den Spezereihändler, der im unteren Stocke wohnte, herbeieilen. Der Mann schrie in Tönen des höchsten Jam mers:„Ach, meine Frau und meine Kinder sind umgekommen.“ Als ich den Mann so rufen hörte, überkam mich die schreckliche Gewißheit, daß meine Braut und ihre Mutter auch unter den Trümmern be— graben seien. Ich konnte mich nicht mehr auf den Beinen halten, ich mußte mich auf eine Feuerwehrleiter, die an der jenseitigen Straßenwand lehnte, setzen, bedeckte das Ge 4 sicht mit laut auf. a f Feuerwehrleute liefen herbei, rissen mit langen Haken die brennenden Häuser nieder, beißender Rauch wurde mir in die Augen gejagt, da konnte ich es an diesem Orte nicht mehr länger aushalten, ich begab mich zum Gautor zurück. Ringsumher Flammen⸗ glut, Balken stürzten herunter, Mauern fielen um. Aus den Reden der Menschen ver⸗ nahm ich, was geschehen war. Der Martins⸗ beiden Händen und stöhnte turm, der, wie ich jetzt zum erstenmal hörte, mit Pulver und Granaten angefüllt war, war in die Luft geflogen. Welche Ursache dabei zugrunde lag, konnte ich vorerst nicht ergründen, betäubt von Jammer und Schrecken, dachte ich dieser Ursache auch gar nicht nach. Es war wie in einer Schlacht. fortwährend krachte es von Geschossen, die nachträglich noch explodierten. Auf einmal entstand ein Geschrei:„Es kommt gleich noch eine große Explosion, das Pulver in den Minen, die zum Martins⸗ turm gehören, wird sich entzünden.“ Da rannten die Menschen in wahnsinniger Hast die Gaugasse hinunter. Ich blieb stehen. Was lag mir in diesem Augenblicke noch an meinem Leben? Jede Sekunde erwartete ich die Explosion. Sie kam nicht, preußische Soldaten, deren Verhalten über alles Lob erhaben war, hatten der Todesgefahr Trotz geboten und in großen Mengen Wasser in die unterirdischen Gänge einfließen lassen, so daß sich das Pulver nicht entzünden konnte. Allmählich kamen die Menschen wieder herbei.(Schluß folgt.) Uleine Mitteilungen. Der„Verein für christliche Erziehung in Schule und Haus“ veranstaltet kommenden Sonntag, abends 8 Uhr, in der Stadtkirche einen Vortrag des Herrn Direktors Winkler aus Oels über„Brauchen wir auch heute das Evangelium für die Erziehung in Haus und Schule?. Am vergangenen Sonntag veranstaltete der Wartburgverein zwei Unterhaltungs- abende zu gleicher Zeit, einen Jugendabend im Heim und einen Familienabend für den Beirat, die unterstützenden und die älteren Mitglieder sowie für die Mädchenabteilung im Markussaal. Beide Veranstaltungen waren überaus stark besucht. Durch Bereitwillig⸗ keit von Freunden und Mitgliedern war es möglich, an beiden Stellen gute Darbie⸗ tungen zu geben. Die Leitung des Jugend⸗ abends lag in Händen des Pfarrassistenten Müller, wobei musikalische Vorträge des Jugendstreichchors mit fröhlichen Erzählun⸗ gen und guten Spielen abwechselten.— Im Markussaal entwickelte sich ebenfalls ein fein zusammengestelltes Programm in flotter Weise ab. Aus der musikalischen Vortrags- folge verdienen besonders hervorgehoben zu werden die Ouverture zur komischen Ope— rette„König Mydas“ von Eilenberg,„Amo⸗ retten“, Intermezzo von Schmeling und das Zitherduett der Herren Schmalz und Kämpf. Ein ganz besonderes Gepräge gaben dem Abend die Rezitationen von Frau Mendels⸗ sohn⸗Bartholdy, die es durch ihre aus⸗ gezeichnete Vortragsweise verstand, die Zu⸗ hörer wie in einem Bann zu halten. Reicher Beifall und die allen aus dem Herzen ge⸗ sprochenen Dankesworte des Vorsitzenden, Pfarrer Becker, bezeugten den Mitwirkenden den Dank aller Zuhörer. Im Schlußwort wurden auch die Angriffe, die versteckt da und dort auftauchen, der Wartburgverein. sei in der letzten Zeit ein Vergnügungsverein geworden, einmütig und mit voller Ent⸗ rüstung zurückgewiesen. Vergnügen und Freude, Freude am Schönen und Guten, ist zweierlei. Nur diejenigen, die nicht nur über den Zaun schauen, sondern herein in den Garten kommen, sich mit an den Blu⸗ men freuen und mithelfen Wasser tragen, können sich ein Urteil bilden. Ju der letzten Nr. unseres Gemeinde⸗ blattes ist in dem Artikel„Vom Aufstieg einer deutschen Familie“ infolge eines Druck⸗ fehlers angegeben worden, daß man jetzt unter einem„Handelsmann“ einen„Häuser⸗ händler“ verstehe. Es muß heißen:„Hausier⸗ händler“. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 6. März. Lätare. In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Mahr.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.— Abends 6 Uhr: Pfarrer Becker.— Montag den 7. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib⸗ lichen Jugend der Markusgemeinde.— Mitt⸗ woch den 9. März, abends 6 Uhr: Passions⸗ gottesdienst: Pfarrer Becker.— Donners⸗ tag den 10. März, abends 8 Uhr: Zu⸗ sammenkunft des Frauenvereins der Markus⸗ gemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Kon⸗ firmanden aus der Johannes-⸗ u. Militär⸗ gemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Müller.— Montag den 7. März, abends ½8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde— Freitag den 11. März, abends ½6 Uhr: Vereinigung der konfir⸗ mierten weiblichen Jugend der Johannes⸗ gemeinde. Wartburg⸗ Verein. Sonntag den 6. März, nachm. 2 Uhr: Schnitzeljagd für beide Jugendabteilungen. Treffpunkt: Heim, Diezstr. Abends 8/ Uhr im Heim, Diezstr.: Vortrag. Pfarrer Bech⸗ tolsheimer. Sonntag den 13. März, abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung(Diezstr.). Ferantwortlich: Pfarrer Wechtols heimer, Pruck und Verlag der Brühl'schen Unsversitäts⸗Buch⸗ und Steindruckeren R. Lange, Gießen. — 0 4 1 1 1 13 *