N 1 8 * 1 onntags gruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen 23 Gießen, 2. Sonnt. n. Trinitatis, den 5. Juni l921 10. Jahrg. Das blühende Korn. Psalm 147, 7—9. Singet umeinander dem Herrn mit Dank und lobet unsern Gott mit Harfen, der den Himmel mit Wol⸗ ken verdeckt und gibt Regen auf Erden, der Gras auf den Bergen wachsen läßt, der dem Vieh sein Futter gibt, den jun⸗ gen Raben, die ihn anrufen. In diesen Tagen blüht auf Deutschlands Fluren das Korn. Wundersamer Duft wird von den Getreidefeldern durch den Wind landeinwärts getragen, und das Feld bietet uns einen Anblick, wie ihn die schönsten Schaufenster unserer Großstädte nicht ge— währen können. Aufrecht und gerade, als ob man das Senkblei darangehalten hätte, ragen die Kornhalme auf, die Weizenhalme neigen wie in Andacht und Demut das Haupt. Die grüne Farbe der jungen Halme tut dem Auge unendlich wohl. Steht man bei wehendem Wind vor einem Getreide- feld, so glaubt man, auf ein wogendes und wallendes Meer zu schauen; auf und nieder gehen die grünen Wogen. Ein Getreide⸗ feld ist etwas Heiliges, in tiefer Andacht, bleibt der fromme Mensch vor ihm stehen und bewundert das Werk des großen Gottes, der Halm und Aehre geschaffen hat. In den letzten Tagen hat Gott Sonnen⸗ schein und Regen zur rechten Zeit gesandt. Kurz nach Pfingsten ging eine Glutwelle durch das Land, und der Ostwind, der in dieser Zeit dem Landmann nicht willkommen ist, wehte. Dann aber entluden sich über unserer Gegend fruchtbringende Gewitter, der Donner rollte, der Blitz zuckte, und er- quickender Regen tränkte die Flur. Wie können uns nun das Wort des Psalmisten zu eigen machen: Singet umeinander dem Herrn mit Dank und lobet unsern Gott mit Harfen, der den Himmel mit Wolken ver⸗ deckt und gibt Regen auf Erden, der Gras auf den Bergen wachsen läßt, der dem Vieh sein Futter gibt, den jungen Raben, die ihn anrufen. Nun sehen wir ruhig und vertrauensvoll der Ernte entgegen. Wir wissen, daß wir in Gottes Liebe und Güte geborgen sind. Er, der die Raben nährt, wird uns Menschen nicht vergessen. Seiner Gnade befehlen wir unsere Felder, Wiesen, Gärten und Bäume. B. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 30. Der Gießener Bub aus dem vorigen Jahrhundert und was mit ihm zusammenhängt. Von Louis Frech. (Fortsetzung.) Doch kehren wir wieder zu unseren Käfer⸗ fängern zurück, die, jeder mit einer Büchse, Schachtel oder sonst einem Behälter ausge⸗ rüstet, an der Grünberger Straße ange⸗ kommen, den Rain hinabrutschten; denn die Wiesen lagen 2—3 Meter tiefer als diese. Nun begann der Fang mit dem Taschentuch oder der Mütze, und dem Zuschauer bot sich ein lebendiges Bild. Lange konnte die Jagd nicht ausgeübt werden; denn die zunehmende Dunkelheit setzte schließlich den Käferchen ein Tarnkäppchen auf und machte sie un⸗ sichtbar. So rückte denn die Gesellschaft mit der gemachten Beute alsbald wieder ab, und am anderen Tage fand auf der Kreuzer Mauer die Besichtigung statt, bei welcher allerhand Rassenunterschiede und Merkmale festgestellt wurden. Merkwürdigerweise ließ man die Junikäfer nicht, wie die Maikäfer, als Futter für die Spatzen fliegen, sondern begnügte sich damit, die Tierchen einige Tage zu füttern und in ihren Behältern überall mit herumzuschleppen, bis dann schließlich auch diese Liebhaberei im Sande verlief. Solange nicht wieder etwas an⸗ deres auf das Tapet kam, wurde auf Buschs Treppe Unterhaltung gepflogen, die trotz der Lebhaftigkeit, mit welcher sie geführt wurde, meist keine faule Bohne wert war. Beteiligte sich auch einmal ein älterer Junge, der bereits drei oder vier Jahre in die Schelle ging, daran, dann spielte dieser den Ueberlegenen, und was der sagte, galt. So ist mir in Erinnerung, daß einmal ei er es war vom Vogelsberg die Rede— fragte: Wißt Ihr auch, wie groß der Vogelsberg is? Aller Augen hingen erwartungsvoll an dein Mund des Gescheiten.„Der is größer, wie Ihr glaabt.“ Das sagte er mit einem so wich- tigen Gesichtsausdruck in Sprache und Ge⸗ sicht, daß die Zuhörer überzeugt waren, durch diese Mitteilung ihr Wissen über den Vogelsberg um ein gut Stück voran ebracht zu haben. Der Vogelsberg galt, beiläufig be— merkt, damals als eine Art terra incognita, als unwirtlich und weltabgelegen, und wer als Beamter dorthin versetzt wurde, machte vorher sein Testament. Wie ist dies doch alles so anders geworden! 3 100 Gewissermaßen zum eisernen Bestand der Unterhaltungen auf Buschs Treppe gehörig war die Frage:„Was treiben wir morgen?“ Und da erinnerte man sich auch wieder der vielen Frösche, die gelegentlich des Lette⸗ holens in der Litgkaut angetroffen worden waren.„Die hole mer!“ hieß es, aber wohin damit? Alle möglichen Vorschläge wurden gemacht. Einer empfahl die Etablierung einer Menagerie aus Zigarrenkistchen mit Holzgitter, das sähe hübsch aus, wenn eine ganze Reihe dieser Kistchen nebeneinander⸗ stände und in dem einen die Laubfrösche und in den andern die verschiedenen sonsti⸗ gen Arten dieser Quaker säßen. Jeder Zwin⸗ ger müsse ein Schildchen mit dem Namen erhalten. Aber wohin mit allem? Da schlug Wilhelm Busch den Balkon über uns vor; denn der gehörte zu der elterlichen Woh- nung. Aber da mußte man durch die gute Stube!„Wir putzen uns die Stiefel sauber ab“, hieß es, und Buschs wären ja auch gute Leute. Mehr wie fortgejagt könn⸗ ten wir nicht werden. Da scheiterte aber das schöne Menagerieprojekt an dem Um⸗ sland, daß die Frösche Wassertiere wären und nicht trocken sitzen dürften. Wie schade, wie schade!„Wißt'r was? Mer mache e Aquarium,“ meinte Wilhelm Busch,„in Kunze Hof liegt e groß kaputten Wasch⸗ schüssel; da mache mer en Stoppe ins Loch un setze se enin, un e Stück Drahtgitter driwwer, damit se nett eraus hippe; de Kall Bieler hat eins.“ Nun war das Vater⸗ land gerettet, und die ganze Gesellschaft wäre am liebsten gleich aufgebrochen und hätte die Hupfer geholt. Aber da mußten doch auch die Vorbereitungen getroffen werden, und dazu war es heute zu spät. Also morgen um 2 Uhr Abmarsch. Busche Wilhelm solle alles vorbereiten, d. h. die Waschschüssel und und das Gitter holen und im übrigen jeder etwas mitbringen, worin die Frösche heim⸗ getragen werden konnten. Wegen der Litg⸗ kaut stiegen zum Schluß noch Bedenken anf denn bei einigen stand sie nicht im besten Andenken. So einigte man sich auf das Fürstenbrünnchen. Dort gäbe es auch Frösche die Menge. Also war alles in Ordnung, und vor lauter Freude über das Resultat fing die ganze Gesellschaft zu qua⸗ an. Einer, namens Löffler, oder ähn⸗ lich, quakte auch mit. Der war älter wie wir und wollte später Opernsänger werden. Deshalb konnte er es auch am lautesten und besten von uns. Er gehörte noch nicht zu uns; denn er war neu hierher gezogen. Sein Vater war Lehrer und Dirigent eines Gesangvereins, daher lag das schon etwas in der Familie. Als schließlich die Jungen ihre Wohnungen aufgesucht, zu Nacht ge⸗ gessen und sich in ihre Betten gelegt hatten, da spielten schon, als Vorgeschmack von der geplanten Exkursion, in den Träumen die Laub⸗ und sonstigen Frösche eine ver⸗ gnügliche Rolle. N Andern Tags, als Buschs Wilhelm auf die Suche ging, stellte sich heraus, daß sich die Waschschüssel nicht mehr verstopfen ließ. Dafür wurde in Bielers Lagerhof ein alter Blechkasten entdeckt und unter der Annahme der Genehmigung des Eigentümers still⸗ schweigend enteignet. Auch das Gitter, wel⸗ ches in seinen besseren Tagen als Vorstell⸗ rahmen für ein Kellerloch gedient hatte, war infolge von Altersschwäche halt⸗ und fassungslos geworden und für den beab⸗ sichtigten Zweck nicht mehr zu gebrauchen. Aber da des Blechkastens Höhe über die⸗ jenige des Hupfvermögens eines Frosches“ hinausging, so konnte von einem Aquarium⸗ deckel abgesehen und das Gitter seinem Schicksal überlassen werden. Nun handelte es sich darum, den Kasten ohne Aufsehen auf den Balkon zu bringen. Besonders schwierig war dies nicht; denn Buschs Wohn⸗ räume befanden sich in dem anstoßenden Hause nach der Sonnenstraße zu, und die vorerwähnte gute Stube lag in dem weniger frequentierten Vorderhause. Karl Bieler stand Wache und Wilhelm Busch praktizierte, als Treppe und Gang luftrein waren, seinen Kasten glücklich an Ort und Stelle. So war denn alles in Ordnung, und am Nach⸗ mittag rückte die Gesellschaft aus. Jeder hatte irgendein Gefäß, Otto Eberhard einen alten Vogelkäfig, um den er sehr beneidet wurde. Das Fürstenbrünnchen, eine Quelle, liegt etwa 50 Meter hinter dem früher „Zum Pfau“ genannten Hof(damals Wirt⸗ schaft), im Eck zwischen Marburger Straße und Wiesecker Weg. Dorthin pilgerte nun die aus kleineren und größeren Jungen zu⸗ sammengesetzte Gesellschaft. Am Ziel an⸗ gekommen, wurden die Schuhe und Strümpfe ausgezogen und die Hosen umgewickelt. Dann begann die Fangerei. Frösche waren die Menge da und in kurzer Zeit an die 30 Stück gegriffen. Dann ging es mit vielem Geschnatter und von dem Bestreben beseelt, das Aquarium möglichst rasch ent⸗ stehen zu lassen, heimwärts. Auf dem Kreuz wurden, um die Ueberbringung nach dem Blechkasten zu vereinfachen, sämtliche Frösche in den Vogelkäfig gesteckt. Dann begann der Aufstieg im Gänsemarsch, die Großen voran, die Kleinen hinterdrein; vorsichtig und leise, denn soviel Besuch auf einmal hatten Buschs nicht gerne. Endlich war die gute Stube erreicht. Der dicke Otto Eberhard erschien als einer der letzten. Sein Vogelkäfig mit dem Inhalt drückte aufs Gewicht und daher ging es nicht so schnell mit dem Aufstieg. Aber er lehnte jede Hilfe ab. Er war be⸗ sorgt um seinen Käfig, und es sah fast so aus, wie wenn er den Kanarienvogel, nur für die Dauer der Expedition ausquar⸗ tiert hätte. Eben war der„lange Zimmer“ gerade daran, die Balkontüre zu öffnen, als von Otto Eberhards Käfig der Boden herunterfiel und mit ihm alles, was darauf⸗ hockte, die Laub⸗, Gras-, Bach⸗, Teich⸗ und — 101— sonstigen Frösche, die natürlich nach allen Seiten auskniffen. Ueberall hupften sie herum, auf dem Plüschteppich, den Vor⸗ lagen, unter dem Tisch, den Sesseln, dem Sofa und den Kommoden. Wenn jetzt jemand von Buschs käme! Es wurde ge⸗ hascht, was zu haschen war und in den Blechkasten geworfen, aber ein gut Teil der Fürstenbrunner war bereits unter die Möbel retiriert, weshalb nun auf Knien und Bäu⸗ chen an sie heranzukommen versucht wurde. Die Kerlchen schwitzten Blut. Dabei trat einer auf den andern. Der kleine Vogel hatte sich die Hose zerrissen und der dicke Otto Eberhard stak halb unterm Sopha und konnte weder vorwärts noch rückwärts. Im Salon wurde es schwül, und es roch allent⸗ halben nach Amphibien. (Fortsetzung folgt.) Etappe Langen. Erinnerungen aus den Jahren 1813 bis 1815 von Karl Friedrich Maurer, mitgeteilt von Dr. Karl Esselborn. 0(Fortsetzung.) Ich hatte kaum davon gehört, so stellte ich dem Rittmeister der Wahrheit unt vor, daß sich allerdings noch mehrere Kranke im Orte befänden, dieses sei aber weithin nicht so gefährlich, wie er sich wohl vor⸗ stelle. Leicht könnten sich auch die Husaren von allen Krankenstuben entfernt halten, und im schlimmsten Falle würden sie auch besser in den Scheunen und in den Ställen bei ihren Pferden eine Nacht überdauern als im Biwak bei der bestehenden Jahres- zeit unter freiem Himmel auf durchnäßtem Boden, was ebenfalls Krankheiten unter den Leuten verursachen könne, und bat ihn, so⸗ fort seinen Entschluß abzuändern. Ich fügte noch bei, daß meine Bitte sich auch auf Erfahrung gründe, indem ich selbst oft ge⸗ nug biwakiert habe, also den großen Unter⸗ schied sehr wohl kenne. Der Rittmeister ging indessen nicht von seinem Vorsatz ab und bestimmte die Biwak⸗ stelle dicht vor dem Ort. Daraufhin be⸗ schwor ich den gesamten Ortsvorstand, mit aller möglichen Anstrengung dafür zu sor⸗ gen, daß noch vor dem Eintreffen des Re⸗ giments auf das schnellste das Erforderliche an Holz, Stroh, Heu, Hafer, Brot, Fleisch und Branntwein zur Biwakstelle gebracht und unter gehöriger Aufsicht gehalten werde, es würde sonst mancher Ortseinwohner schmerzlich zu erfahren haben, was es heiße, durchnäßte, durchgekältete und hungernde Soldaten nicht unter bestmöglicher Be⸗ dachung ins Quartier zu nehmen und zum Lager unter freiem Himmel zu verweisen. Kaum hatte die Vollziehung meiner An⸗ ordnung begonnen, als das Regiment mit anb der Nacht von der Seite von Frankfurt her in den Ort einrückte. Ich eilte ihm entgegen, um den Obersten, einen freundlichen bejahrten Mann, zu begrüßen. Ich erlaubte mir nochmals unmittelbar an ihn die Bitte, daß er seine Husaren anstatt ins Lager zum Quartier unter Dach ver⸗ weisen möge. „Nein, nein, das kann nicht geschehen, ich billige ganz die Anordnung meines Ritt⸗ meisters.“ Ich folgte dem alten Herrn zur Lagerstelle und bat, weil noch nicht alles Erforderliche hatte herbeigeschafft werden können, seinen Leuten noch kurze Zeit Ge⸗ duld anzubefehlen. Dieses geschah sogleich, indem er laut zu aller Gehör die Order erteilte, daß niemand sich unterstehen dürfe, das Lager zu verlassen und in den Ort zu gehen. Zur Aufsicht hierüber bestellte er für jede Eskadron einen Offizier. Der Oberst ritt nun in den Ort zurück, um sein Quartier im Pfarrhause zu nehmen, und ich schritt auf sehr schmutziger Straße neben ihm her. Kaum waren wir auf etwa hundert Schritt in den Ort gelangt, als sich in den äußersten Häusern gegen das Lager erschreckliches Geschrei von Weibern, Kindern und Hühnern erhob. Natürlich, die Husaren waren dahin schon eingebrochen. Der brave Oberst ritt rasch auf die Stelle zu und vertrieb seine Leute durch den Schall seiner Stimme. Dieses war kaum geschehen, so erschallte das Geschrei von einer andern Seite. Immer ritt der Oberst rasch dahin, und ich schritt neben ihm her. Endlich ward er von Unwillen ergriffen und äußerte: „Meine Husaren sind halter Leute und Men⸗ schen wie andere Menschen, ich kann es ihnen nicht durchaus übel nehmen, wenn sie sich möglichen Schutz zu verschaffen suchen, ich weiß für den Augenblick nicht zu helfen.“ Mit dem Ausspruch„gute Nacht“ ritt er davon. Wahrlich, ich am allerwenigsten konnte dem braven Mann seinen Unwillen verargen. Ich versäumte nicht, auf Grund des er⸗ zählten Vorfalls, die Mitglieder des Orts⸗ vorstandes zu vermahnen, sich künftighin Aeußerungen, wenn auch gut gemeinter, zu enthalten, die aus Unkenntnis der Ver⸗ Folge haben könnten. Den Ortsschultheiß oder vielmehr Oberschultheiß ersuchte ich, darüber zu wachen. Dieser war ein braver biederer Mann, leider aber von nur weniger Tatkraft, obgleich er geraume Zeit als Ka⸗ valleriewachtmeister sehr brav gedient, auch einigen Feldzügen beigewohnt hatte. Der Schaden, den die Husaren angerichtet hatten, war nicht sehr bedeutend, und die Betroffe- nen wurden von Orts wegen entschädigt. Wohl waren inmittelst aus dem Armee⸗ hauptquartier in Frankfurt, ohne Zweifel nach stattgehabten Klagen, strenge Befehle erschienen und allgemein bekannt gemacht worden, daß niemand vom Militär sich er⸗ lauben dürfe, irgendein Bedürfnis willkür⸗ lich oder wohl gar gewaltsam sich anzu⸗ eignen, und daß alle Requisitionen nur an hältnisse von ihrer Seite nur Schlimmes zur 4 —— — 0 e an die Obermilitärbehörde zu Darmstadt zu die zuständigen Bezirksbeamten gestellt und ohne deren Zustimmung nicht vollzogen wer⸗ den dürften. Inwiefern dieser Befehl strenge oder nicht strenge beobachtet wurde, davon habe ich sogleich Gelegenheit, Beweise zu liesern. Ausgangs des Monats November bis in den Dezember hatte das russische Kürassier⸗ nachbarten Isenburgischen Orten Dreieichen⸗ regiment Großfürst Konstantin in den be⸗ hain, Götzenhain und Offenthal Station ge⸗ nommen. Der russische General, Baron Arsenief, unter dessen Befehl das Kürassier⸗ regiment stand, war bei dem Herrn Grafen Isenburg⸗Philippseich im Schlosse Philipps⸗ eich einlogiert. Nicht sehr ferne von diesem Schloß zieht sich ein Bachgrund gegen Lan⸗ gen hinab. In diesem befinden sich nachein⸗ ander drei zur Gemarkung Langen gehörige Mühlen. Trupps der Kürassiere waren einigemal schon in diese Mühlen ein⸗ gebrochen, um Fourage, auch sonstige Be⸗ dürfnisse wegzunehmen. Von vorne herein dieses zu verhüten, war nicht möglich, da das Militär, das mir in Langen zur Ver⸗ fügung stand, zu schwach war, um die Müh⸗ len bewachen zu können. Was geplündert war, mußte verschmerzt werden. Es blieb mir nur übrig, die Bewohner der Mühlen aufzufordern, sogleich Nachricht zu geben, wenn ihnen Gefahr drohe. Das wurde ihnen aber sehr erschwert, weil die Kürassiere, die wohl wissen mochten, daß den Mühlen gegen ihr Einbrechen militärischer Schutz gewährt werden könne, die Mühle, in die sie ein⸗ brechen wollten, vorher schon in einiger Entfernung umstellt hatten und niemand herausließen. Eines Tages in der Frühe, da die Russen die oberste Mühle gegen Philippseich in der Absicht, ihr einen Be⸗ such zu machen, in gewöhnlicher Weise um⸗ stellt hatten, geschah es indessen, daß es darnach einem kleinen Jungen gelang, durch die Oeffnung neben dem Wellenbaum aus der Mühle zu kriechen, in den Bach herabzulaufen, um die Nachricht zu bringen, daß sich die Russen eben wieder zur Aus⸗ plünderung in der Mühle befänden. Diese Nachricht erhielt ich in dem Augenblick, da der zum Schutz bestellte Offizier bei mir anwesend war. Ich ersuchte ihn, mit eini⸗ gen Mann aufs schnellste nach der Mühle zu eilen, um womöglich die Plünderer zu arretieren, mindestens ihnen, sofern sie noch auf der Flucht zu sehen wären, einige Ku⸗ geln über die Köpfe fliegen zu lassen. Ich selbst folgte aufs schnellste nach; doch waren die Plünderer nur noch in ihrer Flucht zu sehen, und es wurden ihnen wirklich meh⸗ rere Kugeln über die Köpfe nachgesendet, um ihnen den Beweis zu geben, daß man ent⸗ schlossen sei, das Ernstlichste gegen sie an⸗ zuwenden. Wir gingen zurück, und ich bat den Offi⸗ zier, allsogleich auf meiner Amtsstube einen kurzen schriftlichen Bericht über den Vorfall verfassen. Kaum hatte er damit begonnen, als ein russischer Offizier vor das Haus gesprengt kam und zu uns einschritt. Er gab sich zu erkennen als Rittmeister und Adjutant des Generals zu Philippseich, von diesem beauftragt, Erkundigung darüber ein⸗ zuziehen, auf wessen Anordnung das Schie⸗ ßen stattgefunden habe, das man vor wenigen Minuten zu Philippseich gehört. (Fortsetzung folgt.) Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 5. Juni. 2. nach Trinitatis. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde: Pfarrassistent Ramge.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Mahr.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. — Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfir⸗ mierten männlichen Jugend der Matthäus⸗ gemeinde.— Montag, den 6. Juni, abds. 8 ½ Uhr: Heljerversammlung der Markus⸗ gemeinde.— Dienstag, den 7. Juni, abds. 8 Uhr: Helferversammlung der Männer⸗ und Frauenvereinigung der Matthäusge⸗ meinde.— Mittwoch, den 8. Juni, nachm. 4 Uhr: Frauenverein der Matthäusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrassi⸗ stent Müller.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal: Pfarrer Adolph. * Evang. Arbeiterverein. Sonntag, den 5. Juni, vormittags 11 Uhr: Besichtigung des Botanischen Gartens unter sachkundiger Führung. Treffpunkt am Haupteingang. Sonntag, den 12. Juni: Waldgottesdienst, s. Wartburgverein. Wartburg⸗ Verein. Sonntag, den 5. Juni: Familienausflug nach der grünen Ecke, Abmarsch 2 Uhr von der alten katholischen Kirche(Frankfurter Straße). Proviant mitnehmen. Sonntag, den 12. Juni: In Verbindung mit dem Ev. Bund und dem Ev. Arbeiter⸗ verein Frühspaziergang nach dem Schiffen⸗ berg, mit anschließendem Waldgottesdienst. Abmarsch 7 Uhr vom Ludwigsplatz. Ab⸗ fahrtszeit der Wagen für ältere Mitglieder und solche, die nicht gut zu Fuß sind, wird bei der Anmeldung bei Herrn Engels be⸗ kanntgegeben. f Donnerstag, den 9. Juni: Bibelstunde. Pfarrer Becker. Perantworklich: cfarrer Bechtolshefmer, Druck und Berlag der Brühl'schen Undversitäts⸗Buch⸗ und Steindruckere R. Lange, Gießen.