Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Ir. 27 Gießen, 6. Sonnt. nu. Trinitatis, den 3. Juli 1921 10. Jahrg. Auf dein Wort. ee 1— i 4 1 e 5 . 18% Herr, auf dein Wort! Und sagt das Fleisch . 5 15 Was 8 5 gleich lauter Nein, dein Wort muß uns ge— und sprach zu ihm: Meister, wir haben wisser sein! die ganze Nacht gearbeitet und 305 Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. gefangen, aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen. 30. Der Gießener Bub aus dem Was für eine bittere Klage liegt in diesen vorigen. Jahrhundert und was Worten Simons: Die ganze Nacht gearbeitet mit ihm zusammenhängt. und nichts gefangen! Wieviele Tausende von Von Louis Frech. Menschenkindern haben ihre Ohnmacht und Fortsetzung.) die Erfolglosigkeit aller ihrer Mühen in Nach vielen Jahren ist mir einmal diese Worte hineingelegt! Anfangend mit eines meiner„Bilder“ in die Hände jenem Hiobsbekenntnis: Muß nicht der gefallen, welches den Beifall des Herrn Mensch immer im Streit sein, und sind nicht Franz gefunden hatte, als ich es ihm seine Tage wie die Tage eines Taglöhners? damals vorlegte. Es war eine windschiefe Elender Nächte sind mir viel geworden— Mühle mit Wasserrad und einem Esel, der und nun wozu das alles? So klingt es an Größenwahn litt; denn er war bei⸗ hinein in diese Zeit und findet Widerhall nahe so groß ausgefallen, wie die ganze in unzähligen Herzen. Mühle. Wenn ich die häusliche Stimmung Doch wir wollen den nicht vergessen, an verbessern wollte, brauchte ich nur dieses den Simon seine Worte richtete. Ob er, Anfangserzeugnis meiner zeichnerischen der in allem uns gleich geworden ist, nicht Phantasie herbeizuholen. Unter den älteren auch für diese Klage ein besonderes Ver⸗ Schülern war. Karl Böß der beste Sänger. ständnis hatte? Auch hinter ihm lagen Er hatte eine frische Stimme und sang forsch dunkle Nächte vergeblicher Arbeit. Auch er heraus. Bei besonderem Anlasse, z. B. wenn kannte Tage, in denen er seufzen mußte: wir ausnahmsweise brav gewesen waren, Wie lange soll ich noch bei euch sein? Ihm durfte er das Liedchen solo singen:„Wenn war die Erfolglosigkeit der Arbeit mit schwe⸗ jemand eine Reise tut, so kann er was ren Zügen auf die Stirn gegraben. Aber erzählen; drum nahm ich meinen Stock und niemals finden wir bei ihm Erbitterung Hut und tät das Reisen wählen“, Dann oder Ermüdung. Er war und bleibt ein kam der Refrain:„Da hat er gar nicht übel, Vorbild der Treue. Was er selber leistete, gar nicht übel, gar nicht übel dran getan! forderte er auch von anderen. Darum hat Erzähle er nur weiter Herr Urian!“, bei er dem Simon gesagt: Fahre auf die Höhe dem alle mitschrien. Wir konnten kaum und werfet eure Netze aus, auf daß ihr erwarten, bis es los ging; wir saßen da einen Zug tut! Es lag in diesem Auftrag und hatten das„Da“ auf der Zunge, man etwas, gegen das Simon sich sträuben mußte. konnte es jedem am Munde ablesen. War Als erfahrener Fischer wußte er, daß ein der Moment gekommen, so schrie die Bande. Fang unter diesen Umständen nicht gerade wie wenn sie am Spieß steckte und die wahrscheinlich war; aber er brachte alle Geigenbegleitung des Herrn Franz ging un⸗ Einwendungen, die sich in ihm regen moch⸗ ter, wie weiland beim Besuche des Groß⸗ ten, zum Schweigen. Der Weisung Jesu herzogs Ludwig III. die Rede des Bürger⸗ folgte er: Auf dein Wort will ich das Netz meisters Vogt im Hurra, welches die Gie— auswerfen. Jetzt ergeht auch an uns des ßener aus Besorgnis um das Wohlergehen. Herrn Wort: Fahre auf die Höhe! Schüttle ihres Stadtoberhauptes vorzeitig hinaus- die Müdigkeit ab! Steig in Kraft empor! donnerten. Auch das Liedchen„Es klappert Und wenn uns das noch so sinnlos erschiene, die Mühle am rauschenden Bach“ wurde ein⸗ wir müssen es tun. Wir dürfen unserm studiert, Das klipp klapp“ begleiteten wir mit Herrn nicht aus der Schule laufen. Gerade zweimaligem Händeklatschen. Ein eigenartiges jetzt gilt es, ihm unser Vertrauen zu be⸗ gesangliches Produkt, vielleicht eine eigene weisen Gerade jetzt kommt es darauf an, Komposition des Herrn Franz, war das zu hoffen, wenn auch scheinbar nichts mehr Melodrama:„Große Uhren gehen bim, bam, zu hoffen ist. Aus Trümmern etwas Neues bum, kleine Uhren gehen tik tik, tak tak, und schaffen! Nicht grübeln, sondern die Hände die kleinen Taschenuhren tiketake tiketake“. — 106— Die Schüler wurden in drei Abteilungen eingeteilt. Die ältesten sangen das„bim, bam, bum“, die mittleren das„tiktak, tik⸗ tak“ und die kleinen das„tiketake, tiketake“, Und zwar alle gleichzeitig. Man kann sich vorstellen, was das für eine Gesamtwirkung hervorbrachte. Es war eine Art Welt⸗ erschaffungssymphonie, die das Chaos zum Ausdruck brachte, als sich noch nicht das Feuer vom Wasser geschieden hatte und alles noch zischte und brodelte. Selbstverständ⸗ lich machte uns gerade dieser eigenartige Sang, der aber doch einen gewissen Rhyth⸗ mus hatte, einen kolossalen Spaß, und das mag auch wohl die Ursache gewesen sein, daß wir uns mit dieser Uhrsache ziemlich häufig beschäftigten. Diese sanglichen Aufmunterungen waren übrigens zeitweise notwendig, namentlich im Hochsommer, wenn draußen die Sonne auf die heruntergelassenen grau-gelben Vorhänge der beiden westlichen Fenster und vor den offenen hinteren Fenstern auf das Ziegeldach des Holzstalles brannte. Man sah durch letztere, wie die Luft flimmerte. Die trockene Atmosphäre in den vier Lehmwänden, und die drückende Hitze lasteten lähmend auf den Buben, und auch Herr Franz zog es vor, diesen eine schriftliche Arbeit aufzu⸗ geben und sich mit dem Schneiden unserer Federkiele zu beschäftigen, anstatt das Pen⸗ sum durchzusprechen. Der durch die Farbe der Vorhänge dem Zimmer verliehene gold⸗ gelbe Schein, das eintönige Gekritzel der Federn und Griffel, das Gackern der Hühner im Höfchen und das langgezogene„wies, wies“ der um das Haus schwirrenden Schwalben, dabei die sonst herrschende Ruhe in dem Raume, wirkte nichts weniger wie anregend. Mit aller Gewalt kämpfte hier und da einer gegen den Schlaf. Der Kopf nickte immer tiefer, bis er auf die Tafel stieß. Dann gab es einen kleinen Ruck, und das Spiel begann von neuem. Herr Franz ließ das alles hingehen. Nur wenn einer tat, wie wenn er zu Hause wäre und seine Zufriedenheit mit der zauberhaften Stimmung durch ein allzu geräuschvolles Atmen kund gab, dann ging das gegen die hier üblichen Gepflogenheiten, und es flog ihm mit nie versagender Sicherheit der nasse Schwamm auf den Kopf. Uebung macht den Meister. Dadurch kam wieder Leben in die Gesellschaft, und damit die schläfrige Stimmung nicht wieder die Oberhand ge⸗ wann, wurde„Die Reise des Herrn Urian“ oder der„Uhrengesang“ angestimmt. An derartigen heißen Tagen konnte Fräulein Julchen gar nicht genug Trinkwasser herbei⸗ schaffen. In den Pausen wurde die Küche gestürmt und dann hieß es:„Bitte, Fräu⸗ lein, ich, ich, ich, bitte, bitte, bitte!“ Fräu⸗ lein Julchen war den Buben gut, sie sorgte für sie, wie ein Mütterchen. Das Wasser, welches getrunken wurde, und es waren ganze Zuber voll, holte sie selbst in der Nachbarschaft, denn im Schulhause befand sich kein Brunnen und ein Dienstmädchen war nicht vorhanden. Kein Wunder, daß Fräulein Julchen in unseren Erinnerungen einen Ehrenplatz einnimmt. Manchmal wurde auch ein Ausflug der Gesamtschule unternommen. Das Ziel war jedesmal die Wellersburg. Der Kostenauf⸗ wand bestand in einem Groschen; das sind 3 Kreuzer oder 9 Pfennige.— Dafür be⸗ kam jeder ein Glas Milch und ein Butter⸗ brot. Heute bezahlt man 3,25 Mk., also das 36fache, dafür. Diese Ausflüge nach der schön gelegenen und nicht zu weit ent⸗ fernten Wellersburg, dem bekannten uralten Wirtshaus an der Lollarer Straße, fanden öfters statt. Wir waren da gut aufgehoben; denn die Wirtin bemutterte die ganze Ge⸗ sellschaft, so wie es jeder gerne hatte. Der Marsch ging vom Schulhause aus durch die Walltorstraße, gerade aus, bis zur Wellers⸗ burg. Damals stand nur etwa ein halbes Dutzend Häuser vor dem Walltor, die man unter den später errichteten Neubauten leicht herausfindet. Sonst war die Marburger Straße, das bereits erwähnte Gasthaus „Zum Pfau“, ausgenommen, häuserfrei. Wenn man daher die wenigen Gebäude vor dem Walltor hinter sich hatte, war man im Freien und konnte seinen Blick rechts über die Wiesen nach der Grünberger Straße und dem Trieb, der noch nicht durch die Gieße⸗ ner„Akropolis“, die gelben Steinkasten der Kaserne, verunziert war, dem Philosophen⸗ wald und nach dem gesamten nordwestlichen wunderbaren Panorama mit seinen Feldern, Dügeln, Bergen und Burgen schweifen lassen. Diese Ausblicke erweiterten sich, je mehr man sich der Wellersburg näherte, denn dann sah man, wie das jetzt auch noch der Fall ist, rechts unten Wieseck und rückwärts Gießen liegen, beide Orte allerdings nur in einem Bruchteil ihrer jetzigen Ausdehnung. Die Walltorstraße hat sich gegen früher im allgemeinen nur durch den Einbau von Läden in die alten Häuser verändert. Die wenigen Neubauten tun dem Gesamtbild, welches gegen früher ein unstreitig viel freundlicheres und lebhafteres geworden ist, keinen Abtrag. Bei einem unserer Ausflüge nach der Wellersburg erzählte uns Herr Franz, als wir an der Stelle vorbeikamen, an welcher die Brandgasse in die Walltorstraße ein⸗ mündet, daß hier im Revolutionsjahr 1848 ein Student namens Pfannmüller') vor dem früher Uferschen, jetzt Michelschen Hause, erschossen worden sei. 5 (Fortsetzung folgt.) Es handelt sich hier um den stud. jur. Karl Friedrich Pfannmüller, Sohn des Hof⸗ gerichtsadvokaten Georg Pfannmüller; er starb im Alter von 19 Jahren am 31. Aug. 1848. Anm. d. Red. * Etappe Langen. Erinnerungen aus den Jahren 1813 bis 1815 von Karl Friedrich Maurer, mitgeteilt von Dr. Karl Esselborn. Schluß.) „Ja, diese haben wir allerdings ausdrück⸗ lich verlangt, allein die Herren erklärten, dieses sei nicht nötig, weil der Ort stark genug sei, um sich selbst zu helfen.“ Hatte sonach die obere Behörde nicht den Mut, ihre Meinung schriftlich auszudrücken, so war es an mir, schönstens dafür zu danken, mich weiter in die Sache einzu⸗ mischen, und ich überließ es sonach dem Ortsvorstand, zu tun, was ihm beliebe. Im Laufe des Jahres beobachtete ich mit vielem Interesse eine starke Kolonne russi⸗ schen Fuhrwerks, die durch den Ort gezogen kam. Sie bestand aus vielen einander fol⸗ genden leichten und bedeckten Wagen, jeder nur mit einem Pferde bespannt. Höchstens zu je vier Wagen war ein nebenhergehender Führer zu bemerken, und die Pferde schienen alle vortrefflich abgerichtet. Jedes Pferd wich dem begegnenden Fuhrwerk ohne min⸗ deste Anleitung dazu von selbst in geeigneter Weise aus, und war das eine oder andere Pferd von dem vorausgegangenen Wagen etwas abgekommen, so suchte es sich kurz trabend wieder anzuschließen. Alles Ge⸗ schirr an den Pferden, besonders das Zeug⸗ werk erschien aufs beste hergerichtet. Das russische Fuhrwerk bringt mir eine Masse russischer Physiognomien in Erinne⸗ rung. Einst ging ich von Langen nach Darmstadt. Auf dem ganzen Weg begegneten mir kurz nacheinander entweder einzelne oder kleine Trupps unbewaffneter russischer Militärs. Lauter zerlumpte und zerzauste sehr alte Leute, ohne Zweifel Invaliden. die in die Heimat zogen. Ihre Gesichter waren so schauderhaft häßlich, wie sie kaum die lebendigste Einbildungskraft zu erdenken vermag. Einen sehr schönen und feinen jungen Russen dagegen hatte ich im Laufe des Jahres als Einquartierung für einen auf im Hause, nämlich einen Kapitän der russischen Gardeaxtillerie, einen geborenen Kurländer. Er hatte die Offiziere seiner Kompagnie, ebenfalls feine junge Männer, zu einer Pulle Punsch zu sich eingeladen und auch mich dazu gebeten, da er zufällig vernommen, daß ich Militär gewesen und mit der französischen Armee einige Feld⸗ züge mitgemacht habe. Er war sehr be⸗ gierig, Notizen von mir zu erhalten über verschiedene Einrichtungen in der französi⸗ schen Armee, insbesondere über ihre Regle⸗ ments. Er erkannte und gestand, daß nach diesen Reglements jeder Offizier wohl wissen könne, was er in seiner Stellung zu tun und zu lassen. habe, also nicht abhängig sei von persönlichen Launen eines Komman⸗ deurs wie in der russischen Armee. 33 In der ersten Hälfte des Jahres erhielt ich auch Besuch von mehreren spanischen Offizieren. Sie waren aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen und gingen von Straßburg ab auf der rechten Rhein- seite nach Holland, um dort für Spanien eingeschifft zu werden. In Darmstadt ver⸗ nahmen sie von Offizieren, die mit dem Regimentsdepot aus Spanien zurückgekehrt waren, daß sie auch in Langen einen sprechen könnten, der als Offizier in Spanien ge⸗ wesen. Dieses veranlaßte sie, mich auf⸗ zusuchen. Sehr gut unterhielt ich mich mit ihnen in gegenseitigem Austausch unserer Erlebnisse hier und da. Ich ließ ihnen ganz guten roten und weißen Wein vor⸗ setzen, den ich von Frankfurt bezogen hatte. Auf meine Anfrage, wie dieser Wein ihnen schmecke, zuckten sie die Achseln und ant⸗ worteten offenherzig:„Senor, es vinagre!“ (Mein Herr, es ist Essig!). Ganz richtig denn aller deutsche Wein hat eine Säure, die man an den guten spanischen Weinen nicht findet. Im Jahre 1814 ließ ich mir eine Interimsuniform des Regiments anfertigen, bei dem ich früher gestanden, nachdem mir bekannt geworden, daß durch eine Order der Generaladjutantur vom 4. Januar 1814 auf Allerhöchsten Befehl ausgesprochen war, daß mir die Erlaubnis erteilt worden, die Uniform dieses Regiments überhaupt ferner— hin zu tragen und den Titel als Hauptmann fortzuführen. Wäre dieses zur Zeit meines Austritts aus dem Militär schon ausge sprochen worden und hätte ich sonach die Uniform auch im verflossenen Jahr 1813 tragen dürfen, so würde ich instand gesetzt gewesen sein, den Anforderungen der Trup⸗ pen, die in der Zeit sehr tumultuarisch statt fanden, mit mehr Wirksamkeit entgegen- zutreten, und manche Einbuße, die mein Wohnort erlitten, würde verhütet worden sein. Selbsthilfe erwies sich zu der Zeit als die beste; denn auf Unterstützung von oberen Behörden her war wenig zu rechnen. Nach dem im Jahr 1814(30. Mai) ge⸗ schlossenen ersten Frieden zu Paris, infolge⸗ dessen Kaiser Napoleon auf die Insel Elba verwiesen wurde und die Burbonen mit Ludwig XVIII. den französis Thron wie der einnahmen, kehrten die nach Frankreich gezogenen Abteilungen unserer Truppen zu rück in ihre früheren Garnisonen. Das vierte Regiment, bei dem ich früher ge standen, kam nach Friedberg und Butzbach. Es war nach der Rückkehr der Offiziere und Leute aus der englischen Kriegsgefangen schaft, in die sie in Spanien geraten waren, wieder organisiert, soweit als möglich er— gänzt, zur Blockade von Mainz verwendet worden und deshalb hauptsächlich in die Orte Ginsheim und Rüsselsheim, in der Nähe der Mainspitze verlegt, gewesen. Das Korps der freiwilligen Jäger wurde auf⸗ gelöst. Es war im Jahre 1814 zu Darm- 1 stadt organisiert worden, nachdem sich auf eine unterm 28. Dezember 1813 erlassene Aufforderung zum freiwilligen Kriegsdienst so viele junge Männer aus allen Ständen gemeldet hatten, daß vier Kompagnien und zwar aus den Freiwilligen der Provinz Starkenburg zwei, sowie aus denen der Pro⸗ vinzen Hessen und Westfalen je eine, auf⸗ gestellt werden konnten. Dieses schöne Korps marschierte mit den Truppen, die sich na der Schlacht bei Leipzig am 18. Oktober nach und nach wieder gesammelt hatten und er⸗ gänzt worden waren, durch die Schweiz gegen Frankreich. Vor seiner Auflösung brachte dieses Korps noch einige Zeit in unserer Gegend zu. Die erste und zweite Kompagnie aus der Provinz Starkenburg, grün mit rotem Kragen, zu Hayn, Götzen⸗ hain und Offenthal, die vierte aus West⸗ falen, grün mit gelb zu Sprendlingen, und die dritte aus dem Oberfürstentum Hessen, grün mit blau, zu Langen. In meinem Hause waren einquartiert die Brüder Karl und Christian Bansa von Friedberg, Neffen ch Pfarrassistent Ramge. meines ersten Kompagniekommandanten, des in der Nacht vom 6. zum 7. April 1812 bei der Erstürmung von Badajoz in Spanien den 4. Juli, abends 8 Uhr: Jugendvereini⸗ gung der Lukasgemeinde(weibliche Abtei⸗ Als im März 1815 Napoleon plötzlich wieder von der Insel Elba erschienen und gebliebenen braven Majors von Schmal kalder. im Triumph nach Paris gezogen war, von wo Ludwig XVIII. nach Brüssel flüchtete, entbrannte ein neuer Krieg Oesterreichs, Preußens, Deutschlands. Rußlands und Englands gegen Frankreich bzw. gegen Na⸗ poleon, und wir hatten in unserer Gegend wieder Truppendurchzüge zu sehen und zu dulden. Auch das vierte Regiment zog bei uns durch, übernachtete zum großen Teil bei uns und marschierte folgenden Tages weiter. Ich war ihm eine gute Strecke in Uniform entgegengegangen, um es zu empfangen. Alle Offiziere, die in dem Orte verweilten. statteten mir freundlichen Besuch ab, und die Regimentskapelle brachte mir zum Abend ein Ständchen. Es fehlte daber nicht an kameradschaftlichen Erinnerungen. Von Einquartierung zu jener Zeit in mei⸗ nem Hause ist mir nur erinnerlich ein Haupt⸗ mann der Fuldaischen Landwehr. Als dessen Kompagnie gegen Abend unbewaffnet vor dem Hause aufgestellt war, drängte sich ein anderer bewaffneter Landwehrmann höchst betrunken mit einer Weibsperson am Arme zu mir auf meine Geschäftsstube ein mit dem Vorhaben, hier Logis zu nehmen. er in Güte keinen Bescheid annehmen wollte, spedierte ich ihn ohne weiteres handgreif⸗ lich zur Haustüre hinaus und die Haus⸗ treppe hinab, daß er, vielfach stolpernd, weiter trollte, was ber der Mannschaft der aufgestellten Kompagnie ein allgemeines Ge⸗ lächter veranlaßte. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 3. Juli. 6. nach Trinitatis. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becker. Vormittags 9½ Uhr: Pfarr⸗ assistent Ramge.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde.— Montag, den 4. Juli, abends 8¼ Uhr: Helferver⸗ sammlung der Markusgemeinde.— Diens⸗ tag, den 5. Juli, abends 8 Uhr: Helfer⸗ versammlung der Männer⸗ und Frauen⸗ vereinigung der Matthäusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Feier des hl. Abendmahls für die Lukas und Johannesgemeinde. Vormittags 11¼ Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Jo⸗ hannessaal: Pfarrer Becker.— Montag, lung); Mittwoch, den 6. Juli, abends 8 Uhr, (männliche Abteilung). * Evang. Arbeiter verein. Sonntag, den 3. Juli cr.: Familien⸗ ausflug nach dem Kirschenwäldchen bei Wetzlar. Daselbst Zusammentreffen mit dem Wetzlarer Bruderverein. Tagestour mit Ab⸗ kochen, keine große Wegstrecke, viel Rast, daher rege Beteiligung erwünscht. Gesangs⸗ abteilung geht mit. Abmarsch vormittags 8 Uhr Ecke Liebig⸗ und Frankfurter Straße. Wer erst nachmittags kann, fährt 1.30 Uhr bis Dutenhofen. Führer am Bahnhof. Die Tagestour führt Herr Schnabel. Suppen⸗ würfel, Tasse und etwas Kaffee mitbringen. Wartburg⸗ Verein. Sonntag, den 3. Juli: Familienausflug nach Annerod. Gemeinschaftlicher Kaffee, musikalische Darbietungen, Wettspiele, Thea⸗ teraufführung usw. Abmarsch ½2 Uhr vom Schützenhaus(Trieb). Donnerstag, den 7 Juli, abends 8 Uhr, im großen Saale des Hotel Einhorn: Wohl⸗ tätigkeitsabend(Konzert und Theater) zum Besten der Jugendfürsorge, unter Mitwir⸗ Da kung von altbekannten Kräften. Leitung des Konzerts: Musiklehrer und Kapell⸗ meister H. Weller. Leitung der Aufführung „Der Nachtwächter“ von Th. Körner: Frau Mendelssohn⸗Bartholdy. Karten für Mit⸗ glieder und deren Angehörige numeriert 3 Mk. und 2 Mk., unnumeriert 1 Mk. Kartenverkauf im Heim, Diezstraße 15. Veranfworlklsch: Pfarrer Bechtolshefmer Druck und Berlag der Brühl'schen Univerfftäts-Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen.