Nummer 300__ Donnerstag, de n 31. Dezember 1014. 7. Jal-rgang L,c „iitne eao.»!'it«ng» etidjeint ,-d-n Werktag. Regelmäßige Beilagen „Per Kauer au« fielTen", ..Hie Spinuckube". K»,u,oprei.: «ei den Postanstalten »»rleljährltch Mk , 05 tu een »genten monalltch so Psg. Hinzu tritt Postgebüh, -der Träger,odn. An.eigen: «rund,eile Ä» Vfo- lolalt 15 Psg, Sn,eigen von auswärts werden durch Pollnachnahme erhöbe» Erfüllungsort Friedberg. Sch Mitteilung und vertag Friedberg (Hessen), Hanaueritratze 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Lonto Nr. 4S.»9, Amt Frankfurt a. Sk. Ucujahr Das Jalzr 101-;. Grüß Gott Tich, junges, neues Jahr! Grüß Gott, bring' reichsten Segen! Du blickst so froh, so hell und klar — Wir jauchzen Dir entgegen! Das alte ging zur Ewigkeit, Das Jahr der großen Taten. O wunderbare Heldenzeit, Wie reich sind Deine Saaten I Griitz Gott! Beschirme unser Heer Im Westen wie ini Osten Und unsre Flotte aus dem Meer, Die alle „auf dem PostenI" Schlagt, Helden, auf die Feindcsbrut, Jagt sie zur Hölle nieder! Gott gab den Teutlchen Kraft und Mut — Stimmt an die hellsten Liederl Im neuen Jahr mit neuer Kraft Holt aus zu wucht'gen Schlägen! Was Großes Ihr bisher geschasst, Bringt Kind und Enkel Segen. Kein Friede, bis der lehte Feind Don Euch im Staub zertreten! Und darum wollen wir vereint Zu Gott mit Inbrunst beten! » , , Dr. Otto Weddigen, Charloticnburg. Znrn Denen Jahr! Der Weg durchs Leben soll nicht sein Ein rastloses Hasten und Jagen: Sieh' einen Kilometerstein In vorgehobenen Tagen. Da ruhe Dich aus, da schaue zurück Aus vergangenes Leid, auf vergangenes Glück, Aus vergangene Schuld und ob ste gesühnt. Aus empfangene Lehre, ob sie dir gedient. Doch nicht n»r rückwärts wende den Blick, Denn vorwärts muht Du, so will's das Geschick. Sind die Waffen noch scharf, wenn's Kampf gibt u. Streit Ist das Herze gewappnet gegen Trübsal und Leid? Trägt keiner ja mehr, als er tragen kann: Je schwerer die Last, desto stärker der Mann! — Auch Blumen werde» am Wege gedeih'» — Drum rüst Dich vorwärts zum nächsten Stein! Der letzte Tag des Jahres, der Sylvester-Abend ist solch' ein Kilometerstein, ein Markstein in unserem Leben. Wir schauen zurück: Wieviel schwere Sorgen, wieviel mühsame, rer- schlungene Psade unseres Daseins liegen doch hinter uns! Den einen mehr, den anderen weniger hat das Leben gerüttelt und geschüttelt. Harte Not, große Gefahr, Trauer und Leid sind an uns herangetreten, aber auch lachendes Glück, frohe Stunden, Freude und Erfolg. Wir sehen sie vorllbergleiten, die Tage des vergangenen Jahres mit ihren wechselnden Bilder». Die Bilder der Lieben erschaut unser inneres Auge, mit denen wir manche frohe Stunde verlebt. Die Bilder der Freunde, denen wir Dank schulden, die verklärten Züge derer, deren irdisches Dasein ausgelöscht ward und die doch eine so schmerzliche Lucke in unserem Kreise hinterließen. Aber bisher war es eben im mer dieser „unser Kreis", den wir bedachten. Unser eigenes liebes Ich und sein leibliches und seelisches Wohl, unsere Fa milie, unsere Freundschast, vor allen Dingen aber immer-das „liebe Ich", alles andere und alle anderen nur, soweit sie z» diesem „Ich" in Beziehung standen. Wie anders trifft uns diese Jahreswende! öurück tritt das Ich mit all seinen Keinen Sorgen und Röten, zurück tritt die Sorge um Berdienst und Wohlstand, und wo wir um Gesundheit beten, so ist es, um dem Daterlande dienen zu können. Ausgelöscht ist aller kleinlicher Hader und Zwist in den Familien, der Parteien, aller Neid und alle Mißgunst unteigegangen, alle selbstischen Wünsche in dem einen Großen: „Möge das Vaterland groß und herrlich aus der schweren Prüfung hervorgehen! Möge uns bald der Friede beschert sein!" Wir sehen rückwärts aus das vergangene Jahr. Wir seben das gewohnte Alltagsleben an uns vorübergehen, sehen das Blühen von Wisienschaft, Handel und Gewerbe, sehen wohlgekleidete lebensfrohe Bürger die Straßen und Gärten, die Gasthäuser, Theater und Ballsäle beleben. Wir sehen die Muffen den schweren Kamps ums Dasein kämpsen, sehen die lärmende Fröhlichkeit der arbeitsfreien Stunden und Tage. Und es drängt sich uns wohl der Gedanke aus: Bei gar manchem dieser hartarbeitenden Menschen war die Arbeit nur das Mittel zum Zweck, möglichst viel von den Vergnügungen und Eenüffen des Lebens sich bieten zu können. Unser deutsches Volk war aus eine gefährliche, abschüssige Bahn geraten. Aber wen der Herr lieb hat, den züchtigt er. Es kam der Krieg. Mit einem Schlage kam dem ganzen Volke das Besinnen. Anfangs stockte wohl der Herzschlag, als die ersten schlimmen Nachrichten kamen: „Drohende Kriegsgefahr!", „Mobilmachung besohlen!" „Frankreich erklärt an Deutschland den Krieg'" „Belgien erklärt an Deutschland den Krieg!" Daun trat er endlich aus dem Hinterhalte, der heimtückische Vetter überm Kanal: „England erklärt an Deutschland den Krieg!" Ta brauste ein Sturm durch die deutschen Lande! Ein Sturm heiligen Zornes! Er feste hinweg wie Spreu, was klein und häßlich an uns gewesen: Ten Neid, die Genußsucht, die Ichsucht. Wer ist unter uns, dem die Tage jenes heiligen, gewaltigen Sturmes nicht mit ehernem Erijsel in die Erinnerung geschrieben sind, Daun kam die Zeit emsiger Arbeit im Dienste des Vater- lande-, der Nächstenliebe. Einer für alle, alle für eine»! Fünf Monate wütet nun der Krieg. Siegesjubel und Tage banger Sorge wechselten. Schwarzgelleidete. verhärmte Frauen, überfüllte Lazarette legen Zeugnis ab. welch gewaltige Dpser er schon gekostet hat. Und »och ist kein Ende des furch, unlieben Ringens zu sehen! Will uns da nicht ei» Bangen beschleichen, heute an der Jahreswende? Ein Bangen, daß wir nicht durchhalten kön. ne», ein Bangen, daß wir auch das Lehte vielleicht noch her- geben müssen, das uns lieb und teuer war? Rein! Eine feste Burg ist unser Gott, Eine gute Wehr und Massen, Er hilft uns frei aus aller Not, Die »ns jetzt hat betroffen. Und weiter: Und ob die Welt voll Teufel war' Und wollt uns gar verschlingen, So sürchten wir uns nicht so sehr, Es soll uns doch gelingen! Gott wird mit »ns sein! Wir sind gewappnet gegen alles, was da kommen mag. Unsere Waffen sind scharf wie ehedem. Das Bewußtsein unseres guten Rechtes gibt uns Kraft, und die herrlichen Erfolge unserer Braven da draußen gegen eine Welt in Waffen, die wunderbare Einigkeit unseres Volkes, die Seelengröße unserer Frauen und Mütter, die der Schmer, »m die Gefallenen nicht zerbrechen kann, sie alle geben »ns die Gewißheit: „Wir werden, wir müssen siegen!" Groß und schwer sind die Opfer, die uns auserlegt sind, groß und stark muß das Volk sein, das solche Opfer zu trage» vermag. Größer und stärker, geläutert und.einig wird unser Volk aus der schweren Prüsung hervorgeheu. Und nun wollen wir rüstig vorwärts schreiten, der ungewissen Zukunjt entgegen Wollen Jeder unsere Kräfte zum Aeußersten spannen, l>en Platz aussüllen, den Gott »ns zugewiesen. Das Läuten der Sylvesterglocken soll uns den Sieg bedeuten, den Sieg des neuen, jungen Jahres über das vergangene, das grau und iniide ins All zurückstnkt, den Sieg des Lichtes über das Dunkel, den Sieg des Guten, Edlen in uns über die finsteren Geister der Selbstsucht, der Zwietracht, und der Genußsucht. In der schweren Zeit aber wollen wir nicht vergessen, der Blumen zu achten, die überall an unserem Wege sprießen und an denen wir nur zu oft achtlos vorübergehen oder sie ivohl gor zertreten. Ein sröhliches Kinderlachen, ein dankbarer Blick, ein schönes Kunstwerk, Musik, Freundschast, Liebe, nicht zuletzt der goldene Humor, der gerade in schweren Zeiten so herzer- yuickende Bluten treibt, sie alle hat ein weiser, gütiger Schöof.n aus unseren Psad gestreut, das ,'instere Tal zu erhellen, das wir durchwandern müssen. Also unverzagt vorwärts mit der frohen Hosfnung im Herzen, daß wir am nächsten Marlsteiu unseres Lebens die Glocken hören werden, die den heiligen schönen seligen Völkersrieden der harrenden Welt verkünden. Friedrich Wolfs, Wölsersheim. foinirj nni) Siiirriiiiairr in ilklitllhkm Wtz. Sturm und Wolkcrrbriichc in Flandern und Nordfraiikreich. — Sticrniwice weit hinter unserer Front. — Eine amerikanische Note gegen England. Der deutsche Ceneralstab s! --------— meldet: - i W. T. B. Grotzes Hau> rticr, de» 30. Tezeinber, vormittags. „ mtlich. (Westlicher Kriegsschauplatz.) Ilm das Gehöst St. Georges südöstlich Nieuport, wel- ches wir vor eine», überraschenden Angriffe räume» mußten, wird noch gekämpft. Sturm und Wolkenbrüche richteten an den beiderseitigen Stellungen in Flandern und Nord- f.nnfveich Schaden an. Ter Tag verlief aus der übrigen Front im allgemeinen ruhig. (Oestlicher Kriegsschauplatz.) In Ostpreußen wurde die russische Heereskavallerie au, Pilllallen zurückgedrängt. In Polen rechts der Weichsel ist die Lage unverändert. Auf dem westlichen Weichselufer wurde die Offensive östlich des Bzuraabschnittes fortgesetzt. Im übrigen dauern die Kämpfe an und östlich der Rawkn sowie bei Jnowlodz und südwestlich fort. Nach auswärtigen Mitteilungen hat es den Anschein, als ob Lowiez und Skierniwieee nicht in unserem Besitz wären. Tie Orte sind seit mehr als 6 Tagen von uns ge- uomme». Skierniwieee liegt weit hinter unserer Front. Oberste Heeresleitung. Die Kämpfe um Lomdartzyte. Berlin, 30. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier ersahren wir, daß die Pressenachricht, daß die Belgier in den Kämpfen bei Lombartzyde 2000 Deutsche gefangen genommen hätten, vollständig erfunden ist. — In den wochenlangen Känipscn in der Gegend von Lombartzyde und Nieuport verloren die Deutschen an Toten. Verwundeten und Vermißten überhaupt nur etwa 1200 Mann. Die Zahl der Vermißten, die allein gefangen sein könnten, ist dabei verschwindend gering. Auch die in der Pressenachricht geschilderten Nebenumstände sind von Anfang bis Ende unwahr. Italien. Bericht über die Zchlacht in polen. Berlin, 30. Dez. Der Mailänder „Corriere della Sera" berichtet aus Petersburg: Seit dem 29. November kämp- fcn die Teutsck^n beinahe ununterbrochen gegen die Front an der unteren Bzura. Die Angriffe setzten nur drei Tag« aus, wahrscheinlich, um den Artilleriekampf noch intensiver zu gestalten. Tie Deutschen haben an dem reckiten Pili» ea-Ufer die russische Nachhut abgeschnitten, die mit der rui- sischen Armee an, 21. Dezember an die Front Opoczno— Toniaszow vorgeschritten war. Die Oesterreichcr und Ungarn leisten auf dem rechten Nida-Ufer den größten Widerstand. Verluste des ital. Freiwilligen* regimcnts in den Argonncn. Mailand, 30. Dez. Ucber den ersten Kampf des it.il:> nischen Freiwilligenregiments am Abend des 27. Dezember bei Belle Etoile in den Argonncn berichten italienische Blätter in langen Pariser Telegrammen mit offensichtlicher Tendenz. Ter Angriff richtete sich gegen den halbkreissor- migen deutschen Laufgraben, er wurde von der französischen Artillerie gedeckt. Tie Deutschen warfen den Angriff jedoch mit heftigein Maschinengcwchrseuer zurück und niach- tcn dann mit dem Bajonett einen energischen Gegenangriff. Als die Italiener sich dann wieder dem rechten Flügel des drutlck^n Laufgrabens näherten, sprengten die Deutschen ihn in die Luft, wobei eine Anzahl Italiener umkamen. .r. 30G_____ Ter Kampf wurde alsdann abgebrochen. Die Gesamtver- luste der Italiener betrugen 40 Tote, darunter, wie gemeldet, Bruno Garibaldi, und 150 Verwundete. Eine dreiste Unwahrheit. (W. T. B. Amtlich.) Die „Norddeutsche Allgemeine ;(tg." schreibt unter dem Titel: „Eine dreiste Unwahrheit": Tic Londoner „Morningpost" hat sich, wie wir einem ru- manischen Blatte entnehmen, von ihrem Mitarbeiter aus Ungarn schreiben lassen, es werde ernstlich daran gearbei- tct, den ungarischen Thron dem Prinzen Eitel Friedrich von Preußen zu übertragen. Diese Ausstreuung soll hetzerischen Zwecken dienen, und in deutschfeindlichem Sinne auf die ungarische, wie auch auf die rumänische Presse wirken. Deshalb stellen wir fest, daß die Behauptung der „Morningpost" eine dreiste Unwahrheit ist. Die Ittllhlacht bei dtn Mllllids-Ilijeln. London, 30. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Der gestrige „Daily Telegraph" berichtet nach einem Telegramm der New York Times" ans Buenos Aires vom 17. Dezember: Der Kommandant des kleinen Kreuzers „Dresden" gab dem deutschen Konsul in Punta Arenas folgende Schilderung des Kampfes bei den Falklandsinseln: Das deutsche Geschwader verließ den Stillen Ozean und ging um das Kap Horn nach den Falklandsinseln. Ehe cs dort ankam, sandte Admiral Graf v. Spce einen Kreuzer voraus, um festzu- stellen, ob englische Schiffe anwesend seien. Der Kreuzer berichtete die Anwesenheit zweier englischer Kreuzer. Der . niral traf sofort die Vorbereitrnrgen zum Kampfe. Als ■!uns den Inseln näherten sahen wir nicht zwei, sondern 's Kreuzer, aber der Admiral hielt an seinem Entschluß Noch später bemerkten wir zwei Schlachtkreuzer der ?ii Klasse am Bnchtcingange. Die Wctterbedingungcn wa- i! ausgezeichnet. Der Admiral beschloß mit der „Scharn- hc.it" und der „Gneisenau" den Kampf aufznnehmen und . fahl den drei anderen Schiffen sich zu zerstreuen. Das englische Geschwader wurde hierauf von der „Scharnhorst" und der „Gneisenau" angegriffen, während die „Leipzig", „Nürnberg" und „Dresden" verfuchten, außer Schußweite zr gelangen. Tie englischen Schiffe führten 34.3 Ctm.-Ge- schübe, die beiden deutschen Panzerkreuzer nur 21 Etm.» Geschüde. Der Kommandant der „Dresden" entnahm englischen Radiogrammen den Untergang der „Scharnhorst" und „Gneisenau", wußte aber nichts über das Schicksal der .Leipzig" und „Nürnberg". Der österreichische Generalstab i . .. - meldet: Wien, 30. Dez. (SB. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird cerlautbart: 3». Dezember mittags: Zn Len Karpathen zrif- ien unsere Truppen nördlich des Uzsoker Paffes an und nah- men mehrere Höhen. Nördlich des Lupkower Paffes brachte ein Gegenangriff die Vorrückung der Ruffcn zum Stehen. Wet- tcr westlich ging der Feind mit schwächeren Kräften an einzelne Uebergänge heran. Nördlich Gorlice, nordöstlich Zalliczyn und an der unteren Nida brachen die russischen Angriffe unter schweren Verlusten zusamm-n. Im Raume östlich und und südöstlich Tomaszow machten die Verbündetem Fortschritte. Auf dem Balkankriegsschauplatz herrschte an der serbischen Grenze Ruhe. Nächtliche Angrisse Ser Montenegriner auf Gut bei Slvtovac und auf Lastva bei Trebinje wurden ahgewiesen. Der Stellvertreter des Chefs des Eeneralstabs: von H ö s c r , Feldmarschalleutnant. Die Kriegslage in Galizien. Der Kriegsberichterstatter der Wiener „Reuen Freien Presse", Roda Roda, erfahrt über die militärisch! Lage solgeu- Nach den „Echos" bei Lodz einerseits, bei Bochnia und imanowa andererseits, mußte dos erste Bestreben der Russen j:un, sich der deutschen und österreichisch-ungarischen Umklamme- rung zu entziehen. Bor allem hieß cs, die gefährliche konvexe Front in eine mehr gradlinige umzusormsn. Indem der russische Generalissimus der schwer bedrohten südlichen Flanke mit großen Verstärkungen zu Hilje kam, schasste er ihr die nächste und ärgste Bedrohung von, Leibe. Wir aber waren dadurch genötigt, dem russischen Stoße schrittweise fechtend auszu- losichcn und aus den Kamm der Karpathen zurückzugchen. Damit erlangten die Ruffcn auch de» Vorteil, daß sie die mllhe- uud verlustreiche, zwei Monate dauernde Einschließung Przc- mysls einstweilen noch Nicht auszugcben brauchten, dem aber der Nachteil gcgenüberstcht, daß sie eine» großen Teil ihrer Kräfte fern von dem Hauptkamptseldc in Russisch-Polen ses!- lcgten. RnWche Wcihnachtsgrüße. Wien, 30.'Dez. (W. B. Nichtamtlich). Eine rusiischc 45 iteric übermittelte der Festung Przemqsl solgende Weih- « chtswünsche" Wir wünschen Ihnen und all den tapferen 3 , leidigem der Festung von ganzem Herzen ein ruhiges und f^ hliches Wcihnachtsfest, Freude und Friede auf Erden und dl > Menschen ein Wohlgefallen. Gott gebe die Erfüllung alter Ihrer Wünsche. Dies ist der ausrichtigste Wunsch der Ossi,-irre und Mannschaften der sünsten Batterie der Tten Artil- teliebrigade- (Hii österreichisches Rotönch. Wien, 30. Dez. (W. B. Nichtamtlich). Das in den nächsten Tagen erscheinend« österreichisch-ungarische Rotbuch ist den Blätter» zufolge bereits seit längerer Zeit vorbereltct tnd befindet sich schon im Druck. Es wird jene Aktenstücke ent- ho.lten, die sich aus die umnils dessen Taufsck>ein hcrvorgeht. daß er der Sohn des alten Bota-Pujg. gebürtig aus Lcrida lst. Louis Botha hat niemals ein Hehl daraus gemacht, daß sein Vater ein Spanier war. Verschwiegen hat er nur das Vor- brechen seines Vaters. Botha, dessen Patriotismus nicht iät. 30(» ! Beilage zur „Neuen Tagest eitun g". Donnerstag, den 31. Peremker 1014. 7. Zaftrgnng Ans meiner Dorfkirche. Gebet. Math. K. 6 v. 9—13. Darum sollt iher also beten: lu s.'r Vutcr in dem Himnicl. Tein Name werde geheiligt. Tein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel. Unser täglich Brot gib uns heute. Und ver;' gib unS unsere Schulden, wie wir unfern Schuldigcrn vergeben. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse unS von dem Uebel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amenl Liebe Gemeinde! Ich weih keine besseren Worte an dem Anfang diese? neuen Jahres zu stellen, als das gewaltige Gebet unseres Herrn! So falte denn jeder die Hände und läßt uns beten: Vater unser, der du bist im Himmel! Ja Herr, du bist unser Dalerl Latz es uns erfahren ini kommenden Jahr, wie wirs bisher erfahren durften, daß du, de, Herr Himmels und der Erde, der du die Menschen läs- lest sterben und sprichst, kommt wieder Menschenlinder, der du Sonnenschein schickst wie Gewittersturm, Freude wie Leid: Daß du kein grausamer Herr bist, sondern unser lieber Vater! Und laß cs »ns auch spüren, daß deine Vater- liebe wahre Liebe ist und keine Schwäche. Hüte unS, daß wir deine Liebe nicht in Ucbermut und Leichtsinn miß- braua'en, daß cS wahr werde: Dein Name werde geheiligt! •O Gott im Himmel lehre uns die rechte Ehrfurcht vor dir, drin heiligen Gott, dem Unsichtbaren und Unfaßbaren! Bewahre unS davor, daß der Uebcrmut hochwachsc auf die eigene Mcnschenkrast, nuhe die ernste Zeit nn, uns erkennen zu lassen, daß wir blinde Zwerge sind, mit all' unseren, Wissen und Können. Pflanze in uns das tiefe Gefühl dafür, daß unser ganze? Leben und Tun in der Hand eines- Höheren steht, und daß nicht Essen und Trinken die Welt regieren, sondern Recht und Gerechtigkeit! Ja Herr, laß cs uns in den Tagen die vor »ns stehen nie vergessen, daß cS um Recht und Gerechtigkeit geht! Und wenn eS fo schwer werden sollte, daß wir meinen, wir könnten es auf die Dauer nicht mehr tragen, dann laß uns daran denken, wie in, vergangenen Jahre das Unrecht bergehoch gegangen ist. und die Sünde znm Himmel schrie, als sic Kinder und Weiber mordeten, und Verbrechen auf Verbrechen häuften, und gib uns in solchen Gedanken die Gewißheit: wir haben nicht angesangen aus unserem Willen, und können auch nicht aushören aus unseren, Willen, denn wir kämpfen nicht um unser Ehre und unseren Vorteil, sondern darum, daß deine Gerechtigkeit ihren Weg gehe, daß dein Reich näher komme. Laß dein Reich kommen! Bewahre uns davor, daß wir nicht sagen, wir kämpften um die Gerechtigkeit, und in Wirklichkeit nur denken an eigenen Vorteil: Laß uns alle in den heiligen Notzeiten, die du über uns verklängt hast, ernster und heiliger werden, tilge das fremdländische unreine und unkeusche Wesen im Feuerbrand de? Krieges, laß die Innigkeit und das Familienleben, die Treue und Gewissenhaftigkeit unserer Vorfahren neu wachsen in unserer Seele, laß unser ganzes Volk immer niehr und inchr dein Volk werden, das nicht. Herr, Herr sagt, sondern das wirklich deinen Willen tut! Ja Herr, deinen Willen! Dein Wille geschehe airf Erden wie im Himmel! Mach uns zu Menschen, die mit Ernst an dem Platz stehen, an den d» uns gestellt hast, laß aus unserer Mitte ver- ick,winden die Meinung, daß wir da leien um reich zu wer- dcn oder um unser Vergnügen zu suchen, laß »nS in Treue nur tun, was du uns zugewiescn hast, als Pflicht und Ar- bcit unseres Lebens. Laß uns bei jedem Stück, das wir angreifen spüren: es muß getan werden, damit dein Wille geschehe. Laß cS so besonders spüren: unsere Soldaten draußen, wenn sie die Waffen zur Hand nehmen, daß sie deinen Willen tun und nicht Menschenwerk — die Aerztc uni, Pfleger und Pflegerinnen in den Lazaretten in ihrem schweren Beruf, den Kaiser und die Fürsten und ihre Ratgeber, damit sie unser Volk auf dem rechten Wege leiten, unser ganzes deutsches Volk und uns selber, damit wir mutig und geduldig die Wege gehen, die du uns sübrst. Laß es an uns und unsern Lieben wahr werden: Tein Mille geschehe! Und unser täglich Brod gib uns auch in diesem Jahr! Kröne alle schaffende Arbeit mit dein un Segen, laß Frucht wachsen und die Ernte cinkommen unter der schweren Not der Zeit und bewahre uns vor Hungersnot und Seuchcngefahr. Erhalte uns unser schönes, freies »nd großes deutsches Vaterland, segne unsern Kaiser, unsern Großherzog und sein Haus, segne unsre Heimat und jedes Haus in unscrm Dorf und gib uns wieder deS irdischen F riedcns sonniges Glück! Wir sind cs gewiß nicht wert, daß du so Großes an unS tust. Wir denken daran, wie wir gewesen sind vor dem Krieg, wie da oft an den Sonntagen keine Zeit mehr war zum Kirchgang vor lauter Festen, wie da Unzufriedenheit, Genußsucht und Zügellosigkeit, Selbstsucht und Eitelkeit uns beherrschten, wie wir getanzt haben um das goldene Kalb! Wir denken daran, wie auch jetzt solche Sünden noch nicht ausgcrottet sind, aus unscrm Herzen — aber wir spüren auch nun deutlich, wie sie uns ins Verderben führen, das Leben de? Volkes und der Einzelnen vergiften: Darum sieben wir, erlöse uns von dem Fluch unserer Sünde und vergib uns unsere Schuld. Und löse uns auch von dem Hochmutsteufel, der uns dahin bringen will, daß wir meinen, wir können uns über unsre Feinde überheben: Lehre uns einen scharfen Strich ziehen dazwischen, daß wir wohl wissen, daß wir im Kampf gegen sie dein Werk ausführcn sollen, Recht gegen Unrecht — ober laß uns fern davon sein, kleinliche nienlchliche Rack>- sucht üben zu wollen, die auf das Unrecht wieder Unrecht setzt. Laß unS das Schwere lernen: unsern Feinden ihre Schuld zu vergeben, damit wir groß seien und nicht klein! Wenn du uns. Macht geben willst über unsere Feinde, dann laß uns nicht vergessen, daß du cS warst, der sie in unsre Hand gab. damit wir dein Recht an ihnen üben sollen, auf daß wir nicht meinen, wir dürften unsre Lust mit ihnen-treiben: Führe uns nicht in Versuchung — nicht in diese und nicht in andere, wie sie so leicht kommm könnte, wenn wir den Sieg haben sollten: Laß uns nicht zurückfallen in unsre alten Sünden, sondern halte uns rein an Leib und Seele. Und erlöse uns von allem Uebel: Mack>e dem fürchterlichen Krieg ein Ende, heile die Wunden die er geschlagen hat, laß den Haß nicht weiterwachsen, den er gesäet hat, gib »ns Männer und Frauen, die helfen an dem großen Werk die Not zu lindern in und nach dem Krieg — und gib uns deinen herrlichen Frieden auf Erden, wie im Himmel: Du Herr inußt solches olles tun, du allein hast die Macht dazu: Tenn dein ist das Reich und die Kral! »nd die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen! Ilenjaftrswnnjch. DeS Jahres Ende naht heran mit Macht: Doch eh' wir das Neue Jahr besingen Laßt sehen, was d>rs Alte »ns gebracht! War's nicht ein blutiges Völkerringen? Ei» Schlachten ein Morden An gar vielen Orten. Weil EngDknd wollt' Ein Meer voll Gold. Gott strafe dich England! ES brachte uns Krieg es brachte unS Streit Weil England nicht länger es konnte sehen, Wie Deutschlands Größe und Herrlichkeit Prächtig und schöner als je wird entstehen. ES konnte nichts hören Don deutschen Ehren Sein Weltverkehr Sollt beherrschen das Meer Schäme dich England! Schein:e dich England! Du hast's vollbracht Die Kricgssackel in die Welt zu schleudern. Vereint im Bunde mit großer Macht Deutschland zu vernichten, berauben zu meutern. Rußland, Belgien, Frankreich Kamen all' zur Hilf' gleich Durch geschlossen Band Mit feiger Mörderhand. Rache dir England! Rache dir England! Für deine schändliche Tat Die du an der Menschheit grübest: Da du auf so schlechte erbärmliche Art, Den stillen Frieden des Volkes betrübest. Drum Deutschland steh' aus Vereint schlag drauf Vertrau' in der Not Auf deinen Gott. Gott verläßt keinen Deutschen! Weh' dir Englandl Deutscher Zorn ist groß Deutsche Treue, Kraft und Mut ist wach geblieben; Du schnödes Albionl Hattest du nicht in deinem Schob Wahl zwischen rohem Krieg und ehrenvolleni Frieden? Es wollte den Krieg ES hoffte auf Sieg; Doch deutsche Stärke deutscher Mut Komm' über dich „Krämerblut". Weh' dir England! Weh' dir England! Deine letzte Stund' wird schlagen Wenn einst dein Söldnerheer, dem deutschen Zorn entflieht Wenn einst man deine Krämcrseel' zu Grab wird tragen, Was hoffentlich im Neuen Jahr geschieht. Dann Hurra Germania Stolz stehst du wieder da, Schwingest noch gut dein Schwert Bist wohl der Väter wert: Gott sei mit dir! r-Ausverkau Kuorm bimse i»reise.~] beginnend Samstag, den 2. Januar. Grosse Auswahl. Äesondcro vorteilhaftes Angebot für Kontzrmanden u. Kommunikanten! 4 t L fl f weit unter regulärem Wert, nur Neuheiten in aparten Farben. «tA Seite I! c ns Serie IN m ^|- Serie IV m nn jetzt JU jetzt jetzt l.fi) jetzt 1.30 Darunter hoch aparte Sachen in schwarz und weiß. Serie I ,©| 1 I« Extra-Rabatt Tie Sit Pfg.-Artikel — sin» rein netto. — Weifte Damenwäsche meist eigene Fabrikate, daher erstaunlich billig. Hemden — Hosen — Jacken Serie IV 2>4 g Serie I J 20 jetzt Serie II -J gg petze __ jetzt _ um unbedingt zu räumen, bis Serie III J 95 jetzt jetzt ,v>) Prozent Dakatt. 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So wurde das Fest gewissermassen etappenweise begangen! hinter der Front leuchteten die Weihnachtskerzen und vorn im Schützengraben hielten die Feldgrauen treue Wacht, bis die Ablösung sie ebensalls unter den Weihnachts- benm führte. Ucbcr die einzelnen Feiern liegen bisher folgende Berichte vor: Unser Kriegsberichterstatter Paul Schwedcr ver- l"-achtc die Christnacht bei der Dogesen-Armee und sendet uns über deren Verlauf folgenden poetischen Bericht: Christfest im Wasgenwald. Die Nacht war kalt und finster und Wetterwolken droh'n da n"ht von Strnßburg's Münster Maria mit dem Sohn. Sie trägt heut' keine Krone feldgrau ist ihr Gewand am Arm ein rotes Kreuze aus einem weißen Band. Die Hirten aus dem Felde sie liegen auch heute da. Die Glocken jubeln und melden: Wacht auf, der Herr ist nah! Nun steh'n sie unterm Baume und seh'n sich staunend an es ist ihnen wie im Traume, daß man noch beten kann. Der Herr hebt segnend die Hand:: Ich bin Euch immer nah, ich kenne das Gelände B"tblehem — Golgatha. Hinweg mit Sorgen und Bangen, cs ist ja Weihnachtszeit. Hei, wie die Feldgrauen sangen und wie sie ihm taten Bescheid. Draus, als der Glanz erloschen, sie nehmen die Waffen zur Hand. „Nun wird wieder feste gedroschen für König und Vaterland." Paul Schweder, Kriegsberichterstatter. S. u. H. Berlin, 26. Dez. 1914. Wie die Truppen in Lille das Christfest begingen, schildert der Berichterstatter d. „Tägl. Rundschau" in folgender Weise: Das durch die oberste Heeresleitung genehmigte Weihnachtsfest wurde bei den Truppen in der vordersten Linie in überaus würdevoller Weise gefeiert. Ich war zugegen bei der Brigade Eckermann, dicht hinter der Schützenlinie, wo mit seicrlichem Gottesdienst in der alten, von brennenden Tannenbäumen aus dem Schwarzwald und von Fackeln erleuchteten Kirche das Fest begann. Dem Heiligen Abend angemessen waren die ernsten, stimmungsvollen Worte des freiwilligen Feldgeistlichen. Regimentsmusik begleitete die feierlichen Gesänge. Unter dem Weihnachtsbaum im Kreise der Kompagnien, umgeben von Bergen von Liebesgaben aller Art, kennzeichnete der Brigadesllhrer die Bedeutung des Tages und sprach einzelne seiner Leute an, denen er das Eiserne Kreuz und die großherzoglich badische Tapferkeitsmedaille überreichte. Dem gegenseitigen Versprechen, auch weiterhin treu auszuharren und das begonnene Werk zum würdigen Ende zu führen, folgte die Verteilung der Geschenke und Liebesgaben. Besondere Freude riefen die aus Dillingen, Tribcrg und Lahr gesandten Gaben hervor, und dankbaren Gemütes gedachten die Leute ihrer Lieben daheim. Es war ein herzerfrcuender Anblick, die Augen dieser Braven im Glanz der Weihnachts- kcrzen aukleuchten zu sehen. — Den Schluß dieses mir un- t'ergcßlichen Abends bildete eine Feier im Brigade-Stabs- auartier, wo nach stattgefundcner Feier und Bcschenkung ein würziges Mahl uns vereinte. Kanonendonner war während des Heiligen Abends nicht zu vernehmen, still und würdevoll ist er überall verlaufen. — Einen AuNchnitt ans den Feiern um Verdun gibt ein B' dt der „Morgenpost", der besagt: Ich verlebte die -- - ’ Hwbijchcruug bei einem Infanterie-Regiment in V: 'ü-,stelluug vor dem Feind. Gegen 4 Uhr waren !i:: Kompagnien vor dem Ouartier des Lber- " versau«: 'lt. Der Kommandeur wies in kurzer mar- l il-rp-ache die Mannschaften auf die eigenartige T'-sh- r üst-atio» bin. wobei er ausführte, daß der alte Kin- : ■ -y, wonach die Verheißung: „Friede auf Erden" zur ' - t werden solle, nicht zuschanden geworden sei. Das :t werde, wie bisher, mit Hingabe weilerfechten. da- ; ein ehrenvoller Friede für da? Vaterland gesichert 'Tann folgte die Besckierung im Ouartier des Kom- t, ; unter dem strahlenden Weihnachtsbaum. Die pauuschaften wurden mit Geschenken reich bedacht. Ihr TcS „Vcrgelt's eahna Gott. Herr Obcrscht" machte tic- n En-dnick. Während der Feier trug ein SLnoerckwr alte '.''ribnachlölirder vor. „Stille Nacht, heilige Nacht" und ? wundervolle Bccthovenlicd „Stille Nacht, o gieße du Himmelsfricdcn in mein Herz" machte bei Kanonendonner und Gewehrgeknattcr einen ticsergreisendcn Eindruck. — Nach Beendigung der Feier bei diesem Regiment ging es über grundlose Lehmwege durch den Wald zu einem anderen Regiment, bei dessen Kommandeur unter dem Weihnachtsbaum eine gemütliche Feier bei einem Glase Punsch stattfand. Bis spät in die Nacht hinein tönten aus den Unterständen der Mannschaften, in denen überall Wcih- nachtsbäumchen brannten, Choräle und Weihnachtslieder. Am ersten Feiertag morgens bei strahlendem Sonnenschein Fcldmesse ans einer Waldwiescl Als der Geistliche die Mannschaften an Weib und Kind in der Heimat crinn- eite und den Leuten versicherte, daß an diesem Tage die Lieben in der Heimat mit besonderer Sehnsucht ihrer gedächten, sah man in den Blicken der ältesten Krieger tiefe Ergriffenheit. Aber hell und jubelnd erklang zum Schluß das „Großer Gott, wir loben Dich" aus tausend Kehlen, ein Zeichen, daß trotz der wehmütigen Heimatsstimmung nirgends Niedergeschlagenheit und Gedrücktheit herrscht. — Eine besonders schöne Feier wurde beim Brigadestab veranstaltet. Ein hoher Ossizier hatte den echt christlichen Gedanken gehabt, Kinder französischer Witwen zur Feier zuzulassen. Mit großen Augen staunten die Kinder den Lichterbaum an, der ihnen lo unbekannt war, der aber gerade darum einen besonders tiefen Eindruck auf ihr Gemüt machte. Die Kinder wurden mit kleinen Gaben bedacht, die sie dankbar, mit Tränen in den Augen, entge- gcnnahmen: die Mütter waren tief gerührt, als der Divi- sionspsarrer ihnen das Wesen der Feier in französischer Sprache erklärte. — So verlief die Ecsamtfeier, ohne durch feindliche Angriffe gestört zu werden, überall stimmungsvoll und ergreifend, und tröstete die Mannschaften, soweit angängig, über das hinweg, was sie am heutigen Tage entbehrten. — Der Vertreter des „Bcrl. Tageblattes" hat die Feier in Westslandern mitgcmacht. Er drahtet darüber dem genannten Blatte: Als Weihnachtsübcrraschung sandcn d'ie deutschen Truppen in Flandern beim Erwachen heute am ersten Feiertag prachtvollen Rauhreif vor. Dazu eine goldene Mintersonne und den ersehnten Frost, der. wenn er anhält, dem schrecklichen Schlamm und Morast im Ileber- schwemmungsgebiet abhelfen könnte. Die Gegner schein".-!, soweit hier übersehbar ist, besonders Störungen des Christfestes bisher unterlassen zu haben. Nur kleinere Angriffe zu Lande und von der See aus erfolgten wie gewöhnlich. Ein feindlicher Flieger überslog gestern nachmittag Flandern in größerer Höhe, verzichtete aber auf jeden Bombenwurf und schien sich nur ansehen zu wollen, wie die Tent- ichen den Weihnachtsabend feiern würden. Man war aber durchaus auf alle Möglichkeiten vorbereitet, die Wachen waren verstärkt, probeweise Alarmierungen wurden abge- haltcn. Wo Feiern möglich waren, wurden sie bei dicht ver- hängtcn Fenstern und zweimal veranstaltet, damit stets die Hälfte der Mannschaften voll iin Dienst blieb. — Im Hauptguartier der vierten Armee nahm der Herzog von Württemberg an der Bescherung der Mannschaften und Offiziere teil. Er schenkte jedem der letzteren sein Bild mit Unterschrift und eine Zigarrentasche mit seinem Wappen. Er hielt eine herzliche Ansprache. Außerdem wurden 409 arme Kinder mit Pfefferkuchen, Obst und Schokolade beschenkt und mit warmem Essen gespeist. An beiden Feiertagen fand nach Möglichkeit in Kirchen oder Sälen Gottesdienst, evangelischer und katholischer, statt. Ich konnte selbst an verschiedenen schönen Weihnachtsfeiern tcilnehmen. wobei ich stets die reichliche Versorgring der hier stehenden Truppen feststcllte. Sie wurden von allen Seiten beschenkt. Die Militärverwaltung versorgte sie mit reichlichen Spenden, dazu kamen die Liebesgaben und endlich die Pakete der Angehörigen, die teilweise schon seit Monaten un- trwcgs waren, alle aber erst in letzter Zeit ankamen. Viele Soldaten haben soviel erhalten, daß sie, wenn ein plötzlicher Abmarsch käme, die Geschenke garnicht alle mitlchleppen könnten. Jedenfalls scheint cs ausgeschlossen, daß irgend ein Soldat hier ohne eine Wcihnachtsfreude blieb. Bedauert wird natürlich nur allgemein das Fcrnsein von den Lieben daheim, und mancher Selmsuchtsgedanke schweifte wehmütig in die Ferne. Dennoch kam vielfach, obwohl der Feind nur wenige Kilometer entfernt ist, ein gesunder Sol- daienhnmor in allerlei Ausführungen, Festzeitungcn und Scherzen zu seinem Rechte. Paul Schweder, Kriegsberichterstatter. Deutsche Feiddriefe. Folgender Weihnachtsbrief aus dem Lazarett, der einem Kameraden des Verwundeten zugtng, wollen wir hiermit ocr- öjfcntlichen: Weihnächte» 1914. im Nescrve-Lazarctt 4 Halle n. d. Saale. Werter Kamerad! Canz anders als sonst llangen die Weihnachtsglocken in diesem Jahre über die deutschen Lande. Ach, es sehlten so unzählig viele unserer Braven, die noch im vergangenen Jahre mit unseren Lieben zu Hause unter dem Christbaum standen. Vielleicht im fernen Westen oder Osten, dort liegen sie in kalter Wintererde gebettet oder aus dem Schmerzenslager oder im Kampf auf blutiger Wahlstatt. Aber dennoch klang in den Glocken die ewige, freudige Botschaft: „Ohre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen". Ehre sei Eott in der Höhe! Dem Eott, zu welchem viele unseres Volkes jetzt umgekehrt sind, die früher so selbstgerecht und selbstgenugsam dahinlcbten. Ihr Eltern und Geschwister! Könnt Ihr sein Weh nach- fühlcn, die ihr jetzt blutenden Herzens, aber mit freudigem Stolz eure Söhne und Brüder, die Freude und Hoffnung eures Lebens, dahingebt? Unser Gott in der Höhe kann euren Schmerz mit euch fühlen, denn er gab seinen einzigen Sohn in die Welt, in ein Leben voller Entbehrung, Schmach, Marter, ja in dem Tod am Kreuz. Immer und immer wieder merlen wir in der heiligen Nacht, datz Eott die Liebe ist. Und Friede aus Erden! Wieder einmal hatte unser liebes Vaterland dem Feinde seine liebevolle Hand angeboten, um während der Weih- nachtsfcicrtagc ein Wajieiistillstand zustande zu bringen, aber vergebens, denn jeder Versuch ist bei den „Kulturvölkern" England, Rußland und Frankreich gescheitert. Wir führen einen heiligen Krieg und sind alle einig in dem festen Entschluß, die Waffen nicht eher nicdcrzulegcn, als bis dem Vaterland- ein sicherer, ehrenvoller Friede errungen ist. Der Zweck unserer Gegner aber ist, unser tiebes und blühendes Deutschland niederzumetzeln; das erkennt man schon daran, daß man uns diese schwarzen, heidnischen !':id unkultivierten Vollestämrac cntgegen- wirft, diese Menschei'. - die unser Vaterland schon Millionen von Mari geopfert i unzählig viel Missionare hinausgHchickt hat, um st- zum Et ! ..»glauben zu bekehren. Mit diesen iticn sollen wir nun Krieg führen? Aber auch dieser Krieg muß und wird zum Frieden führen. Wan»? Das besi.mmt der große Gott! Wie? Das bestimuit der weise Eott. „Friede auf Erden!" So klang cs auch hier bei uns durch den großen Festsaal, der im Taun.ndust prangte. Unser Lazarett „Loge 3 Degen, birgt nahezu 203 Verwundete. Tie Feie: begann nit einem Weihnachtschor, gesungen von den Schwestern, wo sich die Festrede anschloß, welche mich und meine vielen LcideusgeHhr- tcn in eine tiefere Stimmung versetzte«, denn man gesenkt doch immer seiner Lieben z» Hause, sowie seiner braven Kameraden, die da draußen im Schnee im Feuer liegen. Nach der Feier ging es an die Bescherung. Jeder erhielt auß-r einem großen Weihnachtsstollen noch Acpfel, Nüsse, Süßigkeiten, Pieis: Tabak, Messer u, a. mehr. Das war vornehmlich ein Werk des Bankiers Ernst Haascnzier von hier, sowie überhaupt der ganzen Stadt Halle, die ein großes Jntereffe zeigte, den Verwundeten das Weihnachtssest recht freundlich zu gestalten. Tas ist auch vollständig gelungen und sämtliche Kameraden freuten sich herzlich über die schönen Weihnachtszaben. Ich hasse nun, daß ich meine Gesundheit bald wieder erlangen werde und Euch mit einigen Tagen Urlaub in der Heimat begrüßen kann. Die herzlichsten Grüße ans Halle sendet Ihnen Ihrer Familie Gefreiter d. R, Buch, 11,-188, Ein mißglückter sranzoj. Ansturm aus deutsche Schützengräben. Die Familie Bunn-Zauerbach stellt uns folgender Feld- brief zur Versügung: Douverin, den lg. 12. 1914 Liebe Eltern und Geschwister! .... Aus Eurem Brief habe ich ersehen, daß Heinrich und Ludwig jetzt eingezogen worden sind und Rudolf auch zur Musterung muß. Da ist es doch bestimmt, daß wir alle fünf Brüder jür unser liebes Baterland streiten dürfen, worauf ich scbr stolz bin. Hoffentlich aber kommen wir alle wieder gesund heim, dann könnt Ihr auch froh und stolz daraus sein, daß Eure sämtlichen Sühne und Schwiegersöhne unter den siegreichen Fahnen gestanden haben. Liebe Eltern, gegenwärtig ist der Krieg nicht mehr so schlimm wie im Anfang, da wir eben sehr wenig selbst angreifen und dem Gegner den Angriff überlassen, der ihm aber bis jetzt stets mißlungen ist. So wurden wir erst gestern von den Franzosen angegriffen. Wir haben sic durch einen Schcinrückzug getäuscht und sie sind auch schön zuin Sturm vorgcgangen. Wir haben ruhig irt unseren Schützengräben gelegen und haben sie bis aus 288 Meter herankommen lassen. Dann hat's aber gerappelt, wie die Fliegen sind sie herumge- flogcn; wir haben geschossen, was aus dem Gewehr heiausging. Mut aber haben die Feinde doch gehabt, denn nach 2 Stunden griffen sie schon wieder an und mußten wieder mit blutiger Nase abziehen; cs wurde ihnen gezeigt, daß gegen einen deutschen Schützengraben anzustürmcn, eine brenzliche Sache ist. Die wenigen Verluste, die wir hatte», waren uns durch Arlil- lcrie zugesllgt worden, aber die Franzosen lagen haufenweise auseinander. Die Kämpfe haben ungefähr eine Stunde gedauert, in dieser kurzen Zeit mußten aber etwa 388 Feinde ihr Leben einbllßen. Biele Verwundete gab es nicht, denn wir hatten ein gutes Ziel. Hoffen wir nur, daß unsere Seines bald genug haben, damit wir bald wieder heim zu unseren Lieben kommen. Aber nicht eher, als bis unsere Feinde genug haben. .....ich verbleibe unter vielen Grüßen Euer Sohn und Bruder Philip;>. Die Kämpsc in Flandern. Ein Krieger aus Niedcr-Florstadt sandte an seine Eltern solgenden Fcldbries: Brügge, den 13, 12. 14. Liebe Eltern und Geschwister! Gestern sind wir wieder hier angekommen, gerade vor vier Wochen sind wir von hier wegmarschicrt. Schwere Wochen sind ! das gewesen. Am schlimmsten war der Sturm, den wir bei Lombartzyde gemacht hatten, wo so viele unserer Kameraden geso.llen sind. So was könnt Ihr Euch gar nicht vorstellcn. j Bater war ja auch Soldat, er weiß ungcsähr Bescheid, wie es im Sturm hsrgeht. Da sah man allenthalben nur Köpfe, Beine, ; Arme und Hände von Blute schwimmen und die vielen Toten! Schrapnell- und Eewehrlugcln sausen nur so herum, sodaß man gar nicht weiß, wie man daran ist, das ganze Sinnen und Trachten ist nur immer vorwärts, bi- wir an den Franzose» heran waren. Die Franzosen sind nicht zu verachten, es sind gute Soldaten, sie laufen nicht davon wie die Belgier und Engländer bei Antmerp-cn, Sie schoßen aus uns, bis wir nahe bci ihnen heran waren: aber ausgepslanzt halten sie doch nicht alle und als wir an die Schützengräben hcranlamen und mit dem Bajonett auf sie zukamen, da fingen sie an zu schreien wie die Kinder, In den Gräben stellen sie sich vielfach tot, bi- wir sic mit dem Gewehr gekitzelt haben. Es ist säst unglaublich, daß ich so ohne Verletzung au- dem Kugelregen davongclommcn bin; aber ich werde diesen Tag, den 11. November 1914, in meinem Leben nicht vcrgeßc». So im Schützengrabc» und aus Patrouillen beschossen zu werden, das ist man jetzt schon ganz gewöhnt. Der Mensch gewohnt sich schließlich an alles und wenn man cs sich richtig überlegt, so können wir zu dieser Mi- Nr. 306 JJeuc Tageszeitung. Tonnersrag, otn an. Dezember iai« »ule noch munter und die nächste Sekunde schon gctrossen und tot sein. Wir alle hassen, daß dieser Krieg einmal ein Ende nehmen und doch sind die Aussichten dazu schlechte und es kann noch recht lange dauern. Nie hätte ich gedacht, daß ich in meinem Alter das alles noch einmal sehen und mitmachen mutz. Den Trost aber habe ich jetzt schon, dotz Ihr alle und auch meine Frau all' das Elend, das der Krieg in einem Lande verursacht, nicht selbst sehen und was noch schlimmer wäre, suhlen mutztet. Haus und Hof werden dem Erdboden gleichgemacht und Hab und Gut gehen verloren. Es ist einsach schrecklich, mitanzn- schcn. wie die Frauen mit den kleinen Kindern bei der Kälte o»f der Straße stehen. Wenn man hier so drautzcn ist. da kann man nick« verstehen, datz in den Zeitungen Konzert. Theater und Belustigungen angczcigt werden, man sollte sich doch tchämen. Solche Leute, die so was aussuchcn. mutzten einmal lnrrbergcbracht werden, dann vergingen ihnen diese Gedanke». Jetzt haben wir noch einige Tage, dann ist Weihnachten, die wir leider hier seieru müsien. Ich wünsche Euch deshalb recht iröhliche Weihnachten und Hesse, datz wir zu Ostern nicht mehr hier find. llntcr herzl. Ersitzen verbleibe ich Euer Sohn Wilhelm. ' v lale ’lrfistrfitifrrifn an Die vorwiegend industriellen Kreisen nahestehende ,.D. 'ollewirtschastliche Correnspondcnz" schreibt: ..Bon sachkundiger Seite »st berechnet worden, datz die entsche Landwirtschaft mit 2b bis 33 v. f>. ihres Geiamtbe- daries an Krastsuttermittcln für den Vichstapcl aus ausländische Zusuhren angewiesen ist. Ihr Wert ist aus 800—1000 Will. Mark zu bewerten, je nach dem Ausfall der heimischen Futterernte. Hauptlieferant für unsere Krastsuttcrmittel war Rußland. das im Jahre 1813 allein für 326,3 Will. M. Gerste, für 60 Mill Mk. Kleie, für 33 Mill. Mk. Saser sowie für 36 Mill. Mk. Erbsen, Mais und Leinsaat lieferte. Reben Nutzland kamen als Futtcrmittellieseranten noch die Vereinigten Staaten von Amerika mit annähernd 100 Mill. Mk., Arg.-n- tinien mit mehr als 200 Mill. Mk.. Britisch-Indien mit 7b Mill. Mk. und Rumänien mit 26 Mill. Mk. wesentlich in Betracht. Die Zusuhr an Futternritteln ist also nach Lage der Verhältnisse so gut wie gesperrt. Zn welcher schamlosen Weise die Spekulation die Notlage unserer viehzüchtenden Bauern ausgebcutet hat. möge folgende kurze Zusammenstellung erweisen; an der Hamburger Produktenbörse betrug der Preis für 1 Tonne in Mark: Kurz vor AusEnde Rovemb. Mitte De,. bruch d. Kttegs 1914 1814 Weizenkleie 83 175 186 Roggentleie 103 180 180 Rapskuchen 117 183 196 Leinkuchen 143 237 251 Erdnußtuchen 163 235 261 Soyaluchen 147 226 235 Dazu lommc» die Preissteigerungen für Hafer und Gerste, denen durch die Hüchstpreisvorschristen der Reichsrcgierung bis zu einem gewitzen Erade Einhalt geboten worden ist, und zwar mit dem Erfolge, datz Futtcrgcrste fast völlig von den vssenen Märkte» verschwunden ist. Soweit die selbftgeerntete Gerste nicht für den eigenen Futierbedars beansprucht wird, kommt sie vermischt oder unverniischt als Braugerste zum Verkauf. Es liegt auf der Hand, datz unsere oiehzüchtenüen Bauern angesichts der horrenden Preistreibereien den Zukauf von Kraftfutter auf das geringste Matz beschränken und es vorziehen, die Viehbestände soweit einzuschränken, bis sie vom Futtermittelmarkt völlig unabhängig sind. Man kann ihnen unmöglich zumuten, datz sic mit dem Risiko der Züchtung auch noch schwere materielle Opfer übernehmen. Denn es ist ganz ausgeschlossen, datz ihnen durch oic Bichpreise ein völliger Ersatz der Produktionskosten in Aussicht gestellt wird. Die eingangs angeführten Ziffern lassen erkennen, welchen trüben Zeiten unser- Fleischversorgung entgegensteuert. Und mit dem beträchtlichen Rückgänge der Viehzucht ist letzten Endes auch eine empsindliche Einbuße uns-rer Getreideernten verknüpft. Darin liegt eine große Gefahr für unser Wirtschaftsleben, die zum erheblichen Teile durch die wüsten Preistreibereien am Futtermittelmarkt- hcrausbeschworcu wird." Don Seiten des Bundes der Landwirte ist oft und dringend auf diese große unserem Wirtschaftsleben drohende Gefahr hingewiesen, leider noch nicht mit durchschlagendem Erfolg. Wenn auch die neuerdings für den Kleieoerkauf cingc- fiihrtcn Verkaussbcstimmungen eine kleine Betzerung mit sich bringe» werden, so bleibt doch immer noch sehr viel zu wünschen übrig. Die unleidlichen Verhältnitze aus dem Futtcr- mittelmarkt haben z. B. auch den Vorstand der Landwirt- schastskammer in Wiesbaden zu dem folgenden Antrag verrn- latzt: 1. Festsetzung von wirtschaftlich richtigen Berbrauchshöchst- prciscn für alle käuslichcn Futtermittel und eines Licfcrungs- zwanges für die Wüblen und Händler. 2. Ucbcrgabe aller aus den besetzten Gebieten des feindlichen Auslandes hcreiiigebrachtcn Futtermittel an die Land- wtrtfchaslskammcrn zur Weitergabe an die Landwirte ihrer Bezirke. Bis zur Regelung der Frage der Beschaffung von Futtermitteln cmpsiehlt der Vorstand sorgfältigste Feststellung tes verfügbaren Bestandes an Kartoffeln vor der zwangsweisen Beitreibung, da den Landwirten, wenn sie keine anderen Futtermittel bekommen könnte», nichts anderes übrig bleibe, als Kartofscl» in noch größeren Mengen als bisher zu verfüttern. jDrr Krieg un) die GrMiihIkn. Der Wochenschrift zur Förderung des deutschen Mühlenge- werbcs: „Die Mühle" wird von einem Klcinmüllcr geschrieben: Allgemein hört man von den Grotzmühlen die Klage, datz nicht genügend Getreide eingehe und die Mühlen schon jetzt oder in kurzer Zeit wegen Gctreidemangels stillgelegt weiden Mützen. Ob dies tatsächlich der Fall ist, wäre zu untersuchen. Es mag hier und da vorlommen. allgemein aber woh! nicht. Bcrgetzen wir nicht, datz erst der Dezember begonnen hat. Zu dieser Zeit kommt auch in anderen Jahren noch nicht viel Getreide auf den Marlt, denn die Feldarbeit ist noch lange nicht beendet, besonders in diesem Jahre, wo die Arbeiten ch durch die mangelhaften und verminderten Pferdcbeftande doch etwas verzögert haben dürften. Zwar hatten wir jetzt ein paar Frost- toge, diese wurden aber zum Dungsahren und andere» Fuhren verwendet. Sollte wieder Tavwetter erntreten. dann wird die Feldarbeit sicher sosor! wieder ausgenommen. Gedroschen kann immer nur das Notwendigste werden. Hier am Orte ist auch dieses Jahr kaum weniger Getreide angrboten als sonst, obgleich die Ernte nicht so gut ausgesallen ist, wie in den letzten Jahren. Die Grotzmühlen. die sonst inländische Ware kaum beachten, da sie sich genügend mit Auslandrware versehe» können, verlangen nun aus einmal die ganze Inlandsware kür sich. Der Kleinmüller, der bisher stets Abnehmer der Landwirtwar, wird auch dieses Zahr laum über Mangel zu klagen ha- de». Des weiteren haben die Grotzmühlen sonst auch einen großen Teil ihrer Erzeugung nach dem Vu-Iande gesandt. Dieser —eil fällt in diesem Jahre sort. Da ist cs doch folgerichtig, daß sie ihren Betrieb cinschränken Mützen, oder verlangen sie jetzt, wo ihnen der Auslandsmarkt verloren gegangen ist, den ganzen Inlandsmarkt jür siib, so datz di- Kleinmühlen ihre Betriebe stillzulegen hätten? Wenn sämtliche Mühlen im Reiche nur für den Inlandsmarkt arbeiten und auch noch voll beschäftigt sein wollen, dann würde die Erzeugung den Bedarf bald übersteigen. Das ist aber in der jetzigen Zeit nicht einmal wünschenswert, denn es könnte dann mancher Posten Mehl verderben. Es schadet durchaus nichts, wen» die Grotzmühlen einmal eine Zeit ausjetzen, sie haben im letzten Sommer ohnehin so gute Gcjchäste gemacht, »atz das bißchen Feiern ihnen noch keine Verluste bringen wird Datz cs dadurch an Mehl fehlen sollte, halte ich für ausgeschlotzen. Da es zum Winter geht, wo Wind und Watzer reichlicher sind als im Sommer, find die Klein- und viele Mittelmühlen, die ebenfalls über eine gute Wasserkraft verfügen, sehr wohl in der Lage, den Bedarf reichlich zu decken. Wozu in einer Zeit, in der ständig Wagcnmangel auf den Bahnen herrscht, erst dos Getreide nach den Grotzmühlen und die fertigen Erzeugnitzen wieder zurückschicken, wenn das Getreide an Ort und Stelle verarbeitet werden kann? Rick-tiger ist es doch .soweit e» irgend möglich ist, es gleich am Orte zu vermahlen und den ilcberschutz weiter zu senden. Dies wäre eine gesunde Wirtschaft, doppelt gesund, da die Kleinmühlen hauptsächlich Ra- turkräste benutzen, also Kohlen und andere Brennstoffe sparen. Die Preise dürsten sich auch niedriger stellen, als wenn große Matzen in einer Hand zusammenströmen. Zudem bekommen die Grotzmühlen den Getreideüberschutz ebensogut wie in anderen Jahren. Was die Kleinmühlen , die in diesem Jahre ihrer Lage wegen wohl etwas mehr ausnehmen, nicht verarbeiten, verbleibt den Grotzmühlen auf jeden Fall. Sie haben ja in anderen Jahren auch keine» Anspruch auf mehr erhoben, soir- dern waren im Gegenteile recht wählerisch. Uebrigens sind die meisten Grotzmühlen, wie sie oft genug behauptet haben, nur zur Vermahlung von Auslandsgetreide eingerichtet, während die Kleinmühlen sich der Gegend angepatzt haben, also das einheimische Getreide vorteilhafter verarbeiten können. Anlagen, di- hauptsächlich für das Ausland berechnet sind, mutzen es sich daher schon gefallen latzen, wenn das Ausland, wie jetzt >m Kriege, versagt. Außer den Mühlen gibt es noch viele Betriebe, die jetzt nur schwach beschäftigt sind; es sind eben Kricgszeiten, die ertragen werden mützen. Wünschenswert wäre es selbstverständlich, wenn alle Betriebe voll beschäftigt wäre», doch das wäre wohl zu viel des Guten, denn es würde dann auch ein ganz bedenklicher Arbcitermangel cintreten. Deshalb sollten sich die Grotzmühlen einmal begnügen, um so mehr, als sie viel leichter als die Kleinmühlen eine schlechte Zeit zu ertragen vermögen. Wandelt. Wölfe auf dem Schlachtfelde. Eine packende Szene von einem Schlachtfeld in Rußland schildert der Brief eines russischen Offiziers, den englische Blätter aus einer Rigaer Zeitung übersetzen. „Es fing an dunkel zu werden, als ich erwachte", so erzählt der Offizier. „Ich hatte kein Hungergefühl, obwohl ich hier bereits seit dem frühen Morgen lag, aber der Durst quälte mich unerträglich. Ich erinnerte mich genau an jede Einzelheit der Schlacht bis zu dem Augenblick, da ich von dem Splitter einer Granate getroffen wurde, die »eben mir explodierte. Wir waren vorgcstllrmt über das weite öde Land. Wieder hörte ich das Stöhnen der Sterbenden, sah die unter dem Feuer des Feindes zusammen- brechcnden Gestalten. Ich hörte meine Leute brüllen, bis ihre Stimmen versanken in dem Pseisen der Schrapnells. Ich erinnerte mich, wie ich selbst vorwärts stürzte. Was dann geschah, davon weiß ich nichts mehr. Und als ich erwachte, da lag ich da, die einzige lebende Seele auf dem verlatzenen unendlichen Feld, dicht mit Toten bedeckt. Ich war verwundet, das merkte ich, aber nicht schwer, wie sich nachher herausstelltc, und indem ich mich auf meinen unverletzten Arm stützte, blickte ich hin über das Schlachtfeld und nach dem dunkelnden Horizont, an dem ein letztes Abendglühen verblaßte. Was noch übrig blieb vom Tag war ein dünnes Etrcischen Licht, das langsam verschwand. Ucbcr mir hingen dichte, dunkle Wolken, ganz niedrig, wie wenn sie mich verschlingen wollten. Ein nieder- drückendes Eesühl kam über mich, mir war's, als hätten sie mich versetzen oder hätten mich absichtlich hier allein zurllckgeiatzen. Ich schäme mich jetzt, datz ich so verzweifelt war, aber es gab einen Augenblick, da brach ich zusammen, und meine Augen füllten sich mit Tränen. Ich dachte daran, datz ich niemals meine Lieben Wiedersehen würde, nie mehr mein Heim, nie mehr mein- Kameraden. Aus meinen rechten Arm gelehnt hob ich mich immer mehr empor, bis ich saß. Mir war etwas schwindelig, aber nicht sehr. Trotz der starken Schmerzen in meiner Schulter und des großen Blutverlustes durch meine Wunde stellte ich mich auf die Fützc, und auf meinen Säbel ge- stützt, schleppte ich mich vorwärts, hin und her schwankend wie ein Betrunkener. Ich suchte die dunklen Büsche zu erreichen, Teile 3. IN denen sich unsere Truppen verborgen hatten, bevor die Schlacht begann. Rur ganz langsam kam ich vorwärts wußte oft stehen bleiben. Endlich hatte ich die erste Gr: von Büschen erreicht, aber da zwang mich plötzlich löst: Schrecken, stehen zu bleiben. «US grober Entsernung schien cs mir wenigstens — kam das Heulen eines ein-.-'u.o Wolfes. Es klang unaussprechlich melancholisch und für?, ,r in dieser stillen Wintcrnacht. Ein anderer Wols antwork demselben langgezogenen, widerlichen Ion, aber viel nöber oei mir, und dann hörte ich rin Heulen rings um mich der, o 1 ”;,- «oujcn, lauter und lauter anwachsrnd u. jeden Moment g, licher. Ich bin kein Feigling. Ich bin ein guter Jäger und habe viele Wolf« aus der Jagd getötet; aber was ich in dioi-r Rächt auf dem Schlachtjelde hörte, das kann ich niemals v.r gegen. Dieses wüste schrille Geheul, das mich wie eine Kette umschloß, kam näher und näher, direkt aus den Mittel»!,nki des Krieges los. in dem ich stand. Ich atmete kaum noch, tv ich dies „Konzert der Hölle" börte. Ich sah ganz klar, dost es keine Möglichkeit der Rettung für mich gab, wenn sic mich kan- den. Und auf einmal rannte ich — wie ich es fertig bruchte, weiß ich heut nock, nicht — auf drei, vier Büsche am Rontn des Waldes zu und warf mich unter ihnen flach hin Ich war cntschlotzcn, zu känrpsen, so lange ich konnte. Ich hatte meinen geladenen Revolver und meinen Säbel. Immer näher lamm die Wölfe f ihr Geheul ersülltc die Rächt Run waren sie am Rande des Waldes. In der Dunkelheit sah ich die schrecklichen Schatten zn'ischcn den Bäunien. Von den verschiedensten Seiten her kamen sie aus dem Walde heraus, schlossen sich j„ cs. ner großen dunklen Herde zusammen und standen so einige Minuten. Dann heulte ein anderer Wols ganz in der Ferne; von dem Schlachtfeld her antworteten andere, und NU» »rottete di« Herde sort, dicht an den Büschen vorbei. Ich glaubte von jedem, er würde mir an den Hals springe». Aber keiner kiini- inertc sich um mich. Ruhig liefen sie, unendlich viele, aus das Feld, wo die Leichen lagen. . . . Am anderen Morgen nach Sonnenaufgang hob man mich bewußtlos aus. Eine Kosakc»- xatrouMe hatte mich gesunden. Wenn ich wieder ins Fell lommc, wird mich die heitzeste Schlacht nicht schrecken, abcl sollte ich noch einmal eine solche Nacht durchlebe», dann würde ich, das gestehe ich fiel, wahnsinnig." ßrofiatHniral v. ssirpid über den Die „Votzische Zeitung" meldet: Der Vertreter der United Preß Wiegand hatte Ende November eine Unterredung mit Staatssekretär v. Tirpitz im Hauptquartier. Tirpitz sprach seine Verwunderung darüber aus, datz Ainerika gegen die Echlietzung der Nordsee für die neutrale Schiffahrt nichts getan habe. Seiner Ansicht »ach könnte Deutschland wohl daraus kommen, den Unterseebootkrieg allen feindlichen Handelsschiffen zu erklären. Wenn England Deutschland aushungern wollte, könne Deutschland dasselbe Spiel treiben. England umzingeln, jedes englische Schiss und jedes seiner Verbündeten, das sich den englischen Häsen nähert, torpedieren und dadurch die englische Zusuhr abschneidcn. Durchführbar wäre der Plan, denn Deutschland sei England an größere» Unterseebooten überlegen. Im weiteren Gespräche machte Tirpitz England allein für den Krieg verantwortlich. Englands Seeherrschast gründe sich in ihrem Ursprung auf Seeräuberci und diese wolle e» scsthal- ten. Englands deutschfeindliche Politik gehe bis zum Jahre 1670 zurück. England wolle jedem die Kehle durchlchnciden, der ihm in den Weg komme, und Frankreich habe in den letzten 200 Jahren Deutschland wohl dreitzigmal den Krieg erklärt. In Deutschland hat jede Familie Angehörige im Felde und weiß, was der Krieg bedeutet. Deutsche Mütter und Frauen weinen, während England mit seinem Söldnerheer jetzt Fußballwettkämpfe und Rennen veranstaltet. Das japanische Problem werde die Amerikaner noch beschäftigen. Japans Einmischung bedeute Hochverrat an der weißen Ratze. Ausfällig sei die Ruhe Amerikas gegen die Tä- ttgkeit Japans im Stillen Ozean. Deutschland selbst habe mit Amerika keinen Streit. Deshalb seien die dortigen deulsch- scindlichen Gesühlsausbrüch« unverständlich. Tirpitz lobte die amerikanische Flotte, die der japanische überlegen sei. Die Dauer des Krieges hänge von England ab. Wenn dieses den Krieg bis aufs Metzer wolle, so könne ihm Deutschland damit dienen. Wegen Kitcheners zukünftiger Millionen sei Deutschland nicht besorgt, da cs selbst noch aus Millionen zuriickgreisen könnte, die minedcstens so gut wie die Kat- cheners seien. Der Admiral sprach zuletzt über die Erfolge der Unterseeboote gegen die Erotzkamptzchifse. Ob aber letztere sich überlebt haben, sei fraglich. In flachen Ecwätzern und an den Küsten wie im englischen Kanal operieren die Boote ausgezeichnet, ob aber auch in anderen Ecwätzern, sei noch fraglich. Früher glaubte man, datz di- Unterseeboote kaum drei Tage von ihrer Basis fernbleibcn können, weil dann die Bemannung erschöpft sei. Aber -in größerer Typ kann um England hccum- fahrcn und sogar 1t Tage lang draußen bleiben. Die Besitz- ung muß nur Gelegenheit zur Ruhe und Erholung haben. Die Boot- gehen zu diesem Zwecke in flaches ruhige- Watzer, liegen dort aus dem Grunde und latzen die Mannschaft ausschlasen. Deutschland Hab- jetzt tll neu- Unterseeboote mit 000 Tonnen. Die deutsche Flotte werde die englische, dt- anscheinend in de: irischen See liegt, nicht herausfordern, aber sich stellen, wenn die englische Gclegenhett zu einer Schlacht gibt. Als Angrifts- wasfe gegen England hält Tirpitz hi- Unterseeboote für wi-H- tiger als die Zeppeline. Alicrktnn'-ing der denWn Kriegskunst. Die dänische Zeitung „Extrabladet" in Kopenhagen fchtE über den Krieg in Polen: Der letzte Erfolg der Deutschen und Oesterreicher erfüllt uns mit Bewunderung für die deutsche Kriegsmaschine. Wider fürchterliche Krieg auch aursallcn mag, die Tatsache » unerschütterlich fest, daß seit dem Bestehen der Welt «in rer Kriegsapparat als der deutsche nicht existiert hat. Sicherheit, welche ungemeine Tüchtigkeit und Kraft liegt in uz Art. wie die Deutschen ihre Truppen verschieben und schnell *r. 3 0« _ in Reih und Glied stellen, um zu lämpsen, zu siegen oder zu so Neu I Zn gleicher Weise wie das deutsche Landheer verdient auch die deutsche Flotte Bewunderung sür ihre Tüchtigkeit, ihre» Mut und ihre Geschicklichkeit. Wenn die englische Presse seht ia;iiiipft, es sei eine deutsche Unverschämtheit, die englische Küste i beschießen, so ist das eine dumme Heuchelei, Deutscherseits fl sestgestellt, daß überall Küstenbatterien geantwortet haben. Englands wirkliche Meinung dürste auch nur mit Bitterkeit geeichte Bewunderung der deutschen Taten sein. Wie die deut- tzen Schisse zwischen den Minen an der englischen Küste operierten, das ist eine Tat ersten Ranges. Di« englische Presse sucht glauben zu machen, eine solche Tat sei ohne Bedeutung. Vielleicht ist es doch nicht bedeutungslos, daß ein so glänzender Versuch gegen den Beherrscher des Weltmeeres glücklich gelang: icdensalls ist der Streich, den die deutsche Flotte der englischen Admiralität gespielt hat, von großer moralischer Bedeutung, und cs ist dumm von den Engländern, daß sie die Bedeutung einer solchen Tat herabsetzcn wollen. Kricgshirtenvrief der Bischöfe. München, 28. Dez. Die deutschen Erzbischöfe und Bischöfe haben soeben einen gemeinsamen Hirtenbrief erlassen, der sich eingehend mit dem Kriege besaßt und diesen al; eine strenge Adventsschulc bezeichnet. „Wie ein Sturmwind", heißt cs, „sei der Krieg hereingesahren in den kalten Nebel und die bösen Dünste des Unglaubens und der Zweifelsucht und in die ungesunde Atmosphäre einer unchristlichcn Ucberkultur. Das deutsche Volk besann sich wieder auf sich selbst. Der Glaube trat wieder in seine Rechte. Die Seele schlug ihr Auge aus und erkannte den Herrn. Wir sehen seine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater der Gnade und Wahrheit." Als die Hauptaufgabe der gegenwärtigen Zeit bezeichnet der Hirtenbrief Buße und Sühne. Der Krieg sei ein Strafgericht für alle Völker. Kriegszcit ist Butzezeit. Wehe dem Volk, das nicht einmal mehr dieser furchtbare Zuchtmeister zur Buße bringen lann. Es ist reif für den Untergang und ihm würde auch der f ic Moskauer Blatt ..Rußkoje Slowo" führt, der „Kölnischen Zt," . zufolge in einem längeren Aussatz- aus, daß Rußland cigent- >ich wenig Interest- an einem Angrijsskrieg gegen Deutschland und Oesterreich-Ungarn habe, jedenfalls nicht genug, um einen solchen Krieg bis zum Ende durchzuführen. Rußland solle wie auch Frankreich und Serbien im günstigen Augenblick einen ehrenvollen Separatfrieden ablchlietzen. Die Weitersöh- rung des Krieges bis zum Ende sei nur eine Lebensfrage kür England. Mit Lobgesängrn und ermunternden Zurus.'n sparten Frankreich und England nicht. Damit sei aber wenig geholscn, wenn die Tasche» wie bisher zugeknöpft blieben. In Petersburg sollen Vorträge über die Bedeutung der deutschen Kultur für Rußland von namhaften Rednern bei großem Andrange der Zuhörer abgchaltcn und fortgesetzt werden. Dabei sollen jetzt auch gerechtere und freundlichere Ansichten zu Worte kommen. An und sür sich ist solchen Acußerungen nicht zuviel Bedeutung bcizumcsten, immerhin ist es bemerkenswert, daß sie überhaupt laut werden. Mit Recht bemerkt die Kreuzzeitung, was auch gewiß richtig ist. daß dieser Artikel in erster Linie dcn Zweck verfolge, einen Druck auf England auszuüben, da- mit endlich die jetzt japrsam fließenden englischen Geldquellen reichlicher strömen. „Trotzdem", so fährt das Blatt fort, „ist die Tatsache, daß man in Rußland offen die Möglichkeit eines Sonderfriedens erörtert, nicht zu unterschätzen. Der Gedanke konnte nur der starken Ernüchterung entspringen, die Rutzlands öffentliche Meinung übcrkam, als tzindenburg den russischen Offensivplan zerritz und die Heere des Zaren in die Verteidigung zurück,zwang. Vorläufig ist er ein Keim, der erst wenige Wärter getrieben hat, aber es ist nicht unmöglich, daß das Wachstum sich in Ereigniste auf dem östlichen Kriegsschauplatz« ihm die nötige Nahrung geben." Als Gegenstück wird der „Vost. Ztg." über Kopenhagen gemeldet: Bezeichnend für die Sttmmung in Rußland ist einer der Leitartikel des unter dem Pseudonym Bajar schreibenden deutschhehcrischcn Publizisten Kolyfchko im Moskauer „Rußkoje Slowo". Es heißt darin: Ich erhalte ungezählte Briese, in dcncn man mir über die Kriegsmüdigkeit schreibt, sowie darüber, daß man der ewigen Bcschimpsungcn der Deutschen schon überdrüssig sei. Man bittet. Kaiser Wilhelm nicht anzugreisen, der sein Volk weife regiert und ihm ein Paradies auf Erden geschaffen hat, ferner die mutigen deutschen Truppen nicht zu beschimpfen und überhaupt den patriotischen Ton herabzuschrauben und den Deutschenhaß zu dämpfen. Bajan bemerkt ferner: Melancholisch starke Eindrücke machen UNS furchtbar rasch müde. Das stammt nicht von unserer Verbrauchtheit, sondern von un- sercr Jugend. Wir können weder stark lieben noch stark hasten. Ans England. Englische Schisssverluste. London, 30. Dez. Die „Times" meldet vom 29. Dezember: Gestern sind vier englische Schisse durch einen Zusammenstoß mit Minen verloren gegangen, nämlich der Dampfer „Limarra", der kleine Dampfer „Wem" und zwei Fischdampfer. Seit der Weihnachtstage sind in der Nordsee a ch t Schiffe infolge der Minen zu Grunde gegangen. Die reinste „Lüge" und die gemeinsten Schmähungen. Zn der ..Frankfurter Zeitung" verüsientlicht Pros. Dr. Stessen, SJiitgiieb der Ersten Kammer des schwedischen Reichstages, einen Aussatz über den Weltkrieg und unsere sittliche Kultur, der mit folgenden Sätzen schließt. „Es ist mir ausgefallen, daß wäbrcnd dieses Weltkrieges regelmäßig die gröbsten, reinsten Lügen in Rußland und die gemeinsten Schmähungen in Englo.nd fabriziert werden: und ich sage mir. daß dies mit der geistigen Insularität der Engländer Zusammenhängen Niilß. Der Krieg würde die sittliche Kultur Europas wesentlich fördern, wenn er dieser Primitivität und dieser Insularl- tät ein Ende machen könnte — -vas meines Erachtens allerdings nur durch einen vollen, entschiedenen Sieg Deutschlands geschehen könnte." Sammlung von Teilen d«utscher Wnrsgeschoste in Portsmouth. Wie der Korresopndenz Piper aus London gemeldet wird, hat der Kommandant der Verteidigungswerke in Port s mouth die Bevölkerung aufgefordert, bei dem nächsten Angriff auf den Bezirk Teile der Wurfgeschoste zu sammeln, damit die Militärbehörden die Größe und Natur der Ecschoste fest- stellen können. Furcht vor Luftschiffen. London. 30. Dez. Die Marine- und Militärbehörden machen die Straßenpastanten auf die Gefahr durch Geschoßteile und Kugeln aufmerksam, die von den Kanonen, welche man »egen feindliche Lustschiife Lerweudet, beim Versuche eines Luftangriffs auf London, ab- *«“« Tageszeitung. Donnerstag, den »I. Dezember 1»M geschossen werden würden. Dt« Zivilbevölkerung wird auf- gesordert, womöglich in Kellern Zuflucht zu suchen, sobald sie Schüße höre. Searborough im Dunkel. London, 30. Dez. (W. B. Nichtamtlich). „Daily Telegraph" meldet aus Searborough vom 23. Dezember: Der Kommandant des Bezirkes hat an- gcordnct, daß zwischen halb b Uhr nachmittags und halb 3 Uhr morgcnds innerhalb für Meilen von der Küste zwischen Saltbouen und Spurnhead von keinem Fahrzeuge Acetylen-, elektrische oder andere starke Lampen benutzt weiden dürfen. Alle Lichter in den Häusern, die aus See sichtbar sind, sind auszulöschen oder abzublcnden. Niemand darf ohne Ermächtigung Licht und Feuerwerk abbrenncn. Jedermann, der aus offener Sttaße auf Anruf nicht stehen bleibt, läuft Gefahr, erschosten zu werden. Ein guter Riecher. (Unber. Nachdr. Verb.) S. u. H. Berlin, 26. Dez. Seit Ausbruch des Krieges ist verschiedentlich mit Staunen scstgestellt worden, daß ausländische. namentlich englische Firmen merkwürdig gut über die politisclle Lage unterrichtet waren, obwohl noch niemand an einen Krieg zu glauben schien. Bekannt ist, daß z. B. englifckle Kabel- geschäste und Banken schon im Monat Juli Aufträge deutscher Kunden nicht mehr ausführen wollten. Ein neues Beispiel ausfallender Information führt der ..Handelsstand" das Organ des Vereins sür Handlungs-Commis van 1858 an, indem er schreibt: Vor geraumer Zeit kam zu unserer Kenntnis, dah den Hamburger Lerkaufsangcstelltcn, de» sogenannten Geschäftsführern, der Firma Singer u Co.. Nähmaschincn-Akt.-Ges., Berlin, im Juli d. Js. eine ganz eiheblichc Herabsetzung ihres Gehalts zugcmutet worden sei. Das genannte Blatt sagt hierzu: Ob die Singer u. Co. in der fast nur ausländisches, zum größten Teil englisches. Geld arbeitet, Beziehungen gehabt hatte, die das Komniende schon im voraus überblicken ließen, hat sich natürlich nicht seststellen lassen. Diele Frage wird man wohl mit gutem Gewissen bejahen können. Die Zuteilung d. Kriegsanleihe. Berlin, 30. Dez. (W. B. Amtlich.) Bei der Reichsbank ist darüber Klage geführt worden, daß die Zuteilung der Kriegsanleihe in großen Stücken den Zeichnern Unbequemlichkeiten bereite. Es ist deshalb in Aussicht genommen, an Stelle der Anzahl von Stücken zu 100,000 und 50,000 Mark kleinere Abschnitte Herstellen zu lassen. Di: Besitzer von Zwilchcnscheincn zu 100,000 und 50,000 Mark, denen daran gelegen ist, beim Umtausch in endgültige Stücke kleinere Abschnitte zu erhalten, können daher noch auf Berücksichtigung ihrer Wunsche rechnen, wenn sie diese baldigst bei ihrer Reichsbankanstalt Vorbringen. Ans der Heimat. • Fricdbrrg, 31. Dez. Ein in der Wetterau und darüber hinaus allbekannter Mann ist aus diesem Leben geschieden. Karl Brückmann von der Dögelmühle zu G r o ß - K a r b e n ist heute Nacht im BürgcrhoSpital zu Friedbsrg, wo er vor kurzem erst Aufnahme fand, gestorben. Mit aufrichtigem Schmerze werden seine zahlreichen Freunde die Trauerbotschast erhalten. Tenn der Verstor- bcne war ein leutseliger und frohgemuter Mensch gutmütig und gefällig gegen seine Freunde. Er starb im Alter von 49 Jahren. Möge ihm die Erde leicht sein. Aue Tlarkenburg. * Richen bei Groß-Umstadt, 30. Dez. Hier ist während der Weihvachtsfeiertagc der Bürgermeister E i d m a n n , ein in landwirtschaftlichen Kreisen wohlbekannter Mann, beim Säckselschnerden verunglückt. Er kam mit dem linken Arm in die durch ein Göpelwcrk getriebene Schncidemasch e sodaß ihm der Arm in mehreren Stücken bi, zur Hälfte ib- geschnitten wurde. Durch Abstcllen der Maschine wurde weiteres Unglück verhütet. Ans Rhrinhesirn. - Kofthcrm 30. Dez. Im hiesigen Floßhafcn wurde die Leiche der seit dem 28. November d. Z. verschn »ndencn i:l,ä.>. rlgen Iosesinc Rath gcländet. Das Mädchen hatte »ns Furcht vor Strase freiwillig den Tod gesucht. - Hcidesheim, 30. Dez. Die älteste Einwohnerin der Provinz Rhcinhcsicn, die Witwe Rohr von hier, ist im »S. Lebensjahre gestorben. - Worms, 30. Dez. Ein großes Kriegsgefangenenlager. 110 Baracken haltend, wird hier an der Pfissligheimer Ehausiee erlichtet. Es ist das sechste größer« Lager im Bezirk des 18. Armeekorps. Frankfnriei Wetterbericht. Boranssage: Bedeckt, zeitweise Regensälle, wärmer, südwestliche Winde. Verantwortlich sür den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg: für den Anzeigenteil: K. Schmidt, Fricdberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung" A. G.. Fricdberg i. H. AlllNIIIklllkllt-Eillllldllllkl. Im kommenden Vierteljahr wird unsere Zeitung wieder in vergrößertem Umsang erscheinen, ausserdem wird ihr der „Bauer ans Hoffen" wieder bcigelcgt werden. Auf Wunsch unserer vcr. ehrten Leserinnen wird wieder jeden Tag eine Erzählung erscheinen. Wir sind bestrebt, die Kriegsereignisse recht schnell, vollständig und übersichtlich wie nur möglich zu bringen. Wenn wir auch nicht im Ilmsang mit den großstädtischen Blättern welteisern können, so atmet dajür unsere Zeitung Heimatslust, weshalb sie gerade aus dem Lande gelesen werden sollte. Wir bitten daher unsere Freunde und Agenten sür recht weite Verbreitung besorgt sein zu wollen. Zum Schluß« wünschen wir unseren Abonnenten und Freunden ein grjkgilktks ffkiijiihr und unserem lieben Vaterland einen blildigk» uni) liklsmllfrii fririmi! ilrrlna u.Sdiritil. Ml.&agfe{fiinnfl,frirtbrrfl. mPKFfr Pfeffer schwarz u. weiß, ganz und auf! eigner Mühle frijch gemahlen. Alellrc», Salpeter. Majoran. Conrrvcsnls, > ^rrvrlatwurjtsair Salz u. alle wcwürze jertig enl- haliend. Uanljeimrr Salr, A>ur.t»:ordrl, Knoblauch, Uitroli» zum Kesseliein.gen empfiehlt Kldilllllli) DlllUili Zrledberg, Hailersirale 2». geeniprechee 45J. Sekannfmadiüng ■st das billigste und nahrhaft esteKral« aller iür Kühe, Stangen- nnd astscbweine. Preiswerte Offerte »uf Wunsch. remer Reis- u. Kraftfutter- Gesellschaft m. b. H. Bremen H. -45. üitteldeulsctie Credilbank Depositenkasse und Wechselstube Kaiserstr. 70 Frieilbergi.il. Tclelou No. ?>i. Verwahrung u. Verwaltung von Wertpapier^Depots gegen massige Gebühren. 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