7. Jahrgang Stummer 299 __Montag, den 21. Derembcr 1914. iH »’ ,,:c ^ ap»»>ei1n»g" ercheini leben Werktag. Regelmäßig, Beilagen „D»e jönurr an» -essen", ,,y>« Hplnnltnbe". «eingspre,,: Be, den Postanstaiten v>er,«I,ayii,a, a»(t. i,a 5 t-ci den i -enlen monailich üv Pia. Hinzu Irin voftgedühr «der Tragerlobn. An,eigen: Grund,eile 29 Psg., lokale IS Psg, Anzeigen von auswäns werden durch Potnachnahme erhoben _ GrfüUunflsotl Frteddeig. Kchriktleitnng und hierlag Frtedberq (Hessens, Hanaueritraßr 12. Fernipiecher <8. Posticheck-Lonta 91». 48.19. Amt Feantjurt a. ‘Di. Der Kaiser wieder rar Front; Die feindlichen Angriffe bei Neuport und Birfchote sind gescheitert. — (Hrosie Verluste der (5ng Länder. — Die Rnffen versuchen sich in neuen Stellungen zu halten. Tor deutsche Generalstab £======== meldet: — - - - U WTB. Großes Hauptquartier, 19. Tez-, vorurittags. Amtlich. Im Westen erfolgten gestern eine Reihe von feindlichen Angriffen. Bei Rieuport, Birfchote und nördlich La Bafsee wird noch gekämpft. Westlich Lens» östlich Albert und westlich Nohon wurden die Angriffe abgeschlagen. An der offpreußischen Grcnse wurde ein rnfsischer Kavallcrieangriff westlich Pill- kallen zurückgeworfen. In Polen wurde die Verfolgung fortgesetzt. Oberste Heeresleitung. W. T. B. Großes Hauptquartier, den 80. Dezember. vormittags. Amtlich. Im Westen stellte der Gegner seine erfolglosen Angriffe bei Nieuport und Bixschote gestern ein. Der Angriff in Gegend La Basfee der sowohl von Franzosen als Engländer geführt wnrdc, sind mit großen Verlusten für den Feind abgewiesen worden. 209 Gefangene. Farbige und Engländer fielen in unsere Hände. Rund 600 tote Engländer liegen vor unserer Front. Bei Notredame De Loreits siidöftlich Bethune wurde ein deutscher Schützengraben von 60 Meter Länge an den Gegner verloren. Unsere Verluste sind ganz gering. In den Argonncn machten wir kleine Fortschritte und erbeuteten 3 Maschinengewehre. Von der oft- und westpreutzischen Grenze nichts neues. In Polen machten die russischen Armeen den Versuch, sich in einer neuen vorbereiteten Stellung von Rawka und Nida zu halten. Sie wurden überall angegriffen. Oberste Heeresleitung. Der Kaiser an die Front. Großes Hauptquartier, 2». De^ (SS. B. Nichtamtlich). Der Kaiser hat fich, nachdem er vollständig wicderhergeftelll ist, auso neue zur Front begebe». Ein Tkltyrainm dkg GrolrhttMS. Darmstadt, 1«. Dez. (SB. B. Nichtamtlich). Di- ®n>&‘ Herzogin hat der ..Darmstädler Zeitung" zusolge gestern »um Cireßheizog solgendcs Telegramm aus dem Felde erhalten! Freudigen Herzens habe ich meine tapferen Hessen im Osten beglückwünscht und gedenke nun auch der Heimat, in der die frohe Kunde hesstfcher Wassentaten in den Herze» so vieler unserer Landsleute und Kameraden Begeisterung und Dankbarkeit hervorgerufen haben wird. Gott schütze unser Hessen! Ernst Ludwig. Hiudcubnrg's Rede. Bei der Huldigung, die dem Eeneralfeldmarschall v. Hin- deuburg am Tage der Siegesnachricht in seinem Hauptquartier dargebracht wurde, hielt er mit markiger, doch tief bewegter Stimme die solgende kurze Ansprache: Zch danke Euch, daß Zhr hierher gekommen seid. Es spricht daraus der Geist, den wir in diesen ernsten Zeiten ganz besonder, haben müssen, der Treue zu Kaiser und Reich, und es wird uns immer gut gehen, wenn wir diesen Eeist besitzen. Nun singt noch einen Bers und dann geht nach Hause, denn ich habe noch mehr zu tun. Brausende Hurrarufe waren die Antwort auf diese Worte, dann sang man die letzte Strophe von „Es braust ein Nus wie Donnerhall". Hieraus setzte der Ecsang des Chorals ..Nun danket alle Eott" ein. Hindcnburg cntblötzte sein Haupt !,»d mit ihm alle an der Kundgebung Beteiligten. Sidjrrr MM all liir dln An^ana. Berlin, 20. Dez. (SB. B. Nichtamtlich). Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt über den Kampf im Osten: Das Endergebnis der gewaltigen Schlacht in Polen ist von hier aus noch nicht zu übersehen. Gleichwohl gewähren die amtlichen Berichte des deutschen Großen Hauptquartiers und des österreichisch- ungarischen Eeneralstabes einen Ausblick aus die Tragweite der kriegerischen Eeschehntsse. die sich gegenwärtig im Osten abipie- len. Es bedars keiner ins einzelne gehenden Angaben, um zu ersehen, daß in den weit ausgedehnten Gebieten von Nord- polen bis nach Westgalizien entscheidende Schläge gefallen, sind. Die mit soviel Ruhmredigkeit angekündigte russische Offensive gegen Schlesien uned Palen ist nicht nur zusammengebrechen, sondern das russische Millionenheer, das zur Aussühr- ung dieser Offensive angcsctzt war. ist aus der ganzen Front zum Rückzuge getrieben worden. Unter meisterhafter Führung habn die deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen die denkbar höchsten Leistungen vollbracht. Ihre Ausdauer, ihre Tapferkeit und bis zum letzten ausharrcnde Hingabe haben in der Geschichte dieses wahrhaft heiligen Krieges abermals Ruhmesblatt an Ruhmesblatt gefügt und werden unauslöschlich in dem Gedächtnis der Menschheit sortleben, solange es noch gesunde menschliche Seelen gibt, in denen die Begeisterung für hehre Heldentaten nicht ersterben kann. Wir wissen wohl, daß selbst in völliger Niederringung der gegnerischen Kräfte deren Bewältigung es jetzt gilt, die Arbeit im Osten »och nicht zum Abschluß gelangt sein wird. Weitere Anstrengungen werten nötig sein, che das Ziel endgültig erreicht ist. Zn den bisherigen Ereignissen von weltgeschichtlicher Bedeutung liegt aber die sichere Bürgschaft für den Ausgang der völkerrechtlichen Auseinandersetzung, der den Friedensstörern für alle Zeit die Neigung nehmen wird, mit dem Schicksal der Böller ei» so frevelhaftes Spiel zu treiben. Zugleich weiden die gemeinsamen Kämpfe Deutschlands- und Oesterreich-Ungarns in herrlicher Treue und Wasfenbrlldeischaft, die sie umschließt, die Bedenken gegen jeden Dündniskricg glänzend widerlegen, was sich in diesem Kriege durch das feste Zusammenstehen der beiden Kaiserreiche gezeigt hat. Treue um Treue, in diesen schlichten Worten ist der Geist bezeichnet, der Deutschland und Oesterreich-Ungarn beseelt, und die Tapferkeit einer Welt von Feinden die Stirn zu bieten. Ein Ziel haben sie vor Augen, das Ziel, ihren Völkern die Bahn zu freier Entsaltung ihrer Kräfte osfcnzuhaltcn und ein Wille erfüllt sie, der Wille für die Förderung ihrer hohen Slufgabe, ohne Schwanken ihr alles cinzusctzcn. Zn diesem Geiste werden sic siegen.. tii! ßklsreiÄes ßfirdit bei Merihbinlit. Ein siegreiches Gefecht bei Lüdcritzbucht. Kapstadt. 20. Dez. (W. B. Nichimntllch.) Meldung des „Neuterschen Bureaus": In Garub, 30 Meilen östlich von Lüderitzbucht, hat am 16. Dezember ein Gefecht zwischen vordringenden englischen Truppen unter Sir Duncan Mackenzie und deutschen Truppen statigcfuudcn. Der Kampf, der über zwei Stunden dauerte, endete mit dem Ruckzuge der Engländer. Dre Kämpfe in Kamerun. Die Kämpfe i„ Kamerun. London, 20. Tez. (W. B. Nichtamtlich.) Das Pressebureau veröffentlicht einen Bericht über die letzten Kämpfe in Kamerun, in welchem es heißt: Tie Engländer rückten langsam on der nördlich:» Bahnlinie vor. Am 5. Dezember fand ein scharfes Gefecht bei Lum statt, einer Ortschaft, die ungefähr 20 Meilen nördlich von Muiuka liegt. Tic Engländer verloren an Toten einen Leutnont und drei Eingeborene. Am 10. Dezember Ivar die ganze Bahnlinie in den Händen der Engländer. Die Eingeborenenstadt Bare ergab sich. Fünf Lokomotiven, eine große Anzahl von Eisenbahnwagen und zwei Flugzeuge sielen den Engländern in die Hände. Slm 9. Tezein» ber wurde ein englischer Leutnant schwer verwundet. An der Ostbahn wurde am 26. November eine französische Kund- sck'afternbteilung angegriffen. Sie verlor zwei Offiziere und 29 Eingeborene an Toten, ein Unteroffizier erlag seinen Wunden, 15 Eingeborene wurden verwundet. An der nigerischen Grenze fanden nur kleinere Scharmützel statt, in denen ein englischer Offizier schwer verwundet wurde. Es gelang den Deutschen nicht, über die Grenze vorzndrin- gen. Rn Nordkamernn stieß eine englische Trupve auf eine deutsche Streisabtcilnng bei Geia, nördlich von Marua. Auf englischer Seite wurde ein Leutnant und ein europäischer Freiwilliger getötet. Drr dkllttlhe flottrnbftudi an Englands KM Berlin, 19. Dez. (W. B. Nichtanitlich.) Der amtliche englisck>e Zeitungsdienst von Poldhu behauptet bei de, Meldung über den Vorstoß der deutschen Kreuzer gegen die Osttüste Englands, daß weder Scarborough »och Witby befestigte Platze seien, und fährt dann weiter fort, daß die deutschen Schisse ihre Geschosse ausschließlich auf Kirchen. Gasthöse und Privathäuser gerichtet und somit die Verein- barungcn der Haager Konvention übertreten hätten. Weder die erste Behauptung, noch die zweite Unterstellung treffen zu: Scarborough ist ein befestigter Platz, Witbh nua eine Küstenwacht, und Funkspruchstation. Sie wurden be- schossen, was völkerrechtlich vollkommen zulässig war. da es sich hier vm der feindlichen Kriegführung dienende Anlagen handelte. Von einer Ucbertretnng der Haager Konvention, wie der Bericht glauben machen will, kann daher keine Rede sein. Wenig Glauben im Ausland, für welche der Poldhu-Bcricht doch ausschließlich zugeschnitten ist, wird auch die Meldung finden, daß die Engländer außer den Verlusten an Menschenleben nur die Geschwindigkeit zu bedauern haben, mit der ssich die deutschen Schiffe beim Er- scheinen englischer Torpcdobootszerstörer zurückzogen, und daß es unmöglich erscheine, die deutschen Schisse zu bewegen, sich mit de» englijckien in der Nordsee in ein Gefecht einzulassen. Von der deutschen Bucht nach der englischen Ostküste und zurück führt bekanntlich der Weg zweimal quer durch die Nordsee. Nun haben in den letzten sechs Wochen deutsche Kreuzer den englischen zweimal Gelegenheit geboten, mit den deutschen in der Nordsee zulammenzutresfen. Daß sie diese nach der amtlichen englischen Zeitungsmeldung ihnen so sehr erwünschte Gelegenheit jedesmal verpaßten, daraus kann man doch wahrlich Deutschland keinen Vorwurf machen, unisoweniger, als die deutsche Flotte Churchill der Mühe übcrhob, sie wie „Ratten" anszilgraben. 'i Der österreichische Generalstab tt -------- meldet: ————-—- y Wien, 19. Dez. (SB. B. Nichtamtlich). Amtlich wird vcrlautbart: 19. Dezember, mittags: Unsere über die Linie Krosno-Zakliczyn vorgerückten Kräfte trafen gestern neuerdings auf starken Widerstand. Auch an dem unteren Duuajee wird heftig gekämpft. Die russischen Nachhuten, die an dem Westufer des Flusses zähe standhieltcn, ssnd fall vollständig vertrieben. Zn Südpolen kam es zu Versolgungsgeftch- ten. Der Feind wurde ausnahmslos g e w o r fe n. Unser« schon vorgestern Abend in Zcdraejow (Andrcjew) eingedrungene Kavallerie erreichte die Nida. Weiter nordwärts überschritten die verbündeten Truppen die Pilica. Zn den Kor- apthen ereignete sich — von kleinen für unsere Waffen günstig vrrlausencn Gefechten abgesehen — nichts. Die Ausfalltruppen van PrzemysI rückten nach der Erfüllung ihrer Ausgabe, von dem Gegner unbeiästigt, unter Mitnahme von einige« hundert Gefangenen wieder in die Festung ein. Der Stellvertreter des Chefs des Eencralstabs: v. Höfer, Generalmajor. Wien, 29. Dez. jW. B. Slichtamklich). Amtlich wir» verlautbart: 29. Dezember, mittags: Zn den Karapthe« wurden gestern die jcindlichen Vortruppen in dem Latorcza» Tal zurückgeirorsen. Nordöstlich des Lupkowcr Passes entwickeln sich größere Kämpfe. Unser Angriff aus der Front Krosno-Zakliczyn gewann überall Raum. Zm Bialla-Tal drangen unsere Truppen bis Tuchow vor. Die Kämpfe am unteren Dunajec dauern fort. Die Russen haben sich somit i« Galizien neuerdings gestellt. Z» Südpolen erreichten wir di» Nida. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Fcldmarschalleutnant. Der Rückzug der Rusien. Wien, 19. Dez. (W. B. Nichtamtlich). Die „Neue Fr. Presse" meldet nach der „Eazetta Kraiowska" vom 17. Dezbr.: Der Feind wird Tag und Nacht unausgesetzt verfolgt. Uns-re Truppen rückten heute in Zaslo ein. Nach Krakau wurden heute größere ‘Abteilungen von Gefangenen gebracht, säst ausschließlich Polen. Sie gehörten d«m russischen Znsanterte-Re- / nt. zw «tut Xag«»j(iiuug. SHewtag, Hb 21. Dezember 1111 Seit« I Htmcnt Rr. 70 an. Mit Tranen in den Augen klagten sie über Hunger und brutale Behandlung seitens der russischen Ossi- ziere. Starke Verluste der Rüsten. Wien, 19. Dez. tl!tlch!ini- und (Oeftcrrfid). Budapest, 19. Dez. (315. B. Nichtamtlich). Di- Zei- ung „Magyarorfzag" protestiert entschieden gegen die Verleumdung der Londoner Blätter, welche behaupten, der „Ma- gyarorfzag" machte den deutsche» Eeneralstab für den Rückzug der österreichisch-ungarischen Truppen aus Serbien verantwnrt- weil er veranlaßt haben soll, daß die dortigen Streitkräfte Rücksicht aus die Leute in Serbien nach Norden dirigiert wurden Die Londoner Blätter berufen sich ebenso aus das genannte Blatt, das den deutschen Eeneralstab beschuldigt hätte, daß er für di« Einfälle der Rusien über die Karpathen verantwortlich sei, da aus seine Anordnung dem österreichisch-ungarischen Heer- in Galizien grobe Bestände entzogen seien. Das genannte Blatt protestiert entschiede» gegen die Illoyalität der englischen Blätter, die sich fälschlich aus Behauptungen b-ruscn, die niemals in der „Magyarorszag" erschienen sind., Ebenso entschieden verwahrt sich die Zeitung „A Nap" gegen das Vor- glhen der englischen Blätter, die falsche Zitate aus „A Rap" mit Angrissen gegen den deutschen Eeneralstab verössentlicheu, die niemals in dem genannten Blatt erschienen sind. „A Rap" erklärt, daß niemals eine Bemerkung, daß der deutsche Ecuc- calstab schlesische Streitkräfte durch österreichisch-ungarische Seeresteile zum Schaden der Monarchie verstärkt hat, von ihm uerössentlicht worden sei. Das Blatt bezeichnet es als äußerste Persidie, daß die Londoner Blätter den verleumderischen Behauptungen durch Berufung auf derarttge gesälschte Zeugnisse eine höhere Glaubwürdigkeit zu verleihen trachten. Konstantiuopcl, 19. Dez. (28. B. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht. Unsere siegreich gegen Kotur vorrückondcn Truppen eroberten einige Hügel, die die Stndt beherrschen. Kämpfe im Sudan. Wien, 20. Dez. (28. 23. Nichtamtlich.) Die „Jleue Freie Presse" meldet ans Konslanti- opel: Jni Sirdan haben die Kämpsc begonnen. Der Hakim von Tarfur, Junius Mollah, begann mit 80,000 Mann einen Angriji auf die Provinz el Kab, die zu dem cnglisclp ägyptischen Sudan gehört. Ebenso erhob sich die mnsst- incunsche Bevölkerung in Abn-Naja. Die beunruhigte englische Negierung sandte indische Truppen über das Rote Meer, die bei den Tiflach-Jnseln bei Suakin ausgeschiist wurden. Bei dieser Gelegenheit sollen die Inder gemeutert e.ben, worauf englische Kreuzer den Tiflach-Bezirk beschösse,,. Ein Zug, der Truppen von Suakin »ach Karthuin bringen sollte, wurde in der Station Tamai von Beduinen- scharen an der Wcitcrsahrt gehindert. GrucralscldiuarschaU von der Golb bei,» Sclaiulik. Konstantinopel, 1!>. Dez. (28. B. Nichtamtlich.) General- scldiuarichall Freiherr von der tsioltz wohnte gestern zum ersten Mal dem Selanilik bei. Er trug die Uniform eiiwS deutschen Gencralseldmarschalls mit dem Abzeichen des Sonder-Flügeladjutanten de? Sultans. Ebenso wird auch General Zaki Bcy die türkische Uniform mit den Abzeichen de? Flügeladjutanten des deutschen Kaisers tragen. Zeki Be», der ebenfalls dem Selanilik beiwohnte, reist demnächst nach Deutschland ab. Der rechtmäßige Khrdivr in Berlin. Aus Wien wird gemeldet: Ter Khedive von Aegypten, der bekanntlich jetzt in Wien weilt, wird eine Konferenz mit dein Grasen Derch- tcld haben. Sodann begibt sich der Khedive nach Berlin. Vom englischen Khedive». Paris. 19. Dez. Der „Tempo" meldet an? Kairo: Hussein Kemal besteigt ain San-- ‘-m Sultan den Tbron, nachdem die Absetzung des Khediven Abbas Hilmi verkündet ist. Das beträchtliche Privatver- mögen des Kbediven verbleibt ibin. London, 20, Dez. (W, B, Nichtamtlich,) Das Pr yjc- burcau melde!: Angesichts des Verhaltens des früheren Khodiven von Aegypten, Abbas Hilmi Pascha, der sich den Fcluden des Kötiigs anschloß. hat sich die Regierung veranlaßt gesehen, ihn des KhediviateS zu entsetzen. Die hohe Würde mit dein Titel Sultan von Aegypten wlirde Sr. Hoheit d«m Fürsten Hussein Kemal Pascha, dem ältesten lebenden Prinzen der Familie Meheined Ali angeboten und von ihni ongenonime». Der König hat den neuen Sultan zum Ehrenritter des Großkreuzes des Ball,-Orden» und zum Präsidenten des Ministerrates, und Hussein Rusihdi Pascha zum Ehrenritter de» Großkreuzes de» Ordens vom hl. Michael und hl. Georg ernannt. Der Burenausstand. Die aufständischen Bure» vor Gericht. Pretoria, 10. Dez. (Meldung des Reuterschen Bureaus). Der erste Fall vor dem zur Aburteilung der Aufständischen eingesetzten besonderen Kriegsgericht wurde gestern abgrschloffen. Der Bur van der Linden wurde wegen des Versuchs einen Aufstand zu organisieren. zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. London, 20. Dez. Wie dem Reuterschen Bureau aus Pretoria gemeldet wird, hat dort die Verhandlung gegen den Burenführer Fourle und besten Brüder vor dem Kriegsgericht begonnen. London, 2«. Dez. Meldung des Reuterschen Bureaus: Der letzte (?) Führer der Ausständischen im Fretstaate, Cion- roy, wurde gefangen genommen. §ik iiorlii|djf KönigsriilWlNklikiiilN. Eine amtliche Verlautbarung. Malmö, 20. Dez. Folgende barnung ist gestern abend nach der Abfahrt des dänischen und norwegischen Königs verösscntlicht worden: Die Zusammenkunft wurde mittags, den 18. Dezember, mit einer Rede des Königs Gustav eröffnet. Der König hob darin den einträchtigen Willen der nordischen Reiche zur Neutralität hervor und betonte, wie wünschenswert ein Fortsetzcn gemeinsamer Arbeit zwischen den Reichen zum Nutzen ihrer gemeinsamen Interessen sei. Der König erklärte ferner, es sei das lebhafte Gefühl der Verantwortung vor der ganzen Welt gewesen, irgend etwas, was zum gemeinsamen Nutzen der drei Völker gereichen könnte, zu versäumen, das ihn bewogen Hobe, die Monarchen Dänemarks und Norwegens zur Beratung einzuladen. Die Rede König Gustavs wurde vom König Haakon und König Christian beantwortet. Beide bezeugte» ihre lebhafte Freude Uber die Initiative König Gustavs und sprachen die Hoffnung aus, daß die Zusammenkunft segensreiche Folgen für die drei Völker haben möge. Die Zusammenkunst endete am 19. Dezember nachmittags. Die Verhandlungen zwischen den Königen und ihren Ministern des Aeußein haben nicht nur das bestehende gute Verhältnis der drei nordischen Rc'che noch mehr befestigt, sondern cs ist auch während der Verhandlungen in den besondere» Fragen, die von einer oder der anderen Seite zur Erwägung vorgelcgt wurden, scstgcstellt worden Schließlich wurde die Ansicht ausgesprochen, die so glücklich ringeleitetc gemeinsame Arbeit sortzusührcn und zu diesem Zwecke, falls die Verhältniste dazu Veranlastung geben würden, neue Zusammenkünfte zwischen den Vertcrtern der Regierungen anzuordnen. Der König von Schwede» hat in Begleitung der Königin, die gerade aus Saßnitz angekommcn war, um 12 Uhr die Rückreise »ach Stockholm angetrcten. Kopenhagen, 2«. Dez. „Politiken" schreibt: Mit größter Ausmcrksamkeit hat man rings in der Welt die Mal- möer Zusammenkunft verfolgt. Man hat aus jeder Seite der kriegführenden Parteien versucht, die Zusamenmkunst als Ci- so!g zu buchen. Man sprach davon, die Zusammenkunst bedeute eine Strandung der Politik der andere» Mächtegruppen, Beide Vermutungen sind ein Irrtum Die Zusammenkunst ist nur ein Ausdruck dafür, daß die Regierungen der nördlichen Reiche einig sind und daß jede Neutralttütspovlitik das einzige Mittel ist, um dem Norden den Frieden zu bewahren und die wirtschaftlichen Nöte zu mildern, welche der Krieg für die nordischen Staaten im Gefolge hat, sowie für die Möglichkeit, einer Zusanrmenarbcit der nordischen Staaten festere Formen zu schassen, Kriegsschiffe als Schub der ncutrascn Handrlsschissc? Die „Voss, Ztg." berichtet aus Malmö: lieber das Ergebnis der Dreikönigszusammenkunft wird eine gleichlautende amtliche Mitteilung erst hcrausgegebcn werden, wenn die drei Monarchen wieder in ibre Hauptstädte znriickge- kchrt sind. Der Korrespondent der „Boss Ztg," erfährt aber schon jetzt über den Inhalt und die Fassung, das, die aintliche Bekanntgabe in ziemlich allgemeinem Ton gehrl- ten sein wird. Wenn auch die wirtschaftlichen Beziehungen darin wiedergegcbcn sind, so enthält die zu erlassende Erklärung doch nichts genaueres über die Richtung, in der sich die heute morgen und heute mittag fortgesetzte politische Unterhaltung bewegt hat. In unterrichteten Kreisen ist inan der Ansicht, daß gerade ein Nichtcingehen ans die Einzelheiten sowohl in den drei beteiligten Königreichen wie ini übrige» neutralen Ausland, hauptsächlich aber auf die kriegführenden Parteien einen größeren moralische» Eindruck machen werde. König Christian von Dänemark äußerte: „Ich bin mit dem Verlauf der Verhandlungen über alles Erwarten zufrieden." Jin übrigen verlautet hier, daß man eine» altskandinavischen „Convoi" cinrichte» wolle, d. h. die Kaussahrtrischissc sollen von einem Kriegsschiff eines beliebigen der drei Staaten begleitet werden, die Kricgsüh- reuten » iiidrn dann nicht mehr das Untersuchiingsrccht haben. Andererseits soll die Tatsache der Begleitung durch Kriegsschiffe d-asür bürgen, daß die Ware für neutrale Zwecke bestimmt ist. Ans diese Weise würden die skandi- nnvischcii Länder Baumwolle, Leinsamen und andere aine- rikanische Waren erhalten, ohne den englischen Schikane» ausgcsetzt zu sein. Ob die Einrichtung dieses sogenannten Ecnvoys beschlossene Tatsache ist, entzieht sich noch der Kenntnis. Gesprochen hat man jedenfalls davon. Die Einrichtung findet ein geschichtliches Beispiel in dein amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen England, während dessen Dänemark und Schweden gleichfalls ihrer Handels- fchiffahrf ein Geleit siellte». Vom Balkan. Serbien, Köln, l9. Dez, Wie der „Kölnischen Zeitung" ans Sofia gemeldet wird, erklärt die „Rjetsch", die serbischen Ersolge seien nach Ansicht zuständiger Militär? doch nicht geeignet, Rußland von der Sorge um den serbischen Verbündeten zu befreien. Bei der kommende» Wiederholung des Angriffe? auf Serbien werde dieses wegen Mangels an Kriegsmitteln rmd der allgemeinen Erschöpf, ung nicht widerstehen können. Es brauche dringend Hille von außen, aber wedex auf die Griechen noch ans die Rumänen oder Bulgaren sei zu rechnen. Rußland aber babc keine Kräfte verfügbar, nm Serbien zu helfen. Ein bulgarisch serbischer Zwischenfall. Sofia, 19. Dez. (W. B. Nichtaniilich.) Meldung der Agence Bulgare, Am l6. Dezember nachmittags versuchte eine Gruppe inazedo- nischer Flüchtlinge, die ans 1 18 Männern, Frauen und Kindern aus dem Bezirk Jschtip bestand, die Grenze im Bezirk Struwihe zu überschreiten, um auf bulgarischem Gebiete Zuflucht zu suchen. Ter serbische Posten, durch zahlreiche Komitatschis verstärkt, erössnete nicht allein gegen die Flüchtlinge, die überdies in einen serbischen Hinterhalt sielen, sondern auch gegen den bulgarischen Posten das Feiier, Die Serben stießen gegen den bulgarischen Posten wilde Schreie und freche Beleidigungen aus. Tie bulgarischen Soldaten nahmen Stellung und ließen über den Zwischenfall Bericht erstatten. Sie enthielten sich aber lange Zeit der Erwiderung des Feuers der Serben, die ununterbrochen gegen die bulgarischen Blockhäuser, sowie gegen die Hütte» und Weiler feuerten, die längs der Grenze zerstreut liegen. Die Bewohner dieser Hütten und Weiler ergriffen die Flucht, Das Feucrgcsecht forderte aus beiden Seiten Opfer. Oie Flüchtlinge konnien sich größtenteils auf bulgarisch'? Ge- biet retten, aber einige von ihnen fielen im Laufe des Fener- gcfechts. Die bulgarische Regierung unternahm unverzüglich die notwendigen Schritte, um die Ilufmerksamkeil der serbischen Regierung ans die schwere Verantwortlichkeit zu lenken, die ibr zufalle, wenn aus Hinterbalten auf serbischem Gebiet serbische Soldaten nicht allein ans unglückliche Flüchtlinge, sondern auch auf bulgarische Grenzposten schießen, deren Kaltblütigkeit und Geduld durch das häufige Schan- spicl der Mißhandlung von wehrlosen Frauen und Kindern genugsam auf die Probe gestellt seien. Das Erscheinen von serbischen Banden, welche die Rolle von Grenzwächtern spielen, rufe in nicht minderem Maße Erregung an der Grenre hervor. Es sei zu hoffen, daß die serbische Regierung alle Maßnahmen treffe, um die Wiederkehr ähnlicher Zwischenfälle, insbesondere angesichts des ununterbrochenen Zustr'ö- mens Flüchtlinge, z» vermeiden. Bulgarien freut sich über die russische Niederlage. Sofia, 2«. Dez. Das Blatt „Kambana" bespricht die große russische Niederlage und sagt: Die bloße Möglichkeit eines Siege» Rußlands erregte ein Zittern bei allen Neuttalen vom Süden bis zum Norden. Elllckltchcrweise sind die ruWchen Kerntrup. pen bereits besiegt. Damit entschwebt diese Gefahr. D°son- drrs wir Bulgaren sind erfreut über die russische Niederlage, weil auch Rußland sich über das Unglück Bulgariens gefreut hat, und weil nunmehr das größte Hindernis für die Verwirklichung der Ideale des bulgarischen Volles beseitigt worden ist. Der Zusammenbruch der russischen Armee ist nicht nur ein Segen für die ganze Kulturwclt, sondern bedeutet auch eine Be- srcinng des rusiischen Volkes von den Ketten des Zarismus. Die enttäuschten Gebrüder Bnxtoa. S a l o n I k, 19, Dez. Die Brüder Buxton sind aus Risch zurllckgekehrt. Sie sind sehr schweigsam. Sie sollen keinen Ersolg in ihren Besttebungen nach einer Annäherung Serbiens an Bulgarien erzielt haben, Aus Frankreich. Deutsche Gefangene in Frankreich. Berlin, 19, Dezbr. ?lnsragen über deutsche Kriegsgefangene in Frankreich sind, wie die „Nordd, Allg, Ztg." mitteilt, nicht an das Komitee des Roten Kreuzes in Bordeaux, sondern an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf zu richten, Franircich wird fromm. Paris, 19. Dez. Maurice Bar- res wird am 22. Dezember in der Kammer einen Gesetzentwurf über die jährliche Abhaltung eines Rationalsciertages zu Ehren der Jungfrau von Orleans einbringen. Notstand und Kohlenmangel in Paeis. Basel, 20. Dez. E>n Baseler Brief der „Raiionalzettnng" bespricht den Kohlen- Mangel in Paris. Bei der leichten Bauart der Häuser und bei dem Fehlen der Vorfenstcr müsien sehr viele liieren, die schon zu den Wohlhabenden gehören. Die Arbeitslosigkeit hält an und stellt gewaltige Anforderungen an die Armeeverwal- tung, die täglich mehr als «v «9« Personen speist, und zwar nicht nur in den Armcnvierteln, sondern Tausende holen sich Unterstützung, die sicher noch nie in ihrem Leben genöttgt waren, sich etwas schenken zu lasten. Ans Rußland. Gesährdet« Lage im Kaulajus. Die Reise des Zaren nach Wladikawkas im Kaukasus wird in Kunstantinopel als «in Zeichen dafür angesehen, da Rußland dle Lage lm Kaukasus als gesährdet ansieht. Man glaubt jedoch nicht, daß die Rc)je einen Ersolg haben werde, trotz der Enadenbeweise, di« wahrscheinlich auf angesehene Mohammedaner herabregnen werden. 9» Prozent der kaukasischen Bevölkerung sicht im Zarismus ihren Todfeind, Jahrgang 1010. Berlin. 19. Dez, Die „B, Z, a. M," meldet ans Sofia: Rach russischen Zeitungsmeldungen sieht sich Rußland gezwungen, wegen Mangel- weiterer Reserve» demnächst den Rckrutenjahrgang 1910 cinzuberusen. Bus Belgien. Der belgische Kriegsbeiirag. Brüssel, 2V. Dez, Die Landtage der neun belgischen Provinzen haben in ihrer gestrigen Sitzung beschlosicn, die der Bevölkerung Belgiens vom Eeneralgonverncment für die Dauer eines Jahres auserlegle, in Raten zu zahlende Kontributation von 480 Millionen Fr. durch die Ausgabe von Schatzscheinen auszubrrngcn, für welche di« neun Provinzen die Soltdarhaft übernehmen. Die Schatzschein« werden von einem Banktonsortium, an desien Spitze die belgische Societe geaeral« steht, übernommen »nd bei dem »och **. m |a schasenden Notentnstitut lombardiert werden. Der Gene« ralgouverneur hat die Erklärung abgegeben, datz bei pünkt. licher Zahlung der einzelnen Kontributationsraten die Re- quisittonen bar bezahlt werden und datz die Rohstoffe, wc'che die Reichsregierung in Antwerpen, Gent und an anderen Plätzen gelaust hat, sobald als möglich bezahlt werden sollen p te Bezahlung wird nach der Buchsührung de- Transporte« d-e Guter nach Deutschland und nach Schätzung dt« Preise- er. so.gen, und zwar ohne datz ein- Gcldiibcrtragung von Dcutllh. lond nach Belgien während des Kriege; zu geschehen hat. Aus England. Reue Panil in hartlepool. Berlin, LU. De, Wie die .Bossische Zeitung" meldet, berichtet die „Timer" von einer reuen Panik in harllepool. Die Behörden hatten den Bev.'oh- nein der Stadt durch Schutzleute millcilen lassen, datz oorlän. sig niemand sein Haus verlassen dürfe. Einig- der Schutzleute gaben sogar den Rat. sich nach den Abhängen zu flüchten, da -ine neue Bcschictzung zu erwarten sei. Di- Arbeiter würden aus den Schissswcrsten »ach Hause gcschi-kt, und di- Folg- war eine grotze Panik, Kinder und Frauen wurden eiligst an» der Stadt geschasst. Arbeit, Verkehr und Eeschäste stockten den ganzen Tag. Die Eisenbahndirektion mutzte Extrawagen und ganze Extrazügc cinstcllen, um die Flüchtenden fortzuschasscn. Der Bürgermeister von Hartlcpool hat heut- -in- Bekanntmachung erlassen, in der von einem Mitzvcrständni, die Rede ist. Einige TodessäNc im Hospital haben di- Zahl der Todes,alle sür West-Hartlepool allein aus 9:! erhöht. Arr loz. Al>y. 8r. lüfill in dtr frnnj. Arnikk. Der NeichstagSabgcordctc für Metz, Tr. Georges W«ill, ist am 6. August als Freiwilliger in di- französische Armee ringetretcn. Er erklärt, er sei überzeugt, dadnrch da? Man- bat eines sozialdemokratischen elsatz-lothringilchen Abgeord- vktcn pslichtgemäsj erfüllt z» haben. Futtermittel. Der Vorstand öer Landwirtschastskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden hat ctnc Entschlietzung gesatzt, die im Jnlercste einer geregelten Milch- und Viehproduktion ein schleuniges Eingrcisen der Regierung aus dem Gebiete des Futtermittclmarktes geboten erklärt. Er beantragt: 1. Festsetzung von wirtjchastltch richtigen Verbrauchshöchsi- prcisen sur alle käuflichen Futtermittel und eines Lieserungszwanges für die Mühlen und Händler und 2. Uebergabe aller aus den besetzten Gebieten des feindlichen Auslandes hercingebrachten Futtermittel an die Land- wirtschastskammcrn zur Weitergabe an di« Landwirte ihrer Bezirke. Bis zur Regelung der Frage der Beschaffung von Futtermitteln empfiehlt der Vorstand sorgsältige Feststellung des verfügbaren Bestandes an Kartosscln vor der zwangsweisen Beitreibung. da den Landwirten, wenn sie keine anderen Futter, mittel bekommen könnten, nichts anderes übrig bleibe, als Kartoffeln in noch grötzercn Mengen als bisher zu verfüttern. Der Sturm gen Himmel. Ei» Sang aus dem Jahre 1870. Herr Viktor Habicht von Echzell übersendet un» dieses stimmungsvolle Gedicht aus dem Jahre 1870, das wir unserer tbistcns noch nicht veröfscntlicht haben. Es braust ein Rus wie Donnerhall Und trägt zum Himmel den mächtigen Schall Und Reih an Reih im geschlosienen Glied Ein Trotz von Kriegern zum Himmclstor zieht. Sie donnern jedoch am verschlossenen Haus, KSt Peter wird bange, guckt schüchtern hinaus. Doch eh' er noch recht sich besinnen kann, Stürzt krachend das Tor--und Mann an Mann Marschieren jubelnd und singend zum Himmel hinein, Beim klingendem Spiele der Wacht am Rhein. St. Petrus laust rasch nun zum Herrn der Heerscharen, Und meldet dem Herrgott die grotzen Gefahren, Datz ohne Ecburts- und ohne Todcsschein, Niel Tausend Krieger wild brechen herein. Doch der Herr, wie stets, von mildestem Sinn, Sprach: — Latz sie herein — zum alt Fritzen geh hi». Denn dieser versieht, was am besten zu machen. Zu solch' bedenklichen Kriegcrsachen. Rex Friedrich satz gerade im grotzen Kriegsrat, Und stritt mit dem alte» Blücher gar hart, Ob mit den Chasiepotv, Mitrailleusen, Granaten Mit Zündnadel, Wendl man bester beraten. Jndestcn da zogen in glänzenden Reih'n, Mit brausendem Sange im Himmel sie ein. Aus ollen Ende» der himmlischen Au'n, Da lief es herbei, die Krieger zu schau',l. Parbleu, sprach Rex Friedrich, was soll das bedeuten, Seh' eiserne Kreuze am schwarz-weitzen Band, Kokarden am Helme — hör Trommel und Pfeifen, Sch' fliegende Adler in blutiger Hand. Da ruft er, datz cs den Himmel durchschallt, Bataillon! - Achtung! — Halt! — Die Ofsizier« vor Und gebet Bericht hier, dem himmlische» Korps: Wie Ihr ohne Meldung kommt herein, Als mutzte der Himmel Euch gnädig sein. Wir kommen von Spichern, Weitzenburg. Wörth, Wurde vom Donner hier nichts gehört? So mancher fand dort de» Heldentod, Die meisten in der blutigen Schlacht Gravelott. Bei Mar, la Tour, Saarlouis und Saarbrücken, Das wollte dem Franzmann das Siegen nicht glücken. Da wurden die Welschen zurückspedicrt, Und wir — wir sind draus zum Himmel marschiert. Doch weil St. Peter uns zweifelnd sah an, Do brache» wir selber zum Himmel uns Bahn. rieue T.ze.zeilnn,. «on ta,. »tu * 1 . »„««»., 1,1« Un* liegt da. Stürmen nicht so in den Gliedern Und beim ersten Anlaus — siel', Himmelstor nieder So stehen wir siegreich vor Majestät hier, Und bitten nun gnädig um sreundlich Quartier. Blitz Teusel! Ihr habt die Franzoscil verhauen Sie wacker vertrieben von Deutschlands Gauen? Majestät, dorthin sind st« gar nicht gekommen. Denn wir batten di. Lust ihnen bevor schon g'cnommcn üech uraltem Rezept vom Feldmarschall Blücher P>°Nkn - und - der Sieg war un, sicher. Sah Blücher vom Feind was und der Feind der stand hier De» Finger drauf, jag» er. den schlagen wir. Als Atoltke uns sagte: Paris das liegt hier, Don nger man drauf, — das nehmen wir. Und immer tiefer gings Ins Wclschland hinein, Unter brausendem Klange, der Wacht am Rhein. Die Sachsen, die Hcsten, die Schwaben, die Bayern, Die wollten beim lustigen Tanze nicht feiern. So nahm denn ganz Deutschland, auch Mann sür Man», Feststimmig verbunden, Anteil daran. Und was einst zersplittert, verseindet selbst war, Steht heut' vor Majestät als verbündete Schaar'. Gcneralquartiermeister: Freund Gneiscnau, Flugs such' er sür die Braven die lieblichste Aul Die hier im Himmel ist auszutreiben, Dort mögen die wackeren Jungen» bleibe». Dort mögen sic schlagen das Zeltlager auf. Und ruhen nach blutigem Sicgeslaus. Doch eins noch Ihr Braven, gebt mir Bericht. Wie ging cs zu Ende mit der welschen Ecschicht? Majestät! wir sind leider nicht insormicrt, Wir wurden zu srühzeitig abkommandicrt.' Als man uns de» Patz gab zur grotzen Armee, Da waren die Welschen noch im Rückzug, Juchhe! Mac-Maho», der drückte sich wohl nach Ehalons, Bazaine in Metz — nun den hatten sie schon. Und Usrig, den Wärter am südlichen Rhein, Den schlosten sie fest in sein Stratzburg ein. Run setzet zusammen Eure Gewehre, Um auszuruhn aus verdienter Ehre. Ich werde jetzt selbst rekonosziercn, Hör' Ziethen, Er, alter Husar aus dem Busch, Reit' Er mal hinunter zur Erde h»sch husch! Und seh' Er, ob weiter sic dort noch slieh'n, Und welchen Wegs von dannen sie zieh'». Der Ziethen kam gerade rechtzeitig noch an Und sah die Kapitulation von Sedan mit an. Ritt slugs zurück dann, zu rapportieren: Majestät! die können nicht mehr retericren, Die haben sich gründlich die Ras« verbrannt Und sind bei Sedan in die Falle gerannt. Das Spiel ist aus, die Rechnung ist quitt, Der Kaiser gesangen! — sie nehme» ihn mit. Da lachte Rex Friedrich! — bei meiner Ehr' Welch' Freude, wenn ich auf Erden noch wär'. Wir haben da Manches auch fertig gebracht, Die Habens Gott — strambach — noch bester gemacht Hat man je gehört, datz ein ganzes Heer, Mit samt seinem Kaiser gesangen war? Hör' Ziethen, jetzt birt' Er den lieben Gott, Er möge Viktoria donnern sofort. Auf datz es durch alle Himmel erschalle, Wie Napolecm kam bei Sedan zu Falle. Und diesen Tag, den 2. September, Den druckt Er hübsch rot in unsern Kalender. Und Er St. Peter, Er setz' sich in Ruh', Den Himmel den schlietzen wir nicht mehr zu. Die Wacht am Rhein stellt den Posten davor. Er schlafe nun ruhig — und leg' sich ous's Ohr. Im Himmel, auf Erde» wird Friede jetzt sein, Steht treu und fest die Wacht am Rhein! der Heimat. * Ftiedberg, 20. Dez. Zu den Mitteln, di« geeignet sind, die Ernährung von Heer und Volk bei längerer Dauer des Krieges sicher zu stellen, gchött die Urbarmachung und Bepflanzung von seither unbenutzte» Bodenslächcn. Rament! uh in städtischen Gemarkungen finden sich vielsach Gelände, die ftühcr oder später bebaut werden sollen und deswegen zum Pslanzenbau nicht mehr benutzt werden, obwohl sie sich hierzu »ach Bodcnbcschassenheit und Lage recht gut eignen. Aber auch in ländlichen Gemarkungen sind manche Eeländejtücke vorhanden, die sich durch zweckentsprechenden Anbau besser ausnütze» liehen. Solche Flächen sollen wenigstens während der Kriegszeit zur Steigerung des Vorrats au Rahrungs- und Futtermitteln ausgenutzt werden. Zu ihre: Urbarmachung ist der Winter, namentlich bevor starker und anhaltender Frost cintrilt, die geeignetste Zeit. * Von der Hasenjagd. Während in den hessischen Provinzen Oberhcstcn und Starkcnburg über schlechte Hasenjagden geklagt werden, fallen in Rheinheste» dieselben überaus gün- stig aus. So wurden in der Gen>arkung Sprendlingen von L0 Schützen der „Niederländischen Jagdgesellschaft" L-Iüü Hasen zur Strecke gebracht, in der Gemarkung Oppenheim Lüg Stück. * Wohnsel», 20. Dez. Der 81jährige Landwirt Johannes Bacr von hier hat im hiesigen Gemcindewald Selbstmord durch Erhängen verübt. Was den Greis in den Tod getrieben, ist unbekannt. * Franks»« a. 3>1„ 20. Dez. In der W-ihnachtswoche sin- det der Haupwiehmarkt und 2. Rindermarkt Mittwoch, den 23. Dezember statt. Der Markt an, 21. Dezember fällt aus. Aus dem Kreise Hanau. r. Hanau. 20. Dez. Ter 02 Jahre atte verherrat.-te Rangierer Kroll au? Gondsroth ist heute früh im Nordbahn« Hose zu Hanau dadurch verunglückt, datz ihm der Unterschenkel des linken Beines abgefahren wurde. ___ ____ Leite 8. ^esten-Rastau. * Falda, 18. Dez. Von de» seit drei Wochen in hiesiger Stadt -inquartierten Einwohnern von Metz wurden sechs junge Vurschc» in einer Metzgerei in der Löbersiratze untergcbe rck». Zwei dieser Burschen stahlen dem dort tätige» Metzgerg-s-llr,, eine» neuen Rock nebst Beinkleid und Uebcrzicher und versetzten die Gegenstände im hiesigen Leihhaus. Die Diebe kamen i» Haft. * Fulda. 20. Dez. Von den Mitgliedern de» Nhönkiuh Zwcigvcrein Fulda, siche» 70 unter der Fahne, drei dar:..! sind gefalle», 10 wurde» bis ,ctzt mit dem Eisernen Kr-.-!, u- . gezeichnet. - 9I'i» der Rhön, 20. Dez. Der Gemeindevarftaud in Dermbach hat das vibhoUcii van Spinnstuben ven jetzt ab Dezember 1913 verböte». Die Haushaltungsvvrstönde, r . derartige Bereinigungen junger Leute in ihren Web!»».> : dulde», werde», sowie die Teilnehmer, bi:, zu ;--i M«i Strafe genommen. - Bad Orb, 20. De:. Als die 7jährige Schülerin Pr.-ick, in der rltcrlichr» Wohnung Le» Ose» anzünde» woiNe, ihre Kleider Feuer und sie erhielt solche Brandwunde!!, douo - sie kurz darauf erlag. * St. Goarshausen, 18. Dez. Der Krieg-frei»-.:', - e Peig an» Miehlen, dir aus dem Kriegsschauplatz Ost lo> ; i, i : > , al» Führer einer Seltenpalrouille während eines < . - . mit noch drei Kameraden 2 russische Pioniere und 10 Mar- ! * gefangen. * Aus Nassau, 20. Dez. I» diesem Herbste sind in ganz I Nassau, wie van sachversräuLiger Seile sesigcftelll wurde, aus' ' sallend mcuig junge Obstbäuiuc gepslauzt worden. Die ilaum- j schulen haben deshalb sehr über mangelhastri! Absatz, der »och I nie so in die Erscheinung getreten lst, wie Heuer, zu llag -i . gehabt * Limburg a. d. Lahn, 20 . Dez. Da sich die in Kricgsgc. sangcnschast geratenen Irländer in verschiedenen Gesäuge een lagern mit den dort besindlichcn Engländern durchaus nicht vertragen könne», so werde» sie seit Woche» abgesondert und dem Lager bet Limburg überwiesen. 9lm 17. Dezember traf wieder ein Transport vo» 80 Jrläudcin via Gietzeu aus der hiesige» Station ein und wurde dem Gcsangcueulagcr zuge- siihrt. Starkrnburg. * Darmstadt, 20. Dez. Eil! schweres Fliegeruuglück ereignete sich am Freitag vormittag aus »ein Flugplatz der Zlicgcr- siatian Darmstadt. Nach 8 Uhr war der Flugzeugsllhrcr Gruse mit dein Kriegssreiwillige» Kohl aus Lampertheim als Beobachter ausgesticgen und halten einen gröberen Uebungssillg in die Umgebung gemacht und waren mit ihrer „Taube" auch über Daruistadt gekommc». In der Absicht wieder z» landen, erfolgte der Rllckslug Al» dag Flugzeug im Skbstieg bcgrissen war, wurde es plötzlich vo» einer heftigen Böe ergriffen, au» ziemlich bcirächilichee Höhe »mgcrissrn und zur gcwalisamcn Landung gezwungen. Der Apparat flog so heftig zur Erde, datz er stark beschädigt und der Beobachter Kahl gctäici wurde. Gruse erlitt ziemlich bedenkliche Verletzungen. * Darmstadt, 20. Dez. Ein bedauerliches Familiendrama setzte am Freitag die Bewohner de» Nordosivieriel» in grotzen Schrecken. Der in der Arhcilgersiratze in ärmlichen Verhält, nisten lebende Gärtnereibcsitzer I. W. Ashcuer, etwa 1l Jahr- alt, der in Koblenz geboren, schau eine Reihe von Jahren hier ansässig ist, eine geb. Stumps van hier zur Frau hat, «schätz ! in der Zeit zwischen 8 und 9 Uhr, nachdem er seine älteste etwa II Jahre alte Tochter zu einer Besorg!,ng weggeschickt hatte, im Zicgcnstalle seine gerade mit dem Melken des Tieres beschäftigte grau durch einen Schutz mit einer Jagdslinte i» den Kops, vcrschlotz die Stalltur und begab sich mit der rauchenden Flinte in seine Wohnung, tötet- seinen noch im Bett liegenden, aus seinem Verhältnis mit einem srühcicn Dienstmädchen stammenden etwa 1 Jahre alte» Knabe» durch einen Schutz in die Herzgegend und richtete dann die tätliche Waffe anscheinend im Bett sitzend auf sich selbst. Er wurde, als nach kurzer Zeit die Tochter Ottilie von dem Ausgang zuriickla.-i und die Türe vcrschioste» sand, mit Hülfe der 'Nachbarschaft aus dem Belt liegend, ebcnsalls durch eine» Schutz in aas Herz, tot ausgesundcu. Aus hinterlastciie» Briese» geht hervor, datz A. die gräuliche Tat in selbstmörderischer Absicht begangen hat. Er ist starlcr Epylcptikcr und lebte i» sehr ge gedrückte» Vcrhältnistcn, aiischeinenv sind auch die ehelichen Verhältniste, in Folge des autzerehclichcn Kindes, »ich! die be stc» gewesen. Die sinanzicllc Lage scheint nicht die Ursache z.r der Tat gewesen zu sein. Franksurter Wetlerbericht. Voraussage: Ziemlich wollig, zeitweise Niederschläge, mild südwestliche Winde. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg', für den Anzeigenteil: K. 2 ch nt i d t, Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeit!!ng" A. G-, Friedberg i. H. Helrannlrrmchumi. Die Keschästsräume des Unterzeichneten sind Donnerstag, den 24. d. Mts. vo» Mittags 12 Ugr ab geschlossen. Friedberg. den 21. Dez. 1914. I Der Bürgermeister. Stahl. Delrannlmachunfl. Die Kinderkrippe ist vom 24. Dezember lsd. Zs- ab bis zum 4. Januar 1915 geschlossen. Friedberg. den 21. Dezember 1914. Der Bürgermeister. Stahl. ,»!■ - » j iU. Nr. J99 ;XKKKKKI-Kli> GeschäftsEröffmmq. Ergebenst Unterzeichneter gestalte mir die Neuerössnung ineine» Frijeur-Geschäftes tiir firrrrit nnb Hamni dem verchrlichen Publikum zur Kenntnis zu bringe». Herren- und Damen Salon in ernenn: :>, mit alle» Neuerungen und modernen Apparaten eingerichiete» Räumc». Empehle mut> zum Rasieren und frisieren, io nie zur sachgemäßen Kops-. Haar- und Nägelpflcg«. den geehrte» Damen und Herren, aus Grund meiner Erfahrungen in erstklassigen Geschäften, angelegentlichst, bei schonendster Behandlung, zu mäßigen Preisen Keren dem Verlaus aller kosnictischer und Toiletlcir-Artilel emss hie nrich »och zur aubcrstcn Ausführung aller Haararbeilen bei Zusicherung promprcster und sauorrstcr Bedienung. Mit der höflichen Bitte, mein neues Unternehmen giitigst unterstützen zu wollen, zeichne mil ergebenster Hochachtung Adolf ^cilriy. Frism ?amkil li. Htlm. Lriedbcrg-Lnurri-nch, Rcucstr. l. -jene Tageszettmig. Montag, de» 21. Dezember 1914. 2-ZiiWtt-W»ilkjl mit abgeschl. 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Die „Franksur.er Zeitung" hat in Rr. 340 o. 8. 12.10 4 die Mitteilung, da» die Hotz ceftscherei zufolge der Minen,,vsahr eingestellt wurde, d. h. mrt.sin auch kem Fischmehl mehr zu haben ist. — Da die Boriäte sehr gering sind, ist eine sosoriige Bestellung empfehlenswert. Pärinc Mid plafen empfiehlt Franz.Fourier. Friedberg. «eil« X Prtf i« tiit Jlntf rftiilhulüi nrnif r fiiiikr Irifblif rgö. DMe um Weilinachtsfiaben. Zum bevorstehenden Wcihnachtsfefte haben sich 70 bedürftig».- Kinder gemeldet, welche mit einer Wkihnachtsunterstützung er» freut werden sollen. Da unsere Einnahmen in diesem Jahre infolge der schwere» Zeiten, welche über unser Vaterland her» eingebroche» find, gegen sriihere Jahre bedeutend zurückdliebe», unsere Bedrängte» zu Hause aber hierunter nicht leiden sollen, so durse» wir auch wohl r» diejein Jahre die höfliche Bitte aursprcchen, uns nach Möglichleii mit bare» Zuweisungen »n- tcrslützrn zu wollen. Gaben werde» dankend entgegengenom- men von den Vorstandsmitgliedern: I. Dörr, Kausmann. W. Eeorgi, Apotheker. I. Hei neck, Gcomcier l. KI. G. Klederger, Pfarrer. Ih. Mörschel, Bauunternehmer. PH. Philipps, Hauptlchrcr. H. Rausch, Kaufmann. SB Roßbach, Fabrifant. Dr. L. Segd, Rechtsanwalt. R. Walz, Prosesiar. für die Verwundeten. Tut- diesjährige Weihiinchtssest soll auch unseren rer- wimdeteu Kaineraden in de» hiesigen Lazaretten einen Strahl dan'barcr Liebe für ihre großen L'pscr draußen ni Dienste des Vaterlandes bringen und ihnen in der Hei- mat eine kleine Freude bcschccrcn. Darum bitten wir alle Freunde derselbe» in Stadt und Land um Geschenke rller Art, besonders um praktische Gegenstände (Wollenes Unterzeug, Hosenträger, Geldtsisäiehen, Briefpapier, Taschenlämp- chen, Zigarren, Tabak, Aepfel, Niissc »nd dergl.) und Bücher oder um Geldspenden, die eS ermöglichen, den Weihnachtstisch sur unsere Verwundeten z» beeten und daS Herz der kielen, die das schönste Fest der Liebe und Freude fern von ihren Lieben feiern müssen, ein wenig zu erfreuen. Gaben sur bestimmte Verwundete, die etwa dem Geber nahestehen, werden am besten verpackt und mit Namensangabc des zu Beschenkenden übersandt. Alle Gaben bitten wir an Frau Oberinspektor Koch in der Gewerbeschule spätestens bi* zum 15. Dezember einzusenden oder abzugcbcn. Pros. Werner. Stabsarzt Dr. Achert. Lbcrinsp. Kvdp Weihnachtsbitte. Nur mit Zagen und Bangigkeit wagen wir es, auch in diesem Jahr wieder mit einer „Weihnachtsbiitc" hervorzu- tielcn. Es ist gar keine Frage und wir wissen es selbst sehr wohl, daß in dielen ernsten und schweren Zeiten unsere Brüder im Felde in ihrer überaus harten Kampsesarbeit für den heimischen Herd und für des Vaterlandes Bestand und Ehre das erste Recht an »ns haben und daß der Fürsorge für die Verwundeten und für die Hinterbliebenen der Gefallenen vor ollen Dingen unsere Hilfsbereitschaft gelten muß. Außerordentlich viel ist schon geopfert worden und noch größere Opfer werden notwendig sein. Aber wir dürfen vielleicht daraus Hinweisen, daß über den Anforderungen des Krieges auch die Barmherzigkcitswerke des Friedens nicht leiden dürfen. Wir wollen gewiß in diesem Jahr keine große Weihnachtsbcscherung halten lind auch unsere Pfleglinge hoben soviel Vaterlandsliebe und soviel Opfersinn, daß sie sich gerne bescheiden, daniit den Bedürs- iigcren geholfen werden kann. Aber eine andere Bitle legt sich uns lehr nahe: Die Anstalt selber bedarf dringend der Unterstützung. Die Gaben und Kollekten sind in den letzt- vergangenen Monaten fast ausgcblieben, die Kosten ober in ollen Zweigen größer geworden. Wir schränken uns ein und sparen, soviel wir können, aber doch erfüllt uns ernste Sorge, wie es weiter gehen wird, wenn wir durch- kcmmen sollen. So wagen wir es denn in dankbarer Erinnerung an die uns schon so oft und reichlich zu teil gewordene Unterstützung und im Blick ans Weibnachtcn, das Fest der Liebe, um eine Gabe der Barmherzigkeit zn bitte» für unsere Anstalt. Lasset uns Gutes tun und nicht müde werden! Niedcr-Ramstadt, im Dezember 1914. Anstalt für Cpilextijche. Weimar, Pfarrer. Bctauntmachnno. ES ist vielfach angeregt worden, Feldpostbriefe mit Wareninhalt, die von den Truppenleilcn nicht ausgeh in- digt werden können, weil die Empsänger abkominandiclt rcrwiiiidet, vermißt oder tot sind, nicht an den Ausgobeoil zur Rückgabe an den Absender zurückzusenden, sondern den Truppenteilen zur beliebigen Verwendung zu überiassen. Ohne ausdrücklichen Wunsch des Absenders ist dies nichl Niöglich. Wenn der Abicnder aber durch einen aus der Sendung — sei cs handschrisllich oder durch gedruckten Sittel anzubringcnden Vermerk — etwa folgenden In holts: „Wenn »nbrslcllbar, zur Verfügung des Truppenteils" zum Ausdruck bringt, daß er die Preisgabe wünscht, lo werden die Postverwaltung und die Truppenteile diesem Wunsche entsprechen. Unbestellbare Sendungen, die einen lolckien Veimerk nicht tragen, werden nach wie vor an den Abicnder znrückgclcitet werden. K r a e t! c