Dummer 295 Mittwoch, den 16 « Dezember 191 -/ Mene Tiigesz /. Jahrgang Die „i tut ff ocrojritunsj“ eiicheml ie»«n Werltag. Regetmätzlge Beilagen ie, i>cn Agenten nwnattich 50 Bio. , ,n,u tritt S »ltgekühr oder Trägenodn. ,,«*r So»« au- ch-llen". ..Sie Kpinnllude". Kc.ugoprri»: «c> den PostanftaNe» vier-«l,agit,a, Mt. I.'j:, ErttiN,,»-..,. c, ... .: „ _ , ------- ^»»rigrii: Grund-,eil« 20 Pig> lolale 15 P»g, Ln,eigen von auswärts wrrden durch Po machuah,».- eroaocu ngsor, »nedberg. Kchriftleitnng und Serlog „nedderq iHe-se,,». Hana ler lratze 12. Fermprecher 48. Pastscheck-L-nt» Rr. 4859. Amt Franlsurt a. ai|. 31000 Jinßrn non kw (Oflrrrridjrrn gefangen. Angriffe der Zranzoscu auf der gan;c,r ^ront. — Nückzug der Rnfien in Galizien. — Belgrad von den Ocstcrrcichcrn geräumt. Der deutsche GeneralsLab —l- ---- meldet: _____— -. W. T. B. Grostes Hauptquartier, den 15. Tezembsr, vormittags. Amtlich. Tie Franzosen griffen gestern an mehreren Stellen vergeblich an. Ein Angriff gegen unsere Stellung südöstlich Aper» brach unter starken Verlusten für den Gegner zusammen. Ein feindlicher Vorstoß aus der Gegend nordöstlich Suipprs »vurde ebenso wie ein feindlicher Angriff nordöstlich OrnrS, nördlich Verdun, unter schweren feindlichen Verlusten abgewiescn. In der Gegend von Aillst-Aprcmont südlich St. Mihiel versuchten die Franzosen in viermaligem Ansturm unsere Stellungen zu nehmen. — Ter Angriff scheiterte. Ebenso mistlang ein erneuter feindlicher Vorstoß aus Richtung Flirr» nördlich Toul. In den Vogesen sind die Kümpfe noch im Gange. Bei der Rückeroberung des Dorfes Strinbach westlich Semmhcim machten wir 800 Gefangene. Ans Ostpreußen nichts neues. Tic dentfche über Soltau-Mlawa in Richtung Eie. chonow vorgcdrungene Kolonne nimmt vor überlegenem Feind ihre alte Stellung wieder ein. In Russisch Polcn hat sich nichts wesentliche« ereignet. Ungünstige Witterung bccinslnsscn unsere Mastnnhmen. Oberste Heeresleitung. Die Schlaft in Polen. Die russtschcn Blätter erörtern die Kriegslage in Ruffisch- Polen auch in den letzten Tagen sehr zurückhaltend und lühren aus. datz diese Schlacht di- gewaltigste im bisherigen Kriegs- vcrlaufc sei. Beide Gegner seien hartnäckig, stark und reich an Hilfsmitteln. Der grotze Vorteil der Verbündeten sei der Besitz ausgedehnter, vortrcsslich sunktioniercnden Verkehrsan- lagen, die den raschen und ausgiebigen Nachschub ermöglichen. Dies sei gcwih schwer auszuwiegen. ..Nowose Wremja" meldet, unweit des Flusies Mroga wären die Rüsten nah- daran gewesen, wie ein Eisenhammer aus die hart bedrängten Deutschen niederzusausen, als sie Las plötzliche Austauchcn aus der Gegend von Kutno vordringender deutscher Verstärkungen zwang, sich zurück,»ziehen. ..Rustkoje Sl-wo" betont, der Ausgang der Kämpfe in Russisch Polen sei -ntscheidend für den europäischen Krieg, weshalb denn uck> die Verbündeten verzweifelte Anstrengungen auswendcn und ieden "'e-v anspanncn. um ihre „vorübergehenden Erfolgs" sicher zu ---llen. Mailand, 14. Dez. Aus Petersburg wird hierher sendet. Last man vorläufig einen deutschen Angriff auf War- I' a u nicht erwartet. Das Ziel der deutschen Angriffe sei ttowicz als Knotenpunkt der nach Thorn. Warschau. Lodz und Wien führenden Linien und von fünf Landstrosien. sowie wegen seiner moralischen Bedeutung als der Hauptstadt eines oleichnamiqe» ehemaligen polnischen Fürstentums. Die deutschen Kräfte auf Lowicz werden auf fünf bis sechs Armeekorps geschätzt. Eine polnische Abordnung ist in Petersburg emgctrolien, um Hilfe für die arg notleidende Bevölkerung zu erbitten Die russische Akademie ernannte einstimmig Stcnkicwicz zu ih-cm Mitglied Paris. 14. Dez. (SB. B. Nichtamtlich». Der ..Nowofe iljremja" zufolge sind an den Kämpfen um Lowicz die zcn--al- afiatischcn Regimenter der Tataren, Kiraste» und Baschk'.rm beteiligt ?if (fntldifibiingi füllt nidit iin WtStii. Berlin, 15. Dez. Generalmajor Gatt, erklärt in: „Corriere della Sera", die Entscheidung werde voraussichtlich nickst in Frankreich fallen. Die Offensivkrast der Fr.in- zefen und Engländer reiche zu einem kräftigen Vorstoß n.-ßt mehr a»S. Falls den Tcutsck^n im Osten der entscheidende Schlag gelänge, würde die deutsche Armee im Westen auch sofort mehr Beweglichkeit gewinnen. Das russische Heer befinde sich in der Defensive. Seine zahlenmäßige Uebcr- legenheit gegenüber Deutschland und Oesterreich sei bed:u- tend vermindert. 8er iiltffif >ofjn drg ffeilfisklinrlers tifriüunöft hhD gefaiilltli. Ter älteste Sohn des Reichskanzlers von Bethminn Hollweg ist. wie das „Berl. Tagebl." erfährt, bei einem Vatrouillenritt im Osten verwundet woiden und in russisch-? Gefangenschaft geraten. Tie Verwundiing ist ziemlich schwerer Natur, da e8 sich außer um eine Verwundung an, Bein un, einen Kopfschuß handelt. fciiic Sind) idjt doh Der „köliWbk'g". Rach privaten Mitteilungen der englischen Admiralitii ist Kapitänlcutnant Patterson bei dem Versuch, an de» blockierten Kreuzer „Königsberg" hcranzukommcn, in deutsche Gefangenschaft geraten. Die Waffenruhe litt Weihnachten. Köln, 44. Dez. (W. T. B. Nichtamtlich.) Die .Köln. Zeitung" meldet anS Berlin: Tie Anregung des Papstes, tine kurze Waffenruhe über Weihnachten herbcizufühcen, fiel bei der Mehrheit der kriegführenden Mächte aus einen günstigen Boden. Besonders äußerten sich Deutschland und Ocstcrreich-llngarn sosort zusiimmend. Auch die Türkei war bereit, dein Wunsche der Kurie Rechnung zu tragen. Ter Widerspruch gegen die päpstliche Anregung ging ton Rußland und Frankreich auS. die bestimmt ablehnten, auf den Vorschlag einzngchcn. lTaß Rußland ablehnt, wundert weiter nicht, denn erstlich pflegen die Tungnlen, Kirgisen und ähnliche Dölkcrschastcn keine Weihnachteil zu feiern und dann fällt das russische Weihnachtsfest auf einen anderen Kalendertag. Daß aber auch Frankreich in dieser Frage an der Seite Rußlands zu finden ist, das ist bezeich- nend für die Kulturnalion. j Der österreichische Eeneralstab Ü -r- meldet: ----- Rückzug tcr Russen in Galizien 81000 Gefangene. Wie», 15. Dez. (W. T. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: Die Ofscnsivc «nscrrr Slrmccn in West- Galizien hat hier den Feind zum Rückzug gezwungen und, auch die russische Front in Südpolcn zum Wnnkcn gebracht. Unsere den Feind in West-Galizien von Süden her uncr- müdlich verfolgenden Truppen gelangten gestern bis in die Linie Jaslow-Rofbrot. Bei dieser Verfolgung und in der Irtztcn Schlacht wur- den nach den bisherigen Meldungen 31,000 Russen gefangen genommen. Heute liege» Nachrichten über rückgängige Bewegungen des Gegners an der gesamten Front Rojbrot- Nicpolowicc Wolbroi» Vovo-RadomSk-Piotrkow vor. In dem karpathischc» Waldgebirge sind gegen das Vordringen feindlicher Klüfte in das Latcrcze Tal entlprcchcnde Maßnahmen geiroffen. Der Stellvertreter des Chels des Gcneralstabs: v. Hofer, Generalmajor. Belgrad geräumt. Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: 15. Dez.- Die ourch das notwendig gewoivene Zurücknehmen des eigene» rechten Flügels gefchafsens operative Lage Uetz cs rat- lam erfchcuien, auch Belgrad zunächst aulzugeben. Tie Stadt wurde lampflos geräumt. Die Truppen haben durch die übcrstandencn Strapazen und Kämpfe wohl gelitten, sind aber vom besten Geiste beseelt. Rusfifchc Munitionsschissc gesunken. Triest, 15. Dez. Tcr Tricstcr „Piccolo" berichtet, daß drei russische Schiffe mit Munition für Serbien bei Rustfchuk aus Minen ausge» lausen und gesunken sind. Die gesanitc Besatzung ist ertrunken. Tic Riisteii in der Bukowina. Budapest. 14. Dez. Es wird uacküräglich bekannt, daß die Russen, nachdem unsere Ezcrnowitz geräumt halten, in den ersten Tczcmbcrlagen zweimal zur Offensive übergingen. Ein Trupp wurde bei Radautz geschlagen und mußte sich auf Tcrcblefti zurnck- zichcn. Eine rusfifchc Abteilung wurde bei Cndy» gesckla- gen und ließ mehrere hundert Tote und Verwundete zurii.k. Tie Lage in Westgalizieu. Mailand, 14 Dez. (SB. B. Nichtamtlich.) „Eorrierc della Sera" schreibt: Tic Die- dcicinnahmc Neu Sandccs stelle einen bemerkenswerten Erfolg dar. Tie Oesterrcichcr können jetzt anf beide» Seilen des Tungjetz erfolgreich operieren. Tiefe Operation in Verbindung mit der weiter westlich nngcsetzte» stellen eine sehr ernste Bedrohung der Riisscn dar. Ein italienisches Urteil über nnfrre Berbündeteii. W i e I, Dez. (W. B. Nichtamtlich». Der Hciausgcbcr des „Malino di Napoli", Scarfoglio, der focden von einem mehrtägig Aufenthalt an der vordersten Front zurückgckchrt ist, äutzert ü>: gegenüber dem Kriegsbeiichterstattcr des „Neuen Wiener Ta aeblaits" geradezu begeistert über die österreichisch ungarisch, Armee in ?PoIen. Er lobte die über alles prächtige Stimmung die Frische und bewundernswerte Disziplin der österreichisch ungaiischcn Truppen, die gerade im schweren Feuer glänzend zum Ausdruck komme. Keine Unterschätzung »e» ästerreichischen Heeres. Im „Ruh ki-Iuvalid", dem amtilchcn Blatte des russischen Eencralstabe, warnt, wie der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" incldet, ein „Augenzeuge der Kämpfe in Galizien" vor der llntcrschätziing des österreichisch-ungarischen Heeres. Er ist der Meinung, datz es »ehr schwierig sein würde. Przcmysl zu nehmen. Eine Bestürmung hält er für aussichtslos» der einzige Weg. die Fest ung zu erobern, werde in einer langwierigen Belagerung bc- stchen. Auch der Vormarsch aus Krakau sei mit grotze» Schwierigkeiten verbunden. Die österreichische Artillerie nennt der Berichterstatter vorlresslich, zum mindesten so gut wie di« russische.. Er lobt ferner die Tapferkeit der ungarischen Reiterei und kommt zum Echlutz. datz Rutzland einen Sieg nicht rasch und bequem haben könne. Ritterliche Kriegslührung. Wie», 10. Dez. Die österreichisch-ungarische Regierung versügte die Freilassung des 17- jährige» in der Monarchie bei Kriegsausbruch verhafteten Radomir Nikolitsch. des Sohnes des serbischen Skupschtina-Prä- fidcnten, aus Grund einer Intervention der italienische» und spanischen Regierung, die an die Erotzmut der Regierung appellierten. weil die Frau Nikolitsch gestorben und sein ältester Sohn gcsallen sei. _. ----- — Das türkische Hauptquartier .?== 7 -.—,:=== meldet: -------- Die türkisch-russischen Kämpfe an der persischen Kreuze. K o n st a n t i n o p e l, 15. Dez. Mitteilung des Eroftcn Haupt quartiers: An der Grenze des Vilajcts Wau dauern die Zu- sammciistötzc der russischen Truppen mit unser» Abteilungen zu unfern Gunsten an. Die russische Kavallerie hat an der per sischcn Grenze bei Sarai unsere Kavallerie angegrisscn. ocren Eegenangrisse von Ersolg gekrönt waren. Die Rusie» wurden zuiückgcschlagen und zersprengt. Der heilige Krieg. Konstantinopel, 14. Dez. !W B. Nichtamtlich». Der Sohn des Erotzlcheiks der Senussi lst in Medina cingctrofscn, um am Heiligen Kriege teilzunehmeu — Wie die Blätter erfahren, werde» in Damaskus grotze Vor bereitungen zum Empfange der heiligen Fahne und des Saud Ichak Scheriss getrosten, die unter dem Geleite von tausend Krieger», welche unter grotze» Begeisterungskundgebungeil von Medina ausgebrochen sind, hier eintressen werden. Zusammenschlutz der Mohammrdaner in Makedonien. In unerhörter Weise von den Serben gequält, haben sich jetzt auch die Türken Makedoniens zu einzelnen Trupps zu,ammenge- schloffen, und gemeinsam mit bulgarischen Irregulären und Kahlsten im Gebiet von Eergeli, Doirat und Langatsche den Kamps gegen ihre serbischen Unterdrücker ausgenommen. Di« Basis dieser Bewegung ist Strumitza. während die Basis an dcl griechischen Grenze Petritsch bildet, von wo aus bulgarisch« Irreguläre uuter Führung Sandanskis operieren. Die Türken im Kaukasus. London, 15. Dez. Reuter berichtet, datz das Eigentum der Kaukasus Lapper Co. zu Dzan- scul. einem Flecken südlich von Batum, im vorigen Munal durch eine türkische Truppenabteilung angegriffen wurde. Kur» bevor hatte» die englischen und amerikanischen Beamtin Besohl erhalten, abzureisen. Man glaub«, datz der grötzte Teil dielet Beamten einen Tag vor der Ankunft der Türken über Tisiis nach Petersburg abgereist ist. Ein Telegramm der Regierung des Kaulasus meldet, datz der durch die Türken aagerühiele Schaden nicht bekannt sei. Di« Iruppenmacht wird aus 4«,: 4 bis 5000 Mann geschätzt. Soweit bekannt ist. sind die Beamten alle unveriehrt. ihren perlönlichen Besitz mutzten sie jedoch bei der raschen Abreise zurücklasien. Die Erästnung des türkischen Parlament». Konstant i< nopcl, 14. Dez. (SB. B. Nichtamtlich». Die Erästnung de, Parlaments hat mit glänzenden Zeremonien stattgesundcu. Daran nahmen sämtliche hohe Geistlichen, an ihrer Spitze . :i Scheik ül Islam und die Staats» und Hofwürdenträger leib Das Bild wurde iarbenprächtig durch die Anwesenheit der Ge- — j Sir. 295 _ »eralität und bet Diplomatie, darunter des deutschen Botschafters mit dem Botschaftsrat Dr, Kllhlmann und dem Dragon,an -'lieber, sowie der deutschen Militärmission in einer besonderen Loge- Pünltlich um 1 Uhr erschien der Sultan in Begleitung des Thronfolgers und der anderen Prinzen sowie des Khedi- oen, mit dem der Sultan sich vor der Einnahme seine» Platzer ungewöhnlich lange unterhielt. Im Mittelpunkt' de» Intcres- jer sland von der Goltz Pascha, der sich in der Begleitung des Sultans bcsand und in der Hosloge Platz nahm. Nachdem der Sultan nach allen Seiten huldvollst gegrüßt hatte, fand die Verlesung der Thronrede statt, die der Traditionen entsprechend schweigend entgegcngenommcn wurde. Nur eine gewisse Bewegung ging durch die Versammlung, als der Heilige Krieg und die glorreichen Waffenlaten der deutschen und österreichisch-ungarischen Bundesgenossen erwähnt wurden, Das der Thronrede folgende Gebet wurde zum crstenmale in dem türtischen Parlament in arabischer Sprache gesprochen. Nach der Abfahrt des Hofes und des diplomatischen Korps begann die erste Sitzung unter der Leitung des früheren Präsidenten Halil Bcy. Vom Baltarr. Serbische Vorsichtsmaßregeln. Athen, 15, Dez. Die serbischen Behörden haben nach Sprengung der Vardarbrllcke bei Udowo vier Reserve-Bataillone zur Bewachung der Bahnlinie von Sechowo bis Pirot kommandiert. Die bulgarisch sprechende» und türkischen Dörfer, welche die Komitadschis unterstützten, wurden entwaffnet. Was macht Rumänien, Kopenhagen, 15. Dez. „Ver- lingsle Tidende" erfährt aus Paris, alle dort wohnenden jun- geu Rumänen hätten Befehl erhalte», sich auf der rumänische» Gesandtschaft zu melden. T c bemerkenswerte Stimme. Mailand, 14. Dez. (SB. B. Nichtamtlich). „Sole", das hervorragendste, täglich erscheinende Finanzhandelsblatt, bespricht die handelspolitischen Folgen des Krieges für Italien und kommt dabei zu dem Schlüsse, daß Italiens Interessen durch einen Sieg Englands und Frankreichs keine Förderung erfahren würden. Beide Mächte hätten schon jetzt die Herr- schast im Mittelmccr an sich gerissen und wurden dann noch verstärkt, um von ihren Wachtposten Gibraltar, Suez, Bizerta und Malta »och stärker auf Italien drucken zu können, und ihm jede Entwicklungsfähigkeit rauben. Die Verstärkung der deutschen Flotte im Mittclmecr würde dagegen zur Herstellung des Gleichgewichtes unter den Großmächten zum Vorteil« Italiens beitragen. Vielleicht könnten dann sehr wahrscheinlich da keine Verringerung der Machtstellung Italiens in der Adria zu befürchten ist, durch friedliche diplomatische Verhandlungen auch die diesbezüglichen Wünsche Italiens ihre Erfüllung finden. Aus Italien. Eine anständige Rede im Senat. Rom, 15. Dez. (SB. B. nichtamtlich). Eine großzügig angelegte häufig von Beifall unterbrochene Rede hielt der Senator Earofalos im Senat. Slus seiner Rede ist folgende Stelle erwähnenswert: Wir können keine Feindseligkeiten gegen Nationen unternehmen, mit denen wir so lange verbündet gewesen sind, und auch nicht gegen andere Nationen, mit denen uns Bande der Rassenver- wandtschaft einen. Es ist daher nicht schön, wenn von einigen der Gedanke vertrete» wird, daß Italien sich Vorbehalte, in de» Kamps einzutreten, um dem Besiegten de» Gnadenstoß zu geben. Es ist nicht schön, wenn wir unsere Hilfe verschachern und nicht vor einem schändlichen Verrat zurückscheuen. In der Regierungserklärung hatten die Worte, die sich aus unsere Aspirationen beziehen, nicht weniger den Orient als den Occidcnt im Auge. Trotzdem haben einige »ui nach einer Richtung geblickt. Man darf hoffe», daß einige Städte, in denen man italienisch spricht, nicht immer von uns getrennt bleiben, aber das ist eine Erwägung, die wir mit anderen Nationen gemein haben. Heute ist es wünschenswert, daß die Völker national ge- dr' 'leiben. Aber der Wunsch, eine Sache zu besitzen, recht- j noch nicht eine gewaltsame Slktion, sich ihrer zu bemächtig, o. Die Schwei; viihm- des Weltkriegs Bafel, 15. Dez. (SB. T, B. Nichtamtlich.) Das Schweizer Handelsdepartoment veröffentlicht eine Tabelle, welche zeigt, wie sehr die Einfuhr in den ersten drei Kriegs- inonatcn zurückging, Die Blätter weisen überzeugend nach, daß die Schweiz ihre eigenen Bedürfnisse nicht decke» könnt: und dass daher die Behauptung, sie bezöge Waren für andere Staaten, gänzlich unhaltbar ist. Die Tabelle weist auch darauf hin, wie schwer die schweizerische Dollswirtschaft ,m!cr dcu Einfuhrschwicrigkeitcn leide, welche bei deren Fortdauer zu Arbeitseinstellungen in den verschiedensten Industrien führen würde. Dic (lnijchiidiyiina für turemdurg. Berlin, 15. Dez. Die der lnrcmbnrgischen Regierung angewiesenen Entschädigungsgcldcr belaufen sich auf 1,9 Millionen Mark. Davon sind 1,15 Millionen Mark bereits ansgczahlt. Die Lage in Belgien. -Hot Vaterland" enthält einen Bericht aus Belgien, ui du: den ins Ausland geflüchteten besser situierten Bel- .icr» nahe gelegt wird, unverzüglich nach der Heimat zu- cückzukehrcn. Sic hätten sowohl in Antwerpen wie in Brüssel von den Deutsche» nichts z» fürchten. Ihr Platz sei ,n der Heimat, wo sic mit ihrem Geld viel Gutes stiften könnten. Sie brauchten nicht in den ersten Hotels in der Fremde zu wohnen Besonders ausgefallen sind deni Mitarbeiter des „Vaterland", der erst jetzt aus Belgien zurückgekommen ist, d!> Gcgcnjätz^ die sich in Belgien abspielen. Während in den Neue Tageszeitung. Mittwoch, den 16. Dezember 1911 Dörfern größtes Elend herrsche, sehe man in Brüssel wieder den gewohnten Luxus sich entfalten. Zujummukuust der uMlhtil Könige. Stockholm, 15, Dez, Das ofsiziösc „Swenska-Telegra- fen-Büro" meldet: Auf Anregung des Königs von Schmede» wird am Freitag, de» 18. Dezember eine Zusammenkunft zwischen den Königen von Schweden, Dänemark und Norwegen in Malmö stattfinde». Die Könige werde» von ihren Ministern des Sluswärtigc» begleitet sein. Diese Zusammcnkunst ist ein Ausdruck für das gute Verhältnis zwischen den drei nordischen Reichen und für die zwischen ihnen bestehende vollständige Einigkeit, ihre bis jetzt beobachtete Neutralitätspolitik aujrccht zu erhalten. Das Zusammentreffen bezweckt insbesonders, den beteiligten Regierungen Gelegenheit zu geben, sich über die Mittel zu beraten, die i» Frage kommen könnten, um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die der Kriegszustand für die drei Länder mit sich bringt, zu begrenzen und zu hemmen. Vereinigte Staaten v. Amerika. Lehre» aus dem Seekrieg. Washington, 15. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) In dein Berichte des Marineministers heißt es: Die jüngsten Ereignisse im Seekriege haben das Vertrauen in die Unterscebooie gckräitigt. Das Marinc- amt schlägt deshalb eine erhöhte Zahl von Untcc- secbootcn und einen ausgiebigeren Gebrauch dieser Waffe vor. Die amerikanischen Marinefachleute glaube» jedoch, daß der Dreadnought nach wie vor den hauptsächlichste» Bestandteil einer guten Flotte bilden muh. Die Vereinigten Staaten stehen in Bezug auf die Unterseeboote nach der Ausstellung vom Juli 1911 an dritte Stelle. Deutschland, das eine größere Flotte besitzt als die Vereinigten Staaten, hat weniger Unterseeboote, Japan nur halb so viele. Was die Vereinigten Staaten auf dem Gebiete des Baues von Unterseebooten getan haben, ist jedoch »och nicht ausreichend. Wenn die Vereinigten State» eine Division von Unterseebooten fertig haben werden, wird der Schlachtschiffflotte eine starke Waffe zngefügt sein, die in den zukünftigen Un- torseeoperationen eine große Nolle spielen wird. Der Ma- rinesekretär betont aufs nachdrücklichste die Notwendigkeit des Ausbaues der Luftflotte, die bisher vernachlässigt wurde, und fordert dafür mindestens vier Millionen Dollars. Aus Frankreich. Ritterlichkeit. Berlin, 11. Dez. Schnelle Sühne haben die Franzosen jüngst nach einer Grcueltat walten losten, der einer unserer Soldaten zum Opfer gefallen war. Am 4. Dezember b. Js. war ein zur Bewachung eines Drabthindernisies aufgestellter deutscher Posten mit abge. schnittenen -Ohren, dnrch Kopfschuß getötet, anfgefunden worden. Schon ani nächsten Tag erschien bei den an seiner Stelle liegenden deutschen Sicherungen ein Offizier des französischen 165. Jns.-Regt. und bat, mit verbundenen Augen zu dem kommandierenden General geführt zn werden. Hier gab der französische Ofsizicr die Erklärung ab, daß sein Truppenteil mit dem, der die Grcueltat verübte, keine Ge- ineinschast bebe. Der Mann sei wegen des von ihm bc- gangcnen Verbrechens ani gleichen Tage, dem 5. Dezember erschossen worden. Das schnelle Walten d-r militärischen Gerechtigkeit und die ritterliche Form, die man auf sranzö- sischer Seite für die Uebermittelnng der Genugtuung an die betrokfenen Truppen gewählt hat, verdient von unserer Seite die Anerkennung, die man im Kriege auch dem Gegner schuldet, wenn er würdig und vornehm gehandelt hat, Kopenhagen, 15. Dez. (W, B. Nichtaintlich.) „Politiken" meldet ans Paris: Der Kriegsminister will ein Gesetz vorlegen, wonach jeder waffenfähige Franzose zwischen 18 und 52 Jahren dienstpflichtig ist. Ans Rußland. Erircullchc Wirkung der Einnahme von Lodz. Kopenhagen, 15. Dez, Wie die „Daily News" zugebcn müssen, ist durch die Einnahme von Lodz die Winterausrüstnng der russischen Soldaten ernstlich in Frage gestellt. Die Tuchfabriken von Lodz — bekanntlich die bedeutendsten in Rußland — waren fast vollständig für Militärliefernngen mit Beschlag belegt, Abgesehen von den großen Vorräten a» fertigem Mililärtuch. das jetzt nicht zur Ablieferung kommen kann, werden die Webereien ihre Tätigkeit nunmehr der deutschen Armee widmen müssen. Demnach dürfte es mit der behaupteten Bedeutungslosigkeit von Lodz doch nicht seine Richtigkeit haben. Der Sohn des rusiischen Botschafters gefalle». Aus Wien wird berichtet: In Russisch-Polen ist der Fähnrich Nikolai Swcrbejcw, der 23jährige Sohn des ehemaligen rusiischen Botschafters in Berlin gefallen. Er war Jurist an der Universität Moskau, Russischer Raubzug. Amsterdam, 11. Dez. Im September wurde berichtet, die Russeu hätten die Schätze de-s Ossolinski-Museums in Lemberg entführt. Die offiziöse insiische Presse bestritt das damals mit Entrüstung. Jetzt schreibt die „Nowoje Wreinja": Aus der Sammlung des Osiolinski-Miiscnms sind 1931 Gemälde, 21,990 Radierungen, 5000 Autographien und eine Anzahl kostbarer Port- räts und Entwürfe nach Petersburg gebracht worden. Der Stadt Lemberg wurde das Eigentumsrecht an den Kostbarkeiten zugestandcn, die nur zu dem Zweck hicrhergebracht wurden, um im Falle de? Eindringens des Feindes auf russisches Gebiet Vcrgeltungsmaßregeln in der Hand z» haben. Aus England. Eine verständige «»sicht. London, 15. Dez, (W, B. Nichtamtlich), In den „lim»«" schreibt et» Artillerieoffizier: Die Beschießung von Kirchtürmen und allen hohen Gebäuden ________ Seit« 8 ist unerläßlich. Es ist unsinnig über die Zerstörung von großen Gebäude» sich zu beklagen, gleichgültig ob es Rathäuser. Kirchen oder Fabriken sind. Wir beschießen sie gerade so wie die Deutschen. Die Offiziere beider Parteien benutzen sie für Beobachtungszwecke, Jetzt geschieht es in Frankreich, später kann cs dem Kölner Dom ebenso ergehen. Wir sollten lieber die lauten Klagen vermeide», um nicht später für Scheinheilige zu gelten, Trinkgelder für die Indier, Delhi, 11, Dez, (W. B, Nichtamtlich), Die Regierung des Punjabs hat im Einvernehmen mit der indischen Regierung das Ausmaß der Kolonien für pensionierte indische Soldaten auf 178 00Ü Slcres crhöhr. 103 000 Acres werden für Dienste im gegenwärtigen Kriege auszegeben, 75 000 Acres für Indien reserviert, die sich besonders auszeichneten. Die trinkstcudigen Kanadier. Aus einem Slrtikel in der „Times" ersieht man, daß die 30 000 Kanadier, die Kanada dem Muttcrlandc zu Hilfe geschickt hat, noch immer im Militärlager von Salisbury liegen. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß sie erst für de» modernen Krieg gedrillt werden müsien, und so wird denn fleißig mit ihnen exerziert: allein der militärische Fachmann der „Times" glaubt nicht, daß man die Kanadier noch in diesem Jahre werde auf den europäische» Kriegsschauplatz werfen lönnen. Den Mangel an militärischer Schulung machen dafür, wie die „Times" klagen, die Kanadier durch ihre Trinllust wett, sie scheinen, schreibt das Blatt, eigens zu dem Zweck nach Europa gekommen zu sein, um sich gründlich dem Trunkc zu ergeben. Die Schuld daran trügen aber meistens Engländer, die die Kanadier zuin Kneipe» verleiten. Infolge ihrer unbändigen Trinklust mußten ganze Slbteilungen von Kanadiern zurückgeschickt werden. Uirbefteüb. Felbpostsendmtlieu. Berlin, 15, Dez. (W, B, Nichtamtlich), Hinsichtlich der Rückgabe unbestellbarer Fcldpostsendungcn, deren Empfänger vermißt wird oder tot ist, besteht bei der Reichspostverwaltung seit jeher die Bestimmung, daß die Postbesteller sie den Slbsendern in rücksichtsvollster SBeije auszuhändigen haben und daß, wenn der Absender nicht in dem Poftorte, sondern aus dem Lande lebt, der Landbriefträger derartige Feidpostjendun- gen an die Ortsbehörde oder den Ortsgeistlichen auslicscr» soll, damit die Angehörigen auf diesem Wege schonend vorbereitet werden können. Verschiedene seit Ausbruch des jetzigen Krieges angestellte Versuche ergaben, daß sich dieses letztere Ver- fahren auch in größeren Orten hat durchführen lassen. Die Rcichspostverwaltung erweiterte deshalb die bisherigen Bestimmungen dahin, daß Feldpostsendungen, deren Empfänger tot ist oder vermißt wird, auch in Postorten ohne Mitwirkung des Postbestellpersonals den Absendern ln geeigneter Weise zurückgegeben werden können. Das hierbei einzuschlagende Verfahren soll den örtlichen Verhältnien angcpaßt, auch soll auf besondere Wunsche der Ortsbehörden und der Geistlichkeit, soweit sie sich mit den sonstigen postalischen Vorschriften vertragen, Rücksicht genommen werden. Den Truppenteilen im Felde ist im übrigen neuerdings höheren Orts empfohlen worden, aus den unbestellbaren Feldpostsendungen an Gefallene fortan, statt des kurzen Vermerks, „tot" oder „gefallen", die Fassung anzuwenden „gefallen fürs Vaterland" oder „gefallen aus dem Felde der Ehre". Ein patriotischer Veteran. Aachen, 15. Dez. (W, T. B. Nichtamtlich.) Der Oberbürgermeister gibt bekannt: Seine echt patriotische Ge- sinnnng bekundete der deutsche Untertan Matthias Werker in Providence (Nordamerika) dadurch, daß er seine Militär- Pension von 198 Mark für die Zwecke der Kriegsfürsorge der Stadt Aachen durch die Königliche Negierung in Stachen zur Verfügung stellte, mit dem Hinzufügen, daß er selber leider nicht imstande sei, für Deutschlands Ehre zu kämpfen. Zur Mtrnnu der Wstiinde in Okpreusitu. W. T. B. Nichtamtlich.) Die vom evangelischen -Ober- kirchenrat angeordnete, am diesjährigen Erntedankfest zur Lindcrnng der durch den Krieg hervorgernfenen Notstände in Ostpreußen eingeleitete Kollekte ergab allein in den älteren Provinzen Preußens die stattliche Summe von 120,000 Mark. Der Betrag der Sammlungen i» den neueren Provinzen für den gleichen Zweck steht noch nicht fest, darf jedoch als reicher bezeichnet werden. Wer treibt nun „Militarismus" und hat mm Krikgr arhrht? Wien, 8, Dez, (W. B, Nichtamtlich), Die „Sleue Fr. Presse" veröffentlicht ein Schreibe» Pleners, des Präsidenten des Gemeinsamen Obersten Rechnungshoses und Obmannes der Oesterreichlschcn Gruppe der Interparlamentarischen Union an Bartholdi, den Obmann der amerikanischen Gruppe der Interparlamentarischen Union, in dem er sich gegen die Legende vom deutsche» Militarismus wendet und das unparteiische Urteil sowie die loyale Gesinnung Bartholdts ancust, um den Ursprung des gegenwärtigen Krieges richtig zu bewerten und die Verantwortlichkeiten für das gegenwärtige Urteil sestzu- stellen. Ptencr weist darauf hin, daß seit der Marokkokrise die Rüstungen aller europäischen Staaten zugenommen haben. Die jährlichen Heeresausgabe» sind in den Jahren 1890 bis 1912 in allen Staaten um mehr als 20 Prozent gestiegen, das Marine bndgit Englands allein aber um mehr als 50 Prozent: dazu Lame» die »cue» außerordentlichen Militärkredite Rußlands im Jahre 1912 mit den belannten Probemobilisierungen, ferner die militärische Krastverschiebung durch den Balkankricg und schließlich die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit i» Frankreich. Angesicht» dessen war Oesterreich-Ungar» genötigt, sein Retrutenkonttngcnt zu erhöhen. Auch Deutschland konnte begreislicherweise angesichts seiner Lage und der Rüstungen der anderen nicht gleichgültig bleiben. Nicht Deutschland war das treibende Element des eurooätlchen Militari»- Beilage zur „Neuen Tageszeitung". ?!r. 395 | Mittwoch, den 16 . Dcremker 1914 . I 7 , Zlchrgung A« England. Uns» Deutschland wolltest du vernichten — Heuchlervolk auf deinem Inselreich?! Gott hilft nimmer feigen Bösewichtern, Nicht gelingen laßt er dir den Streich! Frieden wollten wir mit alle» haben. Segneten die lange Friedenszeit — Froh genießend unsres Fleißes Gaben, Doch du hetzest auf zu diesem Streit! Nun ist schon ein Biertelzahr verflossen. Daß das deutsche Schwert im Kampfe tlano Und von deiner Flotte ist zerschossen, Manches Schiff im blutgen Waffengang! In des indischen Ozeans Wellen Treibt manch Wrack, vom „Emden" kühn versenkt, Und von oben weidet ihr Gesellen Von dem Zeppelin gar schön beschenkt. Doch von dem gerechten Gott wir hoffe», Daß er uns dein Reich betreten lägt; Daß in s Mark Britannia getroffen, Recht und Wahrheit jauchzt ihr Siegessest, Und wie wird es dir, o Eren, ergehen, Großer Diplomat und Lügenheld, Sichst du dann die graus'ge Saat aufgehen, Die gesät du auf das Dölkerfeld, Deine Lügen wird die Welt noch hören. Schwindelt deine Presse noch soviel — Kannst dann nicht Vasallen frech betören, Deiner Herrschaft naht das blutge Ziel! Wann wird diese große Stunde schlagen, Wo gerechtes Urteil wird gefällt? Laß, o Gott, den Morgen bald uns tagen, Wo erlöst von Englands Macht die Welt! Gedichtet auf dem Schlachtfeld« in Nordfrankreich, Unteroffizier h, Sommer aus Friedberg-Fauerbach, r i ülfls die Oesterreicher im (Dftfn vollbracht! Ein österreichischer Offizier gibt in den „Züricher Neuest, Nachrichten" eine knappe zusammenfaffende Darstellung der Leistungen der tapferen Armeen Oesterreichs, Da auch bei uns schon Stimmen laut werden, die die Erfolge der Oesterreicher nicht genügend zu würdigen verstehen und da die Schilderung «uch sonst sehr lehrreich ist, so geben wir sie nachstehend wieder: Die Abmachungen der Eeneralstäbe Frankreichs, Rußlands und Englands verpflichteten die Russen, sich sofort mit ihrer ganzen Hauptmacht aus Berlin zu weifen, um den französischen Angriff zu unterstützen. Der Plan glückte nicht, und das ist das erste große Verdienst der österreichisch-ungarischen Armee. Sie packte die Russen, vor allem durch die beiden kühnen Vorstöße aus Lublin und Zamosc, mit derartiger Kraft, daß sie gar nicht dazu kamen, ihr Wort den Franzosen zu halten. Der russische Ecneralstab hatte damit gerechnet, daß er den Angriff auf Ostpreußen durch eine verhältnismäßig kleine Armee einleiten könnte, bis feine Hauptkraft die österreichisch-ungarische Armee nicdcrgebügelt hatte. Aber da stürmte Dankl in den Siegen bei Trampol, Krasnik und Niedeewice Dusa aus Lublin los, Auffenbcrg zersetzte bei Tomasiow und Komarow die ihm an Zahl weit überlegene Armee des Generals Plehwe, j die aus der Linie Cholm-Kowcl in Anrückung war, und bei ! Lemberg hielt Boroevic, der nach dem Abgang Brudermanns l den Befehl über die in diesem Raume operierend« Armee übernommen hatte, dem furchtbaren Angriff des Generals Iwanow, des Kommandierenden des Kiewer Militärbezirks, S Tage lang stand, Iwanow gilt als der beste Mann der Russen und hatte volle 17 Divisionen mehr als Boroevic! Die zweite Schlacht bei Lemberg wäre den Ruffen trotz ihrer kolossalen Ilebermacht um ein haar zur Katastrophe geworden! Sic zeigt beinahe dieselbe Entwicklung wie die letzten Kämpfe bei Lodz, nur in größerem Verhältnisse, Bei Erodck hatte sich Boroevic, dessen Namen man drau- j ßcn sicher viel zu wenig kennt, dermaßen an den Russen sest- ! gebissen, daß sie sich nicht rühren konnten. Vom Süden her | schob sich unsere zweite Armee unter Böhm Ermoli heran, und | im Norden schwenkte bereits Auffcnberg mit dem Drehpunkt j Rawaruska' in den Kreis ei», die von ihm geschlagenen Korps ! auf den engen Raum von Lemberg drückend. Aber wie das ! erstemal bei Lodz die Deutschen, so mußten wir bei Lemberg | in elfter Stunde die Falle, in der wir die Russen bereits drinnen hatten, wieder aufmachcn, denn aus Eholm und von Lublin her brache» nicht weniger als fünf Armeekorps in den Rücken Auffenbcrgs vor, so daß dieser, um nicht selber zwilchen zwei Feuer zu geraten, feine Position ausgeben und zurück- gchen mußte. Dadurch war der strategische Rückzug der 'attisch siegreichen Oesterreicher notwendig, 20 008 Gefangene und 80 eroberte Geschütze nahm Boroevic allein mit, 10 008 Böhni- Ermoli! Drei zu eins stand damals das Verhältnis der beiden Gegner, Auf eine österreichische Division kamen drei russische! Dennoch konnten die Russen es nicht hindern, daß wir uns von ihnen loslösten, wann und wie wir wollten, daß wir alle Gefangenen und Geschütze, die wir ihnen abgenommen, mit un; Mitnahmen und hinter dem San eine Aufstellung bezogen, deren schmale, aber jederzeit ausdehnbare Front die Basis zu einer zweiten Offensive bot. Wenn wir damals auch die kolossale Uebermacht der Russen nicht Niederdrücken konnten, so hatten wir ihnen doch ihre gesamten Armeen dermaßen geschlagen, daß sie ihren große» Fcldzugsplan, erst »ns, dann Preußen niederzuwalzen, fallen lassen mußten. Dadurch, daß wir durch unsere lühnc, sic vollkommen iHui- laschende Offensive die Hauptmacht der Russen auf UNS zogen konnte der geniale hindcnburg inzwischen die in Ostpreußen eingrdrungenen Armeen Samsonows und Rcnncnlampfs teils schlagen, teil- in den masurischen Seen ersäuscn, Don einem Angriff der Russen auf Berlin war keine Redc mehr sie konnten den Franzosen nicht mehr Helsen und mußte» für sich selber sorgen. Jetzt wird man verstehen, was tzindenbucz meint, wenn er sagt, daß er ohne die Oesterreicher nie die Sieze in Ostpreußen hätte erringen können. Unsere zweite Ossensivp setzte ein, hindenburg. der oben die Feinde weggewischt hatte, kam mit dem größten Teil ie> ner Truppe» herunter und schloß sich bei Oswiecim an die österreichische Front an. Beide Heere bildeten jetzt ein Gaze», einen Körper, der ei» gemeinsames Ziel hat, dem all- anderen Interessen untergeordnet waren. Aus diesem Gei! heraus wird man es erklärlich sinden, wie Hindenburg ar-s einmal dazu kam, den äußerste» linken Flügel der östcrreich-- schen Armee zu bilden, die nun zum zweitenmal zum Angriff vorging, Przemysl wurde entsetzt, die Russen über den Kan gejagt und die Bukowina von ihnen gesäubert. In Russisch Polen legte Dank! bereits seine Hand aus Iwangorod und in Warschau hörte man den Donncr der Kanonen Hindenburg- Nun pumpten die Russen ihr ungeheures Reservoir fast leer. Alle turkestanische», kaukasischen und sibririschen Korps wurden herangebracht und von New Gcorgicwsk in den Rücken Hindenburg- geworfen, so daß dieser sich zurllckzuziche» gezwungen sah. Die Uebermacht, die die Russen dort entgegen stellten, wirkte natürlich auch aus die Armee Dankt, die eben falls die bisher errungenen Vorteile ausgeben und in paralleler Richtung mit Hindenburg zurückgehcn mußte. Und nun stand aus einmal die Gefahr einer neuen russische» Osscnfipe vor den Verbündete», aber diesmal gegen Posen und Schlesien mit Hauptziel Berlin gerichtet und mit einer ungeheuren Uebermacht angesetzt. In diesem kritischen Augenblick waren die österreichischen Truppen aus der ganzen Linie in siegreichem Vormarsch in Galizien, Die Russen warfen bereits 80 000 Mann nach Lem- berg, um diese Stadt gegen die von Stryi her andringendcn Oesterreicher zu verteidigen. Man kann sich denken, was dafür uns bedeutet hätte: Lemberg befreit! Aber das gemein- same Ziel! Und für uns Oesterreicher wie für die Deutschen bestand das gemeinschaftliche Ziel jetzt darin, den Vormarsch der Russen nach Berlin zu verhindern. Denn für uns wäre die Tatsache „die Russen in Berlin" genau dieselbe Katastrophe wie für die Deutschen, Um dieses gemeinschaftliche Ziel zu erreichen, gab es für »ns Oesterreicher nur eins: unsere Front derart zu verschieben Briefpapier u. Umschläge Dokumenten=Mappen zum geordneten Aufbewahren wichtiger Familien-SchriitsUicke Brieftaschen, Schreibmappen Feldpost=Packungen Kartenbriefe in Blockform (Briefumschläge überflüssig) Postkarten, Spielkarten Füllfederhalter, Füllhalter-Tinte (>» Fei Packung) Sammelmappen für Kriegserinnerungen Kriegstage- und Notizbücher Papierstoff-T aschentücher. Carl Klippel, Frankfurt a.M Kaiserstr. 75 ,gleich rechts vom Hauptbahnhof aus. Vollständiger Ausverkauf wegen Aufgabe des Ladengeschäfts in Uliren, Gold- u. Silberwaren. religiösen u. weltl. Figuren, Luxus- und Gebrauehsgegenständen. 30" 0 Jtabatt. Glasschriinke, Theke u. sonstiges Ladeninventar ist billig abzugeben. Georg Ileimlmrg.Mlfj, „SS. W eihnachts-Feldpostb riefe iür unsere Truppen. Zigarren — Zigaretten — Tabak Versand nach Angabe vorschriftsmässiger Adresse. Zigarrenhaus Adolf Wolfl, Friedberg i, H, Fernsprecher 221 gegenüber dem neuen Bahnhof. VtjirlssMkch /ilimiiiliieiiiiiit' Ariedberg. Die Barauszahlung der Einlagezinsen für f914 erfolgt vom in. Te;c,„bcr 1014 bis 31. Januar 19,.». Die bis dahin noch nicht erhobenen Zinsen werden dem Kapital zugeschrieben und vom 1. Januar ab weiterverzinst. Am 28. 20. und 31. D-;«n»ber ble,b1 die Kasse g c s ch l o ss e n. Friedberg, den 12. Dez. 1914 Der Direktor: Georg Hieronimus. jirraft Lebertran-Emulsion bestes Nähr- und Stärkungsmittel per Flasche .II k. 1.50 Eisenlikör MM ».Kruft greift Zähne nicht an! AerzkUch erprobt und empfohlen! per Flasche Uh. 1.00 empfiehlt .teioif ltcchslcin, Am all.JIoSamt. FrledlierK I. II. Sdjalflr. 15. SfUfci« 459. 0>Ufot» 459. verkauf eines Falctebers. Die Gemeind« Bruchenbrücken beabsichtigt einen zur Zucht untauglich gewordenen Faseleber auf dem Submissionswege zuver- laulen, Bedingungen liegen offen, Reflettanien wollen ihre Offerten längstens bis zum I», lfd, Alt», vorm. >l Uhr bei unlerzeichneter Stelle einreichen. Gleich,ettig beabsichtigt bi« Gemeinde einen jungen, sprung- fähigen Lnseleber. weißes Edel- ichwein, aniukaufen, Besitzer olcher Tiere wollen sich längstens bis 19, lfd. Mis, bet unlerzeichneter Stelle melden. Bruchenbrücken. 12 . Dez. 1914. chrehtz tirprarilriri -retrOröcke». Kling. Kräftige Arbeiter gesucht. Stundenlohn «0 Psg! , vittslh, KkHitt & (ft. Griesheim a. Main. Leut Ringofeliiltine werden abgegeben zum billigsten Tagespreise. Li»i»fkijir»elei J. K. »,» »»»Hein am Chaussee!,-!,:, Eure schwere Simmentaler frischmelkende Kuh mit zweitem Kalb (Multerkalb,' zu verlausen. Se*rg In»,«»nn. Webrbelm lm Taugt». Sir 295 daß Hindcnburg und unser Dank! instand gesetzt wurden, den iurchibaren Anprall der russischen Masten auszuhaltcn. Alle Details über diese Reugruppierung kann man natürlich jetzt nicht verraten, aber ich kann sagen, deutsche Ossizicre haben mir versichert, daß Conrad, den man sälschlich immer Hötzen- dorf nennt, geradezu ein E-niestiick ersten Ranges damit gelei- > >t hat. Przemysl wieder in den Händen der Rüsten, diese ebermals in den Karpathen — aber ihr Vorstoß gegen Dres- l, h unb Polen ist endgültig zum Stehen gebracht. Das war I :■ Wichtigste. Przemysl und Czernowitz werden wir uns j.t n wieder holen. Es wäre töricht, wenn man da reden wollte, wir Oester- r. her hätten mit Rücksicht aus die Bündnistreue unser Land o . pscrt, um das deutsche vor der russischen Invasion zu retten. Das ist nicht richtig. Wir haben nur, dem eisernen Muh gehorchend, aus die Erreichung des gemeinsamen Ziels Bedacht genommen. Daß wir dabei die bereits errungenen Früchte unserer Siege wieder fahren lasse» und zum zweitenmal — obwohl aus der ganzen Linie siegreich! — zurllckgeben muhten -- es gehört viel Selbstverleugnung dazu, aber wir muhten es tun. Und wir haben cs getan. pcntjdjc Frldbriefe. Eroßherzogs Geburtstag im Feindesland. Liaucourt, 22. Nov. 1014. Wie wir den wohl im Feindesland gefeiert haben mögen? Oder hätte man vielleicht in der Heimat geglaubt, dazu kämen wir in diesem ernsten fürchterlichen Kriege gar nicht? Und es ist doch ein Tag, der uns mit Stolz daran denken lägt, daß wir Hessen sind. Wie leuchten immer unsere Augen, wenn w>r unserem verehrten Landessllrsi hier in Feindesland ln's Auge sahen' Und wie freut er sich immer, wenn er uns, seine Hesscnkinder, sieht. Hier lernt man eigentlich erst recht die Liebe zu seinem angestammten Fürstenhaus. Man fühlt sich eins in der Verfolgung des großen Zieles: Deutschland über alles! Hab eigentlich nie mit so würdigem Ernst Eroßherzogs Geburtstag gefeiert. Ich will ja nicht sagen, daß dieser Tag in früheren Jahren nicht etwa ein hoher Tag für mich gewesen wäre! Das schon! Aber noch nie waren die Begleitumstände so wie jetzt. Heut singt man mit ganz anderen Gedanken: Liebe des Vaterlands. Was schadete es, daß wir Eroßherzogs Geburtstag einen Tag später feiern konnten. Am 24. und 2». November lagen e:ir in den Schützengräben. Erst am 25. kamen wir abends ins Quartier nach Liaucourt. Cs war eigentlich doch schade, weil Ce Kgl. Hoheit am 25. in L. war und die dort liegen- de» Truppen begrüßte. Lächelnd und scherzend ging er die Front ab. Auch aus einein dort liegenden Landwehrregiment werden die Hestcn vorgezogen — es waren 5. Er fragt jeden, wo er her sei? „Aus Mainz!" — „Das ficht man Ihnen an!" Für jeden hat er ein freundliches Wort. — Unser Speisezettel war an diesem Tage reichlicher als sonst. Vielleicht interessiert er: Morgens: Kafsec mit Kuchen, richtigem Kuchen, ei» ungewohnter Genuß. Mittags: Reissuppe mit Rindsleisch. Abends: Erbsensuppe, Würstchen, Wein, Schokolade, Zigarren. 17 00(5 Würste waren in Ham zu diesem Zwecke gemacht worden. Sie schmeckten großartig. — Morgens um 10 Uhr war Gottesdienst in der Kirche zu L. Einige Eranatlöcher im Kirchcndach erinnerten daran, daß wir im Kriege find. Sonst hat die Kirche wenig gelitten. Soviel ich beobachtete, nahmen beide Konfessionen daran teil, wie auch bei manchem Feldgottesdienst gern die Katholiken Zuhörer waren. Der Krieg einigt so manches. Unser Divisionspfarrer predigte in wunderbarer Weise von der Bedeutung dieses Tages. Manchem harten Krieger glänzten Tränen in den Augen. Die Feier verschönern hals die Regimentsmusik. „Lobe den Herren" und ..Wir treten zum Beten" wurde gesungen. Wie das alles so anders klang wie bei früheren Eelegenhciten! — Rach der Kirche spielte die Regimentsmusik vor dem Quartier des Regimentskommandeurs. Das klingt auch anders als daheim. Bon Zeit z» Zeit donnern die Kanonen im nahen Stellungskampf. Dann die zerstörten Häuser und die paar armen Einwohner, die noch zurückgeblieben sind! Daß Mittags keinerlei Dienst war, ist selbstverständlich. Wo in der Kompagnie Platz war, fand man sich mittags zusammen. Es wurde geredet, gesungen, Wein getrunken und — an die Heimat, das schöne Hestenland und seinen erlauchten Fürsten gedacht. Wird für alle unvergeßlich sein, der Eroßherzogs Geburtstag 1014. Vizefeldw. d. R. Braun, Lehrer in Holzhausen v. d H. Die Tätigkeit der Eisenbahner. Aus Masmerivillr erhalten wir folgenden Feldbrief, der Bitte um Veröffentlichung kommen wir gerne nach: Am dritte» Mobilmachungstag verließ ich mit noch 15 Kameraden lReferoisten und Landwehrleute) meinen Hcimatsvrt Hochweisel. Die Abschiedsstimmung wurde durch Singen echter Vaterlandslicdcr verdrängt, und in Reih und Glied langte» wir an der Haltestelle Ofthsim an. Die Bahn brachte uns nach Fricdbcrg, beim dortige» Bezirkskommando meldeten wir »ns. Ein letzter Händedruck, mit den besten Wünschen trennten wir uns. Die erforderliche Einteilung usw. wurde gemacht, die einzelnen Abteilungen rückten vom Burghof ab, ein von Ser Stadt gestiftetes Miltagesten wurde eingenommen. Nachmittags wurde ich beim 3. Eisenbahn-Regiment In Hanau, der 10. Baukompagnie als Train-Unteroffizier zugeteilt. Nachdem die schöne felograue llnisorm nebst Ausrüstung empfangen war, wurden die bereits angekommenen Bnkaufspferde gesattelt und cingcfahrcn bezw. zugeritten, was mit einigen Schwierigkeiten verbunden war. Am 10. August erfolgte die Abfahrt der Kompagnie von Hanau nach Saarbrücken. Während der Fahrt wurden uns auf den Bahnhöfen alle möglichen Erfrischungen >'■• dergl. verabreicht und Abschicdsgrllße zugewinkt. In Saarbrücken hatte ich Gelegenheit, mir die Spichcncr Höhen, die Ehrengräber und die Cchlachlfelder anzuschen. Von Saarbrllk- len ging es nach Metz und am 20. 8. nach Ulflingen in Luxemburg. Am 23. August fuhr unser Zug in Arlon (Belgien) in Sieue Tageszeitung. Mittwoch, den 1i>. Dezember 1914 ____ Beite 2 . erniedrigt und die vor Gott in Demut stehen, erhöhet werden, daß krumme Dinge werden im Gefilde zur ebenen Bahn? Schon kündet er sich gewaltig an unter den Völkern der Erde: Er kommt zum Weltgerichte, zum Fluch. Aber über die Zeit, da Gott achtend durch die Völker schreitet, schauen wir hinein in selige Zeiten, da ist und sein wird: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Aber wann wird das fein? Es wird sein, wenn die Völler ringsum wieder Gott die Ehre geben, seine Wahr!,, t gilt und sein heiliges Recht, wenn Menschen und Böller ni mer vergessen das Erste: Ehre sei Gott in der Höhe. Und ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihrem Sinn sehr ben: und sic sollen mein Volk sein, so will ich ihr Gott sei - Auch Ihr sollt helfen, solche Zeiten herbeizuführen, auch Ihr sollt Wegbereiter sein des großen Gottes, jetzt in der furchtb. ren Zeit des Gerichts, so fordert cs die Pflicht, aber auch in der schöneren, des Friedens, so ist es unsere Hoffnung. So steht denn fest und treu wie jener große Herold des Herrn! Deutsche Soldaten kämpfen nicht um eitle gloire (Franzosen), sie kämpfen nicht um Geld (Engländer), sic kämpfen nicht, weil man sie zum Kampf- treibt (Russen), sie kämpfen für Ehr und Sieg, für Wahrheit und Recht. Sie kämpfen, weil sic wissen: Was recht ist, muß als Recht bestehn und solle die Welt in Stücke gehn. Sie kämpfen den furchtbaren Komps, weil sie für Kinder und Enkel Zeiten erhoffen, da Treue und Eidschwur gilt, die Böller in Friede und Eintracht neben ei »ander wohnen, einander dienend und helfend ein jeder mit der Gabe, die Gott ihm gegeben, d. h. Gott die Ehre geben. Einst hat ein deutscher Sänger, der längst die Augen geschlossen zum ewigen Schlaf, uns gesungen ein Lied: Einst geschieht'-, da wird die Schmach Seines Volks der Herr zerbrechen. Der auf Leipzigs Feldern sprach, Wird im Donner wieder sprechen. Dann o Deutschland sei getrost! Dieses ist das erste Zeichen: Wenn zuni Bündnis West und Ost Wider Dich die Hand sich reichen. Wenn verbündet Ost und West Wider Dich zum Schwerte fasten, Wiste, daß Dich Gott nicht läßt. So Du Dich nicht selbst verlast«»! Ja nicht Dich selbst verlasten und Deinen Gott. Denn so c» gemeint, darauf kommt es an! Schon geht ein Zagen und Ahnen durch die Völker der Erde. Schon haben sie etwas von seinem Stern geschaut und kommen von ferne. Die Rechte des Herrn ist erhöht, die Rechte des Herrn behält den Sieg. Deutschland unter den Völkern der Erde erhöhet als den schimmernden Hort des Friedens, von dem Recht und Gerechtigkeit ausgeht über die Völker der Erde. Roch ist die Zeit des Advents, die Zeit sehnenden Harrens. Aber Weihnacht wird kommen. Er kommt, er kommt, ein König, dem alle Macht und List der Feinde viel zu wenig zum Widerstande ist. Mög' er, der große Friedefürst, einziehen in aller Herzen, daß wir alle es schauen: „Siehe Dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über Dir." Dann wird die Zeit seligen Ersüllen, sich nahen: Und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohl- gefallen. — Gott mit Euch Allen! Euex treuer W. Feindesland ein. Hier sahen wir die ersten Gefangenen und, leider, deutsche Verwundete. Von Arlon aus begann die Tätigkeit der Kompagnie. Die Bahnstrecken hatten die Franzosen zerstört. Geleise, Weichen, Rampen u. dergl. wurden niöglichst schnell wieder hergcstellt. Der Bahnverkehr ist sehr wichtig, ivkunitionr- und Proviant-Nachfuhr, Truppenvcrschiebungen, Verwundeten-Transporte, Postverkchr, Liebesgaben nicht zu vergessen und dergl. mehr erfolgt durch die Bahn. Deshalb muß die Stockung baldmöglichst beseitigt werden. Unsere Kompagnie hat schon vieles geleistet und ich werde die größten Arbeiten kurz ansühren. Einige Tage hat die Kompagnie in einem Cesechtsfeld bei Eth-Belmout, zwischen tausenden von Leichen und toten Pserden gearbeitet, eine große Eisenbahn- brückc bei Sedan über die Maas (110 Meter lang, 12 Meter hoch) gebaut, bei Mouzon eine schwere Kolonnenbrllcke über die Maas, in Charleoille zwei Schiffsbrücken, in Mohou eine Rampe für das große Hauptquartier hergestcllt. Zwischen Sommcrq und der nächsten Station, gemeinsam mit einer anderen Kompagnie einen gesprengten Tunnel (welcher zirka 400 Meter lang ist) ausgeräumt. Sonst wurdcn noch viele Arbeiten erledigt. Meistens wurde schichtweise Tag und Nacht durchgearbcitet. Selbstverständlich ist vieles Material erforderlich (Holz aller Art, Schienen usw.) wodurch unsere Pserde mitunter sehr in Anspruch genommen wurden. Zur Zeit muß eine neue Vollbahn, zirka 23 Km. lang, bis an die Eefechts- linie gebaut werden. Den Eisenbahnern ist es nicht gegönnt, direkt in der Front mit zu kämpfen, aber sie können durch ihre Tätigkeit den fechtenden Truppen große Erleichterungen verschaffen, und werden so ihrer Pflicht für das Vaterland vollauf gerecht. Ich selbst habe durch Herbeischaffung von Proviant und Fourage für die Kompagnie, bei der Ueberwachung der Anfuhr vom Material genügend Gelegenheit die-Folgen eines Krieges zu sehen. Ganze Landstriche sind verwüstet, die Ernte teilweise verkommen, ganze Dörfer sind bei Gefechten in Brand geschaffen worden und fast vollständig niedergebrannt. Viel Elend und Jammer überall. Die Leute, die sicher in guten Verhältniffcn gelebt haben, kehren mit dem wenigen, was ihnen geblieben ist, zurück und wo sie Hinsehen ist nichts mehr. Die deutschen Soldaten geben den hungrigen Kindern und der ärmeren Bevölkerung Brot und Speisereste. Ob solches die Franzosen tun würden, ist wohl nicht anzunchmen. In Bel- mout (Belgien) war es mir vergönnt, den Einwohnern zu zeigen, daß deutsche Soldaten doch nicht solche Barbaren find, wie die Franzosen uns als solche empfohlen hatten: Belmout hatte im Gefecht schwer gelitten, durch die Tätigkeit der Kompagnie war ich mit der Kolonne daselbst einquartiert. Einige Mannschaften fanden im Keller eines abgebrannten Geschäftshauses noch Vorräte von eingemachten Sachen, Wein usw. vor und brachten diese Gegenstände nach oben. Die Besitzerin hatte in einem verschont gebliebenen Hause nebenan Unterkunft gefunden und bemerkte den Vorgang. Während der Tätigkeit meiner Leute kam ich hinzu, und eine deutsch sprechende Frau teilte mir mit, daß die betr. Frau im Nachbarhaus«, die Besitzerin sei. Sämtliche Gegenstände wurden ihr übergeben. Auch ein Blcchkastcn niit den Geschäftsbüchern wurde gefunden. Ich erfuhr später auch, daß noch ein größerer Geldbetrag im Keller begraben sei. Es gelang mir nach längerer Zeit, die Kassette zu finden und abzuliefern. Angeiotene Belohnung lehnte ich ab. Der Eindruck muß günstig auf die Einwohner gewesen sein, denn als ich später durch die Quartiere ging, erfuhr ich, daß viele Einwohner Kaffee und Getränke, von dem wenigen was ihnen geblieben war, nach den Quartieren hingebracht hätten. Solche Erlebniffc werden viele deutsche Kameraden erzählen können. An Strapatzcn hat es auch nicht gefehlt. Zum erstenmale habe ich in Feindesland ein Zimmer mit einem Bett. Zu der Weihnachtsfeier, welche wir nun doch im Feindesland feiern müssen, werden Vorbereitungen getroffen, damit diese möglichst angenehm wird. Wenn noch die angcmcl- detcn Weihnachtspaketc aus der Heimat eintresfen, so wird ein jeder in Gedanken bei seinen Angehörigen sein. Ich wünsche allen Freunden und Bekannten auf diesem Wege ein wahrer Weihnachtsfcst und ein glückbringendes Neujahr nebst ehren vollem Frieden! Auf Wiedersehen! I m b e s ch e i d , Unteroffizier d. R. Wcihnachtsbetrachtung der Soldaten im Felde. Geschrieben Ende November 1014. Ihr lieben Soldaten im Feld! Am nächsten Sonntag feies» wir 1. Advent. Das liebe Wcihnachtsfest steht vor der Tür und wir können cs nicht feiern wie sonst. Wir denken an Euch, die Vielen, Väter und Söhne, die in diesen Tagen des lieblichen Festes, die Vereine der Krieger, Sänger und Turner sind geschäftig, Euch am großen Feste der Liebe zu zeigen, daß man in der Heimat in Lieb: Euer denkt. Die Männer sind nach Friedberg, Einkäufe zu machen, die Frauen und Mädchen stricken und backen und dir Knaben sind in den Wald Tannenzwcige zu holen. Huntcit Kisten sollen in wenig Tagen fertig werden. Mögen sie Euch alle glücklich erreichen und Freude bereiten. Weihnachten im Feld, die meisten in fremdem Lande fern der Heimat! Mitten im Kamps, dem surchtbarsten der Völker! Wie längst verklungene Sage geht die frohe Himmelskunde' „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" über die blutgetränkte Erde und wie ein lichter Traum ziehen die Lieder der heiligen Nacht durch die Seele. Zu, schön, um wahr zu sein. Und doch Advent! Mächtig brausen die alten Klänge wieder durch die Kirchen: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit". Gewaltige Worte dringen an's Herz: Bereitet dem Herr» den Weg und machet richtig seine Stege. Er übt Ge walt mit seinem Arm und zerstreuet die hossärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößet die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen. Von dem großen Wegbereiter hören wir, der da draußen am Jordan stand im rauhen Kleide, der fo mutig gekämpft für Wahrheit und Recht. Seid nicht auch Ihr etwas davon? Eine Zeit schweren Kampfes ging voraus der Zeit, da die Menschheit ein Ahnen ergriff von dem: Friede auf Erden. Und gilt nicht auch euer Kamps dem, daß wieder Gerechtigkeit auf Erden werde, daß Völker, die hoch sich wähnen^ Einsames Hlrtcker». Ich stricke und stricke und denke zurück An meinen Buben und sein Geschick. Einst ging es bester, und Bubi klein Lullt' ich dabei in den Schlaf hinein. Der Bub ward größer) — nun ist er nicht mehr, In Frankreich starb er für Deutschlands Ehr'. Es ist mir noch so, als säh' ich den Kleinen Ein Stückchen als Eäulchcn zwischen den Beinen. Am papicrnen Hut eine slatternde Quast', Wie er erhitzt durch di« Gasten gerast. Gar blutiger Ernst ward'e Kinderspiel — Und hoch zu Roß im Kampfe er fiel. Mein Einziger war's und mein einziges Glück: Der Vater schon tot — und ich denke zurück. Der Gaben Hab' ich ihm viele gestrickt, Bevor ihm der Tod die Kugel geschickt. „Für'» Feld" jetzt strick' ich tagaus, tagein Und manche Träne strick' ich hinein. Die Träne gilt meinem herzigen Bub, Dem ein fernes Grab man in Frankreich grub. Und jede Träne, die niederrann, Sei den Brüdern im Felde ein Talismair Es betet für sie tagaus, tagein Beim Stricken ein einsames Mütterlein. Nur manchmal bäumt cs sich in mir auf. Meinem Haste geb' ich dann freien Lauf.. Dich, England, haß ich allein in der Welt, Du hast mir allein das Leben vergällt. Der Feind, der den Tod meinem Jungen gesandt, Verteidigte nur sein verblendetes Land. Du aber häufest Lüge auf Lüg', Du hetzest „die Andern" in blutigen Krieg. Und die Kugel, die meinen Buben fand, Gegosten ward sie von deiner Hand. Nicht sterben will ich, bevor ich erlebt, Daß England vor seinen Feinden erbebt. Und daß es vernichtet vor Deutschland liegt, Von unseren Blauen und Grauen besiegt. Dann folge ich gern meinem blonden Bub, Dem ein fernes Grab man in Frankreich grub. Hungen, 30. Nov. 1014. Stb.: „ Römerbrunnen ' Hervorragendes Tafelwasser* 2«i _ muf, im Ktjenteit: es war der ossensichtltch« Plan der Mächte der Tripleentente, ihr« militärischen Kräfte so zu vermehren, daß sie gräher und stärker wären als jene Deutschlands und Oesterreich-Ungarns, Gleichzeitig hetzten die ftanzöfischc Presse und die Mehrzahl der englischen Zeitungen ihre Länder in eine leidenschastlichc Stimmung gegen Deutschland und Oesterreich-Ungarn hinein, die notwendig zum Kriege sühren mutzt«. Die letzte russische 2 Milliardcn-Anleihc war ausdrücklich z»m Bau einer MilitLrbahn bestimmt, die de» Einbruch von Truppenmassen nach Deutschland und Oesterreich-Ungarn erleichtern sollte. Datz Rußland zum Kriege entschlossen und »orbereitet war, beweist der Umstand, daß zu Beginn des jetzigen Feldzuges russische Armeekorps aus Sibirien und Zentralasien fertig an unseren Grenzen standen. Wenn die Triplc- kntentc nicht die Absicht gehübt hätte, einen allgemeinen Krieg zu «ntsesseln, wäre die Austragung des österreichisch-serbische» Konfliktes eine lokalisierte Aktion geblieben. Weder Deutschland noch Oesterreich-Ungarn haben kriegerische Tendenzen verfolgt, Kaiser Wilhelm hat 23 Jahre lang an der Erhaltung des Friedens gearbeitet, Oesterreich-Ungarn hat bei verschiedenen Anlässen in den letzten Jahren eine so friedfertige Hal- fttng eingenommen, datz diese sogar als ein Symptom der Schwäche gedeutet wurde, Ein Schweirer iibrr Dtlillchlanbs Sendung. Unter dem Titel „Deutschlands-Sendung" hat ein Schweizer. HansMiihlestein, bei <6. Kiepenheuer in Weimar eine Broschüre herausgcgcbcn, die einem neuen mitteleuropäischen Völkerbund das Wort redet. Der Verfasser fordert darin die neutralen Staate» mit germanischer Bevölkerung aus, aus der Neutralität hcrauszutretcn und die Kultur gegen diejenigen schützen zu Helsen, die sich nicht gescheut haben, Mongolen und Farbige anderer Art gegen UNS loszulassen. Wir möchten hierauf nicht weiter cingchc», aber die Schlußworte der Broschüre wiedergeben, die das zusammenfassen, worin Herr Mühle- stcin die geschichtliche Sendung Deutschlands erblickt: « „Eben sind jene gelben Engländer des fernen Ostens, von den weißen dazu aufgerusen, im Begriss, sich auf das chinesische alte Reich der Mitte zu stürzen und sich — so wird er kommen — an seinem morschen Körper totzubeißen: wenn nickt zuvor dieses alte Kulturreich, der Ahne der Weltgeschichte, eben dadurch endlich von seinem Selbstzersleischen abgebracht, sich im Kampfe um die Existenz wieder einigt und erhebt, wie vor hundert Jahren Deutschland, um vielleicht bald einmal zu deni wuchtigen Schlage auf Nippon auszuholen, der das europäisch Ibritisch) ausgetakelte Eecraubernest für immer vernichtet Sollte im Westen das Schauspiel nicht vielleicht schon mit dem zweiten Akt begonnen habe», um schon viel eher ähnlich zu enden? Deutschland, das juuggeborene europäische Reich der Mitte, das sich, alle Fesseln des alten Europa durch sein ungestümes leibliches und geistiges Wachstum sprengend, Schritt für Schritt das ganze kulturfühige und kulturproduktive Europa anzugliedern im Begriffe steht, in dem unzerstörbaren Bund ethischer Wahlverwandtschajt — Deutschland, dieser jugendliche, starke, schöpserische Erbe der Weltgeschichte, wird und muß nicht nur England, sondern das ganz« übrig« Europa, das gegen diesen notwendigen Schritt aus dem Wcltalter der Gewalt in das der Gerechtigkeit sich in törichter Verblendung einer zurückblickende» Geschichtsbeschreibung glaubt sträuben zu müssen, im Auftrag der Gerechtigkeit einer künftigen Menschheit mit der gepanzerten Faust des neuen Völkerbundes für immer zerschmettern," Vom Felde bei- Ehre. 17 Stunden vor seinem Tode schickte uns Gg, Jacob! eine Feldpoftkartc folgenden Inhalts: Im Schützengraben vor Mauersee, 3. Dez. 3 tlhr nachm. Lieber O . . .! Seit vorigem Samstag liegen wir hier im Schützengraben, etwa 500 Meter vorm Feind, der uns jeden Tag mit seinen Granaten und Schrapnells begrüßt. Augenblicklich kolossales Artillerieduell, die ganze Erde zittert, Hossentlich werden die Russen bald geschlagen, so daß wir wieder von hier wegkom- mcn. Hier herrscht große Armut, die ärmlichen Gehöfte sind von den Bewohnern geräumt. Für gutes Geld kann man nichts bekommen. Du könntest vielleicht in der „Neuen Tageszeitung" darauf Hinweisen, daß uns ebenso wie den Kameraden im Westen einige Liebesgaben zugingen. Kleidungsstücke und Wäsche brauchen wir nicht, aber Ersrischungen sind am Platze. Die Witterung, die hier neulich 13 Grad unter Null betragen hat, ist umgeschlagen, heute 3 Grad warm. Du kannst Dir denken, daß wir uns von hier fort sehnen. Hcrzl, Gruß Dein Eg. Jacobi, iJacobi's letzte Ruhestätte, Herr Oberleutnant und Kam- pagnieführer Schreiber teilt den Angehörigen Jacobi s ebenfalls mit, daß er ckm 4. Dezember durch eine feindliche Kogel, die den sofortigen Tod zur Folge hatte, gesallen fei. Auf dem Friedhof zu Pieszorke» wurde er mit anderen Kameraden zur letzten Ruhe bestattet. Di- ganze Kompagnie hat aufrichtigsten Anteil an dem Verlust genommen). Ans der fjeitnnt. Friedbrrg. 16. Dez. Der Einzahlungskiirs für Post, onwcijirngen nach den Niederlanden und den Kolonieil der Niederlanden beträgt SPff. 186,— für 100 Gulden. * Friedbrrg, 16. Dez, Die Abgabe von Steurrcrklär- iingcn. Obwohl in der Aufforderung selbst genaue Angaben darüber enthalten find, wer nach der allgemeinen öffentlichen Aufforderung zur Abgabe von Sleuererttär- ungcil verpflichtet ist, scheinen dock, nock, — nnd insbesondere bei den Steuerpflichtigen mit Kapitalvermögen — über die Erklärungspflicht Zweifel zn bestehen. Nach den Gesetzen, die Vermögenssteuer- nnd die Genieindeunilagen bctr-, sind die Stenerpflichtigcn mit Kapitalvermögen zur Abaabt einer Vermöaenserklärime verpflichtet. 1) wenn Reu« 1,,-z« tt„, «Ut»»ch. do, 1«. D ezember m« fie zum ersten Male mit Kapitalvermögen in der Gemeinde veranlagt werden und dieses Vermögen mindestens 3000 Mk. beträgt, 2) wenn sie bereits mit Kapitalvermögen veranlagt sind, aber daS Kapitalvermögen gegen die seitherige Veranlagung sich um mehr als 3000 M. vcrnichrt hat. Der- pflichtet ist sonach zur Abgabe einer Vcrmögcnserklärung nicht, wer bereits mit Kapitalvermögen veranlagt ist und gegen die seitherige Veranlagung keine VcrmögenSvcrmehr- nng von mehr als 3000 M. erfahren hat. Wertver,Milderungen am Kapitalvermögen bedingen, wie dies übrigens selbstverständlich ist, eine Erklärungspflicht nicht. Ergehen besondere Aufforderungen der Vorsitzenden der Dcranlag- »ngskommisiionen zur Abgabe von Steuererklärungen an den einzelnen Pflichtigen, dann ist allerdings der Aufgesar- derte zur Abgabe der Erklärung verpflichtet, * Friedberg, IG. Dez, Nach einer vom Prrußischen Kriegs- Ministerium eingeholten Entscheidung aus dem Großen Hauptquartier ist die Beförderung von Weihnachtsbäumcn nach dem Kriegsschauplatz unzulässig, * Verkauf von ostpreußischcm Flüchtlingsviel,. Wir machen die Landwirte darauf aufmerksam, das; das ostprcu- bische Fluchtlingsvieh in erster Linie in Berlin zum Verkauf gestellt wird. Es gelangen dort wöchentlich 5—6000 Tiere zum Verkauf, unter diesen befinden sich dann auch immer trächtige Kühe und Rinder in größerer Anzahl. Die nächsten größeren Transporte werden Anfang dieser Woche eintreslen und sowohl auf dem Zentralviehhof als auch auf dem Magcrvichhof in Friedrichsfelde zum Verkauf gelangen, Hauptmarkttagc auf dem Zentralviehhof sind Mittwoch »nd Sonnabend jeder Woche, auf dem Magerviebhof in Friedrichsrcldc findet jeden Tag Verkauf statt. * Versteigerung von Pjtrdcn. Samstag, den lg, Dezember vormittags 10 Uhr, werden in der neuen Dragoncrkaser»« in Mainz zirka 20—23 auorangicrle Pferde durch die Lanb- wirtschastslammer versteigert. Ferner findet Montag, den 2t, Dezember auf dem Pferdcmarktplotz in Darmstadt eine Versteigerung von zirka 3g ausrangiertcn Militörpferden und von 23 Stück belgischer trächtiger Stuten, Fohlen und weiteren lü ausrongicrte» Pferden statt. Die Letzteren sind für die Landwirtschaftskammer in Belgien direlt angekauft »nd »och Darmstadt gebracht worden. Die Versteigerung der aus- rangierten Pferde beginnt um ü Uhr, die der anderen Pferde um 11 Uhr, An der Versteigerung können sich nur Landwirte beteiligen. Die Abgabe findet nur gegen Barzahlung statt. — Weiter kommen Montag, den 21, d, M, vormittags 1» Uhr bei dem Etappendepat in Saargemünd eine größere Anzahl ausrangierter Pferde zur Versteigerung, darunter etwa 33 trächtige Stuten und einige Fohlen, Zur Versteigerung der ausrangierten Militärpfcrdc werden nur Landwirte zugelassen, die sich verpflichten, die Pferde in ihrem Betriebe zu verwenden und sic während der Kriegszeit nicht zu verkaufen. Bescheinigungen über die Zulassung zu der Versteigerung in Saargemünd können aus Ansardern von der Landwirtschafts- kammcr bezogen werden. Den Gesuchen um Erteilung dieses Ausweises ist eine Bescheinigung der Bürgermeisterei des Antragstellers beizusügcn, woraus zu ersehen ist, daß letzterer Landwirt ist und die Pscrde für seinen Betrieb benötigt. Zur Teilnahme an den Versteigerungen in Mainz und Darmstndt sind für Landwirt« aus dem Eioßherzaglum Hessen Bescheinig ungen nicht erforderlich. * Frankfurt a. M, 15 Dez. Aus dem letzten Fruchtnarkt war, wie seither, Landware, besonders Gerste, in geringen Po sic» nur zu den Höchstpreisen ab Station zuzüglich einer Ein kaussproviston angebotcn. Auch das Angebot in Kleie war unbedeutend. Der Kletehandel hat eine Ueberraschung unangc nebmcr Natur crsahren Die Königliche Eiscnbohndircliion Frankfurt a M. hat mitgcteilt, daß mit Glllttgkcit vom 23, b, M Kleie der Ziffer 1 und 2 des Spezialtarifs 3 nur dann „ach diesem Tarife abgesertigt wird, wenn der Frachtbrief in der Spalte „Inhalt" de» Vermerk enthält, daß der Verkauf -er Kleie durch den Hersteller zu Preise» innerhalb der behördlich scstgesctzten HLchstprcisgrcnze stattgesunden hot, Di- Eisenbahn kann jederzeit den Nachweis der Richligkeit des Frachtbriefocr- incrls verlangen. Wenn die Frachtbriefe den Vermerk nicht enthalten, so wird die Kleie als Mühlencrzcugnis nach Spezial- tarif 1 berechnet. — Hinsichtlich de: Fuitermittelfrage ist nunmehr der Vorstand der Landwirtschasislammcr für den Regierungsbezirk Wiesbaden bei der Regierung mit einem Antrag im Interesse einer gcrcgclicN Milch- und Milchprodultion her- vcrgetrctcn, der lautet: Festsetzung von wirtschaftlich richtigen Vcrbrauchshöchstpreisen für alle kouslichen Futtermittel und eines Lieferungszwangcs für die Mühlen und Händler, sowie tlcbergabc aller aus den besetzten Gebieten des feindlichen Auslandes hereinkommcndcn Futtermittel an die Landwirt Ichaftslammern zur Weitergabe a» die Landwirte ihrer Bezirke Bis zur Regelung der Frage der Befchasfung von Futtermitteln empfiehlt der Vorstand sorgfältige Feststellung des verfügbaren Bestandes an Kartosfel» vor der zwangsweisen Beitreibung, da den Landwirten, wenn sie keine anderen Futtermittel erhalten können, nichts anderes übrig bleibt, als Kartoftcln in noch größerem Motze als bisher zu verfüttern, * Frankfurt a. M„ 18, Dez, Eine aus allen Provinzen Hessens gut besuchte Versammlung der „Vereinigung hessischer Krankenkassen" tagte hier unter dem Vorsitz des Krankcnlassen- vorstehers Neuman» Osfenbach, Die von den Apothekern Hessens vorgenommene Erhöhung aller Preise für Arzneimittel und Kranlcnbcdarssartikel um 2ti Prozent wurde unter der Bedingung genehmigt, datz eine weitere Preissteigerung nicht cintreten darf. Die schon seit zwei Jahren geplant- Ver- schmclping der gesamten hessischen Landkianten-Orts- und Be Iricbs Krankenkassen hofft nian nach dem Friedensschluss herbeizuführen, Hesseo-Rassau. > Griesheim «. SH., 16. Dez, Der Polizeikommissar Laune, dach von hier ist auf den, östliche» Kriegsschauplatz« gesallen, - «»» Homburg. 1«, Dez. Zwanzig Mann der Kompagnie des Oberleutnants Wolff, Rechtsanwalt und Notar in «ad Hombura vom Gronbercoglick-Heinschen Landsturm Bat, Nr, 3. _ Seite X bas im Osten kämpft, nahmen am 4. Dezember aus einem Patrouillengang 420 Russen mit Waffen und Munition gefangen. Ein Korpsbefehl gedenkt dieser Heldentat unter der Drvis«: „Frisch gewagt, ist halb gewonnen!" F. C. Wiesbaden, 15. Dez. Der Kutscher Bolz, der am Abend des 30. August d, I, vier Schüsse aus einem Revolver auf die 38jahrige Monatskra» Witwe Graf, während diese »i dem Kurz- und Wcißwarengeschäft Dichl, Ecke Römer. berg-Rödeisiraßc Arbeiten verrichtete, abgab, die den Tod der Frau sofort hcrbeiführten. ist nach Sachverständigem Urteil außer Verfolgung gesetzt wo:de». Bolz befand sich darnach zur Zeit der Begehung der Tat in einem Zustande krankhafter Störung der Geistesfähigkeit, durch den seine freie Willeiisbestimmimg ausgeschlossen war. F, C, Vom Taunus, 15. Dez, Ter a»8 Friedberg in Hessen gebürtige 44 Jak,re alte Schlosscriucister Jakob Heß in Hofdeii» im Tauniis wurde von der Strafkammer Wirsbade,, wegeil schiverer Urkuiidenfällchuiig zu 6 Monaten Ge- kniignis verurteilt. Heß batte sieben Wechsel in Höhe von insgesamt 1554 Mark gefälscht, * Limburg 0 . d. Lahn. 15. Dez. Vorgestern trafen an, Vormittage 100, am Nachmittage 300 englische Kriegsgefangene llici: ein und wurden in das Gcsangencnlager transportiert. Montabaur, 13. Dez, Regicrungsassessor Freiherr von Nagel, der bisher bei der hiesige» Kreirvcrwaltung beschästigt war, ist an die Regierung in Kassel versetzt und wird die Stellc sofort antrcten, Bronbach, 16 . Dez, Der aus Eschbach gebürtige Heinr, Simon wurde gestern Abend als er das Eeleis der Klclnbabu überschritt, von einem hcrankommcndcn Zug Lbcrsahrcn und getötet, Wetzlar, 13 , Dez, Der 18 Jahre alte Schüler der Unter- vffizierschule Wetzlar, früher in Biebrich, Jakob Mann, gcbür- tig aus Wallen im Edcrkrcis, wurde wegen seines mutigen Verhallens auf dem westlichen Kriegsschauplätze mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Kurz vorher erhielt der topsere Soldat von dem Herzog Ernst II. von Sachsen Altcnburg das Ritterkreuz des Ernestinischc» Hausordcns mit Schwertern, F, E, Au? Niedrrhessen. 15. Dez, Auf der Straße nach Wvlfhagcn zog vorgestern eine Bärenkarawanc von 14 Mren. Ein besonders starkes Tier befand sich darunter, das derart bösartig wurde, daß die Polizei veransaßte, daß cs getötet werden mußte. Au» Rheiiihessra. * Rieder-Olm, 16. Dez. Eine Frau aus Stadecken, die In zwei anonymen Briefen ein junges Mädchen von dort in der schmählichsten Weise verdächtigte, erhielt vom hiesige» Schöffengericht eine Geldstrafe von 160 Mark zudiktiert und die crb:b- ltchen Kosten ausgebürdet. Starken bürg. * Darmstad«, 14. Dez, Im Betriebsjahrc 1613 verarbeiteten nach amtlicher Statistik die vier Zuckerfabriken in Groß- Gerau, Friedberg-Fauerbach, Groß Umstadt mit Gernsheim 2,466,70V Doppelzentner Rüben, die auf 7286 Hektar Ackerfläche geerntet waren. Auf einen Hektar komme» demnach 336 Doppelzentner Rüben, Der Durchschnittspreis der Kausrübc» ltelltr sich auf 2.63 Mark für l Doppelzentner, An Rohzucker aller Produtte wurden 332,336 Doppelzentner gewonnen, durchschnittlich 14,26 Mk, aus einem Doppelzentner Rüben, Hierin ist die ganz« Zuckergewinnung der Fabriken, die Rübe» verarbeitet haben, nachgewieesn. einschließlich des in diese» Fabriken durch Entzückern von Melasse gewonnenen Zuckers. Alls Zucker sind auf Rohrzucker umgcrcchnet. Zur Herstellung von 1 Kg, Rohrzucker waren 7 Kg, Rüben erforderlich. Die erhobene Zuüerstcucr belief sich aus 1,332,626 Mark gegen 1,136,336 Mark im Vorjahre, Dayeril-Killellilkr für ISIS. Der Kriegsausbruch hat die Herausgabe des Kalenders, der sonst im August zu erscheinen pslegt, aufgehalten. Wir haben uns nunmehr entschlossen eine fuirgööusaalif nnltres Saittukalkildkrs herauszugeben, die zwischen Weihnachten und Neujahr ausgegeben wird und in der den Kriegsereigniffen ein breiter Siaum gewährt werden wird. Insbesondere machen wir aus die darin enthaltene ;lcl»ers»cht der Firiegsereiflnisse aufmerksam, in der von Beginn des Krieges bis Miite Dezeniber alle Borkommnisse gewissenhast aujgezahlt sind. In gewohnter Weise wird der Kalender eine Anzahl Erzählungen und viel sonstig Wisiens- weries enthalten und dem Weltkrieg dabei reichlich Rechnung getragen werden. Verein für lliilttftiitzW armer KiilStk Friebbeegs. Die diesjährige Weihnachtsbejcheruna findet Freitag- den >8. ds. Mts., nachmittags 5 Uhr in der Musterschule statt. Franksurter Wetterbericht. Voraussage: Wechselnd bewöltt, meist trocken, etwas lühlcr, westlich-nordwestliche Wind«, Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e l. Friedberg: für den Anzeigenteil: K. S ch m i d i, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Togcszeituck-i". A G , Friedberg i. H Sir. 295 Sieuc TageszeHsiip. Mitt,voch, de» 18. Dezember 1914. Tritt L Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme, die uns anlässlich des Heldentodes unseres geliebten Sohnes. Bruders, Schwagers u. Onkels Herrn Georg Hch. Jacob! zuteil aeworden sind, für die Ehrungen, die der Ortsvorstand, die Bereinigten Landwirte von Frankfurt a. M. u. Umg., der Bund der Landwirte, die freiw. Feuerwehr, der Krieger- u. Militärverein, der Gesangverein „Liederkranz", die Ortsgruppe» der Vereinigten Landwirte und des Bundes der Landwirte den, teuren Verstorbenen bereitet haben, für die vielen trostreichen Zuschriften statten wir unseren herzlichsten Dan? ab. Nodheim v. d. H., den 12. Dez. 1914. I. A. der FaniUic: Hch. Balthasar Zacobi Ww. A - Danksagung. Für die zahlreichen Bewe, e herilicker Teilnahme an dem schweren Ver- luite meines lieben Mannes, unseres treub.sorgten Bakers, Sohnes, Schwiegersohnes, Bruders, Schwagers und Onkels Herrn Hch. Wilh. Schreitz Gemeindcrechner lagen wir allen unseren tiefgefühlten Dank. Insbesondere danken wir dem Herrn Pfarrer Job für die Iroslreiche» Worle am Grabe, sowie dem Kiiegcr- verein sür die erwiesene Ehre. Ober-Florstadt, den 15. Dez. 1814. Im Namen der X r anfrniicn: Kina Schreitz. ged. Dauerntzeim. m Dnuksagung. Gehör am dis in den Tod. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem schweren - erlune un eres einzigen, lieben, braven, gehorsamen, unvergeßlichen Sohnes Karl Mattliäas 21 Jahre alt, gefallen bei Lille, lagen wir aus die em Wege allen Freunden und Bekannlen, ja selbst seine» Kameraden an der Front, unseren wärmsten Dank. Steinbach >. T., den 14. Dez. 1.14. Karl Wilhelm Matthäus. Trotz des ist mein Lager in lYeiluiacIitsgcgeeistäiiden |eder Art, genau wie in jedem anderen Jahre reich ausgest Iler. Durch vor dem Krieg aDgeschlossene Einkäufe bin ich in der Lage, noch zu den allen billigen Preisen veikaufen zu können und lade zur Besichtigung meiner Schaufenster und Ausstellungsräume ergebenst e n. G. M. Reuss Friedberg i. H, Alte Post. Werkstätten f. Innen Ausstattung nenzeitl.WolinriiiMne. ' mm Hauptgewinne 10 ooo -AGOW uws. Qcneral-Vertrieb Kichsril Bticiiacker, C.ii'Kten.. Preisaä schlag. grosse, I Stück! Schade S Ffillgrabe Friedberg. Scairngasse 4, iiisÄ Kieount »na ’ Gewinne im Werte vonMk. iThüPingcr lHuseums > in EiseuacU. 13333 ßeuhnne zusrülark isooc! cieoeE 5900 ■ , 3 tc-Ö Bar ohne Abzug zahlbar Lese 2ii !M, SS, Lotferiebanlf G.m.b.H Eisenach. Ferner in den durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen. i 5 rp|dlirmf ZPhMllik empfiehlt in grosser Auswahl lirim Biervert | Friedberg, Sm|fr|ir. 109 am Kriegerdenkmal. 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Da unsere Einnahmen ln diesem Fahre insolge der schweren Zeiten, welche über unser Vaterland her- eingebrochen sind, gegen frühere Jahre bedeutend zurückblieden, unsere Bedrängten zu Hause aber hierunter nicht leiden sollen, so dürfen wir auch wohl in diesem Jahre die höfliche Bitte allssprechen, uns nach Möglichkeit mit baren Zuweisungen unterstützen zu wollen. Gaben werden dankend cntgegengcnom- men von den Vorstandsmitgliedern: I. Dörr, Kaufmann. W. Ecorgi, Apotheker. I. Heincck, Geometer 1. KI. E. Klederger, Psarrcr. Th. Morschei, Bauunternehmer. Ph. Philipps, Hauptiehrer. H. Rausch, Kaufmann. W. Rotzbach. Fabrikant. Dr. L. Eeyd, Rechtsanwalt. R. Walz. Professor.