Aninnrer Znmstng, den 31* Oktober li)14. eue Tagesiertun 7. Jahrgang ’f* ** 8e,m “ 6t «* ® eü °8 e " ««* «*nr«»«, H *t K.r>»-pr.i.-"Bei *„ P-stanfta..-» v..r.-„-,i..ch Mt. l.95 .c. Cell Ülg.nten mono l.ch 50 Pfg. hin,u tn.t Postgebühr oö« iiagetlofjn. Ani-igcn: Grund,eile 20 Pfg.. lokale 15 Pfg, An,eigen non auswärts werden durch Po-nach,,ahm- er wde» Er,ullungsort „riedberg. SchrisUritung und Verlag Friedberg (Hesten,. Hanaueistraße 12. Fernlprecher 48. Postjcheck-Conto Sir. 1859. Amt Frunlsurt a. M. Das der Türkei. Die Kriegslage im Westen. Türken versenkt. Erfolge der Oesterreicher. — Zwei russische Schifte von den Der russische Botschafter verläßt Konstantinopel. j Der deutsche Geueralstab ^-7- ____ meldet: ^_____— WTB. (Hrotzcs Hauptquartier, 30. Lkt. vormittags. Unsere Slugriffc südlich Nieuport und östlich Uprcs wurden erfolgreich fortgesetzt, tt Maschinengewehre wurden erbeutet und 200 Engländer zu Gefangene» gemacht. Im Argonncnwalde nahmen «nsere Truppe» mehrere Blockhäuser und Stützpunkte. Nordwestlich Berdn» griffen die Franzosen ohne Erfolg,an. Am übrigen ist im Westen und ebenso ans dem östlichen Kriegsschauplatz die Lage unverändert. ! Der österreichische Generalftab . — meldet: ==« Wien, 30. Cft. (W. 2 . B. Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlnntbart: 30. Oktober mittags. In Russisch-Polen wurde mid) gestern nicht gekämpft. Am unteren San wurden stärkere, südlich Risko über de» Fluß gegangene feindliche Truppen nach heftigen Gefechten znrückgcworjcn. Bei Staru Sambvr sprengte unser Geschutzseuer ein russisches Mnnitiansdepot in die Lust. Alle keindlichen Angriffe aus die Höhen westlich dieses Ortes wurden abgeschlagen. Im Raume nordöstlich von Turka gewannen unsere angreiscn- den Truppen nichrcrc wichtige Höhcnstellungen. die der Feind fluchtartig räumen musste. Unser Landsturm machte in diesen Kämpfen viele Gefangene. Tic Gesamtzahl der in der Monarchie internierten Kriegsgefangenen betrug am 28. ds. 649 Ofsizirc und 73,179 Mann, nicht eingerechnet die ans beiden Kriegsschauplätzen sehr zahlreichen, noch nicht ab- geschobenen Gefangenen aus den Kämpfen der letzten Wochen. Der stellvertretende Ehrs des Eeneralstabs: o. choser, Generalmajor. Zur iitiitlikn fKltirntnt -es ,Finden". Eine russische Bestätigung. Berlin, 30. Okt. (D. D. Nichtamtlich.) Eine verspätet hier emgetroffene amtliche, Meldung der „Peersburger Telegrafenagentur" auS To- kio bestätigt, das; der russische Kreuzer „Schemtschug" und ein französischer Torpcdojäger auf der Reede von Penaug durch Torpcdoschiisse des deutschen Kreuzers „Emden" zum Sinken gebracht worden sind. Wie cs zugina. Aus Kopenhagen wird dem „Beel. Lok.-Anz." gemeldet: Ter russische Marincstab teilt sollende Einzelheiten über den Untergang des russischen Kreuz .ns „Schemtschug" mit: Am 28. Oktober näherte sich die „Emdcn" den Schiffen, welche die „Emden" fiir ein Krino schisf der Bcrbündeten hielten. Tie „Emden" fuhr mit vrllcr Kraft gegen den „Schemtschug". Sic cröffnetc das Feuer und schoß einen Torpedo ab, der am.Bug dcS russisch.'» Kreuzers explodierte. Ter „Schemtschug" erwiderte das Feuer. Die „Emden" schoß einen neuen Torpedo ah, der den „Schemtschug" zum Sinken brachte. 83 Mann der Be- schung ertranken. 230 Mann, darunter 112 Verwundete, wurden gerettet. Das Eingreifender Türkei. Die Vorgänge ans dem Schlachtfeld werden sür kurze Zeit zurückgedrängt vor dem Eingreifen der a. ü r k e n in den Alelt- krleg. Es war schon seit geraumer Zeit I'.ar, dag sich große Dinge im Osmancnreich vorbereiteten und dag man am go, denen Horn nicht niehr gewillt sei, länger den Prügelknaben in ganz Europa zu spielen. 'Mit wachsender Wut sahen die Mot;:-: des Dreiverbandes, das, die Türken sich in ihrem Lande ^cinzu- richten begannen, ohne nach England oder Ruhland oder Franl- reich zu fragen Die Psortc hatte mobil gewacht und war säe alle Fülle gerüstet, um an dem großen Kampfe, der gegenwärtig die Welt durchtobt, teilzunchmcn. Es bedurfte nur eines Funkens, um das Puloersaß in Explosion -u bringen. Roch liegt cs nicht klar und ossen zutage, was sür Ursachen den Ausbruch der Feindscligleite» herbcigcsllhrt haben. In dce Verässcntlichung der russischen Depesche, daß türkische Kreuzer russische Häsen beschosien hätten, liegt nach bewahrten Mn stcrn offenbar die perfide Psich! zugrunde, die Türkei als den Friedensbrcchcr hinzuftcllen. In Wahrheit liegen die Dinge wohl a»ders. Man wird nicht fehlgchen, wen» man anninunt. daß russische Unoerschümthciten die Ursache des Bruches gewesen sind. Nachdem alle Versuche, die Pforle zur Oessnung der Dardanellen zu bewegen, die gerade sür Rußland doppelt und dreifach unangenehm ist, weil sie dieses Reich fast völlig uom Weltvcrlchr absperrt, sruchtlos geblieben sind, kam man mit brutale: Gewalt und gab der türtlschen Regierung z» ver stehen, daß die Dreiverbands-Mächte den Ankauf der beiden deutschen Kreuzer „Goebeii" und „Breslau" für null und nichtig ansehen und diese Schiffe, unter welcher Flagge sie auch iühren, in de» Grund bohren würden, wo auch immer sie ge- lrojfen würden. Als die türkische Flotte in das Schwarze Meer fuhr, wurde sie in der Tat von russischen Schissen belästigt, aber mit sehr schlimmem Ausgang sür die Rusien, so daß die.Türken i» dem ersten Tressen Sieger blieben. Erst nach diesen Vorgängen fuhren türkische Schisse zur Beschießung russischer Häsen hinaus. * Sic Türkei tritt also ein in den Kampf. Vorerst mit Rußland: nach Lage der Dinge aber wird der Zusam- Ilienstoß auch mit Frankreich und England unausbleiblich sein. Für uns. ist dieser Vorgang von höchster Bedeutung. Zwar wollen wir »ach wie vor uns auf uns selbst verlassen und das tärlischr Eingreifen nicht überschätzen. Immerhin ist es er- jrculich, daß die Einkrcisungspolitik, die der dicke Britenkönlg Eduard VII. begonnen hatte und die Deutschland im Rate der Völker vereinzeln sollte, an dieser Stelle schon einen Riß bekommen hat. Dann sind die Kräfte der Türkei durchaus nicht zu verachte». Die türkischen Soldaten bestehen aus gutem Material und vermögen unter guter Führung vortresflichcs zu leisten. Man darf nicht den Maßstab an den letzten Balkan- kriog anlegen. Damals führte der Mangel an aller und jeder Organisation, das Fehlen der Munitions- und Proviantzusuhr u. a. die Niederlage herbei, während sich die Truppen gut geschlagen haben. Das ist jetzt bester (».'worden. Deutsche Offiziere, deren Tätigkeit dem Dreiverband ein Dorn im Auge war, haben die Armee reorganisiert, die TLgken besitzen eine kraftvolle Regierung, sc daß sie den kommenden Dingen mit Zuversicht entgegen- schen könne». Nicht ganz so gut steht es mit der Flotte: deren Instandsetzung war dem englischen Admiral Limpus, oder heißt er Lumpus? anveitiaut. Der hcimtükischc Geselle gab sich redliche Mühe, die ihm anvcrtraute Flotte zu verbösern, ja er soll selbst vor Sabotage nicht zurückgeschreckt sein. Als die Türken hinter seine Schliche kanicn, »erzog er sich geräuschlos und hat jetzt den Oberbefehl über die russische Schwarze Meer- floife übernommen. Inzwischen haben deutsche Seemänner den Schaden wieder gutzümachen gesucht und cs steht zu hoffen. >ii(d die ersten Erfolge beweisen cs, daß die türkischen Kriegsschiffe den rustische« Küsten überlegen sein werden. Der Landkrieg gegen Rußland wird sich wohl zunächst in Kleftiasicn abspielcn und die Rüsten müsten wohl oder übel bedeutende Kräfte dorthin wcrsen: mit dem Mastennachschub an die polnische Grenze durfte cs dann vorbei sein. Aber das ist nicht die Bedeutung des Eingreifens der Türken allein, sie birgt unübersehbare Möglichkeiten in sich. In der Welt des Islams gärt und brodelt es allenthalben. Der Sultan ist zugleich der Kalis, also das weltliche Oberhaupt der mohameda- nischcn Wett. Der Ausruf En ver Paschas zur Befreiung Aegyptens, die persische Erhebung, die Unruhen in Indien stehen mit diesen Vorgängen im innigsten Zusammenhang. Die Erässnung der Feindseligkeiten gegen Rußland ist das Signal in Konstantinopcl an alle moha- m c d a Nischen Länder, daß der Sultan die grüne Fahne dcr-Prophctcn zu in „heiligen Kriege" entfaltet. Vor allem durfte England die Erhebung der moharncdani- 'chen Welt mit- bleichem Entsetzen betrachten. Stehen doch sür diesen Naubstaat di- höchsten Interessen aus dem Spiele. Wenn cs in Aegypten zum Aufstand käme und die Türken sich des Suez-Kanals bemächtigen, so wäre England an seiner vcr- wundbarsten Stelle getroffen. Rechnet man dazu, daß die bedeutendsten Männer der ehemaligen Burcnjtaaten die Fahne der Empörung gegen englische Zwingherrschast erhoben habe», so kann sich wohl der alte Satz wieder bewähren: Wer Andern eine Grube gräbt, fällt öfters selbst hinein! Pr ilnroiiiiflf in litt Tic türkische imb russische Flotte im Kampf. Berlin, 30. Okt. (Nichtamtlich). Di- „B. Z. am Mi!» tag" meldet: Rach einer ojsiziellen Mitteilung aus Kouftantiuepel haben einige russische Torpedoboote versucht, die Aussahrt der türki- scheu Flotte aus dem Bosporus in's Schwarze Meer zu verhindern. Die türkischen Schisse erössncten das Feuer und brachten zwei russische Fährzeuge zum Sinke». Etwa 3» russische Seeleute wurden von den Türken zu Ecsangenen gemacht. Die Türken hatte» keine Verluste. Tic amtliche Bestätigung. Berlin, 30. Oft. Tie türkische Botsrlzaft in Berlin teilt amtlich mit: Unsere Flotte machte eine Ausfahrt in das Schwarze Meer. Tort traf sie mit einem Teile der russischen Flotte zusaminen. Tie rns- fische Flotte nötigte unsere Flotte zur Ausführung gewisser Manöver. In deren Verlauf bohrten wir zwei feindliche - Kriegsschiffe in den Grund. Wir machten 83 Matrosen und 3 Offiziere zu Gefangenen. Auf unserer Seite ist keinerlei Verlust zu verzeichnen. Ti russische Hcraiisfordcriing. K o n st a n i i n o p e l, 30. Okt. Die türkische Regierung teilt amtlich mit: Während ein kleiner Teil der ottomaniscl)cn Flotte am 28. Oktober im Schwarze» Meere Hebungen vornahm, crössnete die lussische Flotte, nachdem sic längere Zeit diesen Uebungea folgte und sie zu stören suchte, am Donnerstag die Feindseligkeiten, indem sic die ottomanischen Schiffe angriff. Im Verlaufe des sich nunmehr entspinnenden Kampfes gelang es unserer Flotte durch die Gnade des Allmächtigen den Minendampser „Prut", der 5000 Tonnen verdrängte und ungefähr 700 Minen trug, zu versenken, einem der russischen Torpedoboote schwere Beschädigungen beiznbrinaen und einen Kohlendampfer zu kapern. Ein vom türkischen Torpedoboot „Hairet Millie" abge- schossener Torpedo hat den russischen Torpcdojäger „Kubi- nez", der 1100 Tonnen verdrängte, versenkt und ein anderes vom Torpedoboot „Mouavenet Millie" abgeschosscnes Torpedo hat einen, anderen russischen Küstenwachtschisf sehr schweren Schaden zngefügt. Drei russische Offiziere und 72 Matrosen wurden von den Unseren gerettet und, da sie zur Bemannung der versenkten und zerstörten Schiffe gehörten, gefangen genommen. Die Kaiserliche Flotte hat durch die Gnade Gottes keinerlei Schaden erlitten und der Kamps geht günstig sür unsere Flotte weiter. Die Kaiserliche Regierung wird ohne Zweifel mit äußerstem Nachdruck gegen diese feindselige Handlung Einspruch erheben, die von der russischen Flotte gegen einen ec- ringfügigcn Teil unserer Flotte unternommen worden ist. Tic Türken nni Suczkonal. Mailand. 29. Lki. Tic „Unionc" meldet aus Kairo: Bei Akaba am Golf von Akaba sind starke türkische Kavallerieabteilungen ciiiflc- tioffen. Türkische Kontrollschiffe mit drahtlosen Stationen sind bis vor Scherin am Eingang zum Golf von Suez gesichtet worden, von wo sie den Einlauf der neutralen Schiffe überwachen. Die Kriegserklärung steht bevor. Wie der „Franks Ztg." aus Konstantinopel gemeldet wird, steht die Kriegs- crklärnng Rußlands an die Türkei bevor. Ter russische Botschastcr verlässt Konstantinopcl. Rom, 30. Okt. Tic Eonsulta wird informiert, daß der russische Botschafter in Konstantinopel den Befehl erhalten hat, r.d- zureise». Ter Schutz der russischen Untertanen wurde der italienischen Botschaft anvertraut. Ausierordentlicher Ministerrat. Konstaritinopel, 30. Okt. lW. B. Nichtamtlich.) Tas „Wiener Eorr. Bnr." meldet: Gestern am späten Nachmittag trat auf der Pforte unter den, Vorsitz des Großwsirs ein außcrvrdenttichcr Mi- nisterrat zusammen. Am Vornbcnd großer Ereignisse. Konstantinopcl, 30. Okt. (W. B- Nichtamtlich.) Die Beiramfeier war in der ganzen Türkei von einem Gefühl freudiger Erwartung getragen und von der Empfindung, daß man am Vorabend großer Ereignisse siebe Dir. 256 Leite 2. Der Aufstand der Buren. Englische Besorgnisse. Auch ans den heutigen von Reuter gemeldeten Betrachtungen des militärischen Mitarbeiters der „Times" spricht sichtlich die Beunruhigung. Er bemerkt darin, daß die Deutschen sich natürlich über das Auftreten de Weis sehr freuen würden, wovon sic sicherlich wichtige Resultate für die Engländer erwarteten. Die Deut- scheu und ihre Freunde, die Verräter, halten zweifellos den Moment für günstig, nun, wo die Truppen der Union auf dem Wege nach Südwcstasrika sind und die britische Garnison zuin Kampfe in Europa herangezogcu worden ist. Aber der Augenblick wird vielleicht doch nicht so günstig sein, wie es scheint, und die englische Macht ist vielleicht doch nicht so entwaffnet, wie es den Inschein hat, selbst wenn das Unerwartete geschehe» sollte, das; die Rebellen mit ihren Absichten Glück haben. Wir dürfen den Kopf nicht verlieren und uns nicht einen Augenblick von dem hauptsächlichsten Ziel abhaltcn lassen, den Preußischen Militarismus zu vernichten. Kanadier in Südafrika. Aus Christiania wird geniel- &ct: Der Londoner „Times" wird nus Toronto gemeldet: 10,000 Kavalleristen aus dem westlichen Kanada sollen wahrscheinlich nach Südafrika gesandt werden, um an der Unterdrückung des Aufstandes teilzrinehmen. Man sei überzeugt, daß die südafrikanische Regierung der Situation gewachsen fei. Nach einem im „Morgenbladct" veröffentlichten Bericht aus Transvaal, der anfangs September durch das Reuter-Bureau verbreitet wurde, scheint damals in weiten Schichten der Burenbcvölkeruug eine ausgeprägte Unzufriedenheit gegen das Regiment des Ministerpräsidenten Botha geherrscht zu haben, weil Botha als englischer Damit die Wehrkraft des Landes ohne Befragen des Volkes dazu vergeben wollte, gegen die befreundeten Deutschen in Snd- westafrika zu marschieren. Schon damals wurde in einer stark besuchten, unter freiem Himmel abgchaltenen Volksversammlung an der General Beyers tcilnahm, verlangt, ein Vorgehen gegen die deutsche Kolonie zu verhindern. Ob's wahr ist? (W. T. B. Nichtamtlich.) General Hcrtzog hat, wie englische Blätter melden, Bloemfontain verlassen in der Hoffnung, die Führer der Rebellen zu treffen, um ihnen zu raten, heimzukehren. Es gelang ihm vorläufig weder Tewet noch das Mitglied des Provinz-Parlaments Tonroy, der ein Rebcllenkommando anführt, zu treffen. Bisher ist es in der Oranjckolonnie zu keinem Blutvergießen, gekommen. Die fwiipftiiditifilmt der Pmtidjrn. London, 30. Oft. (SB. B. Nichtamtlich). Ein Telegramm der „Central News" aus Nordsrankreich zollt der Kampstüchtigtcit der Deutschen hohe Anerkennung. Trotz der großen Verluste, die die Deutschen in der letzten Woche erlitten hätten, hätten sie doch noch gewaltige Streit- krüstc zur Verfügung und kämpften mit der größten Todesverachtung. Die englischen Soldaten sagten: „Wenn wir einen Deutschen nicdcrschießen, ist es, als ob acht andere an seine Stelle sprängen." Die Truppen der Verbündete» nützten die viele» Vorteile, die ihnen die Eigentümlichkeiten des Terrains gewährten, aus das äußerste aus. Verschiedene Hinder- nisie, wie Seen und Bäche machten das Vorrückcn der Deutschen schwierig, aber über viele Flüsse hatten die Deutschen Hol;- briickc» gebaut. Audi iii Cngland Niiiiüt die {finfidjt. London, 29. Ott. (SB. B Nichtamtlich). Die „Mor aing Post" schreibt über die Kriegslage: Deutschland ist einig und entschlosien, auszu harren. Es wirst alle seine Hilssqucllcn, die gewaltig und wohlorganisiert sind, in den Kamps. Seine Truppen sind diszipliniert, gut ausgebildet und gut bewaffnet. Ihre Tapfe-leit ist wunderbar, (gegen eine Nation, die augenscheinlich bereit ist. einen hohen Preis für den Sieg zu zahlen, für die Herrschaft in Land, Meer und Lust, werden die Verbündeten schwer für den Erfolg uhlen müssen. Wenn Deutschlaiid die Linien der Verbündeten zwischen der Schweiz und dem Meere nicht durchbrechen und die russischen Heere nicht crschüpscii kann, unterliegt es. Für dis Verbündeten sind Geduld und Ausharren die Losung, für England unermüdliche Anstrengung, um die Bermehruiig seiner Strcitlräste vorzubereiten. Aber die Negierung kau» die Männer nicht in schi,eklerem Tempo ausrnsen, als sie organisiert, ausgebildet und ausgcrüstel werde» könne». 'SBir sind augenblicklich kaum in der Lage, die Anregung in dem am Montag vcröjjentlichtcn vortreislichen Bries eines Franzose» anzuneh» men. Die Zeit mag kommen, u-v ei» allgemeiner Aus- rus zu de» Waffen notwendig wäre, aber auch eine solche Maßregel muß vorbereitet werde», wozu bisher keine Zeit war, obwohl wir daraus vertrauen, daß sie erwöge» und geplant wird. Die augenblickliche Ausgabe ist die Ausrüstung und Ausbildung einer großen Zahl von Männern, die jetzt or- »anisiert und gedrillt werden. Hoffnungslose Lage in Serbien. Sofia, 29. Olt. Das Befinden 'König Peters von Serbien hat sich, nach einer Meldung des Blatics „Utro" aus Nlsch, slart verschlimmert Der Thronsotgcr wurde in bcn letzten Kämpfen vcrwuiidct. Prinz Georg ist von seiner Verwundung »och nicht geheilt. Die L--e im serbischen Heer zill als verzweifelt und ha ff n:i n g s l o s. Aus Frankreich. Poincarö wieder a» der Front. Ueber Kopenhagen wird aus Bordeaux gemeldet. Präsident Poincarö reiste oorgejteru abend in Begleitung des Finanzministcrs Ribot und des Ministers der ösfentlichen Arbeiten Sembat nach Paris. Dort wird sich der Kriegsministcr Millerand dcni Präsidenten an. Neue Tageszeitung. Samstag, den 31. Oktober 1911 schließen und gemeinsam mit ihm zur Front reisen. Die Ab- Wesenheit Poincares von Bordeaux wird acht bis zehn Tage dauern. Die belgische Kammer in der Verbannung. Kopenhagen, 29. Ott. Aus Paris wird gemeldet, daß die belgische Regierung beschlossen habe, das Parlament in Le Havre zur gewöhnlichen Zeit am zweiten Dienstag im November zu einer Tagung einzuberufen. Ans England. Rücktritt des Prinzen Ludwig von Battenberg. London, 30. Ott. (SB. V. Nichtamtlich). Prinz Ludwig von Battenberg ist von seinem Posten als Erster Scelord zurückgetreten. Englisches Dementi deutscher Greueltaten. London, 28. Ott. Offiziös wird der englischen Presse mitgeteilt, daß die Berichte, nach denen sich unter den belgischen Flüchtlingen Kinder befinden sollen, die von den Deutschen verstümmelt (!!!) worden sind, völlig aus der Luft gegriffen sind. Englisches Schandurteil. London, 29, Ott, (SU. V. Nichtamtlich). Das Reuter- breau meldet: Am 27. Oktober hat der Potizeirichter von D c p t f o r d unter der Bedingung des künftigen Woblverhal- tcns einen Soldaten frcigclasien, der in Uniform an den Ausschreitungen gegen die Deutschen tcilgcnommen hatte, und der von der Polizei in dem Schlafzimmer eines geplünderten Hau- ies im Besitz von gestohlenen Ringen und einer gestohlen!» Ilhr verhaftet wurde, „Daily Ehronicte" kritisiert das Urteil scharf und schreibt, es sei fast eine direkte Ermutigung des Verbrechens, Die Militärbehörden könnten weitere Schritte tun: sic hätten hoffentlich eine bessere Vorstellung von ihrer Slrmec, als de, Polizcirichter von der Ehre der Nation, Die Slrdeitslosigkeit in England, Der „Eronomist" berichtet, daß in der englischen Baumwollindustrie eine halbe Million Slrbcitcr ohne Beschäftigung ist. Ein »cnes englisches Seeränberstückchen. Zwei Dampfer des Savoyischeu Lloyd, die unter italienrschcr Flagge fuhren, die „Königin von Italien" und der „Herzog von Genua" sind in der Meerenge von Gibraltar von den Engländern angehalten und in den Hafen von Gibraltar geschleppt worden. Aus Rußland. Dir Verluste der Russe». Slus Wien wird der „Deutschen Tageszeitung" genieldet: Die Verluste der Rusien in den bisherigen Pämpfen mit Oesterreich-Ungarn werden auf 120 000 Mann, die gegen Deutschland auf 310 000 Mann, einschließlich der Gefangenen, zusammen also 760 000 Mann geschätzt. Mit Einrechnung der Kranken dürften also die Abgänge bei den russischen Armeen bisher zusammen rund 1,150,000 Mann betragen. — Aus zuverlässiger Quelle erfährt der Korrespondent der „Frankf. Ztg". daß sämtliche Hospitäler im Kaukasus, besonders in Tiflis und Baku, mit russischen Verwundeten überfüllt sind, — Seit acht Tagen werden vom Kaukasus vereinzelte Regimenter nach dem westlichen Kriegsschauplatz transportiert. Die Deutsche» aus Rußland ausgewiesen. Aus Mailand wird berichtet: Slus Petersburg wird hierher gemeldet, daß die Polizei allen Deutschen und Oestcrrcichern befohlen habe, Rußland innerhalb 11 Tagen zu verlassen. Wahrscheinlich sollen sie nach neutralen Ländern gebracht werden, um sich von dort den Weg in ihre Heimat zu suchen. Vorläufig sind von dieser Verfügung Ausnahmen nur zulässig für „Deutsche und Orstcrrcichcr slawischer oder sranzösischen Ursprungs", das soll heißen für Elsaß-Lothringer, Oesterreicher italienischer Abstammung und Leute orthodoxen Glaubens, Spanische Ltimntilirgen. Ein Berliner Großkanfmann erhielt von ciueiu Geschäftsfreund in Valencia einen Geschäftsbrief, in dem salbende beiuerkeuslverten Sätze enthalten sind: „Mit größtem Interesse verfolgen wir hier den Gang des Krieges und sehen mit größter Genugtuung, daß die Armee des Kaisers nicht zu besiegen ist. Die Einnahme von Antwerpen ist wie eine Bombe hier eiugcschlageu und hat all die Franzosenfrcunde hier zu Tode erschreckt, die den Platz für uneinnchnibar hielten. Die Deutschen haben dodlirch gezeigt, daß sie die tapfersten Sold.r- ten der Welt sind. Mit Menschen von der Tapferkeit wird die Welt erobert werden. Wir bitten zu Gott, daß all die, die Ihnen teuer sind, bald zurückkehrcn mögen. Ich wünschte nur, ich könnte am Tage, an dem Ihr großer Kaiser triumphierend in Berlin cinziehen wird, in Berlin fein und mit die Lorbeeren streuen, die Ihr Kaiser und Ihr Heer verdienen. In Spanien trat die öffentliche Meinung und diefsni- aen, die sich ans Deutschlands Seite stellen, in ganz nngl.iub- licler Weite zngenommcn, und auch die Presse, sei es ion der rechten oder von der katholischen Seite, ist zum großen Teil jetzt ans deutscher Seite." Wischsf Meginrr im tapfc jiir Sie Wahrheit in kw Vereinigten Limiten. SBic wir kürzlich meldeten, ist Erzbischof Dr. Meßmer von Milwanke ans feiner alten St. gallischen Heimat wieder nach seinem hohen Wirlungskrcise znrllckgckehrt. Der überraschende Kriegsausbruch hatte seine Rückreise unliebsam verzögert. Dafür wurde er aus unmittelbarer Nahe Beobachter der Ereignisse. die sich seither vollzogen. Am 10. September richtete er an seinen Kanrzler ein Schreiben über die letzteren zum Zwecke der Veröffentlichung, damit die Nebel der Unwahrheit zerstreut werden, IN die eil, Teil der dortigen Presse die öffentliche Meinung cinzuhüllen sucht. Der Brief ist seither in de» Bereinigten Staaten in die OesjenUichkeit gelangt und hat auch de» SBeg nach Europa gesunden. SBir nehmen ebeiffolts Roti,'. von ihm, um so mehr, als wir Erzbischof Meßmer seit Jahrzehnten als einen Mann von großer Objektivität aber nicht weniger großem Wahrheitsmutc zu verehren gelernt haben, der zudein schon als Profcsior der llnioersität Washington zu den Zierden der wisienschaftlichen Welt der U, St, zählte und durch seine vielen Reisen in Europa Staaten und Völler kennt, Ev beiß! in seinem Briefe u, a,: „Belgien trifft letzt die gerechte Strafe für sein hinterlistiges Verhalten Deutschland gegenüber, La es letzt llar bewiesen ist, daß sowohl Dclgien wie auch Frankreich die Neutralität Belgiens schon vor Ausbruch des Krieges verletzt hatten. Es ist nicht wahr, daß die Stadt Löwen gänzlich zerstört ist: nur einige Stadtteile sind durch die deutschen Kanonen zertrümmert worden, jedoch ist die Zerstörung der Universitätsbibliothek leider wahr, Tatsache ist aber, daß während die deutschen Soldaten sich bemühten, das Nathans und die Kathedrale zu retten, von rückwärts von den Vewohncrn Lö< wens auf sie geschossen wurde. Das sonst so ruhige belgische Volk muß in seiner Wut gegen die deutschen Eindringlinge seinen Verstand verloren haben,"-- „Man ist hier der Ansicht, daß England in diesem Kriege eine höchst perfide Rolle spielt: während cs vorgibt, gegen Deutschland zu kämpsen, tut cs, was in seinen Kräften tzehi Franlreich und Rußland zu schwächen. Frankreich niuß seine Haut für England zu Markte tragen, welches selb i wenig Schade» erleiden wird, — Die Deutschen verrichten bis jetzt Wunder militärischer Taktik und Tapferkeit, Ich habe den Ansang des Krieges genau verfolgt und kann nur beten jür den Sieg der gerechten Sache Deutschlands und Oesterreichs:" Deutsche Kriegsbriefe. Von unserem Kriegsberichterstatter. *) „Chateau Olymp«". Noch ganz betäubt und erschüttert von den, gewaltigen Eindruck, den der Fall von Slntwerpen auf das Gemüt Seifer gemocht hat, der diese Stadt zu anderen, glücklicheren Zeiten sah und ihren letzten Verzweiflungslamps in allen Phasen miterlcbcn konnte, sind wir in das Journalistcnschloß im Großen Hauptquartier zurückgekehrt und sitzen wieder inmitten de, großen herrliche» Parkes oder am lustig flackernden Kamin. seuer, wo alles hinter uns liegende fast wie ein wüster Traum cisacint. Ich habe schon angedeutet, daß man uns in ein« Idylle hineingesetzt hat, die cs verdient, gebührend gewürdigt zu werden, — Ein reicher französischer Eiscnbahnuntcrnch- mcr, der sich vom einfachen Streckenarbeiter emporgearbeitet habin soll und jetzt in einer Stadt Mittelsranlrcichs krank dar- „iederliegt, hat neben^ahlreichen anderen schönen Besitztümern das Kleinod des „Chateau Olympe" geschaffen, um hier seinen vier Enlclkindern im Hochsommer eine Stätte fröhlicher Ju- gendlust bieten zu können. Dadurch war das Schloß von vornherein zu einem Wohnsitz für eine größere Zahl von Menscher mit geineinsamcn Interessen, wie wir Kriegsberichterstatter e, sind, ausgestaltet. Es war alles da. Jedes Zimmerchen mii seinem traulichen Kamin, dem echt ffanzösischen Himmelbett, den gewaltigen Kleiderschränlen, Tisch und anderem unentbehrlichen Gerät, Daneben aber auch ekn schöner, großer gemcin- samcr Speisesaal, ein hübsches Billardzimmer, ein im Styi Louis XVI. gehaltener Damcnsalon — natürlich ohne Damen — und ein Empfangszimmer. Küche und Keller luden förmlich zur Benutzung ein und draußen im Parle ließ sich von alle», Anfang an gut träumen, denn in diesem gesegneten Hin,, melsstrich sind auch jetzt noch die Bäume voller Laub und di« Tage voll warmer Herbstsonne köstlich. Nachts aber steht der Mond sreundlich über den uralten Riefentannen an der Park- terrasie und lein Wagengerasiel noch sonstiger Tier- und Mcn- schenlärm stört die erhabene Stille, Hoch oben über allem Er dcnsireil ist man um diese Zeit ganz mit sich und seinen Eedan- len ullein. Aber diese Gedanken wandern. Sie gehen nach den blauen Bergen da drüben am südwestlichen Horizont, h'itt tcr denen nun schon seit Wochen in seuchte, lehmige Schützen'- grüben eingemummt, unsere Feldgrauen alle Unbilden der Witlcrung, alle di- letzten verzweifelten Angrissc des crbitlcr. ten Gegners und alle sonstige schwere Mühsal dieser Zeit gern und freudig für uns alle ertragen. Und sie wandern weiter nach dem scrnen Osten, wo die Arbeit nicht um einen Atem leichter und die Witterung wahrscheinlich schon viel rauher ist. Und sie wandern über die Grenzen zu den Bundesbrüdern in Oesterreich und weit über andere Länder und SRcere, wo Deutsche in heißem, verzweifeltem Abwchrkampse stehe». Die bangen Tage der Erwartung, die in der Heimat fast bis ziim körperlichen Schmerz sich verdichtet haben, sie werden auch hier, am Mittelpunkt aller Dinge in diesem Kriege nur schwer ertragen, und cs ist keiner, der nicht in der Stille und Einfam- lcit seiner Nächte mit all den Unseren da draußen lebte und hoffte. Und wie schnell geht cs aus den »ach jeder großen Ausreisi mit dickem Schmutz überzogenen Automobilen heraus, »m de nen daheim die neuesten Erlebnisie vom Kriegsschauplatz mit- zut-ilcn! Da ist der schlanke Wiener Kollege so eilig wie de, behäbige Vertreter einer Anzahl großer Provinzzcitungen, Und bald klappert im ganzen Schloß die Schreibmaichine, während im Herrenzimmer der Ehes des Presicstabes stundenlang all' den vielfach wie ein Ei dein andern ähnelnden Ar tikclstojs zensieren muß. Diese Slrbeit, welche stundenlang andauert, wird nur durch die gemeinsamen Mahlzeiten unterbrechen, die unter der sachverständigen Slussicht eines culi- naiisch gebildete» Kollegen von uralten französischen Dorswcib- lcin hergcstcllt werden. Erst der Epätabcnd bringt di- nötige Erholung und besondere Festtage sind es, wenn das „Berliner Tageblatt" mit dem Vertreter des Ullstein-Verlages zujammc > aus die Jagd geht und sie nach stundenlangem, lebhafte» Ee- schützseuer einen Hosen oder ein Rebhuhn mit heimbringcn, UN! das Nachtmahl damit zu verschönen. Während der Zeit hockl dann „Karl", das Faktotum, auf einem der vielen Nuß- odc, Bpfetdüiime INI Garten und di« „Deutsche Tageszeitung" such, mit sachverständigem Blick im Gemüsegarten di« Küchenlräutc: *) Genehmigung zur Veröffentlichung erteilt am 18. tv. 11 Großer Eenerafftab des Feldheeres. Beilage zur „Neuen Tageszeitung". 27,6 | __Samstag, den ol. Oktober 1914. I 7. Iahrgau Ans meiner Dortlrirche. Lukas K. 18, B I—8. Er jagte ihnen aber ein Gleichnis davon, daß man allezeit leben und nicht laß werden solle und sprach. Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen, Es war aber eine Witwe in derselbigen Stadt, die kam zu ihm und spracht Rette mich vor meinem Widersacher, Und er wollte lange nicht. Darnach aber dachte er bei sich selbsl. Ob ich mich schon vor Gott nicht sülchte, noch vor keinem Menschen scheue, dieweil aber diese Witwe mir so viel Mühe machet, will ich sie retten, daß sie nicht zuletzt komme und betäube mich: Da sprach der Herr: Höret hier, was der ungerechte Richter saget, sollte aber Gott nicht auch retten seine Auserwählten, die zu Ihm Tag und Nacht rufen, und sollte et's mit ihnen verzeihen? Ich sage euch, er wird sie erretten in einer Kürze, Soll ich dir, lieber Mitchrist, diese Geschichte einmal aus »nseren Tagen erzählen? So höre zu! Es ist ein Richter, hoch tberm Sternenzelt, der sich freilich weder vor Gott noch de» Menschen zu fürchten braucht, denn er ist selber Gott! Aber »r ist kein ungerechter Richter, sondern der allgerechte und weise aber gütige Richter der Welt, Vor diesen Richter treten die Völker der Erde, Da kamen die Franzosen und Iprachen: Herr, wir waren doch immer die edelsten, das große Volk voll Ruhm und Ehre, vor dem sich die anderen beugten! Aber da sind nun diese Deutschen, die wallen sich nicht mehr vor UNS beugen, ja sie wollen UNS Ruhm und Ehre wegnehmen — sollen wir UNS das gefallen laßen, Herr? — Und dann kamen die Engländer und sprachen: Herr, wir haben den Erdkreis bedient, wir haben den Handel gehabt in der ganzen Welt, und alle Völler haben mit uns Geschäfte gemacht, und nun kommen die Deutschen und wollen »nseren Handel an sich reißen, der doch uns gehört! Herr, müssen wir uns das gefallen laßen? Und dann kamen dte Rußen und Serben und sprachen: Herr, wir sind ein großes Volk und brauchen viel Land und haben auch nach Vrüder im Hemden Land, aber die Oesterreicher und Deutschen wollen uns das Land nicht geben! Herr, mäße» wir uns das gefallen laßen? Und dann kam die Gegenpartei, die Deutschen und Oesterreicher, die sagten: Herr, hils UNS doch, wir wollen ja gar nichts, wir wollen ja nur leben: aber wir können uns doch nicht in, den Wald und unter die Felsen verkriechen, wir haben doch auch noch ein Recht aus der Erde! Da sah der Weltrichter die Streitenden an und sprach: Von euch meint jeder, er habe Recht, und wenn ich einem sagte, du hast Unrecht, er würde es doch nicht glaube». Darum will ich die Entscheidung euch selber in die Hand geben Höret: Man kann nicht wirklich beten im Unrecht, in Haß und Sünde: darum: wer von euch am treuesten und tiefsten, am gottergebendsten und glaubensstärksten beten kann: bei dem ist das Recht, zu dem will ich mich »eigen, Run gehet hin und betet! Za sie bete» alle, die Engländer und Rußen, und sogar die Franzosen! Und auch wir! Wir können über das Beten unlerer Feinde nichts sage», nur das: darauf dürfen wir uns nicht verlaßen, daß ihr Gebet schlechter sei als unseres, nur das gilt, daß wir uns mühen, daß unser Gebet noch bester sei als ihres! Es ist ein doppeltes Ringen, das eben durch die Welt geht, das Ringen aus dem Echlachtseld mit den Waffen, und das Ringen der Beter daheim! Wollen wir unseren treuen Soldaten die ungeheuren Kräfte, die wir ihnen durch unser Gebet zuweisen können, versagen? Freilich, wir mäßen uns dabei eines sagen: es ist hier nicht getan mit dem Beten von Worten und Versen, — ob's nun ein altes oder neues Gebetbuch ist, aus dem sie stammen: das wäre, als wen» die Witwe dem Richter täglich einen Bitt- Betr: Feldbereinigungsmeliorationen Stammheim. Krbtits- und firfmiitaoufrarbnng. Mittwoch, den 4, November 1914 vormittags 117: Uhr sollen im Rathause zu Stammheim die nachverzeichneten Arbeiten und Lieferungen vergeben werden, Voranschlag 6010,27 MI. 3377,2b . 1588,90 „ Los 1. Los 2. Las 3. Los 4. Wiesenmeliorationsarbeiten desgl. desgl. Lieferung von Zementröhren, Böichungs- stülken, Rohrschleusen und eines Dramage- ausnrünlnrngsstückes frei Verwendungsjtelle Herstellung der Lachegräben Herstellung von Drainagen im Oberholz Lieferung von Tonrohren frei Baustelle Lieferung von Drainröhren und Verbindungsstücken la fiel Bahnhof Ranstadt oder Altenstadt Los 0. Anjuhr der Drainröhren Los 10. Rodung des alten Lacheweges Los 11. Rodung in der Bel,Hecke Verschleifung des Raines in ,zlur XIX V(>. 16 1 ( 10-20 (oberer lei!) Fuhrleistungen bei der Ausführung von Meliorationsarbeiten Herstellung einer Pflasterrinne cmderHa: raite der K. Heppner II Wwe, Los 15. Lieferung von 7 cbm Basalt Pflastersteinen 2 Sorte frei Baustelle . o 05 10. Lieferung von 8 cbm ton- nrd lehmireien Grubensand frei Baustelle Los 17. Rodung des alten Zimmerplatzes Interessenten werden die einzelnen Oo n-e .7- Rooember vorgezeigt. Zusammenkunft voemrt.ars - Schtoßsihute. , . x Die Verdingungsunterlagen liegen bei und bei »er Bürgermeisterei Stammhei», zur Einsicht oßen, ^Ungebote in:+*<>_ zenten des Voranschlags sind bis ,um obigen Termin 0 e.,-ul-,,iN und mit der Aufschrift: Angebot Feldbere.mgi.ng -tninmhcmr vr>- sehen, der Gr. Bürgernreisterei Stammhenn e.nzureichen. Friedberg, den 28. Oktober 1914. Eroßh, Kulturinspekiion Z «. Hauck Los 5. Los 6, Los 7. Los 8. Los 12. Los 13. Los 14. 2554,00 1395,18 2101.20 105,10 1175,40 315.00 609.00 676.00 3 ; 5,00 230,0) 28 53 151,03 91,0) den -. an der Er. bries hätte schreiben wollen: Rein, sie ist selber hingegangen! So dürfen auch wir nicht Worte schicke» vor Gottes Thron, son- dern wir mäßen selber hin, unser Herz muß hin! Und hier liegt die Schwierigkeit! Denn unser Herz will nicht zu Sott! Es spürt zu deutlich, daß es vor dem Licht an Gottes Thron nicht bestehen kaim, daß da all seine Fehler zu deutlich zu Tage treten: Aber es hilft nichts — wenn unser Gebet etwas wert sein soll im große» Völkerringen der Erde, dann muß unser Herz beten: mag es das tun i» Zittern und Zagen, i» Angst und Verzweiflung vor dem heiligen Gott: es ist vielleicht sogar gut, wenn es gerade so geschieht: aber geschehen muß es. Und noch eins: Ein Gebet ohne Herz ist wertlos — wir mäßen uns darüber klar sein, daß es sogar ein Gebet geben kann, das die großen Gebetslräste unseres Volkes hindert und stört. Wenn einer unter UNS beten wollte mit Haß und Fluch: Wir sind gewiß: Gott würde solches Gebet umkehren und Haß und I Fluch aus den Beter und sein Volk selber zurückwerfen! Das ist eben das Wichtige, daß uns unser Gebet fei machen soll von Unrecht und kleinlichem Haß. daß es uns zu Gott führen »nd vor Gottes Angesicht die rechte, allumfassende Gerechtigkeit lehren soll: Dan» täusche» wir uns da nicht: Das Volk, das endgültig über die Erde herrschen soll, kan» nur sein das Volk der großen, vorstehende», göttlichen Gerechtigkeit! Das Volk, das über die Erde in Zukunst herrschen will, darf nur ein Volk sein, das die Menschheit vorwärts bringt auf dem Weg zum Reich Gottes: zum Reich der echten Gerechtigkeit und Liebe. Die Reformation war ein Schritt aus diesem Weg: denn nicht das ist ihre Bedeutung, daß sie Katholiken und Protestanten geschieden hat, sondern, daß sie ein ganzes Volk — Katholiken und Protestanten zum Suchen nach Gott gebracht hat — daß dieser Krieg ein weiterer Schrit! werde auf dem Weg zum Reich Gottes — das gebe Gott: aber er kanns nur geben, durch unser Gebet. Drum: Gehet hi» und betet. Amen. Gebet: Vater im Himmel, du allmächtiger und allgerechter, mit dem Heer der Beter in unserem Volk treten wir vor deinen Thron, um zu flehen und zu ringen um deine Gnade! Herr, wir flehen dich an, sei du mit unserem Volk und Vaterland, wenn wir »ur dich haben, dann fragen wir nichts nach Himmel und Erde! Wir wißens ja wohl, daß wir nicht wert sind, daß du dich zu uns neigest, wir spüren, daß wir erröten und brennen mäßen vor Scham und Angst, wenn dein Licht in unsere Herze» hineinleuchtet, und unsere Fehler und unser Unrecht offenbar werden. Aber du Herr, kennst ja uns Menschen besser als wir selber, und wolltest du nicht Mitleid und Gnade an uns üben, so müßten wir schon längst verloren sein Darum höre unser Flehen und erbarme dich unser! Laß unser Volk und Heer deinen Willen erkenne» und dein Ruse» hören in dieser schweren Zeit, bewahre unsere Soldaten draußen ebenso vor Mutlosigkeit wie vor Roheit und Hartherzigkeit, gib ihnen in der Schlacht einen unüberwindlichen Mut, der den Sieg davonträgt, und »ach der Schlacht ein frommes und erbarmendes Herz, damit sie die Not nicht noch größer machen. Gib unserem Kaiser, und denen, die um ihn sind, einen guten starken Rat zu jeder Zeit, und schütze auch unseren Großherzog in der Kriegsgefahr. Schütze alle unsere Lieben mit deiner starken Hand, nimm du dich besonders der Verwundeten, Sterbenden und Gesangenen an. Wir bitten dich auch für unsere Feinde! Herr, wir können ja nicht darum beten, daß sie uns besiegen.» und vernichte» sollen, — du verlangst das auch nicht von uns — wir können nicht darum beten, daß das Unrecht siegen soll aus Erden: Aber wir bitten dich, laß auch sie in diesen Tagen erkenne», daß du der Herr bist im Himmel und aus Erden, laß sie erfahren, daß dein Walten allezeit gerecht, gütig und voll Liebe ist, ja laß auch sie durch die Ersahrungen dieser To . aus den Weg zu dir kommen! Herr, komme über uns wie ein großes Wasser! — e Wasser des Lebens, das bei »ns seinen Anfang nehme, und » wer weiter unser ganzes Volk und Heer durchdringe, ja jchlw. lich über die Grenzen unseres Volkes hinaus die ganze W.lt überflute «nd hineinzwinge in dein Reich: Za Herr, l.:, dein Reich kommen ans Erde», dann wird alles, alles g>. Amen. Ehronilra der frrirgsge/chicht?. 26. Oktober. Das am Kampfe an der sranzöfisch-belgifchen Küste sich be- s teiligende englische Geschwader wurde durch schweres Artillerie teuer zum Rückzug gezwungen. Drei Schiffe » erhielten Volltresser. Das ganze Geschwader hielt sich darauf außer Sehweite. Z» erbittertem Häuserkamps erlitten die Engländer große Verluste und ließen über 500 Gefangene in unsere» Hände». Nördlich Arras brach ein heftiger sran zösischer Angriff in unserem Feuer zusammen: de, Feind hatte st a r k e V e r l u st e. Die Oesterr-ficher schlugen bei Visegrad die vereinten Serben und Montenegriner, die außer vielen Gefangenen. 4 Maschinengewehre und 000 (Gewehre verloren. In dein Kampfe bei Jwangorod machte ein öslekrvich- isches Korps allein 10,000 Russen zu Gesangenen, aiijjeiü.'i't erbeuteten sie 19 Maschinengewehre. 27. Oktober. Langsame Fortschritte in der westlichen Völkerschlacht an der Nordsee. Neue russische Armeekorps überschreiten nördlich Zwungoron die Weichsel, um sich an der große» Schlacht in Russisch-Polen zu beteiligen. Der Kreuzer „Emden" hat das japanische Schiss Kama- tala Mewa versenkt. 28. Oktober. Die Schlacht an der Nordwestgrenze Flanderns hält an. Es beteiligen sich wieder 16 feindliche Kriegsschiffe an den Känipfen. Bei Lille ist unser Vorgehen im Forifch.eiten: ebenso im Argonnenwald. In Polen wichen die deutsch-österreichischen Truppen neuen russischen Kräften aus »nd werden sick) der Lage eist sprechend neu gruppieren. In Galizien haben österreichische schwere Geschütze niest rere i»jsiscl>e Batterien vernichtet. Den Serben wurde abermals eine schwere Niederlage beigebracht: e-5 wurden ihnen dabei 4 Gesmütze, 8 Maschinengewehre und 500 Gefangene abgenomme». 29. Oktober. Tie Völkerschlacht in Flandern schreitet erfolgreich fort 16 englische Offiziere und 300 Mann wurden gefangen, 4 Geschütze erbeutet. Ein französischer Verstoß bei Vor dm, wurde unter großen Verlusten für die Frguzoseu zurück worfen. Im Gegenangriff besetzten unsere Truppen die seindlickze Hanptstellung In den letzten 3 Wochen wurden bei den Kämpfen in Rnssisch-Polen 13,500 Russen gefangen, 30 Geschütze und 39 Maschinengewehre erbeutet. Die Türket greift .in de» Krieg ein. Dir türkische- Flotte donipste in-; Schwarze Meer._ Ueiiigle UiMh * Miliiri aJ.uni iättf. MttsintsihkliMlskii Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Moselstratze 6s. Teleson-Nummer 9206 Amt I. Bürostunden: Moniag nachm, von 5—7. — Dienstag nachm, von 5—7. — Donnerstag nachm, von 5—7. —Freitag nachm, van 5—7 Uhr Zn verkaufen. neu u. gebr. änh. bill. zu verk. Klastcnwagcn aufs Land geeign. äutz. billig. Wagend. Braun, Frks. Obereav. 1 deutsche helle Dogge (Rüdes 14 Wochen alt. Topiert, wegen Platzmangel billig bei Ludwig Kirster». Oberdorjelden. Ein 5 Monat altes braunes Slutfotjicu bei Carl Loeeß. Sleinbach i. T. WcisÜll HUIJOM IIü ist zu verlausen: I teichtee Leiter- u. 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II innerhalb 24 Stunden anzuzeigen. Feredbeeg. den 8. Oit. >914 Der Bürgermeister. Stahl. __ Lehrling gesucht. Für mein Äslonialwcrreu . Glas- «. poricllan -<»esrl)öf'. wird ein geweckter Junge c.w guter Familie in die Lehre ge jucht. $to[t und Wohnung im Hause. Handelsschule am Platze. Fr. Hilbreclit Ww. gegründet 1796. Friedberg (Hessen). Zecht brs große» icriftru lkdrljchitzeiiis Schweinezucht Verein Lang-Göns (Hessen.) Eritklasj. Zuchttiere von vor- ztigl. Abstammung stets vorrätig. _ gnlL.enelPritschkWMll welcher sich zum Milchfuhrwerk eignet, zu verkaufen. Heinrich Müller VL Wnre.» Wölfersheim. __ 1 Ärbeilspittb Winter, S»lt«iti«l»htfe|.) ftLÜ St*. 256 30. Oktober. •*., ; ^ Unsere Angriffe südlich von Nicuport und östlich von. Pipern werden erfolgreich fortgesetzt, dabei wnrden 8 Ma-- schinengewchrc crvbört und 200 Engländer gefnngcn- Jn^. 'lrgonncnnxilde machen unsere Truppen Fortschritte/ Der Kreuzer „Emden", der sich durch Aussetzen eine? '4. falschen Schornsteines unkenntlich machte, zerstörte in den> englischen Hafen tzinla-Pinang (Indien) den russischen Kc-u-t zer „Schemtschug" und einen französischen Torpedozerstöcer. Russische Torpedoboote suchten die Ausfahrt der türkischen Flotte ins Schwarze Meer zu verhindern, dabei wur-- den ztvei russische Schiffe zum Sinken gebracht und 30 Russen gefangen. — Türkische Kreuzer bombardierten bic russische Hafenstadt Feodosia und Noworosicze. lur Uirgtllhichte des Wellirnegs 1914. lion Ferdinand Dreher, griedberg (Hessen). 1833: Bündnis zwischen Deutschland, Oesterreich und Italien: „Dreibund". (Lein Gegner später der „Dreiverband": England, Nutzland, Frankreich). 1894 März: Französisch-russisches Bündnis, iffl: Die französisch-englischen Gegensätze durch den Sudan- ucrtrag ausgeglichen. 1899—1902: Englands Raubkrieg gegen die Buren. Deutschland lehn! Frankreichs und Rutzlands Anerbieten ab, den Engländer» gemeinschajllich in den Rücken zu fallen. 1901: Eduard VII. König von England. Deutschlands T»d- seiud: Schon 1871 hatte er seinen Pariser Freunden geschworen, die Bcschietzung von Paris an den Deutschen zu rächen. _ 1904 April 8.: Englisch-französisches Marokkoabkommen (unter Nichtachtung der Madrider Marokkoakte von 1880 und) mit Spitze gegen Deutschland. König Eduard VII. von England beginnt mit seiner Einkreisungspolitik gegen Deutschland. 1004—1005: Russisch-japanischer Krieg, von England entfacht, um Rutzland zu schwäche». 1005 (Oktober): Streit Frankreichs mit Deutschland infolge des englijch-sranzöfischen Marokkoabkommens von 1004 April 8. Gefahr eines Krieger Frankreichs und Englands gegen Deutschland. England plant mit 100 000 Man» einen Handstreich auf den Kaijer-Wilhelmkanal. Der Friede bleibt jedoch gewahrt, da Frankreich nicht schlagfertig. 1005: Englische Vorbereitungen zum Seekrieg gegen Dcutsch- . laud. Zweiteilung der englischen Flotte und deren Bereit- jchast im Aermelmeer und in der Nordsee. (1912 vollständig durchgesührt). 1900: Algeciraskonferenz wegen Marokko. England hetzt all« Mächte, darunter auch Italien, derartig gegen Deutschland aus, datz Deutschland keine wirklichen Bürgschaften für die Wahrung seiner Rechte in Marokko erhält. 1900: England trifft mit Frankreich und Belgien geheime Abmachungen für einen Krieg mit Deutschland. 1907 August 31.: England verständigt sich mit Rutzland wegen einer Aufteilung Persiens und der Türkei, und zwar in ücutschseindlichem Sinne. 1908 Juni 9.: König Eduard VII. von England trifft mit Zar Nikolaus in Reval zusammen. Ein Krieg Englands, Rutzlands und Frankreichs gegen Deutschland scheint unvermeidlich, wird aber durch den Ausbruch der jungtürkischen Revolution im Juli 1908 verhindert. 1008 Oktober ».: Entsprechend den Beschlüssen des Berliner Kongresses von 1878 verleibt Oesterreich sich Bosnien und die Herzegowina ein. England und Frankreich fordern im Einverständnis mit Rutzland eine Konferenz zur Eenehmig- Reue Tageszeitung. Samstag, den 31. Oktober 1311 ung hierfür. Statt der von England erhossten diplomati- schcn Niederlage Oesterreichs und Deutschlands gelingt es den beiden Verbündeten vielmehr, die Bosnische Frage in hinein für Oesterreich günstigen Sinne zu lösen. Der von 4-- England beabsichtigte Krieg gegen Deutschland und Oesterreich unterbleibt, da Rußland durch den Krieg mit Japan / (1904—05) noch nicht angrisfsbereit ist. Wüste englische Pretzhctze gegen Deutschland. 1909 Februar 9.: Frankreich verbürgt Deutschland die Wahrung der deutschen Interessen in Marokko. (Marokko ist ein unabhängiger Staat und die wirtschaftlichen Jntcresien aller Mächte sind dortselbst gleichberechtigt). Herausfordernde Auslastungen im englischen Parlament betreffs der deutschen Flotte. (England wurmt es, daß der deutsche Handel unter dem Schutze der erstarkenden Kriegsflotte gedieh: daß Deutschland mit Hilfe der Kriegsflotte seine Kolonien und die Auslanddcutschen erfolgreich schützte und dank seiner Kriegsflotte wirklich auswärtige Politik zu treiben vermochte). 1910 Mai 0.: König Eduards VH. Ende. 1910 Juli 0.: Unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Eonter- bury tritt ein Ausschuß zwecks einer deutsch-englischen Verständigung ins Lebe». 1911- Frankreich tritt die deutschen Jntercsten in Marokko mit Füßen. Bei den noch Ankunft des deutschen Kanonenbootes „Panther" in Agodir (am 1. Juli) einsetzenden Verhandlungen m-.jcht sich England unter Drohungen gegen Deutsch- lano ein. Die Kriegsgefahr hält 3 Monate an. Der von England im Einverständnis mit Frankreich und Belgien geplante Uebersall aus Dentschland unterbleibt, da die englische Transportslotte in ungenügendem Zustand. 1911: Umfangreiche Spionage Englands und Frankreichs in Deutschland (French, Brandon,' Lux). Deutschland soll dadurch wehrlos gemacht werden. England hofft, die deutsche Ftottr bei der ersten Gelegenheit zu überrumpeln. 1911 September: Türkisch-italienischer Krieg. England, Frankreich, Rußland wissen, daß 1) Deutschland die Freundschaft der Türkei verliert, wenn cs Italien freie Hand läßt oder daß 2) der Dreibund gesprengt wird, wenn Deutschland Italien in die Arme fällt. Deutschland erklärt seine Neutralität und verliert »orerft fast jeden Einslutz in Konstantinopel, ein großer Ersolg des Dreiverbandes. 1912 Mai: Freiherr Marschall von Bieberstein wird deutscher Botschnjtcr in L-»don. Seine Ausgabe: Herstellung guter deutsch-englischer Beziehungen. 1912 September 30.: Balkankrieg. „Probe"-Mobilmachung Rutzlands gegen Deutschland und Oesterreich. Aus Veranlassung von England, Rußland und Frankreich reißen die Balkanstaaten (Bulgarien, Serbien, Montenegro, Griechenland) die europäische Türkei in Stücke. Oesterreich soll dadurch eingekrcist und für Deutschland als Bundesgenosse wertlos werden. Ebenso soll die Türkei, ans deren Hülse Deutschland im Falle eines Krieges mit dem Dreiverband rechnete, zu völliger Ohnmacht verurteilt werden, indem der Dreiverband auch noch die astatische Türkei unter sich auszuteilen gedachte, wie es schon 1907 geplant war. Das Verlangen Serbiens (das heißt Rußlands!) nach einem Hasen am Adriatischen Meer bedroht Oesterreich und Italien derartig, datz ein Krieg des Dreibundes und Dreiverbandes vor der Tür stand. (Eine Entspannung trat erst im Mai 1913 ein). 1912 Oktober 16.: Fürst von Lichnowsky wird deutscher Botschafter in London. Er tut alles, um veetraucnsvolle Beziehungen zu England herzuftellcn. 1912 Oktober 19.: Der Dreiverband treibt durch Vermittlung Frankreichs immer noch umfangreiche Spionage in Deutsch- Seite 4. land: Verurteilung des Franzosen Bauchcli» und seiner Genossen. 1913 Februar 17.: Poincarö wird Präsident von Frankreich. Er schickt den Deulfn cnftcsser Teleas- als Botjchasler nach Petersburg. 1913 Mai 30.: Wie Frankreich im Westen, so unterhält Rußland im Osten eine ungeheure Spionage, um Lcutschlain- Oestcrreich beim beabsichtigten Kriegsausbruch l»hmzuleg::>. Fall des Ecneralstabsobersten Redet! Poincarö hrsst, das politische Testament Körrig Eduards Vli. von England zu vollstrecken: „Nieder mit Deutschland!" Berhetzung der Volksmassen. Daher die Austritte bei Notlandung des Zeppelin IV in Luneville 1913 April 3 ., die empörende Mißhandlung Deutscher in Rancy 1813 April 13 . und die Ausschreitungen gegen Deutsche in Luneville 1913 August 11. 1913 Oktober 1.: Die durch die politische Lage notwendige Heeresver,nehrung gelangt in Deutschland zur Durchführung, allein Frankreich überbietet Deutschland vurch sein „Drei- jahrgcsetz" wesentlich. 1914 Januar 10.: Infolge bedrohlichen Druckes von Rußland, Frankreich und England muß der oon Deutschland entsandte General Lima» von Sanders seine Stellung nls Kommandeur des 1. türkischen Armeekorps ausgebcn. 1914 Mai: Frankreich und Rußland mobilisiere» heimlich, um zusammen mit England bei der ersten Gelegenheit über Deutschland herzusallen. Rußland Hot von Frankreich im Lause der Jahre über 20 000 Millionen für Rnstungszweck« erhalte». Spätestens 1918, wo Frankreich vier Jahrgänge unter den Fahnen hat, will man losschlagen. 1914 Juni 28.: Mordanschlag auf das österreichische Thronfolgerpaar, im Einverständnis mit der serbischen Regierung. Der Dreiverband versucht, Oesterreich an einer geziemenden Bestrasung der Mordbube» zu hindern und damit Oester, rcich-Dcutschtand cine diplomatische Niederlage beizubringc». Deutschland steht unbedingt zu Oesterreich. . 1914 Juli 7.: Der Kaiser tritt seine Nordlandreise an. 1914 Juli 19.: England mobilisiert seine gesamte Flotte. „Probe"-Mobilmachung! Der Dreiverband ist znm Kriegs sest entschlossen und Belgien ebeasalls bereit, am Kumps gegen Deutschland teUzunehmen. England will noch vor Kriegsausbruch russische Truppen aus Handelsschiffen nach Pommern bringen und die Feindseligteiten mit einem lieber' fall aus Wilhelmehaocn und Kiel und mit der Landung von 180 000 Mann in Antwerpen erösfnen. Die französischen u. russische" Heere sollen Deutschland oon West und Ost Uberrennen und sich in Thüringen die Hand reichen. 1914 Juli 25.: Rückfahrt des Kaisers von der Rordlandreise. Allo seine Friedensbemühungen vergeblich. Kirchliche Anzeigen. Evangkllschc Gemeinde. 21. Sonntag nach Trin., 1. November. Reformationsscst. Gottesdienst in der Stadtkirche Dorm. 9K Uhr: Herr Pfarrer Dicht. Mitwirkung der Kirchengesangvereins. Anschließend Beichte und hl. Abendmahl. Abends 8 : /i Uhr: Herr Pfarrer Ritter. Gottesdienst i» der Burgkirchc. Vorm. 11 Uhr: Kindcrgottesdienft: Herr Pfr. Ri t Irr. Nachm. h'Ä Uhr: Herr Kandidat Heiland. Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach. Dorm. 10 Uhr: Herr Pfarrer Zatzmann. In allen Gottesdiensten Kollekte sür die Gustav Adols- Stistung. !cti eikgetWll! 6rch Allsmhl! Große Sendungen in: Tarnen- nnd Mädchen-Mänteln, Herren- u. 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Folgen für die gesanitc Lage auf dem tvestlichen Kriegsschauplatz sein und den Anfang der großen, allgemeinen Entscheidung in der Ricsenschlacht von der Oise bis zur Maas bilden. Vor Antiverpe» haben unsere Artilleristen ivacker gearbeitet. Es wird geineldet, daß die gesamten angegriffenen Forts von Antiverpen sich in Hände» der Deutschen befinden. Die Forts sind vollständig zusamniengeschossen, mit Ausnahme von Waelhctn, Die eroberten Forts find durchaus von modernster Konstrultion und übertreffen die zum Teil 20 bis 30 Fahre alten Forts von Lüttich und Natnur um ein Bedeutendes, Im Jahre 1908 wnrde erst auf Betreiben Leopolds >l, die Anlage des riesigen ncuenFort-s- gürtels nach langem Widerstreben der Kammer durchgesetzt und zwei Jahre später mit dem Bau begonnen, llber den Fortgang der Operationen kann kein Zweifel sein. Die Belgier sagen, die Deutschen sctcn von Lier vertrieben und nach Kesse! abmarschiert, das heißt für den, der die belgische Ausürucksweise z» verstehen gelernt hat, nach- dein die Deutschen Lier zusamniengeschossen ha- bcu, beginnen sie ihre Arbeit bei Kessel. Infolgedessen ist die Lage äußerst kritisch und die Stimmung in der Stadt sehr gedrückt. Die belgischen Truppen zogen sich hinter die Linie der inneren Forts zurück, und man befürchtet, daß die Wafferzusuhr abge- schnirten wird. Bei Waelhem, also in dem gewonnenen Gelände, befindet sich ein Wasserwerk der Stadt Antwerpen. Sein Verlust ivird sich bei der Bevölkerung sühlbar machen, Tsingtau hat sich bis jetzt wacker gegen die englisch-japanrsche Übermacht gcivchrt und verteidigt sich fortgesetzt hartnäckig. Die englische» Slrcitkräste unter General Barnardiston setze» mit Energie den Angriff auf Kiautschou fort. Die deutsche» Truppen zogen sich auf Tsingtau selbst zurück, dessen Forts Tag und Nacht tätig sind. Das Feuer ist besonders gegen die japanischen Stellungen gerichtet, Deutsche Aroplane versuchten wiederholt die japanischen Kriegsschiffe durch Bomben zu zerstören. Auch i» der fernen Südsee sind unsere Blaujacken nicht untätig. So sind die Kreuzer »Gncisenau" und »Scharnhorst" am 22, September vor Papcete auf Tahiti erschienen und haben das sranzösische Kanonenboot „Zölöe" in den Grund geschossen; auch die Stadt selbst, die ein Fort und drei Batterien mit etwa 20 Geschützen besitzt, ivurde beschossen. Tahiti ist die größte und wichtigste der französischen Gesellschaftsinseln, - r/ar.a r.ar.a rarar.ara'arar.ara.r.a rar. - r.arar. a r. af. » - ra rarara ra ra. r ara s;:i r. Verantwortlicher Nedakieur: Dr Pari Schaumburg. Berlin. — Dru« und Lerlag von Georg E. Nagel ln Serltn-Ichüneberg. 14 Kr. S»>, irus. lief unten aber im wohlgesüllten Keller prüft ein alter , Weinkenner die Güte des Bordeaux und Sauternes, den wir ; bei unserer Ankunft genau registriert haben und der dem ur spriinglrchen Besitzer zu einem angemessenen Preise abgenom men wird, wie denn überhaupt keinerlei „Requisitionen" sei- , teils der deutschen Truppen in diesen friedlichen Gegenden voc- genommen werden, sondern alle Bedürfnisse genau nach den gelte,iden Preisen gedeckt werden müssen. Allmorgendlich fährt der Fourier nach der Stadt, wo im Prooiantanit das für unsere Verpflegung Erforderliche in Empfang genommen wird, damit wir pünktlich die Hände zum lecker bereitenden Mahlerheben können. Ich bin in dem abgelegenen Zimmer der Lehrerin unter- grbracht. Sie mutz eine fehl fromme Dame sein, denn neben dem Bilde des Erlösers nach einem Holzschnitt von Albrecht Dürer hängt auch ein schöner alter Kupserdruck des Papstes Pius VII, von dem die Inschrift hervorhebt, datz er am 3. November 1801 nach Paris gekommen fei, um Napoleon zu krönen. Auch ein Kästchen mit Reliquien der hl. Eäeilie fand ich bei der Uebernahme des Zimmers vor, in dessen löücherschränken sich die vorzügliche Bildung der Dame widerspiegelt. Aber worüber ich die grötzte Freude empfand, war doch die Entdeckung eines deutschen Buches und zwar der Bechstein-Märchen. Wie weht es aus diesen Blättern so heimatlich und traut an. Tanzen draußen im mondhellen Park nicht ein paar Elsen ihren geheimnisvollen Reigen und zwitschern da nicht ein paar Helle Kinderstimmen unter dem alten Kastanienbaum, von dem um die Mittagsstunde, wenn man eben ein wenig aus dem bequemen Eartensessel eingenickt ist, mit lautem Geprassel die braune», runden glänzenden Früchte herabkollern? Ach nein, es ist ein Traum, ein Traum im fernen fremden Land, der auch manchen anderen Vater hier draußen in diesen Tagen der Herbstferien äffen mag. Doch schon erklingt die Abendglocke und es gibt eine fröhliche Tafelrunde, die durch die eintresfende Feldpost »ur noch gesteigert wird. Und als sich dann der Schwarm verlausen hat, setzt sich das herrliche musikalische und dichterische Genie unseres Kollegen vom „Berliner Tageblatt", ans Klavier und im Verein mit dem Kollegen von der „Deutschen Tageszeitung", der mit ihm noch bis in die letzten Tage hinein korrespondiert hat, feiern wir das Andenken unseres Hermann Löns, der soeben von seinem reichen journalistischen und schriftstellerischen Leben aus den Schützengräben vor Reims in die besseren Jagdgründe abberufen worden ist. Und in die abendstillen Wälder hinüber erklingt die Weise vom Haideröslein und des toten Haidedichters eigenes Lied, das er vorahnend » Ichon ror einigen Jahren dem Freunde niederschrieb: Heiß ist die Liebe, Kalt ist der Schnee, der Schnee; Scheiden untHMeiden Und das tut weh. Rote Husaren, Die reiten niemals, niemals Schri... Heizliebes Mädchen Du kannst nicht mit. Weiß ist die Feder, An meinem roten, roten Hut: Schwarz ist das Pulver, Rot ist das Blut. Das grüne Eläslein, Zersprang mir in der, in der Ha»>d. Brüder, ich sterbe, Fürs Vaterland. Auf meinem Grabe Soll n rote Rosen, Rosen [iefc’n; Die roten Rosen , ; Und die sind schön. Ja gewiß, Hermann Löns, wen» wir in hoffentlich nicht allzuserner Zeit an den Erdhügel treten werden, unter denr Deine tapfere, schönheitsdurstige und so ganz deutsche, unruhige Zeituugsschleiberseele nun den ewigen Schlaf schläft, werden wir TA rote Rosen mitbringen und sie aus Dein allzuftühes Erab, das Grab eines der wackersten deutschen Koggen stellen, tele Rosen aus d;in herbstmüden Rosengarten ddr „Chatean Llympo". Paul Schweder, Kriegsberichterstatter. Den Briten in Tirol! Auf unseren Bergen blühen die Drunellen Wie Tropfen Bluts auf grüner Alpentrist, Sie sind das Herzblut sterbender Rebellen, Der FreibeitSkriege dunkle Niederschrift. Ihr seid nicht wert, auf diesen Plan zu treten. Wo für die Freiheit brauste ein Gefecht, Wo unsre Bauern Blutbrunellen säten Und sanken bin sür Vaterland und Recht. Wir wollen euch in unserm Land nicht haben, Wo Hafpinger und Andre Hofer stritt, Euch, die das große Dauerngrab gegraben In Afrika! — Wir Bauern leiden s nicht, Daß eure Blicke unfern Hofer schänden ^ Am Jselberg! — Steig' nieder von den, Stand. Du Heil, uiid jene mit den Mörderhänden Weise hinaus aus dem Tirolerland. Geht in die Schweiz, dort ziehen sie die Hüte,' Tort ist noch immer euer Sterbeg gut, Wir wollen nichts von seiner seli'iien Güte ^ Er klebt am Finger noch vom Burenblut. —• Nach Portugal, das wird euch wohl empfangen, Es war im Kriege auch so sehr — neutral. Es wird vor seiner Schuldenlast ihm bangen, Drum weiß es nichts von eurer Tat am Daal. c Geht auf den Turf, wo Pserdehälse brechen. Zu den fife sisterns in das Kabinett, Wo sie den besten Shillery verzechen. Zum Baccarat, wie euer König, geht. Und in die Säle, bogenlampenhell» Reue Tageszeitung. Samstag, den Di. wnover isi4 Wo ein Braganza still sich amüsiert, Vergnügt euch durch die glänzendsten Bordelle, Für die ihr euer» Räuberkrieg geführt! Tut, was ihr wollt! — Nur fern den gelsenmauern Von Deutschtirol! — Wir sagen's ins Gesicht: 'üi’.tft euch hinweg, ihr Mörder deutsck>er Bauern . Und unsre deutschen Berge schändet nicht! - Nit möge Gott euch die Lawinen senden lind Blitze zucken, todesflaminenheiß, Telin ihr besteckt mit euerti blutigen Händen Tos Bauernlandes reines Edelweiß. Anton Renk, in dem Tiroler Wochenblatt „Der Scherer." Die Höchstpreise für Kartoffeln. In der Nummer 255 der „Neuen Tageszeitung" finde ich unter der Spitzmarke „Wie der Friebberger Höchstpreis zustande kam" eine Darstellung, wonach ich am vorigen Samstag mit dem Bürgermeister der Stadt Jriedberg am Kreisamt oorgc- sproche» hätte und danli die Verfügung erfolgt sei. So angb- „chm es für mich wäre, eine» solcheii Einfluß am Kreisamt zu besitzen, so muß ich doch erklären, daß an der ganzen Geschichte soweit meine Person dabei erwähnt wird, kein wahres Wort ist. Heinrich Busold. . Zu gleicher Zeit erhielten wir von Herrn Bürgermeister Stahl eine Zuschrift, in der er, was seine Person betrisst, die gleiche Mitteilung macht. Wir bemerke» dazu, daß uns die betr. Mitteilung, die wir ja nur bedingungsweise gebracht haben, von Darmstadt zugegangen ist und daß uns schon gestern Nachmittag bedeutet wurde, daß sie nicht richtig sei. Wir hätten die Berichtigung auch ohne die entspr. Zuschriften gebracht. Es wird uns weiter vom Kreisamt mitgeteilt, daß sich das Kreisamt aus Grund des Beratungsergebnisses der am 10. Oktober lfd. Js. zusammenberusenen Konimission entschlossen hatte, von einer Festsetzung von Höchstpreise» sür Kartoffeln abzusehe». Das Großh. Ministerium hat jedoch mit Verfügung vom 21. Oltober I. I. die sofortige Festsetzung dieser Höchstpreise angeordnet. Zu der Frage selbst stellen wir nochmals fest, daß wir gegen einen Höchstpreis an sich gar nichts einzuwenden hätten. Nur muß er sich, selbstverständlich mit Staffelungen, über das ganze Reich erstrecken und Uebergangsbestimmungen enthalten, die verschiedene Fragen regeln. Ans der Heimat. * Friedberg, 31. Oft. Dem Vaterlande, für das er rn glühender Begeisterung hinauszog, ist der Sohn der Frau Ww. Gg, Steinhäußer, Herr Heinz Steiuhäußer, gefallen. Beim Sturm auf Estaires mußte er sein junges Leben aushauchen. Sofort bei Kriegsausbruch verließ er, erst 17 Jahre alt, das Gymnasium zu Büdingen, um als Fahnenjunker im 168. Jnf.-Regiment einzutreten. Das Vaterland wird ihn zu seinen Helden zählen. D. * Fricdbrrg, 31. Oft. Das Niedrigschraubcn der Petroleumlampen, zwecks Ersparnis von Petroieuni, ist falsch. Es wird nämlich nicht nur nichts dabei erspart, sondern das Gegenteil ist der Fall. ES kann sich jedermann leicht davon überzeugen durch daS Nebcneinanderstellen zwei gleicher Lampen, von denen die eine normal brennt, die andere niedrig geschraubt ist. Oder man stellt den Brenn- sioffverbraiich an einer Lainpe fest, indem man sie ans beide Brennweisen ausbrennen läßt u. dann die Zeiten vergleicht. Das Niedrigschrauben ist aber schon deswegen zu verurteilen weil es die Luft ganz erheblich verschlechtert, denn infolge der ungenügenden Verbrennung wird unverbrauchtes Pe- t> oleum vergast, welches sich der Luft mitteilt und so die Atmung erschwert. * Der neue Fahrplan. Am 2. November b. I. gelangt ein neuer Fahrplan zur Einführung, aufgrund dessen die größere Anzahl der früher cm Frieden gefahrenen Personen- u. Schnellzüge wieder eingelegt wird. Der amtliche Tafchenfahrplan wird Ende dieser Woche neu erscheinen und im Buchhandel uns an den Schaltern der Stationen zum Preise von 15 Pfg. für das Stück zum Verkauf gelangen. Er umfaßt die Strecken des Direktionsbrzirks Frankfurt a. M. einschließlich der Kleinbahnen, die Anfchlußstrecken bis Köln, K-ffel. Würzburg, Eberbach, Heidelberg, Mannheim, Worms, Münster a. Sl. und enthält die Frnnkfurl berührenden Fernverbindungen. * Verkauf ausrangiertrr Militärpferde und tragender Stuten. Den 3. November, liorpch 10 Uhr findet in St. A v o l d eine Versteigerung von Pferden des Etappen- Pferde-Depots daselbst an Landwirte statt. Ansftinft erteilt der genannte Truppenteil. * (Auszeichnung.) Die 5. Kompagnie des Reserve-Jn- fanterie-Regts. Nr. 88, meist Rheinhessen, erhielt für das töpfere Verhalten in dem Gefecht» am 26. September bei M ..... die Hessische Tapferkeits-Medaille. Dieser Or- den wird vorläufig vom Kompagnieführer und Feldwebel getragen. ' Holzhäufe,, v. d. H., 31. Okk. Zu ihrem gestrig m „Notschrei" kann ich ihnen mittcilen, daß auch hier schon verschiedene Pakete nach der Front ihre Besfimmung nicht er- reicht haben. Ganz reckst haben Sie auch mit der Benierk- ung, daß die armen Soldaten draußen im Felde kleinmütig werden, wenn sie annehmen müssen, sie seien von daheim vergessen. So bat ein hiesiger Krieger, der im Felde steht, wiederholt um einige Sachen. Sie wurden ihm geschickt, kommen aber nicht an, so daß er verzweifelt schrieb, wenn er so sähe, daß sich daheim Niemand mehr um ihn beküm- mere. so möchte er wirklich wünschen, daß er von einer Kugel getroffen würde. Wie stimmen Änen ganz zu, wenn sie sagen, daß in diesen Dingen, koste, was es wolle. Wand- lung geschaffen werden muß. ^ * Batz^dmheim. 31. Okk. Wie Ser Petersburger Kor- resvondenz des »Ternps" erzählt.,veröffentlichen die rnssi- ___Seife 4 . scheu Zeitungen den Wortlaut einer Bekanntmachung, die in Bad-Naube!,n erlassen worden sei: sie lautet:„Wir brin- gen zur Kenntnis des Publikums, daß jedes Entgeg.-n- komme,, gegen die unsere Stadt bewohnenden Russen mit einer starken Geldbuße bestraft wird. Jedes andere Ver- halten gegenüber den Russen wird keine Folgen nach sich ziehen." Das ist natürlich reiner Schwindel. ' llntrr-Widdcrshrim, 28. Oft. Bei der hier borge- non,menen 3. Hanssammliing des Roten Kreuz-Ausschuss.-s gingen Mk. 191,50 ein, wovon Mk. 131.50 an das Kgl. Ober- Präsidium in Königsberg zur Unterstützung der durch den Krieg fo schwer heimgesuchte» Bewohner Ostpreußens ab- geliefert wurden. Der Rest wurde zu Zwecken des 9iotc,t Kreuzes verwandt. Im Ganzen ergaben die Sammlungen von hier und Grund-Sck,wall,ein, die hübsche Summe von Mk. 718,10. Fröhliche Geber hat OSctt lieb. Ans den dtiltjlhtll JifrlHßüjlni. Jnsanteril-Regiment Nr. 81, Frank,'ur, a. M. Etrepy am 6. g. 11. S1 a b. Ehcf des Regiments, Generalleutnant und Regimentskommandeur Friedrich Karl Ludwig Eoustantili Prinz von Hessen H., schwer verwundet. — Oberleutnant Kleemann schwer verw. II. Bataillon. 7. Kompagnie. Musketier Daniel Schneider, Wetter. Kreis Marburg, tot. — Musketier Julius Lichtenftein, Mario bei, Kreis Hanau, lvw. 8. Kompagnie. Musketier Rudolf Lhlq, Anspach fchw vcrw. — Einp-Freiw. Unteroffizier Adolf Winkler, Niedcr-Er- lenbach lvw. Jnfauicrie-Regiment Nr. 188. II. Bataillon, O s s e » b a ch. Nenfchaieau von, 22. bis 28. 8. und Autry vom 3. bis 10 9. lf C. Kompagnie. Musketier Friedr. Rcinbaid,, Geber»' fchw. verw. - Reservist Peter Reiter, Marköbel schw. verw. 8. Kompagnie. Musketier Joh. Hirt, Lindheiu, vw. Rcfcroc-Jnsanterie-Regiment Re. 116. Wehrmann Otto Ludwig, Ulfa, bisher verw., ist tot. Rcfeeve-Feldartillerie-Regiment Rr. 25, Darmstadt. Cervon vom 2t. bis 28. 9. 11. 2. Batterie. Kanonier Karl Schäfer, Steinbcrg, Kreis Gießen, lvw. Pionier-Regiment Nr. 25, Mainz. Sempst am 2k. u. vor Antwerpen oom 27. 9. bis 3. 10. II. I. Reserve-Kompagnie. Gcfr. Ludwig Willanb, Babenhaufen, Kr. Dieburg, lvw. — Pionier Gg. Roth, Nieder- Florftadt low. Infanterie-Regiment Nr. 88, Mainz, Hanau. Nautourt »om 25. bis 28. 8., Oven am 1., Hciltz am 0., Parg,», und Maurice vom 6. bis 11., Loiore und Fort Brimoirt oom 17. bis 21. 8. 11. ' II. Bataillon. 5. Kompagnie. Ref. Hrch Koch, Hochstadt, Kr. Hanau, lvw. — Eefr. d. L. Ludwig Stock, Wachenbuchen, low. — Mnsk. Georg Oeftreich, Osthetm, Kr. Hanau, lvw. — Wehrm. Philipp Wilhelm, Mittelgründau, Kr. Büdingen lvw. 0. Kompqgnie. Must. Jofcf Franken, Unt-rlicd-rbach, lvw. 7. Kompagnie. Ref. Konrad Bolp. Enkheim, Kr. Ha nau, lvw. — Gefr. d. R. iFriedrich Kleiner 3., Bruchtübel lvw. III. Bataillon. g. Kompagnie. San. Gefr. Wilh. Gätlelmann, Büdia gen, toi. — Sergt. Johs. Kalberlah, Rüdingshaufcn, Kr. Gießen lvw. — Hornist Adam Henninger, Hofheim, Kreis Höchst lvw — Musk. Wilh. Heinrich, Marköbel lvw. — Must. Hrch. -Eöh ring, Ealbach, Kr. Büdingen tot. 10. Kompagnie. Musk. Sally Rafenlhal, Wenings low. II. Kompagnie. Unieroff. Karl Dichl, Schottcir schro. verw. — Musk. Joh. Wenzel, Seulberg, lvw. — Musk. Willy Müller 2., Rod am Berg lvw. — Musk. Ziegler, Sulzbrich, Kr Höchst, lvw. 12. Kompagnie. Unieroff. Christian Steinmetz, Gießen low. — Musk. Jfaak Rofenthal, Wenings lvw. - Wchrman», Karl Weiß, Erbstadt lvw. — Wehrmann Wilh Schmidt 1 , Minderten vcrm. Maschinengewehr - Kompagnie. Ref. Georg Booz, Fauerbach b. Fricdberg, fchw. verw. Landwehr-Jnsanterie-Regiment Nr. 81, Franlsurt a. M. Herbaupaire am 25. 9., la Pari!- am 2. und Bois de la Gav- am 3. 10. 11. 11. Kompagnie. Wehrm. Ludwig Mariin, Niederurfel low, Landwchr-Jnfanterie-Regiment Nr. 118, Mainz. Gefechte am 8. und 15. bis 28. 8. II (Bitry, Cernay-Rouvray Maifons de Champagne). 1. Kompagnie. Unteroff. Georg Eidmonn, Gießen kow. 5. Kompagnie. Wehrmann Hermann Hisgen, Lich ow. — Wehrmann Georg Krämer, Nidda vm. 8. Kompagnie. Wehrmann Christian Jäger, Weißkirchen tot. — Wehrmann August Uhr, Nieder Nosbach vm. — ©efc. Philipp Altmannsberger, Dietzenbach om, — Wehrmann Heinr Knecht. Dietzenbach vm. — Wehrmann Franz Ricker, Weißkirchen vm. Frankfurter Wetterbericht. Voraussage: Wolkig, trocken, leine wefeuiliche Tempera- turveränderuiig, südöstliche Winde. Verantwortlich für den politische« und lokalen Teil: Otto H i r s ch e I. Friedberg: für den Anzeigenteil: K. Schmidt. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung". A. G, Friedberg i. 9it. 256 Neue Tagesazeitng. Samstag, Len 31. Oktober 1911. Seite |Die ernste Zeit fordert zum sparen auf,! darum decke jeder seinen Herbstbedarf, wo erdenseiben! am vorteilhaftesten und billigsten bekommt. Uk staunend billig V Friedberg (Hessen) 77 Kaiserstr. 77. II Nachruf. Im Kampfe für da; Vaterland starb den Heldentod an, 28. August beim Ueber- gang über die Maas unser eifriges Mitglied Ferdinand Diehl Unteroffizier der Reserve im Infanterie-Regiment Nr. 168. Wir betrauern seinen Verlust aufs schmerzlichste und werden dem Dahingeschiedenen ein dauerndes ehrendes Andenken bewahren. Verein ehem. Friedberger Landwirtschaftsschüler. Der Uorstand. Total-Aus whau' von Den Tod fürs Vaterland erlitt durch eine Fliegerbombe am 26. Oktober in Frankreich unser treuer Kamerad Christian Heß Gefreiter der 4. Mun -Kolonne, 2. Bataillon Fug-Art. Reg. Rr. 3. Er war ein treues und beliebtes Mitglied unseres Vereins. Wir werden fein Andenken stets bewahren. Vurg-Griisenrode, den 30. Okt. 1914. Ter Pschltiii! St8 Kritgtl- u. Mitir-VereiilS Bmg-Craskilrodl. /Römerhos', Frankfurt a. M. Kaiserstrahe Nr. 72. Telefon Amt I 5461. Gutes biirgerl.Speife-Restaurantt i« nächster Nähe des Hauptbahnhofs. Hochfeine Aiere der Kranrrer Hinding. Mittagessen von 12—3 Uhr. Reichhaltige Abendkarte. Münchener Augnfiinrr Hrän. tbroges Nebenzimmer zirla 8ll Personen fassend, e rellpualii der llrrrinigltti Cnnbtnirtt oou Jranhfutl a.UI.«. Umliegend. 4> in ei g l j^t tttli J4silBiiiiehi. ist billig macht die Pflanzen grfund erzeugt kräftige Körner liefen gutes üppiges Futter macht den Boden locker wir!! 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Armeekorps Stellvertretendes Generalkommando. Dekanutmachnng Frankfurt a. M., den lö. Okt. 1914. Angehörige feindlicher Staaten sollen auch nach Ausbruch des Krieges bei einzelnen Vereinen und Gesellschaften in ihrer Stellung als Vorstandsmitglieder oder in ähnlicher Stellung verblieben sein und an den Borstandssitzungen und Gcschästs- erledignngcn auch dann teilgenommen haben, wenn es sich um Gegenstände handelte, die das allgemeine Wohl des Landes berührten und deren Kenntnis für das feindliche Ausland von Wichtigkeit fein konnten. Um in diese Verhältnisse für die Dauer des Kriegszustandes den erforderlichen Einblick z» gewinnen, ordne ich hiermit an: Sämtliche Vereine und Gesellschaften, insbesondere auch Aktiengesellschaften und Gesellschaften m. b, H., bei denen Angehörige feindlicher Staaten als Vorstandsmitglieder, Mitglieder des Aussichtsrats oder Geschäftsführer bestellt sind, haben soweit sie im Korpsbezirk des 18, Armeekorps ihren Sitz haben oder ihr Geschäft betreiben, binnen einer Woche nach Bekanntgabe dieser Verfügung dem Stellvertretenden Generalkommando des 18. Armeekorps in Frankfurt a. M., Untcrmainkai lg, ein Verzeichnis dieser Mitglieder bezw, Eefchäftssührcr ein- zureichcn. Die Nichtbefolgung dieser Anordnung unterliegt der Straf- vorschrist des 8 g Ziffer b des Eefetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851. Der kommandierende General: Freiherr v. E a l l , General der Infanterie. ES Vorsijjch u. KM-VettinMMrgMe») Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Unsere Kasse ist von heute ab wieder Bormittags von 9 bis 12 Uhr, Nachmittags von 2 bis 5 Uhr, Samstags nur von S bis 1 Uhr, offen. BoOlitz u. (Mftain MMerg (Hessen) Eigetragene Genossenschaft mit befchränlter Haftpflicht. Unser Zinsfuß für Spareinlagen wird ab 1. Januar 1915 auf 4°| 0 festgesetzt. Kare Einlagen werden zu höherem Zinsfuß gegen besondere Vereinbarung schon von jetzt ab entgegengenommen. ^"5 ß 1 liijjfn, Kragen uni) Kmatten zu den billigsten Preisen empfiehlt A. Steinbach Friedberg, Kaiserstr. 47. Samstag, den 31. Okt., abends 9 Uhr im Vereinslokal Wonntsnkrlllminliing. Wichtige Besprechungen. Alles erscheine. 8-S -Nlen Besuchern der (Selverbeschule empfehle ich mein großes Lager sämtlicher Lehrbücher n. Zeichenwaren, Reißzeuge, Reißbretter, Schienen, Winkel, Farben, Tuschen ufw. __Buchhandlung JFrScdr. Streekfnss, Friebberg. Fernsprecher Nr. 304.