Kummer 355 Freitag, den 30. Oktober 1014. 7. Jakrgang Die „Neue v ncoiritung" tildjeint >edcn SL'Ctliag. Regelmäßige BcUagcn „Der Kauer aus Krisen", „Dir Kp!»»ftul>e", Seiugaprei«: Bei den Poftanstalten viericl ayrilch Alk 1.'5 tti den Agenten monallich 50 Psg. Hinzu tritt Postgebühr -der Trägerlohn. An.rigen: Grund,eile 20 Psg., lokale 15 Psg, Anzeigen von auswärts werden durch Po Inzchnn er'»de» _Erfüllungsort Friedberg. SchriNleitnug und Verlag Friedberg (Hegen), Hanauerstraj,- 12. Fernsprecher «8. Postzcheck-Conto Nr. «85», Amt Franlsurt n. 2». Dir «TnvUti macht Ernst! Stcles Fortfchrcitcn in Flandern. — ('»•in Sieg bei Verdun. — 13500 russische Gefangene. — Türkische Kreuzer bombardieren russische Häfen. D Der deutsche Generalstab — meldet: _= WTB. Groszes Hauptquartier, 29. Lkt. vormittags. Unser Angriss südlich Nicuport gewinnt langsam Boden. Be! Uprcs steht der Kampf unverändert. Westlich rille niachten »nserc Truppe» gute Fortschritte. Mehrere besc stigte Stellungen des Feindes wurde,, genommen. 16 englische Offiziere und über 3ÜÜ Mann zu Gefangenen gemacht und 4 Geschütze erobert. Englische und französische Gegen- stütze wurden überall abgcwicsc». Eine vor der Kathedrale Von Reims anfgcsnhrene sran- zösische Batterie mit Artillcricbeobachter aus dem Turm der Kathedrale mutzte »unter Feuer genommen werden. Im Argonnenwald wurden die Feinde aus mehreren Schützengraben geworfen und einige Maschincugewchrc erbeutet. Südöstlich Verdun wurde ein heftiger srnnzösischer An- griff zurückgcschlagrn. Im Gegcuangriss stietzen »nserc Truppen bis in die seiudlichc Hauptstcllung durch, die sic in Besitz »ahmen- Die Franzosen erlitten starke Verluste. Auch östlich der Mosel wurden alle Unternehmungen! des Feindes, die a» sich ziemlich bedeutungslos waren, z» rüikgcwicscn. Aus dem nordöstlichen Kriegsschauplatz befinden sich »n- sere Truppe» im fortschreitende» Angrissc. Während der letzten 3 Wochen wurden hier 13,500 Russen zu Gesaugcncn gemacht, 30 Geschütze und 39 Maschinengewehre erbeutet. Aus dem südöstlichen Kriegsschauplatz haben sich die Verhältnisse seit gestern nicht geändert. Der österreichische Generalstab --------- —. meldet: ......... Wien, 29. Okt. (W. T. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird uerlnutfcart: 29. Okt., mittags: Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz fanden gestern keine gröberen Känipse statt. In den letzten Tagen wurden Versuche der Russen, gegen den Rann, von Tnrka vorzudringen, ersolgreich ab- geschlagen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: u. Hoser, Generalmajor. Zuversicht im Osten. Wien, 29. Okt. (W. T. B. Nichtamtlich.) Bei Besprechung des gestrigen, von deutscher und österreichisch 'ungarischer Seiic in gleichlautender Form ausgegcbencn Berichtes über die Neugruppierung der verbündeten Armee» in Russisch-Polen erinnern die Blatter an eine kürzlich«: Aeußcrung des Armcekommandanten Borocvie, der damals sagte, es handle sich gegenüber Rußland um eine einfache Rechnung. Bei der Ucbcrzahl der Bevölkerung Rutzlands hätten wir anfänglich im Verhältnis 1 zu 3 gekämpft. Jetzt sei das Verhältnis 1 zu 2. Es werde die Zeit kommen, wo einer gegen einen kämpft, und dann würden wir den endgültigen Sieg erringen, den das Volk erwarte. Bis dahnr wüßten unsere verbündeten Streitkrästc die russische Ilebec- macht aufhalten und schwächen. Im Sinne dieser Ausgabe ergäben sich, wie die „Reichspost" schreibi, Kriegslagen, in denen es geboten erscheine, der lebten Entscheidung auszu- weirlien und den abgebrochenen Kampf später unter günstigen Verhältnissen erneut aufzunehmcn. Zu solchen. Ent- schluß hätten sich die verbündeten Armeen angesichts des Aniiiikens überlegener russischer Kräfte aus Warschau, No- wogcorgicwsk und Jwangorod genötigt gesehen, und den nun aus dem nordöstlichen Kriegsschauplatz erfolgenden Bewegungen wohne kein anderer Charakter innc als beispielsweise der so zweckmäßigen, erfolgreichen Kon'eut .erung der deutschen Armeen in Frankreich. ZU dkn Kliulpikn (in |Jiffr=i)*rr=ßnünl. Die Dcu,scheu werben siegen. Berlin, 29. Okt. Dein „Bcrl. Lok.-Anz." wirb von seine,» Spezlalbcrichlerstattcr aus Roosendaal gemeldet: Ent was, nete belgische Soldaten, die an den Gezechten zwischen D i x m u i d e .! und Nicuport vom 23. bis 25. Oktober teilgenommen heben. schildern den u » b c z w i n g l i u, c n Vormarsch der beut schcn Soldaten in beredten Worte». Als ich einen der durch Entbehrungen gänzlich herabgckommciien Bursche» sragle. ob die Verluste der anrüücntcn deutsche» Truppe» die den Ucbcrgan.g des Vsirlanals erzwange», bedeutend ge wesen seien, erklärte er rundweg: Die Teuselskcrle treiben uns mit ihren Kanonen so gründlich zurück, daß sie wenig Leute zu opjern brauchen. Bel uns ist cs leider bas Gegenteil. 1l»s jagt man blindlings in die Schlacht hinein. Viele Meiner Kameraden sagten: „Unsere Offiziere verstehen nichts. Wären wir unter deutscher Führung, so tonnten wir das Geschäft cbensa gut wie die da drüben." Wie in früheren Ecscchtcn litten auch diesmal die Belgier unter den unwiderstehlichen deutsche» Nachlangrisfen. „Es ist unbegrcislich", ruit einer der Enlwasfneten aus, „wie die Deutschen imstande s nd. sich dis aus ganz lurze Distanz an zu nähern, ohne bah man sic bemerkt. Ihre Ausnutzung der Oertlichkcit ist subclhast und wird van unseren Offizieren bewundert. Das bringen weder Franzosen noch Engländer zustande. Die deutschen Bataillone haben einen eisernen Schritt. Das klingt, als kämen gerade zweimal soviel anmarschiert. Unter den enlsloheucn Belgier» gibt cs nur eine Meinung: Die Deutschen werden siege n". Die Berichte über den Zustand m der französischen Region, die am Vorabend der deutschen Besetzung steht, sind für die Verbündeten sehr ungünstig. Geflüchtete Einwohner des Städtchens Bergucs erzählten den Belgiern, datz cs an der nördlichen Front an Soldaien fehle. Die frischen englischen Soldaten seien so schlecht ausgebildet, dast man sie nur in geringer Aneahl ins Gefecht schicken lann. Die Artillerie werde nur von Franzosen bedient. Das Durcheinander sei unbeschreiblich. Nichts gehe in Ordnung vor sich. Dixmuidc» genommen. Nach Berichten holländischer Blätter, die aber bis jetzt von deutscher Seite noch nicht bestätigt sind, ist Dirmuidcn von den Dcuischcn genommen worden. Auch englische Blätter berichten so: Einer Depesche der „Times" zufolge gelang es am Samstag abend 3000 Deutschen in Dirmuidcn einzurücken. Sic hielten de» Ort eine Zeit lang besetzt, dann soll EcschUtzfeucr sic wieder aus den Häusern vcririedcn baden. Der Berichierstaitcr schweigt aber darüber, ob die Ber- biindetcn dann wiederum in Dirmuidcn cingezogen sind. Wahrscheinlich soll man aus seinem Bericht schlichen, dah das zerstörte Dirmuiden nunmehr in der Mitte zwischen den beiderseitigen Linien liegt. Dagegen behauptet das Pariser „Journal", dah tic Perbündclen die Deutschen -n Dirmuiden ln eine Falle gelockt und späler den Ort wiederum besetzt hätten. Einem von dem Berichterstatter des Amsterdamer „Tvd" verzcichnclcn Gerücht zufolge, stnd die gewaltig starken Schanzen de, Franzosen und Engländer bei Dixmuiden am Dienstag nachmittag genommen worden. In dem zerstörten Städtchen machten die Franzosen 2W) Kriegsgefangene. Brr BornrJfl) dttOcüerreicherinderSnkinma. Budapest, 29. Olt. Die österreichischen Truppe», die in den lrtzicn Tagen Verstärkungen aus Ungarn erhalten haben, heben die Ruhen aus Ser ei h ocriricbcii, ferner aus Franken s t a l und Fcrctzany. In den letzten Tagen haben auch Streiturahen des ungarischen Landsturms die Ruhen an- gcarisjcn, woraus sich diese aus mehreren Orischastcn der Buko- tviiia zurückzichen muhten, die dann sofort von den Ocstcrre,- ch.-rn besetzt wurden. Tie gänzliche Räumung der Bukowina ist nur noch eine Frage weniger Tage Belgische Niederlage in Afrika. Rom, 29, L!t, Die „Stampa" meldet aus Paris: Gin in Haara einaelaujenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga bcjagt. dah die d-lgkfchcn Truppen unter *cm Kommando des Gcnerallommissärs Henry in einem Gefecht bei Kissen si NM Kiwusce durch die Deutschen eine vollständige Niederlage erlitten. Kissenzi liegt hart an der Grenze ans deutschem Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unicr Schutzgebiet einzudringe» ocrsucht. Durch die Wachsamkeit unserer Schutziruppe ist bei Einfall siegreich zurückgc- lvicsei, worden. Ein Zeppelin über Paris. Stockholm, 29, Okt. Eoetcborgs „Astcnbladct" meid-.» aus Paris: An, Mittwoch erschien über Paris ein „Z c p p c l i »". Es wurden sechs Bomben herabgeworsen. von denen drei größeren Schaden aurichtcicn. Acht Peksonen wurden gelötet und eine beträchtliche Anzahl wurde verletzt. Frau- zösischc Flieger versuchten das Lufischiss anzugrcifen. cs entlam jedoch in de» Wolle». Ans Kamerun. Berlin, 29. Okt. Die „Boss. Ztg." meldet aus R »IN Londoner Meldungen zufolge habe» die Franzose» in den Kämpfen mit den Deutschen in Kamerun vom 23. Auguit bis 19. Oktober allein zehn Offiziere verloren. Nene Sorgen Englands. London, 29. Okt. Das Rcukersche Bureau meldet. Der Dampser „Manchester" (mit 5333 Tonnen Gehalt) stich ui der Nähe der Nordküstc von Irland a>'s eine Mine und sank. Der Kapitän mit 13 Mann ertranken, 30 wurden durch Schlepper gcrellet. Kopenhagen, 2g. Okl. kW. B. Nichtamtlich). „Sinti» »al Tidenoe" meldet aus London: Der Untergang des Dampfers „Manchester Gammcrcial", der a» der Nordkiiiie Irlands aus eine Mine stieh, erregt hier ungeheures Aufsehen und vcranlaht viele Betrachtungen, wie cs den Deutschen möglich gewesen sei, dort eine Minenlegung wrzunchmen. Man glaubt, dah ein deutsches Handelsschiff unter neutraler Flagge Minen gelegt habe, da man cs für unmöglich hält, dah ein deutsches Unterseeboot uncnldeckt soweit Vordringen könnte. Ms geht iu der (Tiirlm vor? Wenn früher von der Türkei als von dem „kranken Mann" gesprochen worden ist, so muß man heute zugeben, daß die Krankheit gewichen ist und das osmauische Reich in voller Gesundheit dastcht. In richtiger Würdigung der Umstände schcn die Machthaber am Bosporus ein, daß jetzt oder nie der Augenblick gckonimcu ist, wo sic sich für die jahrhundertelange durch Rußland und England erlittene Unbill rächen und ihrcni Staatswescn wieder eine achtunggebietende Stellung verschaffen können. Zunächst lv.ir lS schon recht deutlich auffallend, daß die Türken den Mächten des Dreiverbandes klipp und klar zn verstehen gaben, dal sie die Herren im eigenen Hause seien. Sie haben die Dar danclleu gesperrt, sic haben die sogen. Kapitulationen aus gehoben, sic haben die deutschen Jnstruktionsoffiziere be- halten und auf englischen Vorhalt freiinütig erklärt, daß das eigene Angelegenheit des Empfängers lei. Ganz abgesehen von ntf diesem ist die ösfcntliche Meinung in der Türkei ganz ossen gegen den Dreiverband. Es scheint aber, als ob cs nicht nur bei Stimmungen bleiben würde und die letzten Nachrichten deuten darauf hin, daß die Türkei losznschlagen beginnt. Schon seit geraumer Zeit machen sich verdächtige Bewegungen der riissish'n Schwarzcn-Meer-Flottc, die unter dem Beseht des englischen Schurken steht, der s. Zt. die türkische Flotte rcorganisi " > tollte, bemerkbar. Ohne Zweifel richteten sich diese Manöver gegen die Türkei, die nun, wie cs scheint, noch dem Grundsatz vorgeht, daß die beste Abwehr der Hieb ist und ihrerseits den Angriff gegen russische Häsen begonnen hat. Es liegen folgende Nachrichten vor: Türkische Rüslunge». Stockholm, 29. Okt. DB hiesige türkische Generalkonsulat macht durch die Presse bekannt, daß aus Konstantinopel neue Gesiellung--hcsiimm- vngen eingctroffen sind. Sämtliche türkische Wehrpflichtigen in Schweden haben sich unverzüglich nach Stockholm zn begeben, wo ihnen der Inhalt des die Generalniobilisation betreffenden Erlasses niitgctcilt ivird. Die türkische Flotte im Schwarzen Meer. Konstantin o p e k, 29. Okk. Die ganze türkische Flotte ist gestern ins Schwarze Meer ausgelaufen. Türkische Kreuzer bombardieren russische Häfen. Pctersbnrg, 29. ttt. (Nichtamtlich.) Die Petersburger Telegraphenagentu« meldet: Zwischen 9 l \z und 10 bcschof; ein türkischer Kreuzer mit :! Schornsteinen Bahnhof und Stadt Thcodosra, beschädigte die Kathedrale, die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole. Crn Soldat wurde getötet. Tie Filia'e der russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand. Um halb 11 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten. Bor Nowo- Mr. 255 Seite 2. ossigk kan, vcr türkische Kreuzer Hamidie in. (ch ziehen wird. Tie Rebellen haben ihren Augenblick gut rewählt. Das südafrikanische Expeditionsheer ist gegen Tentsch-Südwestasrika beschiiftigt. Tic Kaiserlichen Truppen, die in der Kolonie vor dem Krieg in Garnison waren, vurde» für den Dienst in Europa verwandt und sie haben löchstwahrjchcinlich schon das Land verlassen. Die „Times" schreibt mit sichtlichem Unbehagen über lcncral Hertzog. daß er sich wahrscheinlich mit mehr oder u niger akademischen, Widerstand begnügen werde. Es ist > der Tat anzunebmen, daß die Hoffnung, die Unabhängigst der Burenrcpublikcn wieder hcrzustcllen, einen mäch- ficn Antrieb dafür bildet, die Massen mit sich fortzurcißen. 7or „Daily Telegraph" schreibt: „Das Schlimmste bei einer 'siben Vcrrüterei ist es, daß Beyers und de Wet sich natür- an die unwissendsten und voreingenommensten Mitglie- r der Burenrepnblikcn wenden und den tieserliegenden cssnnngen und Wünschen der Unzufriedenen und rück- ändigen Geister schmeicheln." Ter „Daily Telegraph" :at, das; er keineswegs die Wichtigkeit der Vorgänge zu rklcinern geneigt sei. Ei» Ausruf des Oberst Maritz. London, 29. Okt. W. B. Nichtamtlich.) Aus Kapstadt wird gemeldet: Oberst Maritz ließ den folgenden, am 1l>. Oktober in Windhuk er- fflenen Ausruf des. Gouverneurs von Teutich-Südwest- lrita. Dr. Seid, unter den holländischen Südafrikanern erbreiten: Nachüeu, englische Truppen Romansdrist eingenommen :nd damit die deutsche Grenze verletzt und somit den Krieg on Europa nach Afrika hinübergetragen haben, erkläre ich achdrücklich, daß die Deutschen keinen Krieg gegen die hol- n di scheu LÜdairikaner führen. Dagegen werden wir alle Maßregeln ergreifen, um ans allen Punkten die Angriffe er Engländer aozuschlagen. Wir werden den Krieg aus- chließlich und bis zum äußersten gegen England und di: ngländer führen. Englische Lügen. Tie Engländer verbreiten die Nach- acht, daß Botlia di« Bure» unter Beyer geschlagen und 80 .cfauaene gemacht habe. Tie Lüge geht schon daraus her- aor, das; die Engländer nur dabei einen Verwundeten 'rhabt batten. 2o ift's recht! 3: c r l i » , 29. Olt. Die heute eingctrosseue Nummer der .Japan-Pos,- oom 12. September berichtet aus der japanischen Ociruug „Asahin", daß der Privatsclretär des Ministers des iteußeru, Hoslnoa. dem scheidende» deutsche» Botschafter Grasen .'Rex an Bord der „Minnesota" in der höflichsten Weise habe Lebewohl jage» wollen, daß aber der Botschafter ihm nicht nur Neu« Tageszeitung. Freitag, den 30. Oktober 1914 für diese Höflichkeit nicht gedankt, sondern ihn nicht einmal eines Wortes gewürdigt habe. Wenn dem so gewesen ist, so wird das Verhalten des Botschafters die vollste Billigung aller Deutschen finden. Das 42etni. Geschütz. Berlin, 29. Okt. sW. B. Nichtamtlich). Ueber das deutsche g2-Ze»tin:ctcr-Belagerungsgeschütz werden fortgesetzr allerer Gerüchte verbreitet. Während von einigen Seiten die Existenz dieses Geschützes überhaupt in Frage gestellt worden ist, sind andererseits Beschreibungen, Zahlencmgaben und Abbildungen veröffentlicht worden, die sich daraus beziehen sollen. Das eine ist ebenso falsch wie das andere. Nachdem vom Große» Gcneralstab unter Nennung dieses Geschützes Photographien und damit die gegen die Lütticher Forts erreichte Wirkung vcr- öficntlicht worden sind, steht sein Vorhandensein außer Zweifel. Abbildungen und irgendwelche sonstige Angaben über dieses Geschütz sind jedoch nicht bekannt gegeben worden. Alles darüber Veröffentlichte beruht nur auf Vermutungen, die einer verläßlichen Grundlage entbehren und durchweg ganz irrig sind. Das !(rtfil im fjodiumntripiwO. Wie», 29. Okt. (W. B. Nichtamtlich). Bei der Besprechung des Hochverratsprozcstes in Sarajewo betonen dis Blätter, daß der Prozeß unwiderleglich den Beweis dafür erbracht habe, daß der ruchlose Anschlag gegen den österreichisch- ungarischen Thronfolger von Serbien ausgegangen sei. Die Protokolle des Prozeßes bildeten ein Dokument fiir die Teilnahme der höchsten serbischen Kreise an dem Attentat. Der Sarajewocr Prozeß habe bestätigt, was die österreichisch-ungarische Negierung in ihrer Denkschrift, in der sic ihre Forderungen an Scibicn begründete, ausgeführt hat. Der König von Serbien hat die Erfüllung der Forderungen ncrwcigert, weil er wußte, daß der Zar seine schützende Hand über ihn galten werde. Mit Rußland warfen sich Frankreich »nd England zu Schutzherren dieser Mördcrbande ans und beschworen dadurch das Unglück des entsetzlichen Krieges über die Welt. Das Gericht ,n Sarajewo führte Princip und Genossen der gerechten Strafe zu, das Weltgericht werde ein vernichtendes Urteil über die Staaten sprechen, die es vorzogen, sich selbst in den Krieg zu stürzen, anstatt, daß Serbien gezwungen wurde, aus weitere Großtaten wie die Ermordung des Königs Alexander und des Erzherzog-Thronfolgers zu verzichten. Umgelernt. Der frühere sozialdemokratische badische Landtagsabgc- ordnete Fendrich veröffentlichte in der Zeitschrift „Der Krieg" einen Artikel über die deutsche Mobilmachung, worin es u. a. heißt: „Unsere Kinder und Kindeskinder werden noch davon erzählen, wie sich der angeblich seelenlose Mechanismus unserer Militärgewalt nur als ein Stück jener heiligen Ordnung erwiesen hat, die Friedrich Schiller eine Hiin- inelstochter nennt. Die Gewalt allein tut's nicht, aber ohne sie gibt es keine Siege. Tie Ordnung allein tut's auch nicht, aber ohne sie ist alles verloren . . . Und noch eins macht die Zurllckbleibcnden froh und leicht. Jetzt sah man auf den Straßen, wo die Millionen und Milliarden hingekommen waren, die Jahr um Jahr durch die Militärvorlagen der Regierung gefordert wurden. Hier ging unser Fleisch und Blut, gut gekleidet, gut gestiefelt, gut gerüstet. Und auch die, welche gegen den immer unzufriedenen Militarismus manches scharfe Wort hatten fallen lassen, danken jetzt heimlich Gott, daß in; Reichstage auch gegen ihren Willen alles angenommen worden war. Denn wo wären wir sonst jetzt?" Herr Fendrirh dürste nicht der einzige Sozialdenivkrat sein, der in dieser Weise «mgelerut hat. Gin fürstlicher .Held. Der 22jährigc Prinz Wolrad-Fricdrich zu Waldeck und Pyrmont, der bei den Kämpfen aus ftanzöstschcm Boden tapfer und schneidig wie selten einer mitgefechten, dreimal dem Tode glücklich entronnen war, wurde Vas vierte Mal »on einer feindlichen Kugel durchbohrt. Lautlos sank er tot vom Pferde. Die Leiche des Helden wurde unter mancherlei Fährnissen vom Schlachtfeld nach Arolsen überführt und im unteren Saale des Reuen Schlosses zwrschen Blumen nnd zahlreichen Kränzen ausgebahrt. Vorgestern um ll Uhr fand in Anwesenheit der Für- st:n-W>twc zu Waldeck, der regierenden Fürstin zu Waldeck. der Fürstin zu Erbach-Schönberg, der Spitzen der Militär- und Zi- vltbehörden sowie einer zahlreichen Traucrgemeinde die Trauer- scicr statt. Der Fürst zu Waldeck, der Stiefbruder des toten Heide», der auf dem östlichen Kriegsschauplatz weilt, hatt: sich durch den Erbprinzen bei der Feier vertreten lasten. Hcfpre- digcr v. Haller hielt die Gedächtnisrede. Als der Sarg aus den Leichenwagen überführt wurde, gab die aus dem Cchloßhof »nfgestclitc Ehrenlvmpagnic des Jn-anlrrie Acaimcms Nr. .-<2., in deren Reihe» sich sechs Ritter des Eisernen Kreuzes, die Lüttich mitcrobert. befanden, drei Ehrensalven ab. Unter dem Geläut« der Glocken setzt« sich sodann der Trauc-niv durch die Straßen der Stadt, nach der Slodt Rhoden in Bewegung, >.w die feierliche Beisetzung der Leiche des Prinzen iv dem iürst- lichcn Erbbegräbnis erfolgte uns zwar an der Serie seines verstorbenen Vaters, des Fürsten Georg Viktor zu Waldcck nnd Pyrmont. Wik kin Amerikaner non Frankreich uns nririlt. Zn der „Köln. Ztg." besindet sich ein recht interestantcs Urieil eines Amerikaner, der als Tellhaber einer Firma viele Jahre in Paris ansässig war. Der Amerikaner hatte eitlen Teil seiner Erziehung in Deutschland genossen und ist mit einer Eagläirderin verheiratet. Vorurteile sind ihm also fremd. Er schreibt aus der Schweiz: Ich weiß nichr recht, wie die Zustände in Deustchland sind, denn die Preste sagt nichts Genaues. Aber in Frankreich waren schon seit langer Zeit die Verhältnisse so schlecht, daß man ohne große Verluste keine Aktien und Obligationen verkaufen kannte. Das Geschäft stockte natürlich ganz. Wie Sie jedenfalls misten, wurde in Frankreich sofort ein Moratorium erklärt, wovon unsere Kunden sowie auch hautpsächlich die Großbanken reichlich Gebrauch machten. Unter diesen Umstanden habe ich unsere Bureaus geschlosten. Es scheint, daß alle Kontrakte zwischen Deutschen »nd Franzosen laut kürzlichcm sranzäsychen Gesetz ungültig nnd gegen di« öffentliche Ordnung erklärt wurden. Darüber laßt sich reden, da ich Amerikaner bin. Was die Zukunft uns bringen mag, wissen die Götter! Rach dem Krieg wird man in Frankreich erst reckt nichts von Deutschland wißen wollen. Es ist wirklich ei» Jammer. Ich bin natürlich sehr traurig über all die Ereignisse. Die rnwr- naiionalen Familien leiden moralisch doppelt. Ich bedanre die armen Franzosen wirklich, denn sie sind ewig blind. England versucht ein gutes Geschäft zu machen, um Belgien z» retten! Und Rußland und Japan und last but not least Serbien kä-np. sc» sur Kultur und Freiheit! Schade, daß die U. S die Gelegenheit verpaßen, bitteres Unrecht! Italien wiegt die Chancen ab, vielleicht kommt cs doch noch zur Besinnung, Von der Schlacht bei Tannenberg hörten wir erst hie: in Genf, und auch noch sonst viel schöne Sachen, welche man in Baris natürlich ganz verschwieg. Es hieß, daß Königsberg umzingelt und abgeschnitten sei und die Kosaken »ur nock einige Taxesniärschc von Berlin seien, wo Reoolution ausgebrochen sei usw. Alle deutsch lautenden Geschäfte wurden in Par-Z zerstört, darunter vom Pöbel auch schweizerische und sogar englische Häuser. Der Pöbel hauste so, daß alle Ladeninhaber von der Mairie abgesicmpcltc Schilder „Maison Francailc" auf blau- rvciß-rotcm Grund ins Schaufenster hingen. Allerdings dauerte dieses Treibe» nur die ersten zwei bis drei Tage: bann wurde Standrccht erklärt, und die Militärgewalt hatte die Oberhand, Sonst ging die Mobilisation rnhig und mit Begeisteruna vor sich. Alle Leute glaubten, daß die Franzosen in sechs Wocken in Berlin sein würden. Als ich bekannten Herren meine Bedenken darüber aussprach, wurde ich angeschnen. Nicht ganz fünf Wochen später waren deutsche Vorposten 9 Km, vom Pariser Festungsgürtel. Was mir die armen, größtenteils gutmütigen Franzosen leid trin, brauche ich Ihnen wohl kaum zu sagen! Es ist wirklich nur die politische, Militär- und Advokaten- und Zeitungs- c!iquc, die, was Frankreich anbelongt, den Krieg verschuldet. Auch Frnanzkreise! Die englische Regierung hat durch ihre Presse geschickt gearbeitet. Jeder Engländer ist absolut überzeugt, daß England für die Freiheitssache lämpst nnd als Lohn Dcutschlands Handelsbeziehungen erhält. Man war eben zu neidisch aus Deutschland, unl^Neid erzeugt bekanntlich säst immer Feindschaft. Deutschlands rissiges Aufblühen ärgerte England, es entstand Angst um die eigene Zukunft, und nun oerju- chcu die Neider sich den „bösen Konkurrenten" für lange Zeit iiora Halse zu schassen. Ich bin auch über Englands schmähliches Verhalte» empört untz habe manchem Briten hier meine Meinung gesagt, aber cs nützt nichts! Im Hotel . . . hier waren auch Amerikaner kleine Deutsch Amerikaner), die längere Zeit in Dresden gelebt hatten. Na, den Streit mit Engländern hätten Sie hören sollen, es hätte Ihnen ein Riesenvergnügon gemacht, Individuell genommen, gibt es unter den Briten siele liebe, feine Menschen, wie überall, aber als Nation sind sie einfach unausstehlich! So viel für heure. Bald ».ehr, Verhauen Sie inzwischen Ihre Feinde von allen Seiten! Gin Notschrei! Do» hoher, höchster und allerhöchster Seite wird aiffge» sordert, die wackeren Truppen draußen im Felde nicht zu vergessen nnd eingedenk zn sein, wie sie inr Schlachtgcbraus, im Sturm und Wetter für uns ihr Leben cinsctzen. Mit einer beispiellos dastehenden Opferwilligkeit ist das deutsche Volk diesem Riffe gefolgt und die Liebesgaben, in Gestalt von Nahrnngs- und Genußmittel und von Kleidern »nd Ausrüstungsstücken stießen in Strömen nach dem Schlachtfeld. Ein Jeder sucht nach Kräften seinen im Feld stehenden Lieben alles gute zu spenden und wo die Angehörigen fehlen oder dazu außerstande sind, da Helsen Wohltätigkeitsvereine, dainit auch diese Wackeren nicht zn kurz kommen. Aber ein Notschrei dringt ans a l l c,r Munde: Was hilft es, daß wir spenden, wenn die Pakete n i ch t n n k o m m c n! Wir wollen hier nicht den so oft gehörten Vorwurf gegen die Feldpost wieder- holen, wir wissen, was sie für ein: ungeheuere Arbeit zu bewältigen hat. Wir möchten auch bezweifeln, daß sie allein die Schuld daran trägt, wenn unseren Angehörigen im Felde die Sendungen nicht ausgchändigt werden. Wir wollen uns nur mit der Tatsache beschäftigen, daß eine große Anzahl Uon re» Bestimmungsort nicht erreichen. Es handelt sic , Werte, die in die hnnderttau- sendc gehe,. denen man nicht einfach mit den Worten komniei > Das ist der Krieg! wenn sie verloren gehen. So wird uns ans Niederflorstadt nfftgeteilt. daß durch den hiesigen Auto-Liebesgabentransport am 10 . S:pt. bei Sedan ein Paket an einen gar nicht weit davon stehenden Soldaten abgegeben wurde. Es wurde als nicht statthast angesehen, daß Truppenteile, die sich in die Gegend begaben, wo der Betreffende lag, die Sendung mitnehmen dursten, sie mußte durch die Etappc-nstntion gehen nnd ist bis heute noch nicht in di-- Hände des Einpfäng- e r s g c k o in in e n. Ani 27. ging wieder eine Sendung ab, ohne Erfolg und der Sehn schreibt ständig: Wa- 11 : »i j eh i cf t ihr nichts! Der Vorsteher eines hiesigen EieditiustitutS klagte uns gestern, daß auch er am 18. Sept. ein Paket nbgcschickr habe, es ward nicht mehr gesehen. Aus Vilbel schreibt man »ns: Sic malmen in ihrein geschätzten Blatt stets, der Truppen nn Felde zu gedenken nnd ihnen Liebesgaben zukomnieii zu lassen. Ja, das wäre schon recht wi»n üe auch nur ankämen inid verteilt würden. So wurde »>. nt Seife S. mit gestern von einer Verwandten gellagt, deren Mann seit dt ni 3. Oktober in Orainville im Quartier liegt, daß sie am 23. Sept. und am 26. Sept. je ein Paket mit warmen llnter- lleidern fortgeschickt habe und am 16. Oktober, bei Abgang des Briefes, nichts angekomnien war. Ter Mann habe schon inzwischen wiederholt um die Sachen gebeten. Ich habe mich gestern sofort für meine Verwandten an das hie- sige Postamt gewandt und bat uni Ansklärung, was zu ge- schehen sei, damit die Sache» bestellt würden, es wurde mir aber leider die Antwort, daß nichts zu machen sei. Einer anderen Verwandten, deren Mann als Landwehrmann bei den 168ern dient, geht es gerade so: sie hat n»a mehrere Votete init Unterkleider fortgeschickt und sortv ährend bittet ihr Mann um dieselben. In 8 a u e r b a c. Fried- ber g sagt uns die Frau eines Maurermeister.■ -e schon eine größere Anzahl Pakete abgeschickt habe, .rmlich zu den „Briefen die ihn nicht erreichten" zählte. Ans Fauerbach v. d. H. wird »nS geschrieben: Man hört überall von den Leuten im Felde, die Angehörige draußen haben, daß die Pakete nicht a n k o in m e n. Denn sie später ankoinnien, da läßt sich halt nichts machen, daß aber die meisten, ja daß fast alle großen Pakete, in Gewicht von 10 Pfd., die warme Kleider und Dauer-Eß- waren enthalten, nicht ankoinnien, das verleidet schließlich die Freude am Geben. Auch ich habe schon zwei Pakete fortgeschickt und mein Bruder hat nichts erhalten, dazu ist er noch in der Munitionskolonne, wo man doch denken sollte, daß da eher etwas hinkommen könnte als in der Schützenlinie. Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt, mein Bruder ist weiter der Kälte und dem Regen ausgesetzt, trotzdein wir Fürsorge getroffen und die Pakete abgeschickt haben. Aus B n r g - G r ä f e n r o d e geht ulis folgende Klage zu: Ich weiß nicht, was ich anfangen soll. Meine zwei braven Sehne sind auch im Krieg,sie streiten gern fürs Vaterland und wir unterstützen sie gern. Wir haben schon viel ge- ichickt, aber sie bekommen nichts. Hose und Weste von Leder für beinahe hundert Mark, nichts erhalten! Wir haben es sogar selbst nach Tarmstadt nn's Etappenkommando ge- biaiat. Es hat nichts gelwlfen! Der eine Sohn schreibt: Ich habe euch doch schon dreimal geschrieben, schickt mir doch ein Paket. Auch sonst hört man hier allgemein, daß schon fiit 5—6 Wochen Pakete ins Feld geschickt worden 'eien, ohne daß sie angekomnien sind. Es ist schon alles schlinim genug in dieser schweren Zeit und nun kommen auch noch diese Sorgen. Das sind Zuschriften aus den letzten beiden Tagen. Sie reden fürwahr eine ergreifende Sprache. Darin n-uß Wandel geschaffen werden, koste es was es wolle! Das ganze Liebeswerk leidet not, wenn die Spender nicht die Gewißheit haben, daß die Gaben in die dafür bestiuimte Hände konuuen. Wir verkennen nicht die Schwierigkeiten, die sich auftt'irnien, wir geben zu, daß es n it in ö g l i ch ist, die Sendungen p ü n k t l i ch an die Front gelangen zu lassen: aber die Sicherheit muß doch zum mindesten bestehen, daß sie überhaupt a n k o in m e n, wenn nicht höhere Gewalt, in Feindeshandfallen oder Ver- nichtimg durch Feuer ujw. in Betracht käme. Ganz abgesehen von dem Wert kommt auch die moralische Einbuße in Betracht. Man muß sich in die Lage der armen Kerle denken, die für uns leiden und dabei das Gefühl haben, sie seien so ganz von der Heimat vergessen, weil sie annehmen müssen, daß ihre Bitten uni Gaben ungehöct verbalten. Wir richte» a» Ihre König!. Hoheit, die Großherzogin, die sich ja in so herzerhebender Weise um das Wohl unserer Krieger draußen in» Felde bemüht, die dringende Bitte, ihr Augenmerk ans diese Mißstände richten zu wollen. Die behe Frau kan» versichert sein, daß sie des herzlichsten Danke? vieler Tausender wackerer Soldaten und deren Angehöriger sicher ist, wenn sie in dieser Beziehung nur einiger- niaßen Besserung erzielen könnte. Dcr Kartoffelkrieg iu.Hesierr. Sicherem Vernehmen nach bleibt es nicht bei den kreisrät- Ilchen Versügungen über die Höchstpreise von Kartos- lei", die in völliger Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse erlassen worden sind. Es findet in den nächsten Tagen eine Regelung statt und zwar soll ein einheitlicher Preis für ganz Hessen sesigesetzt werde». Dabei soll auch die Frage der Ueörrgangsbestunmungen, die jetzt gänzlich fehlen, geordnet werden Wir sind damit gnz und gar einverstanden. Wir Laben nichts gegen die Preisfestsetzung: nur muß man die Frage einheitlich regeln und dabei die Kirche im Dorf lasten. Wie weit die Weltentsremdnng in dieser Frage geht, ist daraus zu ersehen, Latz man allen Ernstes vorhatte, für Hetzen ei» Ausfuhrverbot vou Kattoffel» zu erlassen. Dabei ist die ^ tterau fast ganz LU, den Absatz nach Frankfurt und das südliche Rheinhessen aus Mannheim angewiesen. Darmstadt ohne Kartoffeln, das ist das neueste Ergebnis der treisrätlichen Verfügungen. Sogar in den Ealthäu- jein macht sich der Mangel in Kartoffeln im höchsten Grade liiblbar. Auf Le» Wvchenmärkte» werden absolut keine Kar s.sselir angesahren. Aus Worms wird uns geschrieben: Sie haben recht, wen» tie von dem Kartossel-Wirrwar reden. Hier waren Land- ivirte im Zweifel, ob sie Kartoffeln zu höhere» Preisen, als festgesetzt, nach Mannheim liefern könnten. Auf eine diesbezügliche Anfrage bei zuständiger Behörde wurde ihnen der Bescheid, sie möchten sich darüber bei einem Rechtsanwalt Rat holen. Also die Behörde weiß keinen Bescheid über eine Ver- sügung. die sie selbst erlasten hat. Wie dee Friedbeezer Höchstpreis zustande kam. Am Freitag sand hier eine Besprechung über den Höchstpreis statt, an der oerjchiedene Vertreter teilnahinen. Der Bertreter der Han d»l»kammer machte in einsichtiger Weife Bedenken dagegen aek- «eue Tatzesaz eitng. Freit»,. den 30. Oktober 1914. tcnb, für einen kleinen Bezirk solche Bestimmungen zu erlasten. Es wurde zunächst kein Beschluß gefaßt. Am anderen Tage soll Bürgermeister Stahl, ein genauer Kenner landwirtschalticher Verhöltniste, in Begleitung des Landtagsabgeordnete» Vusold beim Kreisamt vorgesprochen haben und dann erfolgte die Verfügung Ans der Heimat. * Friedberg, ::g. Okt. Das Central-Theaier gibt hierdurch bekannt, daß man mit dem Spielplan erst am Samstag, den 31. Oktober beginnen kann. Die Kriegssonder-Ausgabe kann durch die jetzt immer noch verspätete Zugverbindung erst am Samstag stier eintresien. Spiel plan: Camstng, den 31. Oktober, ab 4 Uhr nachmittags. Sonntag, den 1. November ab 3 Uhr nachmittags. Montag, den 2. November ab X8 Uhr Abends. Die Direktion. * Friedberg, 30. Okt. Mit Rinksicht auf den Stand der Feldarbeit ist der Schulbeginn der landwirifchastlichen Winterschule auf Montag, den 16. November, vormittags 10 Uhr, verschoben worden. Ob der Unterricht am genannten Tage überhaupt beginnen kann, ist noch sehr zweijelhast, da die Schul- räumlichkeiten zur Zeit als Militärlazareit- dienen und die Schülcranmeldungen noch sehr gering sind. Wer die Schule besuchen will, inöge sich sofort bei der Direktion inelden, die zu jeder weitere» Austunst gern bereit ist, * Friedberg, 30. Okt, flurnverkin Friedberg.) Wir machen unsere Mitglieder ans die am Sa instag abend stattfindende MonatSversaniinliing anfnierksani. Ilm oll- seitiges Erscheinen wird gebeten. * Aus der Wetterau. (Beiträge zur Ortskran ken- kaffe) Von berufener Seite wird »ns geschrieben: Man hört vielerorts Klage» über die Höhe der Beiträge zur Ortskranlen- kuise. hauptsächlich aber sind es die Landwirte, die am meisten llagen, deshalb diene folgendes zur Ausklärung: Der neue Vorstand der Ottslrankenkasse hat bis jetzt nur zu seiner Konstituierung getagt, bei der zweiten Sitzung hat er den wichtigen Beschluß gefaßt, in Anbetracht der Verhältnisse, die Mehrleistungen abzuschaffen Wenn nun trotzdem die Beiträge unlängst erhöht werden mußten, so geschah dies durch den Reichstagsbeschluß in der denkwürdigen Sitzung vom 4. August 1914. Ilm die Leistungsfähigkeit der Krankenkassen zu schützen, wurde durch das Gesetz, die Leistungen sämtlicher Krankenkassen aus Regel- leiswngen und die Beiträge allgemein auf 4y„ Prozent festgesetzt, lieber 4’A Prozent darf indessen keine Kaste hinausgehen, selbst wenn diese Beiträge zur Deckung der Regelleiktungen und der Verwaltungskoften nicht ausreichen, Zn diesem Falle tritt bei Oriskrankenkasten die Zuschußpflicht der Gemeindeverbände ein. Die Festsetzung des Beitrages ist also durch den Reichstag erfolgt, das mögen sich alle merken, die nörgeln und Beschuldigungen erheben, ohne die kKerhaltnisse zu kennen. Daß viele Landwirte freiwillig einen hohen Beitrag bezahlen, indem sie auch nach den gesetzlichen Anteil, der auf ihre Arbeiter entfällt, mit iibernehmen, ist ihre eigene Schuld. Daß der gesamte Beitrag in diesem Falle ein recht hoher sein kann, ist zweisellos richtig. Unlängst klagte mir ein Landwirt über die hohe» Beiträge, die er zur Krankenkasse zu leisten habe, sie seien lald nicht mehr aufzubringen. Für seine Knechte, den Schweizee, Tcglöhner und Dreschmaschinenarbeiier zahle er den auf ihn entfallende» gesetzlichen Anteil, der jährlich die Höhe von 80 bis 90 ,8 erreiche, aber für seine fünf Mädchen müsse er — wie es nun einmal üblich sei — den ganzen Beitrag zur Kranken- und Invalidenversicherung sür ungefähr 30 Wochen »:,t rund 161 .8 zahlen. Dies ergebe zusammen eine jährliche Summe von ungefähr 260 . 8 , eine recht drückende u. harte Re- bensieuer. — Die Angaben über die Höhe der Beifüge sind richtig, aber unrichtig ist, daß die Belastung von rund 250 M eine Folge der sozialen Gesetzgebung ist, sagt doch das Gesetz ausdrücklich, % des Krankeiikassenbeitrages u. die Hälfte des Invalidenbeittages hat der Arbeitnehmer, dem doch bei Krankheit usw,, die ganze Wohltat des sozialen Gesetzes zufällt, zu trage». Warum sind die Landwirte so töricht und zahlen den ganzen Beitrag sür ihre Feldmädchen, der pro Saison auf ei» Mädchen entfallende Anteil macht 17—18 M aus, also bei fünf Mädchen die Summe von 90 .it. Würde obiger Landwirt nur seinen gesetzlichen Anteil trage», dann hätte er nicht 250 ,8, sondern nur ungesähr 160 „8 Beiträge zu leisten. Darum ist es angebracht, daß sich der Arbeitgeber aus den Boden des Gesetzes stellt, dann kann er die Beiträge leichter tragen. Da es aber nicht ausgeschlossen ist, daß die sozialen Lasten — auch durch den Krieg — in Zukunst noch höher werden, so sollten alle Landwirte es machen wie die Industriellen und Eewer- betreibenden, nämlich nur den gesetzlich bestimniten Anteil tragen. * Abgabe von ausrangierten Militärpferden in Hanau. Samstag, den 31, d, M,, mittags 1 Ilhr, versteigert die Land- wirtschastskamjner für das Eroßherzogtum Kesten in der Kaserne des Ulaiien-Regiments 0 in H a n a u 10 Stück ausran- gierte Militärpferde, darunter zwei tragende Stuten, gegen Barzahlung. Zugelassen zur Versteigerung werden n«i L a ndwir te und zwar ausschließlich aus dem Er. Hessen. * Echzell, 30. Okt. Unsere altehrwürdige Kirche soll elektrische Beleuchtung erhalten. Die Mitteln hierzu wurden von einigen Einwohner» in hochherziger Weise zur Verfügung gestellt. Es fehlt nur noch die Genehmigung des Kirchenoorstandes, die ohne Zweifel erfolgen wird. * Gießen, 30. Okt. Am 1. November wird die dies,ährige Spielzeit des Stadttheaters bei kleinen Preisen mit einen, besondere» vaterländischen Abend eröffnet. Ein Prolog und ein lebendes Bild „Huldigung vor Germania" beginnen den Abend. Es folgen „Wallensteiii's Lager" von Schiller und „Das eiserne Kreuz", Lebensbild von Ernst Wichert. — Sicher wird auch der auswärtige Besuch unserer angesehenen Bühne wieder ein guter werden. Denn trotz der Kriegszeit wird im Siadtthea'er, i» Folge Entgegenkommens der Behörden, mit vollen Krüsien gearbeitet werden können, da nicht weniger als 28 Mitglieder allein sür den darstellenden Teil des Personals verpflichtet worden find. Hrffen-Nasiau. * Wiesbaden, 30. Okt. Bei der hier erfolgten Eröffn-ing der Angebote für Lieferungen von Kartoffeln, Fleisch usw. sür die städtischen Speiseanstalten sür die Zeit von Anfang November d. I. bis 31. März 1913 ergab es sich, daß für Karton,:» von denen 160 000 Kilo ausgeschrieben, überhaupt kein singe bot etugelaufea war. Starkknburg. * Darmstadt, 30. Ott. Die oberste Schulbehörde hat fick mit dem Antrag Honsel, die Aushebung des Fortbildung» schulunterrichtes während des Krieges beschäftigt und kam zu einem ablehnenden Ergebnis. Dagegen wurde verfügt jedem Gesuch um Befreiung vom Unterricht, wenn es berechtig' sei, in wettgehendstem Maße entgegenzulommen. * Darmstadt, 30. Ott. Ein unverbesserlicher Milchs-i'-'ni ist der Milchhändler Heinrich Funk 2. von Riedermoda». - .' ich verschiedenen Geldstrafen hat er zuletzt 14 Tage GFängn'r ii.r ocn Milchsälschung verbüßt. Er verlegte nun in rajsin-eiter Weise das Schwergewicht seines Umfatzgebietes aus die Aur- slugsorte der Umgebung, da er herausbekommen batte, d»ß die sonst sehr scharfe Darmstädter RahrungrmittelkavtroNe ihre Reriston hier nicht so häufig ansüben kann. Man jolgte ober seinen Spuren und wurde er an einem Sonntag früh erwürgt, wie er ein größeres Quantum seines Fabrikates, das kaum die Bezeichnung Milch verdient, abliesern wollte. Das P:e- dukr enthielt nach sachverständigem Urteil, nachdem ei schon entrahmt war, »och 67 Teile Wasserzusatz. Funk wird vom Schöffengericht zu sechs Wochen Gefängnis, fein 20 Jahre alter Sohn, der in die Fußtapfen feines Vaters mit Erfolg zu treten verspricht, kommt mit einer Geldstrafe von 40 ,8 davon. - Trotz mancherlei Vorstrafen wird der etwa 30 Jahre alte Schreiner- gehilse Georg Euttmann aus Rieder-Wöllstadt bei Friedberg immer wieder auf fremdem Gebiet erwischt und nahm man ib» vor kurzem in einem Anwesen in Reu-Zsenburg fest und «and verschiedene ihm nicht gehörende Gegenstände. Er wird zu I Jahr 9 Monaten Gefängnis verurteilt. — Ueber 150 Gefangene schottische Hochländer wurden in ihrer eigenartigen Kleidung mit Wadenstrümpfen, kurzem Rock mit feldgrauem Ueber- rock und Waffenrock in das hiesige Gefangenenlager eingelie- seit. Es sind meist hohe sehnige Gestalten von guten. Aussehen * Daemstadt, 30. Ott. Die Eroßherzogliche Hofbibliothel hat sich als Landesbibliothek seit Beginn des Krieges bemüht sämtliche darauf bezüglichen Drucksachen, soweit sie im Kroß herzogtum verlegt oder hergestellt werden, z» sammeln, um da- mit ein wertvolles Material, da» sonst voraussichtlich fast spurlos verschwinden wird, für alle Zukunst zu erhalte». Es handelt sich dabei nicht nur um zusammenfasse,ide Darstellungen, sondern auch um Eelegenheitsliteratur jeder Art, dichterische und lünstlerische Erzeugnisse wie Gedichte, Bilderbogen, Karikaturen, ferner Predigten, Maueranschläge, Karten und Pläne. Da diese Bemühungen leider nicht überall das wünschenswert« Entgegenkommen gefunden haben .wendet sich die Direktion der Bibliothek auf diesem Wege an alle hessischen Verleger uni Drucker mit der Bitte, ihr derarttge Drucksachen in einem, womöglich aber in zwei Exemplaren zusenden zu wollen. AuS Nhrinhrffcn. * Mainz. 30. Okt. Der Sergeant Gustav v. Reitz, gebürtig aus Weyhers in der Rhön, vom 1. Rassauifchen Znfanierie- Regimcnt Rr. 88 hat wegen hervorragender Tapferkeit bei der Eroberung von sechs sranzöfische» Geschützen das Eiserne Ki'oz erhalten. Uenestc nnd Dralftnachrichtc»» <*inc neue Tat -es Kreuzers „Emden." Die Leipziger Reueste Nachrichte» verbreiten folgendes Extrablatt ans Äopcu hage». Nach einer amtlichen Petersburger Meldung ans Tokio wurde der russische Kreuzer „Schemtschug" und ei« französischer Torpevojägcr auf der Reede von Pulo-Pinang durch Torpedoschüsie z« m Tinte» gebracht. Ter deutsche Kreuzer hätte sich durch Anbriugen eiues 4. falschen Schornsteines unkenntlich gemacht«. konnte sich ans diese Weise den vernichteten Schiffen unerkannt nähern. Kirchliche Anzrigen. Katholische Gemeinde. Allerheiligen, 22. Sonntag nach Pfingsten, 1. November. Beichtgelegenheit Samstag nachm, von 4 Uhr und Sonntag Morgen von %6 Uhr an. j<7 Uhr: Frühmesse. S Uhr: Militärgottesdienst (Singmesse mit Predigt). 'A40 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nuchm. 2'A Uhr: Monatsandacht der Rosenkranzbruder- schuft mit Prozession, danach Beichtgelegenheit bis 4 Uhr. Abends 8 Uhr: Arme-8ee!en-Andacht mit Predigt. Bon 7 Uhr an und während der Andacht Beichtgelegenheit. Montag, den 2. November Allerseelen. 5 Minuten vor 7 Uhr: Totenamt für alle Verstorbenen der Pfarrei. Während der Woche alle Abend um 8 Uhr: Arm e-Seelen- Andacht. Franksurter Wetterbericht Voraussage: Wolkig, meist trocken, kühler, östliche Winde Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e l, Friedberg; sür den Anzeigenteil: K. Schmidt Friedberg. Trnck nnd Verlag der „Neuen Tageszeitung". A. G., Friedberg i. H. Nr. 255 Jltut Tageszoitung. Freitag, den 3V. Oktober 1>14 Seite 4. im Danlrlagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinschciden meiner lieben Frau, unserer guten Tochter und Schwester Fm JHtttlt Jlltttj ged. Cent insbesonder« für die trostreichen Worte de» Herrn Pfarrer Bernbeck am tbrabc, fowic für die zahlreichen Blumenfpende» jagen innigsten Dank. Büdesheim. den 29. Oktober 1914. Die trauernden Hinterbliebenen: Otto |tnnj s. Al. im Frldr «. A«gel,örige Philipp Lcnr u. Familie. Betr: Feldbereinigungsmelioratlonen Stammheim. Arlieits- lind Fitferttllllstitrlltdllllg. Mittwoch, den 4. Noocmbcr 1914 vormittags 11'/- Uhr sollen im Nathause zu Stammheim die »achoerzeichneten Arbeiten und Liescrungcn vergeben werden. Voranschlag 6010,27 Mk. 3377,20 „ 1588,90 „ Los l. Los 2. Los Los Los t'os 4. Los 9. Wiesenmeliorationsarbeiten desgl. desgl. Lieferung von Zementröhren, Böichungs- stllcken, Rohrschleusen und eines Drainage- ausmllndungsstückes frei Verwendungsstelle Herstellung der Lachegräben Herstellung von Drainagen im Oberholz Lieferung von Tonrohren frei Baustelle Lieferung von Drainröhren und Verbindungsstücken la frei Bahnhof Ranstadt oder Altenstädt Anfuhr der Drainröhrcn Los l0. Rodung des allen Lachewcges Los II. Rodung in der Belzhecke Los 12. Verfchleifung des Raines in Flur XIV Rr. 16 1/10—20 (oberer Teil) Los 13. Fuhrleistungen bei der Ausführung von Meliorationsarbeiten Los 14. Herstellung einer Pflastcrrinne ander Hof- raite der K. Heppner II Wwe. Los 15. Lieferung von 7 cbm Bafaltpflastersteinen 2 Sorte frei Baustelle Los 16. Lieferung von 8 cdm ton- und lehmfreien Grubensand frei Baustelle Los 17. Rodung des alten Zimmerplatzes Interessenten werden die einzelnen Objekte Montag, den 2. Roocmber vorgezeigt. Zusammenkunft vormittags 8'/, Uhr an der Schlogschule. Die Verdingungsunterlagen liegen bei uns und bei der Er. Bürgermeisterei Slammhcim zur Einsicht offen. Angebote in Prozenten des Voranschlags sind bis zum obigen Termin verschlossen »nd mit der Aufschrift l Angebot Felobereinigung Stammheim versehen, der Er. Bürgermeisterei Stammheim einzureichen. Jriedberg. den 28. Oktober 1914. Erotzh. Kulturinspektion _ Z. V. Hauck. _ 2554,50 1395,18 2101,20 108,40 1175,40 „ 315.00 „ 699.00 „ 676.00 „ 385.00 230.00 „ 28.50 „ 15-1,00 „ 25,60 96,00 9J!(. Große Transporte Ockonomie- Olf .«V. «. Arbcits- y f C ^ V i iotui; erstklassige uni) 2 1 !* jäijriiic bclMe Fohlen sind eingetroffen.