DI- „Urne Tage»,eitung" kl chcmt ,eden Werltag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer au» Hesse»", „Die KpiimKube". K«s»gaprei«: Lei den Postanstatteii uioc;el|äl)rtiä) -JJif. 1,9c bei den 'Agenten monailich SO PIg. Hin,u lriit Postgebühr ober Irägerlohn. Ämcigctc Grunbieile 90 Psg„ lolale lö P>g„ An-,eigen von auswärts werde > dur Po nia hnahi»« erhoben Ertüllungsori Frirdbeeg. Sisiriftteitung und Verlag Zriedberq (hesient. -stunauer rratze 12. Fernsprecher 43. Pi ls Heck-Toni, Sir. 43-S, Slml Franljiirt °. M. Wie Antwerpen erobert wurde. — Liebreiche .Kämpfe im Norden Frankreichs. — Niickzng der Russen in Galizien. — König Karol von NnmäuLen gestorben. Wie es kam. W. T. B. Grasice Hauptquartier, Ist. Lkt., abends. Nach nur zwölstägiger Belagerung ist Antwerpen mit allen Forts in uusrrc Hände gefallen. Am 28. September s>el der >rs,c Schuh gegen die Forts der änheren Linie, am l. Oktober wurde» die erste» Forts erstürmt, am st. und 7. Oktober der starte, angeftautc, meist sstst Meter breite Ncthc. Abschnitt von unserer Jnsnntcrjc und Artillerie überwunden, am 7. Oktober wurde entsprechend dem Haager Abkommen äe Bcschiestung der Stadt angckündigt. Ta der KomnnZii- iant erklärte, die Verantwortung für die Bcschiestung über- ichmcn zu wollen, begann mittckiiachts vom 7. zum 8. Lkt. »ie Beschiestung der Stadt. Zu gleicher Zeit setzte der An- griff gegen die innere Forttzlinic an. Schon am 9. Oktober früh waren zwei» Forts der inneren Linie genommen, und am 9. Oktober nachmittag konnte die Stadt ohne ernsthaften Widerstand besetzt werden. Tie vcrmntlich sehr starke Besatzung hatte sich anjäng- lich tapfer verteidigt, da sie sich jedoch dem Anstürme unserer Infanterie und der Marincdivision sowie der Wirkung unserer gewaltigen Artillerie schlicstlich nicht gewachsen sühlte, war sie in voller Auflösung geflohen. Ilntcr der Besatzung befand sich auch eine unlängst cingctrossenc englische Marincbrigadc. Sic sollte nach englische» Zeitungsberichten das Rückgrat der Verteidigung sein. Ter Grad der Auflösung der englischen und belgischen Truppen wird durch die Tatsache bezeichnet, das, die Ncbrraabcverhandlnngen mit dem Bürgermeister geführt werden mutzten, da keine militärische Behörde aukz». finden war. Tie vollzogene lkebcrgabc wurde am Ist. Lkt. Pom Ehcs des Stabes des bisherigen Gouvernements von Antwerpen bestätigt. Tie letzten noch nicht übergebenen Forts wurden von unseren Truppen besetzt Tic Zahl der Gefangenen kästi sich noch nicht übersehen. Biele belgische und englische Soldaten sind nach Holland entflohen, wo sie interniert werden. Gewaltige Vorräte aller Art sind erbeutet. Tic letzte belgische Festung, das „uneinnehmbare" Antwerpen, ist bezwungen. Tie Angrissstruppcn haben eine austcrordcntliche Leistung vollbracht, die von Seiner Majestät damit belohnt wurde, dast ihrem Führer, dem General der Infanterie von Besclir, der Orden Pour lc mSritc verliehen wurde. Wie ein Stück Weltgeschichte liest sich dieser Bericht aus dem deutschen Hauptquartier. Wie mächtig klingen die Worte: Am 28. September siel der erste Schutz und am 9. Oktober nachmittags konnte die Stadt ohne ernsthaften Widerstand besetzt werden. Es hat sich abermals gezeigt, datz keine Festung und sei sic noch so stark den deutsch:» Waffen Widerstand leisten ran». Nicht allein, datz Autwer- pcn mit einem doppelten Ring von Forts umgeben war, die i:qch allen Regeln der neuesten Kriegskunst befestigt waren, seit dem Fall Lüttichs waren die belgischen Heerführer unablässig bemüht, alles, was der Verteidigungskrieg nur ersinnen kann, aus Antwerpen anzuwcndeu. Abgesehen von Wolfsgruben, Verhauen und Stachel,aunhindcrmssen kann- rcn weitere Gebiete der tlnigebung Antwerpens unter Was- srr gesetzt werde:,. Tie Fest»,- - schien also durch Wasser »vd durch Feuer vor dem Feinde g.schützt. Es hals nichts: nach kLtägiger Belagerung war sic von den Deutschen bezwungen. lim die Stärke der deutschen Wessen zu verstehen, mutz mau die Begleitumstände in Betracht ziehen. Auf zwei Rie- lenfronten kämpfen unsere Heere gegen an Zahl überlegene Gegner. Ohne Aushörcn sind die Franzosen bemüht, uns durch erneute Umsassungsvcrsuch.' in, Norden Frankreichs zu erdrücken. Mit glänzender Tapferkeit wurden alle Anstür,ne zurückgeworsen, ja die Welsche» ,nutzten den Schmerz erfahren, plötzlich im Norden aus ganz neu geh: ->."e deutschen Truppen,,lassen zu stoßen, die die llmzim , seie t zu umzingeln -drohen, lind während oll' dieser i: ei.-.e - e ' - den Ereignisse, hat das deutsche Reich »och die Zeit »ud die Kraft so ganz nebenbei eine der stärksten Festungen der Erde zu bezwingen. Ein herrlicher Erfolg in der Tat, der ganz besonders nn- angenchm den Engländern in d,e Ohren klingen dürfte. Gibt er doch aller Welt klar und unzweifelhaft Kunde non der Ohnmacht Englands. Allen denen, die es mischt, zeigt der Fall Anrwerpev.s wie sehr im Gegensatz die Grotzmannssilcht Englands mit seinen Leistungen steht. Tie Engländer inutzte» alles tu», um die bedrängte Stadt ',» retten, räuniliche Schwierigkeiten waren nicht zu überwinden, denn Antwerpen ist von der Südkiiste Englands nicht weiter entfernt wie Frankfurt von Köln. Wenn trotzdem England seine» Verbündeten nicht mit stärkeren Kräften » Hülfe gekommen ist, so geschah es, weil cs nicht k o n „ t e. Ter 'brauchbare Teil seiner Truppen, die stehende Feldarmee ist auf den Schlachtfeldern Frankreichs fcstgchalten und mit dem Buschklcpperheer, das in England zufaniniengetromiiielt wird, sind keine Siege zu erfechten. Der Fall von Antwerpen ist also abgesehen davon, da-, die Verteidigung der Stadt ganz unter englischer Leitung gestanden hat, auch moralisch in allervorderster Reihe eine Niederlage Englands, unseres gemeinsten und rücksichtslosesten Gegners. Das Erprcsscrhandwcrk, das die Grey, Churchill und Genossen auf die neutralen Staaten auszuübcn ohne Aushörcn bestrebt sind, wird gelegt werden, wenn die bctrcsscndcn Staaten, die Schwäche des englischen Seeräubcrstaates so vor Augen geführt bekommen, wie es dvrch den Fall Antwerpens geschehen ist. Tie Jngo-Presse in England knirscht vor ohnmächtiger Wut. Tas bcriichtiqste Hetzblatt, die „Times", gibt gisterfüllt zu, datz der Fall Ant- werpcn einen durch nichts zu widerlegenden Eindruck auf die öffentliche Meinung machen werde. Aber selbst, wenn Antwerpen eine deutsche Festung werde, so werde cs den, deutsche» Ha n d e l wenig Vorteile bringe», der c i » ■ für allemal z um Untergang geweiht sei. Deutschland werde alles tun, um Antwerpen zu behalte n. Doch sei diese Lage für England unerträglich und somit bestehe keine Aussicht, datz dieser Traum der deutschen verwirklicht werde. Man beachte den unerträglichen Hochmut, der aus diesem Ton der niedergcrungcncn Bestie, herausspricht. Wir hoffen, daß noch weit mehr Ereignisse bevor- stehen, die den Verbrechern, von denen Alt-England regiert wird, unerträglich erscheinen, an die sic sich aber gewöhnen müssen. Gleichzeitig mit dem Fall Antwerpen sind »och andere crfrcnlickic Ereignisse eingctretcn. Im Norden Frankreichs haben deutsche Rcitcnnasscn zwei französische Kavalleriebri- gaben in blutigem Tressen auf's Haupt geschlagen. Bor Bcl- fc-rt scheint es ernst zu werden. In Galizien schicken sich die Russen znm Rückzug an; die Deutschen stehen bereits an der Wcickscl. Allenthalben geht cs wieder vorwärts! Antwerpen mit allen Autzen- werken in unserem Besitz. Als Ergänzung d:r Depesche, die die Einnahme der St. dt Antwerpen verkündet hat, kam »m Samstag Rach mitteg ncch folgendes Telegramm: Gxostes Hg.uptquartier, ist. Okt., kl Uhr vormittags. kW. T- 85 ) Tic ganze Festung ?lntwcrpc», einschlicstlich sämtlicher Forts, ist in unserem Besitz. Eros,es Hauptquartier, 11. Oktober, abends. (Anitlichl. Westlich vc.i Lille wurde von uiijcrer Kavallerie ani 19 C,ein: jeauzösitche Kavallcriedivision völlig, bei Hazcbcouk eine andere scanzösischc Kavallcriedivision unter schweren Verlusten geschlagen. Die Kämpfe an der Front im Westen fühlten bisher ,-u keiner Entscheidung. Heber die Sicgesbcutc von Antwerpen können noch keine Mitketli ngeu gemacht werden, da die Ilntcrtggen erklärlicher Weise ucch schien. Auch über die Anzahl der Ecsanzoir», über de:: Ucbcrtritt englischer und belgischer Truppen »ach Holland liege» noch keine ,zuverlässigen Nachrichten vor. A> j deni östlichen Kriegsschauplatz lvurdcu im Strrdeu alle l Slngr'sie der 1. und 19. russische» Armee gegen die oft; :::.siiscko l Ormee reu dieser am 3. and 19. Oktober zuruilaeschlage e. Auch ein Ut-.j.-.ss, ogoversuch der Russen bei Schirwi: dt r.. -.Xi eb-ze- vstesc::, d:-e:i 1399 Rnssc» zu Ecsangencn gemach!. Fa Snd- polcn erreichte die Spitze unserer Armee die OS 1 1 srl. Bei Erojcg westlich Warschau sielen 2999 Mann der 2. sibieii 'eil rlrmrc in ui' :c Hände. Rnsjische avitliche Nachrichten über eine i grogrii Eieg bei Augustowo-Suwnlki sind Ersindnuz. Wie hoch die amtlichen russische» Nachrichten eilizuschiitze» sind, zeigt dir Tatsache, dag über die gewaltige Sticderlage bei Tamie»- bceg iv o Insterburg teilte amtliche russische Nachrichten verös- | lev.ri- umcdr.u. Przemysls BcfrcmrtiZ. Wien, 11 . Ott. Amtlich wird vcrlautbar: Unser rasche» Bo-zchen an der San hat Przcmnsl von der scindlichen Uniklammerung bcsrert. Unsere Truppen rückten in die Festung ein. Wo sich die Russe» noch sielltcu. wurden sie ange» grisseu und gcjch lagen. Bei ihrer Flucht gegen die Flugübergänge von Sieniawa und Lcznjst sielen massenhafte Ge- fongcnc in uiisere Hände. Der stellvertretende Chef des Ee»c>aljtabs: v. H ö s e r Generalmajor §kk Full AiiiilikkPkli's. Tie Kämpsc an der Scheidelinie. London, 10. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) In dem Bericht des Korrespondenten der „Daily News" in Gent Über die Kämpfe an der ^chelde- l:nie heißt es: „Ich habe Furchtbares erlebt. Drei lauge Tage und einen großen Teil der Nächte donnerten die Ge- schiitzc von einem Ufer zum andern an dem 15 Meilen langen Kanal. Zwischen Tcrmonde und Wetteren hatten die belgi scheu Truppen große Anstrengungen auszuhalten. In tic scn Laufgräben liegend, waren sie oft stniidenkng den Schrapuellfeiier ausgcsetzt. Tic Ambulanzen hatten täulicö viel Arbeit. Besonders groß ist die Zahl der gefallenen Öfsi- ziere. Tie Nerven der Soldaten wurden bis znm änderst« n angespannt. Weiter südlich kam ich in die Nähe des heftigsten Artillericduells. Tort glückte es dem Feinde kurz »ach Tagesgraucn, eine Pontonbrücke zu schlagen und einige Kompagnien Infanterie herüberzubringen. Als die belgi- schen Feldgeschütze Aufstellung genommen hatten, schlossen sic die Brücke sofort kurz und klein. Tas Geschützscncr war so heftig, datz die über die Brücke Gekommenen sich nur durch Flucht vor der Bernichtung retten konnte». Die Belgier setzten ihr Feuer fort, bis ani Nachmittag plötzlich die deutschen Geschütze zu antworten begannen, und zwar mit so surckst- barcr Heftigkeit, daß derjenige, der es miterlcbte, cs niemals vergessen kann. Tie Genauigkeit des deutschieii Feuers war erschreckend. Die Granaten verwandelten die Stellen, dir uns kurz vorher zur Deckung dienten, in ein Chaos. ürberlrgenheit der brutschen Geschütze. Amsterdam, II Ott. Der Sonderberichterstatter des „Handelsblad" meldet: Die belgischen Geschütze vermochten nichts gegen die dcurjcher (beschütze. Die Verteidiger bekamen die deutschen (beschütze überhaupt nicht zu sehen, und es war unmöglich, sich nur eiriger- maston ihre Ansttellung festzustcNen. Die Deutschen drgcaen tannlcn ihre Ziele genau. Ihre Ballons stiegen regek-nähiz auf. und das Feuer war so hestig, dag die Verteidiger nickst fliehen konnten, ohne dem gcwisien Tode entgegenzugchen. Vor. vcisihiedcnen Punkten der letzten Verteidigungslinie ourdi Befehl gegeben, das Pulver in die L»it zu sprengen. Mehrfach tonnten aber die Pulverkammern nicht mehr erreicht wer den Das Feuer hörte um tl Uhr 99 auf. Die Besatzung be- nutzic lojort die (belegenheit zur Flucht. Die Stabt war tl diesem 2Iugciiblick bereits übergeben, aber die Bcrteidlge- ivugtcn cs noch nicht. Sofort zogen Polizciagcntcn -nit nei hcn Flaggen au, die Wälle, um die Ilebergabe allzuzeigen. Al» sic ankamen, fanden sie jedoch an den meisten Plätzen die Sie!» tlliiaen bereits leer. Die Soldaten hatten die Wälle in wilder Flucht verlassen. Die deutsche Fnsantcrie begann dann so- fort die Verfolgung. Es wurden viele Gefangene gemacht. Andere ci.itaiiten nur durch schncllos Anlegen bürgerlicher Kleidung. Ei:: belgischer Offizier über die Belagerung. Der „Tele praaj ’ gibt solgenbe interessante Schilderung, die ein belgi scher Ofsizicr seinem Korrespondenten gemacht hat. IT-ifer» englischen Bundesgenossen laten alle ihr Bestes, um Alitwer. pcu zu rei.en.Abcr ihre Hilfe lam zu spät. Selbst wenn sie und wir b . i übti Mann stark gewesen wären, so hätten wir doch die Forts gegen das schwere deutsche Geschütz nicht halten können. 5st.c z gen kann wohl überhaupt keine gegenwärtige Festung aniäu.ps.-n. Tie Deutsche» tieften vor allem ihre Artillerie spielen, sie cer:::>:dc» soviel wie möglich Eescchte aus ojsencm Felde, lii-'i sic ertrotzten die Flugübergänge trotz aller Verluste. D.e Uebrrgab: der Stadt. Amslerdam, l>. Lkt. Dar ..Hondelsblad" melde! aus Roscndaal: Freitag mistti-g gegen 12 llhr biinen vier deutsche Lssiziere aus das Rathaus von 2intwerpen, die ilcbergabc zu fordern, der »ach kurzer Unterhandlung zugestimmt wurde. Die belgischen Truppen verließen daraus die Wälle und die Stadt Hals über Kops. Ei:, Teil wick, nach Norden aus und liest sich an der halländik- Nr. 2N _ '.'sri Oictnjc «ntnmffneu. öm unterer Teil, unt zwar Me Mehrheit, j»* in wilder Flucht über die Schiffsbrücke der Schelde. Sie Brücke wurde um 2 Uhr nachmittag- in Brand lesteckt, um die Deutschen *»: der L-rsolgung ja hindern. Kaum satten die letzten belgischen Truppen die Schelde überschr'.tw>, »ls die Deutschen an der Südseite durch d»s Berchem sche und Merxcm'sche Tor einzogen. Die Nacht rcni Freitag ;um Sams- tag war die erste unter deutschem Lesehl. Die B.sgie: haben selbst die irichligsten Vesesligungen zerstört. Aus dem Haag wird ferner dem „Berliner Lelal-Auzeiger'' gemeldet' Die förmliche llebergabe ans de.ii Stadlha'!': >'>»: ergreifend. Mm 2 Uhr wurde» die beigisch', französisch.' uud englische Flagge niedergeholt und dajiir die deutsche Flagge gehißt. Die Zuschauer in den Straßen weinten und ballten die Fäuste. Die deutschen Truppe» kamen still, ohne Gesang oder /ckusil einmarschiert. Die Artilleristen als eigentliche Sieger lalle» Blumen i;ii Knopfloch. Geringe Bejchädigung der Staat. Amsterdam, 11. Ott. Der „Telegraas" bringt solgende Meldungen: Rosendaal: Gin Staatsbeamrer, der Antwerpen heute Nacht verlassen hat, versichert, dast Ire Stadt ziemlich wenig durch das Bombardement gelitten hat. Nur Beichem und der südöstliche Stadtteil sind star! mitgenommen worden. Die ganze Besatzung der nördl'.u-en Ferls bat sich an der Grenze de» Holländer» ergeben und ist von ihnen interniert worden. — Sas van Gent' Lewa Iv 000 Engländer haben bei Celzaete die holländische Grenze überschritten und sind ohne Zwischenfall entwassnet morde». — Blissingen: Biete hunderte belgische Soldaten sind hier eingetragen. Tausende sollen noch ankommen: sie werden mit Lxtrazügen in die Internierungslager gebracht. Verschiedene Soldaten haben erllärt, dast sie sich lieber :n Holland internieren als durch die versolgende» Deutschen zu Kriegsgefangenen mache» tasten. — Roseudaal: Die Engländer und Franzosen haben solgende Forts in die Lust ge- prengt: Scholen, Braschaet, Mer;em, Cappellen, Ltllo, San Gilles (?) und Elversele. Die Stimmung in Antwerpen. Die gebildeten Kreise Antwerpens geben England offen die Schuld an dem Verhängnis Antwerpens. Sie äusterten ihren scharsen Unmut über die ganze Art der Handlungsweise Englands, das graste Versprechungen machte, und 18— 00 OOO Mann HjlfstrUppen in Aussicht stellte, und dann die Belgier im Stich ließ, wobei es durch das eigeusinuige und zwecklose Hinausschieben der llebergabe der Stadt diese beinahe der Verwüstung ausgeliesert habe. Das Blatt bemerlt, dast die deutsche Presse Uber den Fall von Antwerpen jubelt, ist zu verstehen. Antwerpen ist wie ausgestorben. In den beinahe leeren Stratzen längs der geschlossenen Häuser laufen vorsichilg nur wenige Personen, die nach dem Bombardement noch in der Stadt geblieben sind. Sonst sieht man nur deutsche Soldaten, ne überall in groster Zahl, vor allen Dingen im Zentrum, die -tadt besetzen. Ter deaische Kommandant Freiherr v. d. Schütz leitet von seinem Sitz im Stodthause aus die gesamte mi- nlärische Organyauon der Festung, während die bürgerliche Verwaltung der Stadt durch Bürgermeister de Bos und die Schöffen unterstützt wird. Nur die Gneise,m» versentt. Aus dem Haag meidet die „Bost. Ztg.": Gegenüber dem deutschen Bericht, dast die Engländer >m Hase» von Antwerpen 02 deutsche Seeschiffe and 20 Rheinschisfe verjenli hätten, glaubt der Ratierdamer „Courier" versichern zu können, dast allein die „Gneisenau" versenkt wurde und von den übrigen Schiffen nur die Maschinen unbrauchbar gemacht worden sind. Das Schicksal der Besatz»,Igsarmee. Die englische Adniira- lität teilt mit: Nach einem langen Nachtmarsch nach Lankt- gilles kamen zwei von drei Brigaden in Ostende au. Der gröstte Teil der ersten Matroseubrigade wurde von den Deutschen nördlich von Lootere» abgeschnitlen. Die Mannschasten erreichten »ie holländische Grenze bei Hüllst, wo sie die Waffen nieoerleg- ten. Die Panzerzäge und die schweren Marinekanoiie» wurde» sämtlich nach Ostende gebracht. Die Darstellung ist ziemlich unglaubhaft und steht mit solgeiiden holländischen Nachrichten in Widerspruch: Amsterdam, 11, Olt. „Telegraas" meldet aus Sas nan Gent: Die Zahl der Engländer, die die Grenze iiber- ehrilten, wird aus 10 000 geschätzt. Amsterdam, 11. Okt, „Nieuws va» den Dag" meldet aus Terneuzen: Die Belgier schätze» ihren Verlust a,i Kriega- gesaiigenen aus 20 000 Man». Amsterdam, 1l, Olt. „Telegraas" meldet aus Noieu- bcki'l: Unter den entwaff : !eu englischen und belgische» Soldaten befindet sich eine Anzahl höherer Offiziere, darunter ein englischer Divisionsgeneral. 2» Flandern und Brabant, dicht an der holländischen Grenze, fanden wiederholt ernste Gefechte zwischen Abteilungen beider Armee» jiatt. Bekanntlich stellt der amtliche deutsche Bericht nähere Angabe» über die Zahl der Gcsangenen in Aussicht, Rach dem Wortlaut dieses Berichtes ist anzunehmen, dast die Kriegsbeute »^cht bedeutend ist. . Tie Rückzugskämpse. An, st er dam, ll. Okt, (W. B. Ikichtamliich.) Die „Nieuws van den Tag" melden and Nosendaal: In Dlissingen waren alle Boote von de» Militär- tchörderi sur den Transport englischer und belgisck>er Sol- »alen beschlagnahnit worden, unter den Engländern best»,, de» sich nanientlich die Royal Nala Brigade, sowie einige Royal Engeneers. Als der Rückzug au: Antwerpen am Freitag Abend begann, versuchten die Deutschen sofort den Abzug zu verhindern, indem sie bei Tendermonde dem Feind in die Flanke siele.'. De deutsche Artllerie schoß ans die Entfernung von 8 Kilometern mit verblüffender Sicher- hc,I Schrapnells in das sich znriickziehende Bataillon der Nachhut. Es entstand eine Panik, nanientlich unter den Belgiern, während die Engländer noch die meiste physische ind moralische Stärke behaupteten. Sie hotten schließlich ■iui die Wahl, du ey da,- Schrapnellfener der »nsichtharea Scuffche» Atttllerie aiffneriebei! zu werden oder ans die hol- londtsche Grenze znrmkzngehrn. Aue - di Engländer wähl- tn> das Letztere. Bon Sn Nsii.olae. ging e „aoä Clingo, 'wo dtaszen und Munition an die hoa.n.iffche,' Soldaten aüge- »«1'ei> »'urd-.':'.,sodann nach Trr,u>> Vlisjcngen. Eng- Neue Tageszeitung. Montag, den »2. Oktober 191 * lifche Soldaten erklärten, sie fänden es unveranffvortlich, daß sie, ohne gute Artillerie nach Antwerpen geschickt worden feien; sie hätten nur einige Schiffsgeschntze zur Derfsigung gehabt. Am Montag befanden sich Churchill und der frühere Kriegssekre'är Seely in den Forts. GMrerch vnd -kr M ^niiurryr *»5. Wien, !1. Okt. Die „Wiener Allgemeine Zeitung" schreibt: Die Einnahme Antwerpens ist militärisch und >ao- rslifch nicht hoch genug anzuschlagen. Tust es den tapferen deutschen Truppen, die so lange in erbittertem Gefechte itehen, niöglich war, innerhalb kürzester Frist die Hauptbesestiguug Belgiens, die durch Natur und Kunst zu einem der stärlstoi modernen Bollwerke geworden war, trotz des zähesten Widerstandes der Besatzung, die fortwährend Zuzug erhielt, zu bezwingen, zeugt von der wachsenden Osfensivlrast, der ungebrochenen Ausdauer und dem hinreistenden Elan der deutsche» Truppen. Zugleich aber beweist der Fall Antwerpens, datz jeder, der auf Frankreich und England baut, ebenso verloren ist, als jene, die sich aus Rustland verlasien, — Die „Reichspnst" schreibt: Die Besitznahme von Antwerpen ist wohl, wentl ruch nicht der bedeutendste, sicher aber der sinnsälligste und überzea- geudste aller bisherigen Erfolge der deutschen Waffen, Stimmen des Auslandes. K o p e n h a ge n , 11. Okt. Zu dem Fall von Antwerpen schreibt der militärische Mitarbeiter der „Berlinske Tidende": So mustte sich auch Antwerpen de» deutschen Waffen beugen. Brialmouts stolzes Werk konnte den deutschen Mörser» nicht länger widerstehen. Die belgischen Truppen versuchten heldenmütig die Ausgabe zu läsen, vermochten es aber nicht. Aber sicherlich hätten es auch leine anderen Truppe» gekonnt gegenüber einem so tüchtigen, zielbewustten und rücksichtslose» Gcg- ne», wie es die Deutschen sind, die wie leine andere Elation den' Festungskrieg studiert habe», — „Natioual-Tideude" schreibt: Das Ereignis lann eine graste Tragweite haben. Es ist ledenfalls von großer Bedeutung für die Stellung auf dem westliche» deutsche» Kriegsschauplatz. Kristiania, 1l. Okt, Der Fall von Antwerpen wurde hier erst in den Morgenstunden bekannt und wurde von sämtlichen Morgen- und Abendblättern besprochen. „Morgenbladet" schreibt: Die Festungskunst hat mit der Artillerie-Entwicklung nicht gleichen Schritt gehalten. Der jetzige Krieg hat unter allen Umständen das Vertrauen in die Festungen erschüttert. Die Vereinigung der Franzosen mit den Engländern ist unwahrscheinlich, da die Deutschen bereits im Südweste» der Schelde stehen. Durch Antwerpens Fall ist die Eroberung Belgiens Tatsache. Die deutsche» Verbindungslinie» t» Belgien sind nunmehr gesichert. Die Vorräte von Antwerpen sind von groster Bedeutung für die Deutschen an der sranzösischen Front. Rom, II. Okt. In den Kommentaren der italienischen Presse über die Einnahme von Antwerpens wiegt das Mitleid mit den Belgiern vor. Die „Tribuna" bemerkt, dast die heftige Sprache englischer Minister und der englischen Presse Nt den letzten Tagen bereits den Fall Antwerpens in Rechnung gestellt habe. Antwerpen jetzt zu erobern bedeutete, den Zorn und die Besotgnts Englands in höchstem Maste herauszufordern. Sven Hedi» i» Antwerpen. Brussel, 11. Okt. Sven Hedi» ist in Antwerpen eiugetroffen und hat seine Freude über die geringe Bejchädigung der Stadt ausgesprochen. Antwerpen. Im „Griebens Neisesuhrgr" (Belgien) finden wir über Antwerpen solgende Angaben: Antwerpen (sranz. Anoers flämisch Antwerpen) ist eine große und teilweise schöne Handelsstadt und der wichtigste belgische Seehasen. Es liegt am r. User der von der Ebbe und Flut beeinslustle» Schelde (Escaut), welche bei .700 Meter mittlerer Breite hier doppelt so tief und mächtig ist wie die Themse bei London, unter dem bl. Grad nördlicher Breite und dem 1. Grad östlicher Länge, 41 Kilometer von Brüssel, Antwerpen ist de: Hauptwasjenplatz und die sturlsie Festung des Konigsreichs, Die bis jetzt die Stadt einschliestende» Werke werden bald verschwinden und durch Niugstraste» und Parkanlagen ersetzt werden, während modernere Festiingsanlageu weiter htuausge- schoben werden. Die erste verbürgte Nachricht über den Ort findet ma» in einer Bremer Urkunde aus dem Jahre 728: weiter weist in»», dast er 807 von den Normannen zerstört wurde: 1008 wurde Antwerpen Sitz eines Markgrafen, Die Lage der Stadt war von großem Einslust aus ihre Entwicklung: geschützt gegen die heftigen Angriffe der Nordsee, war sie doch nahe genug an dieser gelegen, um die Vorteile der Schiffahrt zu geniesten, namentlich als der Handel in den slandrtschen Städten Brügge und Gent unter den politischen Mistständen und durch Versanden der Kanäle immer mehr zurückging. Zur Zeit Kurls V. stand die Stadt in ihrer höchsten Blüte, Neben dem großartig entwickelten Handel, welcher die Vertreter der bedeutendsten Kaufhäuser aller Länder (Fugger, Tücher, Welser, Hansabund usw,) angezogen hatte, fanden die Künste in den Kreisen der reichen Bewohnerschaft Verständnis und Unterstützung, Aber leider änderten siih die Veihältnisje unter Philipp II. Tie traurige» Ereignisse, die si,h unter seiner Herrschaft in de» Niederlanden absptelleu, verhinderten eine weitere Entwicklung und zerstörten den Reichtum, Tie Inquisition und die spanische Schreckensherrschaft (spanische Furie) vertriebe» die lausende von fleißigen Bürgern, und diejenigen, die nicht slohe», starben in den Folterlammern oder wurden von den rohen spanischen Söldner» erschlagen. Von 120 000 Einwoh- neri' blieben End« des 10. Jahrhunderts .",0 000 übrig. Als dann Holland im 'Westsälischen Frieden die Scheldeiper-nng durchsetzte, wurde der aus de» Welthandel angewiesenen, schwer geprüften Stadt der Lebensnerv ganz unterbunden. Erst durch die Ereignisse der französischen Revolntio» fiel die Flustsperre, und Napoleon erbaute mit großen Kosten die erste» Hasenbassins. Unter der holländische» Regierung »ahm der Woht- sta»d langsam wieder zu (1800 : 70 000 Einwohner). Besonder- aber isi seit Gründung des Königreichs Belgier (l0.!0! d e Bedeutung der Stadt stetig im Wachsen, namentlich left _ Seite 2 Ablösung des Scheldezolles (1800), Heute zählt Antwerpen zu den bedeutendsten europäischen Häsen. Antwerpen hat 312 800 und mit d-a Vorstädten 11.7 500 Einwohner. Die Kämpfe ün öderen Von dcr schweizerischen Grenze, 1l. Okt. lieber die Kämpfe im oberen Elsaß veröffentlichen die „Baseler Nachrichten" folgende Information: Schlucht, den 10. Oktober. Hier ist es Liese Woche zwischen den Deutschen und Franzose» zu verschiedenen Gefechten gekomnien. Tie Franzose'» machten verzweifelte Versuche, die Deutschen wieder ans den Vogesen herauszubringen. Südlich der Schlucht in der R'.cht- >mg nach Wildenstein waren noch starke französisch: Ab!e:l- nngen, welche sich in diesem zerklüfteten Gelände gut ver- stärkt hatten. Langsani aber ständig drangen die Dcnlschen vor. Hierbei spielte die Artillerie eine große Rolle. Die deutschen Geschütze hatte man mit vieler Mühe ans die Schlucht hinanfgebracht und daselbst eingegraben. Drei Tage Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, beschoß die deutsche Artillerie die vorliegenden Berge und Waldungen. Inzwischen drang die Infanterie vor, »ntersiötzt durch die spioniere, welche die vielen Hindernisse hinwegrämnon mußt.'». Die Franzosen wurden weit über die Grenze zurückgedrängt. Hierbei wurden noch zahlreiche Gefangene gemacht und viel Material erobert, u. a mehrere tausend Patronen »r.fi zwei Maschinengewehre. Die deutschen Truppen im Wetterlsager Tal, welche St. Amarin besetzt halten, haben nun mi! de» Truppen im Msinstertal Verbindung. Da nun die Dogesen- täler von den Franzosen geräumt sind, ist der Betrieb der Nebenbahn nach Münster, Gebweiler incd Thann wiedec anfgenommen worden. Auch hat nian den Landsturn, ans der Gegend von Münster, welcher seit der Mobilntachnnq in der Festung Neubreisach festgehalten wurde, wieder nach tfic Heimat entlassen. Es geht los vor Aclfort. Köln, 1l. Okt. Nach einer Züricher Meldung der „Köln. Ztg." hat der größte Teil der Zivilbevölkerung Beifort »erlassen. 25,000 Personen wurden nach dem ftanzösischen Süden befördert. Die Gefechte der letzten Tage endeten mit einem vollständigen Rückzüge der Franzosen. In der Nacht ans Donnerstag verließen die Franzosen den Sundgau. Dom östlichen Kriegsschauplatz. Stockholm, 1t. Okt. Das russische Tet^raphenbureau gibt zu, dast die Deutschen durch Brückensprengungen Sei russischen Vormarsch bei Lyck zum Stillstand brachte». Zwt- scheu Ioangorod und Sandomir hat ein Artilleriekampf begonnen, die Deutsche» sind bereits bis nahe an die Weichsel vorgedrungen, Rückzug der Rnficn. Oesterreich. Hauptquartier, II. Ott. Gestern versuchte der Feino noch eine» Sturm aus die Südiront von Przemqsl, den die Besatzung wieder untre schweren Verlusten des Angeeisees abwies, dann wurde die rückgängige Bewegung der Russe» vor Lee Festung allgemein. Die Wesjjeont mußten sie oollstäi'dig räumen, eigene Kavallerie ist dort bereits eingerittea. Der durch die Schnelligkeit der Operationen in Russischpolen «nd Galizien verwirrte Gegner »ersuchte zwar seinen Angriff auf dir Festung durch Hinausschirbrn oon Hrcrrstrilrn gegen W:- sten zu Lecken, vermochte aber unseren heraneilenden Armeen nirgends Stand zu halten. Die fünf bis sechs russischen Injau- terie-Dioffioneu, die sich bei Lancut stellte», sind auf sluchtarti qem Rückzug gegen den San, ebeisio wurde eine Koialendiotsio» und eine Insanteriedivision vollständig geschlagen. Was -cm Rückzug voranging Wien, 10. Okt. Der Kriegsberichterstatter der Reichspost" meldet: Am Dienstag haben die Russen einen heftig:» Angriff aus eine» Teil der äußeren Fortgürtels von Przemqsl unternommen. Die Verteidiger ließe» den Feind auf 100 Meter heraugekommen und eröffneten erst daun ein starkes Oieschütz-, Maschinengewehr- und Insonteriefeuer, Die Wirkung des plötzlichen Feuers war entsetzlich. Gegen 10 000 Russen waren zu diesem Angriff angesetzt und bis aus geringfügige dteber- reste sind alle t o t ober verwundet am Platze geblieben. Der russische Angriff war hier völlig in sich zusammengebrochen. Aus Italien. Der heilige Stuhl und der Krieg. Rom, 8, Okt, „Oster- vaiore Romano" hebt tu einem Leitartikel hervor, daß oer heilige Stuhl tu Leu Streitigleiteu der Menschen und den blutigen Konflikte», die sich ans ihnen ergebe», stets vollständigste und unbedingteste Unparteilichleit beobachten wolle, weil er seine Mission des Friedens und der Nächstenliebe unter allen Völkern der Erde ohne Unterschied der Rasse und der Religion über jedes andere Interesse stelle. Deshalb dürften besonders di: Priester nicht vergessen, dast man das allgemeine Intereste der Kirche und der Menschlichkeit immer über das berechtigte Strebe» der Vaterlandsliebe stellen müsse. Diese Grundsätze müßten sie sich insbesondere stets bei der Ausübung ihres Amte- und bei Antprachen an das Volt gegenwärtig halten und über den an sich berechtigten Wunsch nach einem Steg für ihr Land den weit menschlicheren »nd christlicheren eines allgemeinen Friedens stellen. Daher dürsten sie auch gegen ihre Feind« picht Worte der Verachtung und des Haffes gebrauchen, son- der» eine Sprache, wie sic die Nächstenliebe eingebe. Bruch zwischen den Klerikalen »nd Rationalisten. Rom, 8. Okt, Dcr politische Gegensatz zwischen de» Nationalisten, die für den Bruch der Neutralität agitieren und der Klcri- latcu, die für strikte Neutralität cintretcn, bildete den Gcgen- stand weitläufiger Zeitungspalemite», weil bekanntlich die Nationallsteu ihre wenigen Mandate bei den letzten Kammer- wählen nur der klerikale» Hilfe verdanken. Gegenüber den nationalistischen Versuchen, de» Gegensatz z» vertuschen, ?,tu St t. 233 (Ämcihct heute der „Osicrvatore Romano" in einem Leitartikel endgültig das Tischtuch zwischen den Katholiken und Nationalisten, indem er aussührt, diese hatten in der großen Weltkrise endlich ihr wahres Gesicht gezeigt und bewiesen, daß die katholischen Ideale nicht die ihren sind. Die Katholilen Italiens solg.cn der Weisung de« verstorbenen und des neuen Papstes, Zillien den Krieg zu ersparen, Tics sei übrigens nicht nur die Forderung der katholischen Kirche, sondern auch ein Gebot der Vaterlandsliebe, v Die sranzösisch gesinnten italienischen Blätter solgen scheinbar einer gemeinsamen Parole, indem sic die gestern gemeldete Verurteilung taktloser Kricgsrcden katholischer Geistlicher von leiien des Vatikans aus die deutsch.freundliche itaHenische Presse beziehen mochten. Das Aianöver kann nicht verfangen, da bekannt ist, das, der Vatikan zu dieser Auslassung durch hierher gemeldete Reden sranzösischcr Priester veranlaßt wurde. Uebrigrns dürfte es kein Geheimnis mehr sein, daß die angebliche Franzosenlicbe Benedikts XV. eine französische Gründung ist, die in der entschieden neutralen Haltung des Papstes auch schon ihre Widerlegung gesunden hat, (•in nnirr Krilgsiliinißer in Italien. ,1 o m , 11. Ott. Der König hat das Entlassungsgesuch des Kriegsministcrs Grandi angenommen und den Generalmajor 3 r p e 11 i zum Kriegsniinistcr ernannt. Auf die Haltung Italiens hat dieser Wechsel im Ministerium keinen Einfluß, Von nnirrein f»mi:rr „Königsberg". Amsterdam, 11. Oft. (W, D.) Aus Sabaug meldet das „Handelsblad": Ein deutsches Schiff brachte drei Offiziere und die Mannschaft des Schiffe? „Cith of Wostminster" iuer ein, das von dem detttlchcn Kreuzer „Königsberg" im Indischen Ozean versenkt wurde. England wird's angst. London, 10. Olt. Die „Morning Post" schrieb vorgestern in ihrem Leitartikel: Indem die Deutschen ungeheure Massen ins Feld werfen, gewonnen sic sofortige Vorteile, deren Neutralisierung die Dcrbündcten schreckliche Anstrengungen und viele Menschen kosten wird, Lüttich, Namur, Antwerpen und Maubcuge, alle mühen zurückerobert werden. Bevor dieses versucht werden kann, müssen die deutschen Heere zurückgc- schkagen werden. Diese Schläge hätten vermieden werden können, wenn die Berbündcten den Feldzug mit größeren Trup- penmasien hätten beginnen können. Die Heeresstärken, die zur Verteidigung Belgiens und der sranzösischen Grenze ausgereicht hätten, werden nicht genügen, um die Deutschen aus den besetzten Gebieten zu vertreiben, sodaß die Versäumnisie aus der Friedenszeit größere Anstrengungen, größere Verluste und größere Kosten verursachen werden, als bei mehr Voraussicht notwendig gewesen wäre, Der Iar im Felde. Budapest, 10. Olt. Ueber Rumänien wird gemeldet: Die Petersburger Telegraphen-Agentur" gibt bekannt, daß der Zar das Oberkommando über die Armee mit dem Hauprquar- tier in Brest und Litawsk übernommen hat, Krregsmtuister Smhomlinow zungiert als Generaladjutant de; Zaren, Eroß- sürst Nikolaus Rikolajcwitsch hat den Obcrbesehl über die Nrrdarmee übernommen. ?u»ri frnniöfiidjc ssorpcdoboote gelnnkkn. Paris, 10. Okt, Der „Temps" meldet aus Toulon: Die Torpedoboote 338 und 317 sind gestern aus hoher See zusam- mcngcstoßen und sosort gesunken. Die Besatzungen sind gerettet, ein Matrose ist schwer verletzt worden. Da die Torpedoboote in 300 Meter Tiefe liegen, ist es unmöglich, sie zu heben. Die portugiesische Neutralität. Wien, 9. Okt. (SB. B. Nichtamtlich.) Auf diplomatische Auflagen über die portugiesisch-englischen Verhandlungen erklärte, wie die „Reichspost" von diplomatischer Seite erfährt, die Lissaboncr Regierung, daß sie nicht daran denke, die Neutralität Portugals aufzugebcn und daß England sic nicht ersucht habe, von ihrer Neutralität abzugehen. —.Die portugiesische Regierung habe einen Kredit von 8 Millionen zu Niistuugszwcckeu gefordert. Rußland und Persien. Wir», II, Okt, (SB*. B. Nichtamtlich.) Der persische Eesandte äußerte sich zu einem Vertreter der „Reichspost" selgendcrmaßen über die Lage: Nach dem Ableben des früheren Srtzalis lvar Persien von inneren Wirren heimgcsucht, voraus die russische Politik Nutzen zog. Gegenwärtig Herrchen in Persien vollkommen geordnete Verhältnisse, und die pegirrnng unseres neuen Monarchen wandte sich an das inssische Ministerium mit einer State, um vor allem die Zurückziehung der russischen Trirppen aus Nordpersien zu cr- ieleu und gewisse finanzielle Vorrechte rückgängig zu "rochen. Die Antwort der russischen Regierung war nicht 'friedigend, woniit aber noch nicht der Kriegszustand mit Rußland cingetreten ist. Nach vorliegenden Nachrichten ' oben an verschiedenen Stellen Persiens Känipfe mit russischen Truppen stattgefunden. Es handelt sich aber hier nur uni ernstere Zwischenfälle lokaler Statur,- die auf die russen- 'eindlichc Stimmung in der Bevölkerung zurückzusührcu sind, pfutld)frfuni>Iuljf Stimmung iu Auliralirn. Der stenographische Bericht über die Sitzungen des Parla- nieltts von Neusudwalcs in den ersten Augusttagen enthält eine Kundgebung, die für die Stimmung der bevölkertsten Kolonie des australischen Staatenbundes bezeichnend ist (Parliamen- tary Dcbates, Cecvnd Session 1011, S. 588). Ein Mitglied äußerte am ö, August den Wunsch, sich jeder unnötigen Heraus- smderuug der »leie» taufend » ut nr a l r verir» Deutschen ,i> <-«*- Neue Tagesazeitng. Monta,, den 12. Orrovrr m«. halten. Der Führer der Opposition, Mi. Wade, fügte oi:scm Wunsch den weiteren hinzu, es möchte auch gegen die nicht eingebürgerten Deutschen Duldung geübt werben. Der Premierminister, Mr. Holman, antwortete joigendcrmaßen: „Ich bin für die Anfragen dankbar, denn sic geben mir Gelegenheit, mich über diesen Gegenstand zu äußern. Ich glaube, den Gefühlen des ganzen Gemeinwesens — sicherlich denjenigen dieses Hauses — Ausdruck zu verleihen, wenn ich sage, daß der Abbruch der freundlichen Beziehungen zwischen den beiden Nationen den Gefühlen, welche Australien als ein Ganzes gegenüber den in unserer Milte wciiendcii Deutschen empfindet, leinen Abbruch getan hat. Ich brauche nichts beizusügen. Ich hasse, daß ,vah- renb der schweren Zeit diese unsere Wohngenosien crsahre» werden, was australische Gastfreundschaft heißt," König Carol *h Bukarest, 10. Oktober. König Carol von Rumänien ist heute früh g e st o r b e n. König Carol I., König von Rumänien, geb, am 20, April 1830 als Prinz Karl Eitel-Friedrich Zephyrin, zweiter Sohn des Fürsten Karl Anton von Hohenzoller», trat 1857 in das preußische 2. Earde- dragonerregiment und wurde am 20. April 1866 nach Vertreibung des Fürsten Cusa zum Fürsten von Rumänien gewühlt. Am 20. Mai 1866 erschien er in Turn-Severin und hielt am 22, Mai seinen feierlichen Einzug in Bukaiest. Die Mächte gaben endlich chre Zustimmung; die Türiei fügte sich, und der Sultan erteilte Carol, der selbst nach Konstantinopel reiste, die Investitur, Größere Schwierigkeiten hatte Carol im Innern zu besiegen. Die Zuchtlosigkeit der Armee, die Unzuverlässigkeit der Beamten, die Finanznot, endlich die Anmaßung der Rumänen, ihre Parteizerklüslung und politische Verderbnis legten Carol große Hindernisse in den Weg, Sym- palhien des Volkes für Frankreich wurden namentlich 1870 dem Fürsten gejährlich. Indeß gelang es Carol, allmählich ein tüchtiges Heer zu bilden, das Schulwesen zu heben und den Bau von Eisenbahnen zu fördern, Skachdem er 1878 als souveräner Fürst aner-, könnt worden war, ward er am 26, März 1881 zum König proklamiert und am 22. Mai in Bukarest gekrönt. Carol ist seit dem 15. November 1869 in kinderloser Ehe mit der Prinzessin Elisabeth von Wied (geboren am 29, Dezember 1843, als Dichterin unter dem Namen Carmen Sylva bekannt) vermählt. Zu seinem Nachsolger wurde sein Neffe, Prinz Ferdinand von Hohenzollern, ernannt. Mit dem verewigten Monarchen ist unzweifelhaft eine bedeutende Persönlichkeit dahingeschieden, ein Herrscher, der es verstanden hat, aus einem verrotteten, durch Parteienhader zerriffenen Lande einen lebensfähigen, in stetem Aufblühen begriffenen Nationalstaat zu schaffen, dem noch eine bedeutende Zukunft bevorsteht. König Carol war in seinem Wesen von einfacher, schlichter Art und trotz seiner KönigswUrde bescheidenem Auftreten. Er vereinigte in sich die Weisheit des Staatsmannes mit großem Feldherrntalente, so daß es die Russen einzig ihm und der von ihm und der von ihm so ausgezeichnet geschulten rumänischen Armee zu verdanken haben, daß sie die Verschanzungen von Plewna stürmen und damit den Feldzug gegen die Türkei gewinnen konnten. Zum Danke dafür nahmen sie Rumänien allerdings Bessarabien weg. König Carol aber aibeiiele un verdrossen weiter an der Hebung des Wohlstand seines Reiches und dem Ausbaue der rumänischen Wehrmacht, so daß diese schon seit Jahrzehnten einen bedeutenden Faktor in Osteuropa darstellt, der auch bei der Beendigung der letzten Balkankriege das ausschlaggebende Wort sprach, denn gestützt auf seine Armee erzwang Rumänien den Bukarester Frieden. Ein herzliches Freundschaftsverhältnis verband König Carol mit Kaiser Franz Josef, den er Jahr für Jahr in Ischl zu besuchen pflegte. Mit ihm starb ein überzeugter Freund und treuer Anhänger des Dreibundes, mit dem Rumänien auch durch eine Militär- konoeniion verbunden war. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß auch sein Thronerbe, also sein Reffe, Kronprinz Ferdinand getreu in den Fußtapsen seines verewigten königlichen Oheims in der auswärtigen Politik Rumäniens wandeln wird. Die AlitoOrnng nnlerer Mim. Die „Neue politische Korrespondenz" schreibt: In den Verlustliste» sollt bei allen Truppenteile», die starke Verluste haben, die unverhältnismaßige Beteiligung unserer Offizicrtoips aus. Bekanntlich entsallen bei der mobilen Truppe aus 50 Mann immer ein Offizier. Das gleiche Verhältnis müßte sich also bei den Verlusten ergeben. Hier aber fällt ein Offizier oft schon bei 20 Mann, ja selbst bei 10 M INN, Die Nennung einzelner Regimenter wird dies im Detail ergeben, Das Infanterie-Regiment Nr, 111 hat einen Verlust an Toten und Verwundeten von 110 Mann: es müßte als entsprechend einen Verlust von 8 Offizieren haben, cs hat aber einen solchen von 23 Offizieren, Das Leib-Garde Jnfanlerie- Regiment Nr, 115 hat einen Verlust von 100 Mann, es müsste also ebenfalls einen Verlust von 8 Offizieren haben, es hat einen solchen von 23 Offizieren, Dar 1. und 3, Bataillon des Jnsaateric-Regiments Nr, 129 haben einen Verlust von 331 Mann, sie müßten also einen Verlust von 7 Offizieren habe», sie haben aber «inen solchen von 15, Da» Franz-Garde G:e- »adier-Regiment hat einen Verlust von nicht ganz 250 Mann »» Toten: «» müßte alla »inen Berlult n«n 0 toten Okkiliere« __ Seit« 3. haben, aber 2ö Offiziere sind vor dem Feinde gefallen, und so geht es fort. Diese großen Osjizicrsvcrluste beruhen natürlich darauf, daß in der preußisch-deutschen Armee seit jeher die Offiziere ihren Mannschasten beim Angriff vorangehen und sich überall besonders der Gefahr aussetzcn. Gewiß sind so große Verluste an Ossizicren nicht nur vom menschlichen, sondern auch vom militärischen Standpunkte außerordentlich bedauerlich: aus Her anderen Seite aber lammt dem hervorragenden Verhalten u», screr Osfiizerc, das zu solchen Verlusten führt, ein großer Anteil an den Ersolgen unserer Heere zu, so daß diele Verlust- doch, reiche Früchte tragen. Der Fall Battenberg. Aufklärung über den Fall Battenberg hat nunmehl ein Darmstädter Blatt durch den Anwalt der Familie Battenberg, Geh, Iuslizrat Klcinschmidt, der auch Mitglied der Er, sie» Kammer ist, erhallen. Danach ist Prinz Ludwig a P„r tcnbcrg, z. Zt, englischer Admiral, schon im Jahre 1808 in den Dienst der englischen Flotte getreten und hat in dem glcichc» Jahre durch Naturalisation die englische Etaalsangchörigteit erworben. Demnach kann strajrcchtlich wegen Kriegsverrais nicht gegen ihn vorgegangcn werden. Die deutsche Staate angchörigkcit hat er verloren. Im Jahre 1907 wurde zwischen den Kindern des Prinzen Alexander von Hessen (der erwähnte Prinz Ludwig v, Battenberg, dem Prinzen Franz Josef v, Battenberg, Marie, Witwe des Fürsten Erbach Schünbcrg) ein Beitrag abgeschlossen, wonach allen das glcichc Recht an Schloß Hciligcnberg bei Jigen- heim zustcht und Prinz Ludwig, der Aeltestc, nur als jar- mcllcr Eigentümer betrachtet wird. Der Anwalt fugt noch bei, baß seit dem 11, Juli IN': kein bricslicher oder sonstiger Verkehr zwischen dem Prinzen .iiid seinen hier lebenden Geschwistern statlgcsunden hat. Ans der Heimat. * Fricdbcrg, 12. Okt, (Stilles Selben tum). Bewundernswert ist der Heldcntuni und die getreue Pslichtcrfül- lung unserer wackeren Truppen, Da kommen sic nach unsäglichen Mühen und Entbehrungen verwundet zurück. Wie viele aber gibt es, die sich im Lazarett kaum die nötigste Erholung gönnen, sondern nur von dem Wunsche bestrebt find, wicd-r zurück zur Front zu komme», um dem Vaterlande die wicdcr- gcwonncnen Kräfte zur Verfügung zu stelle», Ei» Friedl>erg»i Krieger wurde am Arm und Bein verwundet: die Wunden sind geheilt, aber der Arm und das Bein wollen »och »ichl so recht. Was tut unser Braver? Er füllt einen Eimer mit cl- mas Wasser, hebt ihn mit dem Arm hinaus: dadurch, daß er immer etwas mehr Wasser zugießt und das Gewicht des Ei mers erhöht, suchte er dem Arm die nötige Siärle wieder zii geben, ebenso macht er mit dem Bein Uebungen an einem Sägebock, um auch diesen Gliedern wieder die vorherige Gelenkigkeit zu geben. Alles nur, um bald wieder hinaus zu den Kameraden zu lammen. Wenn solch' ein (Seist unsere Soldaten beseelt, kann der Sieg wahrlich nicht fehlen, * Fricdbcrg Fauerbach, 12. Okt, Wie uns vom Schlacht seid mitgeteilt wird, hat der Gefreite Karl L o t h , der Sohn des hiesigen Maiirormcistcrs Loth, den Stabsarzt vom Tode errettet, sowie eine jranzösischc Fahne erbeutet. Für diese Heldentat ist er zur Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz porgeschlagen worden, Loth macht den Feldzug im Reserve. Jnf.-Regt. Nr, 116, welches in Fricdbcrg formiert wurde, mit, * Frautsurt o. M„ 12. Olt, Der 08 Jahre alte Häsnrr Hcn- jel, der nach Verbüßung einer wegen Notzucht erlittenen drei- zährigen Zuchthausstrafe lürzlich feine Fra» i» der Leipziger straßc 12 erschoß und sich durch eine» zweiten Schuß an der richten Schlüsegegend verletzte, wurde am Donnerstag nachmittag 1 Uhr hinter der Bockcnheimer Milchluranstalt an der öinn- heimer Landstraße am sogenannten Weiherchen an einem Bau II aufgchüngt ausgesunden und dem Bockcnheimer Friedhof zaic fuhrt Hrsseu-Rasian * Hochhcim a, 9)1., 12. Okt, Der weit und breit bekannte und stark besuchte „Hochheimer Marti" wird dieses Iah.- infolge der Kriegswirren ein reiner Pferde-, Rindvieh- und Krammarkt sein. Alle Lustbarteiten sind untersagt. Der Markt findet am 9, und 10, November statt. Stnrkknburg. * Dornisladt, 9. Oft. Ans Givet, der kürzlich in »nserr Hände gefallenen französischen Festung, die ans dem weit nach Belgien hineinragenden Landzipftl, nn der Grenze liegt, ist gestern ein ganzer Zug mit Kriegsbeute, hauptsächlich Geschütze angekommen, Außer einer Anzahl Feldgeschützen kleineren Kalibers befinden sich auch etwa ein Dutzend schwere Fcstungsgeschütze mit furchtbar schweren Lafetten, ciscrnen Rädern darunter. Tic meisten sind jedoch auch recht alten Datums. Mit der Jahreszahl 1846, 1858 etc. versehen sind auch eine Reihe unter der Beute befindlich recht schwere Mörser, von denen einzelne ein Kaliber von 27 Ceutinictern haben. Auch drei Rcvolverkanonen älterer Constrnktton, aber mit Panzcrschutz versehen, fünf läufig sind von Interesse. Schon der Materialwert ist von Bedeutung. — Die Darm- städtcc Jngcndwchr ist nunmehr zusammcngetrcten und ist die Zahl der Angehörigen, die sich ans allen Bevölkcrungs- freifen rekrutieren, wie wir hören auf etwa 800 junge Leute angewachsen. Deninächst soll die erste gemeinsame Hebung ans dem Excrcicrplatz stattfinden. Sic ist in 12 Züge eingekeilt,. Fronksiirlrr Wetterbericht- Varaussage: Bedeckt, zeitweise Niederschläge, mild, west liche Winde, Derantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: K. S ch in i d i, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung" A, G„ Friedbera i. L. Jlf. 2S9 Seite 4 Erna und Ille. Roman von D. Feußner. (Fortsetzung). Nach einigen Tagen hatte sich Ilse soweit erholt, datz sie ausstehen konnte und man durste an die Heimreise denken, welche in den ersten Tagen des Juli stattfinden sollte. Die drei Mädchen machten häufig kleine Spaziergänge in den herrlichen Wald. Immer mehr suhlten sie sich zueinander hinge,zoge>> und immer schmerzlicher erschien ihnen die nah bevorstehende Trennung. Aber die Stunde kam, der Wagen des Forstmeisters hielt vor der Tür und die beiden Mädchen gaben ihren Gästen das Geleit zum Bahnhof. Bald war dieser erreicht, ein letzter Kutz, ein Händedruck und fort ging es — der Heimat entgegen. Weinend blickten Erna und Hedwig den Entschwindenden nach. Es war an einem schönen Septemberabend. Die Firnen der Berge erglühten unter dem Scheideblick j der Sonne wie blendendes Kupfer. Immer länger wurden die Schatten, immer tiefer sank der goldig glänzende Feuerball und immer kleiner wurden die leuchtenden Spitzen der Berghäupter bis endlich die Sonne ganz herabglitt und ihre letzten Grütze im purpernen Abendrot zurücklietz. — Auf dem Gutshose herrschte eine beän'stigende Stille, der Verwalter sorgte überall für möglichst geräuschloses Arbeiten, er gebot den fütternden Knechten die Türen nicht in der sonst üblichen Weise zuzuschlagen, da das gnädige Fräulein schwer krank sei. In der Küche stand Marie mit rotgeweinten Augen und bat die hier beschäftigten Mädchen nach Möglichkeit jedes Geräusch zu vermeiden. So schlich man durch die Räume des Herrenhauses und vernried jeden lauten Ton. Ueber das feenhafte Mädchenzimmer war ein düsteres Kolorit ausgegossen, die Fenster waren dicht verhängt, so datz der Strahl der scheidenden Sonne nicht einzudringen vermochte. In den schneeigen Kissen lag Ilse, die zarten Hände über der Brust gefaltet, bleich wie eine Lilie, vom Hauche himmlischen Friedens umweht. Man sah es auf den ersten Blick, datz diese holde Menschenblüte dem Welken nahe war, um in einem anderen Garten schöner, herrlicher zu erblühen. Sieben dem Bette satz, eine Beute tiefsten Seelenschmerzes der Vater der Kranken. All seine Hoffnungen waren erloschen, vor ihm lag sein geliebtes, sorgsam gehegtes i Kind — ein welkes, beinah schon verwelktes Veilchen. 1 Roch vermochte er diesen furchtbaren, jeden Lebensmut ertötenden Gedanken nicht zu fassen. Sie, die feines Lebens Sonnenschein gewesen, sollte er verlieren! O mein Gott, warum denn! War er ihrer nicht wert, datz sie ihm so früh, ach so früh entrissen wurde? Für wen hatte er gearbeitet und geschafft Tag für Tag? Für sein holdes Kind, seine Ilse und jetzt — Ein liefet Seufzer hob seine Brust, er mutzte auf einige Minuten hinausgehen, um frische Luft zu schöpfen. Als er sich entfernt hatte, regte sich etwas im Hin- iergrunde des Zimmers und eine schlanke Frauengestalt mit tiefernsten Zügen trat an das Lager heran. Es war Ema. Seit einer Woche schon weilte sie in £, um die kranke Ilse zu pflegen. Der Brief, den ihr diese geschrieben, war so dunkel, so rätselhaft gewesen, für sie aber trotzdem so verständlich, datz sie dem dringenden Rufe: „Komm, o komme!" sofort aeiolgt mar. — In Jleut Tageszeitung. Montag, den 12. Oktober 181« 1 angekommen, hatte sie Ilse der baldigen Auflösung entgegengehend angetroffen. „Wünschest du etwas?" fragte Erna jetzt kaum hörbar. „Ich habe nicht mehr viel Wünsche," hauchte die Kranke, „nur Roüerich möchte ich noch einmal sehen und dann —" „Nicht weiter! Nicht weiter!" unterbrach sie Erna. „C Erna latz das sein, mich kann niemand mehr täuschen und ich selbst will es auch nicht mehr. Wozu denn?" „Ilsel Ilse!« „Ja Erna, ich habe mit dein Leben abgeschlossen. ‘ „Ach könnte ich für dich sterben, du liebe, liebe Freundin!" „Du sterben? Nein diesen Tausch würde ich nicht einmal eingehen — ich freue mich vielmehr, datz ich sterben darf, damit du — glücklich werden kannst." „Ilse," rief Erna fast gellend, „du bohrst einen glühenden Stahl in meine Brust, der mit) aufs tiefste verwundet! Ich bitte dich dringend mich zu schonen, sonst —" Sie brach jäh ab. „Nun sonst?" erklang die sanfte Frage. „Sonst töte ich mich — vor deinen Augen!" Ein mattes Lächeln umspielte die Lippen der Kranken und leise erwiderte sie: „Ich weitz, was du damit sagen willst — aber wozu sich unnötig ausregen — ich wäre ja doch gestorben — auch wenn wir uns nicht kennen gelernt hätten." 2n Ernas Brust arbeitete es gewaltig, ein Zittern, ein heiliger Schwur überfiel ihre schlau» Gestalt, datz diese erbebte wie das Laub der Espe inr Abendwindei dann verlor sie die Beherrschung über sich selbst und der wilde Seelenschmerz brach durch wie der wilde Bergstrom, der den Damm zerbricht und verheerend die Ebene überflutet. Laut schluchzend warf sie sich vor dem Bette nieder und barg den schmerzenden Kops in den Kissen. „Allmächtiger Gott," rang "sich's von ihreg Lippen, „tue ein Wunder, latz sie nicht sterben, nimm mich statt ihrer, latz mich leiden —" (Fortsetzung folgt.) Zentrale für Kriegsfürsorge. Haussammlung. A. Neubauer 2 .k; H. Reuter 3 Jl; 3- Löber 3 Jl; Karl Heck 3 Jl; Hans Lust 5 Jl; August Braun 1 Adolf Müller 1 Jl; Karl Loth 1 Ji; Heim. Butz 2 Jl; Hilssschassner Hixt 1 M; Eg. Schneider 1 ,k; Karl Stoppel 1 Frau Schaum Ww. 1 „k; Otto Loth I Jl; Adam Voll 3 Jl; Herrn. Dich! 2 Jl; Fried. Häres 5 Jl; Heinrich Finl 3 Jl; Heinrich Lohnes 3 Jl; Ernst Honstein 5 ,k; Frau K. Brand Ww. 1 Jl; Heinrich Schaaf 5 Jl; Heinrich Rupp 2 Jl; Heinrich Schneider 3 Jl; Carl Reich 20 Jl; Heinrich Heng 2 Jl; S. Simon 1 Jl; F. Schwab 50 Pfg.; Milius 1 Jl; Emil Heidt 10 Jl; Karl Singel 1 Jl: Oskar Noack 2 ,k; Helene Waas 10 Jl; Eust. Waas 10 Jl; August Dietz 5 Jl; Martin Mondigler Ww. 3 Jl; Rolly 1 Jl; Diel 1 Jl; Schneider, Dachdeckcrmcister 5 ,k; Mohrhardt 3.«; M Jung 2 Jl; Righi 50 Pfg.: Fr. Fürder 5 Jl; Frau Volp 40 Pfg.: Chl. Reich 3 jl; Ungenannt 50 Psg.: Frau Eundcrloch 1 Jl; Frau Stengel 1 Jl; Frau Schäfer 1 Jl; M. Herzberger 25 Psg.; Frau Hrch. Füller 5 ,k; Alb. Echbert 3 , oforr älicres zuverlässiges Mädchen welches alle Hau-arbeitcn versieht und lochen kann. Zu er rag. bei d. 'Jf. Tagesttg. unt. W. 2587. 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Eabe> 100 .k: Heinrich Euckclsber- ger 5 Jl; Rechnungsdiffcrcnz 1 jl; F. Sch. (2. Eabe) o jl; Heinrich Böhmer 3 .K; Ucberfchutz einer Theatervorstellung 82.47 ,k; A. Lampert 5 ,k; Kulturtechniler Schwarz 10 Jl; K. Hilbrecht 15 Jl; S. I. 3 .k; itlaron Reichcnberg Ww. 20 .k; Ludwig Tönges 1.50 .k; Dr. Schäfer (2. Monatsrate) 25 Jl; C>eh. Kirchenrat Meyer (2. Eabe) 20 Jl; Einjähriger Rofen- tfjal (aus dem Feld hcimgcfandt) 15 .k; Seminarlchrer Leuchtgens 5 Ji; Sanilätsrat Tr. Becker (2. Eabe) 30 Jl; Karten. Inspektor John 10 Jl; Heinrich «iedcnkapp 5 Jl; Phil. Windecker (2. Eabe) 50 Jl; Lehrer Diener (2. Eabej 10 .k: O. Faber 5 Ji; Ad. Vogtmann, Lokomotivführer 10 .k; Hauptlehrer Ph/ipps 20 .k; August Conrad 2 Jl; I. K. W. Herold 3 .k; Seminarlehrer Kuhn 20 Jl, Emil Sulzbach 10 .k: A. Pfeiffer u. Sohn 20 .k^ Heinrich Reu 3 Jl; Sckzneidermeistee ^Bill 2 Jl; Karl steck 10 M; August Müller (Einguartierungs- geld) 3 -k. Allen Gebern herzlicher Dank! Für das Ikote Frrenf Stöbt. Schwimmbad, hier, Schmuckfachen zur Verwertung: Futzballklub „Merkur", hier und „Olympia", Fauerbach aus, der Sammelbüchse Rr. 14 im Pfarrhaus Fauerbach 18.85 Jl; Gemeinde Ober-Nosbach 300 Jl; Frau Mink In Preungesheim, Zcngengebührcn durch Herrn Aktuar Stein 3 Jl; Herr Carl Louis Bogt in Reichelsheim, Entschädigung als Schöffe durch Herrn Aktuar Stein 3 Jl; Herr August Becker, Nieder Wöllstadt. Entschädigung als Schöffe durch Herrn Aktuar Stein 3.80 Jl: Fritz, Erwin und Karl Ludwig Loos (aus ihrer Sparbüchse) 10 ,k; N, N., hier 20 Jl; Herr Eg, Zoell, L, i, P, 10 .k; Frau R, in Nieder-Florstadt durch Herrn Lust in Fauerbach 5 Jl; Herr Otto Erünberg, hier 2,50 Jl; Frau Fr, Knitz Ww,, hier 1 Jl; Herr Jakob Hieronimus, Zeugcngebühr durch Herrn: Aktuar Stein 1.50 Jl; Herr Professor F. R. 20 Jl; , Ertrag der abcssynischen Ausstellung des Herrn Hauptman» Paul Trapp, 25. Jnf.-Regls. 82.30 Jl; Herr Karl Ulrich, hier 100 Jl; klub „Alle neun" durch Herrn Oswald Türk (2. Spende) 7 Jl; Landwirtschaftliches Kasino, Friedberg 1000 Jl; E. ll. 3 Jl; Herr Alex. Weber, hier 10 Jl; Strafgelder für Gebrauch von Fremdwörter durch Frl. Eertrude Singer 1.85 ,k; Ecmeinde Heldenbergen durch Herrn Bürgermeister Eoy 80 .k- Sammelstelle bei Herr» Pfarrer Ritter. Herr Seminardirektor Dr. Karg 20 Jl; Frl. Eröninger S Ji; Herr Lehrer Reinheimer (vorläufig) 10 Jl; Herr Jakob Oberländer 3 Jl; Frau H., Ludwigstratze 10 Jl; Herr Schneidermeister Ernst 5 Jl; Frl. N„ Kaiserstratze (2. Eabe) 20 Jl; Ungenannt E. 2 Jl; Rentner F. A„ (2. Eabe) 15 Jl; Eaftwtrt Schybsda 7 Jl. „Rpmerbriitineti Hervorragendes Tafelwasser.