U mm,»erS535 MMWoch. de« 7. Oktober 1914. /. Jatirganfl Ueue Tageszeitung 3l ,.»lc«c Eagrszeitiing" ci|(t)cint jcficn Werltag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Kelsen", „Die Spinnltube". Keiugapreis: Be, den Bostanstalten vier,el,ährt,ch All. l.'tö lci teil Agenten monatlich 50 Pjg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn Anzeigen : Grund,eile 20 Psg., lokale 15 Psg. Anzeigen von auswärts werden durch Pastnachnahme erhoben Ersüllungsoit Friedberg. Schriftlcitnng und Verlag Friedberg (Hesten), Hanauerlttah« 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Eonto Nr. 48', 9 , Amt Franlsurt o. M. Kämpfe und Siege im Osten. Nene französische Umfasiungsverfuche. — Russische Niederlagen. — Gin Hurra für Tsingtau! Die Kriegslage. Troges Hauptquartier, 6. Okt. abends (Amtlich). fortgesetzten Umfasiungsversuchc der Franzosen gegen unse- eu »echten Heeressliigel haben die Kampffront bis nördlich Ilrrev ausgedehnt. Auch westlich Lille und westlich Lens tra- jcn unsere Spitzen aus feindliche Kavallerie. Zn unseren Gegenangriffen über die Linie Arras-Albcrt-Roye ist noch keine Entscheidung gefallen. Aus der Schlachtsront zwischen Oise und Maas bei Bcrdun und in Elsa'g-Lothringen sind die Verhältnisse unverändert. Auch von Antwerpen ist heute nichts besonderes zu melden. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz ist der russische Vormarsch gegen Ojtpreutzcn im Gouvernement Suwalki zum Stehen gebracht. Bei Suwalki wird der Feind seit gestern erfolgreich augegriffen. Zu Russisch-Polen vertrieben deutsche Truppen an» 4. Oktober die russische Garde-Schützenbrigade aus einer befestigten Stellung zwischen Opatow und Ostrowiec und nahmen ihr etwa 3088 Gefangene, mehrere Geschütze und Maschinengewehre ^b. Am 5. Oktober wurden 2J4 russische Kaval- leriedioisionen und Teile der Hauptreserve von Zwangerod bei Radom angegriffen und auf Zwangerod zurückgeworsen. Wien. 6. Gilt. (Uichlamil.) Amtlich wird verlantbar: 5. OKI. Die Operationen in Nnjlisch-Poien und Galizien schreiten günstig vorwärts. Schulter an Schulter Kämpfend warten deutsche und österreichisch- ungarische Truppen den Feind von Opatow und Klimatow gegen die Weichsel zurück. In de» üarpat!>r» wurden die husten am Itszalrerpalz vollständig gelchlage». Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabs von Höfcr, Generalmajor. Tsingtau. Berlin, tt. Oktober. (Nichtamtlich) Tie Berliner Zeitung vom Mittag meldet: Bon unserem Sonderberichterstatter ans Nolterdam wird uns lzentc mitgetcilt: Beim ersten Stnrmangriss aus die I»»- fanterielverke von Tsingtau wurden die vereinigte»» Japaner und (kngländcr »nit eine»»» Lerlnst vo»» 2.', 00 Mal::» »nrüikge- schlagen. Tie Wirkung der deutschen Minen, Geschütze, Maschinengewehre »var vernichtend. Ter rechte Alngcl der Bcr- bündctc,» »vnrde von dem österrcichisch- nngarischen Kreuzer „Kaiserin Elisabeth" und de»n dentschen Kanonenboot „Jaguar" »virisam bcschosic»». Tic deutschen Bev- luste solle»» gering sein. Japaner »varten Berstärkttngc» au» Japan ab. Ein Blick nus die Karte lehrt, daß die Franzosen ans ihrem linken Flügel, so oft sic auch geschlagen werden, immer wieder weitgreiscndcr znm Angriff schreiten. Wenn die Kämpfe bereits in Arras angelangt sind, ». wenn fidj bereits französische Cavalleric bei Lens »nd Lille gezeigt hat, so beweist dies, daß die Franzosen bis in den äntzr- sten Norden ihres Landes gedrungen sind. Das Hanptin- tcresse richtet sich ans die Kämpfe der Linie Roye-Albert- Arras, die bis jetzt noch unentschieden sind. Gelingt eS den Dentschen ihre Erfolge auszunutzen »iid den Feind z» werfen, danii ist die französische Armee in zwei Teile getrennt. Bemerkenswert ist, dass die Franzosen in ihrem letzten Bericht ziigcbeii, daß sic an verschiedenen Punkten weichen »nd Terrain ansgcbcn mußten. Indessen ii. diese Meldung überholt durch den letzte» dentschen Schlachtberscht, wo es heißt, das; die Kämpfe noch unentschieden sind. Auch dem Umstand, daß der französische Oberbefehlshaber die Befestigung der Städte in der Umgegend von Paris angeordnet hat, möchten wir nicht allzu viel Bedentiiiig beiniessen. Wenn manche Blätter den Schluß daraus ziehen, daß die Franzosen mit dem erfolgreichen Vorgehen der Teiitfcheii rechnen, so uiag das stimmen: ans der andern Seite aber dark auch nicht vergessen werden, daß auch wir unsere Festungen verstärkt haben, um für alle Möglichkeiten gerüstet zu sein. Vor Antwerpen hat sich nichts sonderliches ercigiiet. Aus neutralen Blättern geht hervor, daß verschiedene Ort- schäften im Rauine des inneren und äußeren FortsgiirtelS beschossen würden. Alle Anzeichen deuten daraus hin, daß es vor der Festung noch einmal zu einem Zusammentressen der Deutschen mit der durch Engländer verstärkten belgischen Armee kommen werde. Die Belgier haben ihre letzte und einzige Hoffnung auf England gesetzt. Ter englische Mi- nister Churchill, der in Antwerpen eingctrosfcn sein 'oll, tut ein übriges, uni diese Hoffnung zu bestärken, was aber die belgische Regierung nicht abhält, alle Maßnahmen zu treffen, um Antwerpen aus dem Wassert leg zu verlassen »nd nach London überzusiedeln. Vorwärts geht cs auf dem östlichen Kriegsschauplatz Bei Suwalki, dessen Verlust die Russen besonders schmerzlich berührt, wurden unsere Feinde erfolgreich angegrisfr.i. Uebercinstimmend meldeten deutsche und österreichische Nachrichten, daß die Russen in Südpolcn geschlagen worden sind und der Weichsel zu eilen. Ter deutsche Bericht er- gänzt diese Mitteilungen dahin, daß 2000 russische Gefangene gemacht worden seien und der Feind niehrcrc Geschütze und Maschinengewehre verloren habe. Eine Probe deutschen Hcldenunitcs hat die wackere Besatzung von Tsingtau gegeben. Mit einem Verlaß von 2500 Mann, wie eine holländische Nachricht sagt, wurde ein Sturm der vereinigten Engländer u. Japsen abgeschlagen. Stolz erfüllt uns über die Haltung dieser Tapferen, die im fernen Osten auf verlorenem Posten für Ne Ehre des deutschen Namens streiten: Und liegt es im Wille» des ewigen Herrn, Daß stürmend wir sterben, so lasse ich gern Mein Blut ini Meere verschäumen. Den» habe» die Brüder nur droben gesiegt, Dann kann auch, wer drunten an; Grunde liegt. Noch selig vom-Baterland träumen. Die Kämpfe in Oberrmgarii. Budapest, 0. Okt. Der Sonderberichterstatter des „Az- Est" meldet: Der Kampf mit den cingedrungencn Russen ist noch nicht vollständig beendet. Es ist zur Zeit noch nicht möglich, eingehend zu berichlc», indessen kann schon gesagt werde», daß nordwestlich bei Mnramaroe-Sziget und Tarczkoez eine russische Kolonne zniiickgcschlagen wurde. An den (vesechtcn haben auch inzwischen cingetrosscne deutsche Streitkräfte teilgenoinnien. Zwischen Poleno und Aknos machten die Russen einen letzten Versuch, unsere Reihen zu durchbrechen: sie wurden auch hier 'urörlgeschlagen. Unsere Truppen verfolgten die sich zurliaziehonden Russen. Es wurden viele Ecsangcue gemacht. Das Komitat Bereg ist von dem letzten Mann russischer Jnvasionsw uppen befreit. SeMßche Verluste. Berlin, 6. Olt. Die „B. Z. am Mittag" meldet nus Sofia: Bei den letzten kämpsen östlich der Drina sind die serbischen Schuniadja» und Morawa-Tivisionen fast vollständig ausgerieben worden Jiu ganzen haben die Serbe,- bisher 13.000 Tote und über 50,000 Verwundete. «Vitt gutes An pichen. Berlin, 6 Otl kW, B. Nichtamtlich.) Tie „Vos- sst'che Zeitung" nicktet ans Wien: Die galizischen Eisen- bahnbeaintcn von Taruow, Nzrzow und Jaroslaw sollen eine Aussorderung zu sosortiger Ausnahme des Dienstes erhalten haben.. Ten Eilenbaiinbeamtei, »vnrde ans Lemberg mitgeteilt, sich zur Wiedoranp.i.zhnn des Dienstes br reitznhaltcn. Man bringt dun.: mit dem Rückzüge der Russen nr Zusammenhang. Drei Lüge«. Berlin, 6. Okt. kW. B. Amtlich.) In der englischen Presse ist von einem Tagesbcscäl Kaiser Wilheluis berichtet, in welchem unter Anödrnck.n der -e-.—achtnug gegen das englische Heer zu dessen Vcrniä inng r.ugesordert werde. Dieser angebliche Tagesbefehl ist ersnnd : — Das Reuter- Bureau schickte an das Ritzau Vlirrm in Kopenhagen ein Tclegraium zur Verbreitung, in welchen» eine Baronin de Baste nach einer Meldung des „Tenips" den deutschen Kronprinzen beschuldigt, ans dcni schlosse Baste bei Ehampau- bcrt Knnstgegenstände und Kostbarkeiten geraubt nird beim Verlassen des Schlosses die Bilder des Kaisers und der Kaiserin von Rußland mit Füßen getreten zu haben. Diese Meldung ist eine schamlose Lüge. Der Kronprinz war nach amtlicher Feststellung niemals in deni Schlosse Baste. Auch Truppen seines Heeres sind dorthin nicht gelangt. Auch die von französischen Blättern genieldete Zerstörung der Besitzung des Präsidenten Poincarö, Ribeconrt in Lothringen, durch die Deutschen ist eine Fabel. Ribeconrt lag allerdings in dc,r Tagen vom 6. bis znm 9. September im Brennpunkt von Känipscn und wurde in Brand geschossen, aber durch französische Artillerie. vrr ihwli gegen die Königsnuirder. Wien, 6. Okt. Das „Reue Wiener Tageblatt" meldet, daß die Schlußvcrhandlungen gegen die Mörder de» Erzherzogs Franz Ferdinand und dessen Gemahlin am 12. Oktober beginnen werden. Außer dem Mordet Princlp, der die todbringenden Schüsse abgab, sind der Bombenwerfer Tschabrino- wstsch, dann der Sohn des Popen Grabesch, ein Mittelschüler, sowie andere mehr oder minder an dem Attentat und den Vorbereitungen dazu beteiligte Personen angellagt. Rach dem Abschluß der ursprünglich für den November anberaumtcn Vcr- handlung erfolgt die Aburteilung einer anderen Reihe von Verschwörern, die der MLrderschar indirekt geholfen und die serbische Bevölkerung ausgercizt haben. Das gestohlene Unterfeebot. Rom, b. Okt. Ter „Messagero" meldet aus Spezla: Tr: Schisfswcrft Muggiano erhielt Nachts eine Depesche ans Ba- stia von dem Ingenieur Tonchi, der sich an Bord des verschwundenen Unterseebootes besand, i» der er um Erlaubnis bittet, zurückkehren zu dürfen. Die Wcrjt forderte Tonchi telegraphisch auf, der Besatzung die Weisung zu erteilen, dem Führer des Unterseebootes Belloni nicht zu gehorchen und mit dem Unterseeboot aus die Ankunft eines italienischest Torpedobootes zu warten, welches das Unterseeboot zurückholcn- werde. Rom, 0. Olt. Der russische Botschafter teilt mit, daß das verschwundene Unterseeboot tatsächlich von Rußland bei der Werst Fiat-San-Eiorgio in Spezia bestellt worden sei: rnsolge des Kriegsausbruchs ersuchte jedoch Rußland die Werst, das Boot noch zu behalten und schließlich komme Rußland bei der von den Zeitungen berichteten Entführung nicht in Betracht. Sit 100000 ZaplNitr in Europa. Wir hoben gestern die Unwahrscheinlichkcit hervor, daß 150,000 Japaner nach Europa kommen würden. Der „Berliner Lokal-Anz." bemerkt dazu: Vor einigen Wochen wurde die erstaunliche Kunde w> breitet, daß sich 200,000 Russen über Archangelsk, Schottland, England und den Aerinclkanal auf dem Wege nach Frankreich bcsändc». Temgegensibrü ist es fast bescheiden', daß jetzt die dänischen Biättcr nur 150,000 neue Feinde für Deutschland ans der Bildslüche erscheinen lassen. Ter Abwechselung halber sind cs diesesmal Japanesen. Eine ob.r- slächliche Kenntnis des japanesischcn Charakters und der japanesischen Gcschichte reicht wirklich schon ans, um die bare llnsiimigkeit dieser Mär zu erkennen. Japan bat nur seinen eigenen Vorteil im Auge; wo der bei der opferfreudigen Hergabe von 150,000 Mann unter russische Leituug stecken soll, ist unersichtlich. Leicht aufsindbar ist dagegen, wie das Märlein entstanden sein niag. Unter den russischen Reserven, nicht nur ans Sibirien, sondern auch ans dcni heiligen Rußland.selbst, ist seit den Tagen der Golde- nrn Horde der reine Mongole nicht selten. Unsere Ge- sangen, nlagcr zeigen das in 10,000 Ercmplarcn. Was rst schnellei, o.s aus einem solchen Schlitzauge einen Japanesen heraus: r.enncu: Und noch eiuc zweite Wurzel ist denkbar, au.- der phantastisch prangend da-s Märlei» empor geschossen sein mag. Es mag immerhin sein, daß die Japa- ncsen ein Geschält mit Rußland in Geschützen abgeschlossen haben. Uebrigcns wollen die Japanesen sich in anderer Weise ihren Verbünd eleu erkenntlich erweisen, sie wollen ihnen ein Vorfahren uiiiieilcn, wie man ans Papier Kleider inachen kann, die sehr warm halten sollen. Sic trän« fiif) Iflbfl nilht Zu der Meldung, daß zwischen England, Frankreich und Rußland ein Abkommen zustande gekommen sei, wonach der Friede von allen dreien nur gemeinsam geschlossen werden dürse, schreib! das türkische Blatt „Tanin": „Für UNS geht aus den: Veriragc, den die drei Widersacher Deutschlands geschlossen haben, nur hervor, daß einer dem anderen nicht recht traut, sonst hätten sie cs doch wohl nicht nötig gehabt, den gemeinsamen Fricdcnsschluß in einem Kriege, den sic gemeinsam begonnen haben, tuech einen feierlichen Vertrag auszubcdinqen. ülr. 235 Seite 1 Halte der Dreiverband eine dauernde Bedeutung gehabt, so wäre ihnen solcher nicht in de» Sinn gekommen. Man kann sich aber ruhig daraus verlassen, daß, wenn eine der drei kricg- sührenden Mächte sich erschöpft suhlen wird und unter annehmbaren Bedingungen Frieden schließen kann, der Beitrag vom L. September trotz allen Widerstandes der anderen Mächte sie nicht davon abhalten wird. Wird er aber den Verbündeten durch di- Aufstellung der Prinzips eines Krieges bis aufs Mesicr gelingen, Deutschland cinzuschuchtern und den Sieg ZU erringen? Die Ereignisse der letzten Monate haben die große Ucberlcgcnheit der deutschen Stieirkrästc bewiesen. Wir sind überzeugt, daß man mit einem Kriege bis aufs Mcsier diese große Macht nicht überwinden kann. Was aber den Gedanken betrisst, die Heere des Kaisers durch wirtschaftliches Elend zu besiegen, so halten wir ihn sür durchaus phantastisch. Das wirtschaftliche Elend kann den Armeen, die aus feindlichem Boden leben, nichts anhaben, wohl aber den besiegten Ländern. Das Land, das durch dieses Prinzip des .Krieges bis auss Mesicr am üälksten geschädigt werden wird, ist also das unglückliche und leichtsinnige Frankreich." «Noch eine Stimme des Mißtrauens. Die nationalistische Pariser „Libcrte" bringt am 13. Scp!. eine bemerkenswerte Aeußcrung, die sich hestig gegen den Vertrag wendet, den England und Rußland den Franzosen bezüglich eines künftigen Friedensschlusics aufgczwungen haben. Dio „Liberte" ist eines der chauvinistischen Pariser Organe, das lahrzehntclang mit allen Mitteln sür den Revanchcgedanken Scharsmachcrci getrieben hat. Um so bemerkenswerter sind Me nachstehenden Ausführungen, in denen die Ernüchterung Frankreichs inbezug aus den russischen Verbündeten, deutlich zutage tritt. Die „Liberte" schreibt: „lieber Frankreichs friedliche Absichten konnte kein Zweitel obwalten. Als Frankreich, der friedliebende Staat, sich zum Kriege entschloß, kanute es genau seine militärische Kraft und war nur unter der Voraussetzung und in der Hoffnung zu diesem aggressiven Schritte zu bewegen, daß seine Verbündeten ihren Bundespslichten in vollem Maße entsprechen werden. Rußland ist der Erfüllung seiner Bunücsoslichten zumindest zeitlich ausgewichen, als es sich im Jnteresie Serbiens — damit es einen Teil der drohenden Uebcrmacht Oesterreich- Ungarns von diesem Lande abwende — mit der ganzen Wucht seiner Armee auf Oesterreich-Ungarn warf. Rußland hat die Existenz Frankreichs im Jnteresie seiner Rasicnocrwandten untergeordnet. Sollte Rußland nicht in allerlürzester Zeit dem Lundcsvertrage entsprechend Vorgehen, so müssen wir den Bun- dcevertrag als gebrochen anschen! Es ist eine Todsünde, daß die französische Regierung unter solchen Verhältnissen unter dem Einslusie Englands in den Vertrag über einen gemeinsamen Jriedensschluß cingewilligt hat. Damit hat sie dem französischen Volke die Möglichlcit eines anständigen Rückzuges genommen und gleichzeitig haben Rußland und England anstatt Taten noch immer nichts als Versprechungen gegeben und damit ihren Bundcspslichtcn entsprochen zu haben geglaubt. Obwohl gewisse Kreise mit Berufung aus die Jnteresicn Frankreichs sich bei unserem Blatte ins Mittel gelegt haben, damit man uns abhaltc, unscrcli Zweifel an der Richtigkeit dieses Regierungsaktes Ausdruck zu geben, konnten wir uns dennoch nicht cnkhalten, unsere Meinung osseu auszusprcchen, denn die Gründe, die uns zu dieser Stellungnahme zwingen, sind so gewichtig, duß sie für die ganze iünstigc Entwicklung Frankreichs verhängnisvoll sein rönnen." Aus Fra« Frankreichs letzte Rettung. Mailand, 29. Zept. Wie die Blätter ans Bordeaux Kleiden, istvin neuer Ani- ncstiecrlas; der Negierung erschieneli, der sämtliche bis zu 1 Jahr Gefängnis Verurteilten begnadigt, vbnc Rücksicht auf den Charakter der Straftat. Ein zweiter vom Justiz- minister änsgegcbencr,Erlaß bestimmt, das; für die Tauer des Krieges nur solche besonderen Gnadengesuche von den Direktoren der Bagno? befördert werden sollen, i» denen sich die Antragsteller bereit erklären, sich nach ihrer vorläufigen Entlassung znr Vccsiigiing der nationalen Vertei- dignng zu stellen, Ter Jilstiznunistcr sagt die woblwol- lende Priifting aller dieser Gnadengesuche der zu längeren Strafe», die aber fünf Jahre nicht überschreiten dürfen, Verurteilten z». Befestigung der Sisidte b:i Paris. Koben ha gen, 6. Okt. „Politiken" nicldct ans London. Ter Gouverneur von Paris hat Josfrc vorgcschlagcn, alle Städte in der Um- licbung von Paris zu befestigen, die bei hm Vorräten der Deutschen widerstandslos in die Hände d--r Tentschen gefallen sind. Tic Befestigung soll so stark wie möglich gemacht werden, sodaß die deutschen Truppen bei einem ncncr- ?>cheu Vorstoß aus weit stärkere Hindernisse und einer, stärkeren Widerstand stoßen eg; hei dem Vorrücke.r ans Paris ün August und September. Mit Billigung Joffres lrerdcu folgende Städte befestigt: Scnlis, Gifore, Saint, Maxcnt, Montmoreney, Beanvais, Ehantiltn, Melnn, Nantes, Mcaux. Tic Garnison dieser Städte wird aus den Nekruteil des Jahrganges 1911 sowie aus Tivisionen einer Armee bestehen, die unter Paus Leitung in Siidftankrcich gesammelt wird. In Crcusot wird Tag und Nacht an der Herstelln,,g schwerer Artillerie gearbeitet, die Mitte Okta- bcr an die Front geführt weiden soll, INotiz des Wolfs- bnrcan: Ans dieser Meldung gebt deutlich hervor, daß die Franzosen mit einem erfolgreichen Vorgeben der Tvutschen rechnen.) Ans England. Die englisch-» «undcsgeuosie». Unter der Ueberschiift: „Ein Attentat bringt die „Reue Züricher Zeitung" einen Artikel. der die Skrupellosigkeit brandmarkt, mit der England «lbe. braune und jchra.rze Haide» als seine Berbündeten «eue Tageszeitung. Mittwoch, den 7. Ollober i 9 H gegen die weiße Rasse ins Feld führt. Das Blatt meint, hier kämen nicht mehr deutsche, sondern europäische Interessen in Frage und damit die Prestigefrage der ganzen weißen Raste. Die englische Sitte, sagt der Artikel, gestattet es nicht, daß ein Farbiger neben einem Weißen sich auch nur zu Tisch setzt. Run aber macht man Farbige zu Wasscnkamcraden der Weißen in ganz Europa gegen Weiße, und setzt sie damit im Rang über den feindlichen Weißen. Das ist ein Hcrzfchuß nicht nur in die Stellung des Europücrtums, sondern ein vielleicht unbewußter Sclbstinordversuch derjenige», die dieses srevelhafte Wagestück unternommen haben. Man hat der gelben Gefahr die Tore unseres Erdteils geöfsnet. Nicht genug damit, importiert man auch noch halbbarbarisches Gesindel und Grenzbarbaren, um sie auf das erste Volk Europas loszulasien. Zwei Verbrechen — man weiß nur nicht, welches von beiden größer ist. Zum Schluß heißt cs in dem Artikel, ma» möge wieder sagen, einem Blatte der neutralen Schweiz geziemen solche Elosicn nicht: „Herrgott im Himmel, zu was allem soll man jetzt wegen unserer Rcutralilät schweige», aber das schweizerische Gewissen ist kein ncuirales und darf keins sein und will kein? sein, es ist Menschheitsgewisien." Sobald sie fertig sind.... London, 6. Olt. „Daily Chronicle" berichtet, daß in Aldershoi rund llllllM Mann aller Wasfengattungen ausgebildrt würden, die, sobald sie fertig sind, nach der Front abgcschickt werden würden. Die Ausbildung mache trotz glänzender Anstrengungen nicht den gebührenden Fortschritt, da die Truppen ungenügend ausgerüstet seien. Die Zeitung erbitte! die Unterstützung des Publikums und bemerkt, daß beispielsweise kein einziaer Komvagnicossi- zier der Ersten Armee Kitchcners einen Feldstecher besitze. Gebraucht würden Hemden, Strümpfe, Taschentücher, Schuhriemen, Schreibmaterial, Trommeln und Pseisen sür die schottischen Regimenter. Ans Wnßiand. Niedergeschlagenheit in Petersburg, K r i st t a n i a , 5. Okt. Im „Morgenbladet" erzählt ein Norweger, der aus Petersburg heimkehrte, daß der Sieg Hiudenburgs in Ostpreußen und die Niederlage der Rusien in Petersburg einen lähmenden Eindruck machten. Nicht weniger groß sei die Trauer darüber, daß zwei Generäle, aus die mau die größten Hofsnungen setzte, gefallen seien. Das Publikum wurde vorbehaltlos über die Niederlage unterrichtet. Man gab zwar keine Einzelheiten, erkannte aber den Umfang und die Bedeutung der Katastrophe an. Von dem Augenblick ab hat sich die Kriegsbegeisterung in Petersburg stark abgckühlt. Die spätere» Erfolge gegen Oesterreich vermochten nicht, dies ganz auszugleichcn. Ma» sehe jedoch der Zukunft vertrauensvoll entgegen und hoffe auf den Sieg, sülchte aber, daß das Heer zu wenig Ojfiziere habe. Ein russischer Dank. Leipzig, 6. Okt. Das Komitee der annähernd 600 russischen Staatsangehörigen, die dieser Tage aus Leipzig in ihre Heimat znrückkehren dursten, veröffentlicht eine Danksagung, in der cs heißt: „Sämtliche Behörden sind uns jederzeit mit so seincni Verständnis für unsere Lage entgegengekommen, daß wir auss neue den überzeugendsten Eindruck vou der Höhe deutscher Kultur empfangen haben. Wir werden es uns angelegen sein lassen, dem Auslande davon Kenntnis zu geben, in wie großherziger Weise wir aus deutschem Boden behandelt und gcjärdert worden sind." Die politischen Eesaugene» in Rußland, Paris, 5. Okt. Der „Kuerre Sociale" veröffentlicht einen Brief eines politischen Eesangenen in Rußland. In diesem erzählt der Schreiber, daß die Behandlung der Gefangenen seit Kriegsausbruch in ganz Rußland unmenschlich geworden sei und daß Knu- tcnhiebc und Quälereien an der Tagesordnung seien. Der Brief schließt: Wir wünschen, daß durch den Krieg allen Völkern Freiheit, Unabhängigkeit und Gerechtigkeit geschenkt wird. Furcht vor Hindenbueg in Warschau. Krakau, i. Okt. Die Zeitung „Ezas" crsähri von einer aus Warschau in Krakau .eiugetrossenen Persönlichkeit, daß das Vordringen der Armee des Generals Hindcnbnrg bis nach Suwalki und Lomscha eine „Panik in Warschau" hervorgerufcn habe. Die Filiale der russischen Staatsbank wurde nach Moskau verlegt, der Fa- brikbetricb in Warschau und in Lodz wurde eingestellt. Kohlcnmangcl in Rußland. Die „Rowa Resorma" berichtet nach russischen Blättermeldungen, daß Warschau gegenwärtig an K o h l e n m a ng c l leide. Die Fabriken seien genötigt zu sperren. Die Produktion von Elektrizität und Gas mußte aus Ersparuiigsgrüiidcu aus die Halste reduziert werde». Der Bahnvcrkchr zwischen Warschau und der Provinz wird nur teilweise ausrecht erhalten. Aus der Warschau-Wiener Bahn verkehren die Züge bloß nach Petrikau und Lodz. Für den 11. Oktober wurde die Assciiticrung vou Rekruten ungeordnet. Uom Kaümn. Eine Cr"V. g des bulgarischen Ministerpräsidenten. Wien, li. Die ..Reichspost" meldet aus Sofia: „Ra- rodui Praira", das amtliche Organ der bulgarischen Negierung, ciiihält ein.- Erklärung des Ministcrpräsioenien Radoslawow, die laute!: Hinter unserem Rücken, weit von uns und gegen uujcrci! Willen, haben unsere Stammesbrüder, die nicht in Bulgarien zu Hause sind, eine Aktion unternommen, die nicht mit dem Fricüen des Landes im Einllang steht. Die buigarifchc Regierung mutz jede Verantwortung für diese llnicrnchmiing ableh- ncn In Bulgarien aber ist cs niemals erlaubt, eine Politik gegen meinen Willen zu treiben, die uns schädigen könnte. Sollte cs aber trotzdem jemand geben, der versuchen wollte, gegen mich zu arbeiten, so bin ich cntschlosscii, derartige Versuche mit ganzer Kraft zu unterdrücken. Die „Rcichspost" sagt hierzu: Die Erklärung des Miuister- präsidenten wendet sich gegen die serbischen Angriffe, nach denen die bulgarische Regierung verdächtigt wird, die mazedo- niiche Ausstandsdcwcgung zu begünstigen, weiter auch gegen gcwistc rustophile Kreise, die kein Mittel scheuen, dem Kabinett Schwierigkeiten zu machen. Mannschasisbeurlaubongcn in Rumänien. Wien, S. Okt. Die „Südslawische Korrespondenz" meldet aus Bukarest: Den Blättern zufolge wird der Kricgsminister einen Teil der cin- berufenen Mannschaften demnächst beurlauben. Die Ausstandsbcwcgung in Griechisch-Mazedonien. Sofia, 6. Okt. Das Blatt „Dnawnik" erfährt, daß auch in Griechisch- Mazedonien die Aussiandsbewcgung einen großen Ilmsang an nimmt. Es haben sich dort viele zumeist ans Muselmanen be stehende Banden von je etwa 200 Mann gebildet. Eine von diesen zerstörte kürzlich zwischen Ostrowo und Wladowo sb-i Wodena) drei Bahnbrücken, deren eine mehrere hundert Meter lang war. Eine aus einheimischer bulgarischer Bevölkerung gebildete Bande bestand am vergangenen Donnerstag einen achtstündigen Kampf gegen serbische Truppen bei Ecwgeli und zog sich sodann ins Gebirge zurück. Alis dtt itlflt des ZsilMS. T'ic -türfei ist bereit. Der „Nieuwe Notterdamfche Cou raut veröffentlicht einen Brief seines Korrespondenten aus Konstantinopel, der allerdings schon vor einer oder zwei Wochen geschrieben worden ist, aber gerade heute besonderes Jnteresie beansprucht, weil er die Ansichten der leitenden iür- kischen Kreise wicdergibt. Es hatten damals durch Vermittlung Rumäniens in Bukarest Verhandlungen zwischen der Türkei und Griechenland über die Jnselsrage statigefunden. Die bulgarische Regierung sekundierte dabei der türkischen. Rumänien selber vertrat, indem es diese Verhandlungen in die Wege leitete, den Standpunkt, daß der Friede von Bularest sich nicht ausrecht erhalten lasse, und cs wirkte auch zu Gunsten einer freiwilligen Acndcrung aus Griechenland ein. Die Gric- chen schlugen zwar Berhandlungen nicht ab, machten sie aber durch allerlei Winkelzuge illusorisch. Die Türkei denkt aber nicht daran, dieses Mal nachzugeben. Des Zusammengehens mit Bulgarien ist man vollkommen sicher und sicher auch, 'daß in Rumänien niemand mehr etwas von Rußland erwartet oder - hofft, und ebenso gewiß glaubt man der dauernden Neutralität Italiens zu sein, und so macht man sich auch über die Obstruktion der Griechen bei den Verhandlungen in Bukarest keine Sorgen. Wenn sie nicht freiwillig hergeben, was sie sich im vorigen Jahre zu viel zugecignet haben, wird cs ihnen einfach genommen werden. Auch dafür wird alles, ja ist alles vorbereitet. Roch nie hat man in der Türkei eine Mobilisierung so ausgcsührt wie diese. Alle Ottomanen, gleichviel von welcher Konfession, vom 20. bis zum lü. Jahre sind mobilisierl oder zum Heeresdienst verwendet. Alle Transportmittel, Last- und Reitpferde, Vclocipedc requiriert, lleberall Leute in Uniform, überall Pattouillcn und Wachtposten. Bosporus und Dardanellen sind so dicht mit Minen gesperrt wie nach Alles ist zum Kriege vorbereitet, und die Türken sehen ihm mit Selstvertraucn entgegen. England und die Muselmanen. Der „Jkdam" gibt eine, bedeutenden Artikel des feit 22 Jahren in Calkutta erscheinen, den persischen Blattes „Hablulmatin" wieder, in welchem die durch die gcgenwärlige Politik Englands in der ganzen muselmanischen Welt hervorgerusenc Unzufriedenheit hervorgchoben wird. „Wenn wir", so sagt das Blatt, „berücksichtigen, daß Deutschland in dieser kritischen Zeit der Türkei zwei seiner besten Kriegsschiffe verkauft, so werden wir erkennen, daß Deutschland während des Krieges nicht nur die Ottomanen an sich ziehen wollte, sondern alle Muselmanen der Welt. Ohm Zweifel wird die Türkei, die in der ganzen islamitischen Welt unbegrenzten Einfluß besitzt, das Dorgchen der Deutschen nicht vcrgcsicn und nicht zögern, sie zu unterstützen, wenn nicht materiell, so doch wenigstens moralisch." .... Die beiden großen islamitischen Gruppen, die Schiiten und Suniten, hätten die Nachteile der Schläge Englands so sehr empfunden, daß sie unter Hintansetzung ihrer religiösen Eettenunterschiedc beschlossen hätten, Brüder zu bleiben. Keine Macht der Welt löiinc die Türkei und Persien nunmehr voneinander trennen. Acgyp- ter, Inder, Chinesen und Ajrilancr würden sich in dieser heiligen Liga vereinigen. Die in den englischen und sranzäsischen Kolonien lebenden Muselmanen könnten ihren Regierungen nicht mehr treu bleiben: die Muselmanen des Kaukasus, Tur- kestans und Traiiskaukasicns könnten Rußland nie treu sein. Pcrstcj besitze keine Armee, aber seine Stämme, seine Bauern könnten zu einer großen Kalamität sür Rußland werden. Wenn stufenweise Afghanistan, Indien, Aegypten, Marokko, Tunis und Algerien sich empörten und ihre Bemühungen mit den islamitischen Regierungen der Türkei und Persiens vereinigten, kännlc dann die Triplc-Enienie, die mühsam gegen Oesterreich und Deutschland Krieg führt, noch irgend eine Kraft bcsitzcn? Der Artikel schließt mit Ratschlägen an England, seine Politik zu ändern und Rußland preiszugebcii, sonst würde es viel verlieren, Persien und Rußland. Konstantinopel, 5. Okt, Das hier erscheinende persische Blatt „Havcr" enthält folgende Mitteilungen: Persien hat Rußland eine neuerliche Rote überreicht, bezüglich welcher noch die Verhandlungen andauern, Jnsolge der Schritte Persiens haben die Rusien den Häuptling de» Siammes Magu, Jkbal es Saliane, und desicn Sohn wieder sreigelasien. Der hervorragende persische General Salah cd Daulch ist mit einer Mcgnc Wasscn und Munition in der Grenzstadt Hasryschiriu cingctrossen, um den Russen Verlegenheiten zu bereiten. Die persische Regierung hat den belgischen Generalschatzmeister Mornard und alle anderen in persischen Diensten stehenden Belgier abgesetzt und eine Kommission zur Prülung der Rechnungen Moruards gebildet. Amtlichen Nachrichten zufolge hat der Kricgsminister den Provinzbchördcn und allen Stammesoberhäupiern befohlen, eine beträchtliche Slreiikraft zu sammeln. Der Schah hat die schleunige Wieder- erössnung des Parlaments angeordnet. Er hat eine Liste aller Beamten verlangt, die rusiische Parteigänger sind: diese Beamten werden wahrscheinlich abgesctzi werden. . Liebesgaben für die Marine. Berlin. 5. Olt. Zur Entgegennahme und Verteilung von Liebesgaben für die kaiserliche Marine ikt in Kiel, 333 Beilage zur „Neuen Tageszeitung". Ulit Liebesgaben nach Frankreich. Ei»: Kriegsreift von Friepberg nach Bonziers. sSchlutz). Am anderen Margen ging es unter Führung des Herrn Major Beck aus Sedan hinaus, die Etappenstraße entlang. Ueberall sahen mir die Anzeichen eines harten Kampfes. Den ganzen Morgen kamen wir an endlosen Wagenkolonnen vor- lider. teils mit Munition, teils mit Lebensmitteln beladen. Häufig ging auf der rechten Seite ein Zug in unserer Richtung und auf der anderen Straßenseite eine Leerwagen-Kolonne oder Berwuribet Antransporte in der anderen Richtung, und wir mittest durch. Wenn es der Zufall wollte, wurden wir auch noch von einem Offiziersauto liberholt, fodaß mall sich manch- '!.at selbst wundern mutzte, daß alles so glatt vonstatten ging. Unser erster Halt war- Tanay, wo wir einen Teil unserer Lad: .,g für eine Kompagnie des Landsturmbataillons Darm- f adl (11 r>. ) abluden Da sah mail erst, was doch iu so 14 o; alles verstaut werden kann. Ganze Berge kamen an's ".i.'esilcht und wurden von unseren Landsturmlenten mit gro- l. n Jubel begrüßt. Zu unserer großen Freude entdeckte einer r?r Herren, daß unsere Hessen ein ausgezeichnetes Well- " : !.’j ici Siegel hatten, was uns ganz ausgezeichnet mundete, ".ick; kurzer Raft ging es weiter nach Bouziers, wo wir einen :n.irren T.'i h :i einer anderen Kompaglrie des Dariilstädter Lan>.'5Ur..kba«a'4ons abluden. Hier hiech es leider Kehrt ge ''-u-cht. unser >nilitäelscher Begleiter ließ uns nicht weiter. Wir ' itten gar zu gerne arick) unseren aktiven Truppell in der .ro:N die es noch weit nötiger haben, als unser Landsturm, einen Te l rurfe.er Liebosgaben gebracht. Jedoch es ging nicht, wir waren nur noch 20 25 Kilometer von der Schlacht entsernt nnd kotinlen sehr gut den anhaltenden Kanonendonner v >rcn Wir trennten uns noch von Bizefeldwebel Winkler. uns hier verlie'j, um sich zu den 108er» zu begeben. Hoffen •vir, dah er sein Regiment gut erreichte und es uns vergönnt ljt. ein frohes Wi.'der'eheil mit ihm zu feiern. Ec läßt durch l?;cfo Stelle »seinen Bekannien »lochmals herzlich Lebewohl lagen ^ Hier wie auf unserem Heimweg in Tanay nahmen wir e»Rc groge Zahl Pakete und Briefschaften für die Heimat zurück. In Tanay wurde uns auf dem Heimweg eine große Ueberrafchung zu Teil. Wie wir hielten, um die Pakete und Briese mitzunehmen, wurden wir zunl Mittagessen eingeladen. Aus einer Anhöhe neben der Kirche war ein Tisch gedeckt und >nit Feldblumen geschmückt. Wir bekamen ein recht gutes kräftiges Essen, bestehend aus einer starken Bouillonsuppe. Rindfleisch mit gemischtem Lala! oder Hammelgemüse. Es schmeckte UNS vortrefflich, wozu nicht wenig der vortreffliche Rotwein und das Kirfchwaffer beitrug. Letztere Getränke waren aus dem Schlosse la cnsine, eines der schönsten Schlösser bei Ben- tresse. Dos Schloß ist vollständig unversehrt, denn seine Bewohner sind nicht wie die meisten Einwohner geflohen, sondern wohnen geblieben. Hierdurch sind die Franzosen wahrscheinlich von der Zerstörung des Schlosses abgehalten worden, denn V ‘ L isten Zerstörungen haben die Franzosen selbst auf dem Ge wißen. Der deutsche Soldat ist mit wenigen Aus«,ahmen kein Plünderer und Vernichter. Da. wo es geschehen ist, und w:r sind auch solchen Plötzen begegnet, wo uns die Offiziere sagten, das haben unsere Truppen getan, da kann man sicher fern, daß die Wut der Leute durch unmenschliche Behandlung der Verwundeten, oder andere Umstände so gereizt war, daß stc nicht anders konnten, und eine exemplarische Bestrafung der Bevölkerung am Platze war. Der Deutsche hat viel zu viel Ecist und Gemüt, um an solchen Unmenschlichkeiten Gefallen >'u finden Sellien wirklich einige andere Elemente darunter sem oder durch das rauhe Kriegshandwerk etwas unmenschlich gemacht worden sein, so ist die eiserne deutsche Disziplin da, die die Leute im Zaum hält und von den Leuten alles verlangen kann. Wenn wir hier und da von Greueltaten lesen, die mijcre Soldaten begangen haben sollen, so können wir ruhig sein, die Zukunft wird lehren, daß die meisten Verheerungen von den Franzosen selbst verübt worden sind, und da, wo sie von unseren Leuten geschehen sind, sie dazu gezwungen worden und. Fedoch wir wollen zurückkehren zu unserem Mittagessen in Tanay Wir wunderten uns etwas über die Reichhaltigkeit und Güte. Da wurden wir belehrt, daß dies nur der Tüchtig- lei t unserer Landsturmmänner zu verdanken sei. Im Orte >Hbst. in dein bei Ankunft der Soldaten die Einwohner geflohen waren, — erst jetzt kamen sie vereinzelt wieder zurück —, war nichts mehr zu haben. Hier wie überall hatten die französisches! Soldaten bei ihrem Rückzug alles was sie nicht gebraucht hatte», vernichtet. Jedoch unsere Landesverteidiger wußten frch zu helfen Die Frucht stand auf dem Felde, sie wurde heimgefahren, gedroschen. gemahlen in einer -lernen AZassermühle, die auch erst wieder in Stand gesetzt werden »nutzte und dann ging rs an's Brot backen. Andere Feldfrüchte waren auch auf dem Felde. Vieh läuft in Hülle und Fülle herum, so daß sich dort mit der Zeit ganz gut leben läßt. Wenn sich die Leute auch viel behelfen müssen und alles sehr priinitiv ist. so haben sie es doch bedeutend besser als unsere aktiven Truppen in der Front, die gar keine Zeit haben, an ihr eignes Wohl zu denken. Sehr erfreut wurden wir durch mehrere mehrstimmige Gesänge. Ein einberusener Gesangslehrer hatte die Zünger der Kompagnie gesammelt und eifrig mit ihnen im Feindesland geübt. Es wurden auch mehrere Ansprachen gehalten, ein Hoch auf unser liebes deutsches Vaterland ausgebracht und „Deutschland, Deutschland über alles" gesungen. Wir haben auf unserer Fahrt manches gesehen und viele Eindrücke erhalten, doch oas Schönste und Erhebendste war dieses Mittagest'en unter freiem Himmel in Fenrdesland bei unseren Landstürmern ; sämtliche Teilnehmer werden es nie vergessen. Mittwoch, den 7. Oktober 1914. Aber einmal muh geschieden sein. Zum Abschied sangen unsere Landstürme! un» noch: „Weh dag wir scheide» müssen" schmückten unsere Autos mit Blumen und lies bewegt fuhren wir nach herzlichem Abschied und Danl weiter durch die uns zujubelnden, Spalier bildenden Soldaten, Wir bogen bald, nachdem wir uns von Herrn Major Beck getrennt hatten, von der Etappenstratze ab und kamen »ach Ranrourt, Hier tragen wir Landsturmmänner aus Kassel, die die Schlachtfelder räumten und alle liegen gebliebene Mafien usw, zusammenfuhren. Der Hauptmann riet uns, die Schlachtenfelder bei dem Hof Montjoie zu besehen. Nach etlichen Irrfahrten kamen wir auf der Höhe an, und bemerkten beim Austritt aus dem Walde die deutschen Schützengrübe», sowie die befestigten Stellungen der Schnellseuergeschütze und der Artillerie, Hier mutzte ein harter Kamps stattgefunden haben, der Boden war zerstampft und überall lagen Unisor,»stücke, Teile von Waffen, Tornister usw, herum. Die Spuren waren bis weit in den Wald hinein zu verfolgen, ei» Zeichen, datz ein erbitterter Kampf Mann zu Mann stattgefundcn haben niutz. Der Hof selbst war ganz verbrannt und zerstört, um ibn herum lagen verschiedene halb verweste Pferdekadaoer, die die Luft mit einem schauerhaften Leichengeruch erfüllten. Längs des Waldes auf der Anhöhe erstreckten sich die Gräber unserer Gefallene», an der Spitze dasjenige eines Hauptmanns der 25, Artillerie, Mit bewegtem Herzen schieden wir von dieser Stätie deutscher Ehre und fuhren über Haraucourt nach Remillq, wo unsere letzte» Sachen abgeladen wurde» und die Post für die Heimat Mitnahme», Gegen g Uhr kamen wir wieder in Seda» an. Wir hatten uns verabredet, wieder an unserem alten Platze vom Abend vorher uns zu treffe» und auch hier zu Nach! zu effen. Leider käme» wir etwas zu spät und bemerkten, datz ein grotzer Teil des Lolals besetzt und datz es auch mit dem Effen schlecht bestellt war. Jedoch wir Netze» uns nicht bange machen, holten in unserem Logie unseren eisernen Bestand, »ahmen unserer Wirtin, die UNS wegen der späten Stunde nichts mehr herausrücke» wollte, etliche Flaschen Rotwein ab, die einfach dazu bemerlte „c'eft la guerre comme a la gucrre" Sie suhlte sich aber ganz wohl bei diesem Krieg und wünschte vielleicht im Stille», datz es »och etwas so weiter ging, denn ihr Haus war immer voll und was der deutsche Soldat verzehrt, bezahlt er. Bald erklang das Klavier und vaterländische Lieder bis in die späte Stunde, Unsere Wirtsleute baten »ns, etwas an ihre Tür zu schreibe», was wir in Anbetracht der freundlichen Verpflegung sehr gern taten. So ist an dieser Türe wie an vielen Häuser» in Sedan zu lesen: „Hier wohnen sehr gute Leute, bitte schonen!" Am nächsten Morgen hietz es Abschied nehmen von Sedan, Nachdem unsere Pakete, deren Adressaten wir nicht erreichen konnten, an die Feldpost abgegeben und diejenigen sür die Heimat in einem Eisenbahnwaggo» verladen hatten, fotzten wir Benzin und fuhren nach dem Lazarett Torcy, wo wir Verwundete in unseren Wagen nahmen. Um I Uhr ging es wieder der Heimat zu, auf eine»« anderen Wege bis an die ftanzösischc Grenze, An dem Zollhans Anor wurde Halt ge- inacht und das letzte Kampjfeld besichtigt. Hier mutzte auch ein stärkerer Kaiupf staitgesunde» habe». Die Häuser waren zerstört und ausgeräuint, aber nicht verbrannt. Nicht weit davon stand noch eine ftanzösifche Protze mit unabgejchossenen Granaten, auch waren sonst die Spuren des Kampfes zu sehen. Wir nahmen Abschied oo» den Gräber» unserer Tapseren, meistens Regiment ltii, mit der Hoffnung, datz die Opfer nicht vergebens waren, sondern uns einen langen Frieden sichern werden. Jetzt ging es wieder aus dem alten Wege durch Belgien nach Luxemburg und von da uach Trier, Unterwegs i» Arlon stärkten wir uns sowie unsere Verwundete» noch mit einer Tasse guten Kaffees, I» Trier gaben wir unsere Verwundeten im Garnisonslazarett ab und vereinigten uns im Hotel Porta Nigra zu einer kleinen Abschiedsfeier, denn am nächste» Morgen wollten wir »NS trennen, die Darmstadier wollten über den Hunsrück und wir durch das Äkofeltal über Kobleuz »ach Hause, Am nächsten Morgen hatten wir »och etwas an unsere» Wagen zu mache», unsere beiden Verwundeten, die wir mit nach Friedberg nahmen, im Lazarett wieder in Eupsang zu nehme» und in der Zwischenzeit waren die Gietzener Herren weggesahren. Wir fuhren also die alte Poststratze hinaus und alsdann durch das wunderbare Höllcnbachtal herunter und kamen bei Alf an die Mosel, Po» hier ab folgten wir dem Laufe der Mosel bis nach Trais, wo wir mit der Fähre übersetzten und bei einer Flasche Moselwein und einem guten Mittagessen »»sere geschwundenen Kräste wieder ansftischten. Von hier ging cs weiter der Moje! entlang bis »ach Koblenz, wo wir um das deutsche Eck fuhren und den Rhein hinaus der engeren Heimat entgegen. Von beiden Seiten» griitzlcn uns die Burgen und bei Eaub sahen mir das Standbild Blüchers von der anderen Seite des Rheines, das uns erinnert« an de» urdeutsche» Mann, de» grimmigsten Feind des Welschtumes, Gott sei Dank, datz dies urwüchsige Draufgäugertum Blüchers noch lebendig ist in unserem Heere, Ilmgoldet von de» Strahlen der »ntergehenden Sonne, sahen wir das Nationaldenlmal vom Niederwald auf uns herab als Zeichen deutscher Einigkeit, erstanden durch welsche Habsucht und Ueberhebung, Gebe der Lenker der Geschicke, datz diesmal unsere Erbfeinde den Anlatz dazu geben, datz die Sehnsucht unseres grötzte» Freiheitsdichters, die er ausdrückt in dem bekaunren Lied: „Was ist des Deutschen Vaterland", sich erfülle und sich alle deutschsprechenden Stämme, das gesamte Germanentum, zusammenschlietze als Schutz und Trutz gegen das Welschtum und Slaventum In flotter Fahrt kamen wir über Bingen, Mainz, wo wir in der Dunkelheit ein Friedberger Auto verloren haben, nach Homburg und von da in unsere Heimatstadt. I 7. Jahrgang Beinahe hatte die so gut verlausen« Fahrt »och einen bösen Abschlutz erhalten. Wir nahmen von Sedan eine Rote Kreuzschwesler mit zurück, die zur Erholung in die Heimat wollte. An den schönen Gefilden der Mosel und des Rheines zog sie eine französische Uniform über und setzte ein Käppi aus, zum Ergötzen der Passanten, Jedoch die guten Mainzer nah inen es anders auf und es wurden schon einige Stimmen laut: Die riesen: „haut ihn!" Jedoch wie unsere Dame das Käppi entnahm, löste sich alles in Wohlgefallen auf und gab es ein allgemeines Gelachter, Wen» wir auch nicht bis zu unseren aktive» Truppe» vor dringen konnten, so waren wir doch hochbefriedigt von unserer Fahrt, war es doch einigen vvi> denen, die das Schicksal ver urteilt hat, zu Hause bleiben zu müssen, vergüniit, wenigsteiis etwas für ihr höchstes Gut, ihr Vaterland zu tuiu Pariser Verkehrsleben. Von Julius Adler, Friedberg. Je weiter der Morgen voranschreitet, desto mehr nimmt der Straßenverkehr von Geschäfts- und Lieserungswagen. Autobussen, Velozipeten. Droschken. Mietautos, herrschaftlichen Wagen aller Art, wie auch ait Fußgängern und Straßenhändlern zu. Der Straßenlärm ist ein gewaltiger in, Vergleich mit un seren großen deutschen Städten, da Alles ziemlich laut schreit und gestikuliert. — Höchst sonderbar berühren auch die lauten Rufe der Händler, die die Snaßen durchziehen und alle möglichen Geschäfte machen. — Außer den bereits erwähnten Händlern „der 4-Iahreszeiten", gibt es in Paris noch eine ganze Anzahl von Berufen, die im Umherziehen betrieben werden, z. B. der Glaser zum Ersetzen zerbrochener Scheiben (oitrier) der Scheerenschleiser (remouleur), dev Alt Kleider-Händler (marchand d'habits), der Lumpenhändler (marchand de chif- fons), der Ziegenmilch-Berkäujer, der mit seiner Herde die Straßen durchzieht, mit einer schrillen Pfeife, worauf er ein ganzes Stückchen pfeift, feine Ankunft meldet und das gewünschte Glas Milch vor den Augen des Käufers abu,elkt, die Fischhändlerin, die mit ihrem schweren Korb um die Mittags- stunde erscheint, damit die Fische gleich frisch in die Pfanne der Hausfrau wandern können; — alle diese Händler, ferner der Geschirr- und Porzellan Ausbesserer, der Stuhlslechter und noch viele andere mehr rufen ihr Gewerbe iu langgezogenem, singendem Ton aus. — Außerdem gibt es im Zentrum der Stadt auf den großen Boulevards noch verschiedene andere, aus die Fremden berechnete Straßen Becussarten. wovo», spä tcr die Rede sein wird. Wir nähern uns nun der elften Morgenstunde, der Zeit, zu der der Pariser seinen „Aperitif" = appetitreizendes Gläschen. nehmen muß. ja: „muß", denn diejer Gebrauch, oder besser Mißbrauch, ist in ganz Frankreich so enorm eingebürgert, daß Tausende lieber nichts zu Mittag resp. zu Stacht essen würden, als Aeritif vorher zu entbehren. Es handelt sich bei diesen Aperitifs, wovon jeder noch so kleine Bar. jedes unbedeutende Cafe 50— 100 verschiedene Sorten führt, stets um stark alkoholhaltige Getränke, meistens Liköre, die in der Mehrzahl in Deutschland nicht einmal den, Rainen nach bekannt sind: da gibt es: Wermuth, Bitter, Minze, Ehinaweine, Südweine usw., alle mehr oder weniger schädlich: an, verbreitetsten aber und in allen Kreisen, ist der Absinth, ein bitterschmeckendes, sehr anregendes Getränk, aus einer Pflanze bereitet, die in Siid- frankreich und Italien wächst. Dieses außerordentliche gesund heitsschädliche Getränk enthält über 60 Prozent Alkohol: überall, in ganz Frankreich, steht inan zu den Aperitif-Stunden die Männer aller Stände, auch viele Frauen, in den Bars und Cafes bei dieser schmutzig-grün aussehenden Flüssigkeit sitzend, langsam und voller AufinerksamieU beschäftigt, sie. durch Ver mischen mit ungefähr y x Wasser und etwas Zucker, zurechtzu- machen und dann m kleinen, behaglichen Zügen hinunterzuschlürfen. Der Absinth hat, infolge seiner schwer schädigenden Wirkung aus den Organismus und bei seiner enormen Verbreitung durch ganz Frankreich, die französische Volksgesundheit in den letzten Jahrzehnten erheblich angegriffen und untergraben: die Bars aber machen brillante Geschäfte damit und sind stets überfüllt: die Regierung beabsichtigte schon mehrmals, durch ein Gesetz, dieses unheilvolle Getränk zu verbieten (wie cs in anderen Ländern verboten ist): die Wirte haben aber einen derartigen Einfluß, daß sie diese Versuche in den Ansän« ge>, ersticken konnten. Aus die Aperitif-Stunde folgt das Mittagessen — in Frankreich Dejeuner — Frühstück genannt. (N. H Die erste leichte Mahlzeit morgens nach dem Ausstehen beißt: „Petit dejeuner" — kleines Frühstück). Die für das Dejeuner iu Betracht kommende Zeit schwankt in Paris zwischen YA'l und 1 Uhr ungefähr: die Bevölkerung ißt zu ga»,z einheitlichen Stun den und der Franzose läßt sich nicht gern durch ein Geschäft, eine Arbeit oder dergk., sei es auch noch so wichtig, die Zeit, seines Mittag- oder Abendessens verschieben oder verkürzen. Uebrigens ist es auch nicht üblich, zwischen den drei Mahlzeiten -- Morgens. Mittags und Abends — etwas zu sich zu nehmen und kan,l man in den Restaurants zu ande er Stunde als ungefähr von K12—2 und von Vil —9 Uhr tatsächlich nichts bekommen, — außer in einigen Bierwirtschaften — Brasseries nach deutscher Art, sowie Abends spat "in den Nachtlokalen. Mittag- und Abendmahlzeit sind dann auch verhältnismäßig reichlich und stets, sogar in allen Arbeiterfamilien, wird Wein dazu gdtrunken, der ja in Frankreich billig — billiger als Bier — ist. Das Restaurant Leben ist in Paris stark entwickelt, da der Pariser viel und gern ausgeht. Um die Mittagszeit sind die Restaurants gestopft voll und dabet nehmen die meisten dieser Lokale noch die halbe Straße hinzu, indem sie. bis über die Hälfte des Trottoir» hinaus. Tische aufstetlen und becke«. Das Nr. 235 gefällt der Pariser Bevölkerung ganz besonders gut und so sitzen denn die Leutchen bis tief in de» Winter hinein auf der Strnßc bei Tisch: allerdings ist zu erwähnen, daß das Klima nicht sehr rauh ist, — Mitten im Müler bleiben ganz Unerschrockene agch i--> Freien sitzen. Dann werden große trans- Portabl« Oesen aus das Trottoir vor die Türe gestellt. Nach dem Dejeuner geht cs dann gleich wieder in die Bars oder in die Ease's, um den Kaffee cinzunehmcn, natürlich wieder aus der Straße, auf der sogenannten „Terrasse": die Terrasse ist ganz einfach der an da- Lolal anstoßende Teil des Trottoirs, den die Kellner durch Bestreuen mit gelben Sand, womit sie oft künstlerisch Schlangenlinien ausjührcn, abgcgrenzt haben: zuweilen ist auch ein zusammenziehbares Schutzdach da- rübcrgespannt. Zum Kassee wird dann wieder Alkohol ge- rrunkcn und zwar Kognak, Rum, Kirschwasser, Zwetschcn- schnaps, Benediktiner usw,, die Franzosen nennen das „Pousie- ll.aje", d, i. „Kasjce-Vcrdauer" uiii halten es für absolut notwendig!!! Die Lokal-Besitzer suchen, durch Ausstellcn von Klückspicls-Apparaten (Appareils ä saus) die käste noch mehr anzulocken und zu fesseln und sich gleichzeitig eine weitere gute Einnahmequelle zu schassen. Bei diesen Apparaten handelt es sich darum, nach Einwurf eines tll-centimes-Stückes, einen Hebel zu ziehen: dieser schnellt eine Kugel herum, die im günstigen Falle in eine Berticsung gleitet und so eine Spielmarke im Werte von lv rcntimes auslöst. In den meiste» Fällen jedoch geht der Spieler selbstredend leer aus, — aber, selbst wenn er gewinnt, ist der Wert der Spielmarke nur in Eeträn- kcn im gleichen Lolal umzujetzen. Diese Spiele regen also nur zum Trinken an und cs ist kein seltener Fall, daß Arbeiter den größten Teil ihres Wochenlohnes, oder selbst das Ganze, verspielen. — Diese Apparate haben denn auch schon derartigen Schade» angerichtet, daß die Regierung sich endlich entschließen mußte, sic zu verbieten, — aber das betreffende Ersetz tritt, immer wieder aus Rücksicht aus die cinilußrcichen Wirte, erst Ende 1915 in Kraft!!! Bis dahin wird sich übrigens manches in Paris verändert haben!!! (Schluß solgij, , -- Deutsche Kriegsbrirfe. X.' (Fortsetzung) £ic Soldatenbricse von Givct eignen sich nicht zur Ver- ösfcntlichung in den Zeitungen wie etwa die unserer Feld- grauen, die, soweit wir sic bisher kennen geleimt haben, denn doch auf einen ganz anderen Ton gestinnnt sind. Und wenn sich die überaus empfindsamen Luxemburger darüber beklagt haben, daß unsere durchmcnschierrudcn Soldaten unanständige Lieder gesungen hätten, so möchte ich nicht, daß ihre Freunde aus Givet hier durchgezogen wären. Ten» dann hätten ihren höheren Töchtern die Ohre» wohl noch etwas anders geklungen. Und nicht nur ihnen. Aber des ist ein Kapitel, über das inan mit den Herrschaften noch etwas später wird rcdcii müssen. In rasender Fahrt gellt es maasabwärts weiter Namur zu, das wir bekaiintlich am Tage seiner Uebecgabe zum l. Male sehen. Aber welcher Gegensatz zwischen damals u. heute! Wir finden eine gewerbjleißigc, äußerst lebhafte Stadt, in der nur die furchtbare Zerstörung am Marktplatz noch an die Schrecken ihrer Beschießung erinnert. Die da- inals zerstörte und dadurch unserer Weiterreise hinderliche Maasbrücke ist von den Sachsen inzwischen in Stand gesetzt und, da sic wohl ihre Pontons schonen wollten, so haben sie einfach die in der Maas liegenden schönen und großen saube- icn Maaskähne requiriert, um durch ihre Zusammeulegung einen prächtigen Uebcrgang zu schaffen. Mit vollem Recht haben sic eine ähnlickle praktische und sichere Brücke in Givet die „Sachscnbrücke" getauft. Sic sollten diesen Ehrennamen auch an der Brücke in Namur anbringrn, denn diese Bau- werke zeigen Pioniere in diesem Kriege, lind mit den Pionieren sei auch des Trains an dieser Stelle gedacht. Wo wären unsere im Kampfe stchciiden Truppen heute, wenn nicht die Pioniere ihnen die Wege aller Orte» freigemacht hätten und wenn nicht der Train Tag und Nacht für die Heranschaffung von Proviant und Munition sorgte. Ehre auch denen hinter der Front! In Namur stehen wir am Zusamnlenslusse von Maas und Sambre. Noch aus dem letzte,, deutschen Katholikentag in, August vorigen Jahres in Metz erklang der Marsch „Sambre et Meuse", von Elairontrompeten geblasen, und zeigte, denen, die es hören wollten, daß die Unversöhnlichen in Lothringen nach wie vor den Germanisntionsbestrebungen des dc„tsck>en Zentrums unbeugsamen Widerstand entgegen- znsctzcn versuchten. Ter Marsch ist das Revanchelied dieser Leute gewesen, und doppelt wichtig erscheint es mir, hier in der alten Römerfestc am Zusannnrnflnsse der beiden Ströme heute auch einmal die W cht am Rhein zu hören, die ein cinniarschicrendes süddeutsch Regiment zum Besten gibt. Ruhig gehen die Rainen, wie lvir Deutsche sic heißen sollten, ihren Geschäften nach. Auch die von der belgischen Regierung nach unserer Mobilmachung mit ganz kurzer 'iiift ausgcwicseuen Deutschen sind wieder in der Stadt er- chiencn »nd leben naturgeniäß solange hier zwischen Furcht md Hoffnung, als nicht die zukünftige Gestaltung der Dinge 'nlschieoea ist. Ter flämische Einschlag in der Bevölkerung fit unverkennbar. Tie Sauberkeit der Häuser und Gärten erinnert stark an Holland, während die Eleganz der Geschis- !e aus den französischen Ursprung ihrer Inhaber zurück-»- juhren ist. Die feinsten Damen der Stadt beteiligen sich an der pflege der in den Hospitäler» liegenden belgisckxni. eng- liscksen, französischen und deutschen Verwundeten Einen etwas deplaeierteu Eindruck mache» die in großer Zahl aus emem Platz unten an der Maas stehenden Kiriuesbudrn. Es fit sonst um diese Zeit überall in Luxemburg und Bel- Neue Tageszeitung. Mittwoch, den 7. Oktober 1811 gieu das fröhliche,Treiben der „Kirmes" zu beobachten, und auch in Namur hatte man sich die Sache etwas anders gedacht, als sie inzwischen geworden ist. Ich erwähnte schon seiner. Zeit, daß zwei Tage nach dem Kriegsausbruch König Albert und seine aus dem bayerischen Königshause stam- mende Gemahlin in Naniur erwartet wurden, um hier an allerlei Festlichkeiten teilzunehmen. Damals scheint man auch die Kirmesbudcii üufigebaut zu haben, in denen nun schon seit Wochen Obdachlose nächtigen. Oben aber, ans der Höhe, wo die Zitadelle sicht und ein wunderschöner 75 Hektar großer Pari mit Olympia, Rennbahn und Luxushotel den Ruf Namur als eines aufblühenden Kurortes fcsfigen sollte, haben die öfterrcichischen Motorbatterien gute Dienste getan und auf lange Zeit hinaus für die, welche in Wollcben, Lurussport und süßem Nichtstun rettungslos zu verweichlichen drohten, ein warnendes Mene Tekcl in die Felsen geschrieben, die Sambre und Maas von einander scheiden und den kricgsknndigen Römern Anlaß zur Schaffung der ersten großen Römcrfcste auf belgischem Boden gaben. In einer heinilichen Wohnung mitten in der Stadt kam ich auf Anordnung der Militärbehörde für diese Nacht unter. An, anderen Morgen ging es unter den, Geläut der Sonutagsglockcn zum Tore hinaus, Brüssel, entgegen. Vorher aber besuchten wir „och die Höhe von Boiiniue, wo am selben 23. August, an de,» wir i» Namur eiiizudriugen versuchten, unsere Garde glorreich focht, llnmittelbae vor dem nusgebraniiten Schloß gleichen Namens habe» die Unseren den Sturm aus die befestigten Höhen der Stadt unternommen »nd siegreich dnrchgesührt. Aber unter den alten Eichen im Park von Bonnine ist manch einer geblieben, um den ein treues Muttcrhcrz sich bangt, und voll Trauer lasen wir neben den Namen braver Musketiere, Gefreiter und Unteroffiziere auch den eiues Hrrwarth von Bittenseld. Liebende Hände haben jedes Grab mit Zyprcssenbänmcben. Holzkrenzen und blühende» Blumen geichmückt und damit zu erkennen gegeben, dgß sie im Tode alle gleich und in unserer Erinnerung alle Helden sein sollen. Ueberall sehen wir auch hier noch die letzten Spuren eines schweren Kani- pfes, aber in den schönen Bäumen des Schloßparkes inbi- licren die Vögel und rauscht in den mächtige,, dunklen Tannen das Lied vom ewigen Werden und Vergehen. Paul Schweb er, Kriegsberichterstatter. Ans der Sesmat. * Frankfurt a. 91.. (i. Okt. Auf eine Anfrage bei der Kommandantur in Ohrdruf, wo sich bekanntlich das große Kriegsgefangenenlager befindet, ob die aus im Handel besindlichen Postlartcn, welche die standrechtliche Erschießung eines als belgischer Franktireur ergriffenen katholischen Eeistlichen bildlich darsiellen, den Tatsachen entspräche, hat die Behörde mitgeteilt: In Ohrdruf hat überhaupt keine standrechtliche Erschießung non Franktireurs stnttgcsunde», auch sonst entsprechen die Angaben auf den fraglichen Postkarten der Wahrheit nicht. * Frankfurt a. 91., (i. Okt. Vorgestern verstarb hier das Mitglied in der gemeinsamen Prcisnoticiungskommission am hiesigen Fruchtmarkt der Landwirtschaftskammcru für den Regierungsbezirk Wiesbaden und für das Eroßhcrzogtum Hessen, Eusiav Lefcvre nach schwerem Leiden, eine in den Kreisen der Landwirtschaft bekannte Persönlichkeit. Hessen-Nassau. * Wiesbaden, 3. Olt. Die Maul- und Klauenseuche hat sich seit der Vorwoche im Regierungsbezirk Wiesbaden weiter aus- gcbreitet. Zur Zeit sind im Landkreis Wiesbaden die Gemeinden Biebrich, Nordcnstadt, Erbenheim, Frauenstein, Schieistcin, Eddersheim und Wciibach: im Stadtkreise Wiesbaden drei Gehöfte: im Kreise Höchst a. M. die Gemeinden Okriftel und Zeilsheim, im Rheingaulrcis die Gemeinde Eltville als von der Geißel ore Landwirte heimgesucht gemeldet. * Wiesbaden, (i. Olt. Die größten Kriegsgefangenenlager in der Provinz Hessen-Nasiau sind bezw. werden in Niederzwehren in Nicderhessen und bei Limburg a. d. Lahn nach Dietlirchen hin errichtet. Das elftere wird 20 000, das letztere 10 000 Kriegsgefangene und zwar Franzosen, Engländer, Russen und Belgier ausnehmen. Am 2. und 3. Oltober sind bereits »000 uuverwzrndete Kriegsgefangene in 10 Sonderzugen über Gießen aus Station Oberzwehren eingetrossen und in das Kriegs- gcsangenenlager nach Niederzwehren übersührt worden. Es waren vornehmlich französische Kriegsgcsangene, darunter Tur- los und Zuaven, 100 englische sowie 300 belgische Zivilisten und belgische Rekruten. Unter den englischen Gesungene» befindet sich ein Schlosser, gebürtig aus Niederzwehren, der im Aller von 11 Jahren nach Großbritannien ausgcwandert, vor kurzem sich für die englische Armee hat anwerben lassen und nun aus so tragische Art in seine Heimat wieder gelangt ist. In dem Gefangenenlager bei Limburg werde Ende dieses Monats die Eesangenentransporte eintrcssen. Für die beiden Lager werden zur Verständigung mit den Kriegsgesangenen zahlreiche Dolmetscher aus der Bevölkerung gesucht, die die jran- zösische, englische und russische Sprache beherrschen und sich sür längere oder kürzere Zeit oder auch sür bestimmte Stunde» freiwillig zur Verfügung stellen. Erna und Ilje. Roman von D. Feußner. (Fortsetzung). „Hrna, noch ein Liedchen," bat Ilse jetzt weich, „oder bist du nicht in der Stimmung zu singen?“ „Dir zu lieb — immer!" Und Erna sang in Begießung des 2nstrun,ents ein Klagelied, so süß, so >b cwältigend, daß man deutlich spüfte, es war ree Weheruf des eignen Herzens. Wann kehrst du heim, (Sei: Ster meiner Seele? Treibt dich die Sehnsno ' cht zu mir'> Seite 2. O, wüßtest du, wie ich mich sorg' und quäle, Wie heiß mein Herz verlangt nach dir! Ein langes 2ahr ist träge hingeschwunden So reich an Hoffnung, reich an schweren Siundcn, Die Hoffnung war bisher ein eitler Wahn. Wann bricht der neue Frühling an? O komme heim, Geliebter meiner Seele! O komme heim! O komme heim! Weißt du es nicht, du Mond im Silberkleide, Wo der Geliebte wohl jetzt weilt? Weißt du's, so bring ihn. Kund' von meinem Leide, Aus daß er kommt, mich wieder heilt! Und ihr im sanften Licht, barmherzige Sterne. Bringt ihr mir keine Kunde aus der Ferne? Habt ihr gesehen als ihm sein Auge brach? Hofft er noch auf den jungen Tag? Wißt ihr es nicht? :c. Rach Beendigung der zweiten Strophe schwieg Erna. Hingerissen von ihrem eigenen Gesang saß sie da wie selbstvergessen. Die zarten Hände lagen »och auf den Tasten, wie zum Anschlägen eines neuen Akkordes bereit, als eine tiefe Männerstimme hin er ihr bittend sagte: „Sollte das schöne Lied noch nicht zu Ende sein, so singen sie bitte weiter Fräulein Erna" Es war Herr Ruth, welcher gleich nach Beginn der ersten Strophe unbemerkt eingetreten mar und'nun fast atemlos dem bestrickenden Gesänge lauschte. Und ohne sich umzusehen spielte Erna wci:er und aufs neue erklang der sie selbst und die Hörer aufs tiefste erschütternde Gesang. 2hr bleibet stumm, der Mond hüllt sich in Schweigen, Sieht niemand meinen wilden Schmerz? Wohlan, so mußt du dich dem Schicksal beugen. Mußt leiden, armes Menschenherz. Bis du dich einst nach lebensmüden Schlägen, Bom Kampfe matt zur ew'geit Ruh wirst '.eg->». Wo der Geliebte heut' vielleicht schon wellt Und Wiederseh'n mit ihm dich heilt 2a Wiederseh'n, ja Wiederseh'n, 2a heilen wird dich himmlisch Wiederseh'n, Und neu wird dich mein krankes Herz beleben Ein himmlisch schönes Wiederseh'n, Schon längst waren die letzten Töne verklungen und noch immer herrschte Schweigen, niemand wagte die heilige Stille zu unterbrechen, sich dem geheimnisvollen Banne, der, auch das härteste Gemüt überwältigenden Kunst zu entziehen, bis Erna das In» strument schloß und leise aufstand, „2ch danke Ihnen, Fräulein Erna, wie schön war das," sagte der Rittergutsbesitzer bewundernd. „Und Vater," rief Ilse leise, „das war meine Klage, mein namenloses Weh, das keinen beredteren Ansdruck finden konnte. Aber sprich, hast du schon schöner singen und spielen hören?" „Rein, mein Kind." „Auch Roderich, desien Spiel uns dock so oft entzückte, ist Erna in musikalischer Hinsicht nicht ebenbürtig." „Rein, auch Roderich nicht! Aber hier habe ich etwas von ihm, das dich beglücken wird." Damit reichte er ihr einen Brief und einige Karten hin. „Endlich! Endlich!" jubelte die Kranke. Mil zitternden Fingern erbrach sie das Kuvert und durchslog den 2nhalt des Briefes. Gleich am Anfang hieß es: „Endlich bin ich in der Lage dir mitteilen zu können, daß ich am . . . August aus dem Dampfer I. die Heimreise antreten werde, Ort und Zeit der Ankunst noch unbestimmt u. s. w." „Er kommt! Er kommt!" jubelte sie, „hier, Erna, lies den Brief!" „Verzeih, 2lse, daß ich mich desien weigere," sagte Erna ruhig aber bestimmt und war zu der Lcliüie des Briefes auch nicht zu bewegen, als 2lje stürmisch in sie drang. Die große Freude und die selige Stimmung trugen Schuld daran, daß die glückliche 2lse kleine Taktlosigkeiten beging. Erna saß, während 2lse den Brief wieder und wieder las in Gedanken versunken neben dem Bett, Sie war im Geiste zu Hause — es klingelte — die Mutter ging um zu öffnen und sie — Erna hörte eine Stimme sagen: „Feldpostbrief an Fräulein Lange!" — Sie nahm der Mutter den Brief ab und erbrach das Kuvert in nervöser Hast — es waren elegant geschriebene formgewandte Zeilen, aber kalt und reserviert. Kein Klagen, keine Wünsche sprachen aus ihnen, er hatte überwunden und — vergessen! Vergessen? Vielleicht — vielleicht auch nicht! War heute auch an sie ein Brief angelangt um auch ihr zu melden, daß er bald heimkehren würde? — Fast bereute sie diese Reise zum Onkel angetreten zu haben; aber nach erfolgtem Ausgleich alter Differenzen zwischen diesem und ihrem Vater, war der Besuch der beiden Nichten gewissermaßen dazu bestimmt, der Versöhnung die Krone auszusetzen. Und wie gern waren diese der Einladung gefolgt, denn so eine Badereise mußte sich doch viel interessanter gestalten, als eine Dampserfahrt auf der Oberspree. „Bist du nun zufrieden?" fragte der Rittergutsbesitzer seine glücklich lächelnde Tochter. „Ich bin zusneden und glücklich und will nun geduldig warten, bis er kommt " lFortsetzung folgt). „Römevbnmneti Hervorragendes Tafelwasser. Seite 2 SHr. 285 > ' —---— helinshaven und Cuxhaven je eine Abnahmestelle für sreiwil- ilige Liebesgaben eingerichtet worden. Es wird gebeten, die der kaiserlichen Marine zugedachtcn Liebesgaben an eine dieser Abnahmestellen, und zwar unmittelbar zu senden. Mit der Bezeichnung „Freiwillige Gaben" an die Abnahmestelle gerichtete Frachtstücke werden aus allen Bahnen srachtfrei befördert. Auf den Frachtbriefen ist der Inhalt der Absender und die Empfangsstelle genau anzugtben. Mit den gleichen Angaben ist jedes Frachtstück aus mindestens zwei Seite» zu versehen. tamrettbiid. Fm Lazarett lag rin verwundeter Soldat, Fern seinem Vaterhaus, in einer fremden Stadt. 's war gegen Mittag, und die Schwestern kamen, Und brachten Kaffee in die Krankcnfäle. Schwarzbrot gab s heut' dazu und Zwclschenhonig Der Krieger schmunzelt, als die Schwester freundlich ihm Ein dickes Honigbrot zum Kaffee schmierte. So batte, als er noch ein kleiner Knabe, Die Mutter ihm, da er noch gar zu ungeschickt, Manch' Honigbroi rund um den groben Laib herum Abschneidcn müssen. Gab das immer einen Spatz, Wenn ihm, je kleiner ward das Brot, der Schnurrbart wuchs! Sa sinnt er sich in seine Jugendzeit zurück . . . Auf einmal denkt er still bei sich: ob wohl mein Schatz Daheim den guten Honig für mich kochte . . ? Tann malt er sich ein trautes Heimatbildchcn aus: Die rutzgeschwärzte Küche und den Kessel Davor sein liebes Mädel, wacker beim Gcschäjt, Sachkundig bald den Honigrührei drehend, Und bald, von Mutter abgclöst, sich kühlend, Darauf da« Kessclfeucr sorgsam schürend — Bis gegen Abend es an's Schöpfen ginge. Die Proben waren alle gut bestanden, In Ordnung war das mir dem leid'gen Wafferrand . .. Da weckte ihn sein Nachbar aus den Träumen: „Fritz trink! Dein Kaffee wird ja kalt; die Schwester kommt!" , Wo glaubst Du, datz der Honig herstammt —?“ fragt ihn Fritz „Vielleicht kann Dir die Schwester sagen, wer ihn gab" ..Du glaubst gewitz. Dein Schatz Hab' ihn für Dich gekocht, Ich sch' Dir's an. an Deinem seligen Gesicht . . ." »2«. ja — doch einerlei — war's nicht mein brauner Schatz, So war's viclkicht ein blondes Kind, das ihn gerührt Cr soll mir drum nicht wen'ger schmecken, denn 's ist wahr: Was uns der deutschen Frauen Liebe schenkt, ist gut! Lcidheckcn. K. Rheinsurth, stud. theol. Ans der Heimat. * Fricdbcrg, 8. Okt. Do» Heldentod fürs Vaterland starb der Grotzh. Feldbereinigiings-Komniissar, Kceisa.nt- rnann Gocrtz zu Büdingen. Äcr Verstorbene stainnit von Friedberg. Sein Tod wird in allen Kreisen, die den Verstorbenen kannten, aufs tiefte beklagt werden. • Friedberg, 7. Olt. Grütze und Dank für die Liebesgaben aus der Wetterau trägt mir ein Unbekannter in einer Postkarte Neue Tageszeitung. Mittwoch, den 7. Oktober 1 3 1 « aus. Die Postkarte lautet: .Lieber Lands! Deine freundlichen Liebesgaben gelangten in meine Hände und verteile ich solche in meiner Korporalschaft und an andere Kameraden, jedenfalls kam alles in die richtigen Hände. Unsere lieben Wettcrauer haben uns reichlich bedacht und viele Glückliche gemacht, denn alles, was von der nächsten Heimat kommt, hat doppelten Wert. Wir haben hier einen bisweilen nicht ungesährlichen, jedenfalls aber harten Posten, denn die Nächte in den Vogesen sind schon bitter kalt und manche davon müssen wir drautzen zubringen. Doch was schadct's? ein Jeder von uns erträgt alles mit Freuden: cs geht fur's Vaterland. — Sei srcundlichst gegrüßt von Deinem Untcrossizicr Sommer, l. Komp. Landsturmbat. Jricdberg." * Fricdbcrg, 7. Okt. (Von unse rem Landsturm- Bataillon). Von einem hiesigen Herrn, der heute von Markirch, wohin er die von ihm gestifteten Liebesgaben gebracht hat, zurückgekchrt ist, erfahren wir, datz es unseren Landsturm Bataillon dorten gut geht. Die hier verbreiteten Gerüchte, der Landsturm habe bereits Gefechte gehabt und es seien mehrere verwundet oder gar gefallen, sind völlig aus der Lust gegriffen. Dank der Fürsorge des von den Landstür- mcrn mit Begeisterung verehrten Führers, Herrn Oberst Weimer, wird die Verpflegung allgemein gelobt und werden Lebensmittel dorten zur Zeit als Liebesgaben nicht gewünscht, da alles genügend vorhanden ist. Dagegen wird um Zusendung von Zigarren, Tabak, Schokolade, Strümpfen, Stauchen und warmer Unterkleidung gebeten. Diese Bitte ist umso berechtigter, als es auf dem Kamme der Vogesen schon recht empfindlich kalt ist. * Fricdbcrg, 7. Okt. (Ein heiteres Stiicklein aus unseren Lazaretten). Eines der lieben Mädchen, die ihre Dienste dem Vatcrlande widmen, um unsere wackeren Verwundeten zu pflegen, betrat einen Krankensaal, unler'm Arm eine Anzahl mit Spreu gefüllter, kleiner Kissen. Wer will ein Kitzchen, rief sic aus und alle riesen: Ich, ich! Hatten sie doch verstanden, das Kitzchen würde mit einem „ü" geschrieben. * Bad-Nauheim, 7. Okt. Auf das am Donnerstag, den 8. Oktober, abends 8 y, Uhr im Theatersaal des Kurhauses stattfindende Extrakonzcrt der Kurkapellc, dessen Gesamtertrag zum Besten verwundeter und im Felde stehender Krieger bestimmt ist, sei an dieser Stelle nochmals aufmerksam gemacht. Herr Professor Windcrstein wird mit einem genutzreichen Programm auswarten: es kommen zu Gehör: H-moll Sinfonie von Fr. Schubert, Serenade für Streichorchester von Haydn: Menuett für Streichorchester und 2 Hörner von Mozart: Rondino für 8 Blasinstrumente von Beethoven: Ouvertüre zu Egmont von Beethoven. Konzertmeister Schachtebcck wird die Träume und das Albumblatt von Richard Wagner, Herr Key! die hebräische Melodie „Kol nidrei" voltragen. Auch mit Rücksicht aus den guten Zweck der Veranstaltung wäre es sehr zu begrüßen, wenn diese durch einen zahlreichen Besuch ausgezeichnet würde. * Lindhrim. 1. Okt. Herrn Hauptmann Weftcrn.ichcr, Sohn des Herrn Oekonomierats Wesrcrnacher hier, ist das Eiserne Kreuz verliehen worden. Herr Hanptmann Wester- nacher wurde bei den Kämpfen in Frankreich verwundet. * Gießen, 7. Ott. Zur Aufnahme von Gefangenen ist aus dem Exerzieplatz am Trieb hier ei» mächtig großer Raum eingefriedigt, mit Kanalisation und Wasserleitung versehen worden und außer mit Zelten auch schon mit einigen Holzbaracken bestanden. Mehrere tausende Laibe Brot sind schon vorrätig, so datz die Gäste jeden Tag eintressen können und alles in Ordnung finden. Wie verlautet, kommen Franzosen hierher. * Vorsicht be, Viehhändlern. Verschiedene Proiant- ämtor haben bei Beginn der Mobilniachung einzelne Viehhändler mit dem Einkauf von Vieh für ihre Depots belluf- tiagt und deshalb diese Händler besonders legitimiert. Wie man hört sollen einzelne dieser Händler jetzt diese Scheine auch zu Privatzweckcn benütze», obwohl diese Scheine jetzt nicht mehr gültig sind Sie sollen jetzt ein- gezogen werden. Hrffrn-Nasia». * F. C. St. Goarshausen, 6. Okt. Das 2tzs> Jihrk alte Töchterchen des Kaufmann Weis; in Michler ertrank in einer im Nachbarhofe stehenden Bütte mit Wasser. F. C. * Branbach, 6. Okt. Hier beginnt die Traubea. lese am 12. Oktober, in Oberlahnstein bereits am 7. Okt. Aufruf! Dem Zweigverein vom Roten Kreuz in Friedberg wurde auf Anfrage mitgeteilt, daß durch Vermittlung der Etappenkommandantur III in Darmstadt, Liebesgaben an bcstimmtc Bataillone unserer hessischen Regimenter bcsör- dcrt werden können. Dos Rote Kreuz in Fricdberg beabsichtigt Freitag, den !>. Oktober abends die beträchtlichen Vorräte an Liebesgaben in einem Waggon an das III. Bataillon Infanterie-Regiment Nr. 168 und an das Reserve- Bataillon Jnfantcric-Regiment Nr. 116, das sich hauptsächlich ans den Kreisen Friedberg und Büdingen zusammen- scht, zu senden. Liebesgaben, bestehend aus wollener Unterkleidung, Strünipfen, Wurst, Speck, Schinken, (aber nur Danerware), Cigarren, Tabak und Zeitungen, nach denen unsere Truppen sehr verlangen, werden bis z»,n Freitag Morgen auf der Geschäftsstelle des Roten Kreuzes, Haag-> straste 16, während der Geschäftsstnnden (9—12 und 3—6 Uhr angenommen. Sehr erwünscht ist auch Bnncnibrvt, das wenn frisch gebacken recht gut ankommt. Auch Einzel. Pakete werden befördert, nur bitten wir um gcnanc Adresse, namentlich um Angabe der Kompagnie. Geschäftsstelle des Roten KmzeS, SiWstrasic 10 . Frankfurter Wetterbericht. Voraussage: Heiter, trocken, tagsüber mild, nachts kalt, schwache Fröste, nordöstliche Winde. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e l, Friedberg: für den Anzeigenteil: K. S ch ni i d i, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", A. G.. Fricdberg i. H. Am 27. Septemper starb den Heldentod fürs Vaterland unser guter, treuer Sohn, unser lieber Bruder und Schwager Referendar Hermann Schäfer Vizefeldwebel d. Res. im 22. K. b. Inf^Reg. 6. Komp. Reichelsheim (Wetterau) 6. Oktober 1914. In tiefer Trauer; Adam Schäfer, Lehrer Efnma Schäfer, geb. Mickel Marie Winter, geb. Schäfer Emma Schäfer Hermann Winter Zur Herbstsaat empfehle: Thomasmehl, Kainit, Kali. Superphosphat, Ammoniak superphos - phat, fchmefclsaures Ammoniak und Peru- Kuano (MliLNimakkk). Ph. Dan. Kümmich, Fricdbcrg. ilnif NillgosMtlne werden abgegeben zum billigsten Tagespreiie. iiinfjofenürgelei I. K. fjofinntui, 8a»-li«»i>ki-,. am Chausseehaus. 1Zulltiuilij,1jll.HiindvÄaufi Näh. bei Fuhr, UIirUch»tt,kr..taii>e». Eine gute Fahrlrich m. Kalb ein- und zweiipännig gefahren, steht zu verkaufen bei Kapeller, Kreisstratzenwart, Bisses bei Echzell. DENÜte MftE M ffMMMWM Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Moselstraste 6a. Telefon-Nummer 9201» Slmt I. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem | I Kranksein und der Beerdigung unserer einzigen unvergesz- lichcn Tochier, meiner innsgslgeliedlen Braut Margarete Allendörferj lagen wir hiermit Allen, insbesondere Herrn Pfarrer Schäfer für die wannen, trostreichen Worte am Grabe unserer lieben Entschlafenen, und für die zahlreichen Blurnen- spendcn unseren innigsten Bank. Ober-Rosbach o. d. H.. den 6. Okt. 1914. 8ir trauernde» Ninterbliebene»: Karl Allendiirser u. Lrau, Georg Ph. Schul» II, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme I bei der Beerdigung unserer lieben unvergehlichen Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Urgrog- | mutter M 8 tW Heller Wiv. sagen auf diesem Wege, insbesondere Herrn Pfarrer Strack für die trostreichen Worte am Grabe unseren | tiefgefühlten Dank. Echzell u. Neichelsheim, den 6. Okt. 1914. Familie Heller, Familie Wolf. Gewerbeschule Friedberg w. Dreikla sige Tagesschule mit besonderen Abteilungen jüt Bauhniidwerker, Äletalla.beiter, Aialer u Weigbinder. Beginn des Unterrichts: Mittwoch, den 4. Nov. 1914, vormittags 9 Uhr. Beste Vorbereitung siir die Meisterprüsung. Bei erfolgreichem Besuche der obersten Klasse kann der Eintritt in die zweitobersten Klassen der Baugewerkschulen Hessens erfolgen. Anmeldungen sind spätestens bis zum 24. Oktbr. an die Schulleitung zu richten, von der auch Schulprogramme und Anmeldungsjcheine unentgeltlich abgegeben werden. Friedbero, den 3. Oktober 1914. Für de» Anfsichtsrat: Die KchnUeilnna: Stahl, Dipl. Ing. Sch ne idt. Vorsitzender. Groszh. Hanptlehrer. Alle 3 *os< (SiaiKCE'Sfi'.j) Fernsprecher No. 20 — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 4963. Eröffnung von laufenden Rechnungen und provisionsfreien Scheckkonten Entgegennahme von Spargeldern auf kürzere und längere Zeit, bei sofortiger Verzinsung .7U den höchsten Zinssätzen. Vermögens= und Nachlass=Verwaltung. plitüritfijf llfrfiiif Feiediiergs. Donnerstag, den 8. d. Mts.. Nachmittags 4 Uhr findet die Beerdigung des Kameraden lehrcr K. itanmatm von Friedberg jwelcher den Heldentod für das Vaiciland gestorben ist vom Friedhöfe aus statt. Die Vereinsmitglieder werden hierzu tameradjchajilichlt eingeladen. Sammlung in der Nahe des Friedhofs b’/, Uhr. Dir Uorfiänbr brr mili!ärifd)ru prrrinc Iricbbrrgs. !?§wiiing- Revolver neustes 31odell samt Munition heute eingetroffen S.^lUSWwM Friedberg i. II. Carbin ^a5 wissenschaftlich und praktisch tausendfa( glänzend begutachtete SaatSjduitzmjtheJ , E verhütet ine Beeinträchtigung der Keimfähigkeit Itcitc grohe Transporte Oekonomie tu Arbeite- { C X ^ C treffen täglich bei uns ein. Goldjchmrdt & Dornberg Frankfurt a. W. Dtnsikantenmeg 78 . 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