Nummer 233 Montag, den 5. Oktober 1!N4. 7. Inbrgong Die „?>c»e Taxesieitung" ct cf-eint jcBen SBerltag. Regclmähigs Beilagen „Der Kauer NUS tscsten", „die Hpinnkube". tzeingoprei»: Bei den Postanstaiten vcersellährlsch Ml. 1,95 l ei Den Agenten monatlich 50 Pig. f'inui tritt Postgebühr oder Trägcriohn. Anicigcn: Grund,eile 20 Pfg., lokale 15 Pfg, Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahine erhoben Erfüllungsort Friedberg. Schriftlettung und Verlag Friedberg (Hessens, Hanauerärahe 12. Fernsprecher 18. PostscheL-Tont» Rr. 1859, Slmt Franlsurt a. M. Erfolgreich vorwärts! 4 Forts mit Zwischenwerken vor Antwerpen genommen. — Die ersten (Hranaterr in 2tntwerpen. — Die Russen abermals geschlagen. — Ein Ultimatum des Dreiverbandes an die Türkei. Die Kriegslage. (W. T. B.) Großes Hauptquartier, 3. Okt. abends. Attf dem französischen Kriegsschauplatz sind heute keine wesentlichen Aenderungen eingetretcn. Am Angriff ans Antwerpen fielen auch die Forts Lierre, Waclhem, Koenigs- tzockt und die dazwischen liegenden Re- douteu. An den Zwischenstellungen wurden 30 Geschütze erobert. Tie in den äuszcren Fortsgürtel gebrochene Lücke gestattet, den Angriff gegen die innere Fortslinie und die Stadt vorzutragen. Im (!) ft e n sind das 3. sibirische und Teile des 22. Armeekorps, welche sich auf dem linken Flügel der über den Ujemen vordringenden russischen Armeen befinden, nach zweilagigem erbittertem Kampfe bei Auguftow geschlagen worden. Ü e b e r 2 0 0 0 unverwundete Gefangene und eine Anzahl Geschütze n. Maschinengewehre find erbeutet worden. Erfolgreich vorwärts. WTB. Großes Hauptquartier, 4. Okt., abends. Amtlich. Auf den» westlichen Kriegsschauplatz geht der Kampf am rechten Heeresflügel und in den Argonncn crsolgreich vorwärts. Die Operationen vor Antwerpen und ai>f dein östlichen Kriegsschauplatz vollzogen sich planmäßig und ohne Kampf. Äik trstcn (ijratmtfn in Antwerpen. Fondo«, 3. Nkt. (Uichtamtl.) „Cr- change Telegraph" meldet ans dem Kaag: Als die ersten Granaten in Ant- w c r p e » hineinfielen, brach eine Danik aus. Da zeigte sich der König auf dem Datkon des Dchlosies und ermahnte das Uolk, Iluhe zu bewahren und, seinem Dci- spiel folgend, abrnwartcn, was da kommen werde. Ein Telegramm des Kaisers. WTB. Dresden, 3- Olt. (Richamtl.1 Der König erhielt am 2. Oktober folgendes Telegramm des Kaisers: Es gereicht mir zur größten Freude, Dir vom 19. Armeekorps und 12. Reservekorps das Beste melden zu können. Ich habe gestern die D r i t t e A r m e e besucht und speziell das brave 181. Regiment begrüßt und demselben meine Anerk.nnung ausgesprochen, wobei ich Deinen dritten Sohn, Deinen Bruder Max sowie Lasiert u. Kirchbach im besten Wohlsein traf. Der Geist der Truppen ist vorzüglich. Mit solcher Armee werden wir auch den Rest unserer schweren Aufgabe siegreich erledigen, wozu der Allmächtige uns b istehen wolle. Wilhelm. Unter nenerlichtr Zm in Oßprenlttii. Königsberg, 4. Ott. Das jtcllDcrtretcnbc Eeneralko»!- piaubo in Königsberg hat von dem Eencralstäb die Ermächtigung erhalten, über die bereits gemeldeten Kämpfe bei Augu- ftuin folgende ergänzende Meldung in die Presse zu bringen: Die Bussen sind in zweitägigen Kämpfen bei Suwalti am t. und 2. Oktober geschlagen worden. Sie verloren 3000 Eesan- genc, 18 Geschütze, darunter «ine schwere Batterie, viele Maschi- nepgewehrc, Fahrzeuge uud Werde. Die Rußen nns Rnynrn vertrieden. Wien, 3. Olt. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Bu- dapest: Der Adjutant des kommandierenden Generals der gegen die in Uszok eingesallcnen Nuffcn cntsandien Truppen hat einem Zcitungsberichlerstattcr mitgcteilt, dah die Russen über Uszok hinaus zurückgetricden worden sind. Der Kampf war vorgestern beendet. Die Rüsten dürften anderthalb Brigaden stark gewesen sein und verfügten über 10 Ge schütze. Die B e r l u st c der Russen sind sehr schwer. Kämpfe zur See. Ein französisches Kanonenboot in den Grund gebohrt. Bordeaux, 3. Okt. Amtlich wird von dem französischest Marineministerium mitgeteili: Die deutschen Kreuzer „Scharnhorst" und „Eueisenau" sind am 22. September bei Tahiti erschienen und haben das kleine Kanonenboot „Zelee", das seit dem 14. September abgerüstet im Hafen lag, in Grund geschossen. Hierauf beschossen sie die offene Stabt Papeete und fuhren dann weiter. Die Mitteilung drückt die Hoffnung aus, datz den beiden Schiffe sehr bald die Kohlen ausgehen würden. — Notiz des SB. I. SB.: Hierzu wird uns von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß Papeete durchaus nicht als eine offene Stadt gelten kann, da es ein Fort und drei Batterien mit etwa 20 Geschützen verschiedenen Kalibers besitzt. Eine Tat des Kreuzers „Leipzig". London. 4. Ott. Die „Times" meldet aus Lima: Der deutsche Dampscr „Marie" ist in Eallao mit der Bemannung des Dampfers „Bancsield" cingetrofseu, der an der Rordkllste von Peru durch den Kreuzer „Leipzig" in Grund gebohrt wurde. „Bancsield" führte 6000 Tonnen Zucker für Liverpool mit sich. Die Ladung ist 2‘A Millionen Mark wert. Ein englischer Dampser gesunken. London, 4. Okt. Eine Lloydmeldung zufolge ist der Dampfer „T ro m o" aus Arendal in der Mündung des Tyne auf eine Mine gsstotzen und gesunken, zwei Mann der Besatzung sind ertrunken. Die Ucberlebenden wurden durch einen Fischdampser ausgenommen und nördlich Shields ans Land gesetzt. Der Feldzug in Kiantschou. Berlin, 3. Okt. (Nichtamtlich.) Wenn man die bisher vorliegenden, zum Teil allerdings englischen 'Quellen entstammenden Nachrichten über den Angriff unserer Gegner auf Tsingtau züsammenfaßt, so ergibt sich folgendes Bild: Vereinigte japanische und englische Streitkräste gelangten am Sonntag den 27. Septeniber nach unbcdeuten- den Scharmützeln mit vorgeschobenen deutschen Streitkräf- ten bis an den Litslin-Flutz. Hier wurde ihr rechter Flügel vont Innern der Bucht aus durch drei deutsche Schiffe beschossen, bis japanische Flieger eingriffen: die Flieger wurden dabei beschädigt. Ter Gesaintvcrlust des Gegners oe- trug 150 Tote: die deutschen Verluste sind unbekannt. Während der Kämpfe hat ein deutsches Kanonenboot die deutschen Landtruppen in vorzüglicher Weise unterstützt. Das Kanonenboot wurde von der japanischen Flotte angegriffen, scheint aber unbeschädigt geblieben zu sein. Am 28. September, während Tsingtau zu Lande ganz abgeschlossen war, beschossen die Japaner mit einer Linienschifss- division zwei deutsche Küstenbättcrien, die kräftig antwor- toten; das Ergebnis ist unbekannt. Am folgenden Tage begann die Hccresmacht der Verbündeten einen Angriff auf die vorgeschobenen deutschen Stellungen, vier englische Meilen vor der deutschen HanptvcrteidignngSlinie, Von deutscher Seile wurde unter Einsatz aller Kräfte geantwortet. Prr neue flicnfraipartifrinnfln-. Berlin, 3. Okt. (W. B. Amtlich.) Generalmajor von Voigts-Rhetz ist niit der Wahrnehmung der Gesckmfte des Gencralquartiermcistcrs beauftragt worden: er war bis Kriegsbeginn Ehcf des Generalstabcs beim Gardekorps icnd seit Kriegsanfang Ehes des Stabes des Genrralgu.trtier- mcisters. Sein Nachfolger in dieser Stellung ist der Kgl. bayr. Generalmajor Zocllncr geworden. Ei» annedlilher .Kecresdefch! des Mim, der die Engländer ärger!. Tic „Times" will aus zuverlässiger Quelle den Text eines Kaiserlichen HeereSbcfehls erhalten habest, dessen Inhalt die Engländer „cnipörc". Ter Tett soll folgender- uiaben lauten: „Es ist mein Kaiserlicher Befehl, Ihre Kräfte für den Augenblick nur ans das Ziel zu richten, die derrätcrischen Engländer zu vernichtkn und das verächtliche Herrchen Frenchs hciiiizufchicken!" Ein solcher Befehl würde den Engländern allerdinck» kaum sonderlich angenehm in den Ohren klingen! Eine Vemahrnng nnlerer Rerbiindelei!. Wien, 3 O.kt. Im Hinblick auf die Meldung von flagranten Berletzungen der Genfer Konvention durch einige Mächte richtete die Bundesleitung der österreichisch ungarischen Gesellschaft vom Roten Kreuz an das Internationale Genfer Komitee vom Roten Kreuz die Bitte, cs möge an alle krieg- juhlendcn Staaten die dringende Mahnung richten, die Genfer Konvention zu achten. Besonders sollten die Regierungen der kriegführenden Staaten an den Artikel 25 der Genfer Konvention erinnert werden, nach dem die Höchsriommandierenden der Armeen für di- Durchführuitg der einzelnen Bestimmungen aller Slrtikel der Konvention zu sorgen haben. Das Internationale Gcnser Komitee hat daraufhin an die Regierungen aller kriegführenden Mächte ein in diesem Sinne gehaltenes Schreiben gerichtet, in dem erklärt wird, die Beschuldigungen, die von der einen oder anderen Seite erhoben und durch die Presse wiedergegebcn würden, schienen zu zeigen, dah die Anordnungen bezüglich der Achtung, die man Verwundeten und Kranken ohne Unterschied der Skattonalität schulde, und bezüglich des Schutzes des Personals und Materials der staatlichen Sanitätsanftalten und der Gesellschaft vom Roten Kreuz nicht genügend beachtet würdest. Die Ausdehnung der Schlachtfelder und die Mächtigkeit der heutigen Heere erschwerten zweifellos manchsnal die Ueberwachung, allein das Genfer Komitee fei überzeugt, dah, sobald von den Kommandierenden der Armeen nur genaue Anweisungen gegeben würden, die Genfer Konvention immer und überall zum höchsten Heil der Krieg sührendcn werde eingreifen können. Keine öjierreiäiijche Wärlerbatterie genmnien. Berlin, 2. Ott. Die aus fraitzösstcher Quelle stammende, im neutralen Ausland verbreitete Behauptung, dah bei den Kämpfen an der Maas eine österreichische Mörserbatteric vom Feinde genommen wurde, ist, wie von zuständiger Seite mit- gctcilt worden ist, durchaus unwahr. Es kippt nicht im Preiurrbtinb. Wenn Zwei oder Drei das Fell des Bären verteilen wollen, bevor sie ihn erlegt haben, so kommt es gewöhnlich zu Streitigkeiten. Das scheint auch bei dem edlen Kleeblatt unserer Feinde der Falb zu sein. Bereits haben sich Engländer und Franzosen Vorwürfe über die anzuwendende Taktik ge- inacht uud in den Gefangenenlagern prügeln sich die „Verbündeten" dersnahesi, dah deutsche Soldaten als Friedensstifter austrcten müssen. Aus Konstantinopel berichtet die „Franks. Zeitung", zwischen dem russischen und dein englischen Botschafter habe ein erregter Wortwechsel stattgesundcn. Ruhland wirft Esigland vor, dah durch die übereilte Handlung des englischen Eskadrechefs wichtige russische Interessen auf das Allerempfind- lichste geschädigt wurden. Dah es in Frankreich in dieser Beziehung hapert, ist Zu den gescheiterten Kriegshoffnungcn, komint jetzt noch der Uusstand, dah bei allen drei Kumpanen sich der Mangel am Notwendigsten, an Geld, bemerkbar macht. Dah es in Frankreich in dicsr Beziehung hapert, ist schon lange bekannt. Jetzt fordert Minister Ribot die Steuer- cinstchmer auf, für möglichst raschen Eingang der Steuern zu sorgen. Die Regierung müsse ihre Einnahmequellen aus- nützen, uin den Ausgaben für die nationale Verteidigung nach- kominen zu können. Es sei daher Pflicht aller Franzosen, nach Möglichkeit dazu beizuttagen. Aber auch in Ruhland ist's nicht bester. Kopcnhagener Blätter melden näinlich aus Petersburg, die russische Regierung habe die Ausgabe von eineinhalb Milliarden Rubel Kreditjchcinen ohne Deckung zu Zwecken der nationalen Verteidigung bcschlosten. Selbst das reiche Belgien hat keine Eeldsntttel mehr, 'weshalb 200 Millionen Mark in England und Frankreich aufgebracht werden muhten. Wie der englische Echatzkanzler Loyd George mitteilte, werde Belgien noch weiter unterstützt werden müssen. Das ist für Esigland empfindlich, besten Geldbeutel seine cinpsindlichste Stelle ist. Auch so hat das Abenteuer des John Bull schon recht viel Geld gekostet. Wie der „Petit Pa- tisicn" sncldet, haben die englischen Kricgskosten im erste' Kricgsmonat 45 Millionen Pfund (etwa 920 Millionen Ml., betragen, Der Späh wird England noch teuer zu stehen tont» tuen, . 9(tue Tageszeitung. Montag, den 8 . Oktover 18z« Seite 2 -je. 28 » _ _ _ vrr Kampf -er IJcrbiinliftni im Döbmtzer Gkfaiuieiiklllam. Dian schreibt uns — mit Genehmigung der Zensur — Aus Löberitz: Als die ersten Kriegsgefangenen in Deutschland cin- trafcn, hat man den Vorschlag gemacht, Russen, Franzosen und Engländer zusammen zu stecken, damit sich die Angehörigen des Dreiverbandes zunächst einmal kennen lernen. Das ist in Löberitz versucht worden. Aber man hat bald schlinune Erfahrnnge» gemacht. Russen und Franzosen haben sich einigermaßen vertragen. Es gab zwischen ihnen ein inneres Band: die Abneigung gegen die Engländer. Zwischen Russen und Franzosen ans der einen Seite und de» Engländern aus der anderen Seite gab es fortgesetzt Streitigkeiten, lind cs war erheiternd zu sehen, wie oft die preußischen Soldaten helfend eingreifen mutzten. Man war schließlich gezwungen, die Engländer einem anderen Lager zuzuschicbcn. ■ Aber damit war auch noch kein Friede geschaffen. Denn jetzt stellte sich heraus, daß auch die britischen Gefangenen untereinander sich nicht vertrugen. Es bildeten sich zwei Parteien: zu der ersten gehörten die Schotter: und die Engländer, zu der zweiten die — Iren. Der nur mühsani in London verkittete Zwiespalt zwischen Engländern und Iren kam auf deutschem Boden zu offenem Ausbruch. Es blieb nichts anderes iibrig, als aus den Iren wieder ein besonders Gefangcnenregiment zu bilden, das seine Arbeit für sich verrichtet. Begegnen sich aber die englische und die irische Abteilung, so fliegen von der einen zur andern Blicke tödlichen Hasses. Am besten verträgt sich jede Gruppe der Feinde mit den wachthabenden preußischen Soldaten. Die KaHung Rumiimns und Bulgariens. Die Neutralität Rumäniens erscheint nunmehr gesichert. Ein Regierungs-Communique besagt: „Der Meinungsaustausch zwischen dem Ministerpräsidenten Bratianu, dem Führer der Konservativen Marghiloman und dem Führer der Demokraten Take Joncscu hatte das Ergebnis, daß die Einberufung des Kronrates nicht notwendig ist, da zu einer Aenderung in der heutigen Politik Rumäniens kein Grund vorliegt." Ministerpräsident Bratiann wird dieses Gutachten dem König vorlegen. Von anderer Seite wird ge- nieldct, daß der Kronprinz von Rumänien die russenfrennd- lichen Elemente, die daraus ausgingen, den König Carol zur Abdankung zu treiben und mit Hilfe des Thronerben Rumänien auf die Seite des Dreiverbandes zu bringe», in unzweideutigster Weise abgcjchllttelt hat. Er erklärte ihnen, er werde niemals den rumänischen Thron besteigen, wenn die Treibereien der Russophilen den König zum Rücktritt ver- anlaßten. Damit wird das von russischen Agenten verbreitete Märchen hinfällig, daß dcr Thronerbe sich mit seinen politischen Anschauungen bezüglich der wahren Interessen Rumäniens in: Gegensatz zum König befinde und die Russophilen irgendwelche begründeten Hoffnungen auf ihn setzen dürften. Von Interesse ist c-s auch, daß der frühere Ministerpräsident Demeter Sturdza eine vor 27, Jahren hec- ansgcgcbenc Schrift über Europa, Rußland und Rumänien in neuer Auflage erscheinen. In dem neuen Vorwort weist dcr Verfasser auf die Tatsache hin, daß heute Rumänien die gleiche Gefahr drohe wie damals; die russische Invasion, verstärkt durch russische Gelüste, die Oberherrschaft iiber alle slawischen Staaten zu erringen. Er sagt: ..Verzweifelte Versuche werden gemacht, um Rnmnnicn zu verführen. Man versucht uns zu täuschen und lügenhafte Gerüchte werden mit erstaunlicher Geschicklichkeit und-Kühnheit verbreitet, lold fließt, um die Schwachen zu verderben. Rumänien kann nur an der Seite seines Königs größer werden. Rn- niänicn muß so fühlen; denn wenn es den Fremden zu Liebe handelt, wird es von der Landkarte verschwinden." Es ist erfreulich, daß sich in Rumänien gewissenhafte Staats- nränner, die unbeirrt von den Schlagworten, die der rollende Rubel in Umlauf setzte, an dcr für Rumänien eiltzig richti- zen Ansfassung festgchalteu haben, daß die Ausdehnung des russischen Machtbereichs bis zu den Dardanellen der Selbständigkeit Rumäniens den Todesstoß versetze» würde. Auch Bnlgancn hat den russischen Anbiederungsversuchen endlich ein glattes „Nein!" entgegengesetzt. Ter offiziöse „Narodni Prava" teilt mit, daß der russische Gesandte Sa- winsky bei der bulgarischen Regierung um die Bewilligung der Genehmigung zur Durchfuhr von Kriegsmaterial aus Rußland nach Serbien nachgesucht habe. Ministerpräsident Radoslawow habe ans Beschluß des Ministerrats unter* Berufung aus Artikel 2 der Haager Konvention und die strenge Neutralität Bulgariens dieses Ersuchen abgewiesen. Daß Bulgarien nicht daran denkt, sich in kriegerisch» Abenteuer einzulassen, geht auch aus der Meldung hervor, daß dcr König einen Ukas unterzeichnet, durch den die zwei älte- sten Jahrgänge der unter den Fahnen stehende:: Truppen von: 14. Oktober ab entlassen werden. Somit hat sich der Dreiverband auch in Bulgarien einen Korb geholt. Dtr „llorniärlö” darf mlrtifr frldjfiiifit. Oft. Das Erscheinen de? „Vorwärts" ist M^r gestattet worden, nachdcn: das Reichstagsmitglied Haasc und dcr Geschäftsführer des „Vorwärts", Reichstags, abgeordneter Fischer, die gestellte Bedingung angeuouuum haben, daß mit Rücksicht ans die bei::: Kriegsausbruch her- vorgetretcnc Einigkeit des deutschen Volkes das Thema: „kAassenhaß und Klasscnkampf" in Zukunft in der Zeitung mebt -nebr beriibr! werden darf. Der Krieg in den Vogesen Wir erhalten folgenden Feldbries: Alle Aufmerksamkeit ist aus die Kämpfe bei Reims und Verdun gerichtet und doch gebührt den Landwehrleutcn und Landsturmmännern, die in den Vogesen den Alpenjägern, eine der besten Truppe» der Franzosen, gegenüberstchen, volle Aufmerksamkeit, zumal die vielen Höhenzüge und Berge, welche ausschließlich bewaldet sind,' einer eigenen Kliegssührung bedürfen. Verschmitzt und schnell beweglich wie diese Burschen von Alpenjägern sind, so sind ebenfalls ihre mit Maultieren bespannten Geschütze, sogenannte Eebirgskanonen. Die Jäger, in Trupps vereinigt, wißen jich im Kampfe schnell jeder Lage anzupasjcn. Versprengt sind sic der gefährlichste Feind unserer Patrouillen und Posten. Die Geschütze haben die gleiche Kampfcsweise wie die Truppen, sie haben aber bei ihren Geschoben viele Blindgänger, d. h. solche, die nicht krepieren, was übrigens kein Schaden für uns ist. Der Zweck unserer in den Vogesen stehenden Macht ist zur Zeit hauptsächlich der, vordringende französische Truppen von dem eigenen Lande frcizu- balten. Meist liegt unsere Infanterie jenseits dcr Grenze in Schützengräben verschanzt, während unsere Artillerie die Höhenzuge der Grenze oder vorgeschobene Höhenzüge als Stellung benutzt. Eine derartige Stellung hatten 4 Batierßen des .... Reservc-Fcstungs-Artillcrie-Regiments sowie einige Feldartil- lcrie-Eeschütze ein. Manchen Voiltresser hatten unsere schwere weittragende Geschütze zu verzeichnen. Sic standen rechts der Straße auf einer Höhe. Tage lang spiee» ske ihr verderbenbringendes Feuer den anmarschiercnden Truppen entgegen und manches Bravourstück haben sie vollbracht. Ebenso lange such- icn die sranzösijchen Eebirgsbatterien ihre Stellung auszukundschaften, bis es ihnen am Donnerstag den 24. September gelang, in die nächste Nähe unserer Artillerie, zu deren Bedeckung die 2, und I. Kompagnie unseres Landsturmbataillons auf der Höhe war, einige Schüsse zu senden. Doch Salven auf Salven war die Antwort unserer Artillerie und jeder, der die Geschütze bedienenden badischen Landwehrleute tat sein Ganzes, die ihnen zugeruscnen Kommandos schnell auszusichrcn. Mittlerweile kam der Abend und machte allem Kricgslärm ein Ende, Doch auch die Nacht bringt dem Krieger keine Ruhe, Feldwachen ziehen aus, Truppen werden abgelöst, Patrouillen gehen und kommen. So nahte der Morgen des Freitag und dcr kalte Nordost, der über die Höhe wehte (die Höhe beträgt 776 Meter über dem Meere), machte manchen frierend. Einen kräftigen Schluck heißen Kassee und ein Stück Brot dazu, genügte, um unsere Braven zu neuem erwartungsvollem Kampfe anzuseuern. Hüben und drüben zuckte Blitz aus Blitz. Jedoch die Franzosen schienen in diesem Kampfs, vielleicht dank der in jener Gegend noch sich viel vorfindendcn verräterischen Elemente, im Vorteile bezüglich ihrer Stellung zu sein, da sie von unscrcn weittragenden Geschütze hinter dem Berge nicht beschossen werden konnten und Steilscuergcschlltzc an dieser Stelle nicht zur Stelle waren. Unsere Geschütze mußten zurückgezogen und diese Stellung ausgegebcn werden. Seit dieser Zeit beschießen die Franzosen unaufhörlich, ohne jedoch weiter vorzn- dringen und Schaden zu tun diese Stelle. Mittlerweile sind natürlich genügend Steilseucrgeschütze angclangt und in Stellung gegangen, aber noch ist cs nicht gelungen, diese französischen Batterien zum schweigen zu bringen, sic müssen sich nach französischer Art an dieser Stelle einbetonicrt haben. Das ist Kriegsleben; aber auch die heitere Seite kommt oft zu ihrem Recht. Man hat statt unserer Geschütze, auf Holzwände gemalte Geschütze an die Stelle der zurückgezogenen gestellt und alle paar Minuten lassen Pioniere aus sicherem Versteck eine Knallkapsel explodieren und der Erfolg ist gelungen. Schon 4 Tage lang beschießen die Franzosen diese Bretter, nicht ahnend, daß sie vielleicht schon am morgigen Tag, wenn unsere Geschütze alle in Stellung sind, und sie von allen Seiten Feuer erhalten, vernichtet werden. Ei» Friedbcrgcr Landsturmcr. Ans Frankreich. Fastnachtstreiben in Marseille. Die Engländer haben nun wirklich ihre indischen Truppen in Marseille gelandet. Es handelt sich um eingeborene, dunkelfarbige Truppen, die von den Bluthunden der Weltgeschichte auf Europa gehetzt werden. Die Franzosen ergehen sich beim Anblick dcr exotischen Truppen in gewohnten Fantastereien. So liest man: Mit der Ausschis- sniig der Elite der kaiserlich indischen Armee beginnt ein neues Blatt dcr Weltgeschichte. Es war ein glänzendes Schauspiel, die Fürsten der Silh, der Gurlhas, der Pundschablcute und Bcludscheii zu sehen, wie sie mit ihren juweleiigeschmllckten Turbans aus prächtigen Rossen durch die festlich geschmückten, von Menschen überfüllten Straßen, von Fenstern und Ballone» mit Blumen bcworsen, dahergaloppiere». — Das ist recht schön, aber mit juwelcngcschmUcklen Uniformen werden keine Siege in der Fcldschlacht erjochtcn und unsere schlichten Feldgrauen werden schon dasül sorgen, daß die Theaterhclden bald in Dcutschiand zur Echan gestellt werden. Kein übcrlncbrner Optimismus. Paris, 4 . Oft. Im „Petit Journal" bespricht Pichon die militärische Lage. Er cr- llärt, man dürse sich keinem übertriebenen Optimismus hin- gcbcn. „Wir werden noch lange gegen schwere Hindernisse anstürmen. Berlin wird noch nicht morgen von den Russe» besetzt, und wir werden noch nicht morgen den Festungslrieg gegen den Gegner beendigen, welcher i» Gräben versteckt ist, weittragende Artillerie und gewaltige Kampfmittel besitzt, um unseren Ansturm aufzuhalten. Disziplin öer französischen Armee. London, 3. Oktober. „Daily Telegraph" meldet aus Paris: Das Bombardement von Reims dauert »un schon neun Tage. Fast alle Einwohner haben die Stadt verlassen. Die letzten Tage mußten sie in Keller» zubringen. Ans Belgien. Koni?, Albert, als Hauptschuldiger! Wahrend man bisher angenommen hat. Känia Albert lei von seiner Regierung und den in Berlgien maßgebenden Politikern auf den gefährlichen Weg gedrängt worden, den er cingeschlagcn hat, sind Kreise, die mit den Verhältnissen des belgischen Hoses vertraut [int>! anderer Ansicht. Rach Mitteilungen, die dcr „Franks. Ztq." geworden sind, war König Albert, im Gegensatz zu seinem Pa, ter, dem König Leopold, von vornherein für die Pläne Englands und Frankreichs gewonnen. Er gab sich nicht geringe Mühe, seine Minister für diese Pläne zu gewinnen, er scheute sich sogar nicht, gelegentlich sein Ministerium zu betrüge». Ja König Albert versuchte als Agent dcr Triple-Entente einer Bund der neutralen Europastaaten zu gründen, um den Dreibund, ober vielmehr Deutschland und Oesterreich-Ungarn, vollständig zu isolieren. Diese Absicht scheiterte an dem Mißtrauen Hollands. Als sich die Dinge in, Juli 1914 zuspitzteii und das belgische Ministerium vor dcr großen Verantwortung zurückschreckte, schickte der König hinter den Rücken der Minister eine bereits mit Lord Curzon vereinbarte Depesche an England, in der er um den Schutz der Neutralität ersuchte. Auch seine Gemahlin, eine bayerische Prinzessin, stand ihrem Gemahl in diesem Treiben wacker zur Seite und soll sogar jetzt ein eigenhändiges Schreiben an den Präsidenten Wilson gerichtet haben, in dem sic ihre eigene Landsleute verleumdet. — Lumpenpack! Gedrückte Stimmung in Antwerpen. Rosciidaal, 3 Olt. Nach dem Handelsblaad" von Antwerpen ist die S'im mung der Bevölkerung Antwerpens in d'en letzten Tagen ganz anders geworden. Es ist nichts mehr von Ruhe und Vertrauen zu merken. Es herrscht dieselbe Niedergeschlagenheit wie am ersten Tage nach der Kriegserklärung. Postvcrkehr in Brüssel. Brüssel, 8. Olt. Seit Anfang Oktober hat die deutsche Postverwaltung den hiesigen, seit Wo che» unterbrochenen Postverlehr wieder eingerichtet. Es werden offene Briefe von und »ach Deutschland mit Auslandsporto befördert. In Brüssel müsse» die Briefe im Postamt abgcholt werden, da die belgischen Briefträger den Dieyst verweigern. Sind da» auch Barbaren? London, 4 . Olt. Die Daily Mail" vom 30. September schreibt: Die Belgier waren heute Nachmittag gezwunaen, die schöne Roire-Dame-Kirchc in Termonde zu beschießen. Aus Rußland. Eine halbe Million Mann verloren. Die österreichisch-ungarische Botschaft in Rom gibt bekannt: Nach den letzten amtlichen Mitteilungen betragen die Berluste dcr russische» Heev aus den verschiedenen Kriegsschauplätzen 250 000 Gefangen« und etwa 1100 Kanonen. Wenn man dazu etwa die gleiche Anzahl Tote und Verwundete rechnet, so beläuft sich die Summe der russischen Verluste — eher mehr als weniger — auf eine halbe Million Mann. Wenn die Berluste an Mannschaften auch leicht durch die unerschöpslichen Reserven des Kaiserreichs ausgefüllt werden können, so muß doch der Verlust eines Viertels des gesamten Artillerieparks als ein fast unersetzlicher Schaden betrachtet werden. Jetzt wird's gefährlich! Petersburg, 3. Ott. Der Kaiser von Rußland hat sich zum Kriegsschauplatz begeben. Mangel an Ossizierc. Wien, 3. Olt. Rach einem Bericht der „Südslawischen Korrespondenz" aus Sosia liegen dorr Meldungen vor, nach denen Reisende, die aus Südrußland cin- treffen, berichten, daß in Odessa die Spitäler und Kasernen mit Schwervcrwundetcn überfüllt sind. Die meisten Verwundungen rühren von Schrapnellschüssen her. Von russischer militärischer Seite wird festgestellt, daß die österreichisch-ungarische Artillerie wahre Verwüstungen unter den russischen Truppen ange- richtet hat. Allgemein wird auch über den Mangel an Ossizi--- ren in der russischen Armee geklagt Ans England. Englische Diebspolitik. Washington, 3. Olt. Der amerikanische Botschafter in London teilte dem Staatsdepartement mit, daß England beabsichtige, folgende Güter als Kriegskontrebande zu erklären: Kupfer, Blei, unbearbeitet in Klumpen, Platten, Röhren, Glyzerin, Eromciscn, Rotciscncrz, Hematit, Eisenerz, Magncteisen, Kautschuk, rohe und bearbeitete Häute, gegerbtes und »»gegerbtes Leder. — Mit anderen Worten: Alles was die Engländer gebrauche» können, wird gestohlen. Ohnmacht dcr englischen Flotte gegen die deutschen Unterseeboote. Paris, 1. Olt. Der „Tcmps" bringt einen Artikel über die deutschen Unterseeboote aus dem Londoner „Globe". Darin wird die völlige Ohnmacht der englischen Flotte gegenüber den gänzlich unsichtbaren Unterseebooten betont und gefordert, daß Mittel und Wege gefunden werden mußten, um sie zu entdecken. Die Ausrüstung der englischen Ossiziere. London, 3. Olt. Ein an dcr Front stehender Ossizier schreibt an die „Times", die meisten englischen Ossizierc rüsteten sich in ganz falscher Weise aus, als ob sie in cincii Kolonialkrieg oder auf eine Jagdexpcdition gingen, oder als ob sie erwarteten, stets im Freien zu schlafen. Andere hätten große Mengen Kerzen, Seife, Geschirr, Patcntmcdizin und Betten mitgenommen, als ob die Franzosen in, Dunkeln lebte», sich niemals wüschen oder esse» und aus dem Fußboden schliefen. Engtische Gcgcnmaßrcgel». London, 4 . Oll. Die Admiralität teilt mit, daß die deutsche Taktil in Bezug aus die Utt- terwasserminen in Verbindung mit der Tätigkeit ihrer Unterseeboote es nötig mache, ähnlich- militärische Gcgenmaßregeln zu ergreifen. Jnsolgcdessen erteilte die englische Regierung die Ermächtigung, an bestimmten Plätzen Unterwasterminen zu lege». Englisch- Schissskanonen in Fr-«kreich. London, 4 . Dtt. Der „Manchester Guardianm" bemerkt beiläusig, daß das Heer der Verbündeten in Nordsrankreich englisch« Schissskanonen mit »69. Utzi'r §&% Meier übernimmt von heute ab die Praxis meines Mannes während der Kriegs- zeit als dessen Stellvertreter. Frau Pr. Ofliy Altenstadt, Tel. No. 8. Kekmmtnmchnng. Lieferanten von Winterkleidung für die im Felde stehenden Offiziere werden darauf aufmerksam gemacht, daß das Unterzeichnete Eeneralkommando keine Pakete abnimmt. Dieselben sind in allen Fällen den immobilen Etappenkommandanturen 2 in Frankfurt a. M. - Süd bezw. 3 in Darmstadt zuzusühren. Frantsurt a. M., den 25. Sept. 1914. Stellvertretendes Eeneralkommando. XV!II. Armeekorps. Ab Samstag, den 3. Okt. liehen neue große Trans- iporte belgischer Pferde darunter einige Verkauf. tragende gekörte Stuten zum Salomon Roth Frankfurt Bockenheim Er. Seeftraße Nr kl. Telefon Taunus 3730. 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Wenn auch dankbar anerkannt wird, daß die Staatsbehörden und eine Reihe von Gemeindeverwaltungen verfügt haben, alle projektierten Bauarbciten unverzüglich in Angriff zu nehmen, so bekommt doch das deutsche Maler- gewcrbe naturgemäß erst in späterer Zeit einen Anteil ab. Es wird daher die Bitte ausgesprochen, schon jetzt alle Re- novierungsarbeitcn, insbesondere Maler- und Anstreicherarbeiten an staatlichen und städtischen Bauwerken, vornehmen zu lassen. Mit einem Hinweis, daß den beiderseitigen Mitgliedern empfohlen wurde, eine Arbeitszeitverkürzung emtreten zu lassen, um Entlassungen zu verhüten oder Ncueinstellnngm zu ermöglichen, daß Ucberstunden und Sonntagsarbeiten unterbleiben »liisfen, daß außerdem besonde-s der zwischen den beiderseitigen Verbänden bestehende Reichst.irif-Ver- trag strikte einzuhalten ist und daher auch die Behörden ihre Arbeiten nur an tariftreue Arbeitgeber vergeben möchten, schließt die Eingabe. Wir möchten insbesondere noch an die Privatkundschaft die dringende Bitte richten, alle Arbeiten, die etwa durch den Kriegsausbruch zurückgestellt wurden, wieder in Angriff zu nehmen und alle sonstigen Reparaturarbcitcn auS- fühpen zu lassen, damit, wenn wir schon durch unser Heer von den äußeren Feinden geschützt sind, auch im Innern der ebenso schlimme Feinde die Arbeiis- und Eristenzlosig- feit, mit Erfolg bekämpft werden kann. Im Namen des gesamten Malergewerbcd Hauplverffntid Deutscher Arbeitgeberverbände im Maler- gewcrbe. Gau III, München, Schellingstraße 109 I. Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher, Tüncher und Weißbinder Deutschlands. Geschäftsstelle Hamburg 25, Klaus-Groth-Straße 1. Zciiiralverband christlicher Maler und verwandter Berufs- angehörigen Deutschlands. Sitz Düsseldorf, Luisenstraße 37. Gewerkverein der Maler, Lackierer, Anstreicher und graphischen Berufe Deutschlands (Hirsch-Tuncker.) Geselvifisstollc Berlin X0 25, Greiiswnldarktraße 221/23.