Uirrnnirr L32 Samstag, den 3. Olrtover 1914 7. Jahrgang Di- „lictit Eacroiritung" fiitfjeint jeöen iL ( ctItog. Regelmäßige Beilagen „Der Sauer aus Hellen", „Sie Spiiinllut r fei ton Agenten monnllirf) 50 Pfg. Hinzu tritt Postgebühr oder Tiägeilohn. Anzeigen: Grund,zelle 20 Pfg., lokale 15 P,g.. tSn-.n Ersullungsart Zriedberg. Schriftleitung und Verlag Friedberg lHesien), Hanauerstcaße 12. Fern piech.-r G. Post, ,,e e 1 1 ..... ■ ■ ■■ --.i. n-------- . -------±i — — ----------- _ . i ---- ——~ '$■ -G' Vo.ttiii;tolteti vierieliährlich Mt. l.'J5 - 1 101 a.:.v.>.ut4 I durch P»st!t.tchnrh:ni erhoben ■> :> tjjj, Slmt Franifurt o. "Sl. ' ----------"" .., Der Stand der Wieder zwei französische Vorstöße zurttckgewiefeu. — Zwei Forts vor Antwerpen gestürmt. — Kommende Kämpfe im Ostcre. Rillßtil i»l Weßtn unD ?ffü. Ter heutige Kriegsbericht läßt erkennen, dah die Franzosen innner noch die mächtigsten Aitstrcttgttngcn auf ihrem Iiitfcu und rechten Flügel machen, tun der verzweifelten Lage, in die sie geraten find, zu eutkoinmen. Tagtäglich machen sie kraftvolle Vorstöße int Nordwcsteu und ebenso regelmäßig erfolgen ihre Ausfälle aus Verdun und Toul. Aber noch nicht ein einziger dieser Versuche ist bis fetzt von Erfolg gekrönt worden, alle endigen sie mit der Zurückweisung ihrer Kräfte unter den jchwcrstcn Verlusten für ihr Heer. Imitier iuchr gewinnt man den Eindruck, daß das französische Heer wie mit eisernen Klamincrn, von denen cs keine Lösung gibt, eiugcschlossen sei. Liese Einsicht gewinnt auch bei unseren Gegnern an Boden, so schreibt der deutschfeindliche „Corriere della Sera":. „In Paris schlvindet die Hoffnung auf einen entscheidenden Sieg über die Deutschen immer mehr. Wer in der vorigen Woche die Umgehung des rechte» deutschen Flügels für sicher hält, ist nunmehr von der Unmöglichkeit einer schnellen Lösung der Lage durch einen Hauptschlag aus die Deutschen überzeugt und sieht jetzt nur noch eine sehr lange Dauer der Kämpfe bis zur gänzlichen Erschöpfung der Gegner voraus." Diese Hoffnung steht allerdings giif sehr schwacheil Füßen, denn was die Ausdauer anbelangt, so werden es die Tcntscheu mit den Franzose» allemal aus- nchmeit. Auch der t» Bern erscheinende „Bund", dessen Kriegsberichte im allgemeinen unparteiisch, aber ganz gewiß nicht zugiinsteii der Deutschen, gehalten sind, nennt die Stcl- litng der Deutschen u»erschüttert, wogegen er zn gibt, daß auch der Ofsensivflügel der Franzosen wieder in die Verteidigung gedrängt sei. Er kleidet seine Gc- santtaufsassung der Lage im Westen in folgende Sätze: „Wir glauben mit Sicherheit aus dieser für den Augenblick fest- oeslellten Kampslinie schließen zu können, daß die Umfass- nng des deutschen rechten Flügels nicht geglückt ist und die Franzosen in die Defensive gedrängt sind. Ob sie noch einmal offensiv ansetztcn, bleibt abzuwartcn. Die deutthe Offensive an der Maas ist hingegen noch nicht zum Still- siattd gckoniutcn, schiebt sich aber angesichts der Forts und der mobilen Verteidigung nur sehr langsam weiter. Die Lage wird sür die Franzosen kritisch, wenn die Deutschen die Höhen von Apremont samt den Forts ganz besetzen und zlvischcn St. Mihicl und Commercy die Maas überschreiten können. Noch vor wenigen Tagen behaupteten die Belgier, die Forts vor Antwerpen könnten von den Deutschen nttr mit einem Verlust von 100.000 an Toten genommen werden. Jetzt müssen sie den Schmerz erleben, daß auch diese Hoss- nuvg zerrinnt und eines nach dem anderen von den starken Außcnforts in die Hände der Deutschen fällt. Der Zugang von Süden her ist nach Antwerpen gebahnt. Ta der zweite Gürtel von Befestigungen wohl gleichfalls nicht lange mehr standhalten wird, so dürste der Fall von Antwerpen bevorstehen und das Wespennest der belgischen Regierung aus- geräuchert werden. Jrn Osten stehen neue Kämpfe bevor. Tie russii.he Armee» scheinen sich gesammelt und neue Kräfte erhalten zu haben. Auch sie, deren Kampfcsinut bereits gebrochen ist, werden ihren Meister finden. Auch ans dem südlichen Kampfplätze ini Osten bereiten sich große Tinge vor. Immer klarer stellt sich heraus, wie verkehrt die Anschauung war, das Zurückweichcn der Oestcrrcichec als einen russischen Sieg zn betrachten. Es war ein österreichischer Sieg, der nicht ausgcnutzt werden konnte, weil die Russen ihre lieberzahl anhaltend verstärken konnten, llmgckehrt könnt:» aber die Russen, deren Verluste sich zn denen der Oesterreicher wie l zu 1 beziffern, nicht den mindesten Vorteil ans dem Rückmarsch der österreichisch-ungarischen Armee ziehen. Sie nuißten znsehen, wie deutsche Hcercskräfte nahten, um den Waffenbrüdern Luft zu machen. Tie Russen nutzten die Gunst der Stunde nicht, weil sic nicht konnten. Mit Recht sagt der Kriegsberichterstatter v. Reden: Der große Fehler in der strategischen Rechnung Rußlands zeigt 'sich jetzt: Man batte gehasst, die österreichisch-ungarische Armee mit der bekannten „Dampfwalze" in wenigen Wochen zn er- drucken und dann gegen Deutschland marschieren zu können; nun kommt es umgekehrt: die „Tarnpi'wnlze" ist steckenge- blicben und Deutschlands Truppen niarschieren heran: sie filtien die unbesiegten, wieder voll ergänzten wobl ausae- ruhtcn und kampflustigen Armeen der Tonainuoaarchie. Leider kann über die augenblickliche Lage noch nicht mehr gesagt werden; sie ist sehr interessant. So sind die Aussichten die allerbesten, hoffen wir. daß Gott auch auf den Schlachtscldern im Südoste» der gerecht:» Sache zum Siege verhelfen werde. Die Kriegslage. Großes Hauptquartier, 2. Ott., abends (SHmtliifj). Von dem westlichen Arniccjlügel wurden erneute Umsassungs- versuche der Franzosen abgcwicscn. Südlich Roqe sind die Franzosen aus ihren Stellungen gcworjcn. Zn der Mitte der Schlachtfront blieb die Lage unverändert. Die in den Argon- ne» »ordringenden Truppen erkämpften im Borschreiten «ach Süden wesentliche Vorteile. Oesilich »er Maas unternahmen die Franzosen aus Toul energische nächtliche Vorstöße, die unter schweren Verlusten sür sie zurückgeworsen wurden. Vor Antwerpen sind die Forts Waorc, St. Catharinc und die Redoute Doupwcldt mit Zwischcnwerken gestern nachmittag 5 Uhr erstürmt, das Fort Waelhem eingeschlossen. Der westlich hcrausgeschobenc wichtige Schulterpunlt Tcrmondc bc- sindet sich in unserem Besitz. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz scheint der Vormarsch russischer Kruste über den Rjcmcn gegen das Gouvernement Suwalti beuorzustlhen. Prch'vollc Ltii»i»i»lg bei «chm Verbülidttkik. Wie», 2. Ott. Aus dem Kricgsprcsiequariiei wird amtlich gemeldet: Der Armce-Obeikommandant Erzherzog Friedrich hat den aus dem galizischen Kriegsschauplatz eingelrcienen längeren Operationsstillstand dazu benutzt, um in Begleitung des Erzherzogs Karl Franz Josef täglich das eine oder andere Korps zu besichtigen. Gelegentlich der Besichtigungen, die ihn nahezu mit allen Truppen der Rordarmcen in Berührung gebracht haben, gereichte cs dem Erzherzog zur besonderen Freude, durchweg eine» von Kampscslust beseelten Geist und trotz aller Wetterunbilden die prächtige Haltung der Truppen scststellen zu tonnen. Die Bcrpslegung, welcher der Armee-Obertomman- ldant sein besonderes Augenmerk zuwandte, hat sich überall als reichlich und tadellos erwiesen. Kriegsmaterial aller Art, insbesondere Munition, ist in vollem Ausmaße vorhanden. IJm i Ittliillhkii KrikgsichlinM. Wien, 2. Okt. Amtlich wird bckanntgegeben: Das Armee-Oberkommando keilt mii: Trotz der entschiedenen Ersolgc in Serbien versuchte die serbische Presse neuerdings durch Ver- brcliung von Nachrichten über crjundenc Siege und Ucbcrtrei- bung von Bandencinsüllen Stimmung zu machen, um den sicher elntrctenden und bereits selbst erlannten Zusammenbruch des Widerstandes der serbischen Armee zu verschleiern. Aus alle unwahren Darstellungen scr ausländische» Preise über die Lage aus dem Balkan-Kriegsichauplatz sei kurz und bündig erwidert, daß wir nicht nur alle eroberten Stellungen östlich der Drina in ücherem Besitz haben, sondern auch mnnilcibrochcn weiter Raum gewinnen. lind) dm |)evi,ili)f brr (Fnrtrii. Nach einer in Amsterdam vorliegenden Nachricht Hai der Ileine Kreuzer „Karlsruh:" in Atlantischen Ozean sieben englische Dampser versenk!., liii'ttgllNtz fiüfo knjll Ili'tn iiohIklliXiiuMs. Der Dampfer „Selby" mit mehr als .1000 Tonnen Kohlen von Shields nach Antwerpen unterwegs, ist am 1. Oltober nachts in der Rordsee auf eine Mine geraten und gesunken. Die 20 Mann starke Besatzung rettete sich i» Booten, wurde von einem Lowegoster Küstenschiss ausgenommen und in Lowestost gelandet. Zeppelin vor? Antwerpen. Amsterdam, 2. Okt. Zn der vorvergaugeiton Nacht um 2 Ahr näherte sich ein Zeppelin kreuzcr van Moll aus Anlwerpcn, warf Bomben bei!» Fort Brocchcm ab und flog unbeschädigt wieder davon. Kämpfe in SMwcstasrika. P r c t or i a , 2. Olt. Das Reutersche Bureau meldet amtlich. Südafrikanische Truppenabtcilungcn überraschten zwei deutsche Posten, den einen bei Grasplatz in der Nähe vouLll- dcritzbucht, den zweiten bei Anichab, 2.', Meilen nördlich von Lüdcritzbucht. Fünf Deutsche sind gelangen genommen worden, davon ist einer tätlich verwundet. Aiilii (ijfiiBi’sliw hin-tiiblirg'g. Geste-", sclcrlc General I>. Hindeirbur g seinen 67. Ge» buristag. Tic Wunsche Alldculschlands gelten dem wackeren Hecrsihrcr, dem Achilleus des deutschen Heeres. Möge Gott ihi» noch lange seine oußcrordciitliche geistige Frische, seine Gesundheit und seine Tallrast erhalten zum Heile unseres deutschen Barcrlaudes. — Das „Neue Wiener Tageblatt" widmet dem siegreiche» Heerjührer einen Festartikel, in welchem cs jag!: Heule leiert General o. Hindcnburg sein Wicgensest lm Zubel seines Vaterlandes. Auch wir, mit ihm und seinen, tapferen Heere Schulter an Schulter lämpscnd, vereint in Not Gefahr und Sieg, senden dem Feldherr» unfern treuen Gruß ihm, dem Blücher des modernen Weltkrieges. fine mditlüc AlisMilllliig. i c n, 2. Ott. Der Kaiser hat laut Handschreiben vom 26. September dem Kapitänleutnant Weddigen, Konimandan- len des „r 0“, das Ritterkreuz des Leopoldordens mit der .Kriegsdekoration verliehen. 3nr Wahrung des lionfflfionrUfn Jtif&rnö. Das stellvertretende Generallommando des 10. Armeekorps ersucht um Berosfcntlichung solgendcr Mitteilung: Zn der letzte» Zeit sind wiederholt von unglaiibwitrdiger Seite Gerüchte über Ercucltaten belgischer Geistlichen in Umlauf gefetzt und auf die gesamte katholische Gcistlichleik in ge- hässiger Wesse verallgemeinert worden. Hierdurch wird die Ehre der kalholischen Gcisllichcn und das religiöse Empfinden der kalholischen Bevölkerung verletzt. Die Uebcrtragung einzelner. ost schwer nachweisbarer verbrecherischer Handlungen, wie sic von Geistlichen in Belgien begangen sein sollen, aus die katholische Geistlichkeit in ihrer Gesainlheit, namentlich des Inlandes, ist geeignet, den kanfcssionellen Frieden des deutschen Volkes in dieser schweren Zeit zu gefährden, in der die Mitglieder aller Konfessionen Seile an Seite zum Schutze des Va- lcilandes zusammcnsteheii. Gegen die Urheber und Bcrbrciter solcher Verdächtigungen, mögen sic schristlich oder mündlich oder auch durch bildliche Darstellung«» Verbreitung finden, werde ich in,nachsichtlich Vorgehen, ebenso gegen die Presse, falls >!c bch daran beteiligt. Der kommandiereiidc General, gcz. von Linde-Sude n. Zlhgeordnete im Heer. Berlin, 2. Okt. Das Bureau des Abgeorduclenhauses vcrösic,illicht eine Zusammenstellung, aus der hcrvorgeht, dag von 442 Mitgliedern dieses Parlaments 8ö im Heeresdienst Verwendung gefunden habe». Sie verteilen sich aus folgende Parteien: 45 Konservalioc, 10 Freikonscroative, lL National- iibcrale, 1 Däne, 12 Mitglieder des Zentrums und 1 Mitglied der Forifchriltlichc» Volkrpartci. Die Herren bekleiden jol- gcndc Chargen: l Obcrstleulnant. 2 Majore, 28 Rittmeister, 20 Hauplleute, 20 Oberlcutnanls und Leutnants, 2 Osiizicrstcll- verlreter, .5 Vizefeldwebel, Unlervssizierc und Gefreite, ein Kriegsgcrichlsrat und l Ober-Deckoffizier. Ein Teil der Ab- gcordneien steht im akliven Heere, e>» Teil hat in den sicllvcr- lrctendcn Generaltommandos, in der Adjutnniur Stellung ge- jnnden, vier Herren tralen als Delegierte des Zohanniler- ordcns und der Linien-Etappenlommandos ei». Schtttierle» Wetterle n. Wie inan heute ans Basel berichtet, ist der 53 Jahre alle Agent Aö.-il Reisser ans Sennheiin im Obcrelj.itz iii «er Leiiisnnt ilanz vorn schweizerischen Gericht loied::- i'in zu drei Jetzien Zuchthaus verurteilt worden, weil man in jii:»i;i Besitz eine Bonibc gefunden halte. Er wollte damit i n Jnieresjc Frankreichs die Waldshutcr Eisenbahn- brücke ui die Luft sprengen. In der Verhandlung wurde auch b. nnnt. daß ein noch nicht ermittelter Täter anfangs Seplein'. er einen Anschlag ans die'Schwarzwaldbahn bei det Station L.lenke,g verübt hat. (finidjrünkHitg tion Sdjnjfinrlifjlfldjiiingfii. Eine auch sür unsere Landwirte beachtenswerte Vorschrift hat die baiierische Staatsregieruno erlassen. Sie hat von der in § 4 Abs. 2 der Bundesratsverordnung vom 11. September 1914 den Landeszentralbehörden erteilten Ermächtigung (.Gebrauch gemacht und mit sofortiger Wirkung verfügt, daß auf die Tauer von drei Monaten, d. i. bis 19. Dezember 1914, in Bayern Schweine, die weniger als 00 Kilogramm Lebendgewicht haben, nicht geschlachtet werden dürfen. Der Berechnung des Lebendgewichts wird das (vewicht zugrunde gelegt, welibes das ein-elne Tier bei der Einlicreruna in den Schlac''- Olt. Z3Z _ äiehhos ober unmittelbar vor der Schlachtung hat. Es mutz !so beim Versand von Schweinen nach Bayern mit dem ©t* üchtsoerlust bei dem Transport gerechnet werden. Die bayerische Verordnung verfolgt den Zweck, der stark ^»gerissenen Verschleuderung unreifer, ungenügend entwickelter chweine und damit einer nachhaltigen Schädigung der Schwei- ezucht vorzubeugen. Ausnahmen von dem Verbot sind nur in en Einzelfällen bei Vorliegen eines dringenden wirtschaftlichen edürsnisses zuzulassen. Die Entscheidung hierüber ist den Di- riktsverwaltungsbehorden überlasse». Ans Frankreich. Frankreichs bisherige Verluste. Amsterdam, 30. Sepf. ■ ii „Euerre Sociale" hat der bekannte französische Republika :er Raquet über die Dauer des Krieges geschrieben. Er sagt . a.: Die leitende englische Politiei und verschiedene englische Skalier haben den Wunsch ausgedrückt, de» Krieg zwei, drei lahre oder noch länger hinzuziehen. Aber, sagt Raquet, was Frankreich anbetrifft, so ist das nicht möglich, man sagt das in Frankreich allgemein. Jetzt schon sollen die französischen Ver- aste etwa 30 00 00 Mann betragen. Wenn es so weiter eht, wie in den letzten Wochen, dann würden nach oberflach- cher Schätzung die französischen Verluste in einem halben Jahr lwa 1300 000 Mann betragen. Bei diesen Ziffern ist es nicht ötig, zu fragen, ob ein Land solche Verluste tragen lann, ohne 'anomisch zugrunde zu gehen. Ein Krieg von einem Jahr urde Frankreich ruinieren. Raquet Lutzert sich nicht darüber, ob die Gefangenen bei en 300 000 eingerechnet sind. Deleasses Sohn in deutscher Eesangenschaft. Halle a. d. 3., 2. Okt. Der Sohn Delcasies, Leut-ant Delcasse, der verludet im Lazarett zu Merseburg Aufnahme gesunden hatte, il gestern als geheilt entlassen und in das Gefangenenlager »cm Halle ubergeführt worden. Er rühmt die sürsorgliche Be- fandlung der französischen Verwundeten und Gefangenen. Der Marschall von Frankreich. Bordeaux, 2. Okt. Der Matin" meldet, datz ein ministerielles Dekret von, 20. Septem- er die Besoldung eine; Marschall- von Frankreich mit 30 373 ~ ; Axncs sestsetze, was einer Wiederherstellung dieser Würde in rankreich gleichkomme. Das Blatt meint, datz man von die- m Entschlutz gute Erwartungen hahen dürfe und datz man, hne datz ein Name genannt sei, wissen könne, wer im 20. Jahr- undert der erste Marschall von Frankreich sein wird. Ans Belgien. Wnhnfinnstatrn der Belgier. Der „Nienwe Rotter- ' .mische Courant" meldet ferner über einen mißglückte., bcl- ischen Anschlag, über den lvir schon kurz berichtet haben, Agende Einzelheiten: Tie Belgier ließen twr einigen 7agen ein halbes Dutzend mit Sand gefiillter schwerer stsenbalmzüge in rasender Fahrt führerlos ins Blinde auf ie deutsche Verbindungslinie lesfahren und darbten, großen schaden anzurichten. Einer dieser Züge kam in Hal an ls gerade ein deutscher Truppentransport die Stadt ver- assen hatte, so daß glücklicherweise nur zwei deutsche Bahn- eomte deni Anschlag zum Opfer fielen. Ter Zug liegt nun IS eins wirre Maste bei Hal. Sofort wurden nun zwei leine Brücken westlich von Hal durch die Deutschen gesengt. Tie kurz daraus ankomiueuden wilden Züge stürz- „ in den Abgrund, ohne irgendwelche» Schaben auzu- ichten. Belgische Schufte. Brüssel, 2. Ort. (W. B. Nicht- mtlich.) Nachstehender Brief des Grafen Georges dllrsel, -utuaut im 8. belgischen Infanterieregiment, ist in die ionde der deutschen Behörde!, gelaugt: Zele, 21. Sept. Geliebte Mama! Ich habe Deinen "rief erhalten, aber erst gestern. Ich werde zwei Briefe Treiben, einen durch diesen Saurier und einen andern ans m von Dir angegebenen Wege. -Uns- beiden geht eS sehr at. aber wir find sehr betrübt über den Tod des armen Dolch und des tapferen Henry und ich hoffe, daß diese Per- dämmten Deutschen bald ans unserem Lande verjagt werden. Tn wirst zngegen sein bei unseren, Einzug in Brüs- l. Welch ein Festtag! Alsdann wird sofort ein großer orra, von Streichhölzern und Feuern angelegt an Köln nd überall da, wo wir durchziehen. B o ,, >,» „ abkeine - e, ,v n n d e l e,, ,, n d lei n e Gc , a n g e „ e n :n e h r. ck a n t ö t e t n f, e ?. Wir sind noch sehr reich! wir brauen noch nicht die Einkünfte von Papa, liniere Odvsj.'e , Frankreich und unsere Rückkehr zu Schiss erzähle ich dir. sobald ich Zeit dazu-habe. Schreibt mir. wie es in riissel auösieht, lvenu möglich 'durch denselben Kurier, rlenu Tu Gelegenheit hast, daun besuche n„s hier. Eine Million Küsse für Euch alle, a„> baldige.. Wiedersehen, so ott will. Georges." Ans England. Wen,, Englnno nicht sieg!, ist es verloren! In diesem m»e hat sich kürzlich, wie die „Times" berichten. Lord Roje- l-ry geäutzert. Roleber,, erzählte feinen Zuhörern dasselbe carchen über die Hineinziehnng Englands in de» Welt r,eg. das wir von bei, englischen Ministern bereits hinreichend '»neu lieber die Ursachen des Krieges sprach er sich vorsich- -gerwcise folgendermaßen auo; „Gs war gleichsam wie ein Funke in dem großen Pul- »erturm, den Europas Nationen in den letzten 20 bis 30 Jahren erbaut hatten, wie ein Funke, der plötzlich in der fürchterlichen Pulverkammer Feuer fing, welche Europas Länder mit großen Anstrengungen aufgejühr! haben. Wenn man sich fortgesetzt gegen einander bewaffnet, kommt schließlich ein Zeitpunkt, in dem die Kanonen von selbst s??> los- geben. ober, wie die Volker sagen: „Wir können nicht mehr lange: diese ungeheure Last von Ansaat,en ertraaen. m,e Neue wageszeiiung. sumsrag, den ». Oktober l»1«. machen am besten mit einem Schlage der Sache ein für allemal ein Ende." Dies ist absolut die wahre äutzere Ursache zum Kriege. Ob die eine oder andere Persönlichkeit mit Ueberlegung diesen Krieg geplant hat, weitz ich nicht. Ohne sicheren Beweis würde ich es nicht wagen, eine solche Verantwortung aus eines Mannes Haupt zu legen, denn der Fluch der Menschheit würde ihm solgen, wenn dies wahr wäre." Lord Rosebery braucht nicht weit zu suchen, um solche Leute zu finde,,! Besonders interessant sind „och folgende Worte des englischen Staatsmannes: „Ihr müßt euch endlich klar werden darüber: Wenn wir unterliegen, sind wir für alle Ewigkeit verloren. Dieser Kampf ist ein Echlutzkampf für uns oder für den Gegner." Wir können unsererseits diese Worte ruhig gelten laßen. Kitcheners „Millionenheer". Rom, 2. Olt. Die „Agenzia Stesani" bringt Londoner offiziöse Meldungen über die riesigen Schwierigkeiten, die England findet, um das von Lord Kilchener angekündigte „Millionenheer" einzukleide» und auszurüsten. In den Magazinen ist noch nicht einmal der kleinste Teil der nötigen Bestände vorhanden: so gut wie alles fehlt: Gewehre, Kanonen, Maschinengewehre, Unisormen, Winterwäsche, und Wolldecken, Namentlich erregt der Mangel schwerer Feldartillerie Besorgnis, weil deren Herstellung sehr langsam vor sich geht. Die Wersten arbeiten fieberhaft, dä ' der Wackidienst der Flotte, namentlich zu Slurmzeiten, viele Schiffe ruiniert. Der „schwarze Rabe" aus dem Kriegspsad. Montreal, 30. Sept. Die Begeisterung sür die „heilige Sache Englands" scheint derart groß zu sein, datz sie selbst de» roten Mann aus de» schon so lange nicht begangenen Kriegspsad lockt. Ein Indianerhäuptling, der „schwarze Rabe", hat sich mit den Männern seines Stammes, deren Zahl sich aus etwa 1000 beläuft, der englischen Regierung zur Beringung gestellt, um in Europa zu kämpfen. — Bedauerlicherweise hat die englische Regierung dieses Anerbiete» abgelehnt. Es wäre doch zu schön gewesen, wenn das Farbengemisch der englische« exotischen Hilfskräfte noch um die kupsersarbene Nuance bereichert worden wäre. Ans Rußland. Bange machen gilt nicht. Rom, 1. Okt. Nach einer hier verössentlichten Petersburger Reutermeldung wird in Rußland eine große Armee von fünf Millionen Mann gebildet, die unter dem Oberbefehl des Zaren steht, und welche in Riga, Wilna, Warschau, Lublin und Rovno zusammengezogen wird. Man meint, daß durch diese Armee der feindliche Widerstand weggefegt wird. Die Armee soll gleichzeitig aus Wien und Berlin marschieren. — Diese Armee müßte aus einem schönen Gesindel bestehen! Unsere Truppen in Tauroggen. Das durch den mutigen Entschluß des Generals Port an der Wende des Jahres 1812 berühmt gewordene russische Städtchen Tauroggen ist vor mehreren Tagen von unseren Truppen besetzt und unter preußische Verwaltung genommen worden. Die „Tilsiter Allg. Zeitung" berichtet darüber: Der preußische Kommandant von Taurog- gen läßt in der von ihm mit Beschlag belegten dortigen russischen Buchdiuckerei eine „Kriegszeitung" fiir Tauroggen" erscheinen, die nach Bedarf mittags gegen 12 Uhr ausgegeben wird. Sie ist nach amtlichen militärischen Meldungen und neuesten Nachrichten deutscher Zeitungen znfammengestellt und wird in deutscher und russifcher Sprache gedruckt. Fast 2000 russische Offiziere in Deutschland gefangen. Nach einer Meldung in der „Rational-Zeitung" waren bis zum 23. September auf den deutschen Eesangenenplätzen bezw. in den Festungen 1020 russische Osfiziere, darunter 1 8 Ee - ii e r ä 1 e, eingeliefert worden. A«s dtt Wkl! -ks Islams. Vor der Nevolntion in Persien. Wien, 2. Okt. Aus Konstantinopel meldet die „Südslawische Korrespondenz", daß nach dort eingetroffenen Nachrichten in Persien der Re- Pollitionsansbruch bcporstche. An der Grenze in Afghanistan sind heftige Kämpfe mit russischen Truppen im Gonge, Fn der Provinz Aserbeidchan bewaffnen sich alle Einwohner gegen Rußland. Der Konstantinopeler „Jk- dc,ni" berichtet unter der Spitz,narkc „Vor der RcPolutivn in Persien", daß die russischen Besatzungstruppen flucht- artig über die Grenze zurückgehcn. Türkisches Gcncralkonsulat als Lazarett. Wien, 1. Okt. Auf Anregung des türkischen Botschafters Hilm, Pascha wird das- Gebäude des türkischen Generalkonsulats in Serajewo als Lazarett für perwundctc österreichisch-ungarische Truppen eingerichtet. Konstantinopel, 2. Okt. kW. B. Nichtamtliche Das Amlsblatt wird morgen ein Gesetz Peröffentlichen, ilach dem das mit dem -1. Oktober ablausende Moratorium auf drei Monate mit der Maßgabe verlnngeit wird, das; der Schuldner 2 Prozent der Schnldsiimmc in zwei Monats- rate» z» zahlen hat. Drntlche Firicgsbriefe. Von unserem Kriegsberichterstatter. X. Eine Rcifr durch Belgien. Ei» dichter Vorhang liegt zur Zeit über der welch,sio- rische» ecvanbühne i,„ Weste». Schwarze Gewitterwolke:, ziehen über die Kämme der Vogesen und Ardennen »nd verschleiern das wilde Kampfgetümniel zwischen Verdun ,n,d Paris auch den Auge» der Kriegsberichterstatter. Nur ab und zu beleuchtet ein Blitzstrahl in Form eines kurzen Tcl'- Genebmignng zur Veröffentlichung erteilt am 23. st. 191 I. Der Ebel des Generalstabes dos Feldl,aa >—2 _ Lecke S fltnmmS unseres Großen Gcncralstabez die Situation ,md zeigt uns, daß cs a»f der ganzen Linie, wenn auch UI, Im schweren Opfern. Vorworts geht. In imbegreiskich -r Verblendung hat Frankreich das schon von „ns in Besitz ge- nommene Reims und damit auch die herrliche Champagne zum Gegenstand erbitterter Kämpfe gemacht, und- soeben trifft die Nachricht ein, daß die Stadt der französische,! -!ö- nigskrönungen mit ihrer herrlichen Kathedrale in Flamm-',, siebt. Damit ist, in Verbindung mit der Nachricht, daß auch die Spcrrfortlinie südlich Pon Verdun beschösse.,' wird, das von uns Kriegsberichterstattern mit Ungeduld erwa-teie Vorrücken zur Front in aller,üichsw Rahe gerückt, und es war deshalb zunächst nicht vielen von uns damit gedient, daß am letzten Sonnabend der Große Generalstab noch, -imen dreitägigen Ausflug nach Belgien dazwischen schob, weil wir ja annehmen niüfsen, daß vieles von dein, ivas wir mm zu erzählen wissen, draußen schon bekannt sein wird. Immer, hin mag dies „nd jenes „och wissenswert erscheinen, zumal ich Gelegenheit hatte, auch zwei Pllstzeu erneut einca Besuch nbzustattcn, die ich schon bei meinem ersten Besuche B-.-l si.-ns sah, und die nun, nach kaum drei Wochen, schon ein ganz verändertes und weit freundlicheres Bild darboien. Wenn -s so weitergeht, wird das reiche Belgien mit seiner dichten Bevölkerung hoffentlich recht bald die Schrecken de? Krieges überwunden haben und einer neuen Blüte entgegen,zeh n, woran mitzuarbeiten unsere neue Verwaltung in Belgien zur Zeit mit erfreulichem Eifer sich bemüht. Wieder benutzten wir die Kraftwagen des Kaiserlichen Freiwilligen Automobilkorps, die uns gegen einen entsprechenden Kostenanteil zur Verfügung gestellt worden sind, da unsere schönen Kriegswagen mit ihrer Pferdebespannnng die täglich zurücklegrnden Hunderte von Kilometern nicht ;» leisten vermögen. Wir fuhren zunächst die Schlachtfelder von Longlier-Neuf Chateau ab, wo die Armee des Herzogs Albreckit von Württemberg unter blutigen Kämpfen die Franzosen auf französisches Gebiet ziirsickwarf. Noch stehen die Brandruinen der zerschossenen Häuser in grauenhafter Unordnung da, aber schon sind Maurer und Zimmerleute damit besänftigt, die Trümmer fortzuräumen und die Mau- ern auf ihre Fesftgkeit hin zu prüfen. Nur wenige Monate, „nd die Einwohnerschaft der beiden lieblich gelegenen Städtchen wird neue und schönere Stadtteile an Stelle der jetziger traurigen Ueberreste geschossen haben. Mehr und mehr gewinnt man den Eindruck, daß die Städte und Dörfer des belgischen Südens eine solche Auffrischung, wenn auch natürlich nicht in dieser gewaltsamen Form, nötig hatten. Daß der Misthaufen als Zeichen des bäuerlichen Wohlstandes absolut vor den Häusern ausgebroitet liegen muß, ist hier ein fester Glarchenssatz. Tie nächste Folg: davor ist aber auch die Anwesenheit aller Schweine, Kiche und Hühner auf der schinutzigen und holprigen Torsstraße. An ein Vorwärtskommen der Automobile ist unter diesen Umständen nickst zu denken, und mit vereinten Kräften müssen wir deshalb die Viehcher davonjagen. Das bringt zwar ein wenig Abwechslung in das sonstige so überaus ernste Bild unserer Fahrt, allein, da der Regen unablässig vom Himmel strömt, und keine sonstigen Aufenthalte mit Rücksicht aus die Gefährlichkeit der ganzen Gegend gestattet sind, sind wir bald von Nässe und Kälte geschüttelt, und mancher wünscht sich hinter de» wärmenden Ofen. Aber nur einen Augenblick, denn da passiert unser Wagen ein Regiment Feldgraue, das.seit dem frühen Morgengrau'» unterwegs ist und unsere schlapp gewordenen Kanierader mit lauten, Fkt-udenruf begrüßt, zumal die in den letzt:>, Tagen zu uns gestoßenen österreichisch-ungarischen Kollegen die Ofsiziersmlltzen der verbündeten Monarchie tragen und bei de» Mannschaften dadurch der Glaube entsteht, daß Truppen aus dem Nachbarlaiwe nicht weit seien. Ei» sun- gcr Leutnant aber ruft, als er hört, daß wir Berichterstatter seien, erfreut: Hurrah, die Ente»! und hat demnach die Si- tuatio» am besten erfaßt. Das Wasser läuft den Leuten sczusage» in die Stiefel, in ganzen Bäche» rauscht es die schlüpfrige Landstraße entlang, und a»§ dem grauen Wol- kenhimniel giht cs für den ganzen Marschtag auch „ich! eine» einzigen Lichtblick. Aber trotzdem kein unfreundliches Gesicht, keine müde Gestalt und keine Klage. Keiner auch schaut neidisch dem dadonrollendcn Autoniobil nach. Es geht im gleichen Schritt und Tritt ruft den Kameraden weiter, und indem die Kolonne im Nebel langsam unseren Blicke» entschwindet, hören wir noch den Klang der österreichischen Volkshymne mit Max von Schcnkendors'S dcutsch- paterländiscbem Text dazu „Von der Maas bis an die Meniel!" Wenige Stunden später rollt unser Wagen schon über eine von unseren braven Pionieren gebaute Notbrücke auf das jenseitige Maasufer hinüber nach der Frstiing Givct, die in ihrer wunderschönen Lage hoch über dem grünen Strome in etwas an die Bastei in der Sächsischen Schweiz erinnert. Aehulich wie in Montmedy, von dem ich gelegentlich unserer Verdunfahrt erzählte, hat auch hier bis zum Kriege eine TornröScheiistmimung geherrscht. Das Sperrsort hatte mit einer „wdcrnen Panzerrüstung und einer tühnen Besatzung den llnseren böse Stunden bereiten könne». Aber statt dessen brauchten zwei österreichische Motor- battcrici, ganze 36 Stunden, um aus der Feste ein Chaos zu machen, während 2.300 Franzosen angstvoll in der tief in den festen Felsen eingebauten Kasematte saßen und sich auch nicht einen Augenblick an dcn Gegner heranwagie». Mi-e cinc nmgestürzle Nürnberger Spielzengschachtel sieht Givet heule aus. Aus der ganzen Feste, die ebenso wie Montmedn „eben der Garnison auch etwa 300 Leuten der Zivilbevölkerung Obdach gewährte, ist nicht ein Haus, aber auch nicht eines, ganz geblieben. Und die Dächer der Kasernen liege, c-nf denen der Pcivathäuser und umgekehrt. Es ist, als wenn das Rieienkind von Burg Nideck im Elsaß hie raghen Beilage zur „Neuen Tageszeitung". , —— - —— ---- — > Nr. 232 Samstag, den 3. Oktober 1914. > 7 . lalsrgong -Xus meiner Dorfkirche. Allerhand t?Icnt> Lurch dr» Krieg. I. 3. ». 17,ls. Wenn aber joman'o auf dieser Welt Güter hat und sieht leinen Bruder darben, und schließt sei» Herz vor ihm zu, — wie bleibet tue Liebe Gatte? bei ihm? Meine xiudleiu laßt uns nicht liebe» mit de» Worte» »ach mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. Liebe Gemeinde! Was ist doch dieser Krieg so schrecklich! Nu» hatten wir gestern und heute wieder zwei Todesnachrichten draußen Val» Schlachtfeld — das ist nun schon der dritte und vierte Fall für unser kleines Tors. Erschüttert stehen wir alle inil den schwcrgetrosseuen Familien. In den ersten ilneenblickeu. lven» einem die Not des Krieges so bar Augen nesiihrt wirb, ist es ja nur zu berjtändlich, wen» in uns der Gedanke auskoinmt, was für ein Fluch ist dach der Krieg und luiii für einen fürchterlichen Finch babrni doch die auf sich geladen, die an diesem Kriege schuld silid! Aber dann regt such daneben im Ebristeni,erzen doch die Erinnerung an das Liebeswort: Mein ist die Nachc spricht der Herr — und ich glaube wirklich, wir können dein da draben die Rack>c ruhig liberlassen: Er wird schon sorgen, daß Recht — Recht bleibt. Und iudeur tvir so denke» wachst in unserem Herzen ein zweites Bibelwart auf! das Wort all? deni Röuierbries, daß denen die GEt lieben alle Dinge znnl Besten dienen ■ >a lrir können- überhaupt sei». Gatt leiste uns diese sckiw^t.- Last nicht aus die Seele, wenn sie uns nicht ails irgend eine»! Grunde ilötig wäre! In solckm» Vertrauen wollen nürs tragen und »ns tragen Helsen, zu den beiden Bibel- werten von denen wir eberr sprachen, must da jetzt noch ein drhkles in uns anflcnckften, das eben, das wir zu Anfang gebört haben. Meine Kindlein, laßt uns nicht lieben mit Warten und mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit! Gegen all diese Not des Krieges, die nun hundertfach an uns hcrantritt, ilnd innncr stärker heran- tieten wird, bleibt uns nur ein Waffe: llnsere Liebe! Wir müssen mit jeder Tranernachricht mehr zujammenwachsen mit einer Liebe, die kein Wen» und Aber mehr kennt, die nur helfe,: will init reicher Hand, ans vollem Herzen! Auch heule möchte ich eure Augen lenke» aus solche Nöte, die vielleicht scheinbar mit dem Krieg nichts zn tim habe», und dom daraus stannneii! Wir gaben jetzt viel und gern für die.Hungernde» und Frierenden draußen, für die Verwun- delen und Kranken, die znriictkoinmcn, aber wie ists denn mit denen, die in Friedenszeiten von linieren Gab«r leben mnssten, und nun im Krieg doch auch nicht ohne sic bestehe» sännen? tlm nur zwei heranszugreisen: Wir denken an die Hunderte von unglücklichen rpileptiütien Kindern in Nieder- Ramstadt und anderen Answlten des dentjckre» Vaterlandes, und wir denken an die Missionen dranssen im Heidenlandl Wir haben ja wohl in den ersten Kriegswochcn diese Sorgen leiseste geschoben, und gemeint, dafür ist jetzt keine Zeit — nnd uür konnten »ns da mit einem geivisse» Recht sogar im dea Herrn Jos»? selber berufen, der mit seinem Wort: Arme babl ilir allezeit bei Euch, aber mich habt ihr nicht allezeit bei euch, uns sestmr gelehrt hat, daß das Große vor dem Kleinen geht. Aber ganz lässt sich damit die Sache doch nicht abtim, der Herr Jesu? bat ja auch doch den Ar- men geholfen, trotz dieses Wortes! Wollen wir denn die armen Kinder in Niedet-Ranistadt vcrhimgcr» lassen weil Ki ieg ist: gewinne» wir darum Sieg ans Sieg, damit wir die? ganze große Licbeswerk nun zn Grunde gehen lassen und die unglücklichen Kranke» ans die Straße jagen? — Und dann die Mission! Wir niiissen auch ixi einmal- die Angen ansmachen, und Hineinsehe» i» das Elend, in das imsrre Missionare durch den Krieg gekomme» sind! Drallsten im wildsremden Land, abgeickmitten vo>: der Heimat, sein Vries kann mehr hinüber und herüber, abgeschnitte» vy.i ihren Lieben man muß nur einmal bedenken, daß die meisten Missionarsfaniilien ihre Kinder in Europa haben 'N-d i-im mi'Il.'irfit nur Aal,re nicht ivisten sollen wie es ihrren geht, ob sie noch gesund sind, ob sic noch leben! Und dazu, scheinbar äußerlich, »nd doch so sehr wichtig und ab- geschnitten vom Geld — im fremden Land unter srcinden Menschen nnd keinen Pfennig in der Tasche um sich ein Stück Brot zu kaufen. Und wenn nun gar erst der Krieg da draußen losbricht? Wenn die Neger, die Inder, die Chinesen aofangen werden sich gegen die Weißen zu erheben! die fragen nicht: Dentscher oder Engländer, sie werden sagen: ein Weißer, und darunr schlagt ihn tot. Und damit konmien wir zum Schlimmsten: llnsere Missionare und vor allen, unsere Missionarinncn da draußen, haben keine Waffe! Ihre Waffe ist ihre Liebe und ihie Gottesfurcht! Und gerade in den letzten Jahren hatten diese Liebe und Gottesfurcht angefangen, gewaltigen Eindruck auf die Herzen der Heidenwelt zn machen! Aber wie wird das jetzt! Höhnend werden sic draiißen nach Europa zeigen, und werden sagen: Ist das die Liebe, die ihr uns bringen wollt? Und der Friede? Höhnend werden sie fragen: ist das eure Gottesfurcht, die mit Lug und Trug, mit Gewalttat und Schandtat liillgeht? Auf die Engländer werden sie unsere Missionare weisen, »nd werden sagen: seht von denen sind die meisten euerer Genossen gekommen: und so werdet ihr alle sein! Ihr denkt: für uns Herden: Liebe und Gottesfurcht und für euch Europäer das Geschäft! — Ja man könnte aufschreien von Zor» und Schmerz, wenn inan daran, denkt, wie dieses Volk, das sich jahrzehntelang als das christlichste Volk und erste Missionsvolk der Erde hingestestt bat, so aus reinem Gcschästsneid dieses ganze blühende Werk zngrnnde richtet! Aber auch hier gilt »ns Christen das Wort: mein ist die Rache, spricht der Herr — und er wird sic fürchterlicher üben, als wir sie ihm üben könnten! Uns bleibt auch dieser Not gegenüber nur unsere Liebe! Es ist ja ganz gewiß, »nd keiner meint es anders: in erster Linie gehört eben unsere Liebestat den Soldaten, die Blut und Leben für uns einsetzen. Da wissen auch die Missions- anstalten selber, die alle mit Einschluß der Basler, die gar nicht aus deutsche,n Boden steht, ihre Räume als Lazarette eingerichtet haben. Wenns nötig wäre, inüßten wir für i-nscrc Soldaten auch das Letzte hergeben: Aber, liebe Gemeinde — ist denn das nötig? Frage sich doch jeder selbst! Haben wir- schon angefangen morgens Gcrstensiippe zu essen, statt des Kaffees-? Essen wir etiva unser Brot trocken um Butter zn sparen? Muß etwa die Hausfrau beim Mittagessen sagen: Mehr gibts heute nicht, der Rest ist für die Soldaten? Verkaufen wir etwa unsere guten Möbel, um Geld zu bekommen? Ach »ein! Was das heißt: das lctztc hergeben, davon haben wir ja noch gar keine Ahnung! Und wir meinen, solange Gott es uns noch so gut gehen läßt, muß auch immerhin da und dort ein Stücklein ab- falleli für die, die es nötig haben. Für die Kranken nnd Armen daheim, für die Missionare draußen: Freilich bei denen tuts das Geld allein noch nicht. Da muß schon das letzte Mittel heran, das sich schon in der ganzen letzten Zeit so sehr bewährt hat: unser Gebet! Wer für einen anderen betet, der übt Liebe mit der Tat und Wahrheit. Und das ist das Wichtigste: daß tvir die Liebe mit der Tat und Wahrheit nickst vergessen im Krieg — dann wird Gott schon wei- terhelsen. Amen. Chronik« der Arieyspeschichle. 27. September. Die Speersorts südlich Verdun stellen ihr Feuer ein. Aus dem äußersten rechten Flügel unserer Stellung im Westen machen Franzosen und Engländer mit Hilfe ihrer Eisenbahnen eine» neuen Nmgehungsoersuch. Eine sranzösische Division wird bei Bapaninc zuriickgeschlagen nnd der ganze Vorstoß zum Stehen gebracht. Im übrige» bleibt die Lage aus allen Kriegsschauplätzen unverändert. 28. September Rach einer sranzösischcii Meldung betragen die Verluste der Engländer und Franzosen in der riesige» Schlacht an der Aisne (also im Zentrum und aus dem westlichen Flügelf bereits 100 OüO Mann an Verwundete». LWMrßeigerllng. Aul der Jungviehweide Lauterbachwerden Donnerstag, den 8. Oktober, vormittags 11 Uhr ca. 30 Lammböcke jgegen Barzahlung ohne Gewährschaftsleistung öffentlich meistbietend versteigert. Eietzen, 26. Sept. 1914. toiidwjrllchiiflsiiammkt-.lffslchfl!! für Rbrrheilkii. Breidenbach. 1 HiHeHalefiB'dfcselM) Creditbank I Depositenkasse und Wechselstube 1 Kaiserstr. <0 3’räCiUlcrg i. 01. Telelon > 0 . Aklicnlinnital und Reserven 91k. 69 000 000. — I Niederlassungen der Bank in Frankfurt a.M., Berlin, Baden-Baden, Essen (Ruhr), Fürth, Gießen Hanau, Hannover, Hildesheim, Vainz, München, Nürnberg, Wiesbaden, Pankow, Wilmersdorf. Frledena«, Friedrichshagen, Büdingen, Butzbach, Charlottenburg, Friedberg, Höchst, Marburg. Offenbach, Wetzlar. Annahme von Spareinlagen (Depositengelder) »» ita hoct-sicfl Zinisaizea (Jie Verzinsung begimitmit dem der Einzahlung folgendenWerktage) Vermögensverwaltungen aller Art | insbesondere Aufbewahrung vun W ertpapieren, Hypotheken etc. unter sorgfältiger und i gewissenhafter Buchung der Hinterleger. Vermietung von Schrankfächern (Safes) 1 unter Mit Verschluss des Mieters. Simmental. Djlbilllc ! schön gebaut, Il> Monate alt, gekört, stehi zun, Verkauf bei will,. h-rlh II., «brr=4Uod J öaöt. Die Franzosen geben das seit einige» Tagen stattsindende ersolgreiche Vordringen der Deutschen bei Verdun, im Zentrum und aus dem westlichen Flügel zu. In kleineren Kämpfen vor Antwerpen sind die Deutschen siegreich. Ausfälle werden zurückgcwiesen. “ *■ 29. September. Die Beschießung der Forts uon Antwerpen beginnt Oesterretcher und Deutsche gehen in Galizien zur Of über. v. Hindenburg beginnt die Vejchießling der russischen Fest ling Ofsowice. Der klein« Kreuzer „Emden" hat weilere vier Dampfer der Engländer im bengalische» Meerbusen (Indien) versenkt 2«. September. Unser rechter Flügel warf nördlich und iüdlich von Albert überlegene feindlich« Kräfte mit schwere» Verluste» zurück. — I» den Argonnen geht unser Angriss langsam, aber stetig vor- wärts. — In den Vogesen wurden sranzösische Angrisse zurück- geschlagen. — Vor Antwerpen wurden zwei Forts zerstört. Erzherzog Friedrich von Oesterreich sagt in einem Armeebefehl, daß die russische Offensive in Galizien im Begrisse sei, zusam- menzubrechen. — Der deutsche Kreuzer „Emden" hat nach englischen Meldungen'vier englische Dampfer weggenommcn und in den Grund gebohrt. — Die Japanesen haben die deutsche Stellung bei Tsingtau angegriffen. - 1. Oktober Auf unserem rechten Flügel wurden die Höhen von Roge und Fresnoy den Franzajen entrissen. — Bei St. Mihiel wurde tm Ausfall von Toul her unter großen Verluste» für die Franzosen zurückgewtesen. — Die Deutschen rücken in der Gegend von Nancy vor. — Ein neuerlicher Einfall der Serben aus kroatisches Gebiet endete mit einer schweren Niederlage der Serben, die Tausende von Toten, Verwundete und Gefangene verlöre» Mit Liebesgaben nach Frankreich. Eine Kricgsreis« von Friedberg nach Vonziers. Nach langem Hangen und Bangen tonnten wir Frisdberger am Montag, den 2l, September in vier Automobile» unsere Fahrt »ach dem Kriegsschauplatz mit Liebesgaben «»treten Wir beabsichtigten schon früher wegzusahren und waren unsere Wagen auch schon seit Freitag vormittag gepackt, jedoch ohne Benzin kann man bekanntlich nicht fahren und trotz eifriger Bemühungen des Vorsitzenden des Noten Kreuzes hier, sowie persönliche Fürsprache Ihrer Königlichen Hoheit hatte uns das Generalkommando Frankfurt kein Beuzi» sreigegebev. Da inzwischen Benzol wieder frei geworden war, entschlossen wir »ns, ein Gemisch von Bensol und Spiritus zu fahre» und ff gelte» nach vieler Mühe und Verdruß, wie schon bemerkt, am Montag nachmittag ab. Der Start ging gut vonstatte», i» langsamen Tempo die Oberwöllstaoter Höhe hinauf. Leider mußte zu ansang ein vorwitziges Gänscheii sein Leben laßen, was Gott sei Dank das einzige blutige Ereiguis bei unserer Fahrt geblieben ist. Wir fuhren über Vilbel, Franlfurt, wo noch einige Einkäufe gemacht wurden, nach Mainz. In Hochheim wollten wir noch einmal Station mache» und de» be lannte» Hochheimer versuchen, was jedoch leider nicht bei alle» Teilnehmern Anklang fand. Nach guter Fahrt langten wir li iihr 15 Minuten am Hauptbahnhos in Mainz an. Hier mel deteu wir uns aus dem Bureau des Raten Kreuzes und bei der Stadtloinmandantur, wo wir freie Garage bewckligt be kamen und weiteres Benzin angebalen bekamen, da wir doch für militärische Zwecke fahre» würden. Am anderen Morgen waren wir pünktlich am 5 Ilhr zur Stelle zur Abfahrt bereit; jedoch wurde uns die Zeit lange gemacht, da unsere Kollegen 3 Autos von Gießen und 7 von Darmstadl erst um 7 Uhr ankameu. Zu ihrer Entschuldigung sei gesagt, daß ein Auto durch den starlen Nebel in ein Fuhrwerk gefahren war und es hierdurch einen unliebsamen Aufenthalt gab. Jetzt ging es mit »njeren 14 Wagen, geschmückt mit Eichenlaub und mit Roten Kreuz-Fahnen in flotter Fahrt, was man bei einer Belastung von 8—1Ü Zentnern flotte Fahrt heißen kann, aus Mainz heraus. Hier in Mainz bekam man schon einen kleinen Eindruck, was Krieg heißl, nichts als Militär \ Modell Ausstellung. Drm verehrlichen Publikum von Friedberg und ouswürt» empsehle mein neuerösinetes Damenliiitgescliäft in garnierten und ungarnierten Hüten. Auch werden ältere Hüte wie neu hergerichtet. Gute Bedienung und billige Preise. (*mma Kling, Friedberg, Kaiserstr. 107. Bier ä! Henning, SeileMIl, Bad-Homburg v. d. H. >' empfehlen zuin direkten Bezug: Kernseifenflocken für WisAikAHiib Sauerstoffseifenflocken, Kernseifeniwlver, gewöhnl. Seifenpulver “ ' i: . alles in 10- und 20-Piund Säckchea. ToileMeseifCn. Sauerstoff t>1 eiclisoda. 91 t . 232 _ unb Militär. Unwillkürlich lam einem bie Strophen nnferes alten Liebes auf bic Lippen: „Lieb Vaterland magst ruhig fein, fest steht unb treu bie Wacht am Rhein", besonders wenn man all bie vielen Befestigungen sah, bie seit ber Mobilmachung weit um Mainz herum ausgeworfen worden waren. Gott sei Dan! haben wir ste bis jetzt nicht gebraucht, aber verlorene Liebesmühe war es nicht, haben wir doch auch hieraus gesehen, wie aus so vielen Sachen in der letzten Zeit, wie unsere Heeresverwaltung auf dein Damme ist und wir uns in jeder Hinsicht auf sie verlassen können. Wir fuhren iiber Ingelheim, Gaualgesheim, Kreuznach nach Kirn. Hier wurde um 10 Uhr der erste Halt gemacht und in einer Weinwirtschast aus dem Marktplatz ein kräftiger Jm- bitz eingenommen, der allen nach der Fahrt durch den taufrischen Morgen gut mundete. Von hier ging es neu gestärkt bei herrlichem Sonnenschein, der uns auf der ganzen Fahrt treu blieb, das herrliche Nahetal hinauf über Ob-rstein, Idar, Her- mcrskeil nach Trier. Ueberall wurden wir mit Jubel und Tü- chcrschwenken von der freundlichen Bevölkerung begrubt. Was diese Fahrt durch den Hunsrück für unsere Wagen bedeutete, weist jeder, der diese Gegend einmal gesehen hat, ging cs doch auf der ganzen Strecke Berg auf und Berg ab, und was für Berge, mussten wir doch eine Höhe von 1500 Meter überschreiten. Erostartig war die Talfahrt zur Mosel. Immer an den Berghängen her in steilem Gesälle und neben der gut gepflegten Etraste steile Abhänge von 200—300 Meter Tiefe. In Trier wurde um 1 Uhr im Hotel Port- Nigra Halt gemacht und bei einer guten Tasse Kaffee und deutschem Zwetschenkuchen die etwas mitgenommenen Nerven wieder aufgesrischt. Nach kurzer Rast ging cs weiter über die Moselbrücke, Igel, Grevenmack nach Luxemburg, durch schönes waldreiches Gelände. Die Einfahrt in dieses auf zwei Talfeiten gelegenen Luxemburg ist, was Natur anbelangt, grostartig und wird dieser Anblick noch durch alte Beseftrgungswcrkc und Brücken, die die beiden Talseiten verbinden, erhöht. Um i> Uhr kamen wir an dem Hauptbahnhos in Luxemburg an. Hier wurden unsere Autos unter militärische Bedeckung genommen. Unsere Herren nahmen im Hotel de commerce Wohnung, die Friedberger nahmen als gute Vorbedeutung „Belfort" ein, in dem sie alle freie Zimmer in diesem Hotel belegten. Hier trafen wir Bekannte aus Hanau, die feit der Besetzung Luxemburgs dort waren und uns sehr interessant darüber berichteten. Sie erzählten uns darüber salzendes: „Gegen Abend an diesem denkwürdige» Tage erschienen ein Bataillon Infanterie und eine Kompagnie Eisenbahner in Trier, besetzten den Bahnhos nach grobem Wortkamps und machten Vorbereitungen für das Ausladen der Truppen, das am anderen Morgen, als die Luxemburger aurgeschlafen hatten, zu deren grasten Erstaunen schon prompt erfolgte. Luxemburg selbst liegt eben voll von deutschem Militär, und die Eisenbahn usw. wird von deutschen Beamten und Personal geleitet. Zur Zeit war das Graste Hauptquartier dort, wir haben aber leider Seine Majestät nicht zu sehen bekommen. Die Stimmung in Luxemburg ist nicht so deutschfreundlich, wie man immer hört, dies geht auch aus folgendem hervor. In den ersten Tagen der Besetzung Luxemburgs kam ein Munitionszug nach dorten, der am Nachmittag entladen wurde. Des Nachts erschien über dem Bahnhof das franzöfifche Luftschiff und warf 3 Bomben, eine direkt neben den leeren Munitionszug, eine in das Bahnhofsgelände und eine in das Hintergebäude unseres Hotels. Jedoch keine zündete und mussten si^ von deutschem Militär entfernt werden. Wie sich am anderen Tage herausstellte, stand ein Apotheker aus dem nächsten Ort nach Deutschland zu, mittefft Funkenspruch direkt mit Paris in Verbindung und hatte die Ankunft des Munitionszuges für unsere schwere Artillerie nach dorten gemeldet. Na, zu spät kamen die Franzosen doch, und den Verräter hat seine Strafe getrofsen, er wurde am anderen Tage verhaftet. Den Abend verbrachten wir im Hotel de commerce in Gesellschaft des Etappenkomma,idanten Oberstleutnant Fürst zu Schaum- durg Lippe und etlichen Offizieren in fröhlichem Beisammensein bis zur vorgerückten Stunde. Am nächsten Morgen ergänzten wir durch Vermittlung des Etappenkommandanten unsere Benzinnorräte und weiter ging es unserem Ziele entgegen. Kurz hinter Luxemburg sahen wir die ersten Barrikaden, Schützengräben und vorgelagerte Drahtverhaue, aus beiden Seiten der Landstraste, die zur Sicherung der Stadt von unseren Soldaten angelegt worden waren. Tatsächlich find sie auch in der zweiten Nacht der Besetzung von sranzösischer Kavallerie angegrissen worden, jedoch wenige unserer Reiter haben genügt, sie zu verjagen. Kurz vor der belgischen Grenze versagte unser Wagen, denn das Gemisch aus Benzol und Spiritus schien unserem Benzol- »crgaser, der am Tage vorher reines Benzol erhalten hatte, nicht zu bekommen, wir mutzten also halten und den Vergaser umbauen. Unsere lieben Kameraden fuhren an uns vorbei und liesten uns sitzen. Schnell machten wir uns an die Arbeit und fuhren alsdann allein mit etwas schwerem Herzen und ae- lockertcm, schussbereitem Revolver über die Grenze ins Feindesland. Hier und da wurden wir noch etwas ausgeschreckt durch verbissene, feindlich aussehende Gesichter. Aber bald war unsere Ruhe wieder hergestelil, bemerkten wir doch, wie die Landstraste von unseren Landsturmleuten zu Fust und zu Rad ab- patrouilltert wurde. Zu unserer grossen Freude bemerkten wir auch^ noch ein anderes Jrredberger Auto, das gleich uns liegen geblieben war und jetzt mit verschärftem Tempo, den Ausent- halt wieder cinzuholcn suchte. , In Arlon «rasen wir unsere Kolonne wieder und machten rtwas Rast, um Karten zu schreiben und uns etwas aufzufri- Ichcn. Tic Bevölkerung machte einen wenig sympathischen Eindruck, man sah meistens verbissene Gesichter und bekam kaum Antwort. Hinter Arlon änderte sich die Gegend, man sah, dass n.an ins Kricgsgebiet kam, die Telegraphenleitungen waren zerstört und die ersten verbrannten Häuser waren zu sehen. Es fiel einem direkt auf, dast in manchen Orten nur etliche Häuser verbrannt waren, in anderen gar keine, anderswo ganze Stra- henzllge und ein Ort, Turtigny, war abgebrannt bis auf die Kirche, cs bot einen schaurig schönen Anblick dar. Diese Zustände sind nur auf das Franktireurwcscn zurückzusührcn. Wir fuhren über Fttnka. Sainte Ma-ie Tomojann bnc, norbin er- 'Jltue Tageszeitung. Samstag, den 3. Oktober 1911, wähnte Turtigny nach Flore,iville. Hier wurde angehaiten und unsere tapferen Landstarmleute und Offiziere baten um Zeitungen, denn diese Acrmstcn können ja garnicht erfahren, was in der Welt vorgeht. Wir werden schon ungeduldig, wenn wir nicht alle Tage etwas Neues erfahren, und diese unsere Vaterlandsvcrtcidigcr, die ihr Gut und Blut cinsetzen für unser liebes deutsches Vaterland, erfahren fast garnichts und je weite: man nach der Front kommt, desto schlechter steht es damit, deswegen kann man nicht genug bitten, sendet bei den Liebesgaben Zeitungen mit hinaus, unsere Soldaten sind dankbar für jede Zeitung, selbst wenn sie etwas alt ist, denn durch sie erfahren sie erst, was in der Welt vorgeht und dann ist es doch auch für viele ein Stück Heimat. Nach kurzer Rast ging es weiter durch Spalier bildende Zeitung lesende Landsturmmänner. In dieser Gegend sahen wir auch die ersten Schützengräben, in denen gckämpst worden war, was wir an den schlichten, und doch fo eine ernste Sprache redenden Gräbern merkten. Einfache Erdhügel, mit einem aus Baumästen zusammengcbundcncm Kreuz, aus dessen entrindeter Ouerstange die Anzahl der Gefallenen, das Regiment und die Kompagnie steht. Meistens sind diese Gräber und Kreuze noch geschmückt mit den Helmen der Gefallenen. Ein Gefühl der Schwermut beschlich einem, wenn man diese Stätten deutschen Ruhmes zerstreut im Gelände liegen sah, und an all das blühende Leben dachte, das hier vernichtet wurde und all den Kummer, der in der Heimat zurückblieb. Jedoch die Zähne zusammengebissen und dem Schlachtenlenker gedankt, dast diese Verheerungen nicht in unserem schönen Vaterlande geschehen sind, denn Jahrzehnte werden wieder aufzubauen und zu heilen haben, was hier in Tagen zerstört worden ist. Wir setzten unseren Weg fort und kamen in die Nähe der französischen Grenze. Kurz davor gesellten sich unserer Kolon,ie 3 -bgemagerte Pferde zu, die von den Feldern kamen und etliche Kilometer ganz ruhig zwischen den Autos mitliefen. Direkt an der Grenze überschritten wir eine Eisenbahn, die von Eisenbahnern besetzt war. Unsere drei Begleiter liesten sich hier ganz ruhig durch die Soldaten einsangen und wcgsühren. Wir hätten die drei Pferdchen ja gar zu gerne mitgenommen, am Ende hätten sic uns bei einer Panne noch Vorspanndienste leisten können, wahrscheinlich aber hätten ihre schwachen Kräfte bei unserem weiten Wege sie im Stich gelassen. Auf französischem Boden änderte sich das Bild bald. Die Dörfer waren in besserem Zustande, wir sahen kaum verbrannte Häuser, nahmen jedoch »lehr Spuren vom Kamps« wahr. Die Gebäude und Bäume waren mehr zerschossen und die Erde mehr von Kranatseuer ausgewühlt. Längs der Strasse an den einzelnen Gehöften usw. standen überall aus- gestopfte französische Uniformen in den mannigfaltigste» Stellungen, ein Zeichen von dem Humor unserer Krieger trotz der ernsten und schweren Zeit. So kamen wir über Bazaille an dem denkwürdigen Hause der dernierc cartouche von 1870 vorbei nach Sedan. Hier fuhren wir nach dem Etappcnkommando und wurden aus dem place de Turenne vor dem Standbild des alten Herrn Turenne begrüstt, der hoch in seiner Hand die schwarz-weist-rote Fahne schwang. Diese hohe Ehre wird dem bekannten französischen Feldherr» doch noch' nicht widerfahren sein. Hier schieden wir von unserer militärischen Bedeckung, die uns von Luxemburg aus begleitet hatte. Alsdann fuhren wir in das Lazarettdepot, wo wir einen grasten Teil unserer Verbandsstoffe usw. abluden. Darauf besuchten wir das Kriegslazarett I und der erste, den wir sahen, war ein Friedberger, nämlich Herr Geometer Staubach. Die beiderseitige Freude war natürlich grotz. Es gereichte uns zu besonderer Freude, dast es uns erlaubt wurde, unseren Friedberger Bürger mit in die Heimat nehmen zu dürfen, wo er auch wohlbehalten nngc- langt ist. Nachdem wir unsere Wagen aus dem place de Turenne unter militärischem Schutze gestellt hatten, holten wir auf der Kommandantur unsere Quartierbillets, denn wir wurden einquartiert wie jeder Soldat, da in den Hotels kein Platz war und die Stadt Sedan doch alles bezahlen darf. Ich hatte mit einem anderen Herrn ein Quartier zusammen. Ein biederer Unteroffizier, der schon längere Zeit in Sedan war, zeigte uns den Weg und brachte uns zu unserem Quartier. Eine ältere Frau öffnete uns und führte uns in ein Zimmer. Die Sache war sehr interessant, denn natürlich sprach unsere Wirtin kein Deutsch und unser geringes, lange nicht mehr gebrauchtes Französisch war auch nicht weit her. Na, mit etwas gutem Willen ging alles und so war es auch hier. Wir sähen uns i» dem Zimmer um, bemerkten jedoch weder Bett noch Waschgelegen- hcit. Als wir danach fragten, klopfte unsere Wirtin an die Wand, die sehr hohl klang, öffnete eine Tapctcn-Tür, hinter der sich ein grosses Bett verbarg. Nachdem wir uns in der , Küche etwas ersrischt hatten, bemerkten wir, dast unsere Wirts- j leute selbst keinen Waschtisch hatten, sondern ihre Toileitenbc dürsnisse immer in der Küche neben all den Schüsseln und Est waren verrichteten. Wir gingen dann in die Stadt, um uns etwas umzufchen, nachdem unsere liebenswürdige Wirtin uns zum Abendessen eingcladen hatte, obgleich unser Quartier ohne Verpflegung war. Bei unserer Zeitbestimmung sind wir einmal hereingefallen. Don meinen srühcren Reisen in Frank reich wutzte ich, dast die Uhren verschieden gehen, nahm aber an, öder Unterschied sei 23 Minuten, wogegen derselbe 55 Minuten beträgt. Die ganzen öffentlichen Uhren in Sedan sind aus deutsche Zeit , umgestellt, also mutzten wir die Zeit umrechnen, kamen also eine halbe Stunde zu frühe. In der Zwischenzeit war auch unser Hauswirt angekommcn und bcgrüstte uns, hierbei erfuhren wir, dast wir bei einem Rentier und Stadtrat einqugrtiert waren. Bis zum Nachtessen unterhielten wir uns ratcbrechend mit unserem Wirt, der uns mitteilte, die Deut scheu wären schuld an dem Kriege, sie hätte» an sämtliche Län der den Krieg erklärt, selbst an England. Als wir ihn da. rüber ausklärcn wollten, war er nicht zu überzeugen und meinte, das wäre unmöglich, den ■ Deutschen wären früher vor Sedan gewesen, als die fco ' en Soldaten mobil ge macht hätten. Hierbei bedenke ', dast die Kämpfe um Se dan am 20., 27., 28. August w -. — In der Zwischenzeit war das Ellen iertiq. po-- un- out mundete und nur von _______ Seite 2 einem jpnsiigen Zwischen,all unterbrochen wurde. Unsere Wirtsleute asten mit uns und nach brr Suppe reichten sie mir die andere» Schüsseln. Als anständiger Mensch sagt man, nach ihnen, da war aber unser Wirt beleidigt und meinte mi» Entrüstung, o, Sic können ruhig nehmen, es ist kein Gift darin. Ais Getränke bekamen wir ein scheussliches Bier, was nicht zu trinken war: unser Wirt bemerkte unsere Abneigung und holte einige Flasche» Rotwein: "ber o Schreck, der Inhalt der Bicr- »lascr wurde auf den Teller gegossen und dann Rotwein cinge- schenkt! Mit Reinlichkeit und Sauberkeit ist es überhaupt bei unseren Nachbarn schlecht bestellt. Nach dem Essen gingen wir in das Hotel, wo wir noch einige gemütliche Stunden verleben wollten, jedoch wir hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Unsere Kameraden hatten schon gegessen, da machte uns einer der Herren Offiziere daraus aufmerksam, dast in Sedan uni 7: Uhr Polizeistunde jei und dies das einzige Hotel sei, wo die Osfizicre essen könnten, wir also so freundlich sei» möchten, anderen Hcrrci, Platz zu machen. Gott sei Dank «rasen wir »och Bekannte, die uns noch ein verschwiegenes Stübchen zeigte», wo wir noch etwas sitzen konnten. Wie schon bemerkt, stand linser Bett in eiiicm Wandschrank. Wie wir »ach Hause kamcii, sahen wir uns unsere Schlasgelcgenheiten einmal etwas näher an. Auster der Tür nach unseretn Zimmer, hatte dieser Raum inehrerc Glastüren nach denl anderen Ziininer, dem Schlafrouni > iiiiferer Wirtsleute, die sich gerade über dem Kopscnde unseres Lettes befand und nicht zu schliestcn war. Wir überlegten kurz, nehmen unseren Selbstbinder, binden das eine Ende an den Türgriff und das andere Ende an die Bcttstollcn, dann schlicscn wir, den geladenen Revolver unter dem Kopfkissen. lSchlutz folgt). Ein Feldpostbrief. Aus Echzell wird uns folgender Brief vom 22. Septbr. zur Verfügung gestellt: Liebe Angehörige! Ich will Euch einmal einen Brics aus dem Schützengraben schreiben. Wie cs mir geht, das habe ich und auch Ihr noch nicht erlebt. Ich, liebe Angehörige, bin das erste Mal am 8., 9. und 10. in das Gefecht bei . . . gekommen, da sind die Kugel rechts, links, vor und hinter uns eingeschlagen. Das schrecklichste sind die Granaten und Schrapnells. Da stehen einem die Haare zu Berge, aber immer vorwärts, iinmer heiter, Gott hilft weiter! Das Esse» war i» drei Taget, drei kleine Estlöf- sel Suppe, ein Stück Speck und vier Zwieback. Ich habe rohe Kartoffeln und Dickwurz gegessen, die schmecken sehr gut, denn es heißt hier bei uns: Hunger ist der beste Koch. Das hätte ich mir nicht so vorgestellt, ich hätte schon längst das gegessen, was ich zu Hause nicht wollte. Ich habe auch jetzt einen Voll- dart, gerade wie mein Vater einen Bart hatte. Am 15. sind wir ivieder in das Gefecht gekommen, da liege ich jetzt schon vom 15., 1t!., 17., 18., 19., 20., 2k. und 22. andauernd auf der Erde, da entstehen graue Haare. Aber, liebe Schwester, das alles will ich mit Geduld tragen, wenn ich nur wieder meine liebe Frau und Kind, die Mutter und meine Geschwister sehen kann. Liebe Angehörige! Ich halte inich an das Lied: „Wer nur den lieben Gott lässt walte» und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten, in aller Not und Traurigkeit." Und Ihr haltet Euch an den 2. Vers: „Was helfen uns die schweren Sorgen." Dan» ist noch der Psalm 71, der mich aufrichtet: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet und.unter dem Schatten des Allmächtigen bleibet usw." Bis jetzt bin ich noch nicht krank oder verwundet gewesen. Liebe Schwester! Das Geld hat hier keinen Wert, man kann hier nichts bekommen. Ich habe gestern Abend seit 5 Woche» das erste Würstchen bekommen. Das Vieh läuft rin Feld umher. Das Fleisch, das wir bekommen, ist meistens noch hart. Manchmal ist es noch im Kessel, da geht es wieder Marsch-Marsch an die Gewehre! Die Rothosen kominen. Das Brot fehlt. Liebe Schwester! Ich würde eben gern einmal Zwetschenkuchen essen und Kaffee trinken, leider kann ich cs nicht haben, hebt Ihr mir, bitte, welchen auf. Hier sieht es böse aus, die Dörfer abgebrannt und zerstört. An inanchen Plätzen, wo noch Vieh im Stall ist, verhungert cs. Ueberall liegen Tote, meistens Franzosen, man tappt auf ihnen herutn. Ich liege 700 Meter vom Femd, da heisst es aufgepastt. Die Schtacht dauert schon seit k August und in 2—3 Tage» hoffen wir zum Ziel zu kommen. Es ist wahrscheinlich die Entscheidungsschlacht. Ich will jetzt schliestcn unter vielen Elüstcn und Küssen von eurem l-ebcir und reuen K Grauling. August ir>14. Tie Heide träumt im Sonnenbrand Bon längst vergangnen Zeiten. Von kühnen Recken, die einst das Land Vom grausamen Drachen befreiten. Nun ruhen sie stumm in kühler Gruft, Die Wunden mit Erde bedecket, Bis einst die Stunde der Rache rust. Und die schlafenden Helden erwecket. Daun wehe dem Feind, der die Heimat bedroht. Unsren Herd, unserer Frauen Ehre, Wehe, wenn der Begeistryng Flamme loht, Zu schützen unsere Altäre. Dann tönet wilder Schlachtcngcsang Und Schwerter klirren und blitze» Gezückt von dem heiligen ernsten Drang Das Vaterland zu schützen. Und fallen die Helden von Wunden bedeckt In ernstem, blutigem Streit, * Und liegen sic tot aus den Rasen gestreckt Wie in längst vergangner Zeit. Dann schwöre Rache, deutsches Volk An dieser Helden Gruft! Dann sei ein einig deutsches Volk, Wenn erlist die Pflicht dich rust! ^anonier Eroth, Thür. Fassart. Rgt. 18 gebürtig aus Eck.zckl. Nr. 232 Erna und Ilse. Roman von D. Feußner. (Fortsetzung). „Ja, Hedwig, du bist meine liebe gute Schwester, «rd du kannst Gott danken, datz wir die Rollen, welche wir im Lebensdrama zu spielen verurteilt find, nicht vertauschen konnten, datz ich es bin, die ein herb .Geschick von der glatten, ebenen Bahn aus eine rauhe, steile geschleudert, denn du," fie hielt einen Moment inne, „du wärest nicht stark genug, um die undankbare Rolle entsprechend zu Ende spielen zu können. — Aber sorge dich nicht allzusehr um mich, sei gewitz, ich werde nicht aus meiner Rolle satten, sondern mit Scelenstärke alle meine Empfindungen bemeistern, bis — der Vorhang fällt." . Sie drückte einen heitzen Kuß auf die Stirn der älteren Schwester, aber ihr Auge blieb tränenlos, ihr Schmerz war viel zu groß, als datz er in lindernden Tränen Erleichterung finden konnte. „Wundersames Wesen." sagte Hedwig und gab die Schwester frei, mich däucht es ganz unmöglich, datz das Geschick noch weiter gegen dich so grausam sein sollte, es mutz eine Wendung eintreten, eine Grenze geben, an welcher du aus der Wüste in ein Paradies treten darfst, denn auch du hast noch anderen Bestimmungen nachzukommcn und ihnen gerecht zu werden. Jede Blume blüht als etwas Gottgewolltes und ist da ein Wesen zu erfreuen, und sei es den tändelnden Schmetterling, der sie umgaukelt: und so wirst auch du blühen für ein hohes seliges Glück." „Du versuchst mich zu trösten," erwidette Erna weich, „ich danke dir. Wenn du nur recht, recht glücklich wirst, so wird dieses Bewußtsein für mich die Quelle eigenen Glückes sein, aus der ich Kraft schöpfen werde. Schweres zu ertragen." Hedwig wußte nichts mehr zu erwidern, und so schritten sie schwelgend dem Hause zu, achtlos des herrlichen Blumenflors, der sie umgab und die Lust mit balsamischem Wohlgeruch erfüllte: beide waren zu erregt, um ihrer Umgebung irgend welche Beachtung zu schenken. „Und Ilse wird unsere Freundin, unsere Schwester bleiben!" unterbrach Erna das Schweigen, „nicht wahr, Hedwig?" „Gewiß, Ema, auch ich will ihr gut sein, denn etwas Unaussprechliches zieht mich zu ihr hin — ja sie soll auch meine Schwester sein," setzte sie warm hinzu. Die Schwestern verabschiedeten sich voneinander, und Erna suchte die Kranke auf. Als sie Ilses Zimmer betrat fand sie diese wach im Bett liegen. Bleich, aber gefaßt trat sie an das Lager und sah Ilse einen Moment wortlos an. Ihr Blick schien in dem Anaesicht der Kranken lesen zu wollen, sie erwartete d're Frage in den bleichen Zügen zu finden: „Kommst du jetzt, nm inir Ausschluß zu geben über dein Benehmen von vorhin?" Aber aus dem zarten Eesichtchen des kranken Mädchens lag auck nichr die geringste Spannung: kein noch so leiser Windhauch schien die Wellen dieser Menschenseele auch nur zu kräuseln, aus jedem Zuge dieses Antlitzes sprach nur das eine Wort: „Friede, Friede!" Mit mattem Lächeln erfaßte sie die ihr zum Gruß gebotene Rechte Ernas und sagte weich: „Liebe gute Erna —." Herzliche Teilnahme sprach aus den wenigen Worten, so datz Erna fragte: „Was hast du, Ilse?" Stumm sahen sie sich eine Weile an, ehe diese antwortete: „Verzeihe mir. wenn ich vielleicht ein wenig zu weit gehe — du bist tief unglücklich und suchst mit dies zu verbergen." Ein Zittern ging durch Ernas schlanke Gestalt nnd mit bebender Stimme erwiderte sie: „Latz Begrabenes ruhen: ich habe eben etwas zur Ruhe gebettet in meines Herzens Schrein — vielleicht zur ewigen Ruhe." '„Erna, du willst deine Liebe begraben, ich weiß es! O hätten wir uns schon früher kennen gelernt, dann —“ Reue Tagesz eitung. Samstag, den 3. Oktober iai« Ilse stockte, sie war sich nicht recht klar darüber, ob sie das, was fie sagen wollte, auch sagen durfte. Ihr Herz war so voll, ihr Gemüt so erregt, — trotzdem fie vorhin ein Bild des ttefsten Friedens bot — daß es ihr unmöglich wurde einen logischen Gedanken zu fassen. Auch hätte sie Ema gem gesagt, datz sie wisse wer sie sei, aber sie fürchtete eine Taktlosigkeit zu begehen und deshalb schwieg sie lieber. Ema kam ihr zu Hilfe, denn sie ahnte, was in Ilse vorging. Stolz aufgerichtet, stets gewohnt ihre Empfindungen zu beherrschen stand sie da, und ihre Sttmme klang ruhig und gefaßt als sie sagte: „Der Zufall hatte, wie so oft im Leben, seine Hand im Spiele, und die Würfel sind gar sonderbar gefallen. Ich glaube mich in der Annahme nicht zu irren, datz du weißt, wer ich bin. ebenso wie ich nicht im Zweifel darüber bin, wen ich in dir vor mir habe. Wir wollen darum nicht länger Verstecken spielen und uns in Mysterien hüllen, sondern einander rückhaltslos vertrauen. Nimm von mir zugleich die Versicherung entgegen, datz ich der Braut des Mannes, der mir einst das Leben rettete, keine Abneigung entgegenbringe, sondern sie lieben will als Freunoin, als Schwester. Ein anderes Sehnen und Verlangen, das mir schon unendliches Weh geschaffen, will ich zu Grabe tragen und mich still weiden an deinem Glück." „Erna! Ema!" Jubelnd rangen sich die Worte von Ilsens Lippen. „Erna." fuhr sie fott, „du herrliches Mädchen. — O, ich täuschte mich nicht in dir, nein, dein großes Herz ist zum Hassen zu edel! Aber auch du selbst wirst einst noch glücklich werden, denn wenn dies eine verdient, dann bist du es!" „Der Zufall und das Schicksal sind dem Strome gleich, der über einen jähen Felsen herniederstürzt und durch eigene Gewalt zu Staub zerschellt — keines Menschen Macht vermöchte ihn vor seinem Fall zu schützen, wäre imstande die übereinander stürzenden Wassermassen zu glätten, ihr Toben zu besänftigen! Aber laß ihn die Ebene erreichen und er fliegt dahin in majestätischer Ruhe und spiegelnder Glätte. Dies ist das Bild meines Inneren, nur mit dem Unterschiede, datz das Tosen und Branden sich nicht erst in der Ebene des Lebens verliett, in welcher der Strom friedlich dahinflietzt, sondem schon viel früher im Sande der Entsagung verläuft. — Der eine stirbt an der Wunde, dem anderen bringt die barmherzige Zeit Genesung, aber auch dann bleibt fast immer eine Narbe zurück." „Ich verstehe dich ganz, Erna," sagte die Kranke, „aber nun will auch ich aussprechen, was ich vorhin schon sagen wollte. Hätte ich dich früher kennen gelernt, so wäre es dem bescheidenen Veilchen nicht eingefallen, der um vieles schöneren und edleren Rose ihren Sonnenschein zu rauben, aber" — ihre Stimme sank zum Flüstern herab, „aber, glaube mir, das unscheinbare Veilchen wird schon längst verwelkt sein, wenn die Rose erst ihre volle Schönheit entfaltet, um in vollen Zügen Sonnenschein nnd Himmelstau zu ttinken." „Nicht weiter," flehte Erna, „schone mich, es tut mir weh dich so sprechen zu hören! Du wirst neu ausleben und glücklich werden und ich will mich deines Glückes freuen. Es blüht für mich ein Glück, aber — wo anders —“ „Noch einmal mutz ich ihn sehen, ihn küssen und dann —" Wie im Traume hatte sie die letzten Worte gemurmelt und ihre Gedanken eilen hinweg aus dem stillen Zimmer, über Berg und Tal und Meer, dem Aufgang der Sonne entgegen und wie eine Vision stand vor ihrem geistigen Auge die Gestalt des Mannes, der ihr alles war, dem sie alles ifu geben bereit war, ohne zu wissen, womit er ihr vergalt. Was bist du, Leben? Was bist du, Liebe? Und du, o brennende Sehnsucht? Wenn du nicht hinfllhrst an den paradiesischen Ort, zu dem von der Statur gewollten Ziele, zu der beglückenden Freistatt der Wunschlosigkeit? Ein gaukelndes Märchenbild, eine _ Seite trügerische Fata Morgana. Göttliche Strahlen, warum blendet rhr die schmerzerstarrte Seele mit Reflexionen, daß sie bewundemd und hingerissen von eurer Pracht ihr Weh vergißt und ihre Schwingen ausbreitet, um eurem Bannkreise zu nahen, wenn ihr euch einhüllen wollt in den Schleier des Unerreichbaren, und so die Seele in die winterliche Nacht der lebenvernichtenden Entsagung zurück sintt! Warum? Warum? ___ (Fortsetzung folgt.) y Kirchliche Anzeige». Evangelische Gemeinde. 17. Sonntag nach Tein., 4. Ottober Gottesdienst in der Stadtkirchc. Vorm. 9y, Uhr: Herr Pfarrer Ritter. Abends Uhr: Herr Direktor Schoell. Gottesdienst im Stndireil Fauerbach. Vorm. 10 Uhr: Herr Pfarrer Zatzman». .» Beichte und hl. Abendmahl. Katholische Gemeinde 18. Sonntag nach Pfingsten, Rosenkranzfest, 4. Ott. Gelegenheit zu beichten Samstag nachm, von 4 Uhr, Sonntag früh von % 6 Uhr an. 'AI Uhr: Frühmesse. 8 Uhr: Singmeffc mit Predigt Militärgottesdienst). ’AIO Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 2y, Uhr: Feierliche Rosenkranzbruderschaft. Während des Monat Oktober ist an aNcn Werktagen Abeirds A8 Uhr Rosenkranzandacht mit Segen und fallen infolgedessen die seitherigen Bittandachten am Mittwoch und Freitag Abend au?. Wchertilch. Soweit man in den gegenwärtige» Zeiten von geschäftliche» Erfolgen reden kann, muh jedenfalls die von der Zeitschrift Der Gu-kkasten, München, seit Beginn des Krieges den einzelnen Nummern beigefügte Kriegs-Chronik als eine sehr erfolgreiche Erweiterung des Inhalts der Zeitschrift bezeichnet werden. Der Guckkasten ist schon lange in den weitesten Schichten der Bevölkerung beliebt, er wird sich aber durch seine von pa< triotischem Sinne erfiillten, dem Ernst der Zeiten und der Komik der politischen Situationen gleich gerecht werdenden Illustrationen, Gedichte und Scherze, die er jetzt jede Woche herausbringt, noch eine ganze Reihe neuer Freunde hinzugewinnen. Solange es für ein Witzblatt nur möglich war, zu dem Meinungsaustausch der Parteien eine mehr oder minder ausgesprochene Stellung einzunehmen, hat es sich der Guckkasten versagt. politische Fragen zu behandeln. Heute aber, da nur ein Streben di- ganze Nation erfüllt, ist der Guckkasten seinem Inhalt nach zwar kein politisches, aber doch ein nationales Witzblatt geworden. Es ist für den genaueren Beobachter interessant, zu »erfolgen, wie sich die Mitarbeiter der Zeitschrift auch auf dem erweiterte» Gebiete sicher betätigen und wie sic auch dort viel Treffendes zu sagen wissen. Manche der von dem Guckkasten in diesen Tagen gebrachten Illustrationen oder Satiren über unsere Feinde, manches ernstc Gedicht oder Bild verdient in den weitesten Kreisen bekannt zu werden. Abonnements auf den Guckkasten können jederzeit begonnen werden. Der Abonnementsbetrag beträgt ohne Porto Mk. 3.— vierteljährlich, jedes Postamt und jede Buchhandlung nehmen Bestellungen, auch auf einzelne Monate, an. Bestellungen nnf die Neue Tageszeitung für das 4. Vierteljahr 1014 werden bei allen Postanstalten sowie bei unfern Zeitungs-Agenturen entgegengenommen. das. selbsttätiges Waschmittel .. ... schont Spitzenwäsche Weisswäsche: Kinderwäsche * vir. 232 9l(ue Tageszeitung. Samstag, den 3. Oktober ml Seite 4. Deutsche Mode Herbst und Winter 1914. In Manien- und Klnderliüten. In einiacher vornehmer Geschmackrichtung:. In allen Formen und Farben, hi bekannter Preiswürdigkeit und gröBter Auswahl am Lager. HI. Holler. Friedberg, Kaiserstr. 18. Prima Zittauer SpeifeZioiebeln gesunde, trockene, uiitteldicke Ware das Beste was geliefert werden kann. 20Ml.20 50M2.90»«.. 1 Ar. 5.50»«, bei Idoll Bechsdein, Am all.polliimt. I'riedberg i. II. Aihulstr. 15. Telefon 459. Telefon 459. Empfehlenswerte Kriegszeitschriften. Kriegs-Echo Jll. Geschichte des Weltkriegs 1914 Der Völkerkrieg Der Krieg De r grosse Krieg Jll. Weltkriegs-Chronik Das .Kriegs-Echo' eignet sich besonders zur Nachsendung für die im Peld stehenden Soldaten. VV Probenummern in meiner Buchhandlung. "WW Friedr. Streckluss, Murg i. 1. alls S tagi I Haft tu 10 Pfn. ., 8 ., I „ 25 . - « - > „ .. 30 .14 „ I „ „ 30 „ .. >4 . i .. .. 40 .. .. 14 „ I „ „ 60 „ L, Kochendörfer, FRIEDBERG i.H direkt am neuen Bahnhof — Ha lauerstr. 22 _ Steinhausser Bier, gute Weine, lorzügl. Mittagstisch von 70 Pfg. an. Spezialität: Warme Rippchen u. Haspel zu jeder f ageszeit. Hausmacher Wurst Freundliches Kolleg mit Klavier geeignet iür Zusammenkünfte »nd kleinere Festlichkeiten. ., 500 „ 570 .. 000 „ „ 650 „ 68 I ..72.»: 750 2 Cacilia „ 1,25 « 3 RhenaniaSl „ 1,28 .4 „ !B„ i,2S » öWofluntin«,, 1.30 „ " » 1.30 . 7 Salon *1 „ 132 .. » .. » „ 1,34 nmi. a», tKmcii ohne *luhd)läa Monat 15—20 Mt. »oft r 5% p«, M. Müller « S-f-Piano ^abrif. Lertreter: Kr. Jo,'. 0 )iück. Kriehber« t. Kaiserstratze 141 ». 4MT Dalelbst ftiminen und repariere» aller Musikinstrumente b tltigst "ftB» IHingt jetzt init Malkuielil. ist billig macht die Pflanzen gesund erzeugt kräftige Körper liefen gutes üppiges Futter macht den Boden locker wirkt Stickstoff sparend kann jederzeit, auch den Winter über, ausgestreut werden. Oberh. Kalk- u. Stein-Industrie 6. m. b. H. Kutzbach lOberhessen). Wölk, Mützen, Kragen uuD zu den billigsten Preisen empfiehlt A. Steinbach Friedberg, Kaiserstr. 47. Den Empfang der Modell-Hüte und aller Neuheiten fiir den Winter zeigt ergebenst an Heinr. to^r, B-'rleiSh.-rff, Alte Hüte werden prompt l und billig umgearbehet. J Milchtranspart- i Kannen! für Buhnversand mit Pa- J tentverschluli u. Messing- J s s Bahnschildern : ;▼ »tets In grösster Ansvahl am Lager. ^ WWW Buttermaschinen X «WWMMi-M - . .... ' d Wlckseparatoren ^ :: billigst bei s + J Heinrich Ohl J I Molkerei-o.Landw, Maschinen l Geräte und Bedarfsartikel. ♦ ihaber: ,Römerhof', Frankfurt«. 1 . Kaiserstraße Rr. 72. Telefon Amt I 5461. Hutes bürgerl.Lpeife-Restanrant | in nächster Nähe des Haup^üahnhoss. Hochkeiue Biere der Brauerei üiuding. k/iittagessen von 12-3 Uhr. Reichhaltige Abend,arte Münchener Augustiner Sriin. «rotzes Nebenzimmer zirla 80 Personen sassend. ftfi Tpiiuhl Orr Ofr finiqirn landwifte »on irnnlifuri o. Hl. u. «„igeiseud. Piano S ****"«o*mi»! M ad. ISI» »ier-P > a » o 1,22 emh. 4 50 I ♦ $ un uir MiniiijiMnik! J Die Aufregung, die sich in den ersten Tagen des Kriegs- ausbriichcks der Geschäftswelt bemächtigt hatte, ist ruhiger ileberlegung gewichen. Unsere Heere hoben die Grenzen isoni Feinde gesäubert und den Krieg in Feindesland ver- : : ♦ legt. Die Bevölkerung hals so weit es möglich war. nach öS», und itach ihre altgewohnte Tätigkeit.wieder ausgenommen. A Nene Erwerbszweige hat der Krieg entstehen Tassen und in as y den Städten und Dörfern unseres deutschen Vaterlandes . herrscht überall die emsigste Tätigkeit. Der Geschäftswelt liegt es nun ob, anregend auf die Kauflust einzuwirken. damit sie sich einen regen Geschäftsgang wieder sichert. ' ♦ ♦ ♦ f ♦ ♦ ♦ r ♦ # ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ❖ ♦ ❖ Aufruf lln dir GklWsleilte! Die Anfregnng. die sich in den ersten Tagen des Kriegs- ausbkuches der Geschäftswelt bemächtigt hafte, ist ruhiger ileberlegung gewichen. Unsere Heere haben die Grenzen vom Feinde gesäubert und den Krieg in Feindesland verlegt. Die Bevölkerung hals so weit es möglich Ivar. nach und itach ihre altgewohnte Tätigkeit.wieder ausgenommen. Neue Erwerbszlpeige hat der Krieg entstehen lassen und in den Städten und Dörfern unseres bentscheii DaterlindeS herrscht überall die emsigste Tätigkeit. Der Geschäftswelt liegt es. nun ob, anregend ans die Kau flu st einzuwirken. damit sie sich einen regen Geschäftsgang wieder sichert. Ein im Zeitnngswescn anerkannter Fachmann schrieb schon am 29. Angnst: DaS Fachblatt eines kriegführenden Nackcharstaates schreibt sckion »nterm 29. August: „Mancher Geschäftsmann denkt wohl jetzt, in Kriegszeiten sei es überflüssig, Anzeigen aufzugeben, einmal, weil es Gelb koste sind man nicht wisse, wie man bas bare Geld besser brauckxni könne, falls der Kredit etwas beschränkt luürde, zum andern aber, weil zu befürchten stehe, daß die Ankündigungen jetzt geringere Wirkung ausübtcn als ttt Friedenszeiten. Diese Schlüsse sind nur sckieinbar richtig. Wie gefährlich sie für die ganze Volkswirtschaft sind, das vermag man sich erst dann anSzndenken, wenn sie veraltge- nieinert werden. Wollte jeder Geschäftsmann so denken, so stünde innerhalb weniger Wochen Handel und Wandel bei - nahe "gänzlich still, und dies würde dann erst recht zur Folge haben, daß die Geschäftsleute, hie heute nockst. auf den Kredit ihrer Bankverbindungen angewiesen sind, in ditzser Hin- stcht die schlechtesten Erfahrungen machen. Gerade jetzt must alles getan werden, mit die Kauflust der begreiflicherweise etwas verschüchterten Ocsfentlichkeit anznregen. Es ist selbstverständlich, dast in Kriegszeiten von einem wirtschrst- lichen Aufschwünge nicht die Rede sein kann: die Anzeigen werden natürlich nicht die Wirkung haben wie in Friede,is- zeiten: aber sie werden dafiir sorgen, dast die Adern und Arterien der Volkswirtschaft wenigstens nicht gustrocka..!." Diese Ausführungen treffen den Nagel auf den Kops, und sind für Friedberg tim so beherzigenswerter, weil die Gesckxiftslente zum größte» Teil ans die Landmirtlchuft angewiesen sind, deren Betrieb, lediglich als Geschäft beb achtet, durch die Kriegszeiten keine Einschtänknng erlitten' hat und gerade seht, ihrer hohen Ausgabe, unser Volk zil^kr- näbren, doppelt alle Kräfte anspanneN muß. Jeder Geschästsmann, der sich also eine» Absatz aer- scktasfen will, der versäume nicht, wieder stillt in hrrltruftuTaijrojriümn aufzngcbcn. Gerade jetzt sind die Anzeigen besonders wtrk- sam, denn DSU- nie werden Zeitungen mehr gelesen IfBf als in Kriegszeiten. Das komint auch den in der Zeitung enthaltenen Anzeigen zugute. <*S ist Pflicht eines jeden Geschäftsmannes, die Kanslrast der Bevölkerung wieder z» wecken. Das beste Mittel hierzu, ist grrndk in unserer jetzigen Krirgszrii, das regelmäßig wiederholte Angebot durch die Zeitungsanzeige. Helfet mit, in Friedberg recht bald wieder das alt.te ivohnie Geschästsleben zu schassen zm» besten unserer gesamten Einwohnerschast. Attiiß dkl ilntrn -»ßkSikitlchz, Z» lirbföpliffi fitra hiiiiß! Solange Borrat re cht- Militiir- Ililltkhus» n.$rmk« Giern. Siern i ln heller Putz- u. Msnusaklurw.-iren Friedberg, «tigelogalse !?. Mgk» iSkslhsDliiiWdk zu verlausen mehrere säst rt.ie Schlafzimmer Oinrichtiingen Lad-ilauhrim. rUomarcklir. N. Schöne -I- b;w. ,H 1 ii!,i»ttiMi)mi»ß Diesenbachstraße 3 mit Bav. Trockenboden nebst vsar- tenanteil per 1. Januar «ventl. früher zu oeruiieten. Th. Mörschel, Friedher» Backe und ichtachte ielbst'. Dörre vielObst! Unerreicht sinh Weber'» neu« Hausbackösen. . Koch - Back - Herde, Fleisch- j rauh, er- und Dörrappararc. Ueber tltHXNl «tnif geliefert. SiUijf Jaili I ilnbrlitfrr!-;! Alan ocil. neueste Pro pette non der ersten >ü,d größten Spezial-Fahiil Deutschlands. Änton Weber Ettlingen i. B. G G O> G ch> Iilchl des grübelt uifiliru Cdkljchweist» Lchweine;e»cht Bereiee Lang-Eöns (Hessen.) Erstklasj. Zuchttiere von vor- zügl. Abstammung stets vorrätig. Komplelte Setten sowie einzelne Teile Bettstellei in Holz und F.isen SlsWminiSei! Schoner Spriingrahmen Meüist m»l-, Kapok- uni Steins- Deckbetten Kissen Kolter Steppdecken Strohmatratzen zu billigsten Preisen. G. M. Reuss Friedberg: Alte Post, ____- - nt _ __ mit mutwilliger Hand alles durcheinander geworfen hätte, ohne sich des grausigen Spiels voll bewußt zu sein. Denn von den Tragödien, die während der Beschießung hier oben gespielt haben, erzählt uns eine Anzahl bescheidener sranzö- sischcc Soldatengräber, die man in einem Blumengarten hinter der Offizicrsmcsse hergerichtct hat. Einige wenige Tapfere hatten sich trotz der mörderischen Beschießung auf die Bastionen gewagt, um die Geschütze zu bedienen. Aber schon nach wenigen Augenblicken stürzten die Trümmer der zerschossenen Kathedrale und des Arsenals über ihnen zu- sammcn und begruben sie unter sich. Andere wurden von den österreichischen Geschossen bis zur Unkenntlichkeit zerschmettert, sodaß nur einzelne Körperteile in dem Massengrab des kleinen Festungsfriedhofcs geborgen werden konnten. Wieder durchstöberte ich die wenigen Habseligkeiten der Mannschaften in dem Dunkel der Kasematten. Vieles für den französischen Soldatencharakter Bezeichnende habe ich dabei gefunden, und der leicht bewegliche, sorglos, draufgängerische. aber auch überaus erotische und zur Zate neigende Sinn der Leute geht aus den Briefen und Büchern, Liedern und Zeichnungen mit leider nur allzu großer Deutlichkeit hervor« Hoch die deutschen Frauen! Die deutschen Frauen sollen leben Die sich dem Vaterland geweiht — Ihm ihre Gaben »nd Kräfte geben Voll stiller Kraft und Tätigkeit! Vor en'rem heiligen Heldentume Neig' betend ich mein Herz und Haupt — Geschmückt seid ihr mit ew'gem Ruhme Den euch nicht Zeit noch Neid je 'raubt. Wie eilt ihr selig zu den Wageir Von wnnden, stolzen Kämpfern voll — Manch tröstend Wort hört ich euch sagen Davon das Herz mir jubelnd schwoll. .'Die müden Krieger zu erquicken Mit Gaben eurer zarten Hand: So konnte man euch stets erblicken Voll Liebe für das Vaterland. Und Schivcstern zieh'» ins Schlachtoctoze Zu lindern blnt'ger Wunden Qual — Ergriffen glänzt ob eurer Größe Aus rmserm Aug des Dankes Strobl Und wieder andere freudig bringe« Dem Vaterland ihr Geld und Gut: Wie Glockcntöne hör' ich klingen Der Liebe gold'nc Segensslnt. Die deutsche« Frauen sollen lcbeu Die sich dem Vaterland geweiht — Ihm ihre Gaben Kräfte geben: Denn sic umstrahlt Unsterblichkeit. Armin Kraft (Lazarett Fricdbcrg.f Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Moselstrage 6a. Telefon-Nummer 1)208 Amt l. Bürostunden: Montag nachm, von 5—7. — Dienstag nachm, von 6—7.— Donnerstag nachm, von 5 — 7. — Freitag nachm, von 5—7 Uhr Zu verkaufen. . ... 10 Stücks Wochen 2 Dogelsberger Kühe stehen preiswett bei 10 Stück 9 Wochen alte, sehr schöne 6 * vHv» b. Ludwig Eine, Ober-Rosbach. Heinrich Fei, Wehrheim i. T. Pktkufer Saatroggen ll. Ad- Ein Simmentaler Zuchtbulle IV, Jahr alt. gekört von Farbe gelbscheck.. prima Körperbau und sehr gut im Sprung, bei Karl Kling, Rodheim v. d. H. laat p. Ztr. Mk. 12.50 mit Sa«, bei PH. Stoll II., Echzell. Ru kaufe» gesucht einen nicht ollznschweren zweispän. Oekonomie wagen l iviilhiliiiitt Dobermann l 1 /* jährig. Näheres bei Th. Itciillioi*, Nieder Rosbach. Wilhelm Keil II., Melbach. 2 frischmelkende Kühe Georg See, Masienheim. JSfene Herbst - Hantel Jacken-Kleider Blusen und Röcke empfiehlt in grosser Auswahl Mayer J. Hirsch Telephon rviodhavn vem Rathause No. 1 rnenoerg gegenüber Reue amgeszeitnng. sawotag, Mn l. Oktober 191« Seite 3. Aus der Heimat. * Friedberg, 2. Okt. (Auszeichnung.) Der Sohn unseres allvcrehrten ffüheren Bezirkskommandenrs Mootz, Herr Oberleutnant Mootziin Jnf.-Leib-Regt. Nr. 117 erhielt anläßlich der Kämpfe bei Uoncy und Beaumont das Eiserne Kreuz. * Friedberg, 3. Okt. Der hiesige Posaunenchor wird am nächsten Sonntag vormittag vor den hiesigen Militär- lazarettcn einige Musikstücke (Choräle, VaterlandSlieder) vor tragen. * Ober-Nosbach, 3. Olt. Unsere wackeren Landstürme! im Elsaß können jetzt ihren Kartosfelhunger befriedigen, denn von Ober- und Rieder-Rosbach ist vorgestern ein Waggon gespendeter Kartosseln nebst einigen Liebesgaben abgcgangen. Weiter konnte dem Militär-Lazarett in der Obstbauschule in Friedberg ein Wagen Kartosseln und Gemüse zugesührt werden. Auch für die im Felde stehenden Soldaten von hier ist unser hiesiger Ortsgcistlichcr, Herr Pfarrer Schäfer, auf das eisrigste besorgt. Nachdem jeder derselben mit Erftischungspakcten bedacht worden ist, hat man nun mit dem Versand von wollenen Sachen begonnen und werden bei dem jetzigen Witterungswechsel diese Liebesgaben jcdcnsalls dankbar begrüßt werden. * Melbach, 3. Okt. Auch in unserer Gemeinde werden der Opfer die das Vaterland fordert immer mehr. Allgemeine Trauer hot die heute eiugetroffcne Todesnachricht des Landwchrmannes Will). Pich hervorgcrufcn. Don den sechs cinbcrufcnen Söhnen des pens. Bergmannes und Landwirts Phil. Pich ist er den Heldentod fürs Vaterland gestorben, indem ein französischer Flieger eine Bombe auf eine Munitions-Kolonne warf, die ihn schwer verwundete, so daß der Tod bald cintrai. Unsere Gemeinde wird ihrem Mitbürger und HauSmetzger gern ein ehrendes Andenken bewahren. Starkenbnrg. * Darniftadt. 3. Okt. Schwer vergangen gegen die niilitärischc Ordnung hat sich der 40 Jahre alte, zum 1. Landsturmbataillon eingezogenc Philipp Hcisel aus Ober- Ramstadt. Er hat beini Exerzieren trotz ausdrücklichen Berbotes im Glied wiederholt gesprochen und den ihn zur Ordnung verweisenden Unteroffizier in drohender, verletzender Weise beleidigt und schließlich durch Verweigerung seiner Namensangabc sich der Gehorsamsverweigerung schuldig gemacht. Er wurde vom Kriegsgericht zu einer Gefängnisstrafe von 6 Atonalen 2 Wochen verurteilt. 2 Wochen Untersuchungshaft sind in Anrechnung. AuS Rheinhrsien. * Mainz, 29. Sept. Die Stadtverordnetenversammlung hat in nichtöffentlicher Sitzung bcschlosie», eine Eingabe an die zuständige Behörde zu richten, worin die alsbaldige Festsetzung von Höchstpreisen für Getreide und Mehl für das ganze deutsche Reich beantragt wird, da die mit der diesjährigen guten Ernte in Widerspruch stehende übertriebene Preissteigerung, besonders für Getreide und Mehl in hohem Maße die Volksernährung gefährde. — Mittels Son- derzugs fft eine aus Eiseubahnbeamten und -Arbeitern der verschiedensten Dienstzweige des Eisenbahndirektionsbezieks Mainz gebildete Bau- und Betriebskolonne von 410 Mann vom hiesigen Hauptbahnhof nach dein westlichen Kriegsschauplatz abgcgangen, um die in Besitz genommenen feindlichen Bahnstrecken wieder in Stand zu setzen und in Betrieb zu nehmen. — Aus dem Eisenbahndirektionsbczirk Frankfurt a. M. gingen je 10 Lokomotivführer und Heizer von de« Stationen Fulda und Lauterbach ebendahin ab» lirbtsyabtn für linkr tllndlliiruiliataSllon. R K. Am 25. September war ein Waggon mit Liebesgaben, bestehend aus 40 Einzelpakcteu an bestimmte Personen, wollene Hemden, Unterhosen, Unterjacken, Strümpfe, Pulswärmer, Zigarren, Zigaretten, Tabak, Wurst, Schinken, Rauchfleisch, Schokolade, Kassee, srischgebackencm Bauernbrot und 85 Säcke Kartosseln an unser Landsturm-Inf.-Bat. Friedberg z. Zt. Markirch j. Elf., abgcgangen. Die Sendung traf schon am 28. September ein und erhielt der Voisttzcndc des Zweigoercins vom Roten Kreuz aus ein Begleitschreiben solgeudcs Dankschreiben von Herrn Oberst Weimer: Markt ich, de» 2g. Sept. 1914 . Lieber Herr Georgi! Es ist Ihnen durch Ihr tatkräftiges Eingreifen gelungen, den am 25. d. M. in Friedberg abgcgangciicn Waggon mit Liebesgaben bereits gestern, den 28. hier in Martirch zu haben. Daß wir in Ihrem Sinne die Eabcn verteilen, das dürfen Sic wohl von mir erwarten, auch daß die Einzclpakete an die Mannschaften richtig ausgchändigt werden. Im Namen des Bataillons danke ich Ihnen, wie ich dies auch dem Eroßh. Bürgermeister, Herrn Stahl, gegenüber zum Ausdruck gebracht habe, hcrzlichst für die sichere und rasche Erledigung meines ausgesprochenen Wunsches. Ich haste und glaube, daß diese Gaben wesentlich mit dazu beitragen werden, das Herz unserer Landsturmleute sür die Sache des Vaterlandes zu heben und in Begeisterung zu versetzen. Den» das ist eine Erfahrung, die ich nicht zum ersten Male mache, daß derartige Eabcn, aus der Heimat gespendet, wesentlich dazu beitragen, das moralische Element in dem Soldaten zu heben. Und nicht allein dieses wird gehoben, sondern die Heimatlicbe selbst wird gestärkt und vermehrt, wenn der Soldat sieht, daß seine zurückgebliebenen Angehörigen auch nach der Richtung Liebesgaben hin sich um ihn kümmern. Darf ich Ihnen, lieber Herr Ecorgi, in diesem Sinne nochmals für Ihre vielen Bemühungen danken, namentlich sür vie rasche Besorgung der Liebesgaben, und Sie versichern, daß ich nach wie vor verbleibe Ihr ergebener Weimer, Oberst. » » • Nachschrift: Diesen Grüßen schließen sich an Oberaintsrich ter Dr. Fuhr und der Schreiber dieses Brieses Semino lcbrcr Schuchmann. Frankfurter Wetterbericht Voraussage: Ziemlich bedeckt, zeitweise Niederschläge, niild. westliche Winde. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e I, Friedberg: für den Anzeigenteil: K. S ch midi, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", _ A. G., Friedberg i. H. Zugpferd Ein rein Simmentaler ein- und zweispännig gefahren, 6 Jahre alt, zu verkaufen, anzusehen Sonntagfrüh. Fuhrmann Stempel, Friedrichsdors i. T. Zuchtbulle angekört. 18 Mon. alt zu verkaufen Karl £ttng, Wohnbach. BtzirkchllMe „Mlithildknslist", gricMcrg. Nach Beschluß des Aufsichtsrats vom 23. September 1914 beträgt der Zinsfuß vom 1. Januar 1915 ab: für Spareinlagen bei täglicher Verzinsung 4°/„ für Darlehen gegen Hypotheken 4V 2 7 0 „ „ an Gemeinden 4’VV „ „ gegen Schuldscheine 4V//o „ Kaufschillinge 4'/-°/° Friedberg, den 26. Sept. 1914. Drr Direktor: Georg Hieronimus. Iflilitiir-llntei'westen garantiert wasserdicht und warmhaltend liefert J. Thomas, Sclmeidermstr. Friedberg i. H-, Augustinergasse 17, W Alleinvcrkaus sür Friedberg und Umgegend. Wir haben abzugeben solange Vorrat reicht: große Mengen In. frische Juikriculdjiiiljfl