r * 7 N 8 8 ä — ———— l 5 . 'olkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 1. 00 Oberhessische Volkszeltung erscheint jeden Werktag Abend in hetzen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg. monatlich fg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1 80 Mk. Redaktion und Exvedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Tele! on 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abenbs 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 304 Gießen, Dienstag, den 28. Dezember 1915 10. Jahrgang 0 Zermalmende Zahlen. 7* e In; In 5 an das Deutsche Reich. in Frauf zu zahlen hatte, gepanut worden var, wie betäubt. 2 ie größte Anleihe, die jemals aufgenommen d, das waren die am 4. August 1914 geforderten 5 Milliarden b. 0 tausend Millionen Mark ergeben! 1 Vierzigtausend Millionen: wie lange wird die deutsche Mensch⸗ e arbeiten müssen, um das zu schaffen, was hun in die Luft segt! Wie viele Geschlechter werden zu tragen haben, was ihnen gegenwärtige Gesch als Schulderbe hinterläßt! Vierzigtausend Millionen Mark— was hätte sich damit an : die die Wohlfahrt des Volkes und die materielle Un⸗ der t begründen, schaffen lassen! Und nun ketzehrt der grausame Krieg alles, die Arbeiter der Vergangen⸗ ummenden! Und er verzehrt noch weit mehr, denn das Blut, er trinkt, wind nicht auf Kredit gegeben. Die Zahlen über den Krieg, die im Reichstag der deutsche natssekretär mitgeteilt hat, sind einfach zermalmend. Tag für da verf chlinget der Krieg Europas 330 Millionen; und dazu 5 ten eigentlich noch alle Kriegskosten der neutralen Länder ge⸗ net werden! Und nun währt der Krieg schon mehr als fümf⸗ ndert Tage! R [Fortschritte. Torpedobvot den Gewässern von Ari Burn u, warf einige Granaten ohne Erfolg und zog sich dann zurück. Einige unserer Batterien in der Meerenge beschossen gestern bei Sedd⸗ül⸗Bahr die Ausschiffungsstellen von Tekke Burnu und die benachbarten Bobtshäuser. Sie verhinderten dadurch die Beförderung von Truppen, zerstörten sieben Schuppen und versenkten zwei beladene Boote. Die Zahl der bei Anaforta und Ari Burnu dem Feinde abge⸗ acht schwere und zwei Feldgeschütze. Eine Station für draht⸗ lose Telegraphie fiel gleichfalls in unsere Hände. Am 21. De⸗ zember nahmen wir aus den zahlreichen an der Küste ge— strandeten Booten alles Verwendbare und zerstörten sodann die Boote. Konstantinopel, 26. Dez.(W. T. B.) Haupt⸗ quartier teilt mit: An der Irakfront macht die Um fassungsbewegung gegenüber dem bei Kut⸗el⸗ Amara bedrängten Feind von allen Seiten erfolgreiche Die Beschießung der Stellung und der Vorräte des Feindes in Kut-el- Amara hat gute Ergeb⸗ nisse. An der Paukasusfront nichts Wesentliches außer schwachem Feuergefecht. An der Dardanelleufront hat unsere Artillerie am 24. Dezember vormittags einen feindlichen Kreuzer, der sich dem Meerbusen von Saros zu nähern versuchte, drei ⸗ mal getroffen, sodaß der Kreuzer sich entfernte. Als Das Aber dieser in seiner Furchtharkeit jedem menschlichen Erfassen sottende Verbrauch menschlicher Arbeit— denn anderes als diese das verbrauchte Kapital nicht— ist nicht geschehen zu schöpferi⸗ hm Zwecke: nur Vexwüstung. Fuicht trägt, sondern diese 330 Millionen werden täglich heben, um Verderb und Zerstörung aus zusäen. Kosten des Zerstörens, welche man Kriegslosten u noch seine Wirkungen, die Vernichtung menschlichen Lebens d menichlichey Güter, bie in ihrem Gewicht an die eigentlichen Legskosten fast hinaureicht. Niemass in ber Geschichte der Meuschen hat das Verderben so der Erde gewütet, wie es in die Zu diesem und mit diesem Kriege ge— Sch bewundernd steht ber Erdensohn vor dem en Elements, das, der planvollen Leitung der 0 längst entronnen, iber den europäischen Üdteil rast und alles zer stampfen will, was in jahr⸗ Asende lan Nemlihen der gesamten Menschheit an Kultur Zinilijation aufgebaut wurde. Fünfhundert bange Kriegstage, mit all ihrer Augst hühlten Millionen, liegen hinter uns. Wieviel der haben sich in dieser von allem Furchtbaren Aten Zeit von den gepreßten Herzen Und er stehen die waffensta r. und statt usche und Qual Mlinsche, er⸗ noch) Macht aufreckt, als das Ende aller die das rasende In Alte er der törichten Menschheit, die ihn gerufen, ge künden. Ament bindet und n iter Sehnsucht harrt ihrer die gesamte Menschheit. * 9 * Der Kampf um Elbasan. Eine Meldung des Temps aus Athen besagt, daß die ir gegen die Adria zu ischen Streitkräften in Die Ser⸗ 0 mittel er⸗ Aten hätten, hätten sich äußerst hartnäckig gegen die heftigen griffe der Bulgaren verteidigt. Der Kampf, ei Tage um Elbasan tobe, sei noch nicht beendet. Auffindung wichtiger serbischer Dokumente. Sosia, 24. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Einem Blatte zu— lie ind im Palais des serbischen Thronfolgers Alexander in darunter ungen und die Verhandlungen schten betrifft. Die gefundenen Briefe, deren Zahl etwa 500 be⸗ Klonstantinopel, 24. Dez.(W.. B. lartier teilt mit: An der Dardanellenfront id Bombenkampf mit Unterbrechungen. richte drei feindliche Batterien zum Schweige Arkungen gegen feindliche Truppen, die mit iten beschäftigt waren, und zerstörte einen n Grüben. Am 22. Dezember näherte Verschanzungs Teil der seind aus diesen Ausgaben erblüht keine andere Wirkung glx i B 7 Es ist keine Verausgabung, die Blüte und Ar Burn warfen, aus⸗ nennt, kom⸗ iich zahlreiche wichtige Dokumente gefunden word, Haupter f Uümfgugreiche Brieswechsel Alexanders e eee auf den Binnenstraßen sem uf sitische Ban den erschie⸗ ler een de kürbisch⸗bulgarischen Be- nen. Die englischen Militärbehörden seien der Ansicht, daß 5 e Bulgariens mit ben Entente-] die Senussen nicht über 5000 Mann zur Verfügung hätten, Rolle Serbiens vor (igt, sollen interessante Streiflichter auf die 5 por bruch des Weltkrieges sowie auch vor Beginn des serbisch— garischen Krieges des Jahres 1913 werfen, Türtische Tagesberichte. Das Haupt⸗ Artillerie Infanterie⸗ Unsere Artillerie u, erzielte gute sich ein feindliches am Nachmittage ein Kreuzer und ein Torpedoboot einige Granaten auf Hiretsch Tepe, Buschuk Kemikli und traf unsere Artillerie einmal das orpedobbot. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr beschoß unsere Ar⸗ tillerie die feindlichen Schützengräben vor unserem linkem Flügel und richtete erheblichen Schaden an. Ein feindliches Flugzeug, das wir bei Bir el Sabe herabgeschossen haben, wird nach einigen Ausbesserungen von uns verwendet wer⸗ den. Der Flugzeugführer wurde lebend gefangen genommen; es ist der französische Hauptmann de Cepon. Der andere Insasse; der englische Leutnant Lintscher, ist tot. Das Ende des Dardanellen⸗Abenteuers. Sicheren Nachrichten der Frank. Zig. zufolge beschloß England den Abbruch der Dardanellen⸗Offen sive auf Vorschlag Lord Kitcheners, nachdem dieser drei richtete on die Armeen zu schaft: noch immer vom Kriege beansprucht findet. eigenen und im Namen der Königin anläßlich 1 herglichsten Grüße und unsere besten Segenswünsche an 1 5 1 0 Namens aufrecht er. ubmmenen Geschütze hat sich auf zehn erhöht und zwar e e e auyptische Kümmernisse. Eine Botschaft des Königs von England. London, 26. Dez. Die Agence Havas meldet: Der König Lande und zu Wasser folgende Bot- das die Kräfte des Reiches Ich möchte in meinem dieses Festes die alle die⸗ und zur See die Ehre des englischen In die Offiziere und Mannschaften Reiches Sicherheit abhängt, setze ich, wie alle meine Untertanen, mein Vertrauen, das absolut ist. Ich hege alle Zuversicht mit unbedingtem Glauben an die Offiziere und Soldaten meiner Armee, einerlei, ob in Frankreich, im Orient ode n auf anderen Kriegsschauplätzen, da ich weiß, daß ihre Hingebung, ihre Tapferkeit und ihre Aufopferung sie unter Gottes Führung zum Siege und zu einem ehrenvollen Frieden führen werden. Manche unserer Kameraden liegen leider im Krankenhaus, und gleich der Königin möchte ich auch diesen mutigen Leuten unsere tiefe Dankbarkeit und unsere lebhafte Sorge aussprechen. Offiziere der Marine und der Armee, wiederum schlseßt ein Jahr wie es be⸗ gonnen, in Mifhe, Blut und Leiden; und dennoch freue ich mich, da ich weiß, baß das Ziel, um das ihr kämpft, immer deut ⸗ licher in Sicht kommt.“ Die englischen Gesamtverluste. Ueber eine halbe Million. London, 24. Dez. Amtlich wird mitgeteilt, daß die Ver⸗ luste der Briten auf allen Kriegsschauplätzen bis zum 9. De⸗ zember betrugen: an Mannschaften 119 923 tot, 338 758 ver⸗ wundet, 69 546 vermißt, an Offizieren 7367 tot, 18 365 ver⸗ wundet, 2149 vermißt. f Friedensaussichten. In einem Leitartikel des Labour Leader vom 16. 12. spricht „Wiederum ein Weihnachtsfest, jenigen richten, die zu Lande sich Philipp Snowden hoffnungsvoll über die Möglichkeit von Friebensunterhandlungen ans. Dafür sprächen Ton und Aeußerungen von Zeitungen und Politikern, eine gewisse Geneigtheit, den Tatsachen ins Gesicht zu ehen, ferner Mißtvauen in das Geschick der englischen Regierung, den Krieg zu einem erfolgreichen Ende zu führen, und schließlich Reden und Antworten im Parlament, die von dex bisher gezeigten unbeugsamen Haltung der Regierung scharf ab stächen. Die am meisten ermukigenden Anregungen kämen indes ante Deutschland. Offenbar seien sich die deutschen Sozialdemol voten einig in einem Friedensschluß ohne Annexionen. 7 Beklagenswert. im Verglesch zu den tapferen Austrengungen der deutschen, österreichischen und italienischen Sozialisten sei das Verhalten der englischen Arbeiterpartei. Gäbe es eine solche alle Arbeiter umfassende in England, so könnte man die Regierungen zur Vernunft bringen. Von der Kanzel und Tribüne aus habe es sechgehn Monate Tage in Mudros und zwei Tage am Nordflügel von Anaforta selbst geweilt hatte. Wofür die freigewordenen, etwa acht englischen N Wochen eine Reihe von Vataillonen schon herausgezogen waren, um nach Salonik gesandt zu werden, jetzt verwendet! werden, ist noch nicht ersichtlich. Man vermutet, daß die Mehrheit dieser Truppen auf dem Wege nach Aegypten ab— transportiert wird. Die Verteidigung Aegyptens. Uber die Vorbereitungen zur Verteidigung Aegyptens telegraphiert der Korrespondent des Secolo aus Kairo, daß fortgesetzt große in Alexandrien gelandete Kontingente, die in der Hauptsache aus Australiern und NReuseeländern be stehen, auf das ganze Land verteilt werden. General Mar⸗ well habe die größten Gebäude Kairos für Militärzwecke be— schlagnahmt, der Generalstab sei im Sapoy-Hokel einqugr⸗ tiert. Ein Dekret Maxwells an teignet alle Grundstücke, die nötig sind, um die Bahnlinie Zagadie⸗Is ma lia zweigleisig auszubauen, da diese Linie als Ver— bindung zwischen der Suezkanalbahn und dem übrigen Aegypten strategisch wichtig sei. 10 000 Eingeborene bauen an der Strecke. N An der ägyptischen Westgrenze seien über Sollum sodaß ihre Aktion mehr den Charakter eines Streifzuges habe. Immerhin seien die Mündungen der Karawanen— straßen von den Senussen stark besetzt worden. Der Groß Senusse versichere den Engländern fortwährend seine Erge⸗ benheit, findet aber geringen Glauben. Zwei euglische Transportdampfer gesunken. Die Köluische Zeitung erfährt aus bester Quelle, daß aun 20. Dezember nachts vor Boulogne zwei englische Trausport⸗ Dipisionen, aus denen während der letzten sechs strobe lang Erklärungen geregnet, daß Deutsechland die Weltherrschaft er⸗ f re das wahr, so hätte Deutschland, auf dem Gipfel seines s stehend, nicht die Hand zum Frieden gereicht. Jede Verteidigung des Krieges, die England macht, die macht Deutschland auch. Auf jedes Ziel, das wir erfüllt sehen möch strebt auch Deutschland hin. Man sollte meinen, daß unter diesen Umständen jede Anregung zum Friedeusschluß voͤn den Demokraten des Vierverbandes mit Begeisterung hätten aufgenommen werbozt müssen. Die lange militärisch nicht möglich ist, soll schöpfung erreicht werden. Laßt uns versuchen, schließt Geist des andern zu versetzen. heit gegeben Der französische Sozialistenkongreß. Der Laudeskongreß der sozialistischen Partei wurde am Samstag vormittag eröffnet. 400 Delegierte der verschiedenen Departementsverbände waren erschienen, dar unter zahlreiche Parlamentarier, so die Minsster Guesge, Sembat und Thomas. Die Presse hat keinen Zutritl!. Die erste Sitzung was, einem Havasbericht zufolge, der Kon; trolle der Mandate und der Ausarbeitung der Tagesordnung gewidmet. en, tollste Form unserer Kriegsleidenschaft ist jedenfalls, so zu kämpfen, bis Deutschland um Frieden hittet. Da dies das Ziel durch wirtschaftliche Er das Blatt, uns gegenseitig in den Deutschland hat uns die Gelegen Adien, Herr Hervs! in denen er die französische Reglerung unausgesetzt angriff,— aber nicht etwa wegen ihres so oft betonten Kriegswillens bis zum bitteren Ende, sondern vielmehr, weil ihm alles noch zu wenig wax und er den Krieg noch in gang anderem Stile geführt sehen wollte, als es ge— schah. War diese Haltung schon bezelchnend genung füür den„Sozla⸗ lismus“ Hervés, dem sich auch, seine Schimpfereien gegen die deutsche Sozialdemokratie würdig gesellten, so wird man sich jetzt erst recht nicht wundern, daß Hervé auch noch die Aeußerlichkeit ab. streift, die sein Blatt als ein sozialistisches kennzeschnen sollte. Unter einem wüsten Gebelfer, das sich vorgeblich nur gegen die dampfer untergegangen seien. * Teilnehmer und Gesinnungsgenossen der Zimmerwalder Konferenz richtet, die einen„deutschen Frieden“ wollten, verkündet er seinen . * * 0 N N——* 1 Enischluß, das Blatt La guerre sociale(Der soziale Krieg) von nun an La victoire(Der Sieg) zu nennen.. Herrn Heros wird dieser Schritt erhaben vorkommen— uns 0 kann er bei der ganzen Situation des Vierverbandes und ganz be⸗ sonders Frankreichs nur lächerlich erscheinen. Aber wenn Herr Hervé die Zimmerwalder Lonferenz zum Anlaß nimmt, sich äußerlich ganz vom Sozialismus loszusagen, so zwingt er zu dem Schluß, daß das Verlangen nach Beendigung des grauenvollen Krieges immer mehr vom französischen Sozialismus überhaupt empfunden und wohl auch schon erhoben wird. Wäre das wirklich der Fall, so könnten wir es nur begrüßen. Die Versöhnung des deutschen und französischen Volkes rückte dann näher. Und dieses Ziel ist wohl das Opfer wert, Herrn Hervs zu verlieren! Sleuerfragen. Der Ankündigung des Reichsschatzsekretärs, daß der Krieg jedenfalls, wie immer es sich auch mit der Kriegsent⸗ schädigung verhalten werde, eine„kolossale Steuerbelastung“ bringen werde, folgt bereits das Rätselraten, das neuen Steuervorlagen stets vorausgeht. Der Lokal⸗Anz. weiß be⸗ reits zu melden, daß die Einführung von Reichsmono⸗ po len vorläufig noch nicht vorgeschlagen werden solle; zu⸗ nächst werde man eine Erhöhung der Zigaretten⸗ steuer und anderer Steuern, die nicht die große Masse des Volkes treffen, ins Auge fassen. Bei der riesigen Verbrei— tung, die das Zigarettenrauchen von Jahr zu Jahr ange— nommen hat, wird man nicht sagen können, daß dieses Pro— jekt die große Masse des Volkes nicht treffen würde. Warum man nicht schon jetzt an die Einführung von Monopolen gehen will, ist nicht einzusehen. Der Krieg hat so gewaltige Eingriffe des Staates in das private Wirtschaftsleben ge⸗ bracht, daß man wohl auch vor diesem Schritt nicht zurück⸗ zuschrecken brauchte. Ein Reichstabakmonopol würde sogar sehr angebracht sein; da unsere Krieger jetzt Rauchwaren ge⸗ liefert bekommen, würde die Bezahlung dafür bei einem Monopol wieder an das Reich fließen, ohne daß Privat-Kapi⸗ talisten daran verdienen würden. Dasselbe Blatt hält den Behauptungen von einer bevor⸗ stehenden Verdoppelung der preußischen Steu⸗ erzuschläge entgegen, daß darüber noch nicht entschieden sei. Die Entscheidung werde„offenbar von der Gestaltung der Friedensbedingungen in maßgebender Weise beeinflußt werden.“ Sind wir denn so nahe schon dran? Und wenn nicht— wird Herr Lentze nach dem lockenden Vorbild Bay⸗ erns, Sachsens und Badens noch länger sich gedulden wollen? Wir werden es ja bald wissen, wenn erst die Feste vorbei sind, kommt ja der preußische Landtag. Spannung zwischen Griechenland und dem Vierverband. Die Neuen Zürcher Nachrichten berichten, daß aus Athen soeben aus zuverlässiger Quelle Nachrichten eintreffen, nach denen die Lage zwischen Griechenland und dem Vierverband sich immer mehr zuspitzt. Die Zumutungen und Gewalt⸗ tätigkeiten des letzteren sind bis ins Unerträgliche und Ent⸗ würdigende gestiegen. Es ist nicht mehr genug, daß man die griechische Neutralität verletzt, sondern man tritt auch die griechischen Hoheitsrechte mit Füßen. Die Erregung steigt von Tag zu Tag. Der völlige Bruch mit dem Vier⸗ verband erscheint unausbleiblich, trotzdem die griechische Re— gierung immer noch an ihrer bisherigen Haltung festhält. Die Verantwortung hierfür trifft ausschließlich den Vierverband. Der französische Sozialistenkongreß. Bern, 26. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Bei dem Pariser Soztalistenkongreß erhob sich eine heftige Aussprache darüber, ob die sozialistischen Abgeordneten, die kein Mandat als Kongreßteil⸗ nehmer haben, dem Kongreß beiwohnen dürften. Die Pariser er⸗ hoben wegen der Vorfälle im Seinekongreß am letzten Sonntag da⸗ gegen Einspruch. Ein Antrag wurde angenommen, wonach ein Abgeordneter Zutritt hat. für den ein Delegierter bürgt; für die Presse wird täglich ein Protokoll herausgegeben werden. Kein Sonderfrieden Rußlands. T. U. Kopenhagen, 27. Dez. Die Birschemija Wjedomosti meldet aus Petersburg: Unter dem Vorsitz des Grafen Bobrinski hielt die Rechte des Reichsrates eine Sitzung ab, um zu den Gerüchten Stellung zu nehmen, wonach die Rechts⸗ parteien Rußlands gewillt seien, mit Deutschland einen Sonderfrieden zu schließen. Es wurde eine Resolution an⸗ genommen, worin diese Gerüchte empört zurückgewiesen wur⸗ den und betont wird, die gesamte Rechte wünsche den vollen Sieg über Deutschland. Die Räumung Sollums. Bern, 26. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Eine Mel⸗ dung des Temps aus Rom ergänzt die frühere Meldung über Kämpfe zwischen Engländern unter dem Oberst Gordon und Arabern in der Gegend von Motruch östlich von Tripolis da⸗ hin, daß Sollum infolge der Angriffe arabischer Aufständi⸗ scher von der Garnison geräumt worden ist. Verstärkungen seien unterwegs. Automobilzusammenstoß. T. U. Wien, 27. Dez. Vom Semmering wird gemeldet, daß fünf Automobile an einer steilen Stelle zusammenstießen, wobei zwei Personen schwer, mehrere andere leichter verletzt wurden. Die Insassen waren Mitglieder des Roten Kreuzes aus Rußland und Schweden, welche vom Besuch der Gefangenenlager zurückkehrten. Die Verwundeten wurden in Wien in verschiedenen Spitälern untergebracht. 5 Kriegsussizen. „Bund der italienischen Lehrer für den Nationalkrieg“ nennt sich eine neugegründete Organisation, die schon eine stattliche Reihe von Mitgliedern und zahlreiche Ortsgruppen hat. Die Aufgabe besteht in Aufklärung des Volkes über die idealen Beweggründe des italienischen Feldzugs und in Aufrechterhaltung der Stimmung. In erster Linie aber in Exrichtung von„Volks⸗Sekretariaten“, d. h. Schreibstuben, in denen die Lehrer die Korrespondens zwischen Soldaten und ihren Angehörigen führen. Ein kriegsfreiwilliger Gardist Baptiste Conduche aus Sauvagnas anerkannte— so schreibt die Sentinelle— vor seiner Abreise an die Front, seinen eben geborenen außerehelichen Sohn als den seinen an und äußerte die Absicht, die Mutter zu heiraten. Da er bald darauf verwundet wurde und auch während der Rekonvaleszenz die Formalitäten noch nicht erfüllt waren, ernannte er bei seiner zweiten Abreise an die Front einen Freund als Stellvertreter bei der Verheiratung. Am 17. November fand die Hochzeit statt: wenige Tage nachher erfuhr die junge Frau, daß Conduchd am 27. September, 3 Tage nach seiner Abreise, gefallen sei. Die Heirat wurde für nichtig erklärt, trotzdem der jungen Frau die Witwen⸗ pension von seiten des Staates zugewiesen. Für die ersten 7 Monate des Jahres 1915 wurden in Rußland Waren im Betrage von 244,2 Millionen Rubel Cngeführt gegen die Waxeneinfuhr im Betrage von 782,8 Millionen Rubel der ent⸗ sprechenden Monate im vorigen Jahre. Die Warenausfuhr betrug 126 Millionen Rubel gegen die im Betrage von 781,2 Millionen Rubel der entsprechenden Monate im vorigen Jahre. Nach der Rietsch kostet der Krieg dem russischen Staate 24 Mil⸗ lionen Rubel täglich. N Zur Einberufung eines neuen Kongresses der Semstwo⸗ und Städteverbände, der für die erste Dezemberwoche in Moskau ge⸗ plant war, wird von der russischen Regierung die Erlaubnis ver⸗ weigert. Der Herald meldet: Das den Frieden darstellende Decken⸗ gemälde von Albert Bernard, das von der französischen Regierung leihweise für die Ausstellung, die am 2. Januar eröffnet werde: soll, zur Verfügung gestellt worden war, ist von dem Wier der Transatlantischen Kompagnie, wo es vorläusse untergebracht wor⸗ den war, verschwunden. Man glaubt, daß es gestohlen worden ist. Das Bild war mit dem Dampfer„Espagne“ am 15. Dezember angekommen und sollte ein Hauptzugstück der Ausstellung bilden. Es war mit 20 0000 Pfund Sterling versichert, dem Betrage, den der französische Staat an den Künstler bezahlt hatte. Soziales. Die Arbeiter-Sekretariate im Jahre 1914. In der Nummer 51 des Korrespondenzblattes der Generalkommission werden die Erhebungen über die Ar⸗ beiter⸗Sekretariate im Jahre 1914 veröffentlicht. Die Ein⸗ wirkungen des Krieges machen sich auch bei dieser Erhebung geltend, obgleich nur 5 Kriegsmonate neben 7 Friedens- monaten in Betracht kommen. Die Zahl der Sekretariate ist nicht kleiner geworden, es wurden im Gegenteil im Jahre 1914 9 Sekretariate neu errichtet, fast alles Bezirks⸗Sekre⸗ tariate, deren Errichtung zu einer Notwendigkeit dadurch wird, daß in vielen Fällen jetzt der Rekurs nicht mehr zu⸗ lässig ist. Die Oberversicherungsämter entscheiden endgültig, a— und dies macht mündliche Vertretung vor ihnen erwün Es sind jedoch auch einige Sekretariate so vom Krieg in Mit— leidenschaft gezogen worden, daß sie entweder eingegangen sind, oder daß sie keinen Bericht geben konnten. Es beträgt deshalb die Zahl der berichtenden Sekretariate 130 gegen 129 im Jahre 1913. Die Gesamtzahl der Auskunftsuchenden ist gegen das Vorjahr etwas zurückgegangen. Sie beträgt 647 461 gegen 683 890. Die Auskunftsuchenden haben sich demnach um 36 429 verringert. Wie sehr hier der Krieg ein⸗ gewirkt hat, geht daraus hervor, daß die Zahl der männlichen Besucher um 78 467 sank, während die der weiblichen Besucher um 32 911 stieg. Dies zeigt, daß in außerordentlich vielen Fällen an Stelle der einberufenen Männer deren weibliche Angehörige das Sekretariat aufsuchten. Wie es in der Natur der Sache liegt, stellten die gewerkschaftlich organisierten Ar⸗ beiter die Mehrzahl der Besucher, 450 724 oder 67,07 Prozent. Auskünfte sind im ganzen 692 590 erteilt worden. Sie haben sich um 33 502 verringert. Natürlich verteilt sich diese Verringerung nicht auf all die Gebiete der Auskunfts⸗ erteilung. Auf manchem sind sie sogar ganz erheblich ge⸗ stiegen. So stiegen z. B. die Auskünfte über das Militär⸗ wesen von 8443 im Jahre 1913 auf 24 451, wobei noch nicht einmal die Auskünfte eingerechnet worden sind, die bedingt waren durch die vielen Anfragen über die Unterstützung der Familien der Kriegsteilnehmer, die nicht weniger als 18 080 Auskünfte notwendig machten, sodaß im allgemeinen die Auskünfte, die das Militärwesen mit sich brachte, sich um 34 088 vermehrt Auch auf dem Gebiete der Arbeiterver⸗ sicherung zeigen sich interessante Verschiebungen. Auskünfte über Unfallversicherung wurden im Berichtsjahre 15074 weniger als im Fahre vorher erteilt. Die Zahl fiel von 117 211 auf 102 137, während die über die Krankenversiche⸗ rung von 40 711 gestiegen ist auf 48 287. Diese Verschiebungen erklären sich daraus, daß nach Kriegsausbruch die Berufs⸗ genossenschaften auf Ersuchen des Reichsversicherungsamts zunächst mit ntenkürzungen zurückhielten, während andererseits die die Krankenversicherung betreffenden Gesetze vom 4. August 1914 eine derartige Verschiebung der Rechte und Pflichten der Krankenkassenmitglieder brachten, daß sich daraus ohne weiteres die Steigerung der Anfragen erklärt. Schriftsätze sind 180 381 angefertigt worden. Auch hier hat sich die Zahl etwas verringert, obgleich allein auf dem neuen Gebiete der Unterstützung der Familien der Kriegs⸗ Auch die persönlichen Vertretungen sind etwas geringer geworden, 6178 gegen 6717. Die Minderung entfällt fast ausschließlich auf die Vertretungen vor den Gewerbe- und Kaufmanns⸗ gerichten, die von Auf das Kassengebaren der Sekretariate hat der Krieg natürlich auch eingewirkt. Dies sei nur illustriert an den 2 Zuschüssen, die die Generalkommission geleistet hat. Im Jahre 1913 leistete diese an 8 Orten Zuschüsse in Höhe von 17 260 Mark. Im Jahre 1914 mußte sie an 20 Sekretariate mit insgesamt 34 120 Mark Zuschüsse geben, wobei aller⸗ dings zu berücksichtigen ist, daß bei den Bezirks⸗Sekretariaten die Zuschüsse von vomherein in Betracht gezogen waren. Erwähnt mag werden, daß das Sekretariat in Frank- furt a. M., das seither beständig an erster Stelle gestanden hat, im Berichtsjahr an die zweite Stelle gerückt ist. Es ist überholt worden vom Arbeiter⸗Sekretariat Berlin, das 35 110 Auskünfte erteilte, während in Frankfurt 30 533 er⸗ teilt wurden. 4 N 2 Auskunftsstellen der Gewerkschaftskartelle haben nur 117 gegen 232 im Vorjahre berichtet. Hier hat der Krieg stärker eingewirkt, als bei den Sekretariaten. Die Zahl der von ihnen erteilten Auskünfte sank auf 42 229, wobei zu beachten ist, daß die fehlenden Auskunftsstellen zumeist bis zun Kriegsausbruch oder bis zur Einberufung der Auskunft⸗ erteiler noch tätig waren, ihre Auskünfte aber nicht mitge- zählt werden konnten, weshalb Vergleiche mit dem Vorjahre nicht möglich sind. 3 E rr teilnehmer 7812. angefertigt wurden. Barfüßele. 8 Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. Der Oberknecht des Rodelbauern kam auf Amrei zu und sie schauerte schon in sich zusammen voller Erwartung, aber der Oberknecht sagte: „Da, Barfüßele, heb' mir meine Pfeife auf, bis ich ge— tanzt habe.“ Und viele junge Mädchen aus dem Orte kamen, von der einen erhielt sie eine Jacke, von der anderen eine Haube, ein Halstuch, einen Hausschlüssel, alles ließ sie sich aufhalsen, und sie stand immer mehr bepackt da, je mehr ein Tanz nach dem andern vorüberging. Sie lächelte immer vor sich hin, aber es kam niemand. Jetzt wurde ein Walzer auf— gespielt, so weich, das geht ja, wie wenn man darauf schwim⸗ men könnte, und jetzt ein Hopser, so wild rasend, hei! wie da alles hüpft und stampft und springt, wie sie alle in Lust hoch aufatmen, wie die Augen glänzen, und die alten Weiber, die in der Ecke sitzen, wo Amrei steht, klagen über Staub und Hitze, gehen aber doch nicht heim. Da... Amrei zuckt zusammen, ihr Blick ist auf einen schönen Burschen geheftet, der jetzt stolz in dem Getümmel hin und her geht. Das ist ja der Reiter, der ihr heute morgen begegnete, und den sie so schnippisch abgefertigt. Alle Blicke sind auf ihn gerichtet, wie er, die linke Hand auf dem Rücken, mit der rechten die silber— beschlagene Pfeife hält, sein silbernes Uhrbehänge tanzt hin und her, und wie schön ist die schwarzsamtne Jacke und die schwarzsamtnen weiten Beinkleider und die rote Weste. Aber schöner ist noch sein runder Kopf, mit gerolltem braunen Haar, die Stirn ist schneeweiß, von den Augen an aber das Antlitz tief gebräunt, und ein leichter voller Bart bedeckt Kinn und Wange. „Das ist ein Staatsmensch,“ sagte eine der alten Frauen. „Und was hat der für himmelblaue Augen!“ ergänzte eine andere,„die sind so schelmisch und so gutherzig zugleich.“ „Woher der nur sein mag? Aus der hiesigen Gegend ist er nicht,“ sprach eine dritte, und eine vierte fsigte hinzu: „Das ist gewiß wieder ein Freier für die Amrei.“ Barfüßel⸗ zuckte zusammen. Was soll das sein? Was soll das heißen? Sie wird bald belehrt, was damit gemeint ist, denn die erste sagt wieder: „Da dauert er mich, die Schmalzgräfin führt alle Manns⸗ leut' am Narrenseil herum.“ Ja, auch die Schmalzgräfin hieß Amrei. Der Bursche war mehrmals durch den Saal gegangen und ließ die Augen um und um schweifen, da plötzlich bleibt er stehen, nicht weit von Barfüßele, er winkt ihr, es über⸗ läuft sie siedend heiß, aber sie ist wie festgebannt, sie regte sich nicht. Und nein, er hat gewiß jemand hinter ihr ge— winkt, dich meint er gewiß nicht. Er drängt vor, Amref macht Platz. Er sucht gewiß eine andere. „Nein, dich will ich,“ sagte der Bursche, fassend.„Willst du?“ Amrei kann nicht reden, aber was braucht's dessen auch? Sie wirft schnell alles, was fie in der Hand hat, in einen Winkel: Jacken, Halstücher, Hauben, Tabakspfeifen und Hausschlüssel. Sie steht flügge da, und der Bursche wirft einen Taler zu den Musikanten hinauf, und kaum sieht der Krappenzacher Amrei an der Hand des fremden Tänzers, als er in die Trompete stößt, daß die Wände zittern, und fröhlicher kann es den Seligen nicht erklingen beim Jüngsten Gerichte, als jetzt Amrei; sie drehte sich, sie wußte nicht wie, sie war wie getragen von der Berührung des Fremden und schwebte von selbst, und es war ja gar niemand sonst da. Freilich, die beiden tanzten so schön, daß alle unwillkürlich anhielten und ihnen zuschauten. „Wir sind allein,“ sagte Amrei während des Tanzes, und gleich darauf spürte sie den heißen Atem des Tänzers, der ihr erwiderte: „O wären wir allein, allein auf der Welt! Warum kann man nicht so fort tanzen bis in den Tod hinein?“ „Es ist mir jetzt grad',“ sagte Amrei,„wie wenn wir zwei Tauben wären, die in der Luft fliegen. Juhu! fort, in den Himmel hinein!“ und Juhu! jauchzte der Bursche laut, daß es aufschoß wie eine feurige Rakete, die zum Himmel aufspringt, und Juhu! jauchzte Amrei mit, und immer seliger schwangen sie sich, und Amrei fragte:„Sag', ist denn auch ihre Hand 5 noch Musik? Spielen denn die Musikanten noch? Ich höre sie gar nicht mehr.“ 5 „Freilich spielen sie noch, hörst du denn nichts?“ „Ja, jetzt, ja,“ sagte Amrei, und sie hielten inne, ihr Tänzer mochte fühlen, daß es ihr vor Glückseligkeit fast schwindlig zumute werden wollte. 4 Der Fremde führte Amrei an den Tisch und gab ihr zu trinken, er ließ dabei ihre Hand nicht los. Er faßte den Schweden⸗Dukaten an ihrem Halsgeschmeide und sagte:„Der hat einen guten Platz.“ 5 „Er ist auch von guten Hand,“ erwiderte Barfüßele. „Ich hab' den Anhänger geschenkt gekriegt als kleines Kind.“ „Von einem Verwandten?“ f „Nein, die Bäuerin ist nicht mit mir verwandt.“ 0 „Das Tanzen tut dit wohl, wie es scheint?“ 5 „O wie wohl! Denk' nur, man muß das ganze Jahr so viel springen, und es spielt einem niemand auf dazu. Jetzt tut das doppelt wohl.“. „Du siehst kuglig rund aus,“ sagte der Fremde scherzend, „du mußt gut im Futter stehen.“ 5 »Rasch erwiderte Amrei:„Das Futter macht's nicht aus, aber wie's einem schmeckt.“ 5 1 Der Fremde nickte, und nach einer Weile sagte er wieder halb fragend:„Du bist des Bauern Tochter von. 2 „Nein, ich dien',“ sagte Amrei und schaute ihm fest ins Auge, er aber wollte das seine niederschlagen, die Wimper zuckte, und er hielt das Auge gewaltsam auf, und dieser Kampf und Sieg des leiblichen Auges schien das Abbi dessen, was in ihm vorging; er wollte fast das Mädchen stehen lassen, doch wie im Selbsttrotze sich zwingend, sagte er: „Komm', wir wollen noch einen tanzen.“ a Er hielt ihre Hand fest, und nun begann von neuem Jubel und Lust, aber diesmal ruhiger und stetiger. Die bei⸗ den fühlten, daß die Gehobenheit in den Himmel nun wohl zu Ende sei, und wie aus diesem Gedanken heraus sagte Amrei: N a „Wir sind doch glückselig miteinander gewesen, wenn wie uns auch unser Lebtag nimmer wiedersehen, und keines weiß, wie das andere heißt.“ Gortsetzung folgt.) 1 78 auf 796 heruntergegangen sind. 1 N N iaten en. rank⸗ anden s ist das g er⸗ r 117 järker von achten zum funft⸗ nitge⸗ riahre — l 1 5 N Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Bekämpfung der Geschlechtskraukheiten. Ueber die Frage den Errichtung von tungsstellen zur Bekämpfung der Geschlechts krankheiten fand am 21. d. M. im Römer zu Frankfurt a. M. auf Anregung der Vorstände der Landesversicherungs⸗ anftalten Hessen-assau und Großh. Hessen und unter Vorsig des Herrn Geheimerat Dr. Dietz Darmstadt eine Besprech⸗ ung statt, zu der die bei Lösung dieser Frage beteiligten 5 hörden, Kassen⸗ und Aerzteorganisationen aus den Bezirken beider Versicherungsanstalten Vertreter entsandt dutten Die Versammlung war sich darin einig, daß angesichts der nicht zu verkennenden Zunahme der Zahl der Geschlechtskranken der Kampf gegen diese Krankheiten und ihre weitere Ver— breitung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln und unter weitgehender Mitwirkung aller beteiligten Stellen, durchge⸗ führt werden müsse. Als ein wirksames Mittel in dieser Beziehung werde sich aller Voraussicht nach die Errichtung von Beratungsstellen durch die Landesversicherungsanstalten erweisen, wie das Beispiel von Hamburg zeige, wo bereits eine von der Landesversicherungsanstalt der Hansastädte eingerichtete Fürsorgestelle für Geschlechtskranke mit Erfolg tätig ist; hätten sich doch auch Beratungsstellen dieser Art auf dem Gebiet der Tuberkulosebekämpfung, der Trinker und Säuglingshäuser als äußerst segensreich bewährt. Der Vorsitzende betonte hierbei ausdrücklich, daß wie hier so auch bei der Beratung von Geschlechtskranken in keiner Weise in die Behandlung selbst eingegriffen werden, daß die Tätigkeit der Beratungsstellen vielmehr in der Hauptsache in Beleh⸗ rung und Ueberwachung, sowie in der Veranlassung ärzt⸗ licher Behandlung bestehen solle. Herr Geheimerat Dr. Dietz schloß mit Dankesworten die Versammlung, die ein⸗ stimmig der Hoffnung Ausdruck gab, daß auf dem geplanten Wege das erveicht werden möge, was zur Förderung der Ge⸗ 9 unseres Volkes mit aller Tatkraft erstrebt werden muß. Bera⸗ — — Unsere Parteipresse leidet unter dem nun bald an⸗ derthalbjährigem Kriegszustand ganz erheblich. Viele Tau⸗ sende ihrer Leser sind zum Heeve eingezogen und ihr dadurch verloren gegangen. Trotz der ungünstigen Unrstände müssen unsere Genossen nach Möglichkeit dafür sorgen, daß die Lücken ausgefüllt werden. Das ist sehr wohl möglich, da immer noch viele Arbeiter zu Hause sind, die das Parteiblatt noch nicht halten und als Leser gewonnen werden können. Ist auch gegenwärtig dupch die Zensurverhältnisse die freie Aussprache behindert, darf auch manches nicht gesagt werden, was die Arbeiterschaft öffentlich ausgesprochen wissen möchte, so müssen wir doch stets die Stärkung unserer Presse im Auge behalten, die das wichtigste und wirksamste Mittel für die Verbreitung unserer Grundsätze und für Wahrung der In⸗ teressen der arbeitenden und minderbemittelten Bevölkerung. Suche deshalb jeder in seinen Bekannten⸗ und Kollegen⸗ kreisen neue Leser für die Ober hessische Volkszei⸗ tung zu gewinnen! An dieser Arbeit für unsere Sache sollen sich auch die Frauen beteiligen, die längst begriffen haben müssen, daß bessere Verhältnisse nicht von selber kommen, sondeen daß die Arbeiterschaft für eine bessere Zukunft tüchtig arbeiten muß. Und unsere Arbeit besteht darin, daß wir suchen unsere Parteibewegung zu stärben, ihr weitere Kreise zuzuführen. In keiner Zeit hat sich die Notwendigkeit dafür mehr gezeigt als gerade jetzt. Wäre z. B. in allen Kultur⸗ ländern unsere Bewegung mächtig genug— so hätten wir das greuliche Völkermorden mit seinem Elend micht, es wäre dann sicher nicht zum Kriege gekommen! Den Frauen un⸗ serer zum Kriege eingezogenen Genossen ist der Verlag der Oberhessischen Volkszeitung nach Möglichkeit entgegengekom⸗ men und hat ihnen den Bezug des Blattes erleichtert. Sie handeln im Sinne und nach dem Wunsche ihrer Männer, wenn sie es weiter halten, denn die Männer wollen nach ihrer Rückkehr wieder der Partei angehören und sie wünschen, daß unsere Sache hochgehalten und gefördert werde. Be⸗ tätigt Euch deshalb in diesem Sinne!* — Wer ist Schuld an der Fleischnot? Der„Bund der Viehhändler Deutschlands“ hat in Berlin seine Generalver⸗ sammlung abgehalten und sich bei dieser Gelegenheit über die Fleischnot ausgesprochen. Selbstverständlich lehnen es die Viehhändler ab, an dem mangelnden Viehauftrieb schuld zu sein. Sie fordern, daß der Stallpreis 18 Prozent unter dem Höchstpreis sein soll, weil sie, die an guten Verdienst ge⸗ wöhnt sind, sonst nicht auskommen können. Die Konserven⸗ fabriken wurden beschuldigt, Fleischaufkäufe in großem Maß⸗ stabe vorgenommen und dadurch die Fleischversongung der Bevölkerung geschädigt zu haben. Die Viehhändler be, haupten, daß es sich bei diesem Aufkauf zumeist um Spekula⸗ tionen im Interesse der Privatindustrie handle. Dem gen. über darf darauf hingewiesen werden, daß im Haushaltsaus⸗ schuß des Reichstags von verschiedenen Seiten ganz unwider⸗ sprochen festgestellt wurde, daß gerade die, Viehhändler ein großer Teil der Schuld an dem mangelnden Viehauftrieb auf dem Viehmarkte trifft, und es wurde auch dem Wunsche Ausdruck gegeben, die Viehhändler völlig auszuschalten. Das Vieh könnte ebensogut durch staatliche Kommissionäre, denen ein bestimmter Prozentsatz zuzubilligen wäre aufge⸗ tauft werden. Diese Feststellungen scheinen den Bund 15 Biehhändler veranlaßt zu haben, schleunigst der 0 10 keit darlegen zu wollen, daß den Viehhändlern keine Schu 8 beizumessen ist. Viel Glauben wird man damit allerdings i inden 8 6 N ae in gewöhnlichen Briefen verschichen! Bapiergeld wird bekanntlich häufig in gewöhnlichen 8 verschickt. Besonders viel geschieht dies seitdem 1 1 8 nen Darlehenskassenscheine zu 1 und 2 Mark gibt. 5 n⸗ ehörige des Feldheeres versenden vielfach Papierge 19 A hnlichen Briefen nach der Heimat, so daß sich jent das e eee r—— Kriegsmigisterlum in eiger besonderen Verfügung damit beschäftigt hat. Für den Ver lust gewöhnlicher Briefe wird keinerlei Ersatz geleistet. Die Unteroffiziere und Mann⸗ schaften sollen von Zeit zu Zeit hierauf aufmerksam gemacht werden. Sie sollen ferner darauf hingewiesen werden, daß die Uebermittelung von Geldbeträgen bis 800 Mk. nach der Heimat durch Postanweisung nicht nur kostenfrei, sondern auch sicher erfolgt. Es wird ihnen dabei empfohlen, kein Papiergeld in Briefen nach Hause zu schicken. — Gegen Ueberschätzung der gelehrten Bevufe sprach Kultusminister Dr Beck in der Zweiten Sächsischen Kammer kürzlich sehr beachtliche Worte. Es ist ein falscher Stolz der Eltern, zum Studium oft durchaus nicht befähigte Kinder durch die höheren Schulen hindurchzubringen. Bei dem starken Wettbewerb infolge des Zudranges zu den höheren Lehranstalten werden auch in Zukunft immer nur diejenigen die eine bestimmte Befähigung haben, mit wirklichem Erfolg für ihr späteres Leben durch die Hochschule gehen. Auch der Gewerbestand ist ein angesehener Stand, und er wird in sei⸗ nem Ansehen immer mehr wachsen, wenn ihm auch die Be— fähigteren wieder mehr zugeführt werden. Alles dies hat ge⸗ wiß seine Richtigkeit— bemerkt die Korrespondenz des Deut⸗ schen Lehrervereins dazu— und es wäre in Tausenden von Fällen für Kinder und Eltern ein wahrer Segen, wenn die Eltern von solchem falschen Stolz ließen; aber— helfen wer⸗ den solche Ratschläge, so gut sie auch gemeint sind, nichts oder doch nur sehr wenig. Die Schulverwaltung muß versuchen, diesem Uebelstand auf andere Weise beizukommen. Ein Auf⸗ bau unseres Schulwesens, einheitlich un d festge⸗ fügt, von der Volksschule bis zur Universität, wird die Möglichkeit schaffen, den Zustrom zu den Stätten der höhe⸗ ren Bildung, der jetzt in erster Linie vielfach durch das Vor⸗ handensein der erforderlichen Geldmittel bestimmt ist, durch den Wettbewerb die Talente und Anlagen zu regeln, sie seien begütert oder nicht. Und in diesem Wettbewerb wird mancher, der wohl die Mittel, aber nicht die ausreichende Begabung hat, dem wirklichen Talent aus den unbemittelten Schichten des Volks das Feld räumen und auf den Weg durch die höhere Schule verzichten müssen, nicht zu seinem Schaden und der Allgemeinheit zum Nutzen! Einheitliches Gesetz über den Unterstützungswohnsitz. Vom 1. Januar 1916 aber werden im ganzen deutschen Reichs⸗ gebiet die Bestimmungen über den Erwerb des Unter⸗ stützungswohnsitzes einheitlich sein. Von diesem Zeit⸗ punkt ab gilt das Unterstützungswohnsitzgesetz auch im Gebiete des Königreichs Bayern, wie es die Verordnung vom 4. April 1915 bestimmt. Bisher konnte bekanntlich ein Bayer in einem anderen Bundesstaate den Unterstützungs⸗ wohnsitz nicht erwerben, solange er bayerischer Staatsange— hörjger blieb. In manchen Bundesstaaten hing und hängt heute noch das Gemeindewahlrecht von dem nachgewiesenen Usterstützungswohnsitz ab. Hessen hat in seiner neuen Städte⸗ und Landgemeindeordnung 1911 mit diesem Rückschritt auf⸗ geräumt; in Hessen können nun auch Bayern in den Ge— meinden wählen. Mit dem Inkrafttreten der Verordnung ist ein Schritt nach vorwärts getan und ein alter Mißstand beseitigt, der durch das bayerische Reservatrecht bewirkt wurde. Feuerwerks⸗Verbot. Der stellv. Kommandierende Gene⸗ raldes 18. Armeekorps hat folgende Verordnung erlassen: Auf Grund des§ 9b des Gesetzes über den Belagerungszu⸗ stand vom 4. Juni 1851 verbiete ich den Verkauf und das Abbrennen jeglicher Art von Feuerwerkskörpern. — Die Rechte der Vermißten. Nachdem nunmehr der Krieg länger als ein Jahr dauert, erscheint es von Wichtigkeit, die Fyage einer Prüfung zu unterziehen, ob und wieweit die Angehörigen Vermißter auf Grund der Reichsversicherungsordnung Anspruch auf Zahlung einer Rente haben. Der§ 1265 der Reschs⸗ versicherungsordnung besagt auf dem Gebiete der Invalidenwer⸗ sicherung folgendes: „Die gesetzlichen Leistungen werden auch dann gewährt, wenn der Versicherte verschollen ist. Er gilt als verschollen, wenn während eines Jahres keine glaubhaften Nachrichten von ihm eim⸗ gegangen sind und die Umstände seinen Tod wahrscheinlich machen. Das Versicherungsamt kamm von den Hinterbliebenen die eides⸗ statlliche Erklärung verlangen, daß sie von dem Leben des Ver⸗ mißten keine anderen als die angezeigten Nachrichten erhalten haben.“ Hernach haben Witwen und Waisen Anspruch auf Hinter⸗ bliebenenfürsorge nach der Reichsversicherungsordnurlg, sofern der Verschollene Invalidenversicherter war, die Wartezeit aus seiner Versicherung erfüllt und die Anwartschaft aufrechterhalten hat. Für die Auszahlung der Rente ist Voraus setzung, daß, wie schon erwähnt, während eines Jahres keine glaubhaften Nachrichten von dem Verschollenen eingegangen sind, und daß die Umstände seimen Tod wahrscheinlich machen. Zwelfellos liegt dies in den Fällen vor, in denen von Vermißten kelnerlei Mitteilung an die Ange⸗ hörigen eingegangen ist und die Nachforschung zu keinem Ergebnis geführt hat. 5 75. Der Anspruch auf die Leistung ist zu erheben bei dem Ver⸗ sicherungsamt, in dessen Bezirk der Verschollene zuletzt gewohnt und beschäftigt war. Bei Stellung des Antrages sind die letzte Quittungskarte und die Aufrechnungsbescheinigungen des Ver⸗ sicherten vorzulegen. 5 5 Aus Vorstehendem geht hervor, daß bei den Versichevungs⸗ ämbern wegen Erwirkung der Rente vorstellig Ju werden ist. Es empfiehlt sich ferner, den Anspruch auf diese Leistungen auch damn anzubringen, wenn nicht bestimmt nachgewiesen werden kann, daß der Ernährer verstorben ist, weil nach den gesetzlichen. Bestimmumgen der Anspruch auf Witwengeld verfällt, wenn er nicht innerhalb eines Jahres nach dem Tode des Versicherten angebracht wird. Auch dürfte es zweckmäßig sein, die Frist von einem Jahre nicht erst abzuwarten, sondern die Ansprüche möglichst schon nach Ablauf von 9 bis 10 Monaten nach Eingang der letztem Nachrichten geltend zu machen. 0 — Brot mit Holzmehl! Was in jetziger Zeit für unverschämte Nahrungsmittelfälschungen getrieben werden, dafür lieferte eine Gerichtsverhandlung in Dresden einen Beweis. Dort hatte sich der Bäckermeister Franz aus Klotzsche bei Dresden zu verant⸗ worten, der im Oktober dleses Jahres gemahlenes Holz ins Brot verbacken hatte. Um diese Zeit erstattete ein Mann beim Gemeindevorstand Anzeige, daß das bei Franz gekaufte Brot dumpfig und kienig schmecke. Er konnte das Brot nicht essen und wollte eigentlich nur wieder in Besitz seiner Brotmarke kommen. Der Gemeindevorstand nahm sogleich eine Revision im Geschäft des Franz vor und da wurde noch eine Anzahl solcher Brote be⸗ schlagnahmt. Mau sandte sofort eins an die Zentralstelle für Ge⸗ sundheitspflege. Bel der chemischen Untersuchung wurde in dem Brote ein ganz bedeutender Prozentsatz von Holzmehl festgestellt. Nun nahm man nochmals eine Revision in dem Franz'schen Ge⸗ schüft vor. Man fand noch 29 solcher Brote sowie 6 Stick Albuminbrote, die nur für Zucker⸗ und Magenkranke gebacken 2——ů—— werden. F. war es ausdrücklich verbolen, derartige Brote zu backen. Er hat auch diesen Broten Holzmehl zugesetzt. Das Franz'sche Geschäft wurde an diesem Tage polizeilich ge⸗ schlossen und ist bis heute noch nicht wieder geöffnet. F. hot schon eine ganze Reihe Strasen wegen Gewerbevergehen, darunker allein vier wegen zu leicht befundener Brote, bezahlt. Der Zusatz von Holzmehl betrug 10— 15 Prozent. Sachverständiger Dr. med. Oppe führte aus, daß mit dem Holzmehl dem Magen unver⸗ dauliches Zeug einverleibt wird, was Beschwerden hervorruft und eine Verschwendung der Magen- und Verdauungssäfte herbeiführt. Desgleichen sind die Harzteile im Holzmehl direkt schädlich.— Obermeister Kuntzsch sprach sich zunächst über das Mindergewicht des altbackenen Brotes aus: solche Differenzen schilderte er als un⸗ ausbleiblich. Derartige Zusätze, wie sie der Angeklagte ver⸗ wendet habe, sind vom Standpunkte des Fachmannes auf das schärfste zu bekämpfen, und er selbst kann sie gar nicht begreifen. Das Gericht exkannte auf 2 Monate Gefängnis und 500 Mt. Geldstrafe oder weitere 50 Tage Gefängnis sowie Bekannt⸗ machung des Urteils in vier Dresdener Blättern. Die Strafe ist gewiß als milde zu bezeichnen. — Feierabendstunde für Wirtschaften. Für die Silvester⸗ nacht, am 31. Dezember, ist die Feierabendstunde vom Polizeiamt Gießen auf 2 Uhr festgesetzt worden. An beiden Weihnachtstagen durften die Wirtschaften bis 1 Uhr offen halten. Die betreffende Bekanntmachung kam erst am 24. Dezember heraus, so daß wir sie im Blatte vor den Feiertagen nicht mehr bringen konnten. — Stadttheater. Nochmals sei darauf hingewiesen, daß die 9. Dienstags-⸗Abonnements⸗Vorstellung ausnahmsweise auf einen anderen Wochentag und zwar auf Mittwoch den 29. Dezember verlegt werden mußte. Das zur Aufführung gelangende neue Werk von Anton Wildgans, das Trauerspiel„Armut“, hat bei der Erstaufführung am Wiener Volkstheater tiefen Eindruck ge⸗ macht und wird hier in einer durch Direktor Steingoetter wohl⸗ vorbereiteten Vorstellung geboten werden, in der die Hauptrollen verkörpert werden durch die Damen Schild, Frenzel, sowie die Herren Steinhofer, Dworkowski, Steingoetter, Conradi, Stettner, Theiling und Strom. 1 5 — Heuchelheim. Unser Arbeiter⸗ Bildungsverein hält nächsten Freitag abend im Lokale von August Rinn eine Zu⸗ sammenkunft ab, zu der sich alle Mitglieder, die noch zu Hause sind, einfinden wollen. Es sind Vereinsangelegenheiten zu besprechen und außerdem sollen Mitttellungem einiger Genossen aus dem* 5 bebannt gegeben werden. Da wir jetzt so selten Mitgliederver⸗ sammlungen abhalten können, darf wohl erwartet werden, daß allo zu dieser erscheimen. — In Bersrod wurde am Freitag abend durch den starken Regen eine Ueberschwemmung des tiefer gelegenen Teiles dos Dorfes herbeigeführt. Wahre Ströme ergossen sich üben die Wege und in viele Keller dvang das Wasser.„ Kreis Alsfeld⸗Lauterbach. In Lauterbach ertrank am Abend vor Weihnachten ein 70jähriger Mann in der hochgehenden Lauter, im die er wahrschein⸗ lich durch den Stumm hineingeschleudert wurde, als er auf dem Wege war, sich zu seinem verheirateten Sohne zu begeben. Die Leiche ist jedenfalls durch das Hochwasser fortgetrieben worden. 3 Kreis Wetzlar. — Petroleumkarten für den Kreis Wetzlar. Der Landval des Kreises Wetzlar gibt bebannt, daß ab 1. Januar 1916 Petroleum⸗ karten im Kreise eingeführt und von den Blürgermeistorn ausge⸗ geben werden. Diese Karten gelten für die Dauer eines Viertel⸗ jahves mit Abschnitten für eimem halben Liter pro Woche und Haus⸗ haltungen, die kein Gas oder elektrisches Licht zur Verfügung haben Launsbach. Wieder fiel einer unserer Genossen im Kriege. Hermann Rolshausen wurde von einer Granate getötet. Ey Hintewläßt sieben unmündige Kimder. Von Nah und Fern. Betrügereien bei Militärlieferungen. Vor der Darm⸗ städter Strafkammer wurde vor den Feiertagen ein umfang⸗ reicher Prozeß verhandelt gegen den 27 Jahre alten Kauf mam Adolf Grünebaum, den 34 Jahre alten Schreinergehilfen Max Grlinebaum und deren Schwager, den Generalagenten Karl Leopold Bodenheimer, die sich wegen vollendeten und versuchten Betrugs, Urkundenfälschung und der Beihilfe hierzu zu verantworten Hatten. Adolf Grlinebaum betrelbt seit 1914 in Offenbach eine Leder⸗ haltung und bei Ausbruch des Krieges traten die beiden anderen Angeklagten ins Geschäft ein, wobei Bodenheimer hauptsächlich in der Abteilung für Militärausrüstungsstücke tätig war. Als sich die Offenbacher Lederfabriken nach und nach darauf verlegten, Militärgegenstände anzufertigen, entstand große Nachfrage narh Leder und Adolf Gr. machte als Zwischenhändler der Dautsch⸗ Amerikanischen Lederwerke bedeutende Abschlüsse. Es ist ihm zur Last gelegt, bei diesen Lieferungen seine Abnehmer durch falsches Messen und Wiegen und minderwertige Ware betrogen zu haben. Von Herbst 1914 bis Sommer 1915 setzte Gr. drei Millionem Mark um, der außerveelle Gewinn soll sich nach Aussagen eines Sach⸗ verständigen auf 10—20 000 Mark erstrecken. Max Grünebaum und Leopold Bodenheimer wunden freigesprochen, Adolf Grüne⸗ baum zu einer Gefängmisstvase von 2 Jahren abzüglich 4 Monaten Untersuchungshaft und zu 2000 Mark Geldstrafe verurteilt. Hochwasser wird von vielen deutschen Flüssen gemeldet. Ju Koblenz stieg der Rhein gestern bis auf 5,8 Meter, sodaß die Schiffsbrücken bedeutend verlängert werden mußten. Auch der ei der Mosel ist so hoch, daß die Schiffahrt eingestellt wer⸗ em mußte. dugelkeigt ie grüsen Hanptnufien Sprengungen im Westen. W. B. Großes Hauptquartier, 27. Dez. vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Ein von den Franzosen nordöstlich von Neuville vor un⸗ sarer Stellung gesprengtche Trichter ist von unß besetzt. Eine feindliche Sprengung alif der Combreshöhe richtete nur ge⸗ ringe Beschädigung an.* Sonst keine Eraignisse von Bedeartung. Oestlicher und Balkankriegsschauplatz. Nichts Neues! Oberste Heeresleistung. 9 2 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Wien, 2. Dez.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart. Den 27. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Tätigkeit der italienischen Artillerie gegen die Tiroler Südfront war gestern wieder lebhafter. Bei einem Gefechte, das auf den östlichen Begleithöhen des Etsch⸗Tales südlich Rovereto stattfand, verlor der Gegner 200 Mann an Toten und Verwundeten. An der Isonzo⸗Front vereinzeltes Geschützfeuer. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. In Bjelopolje wurden bisher an Beute 5400 Handfeuerwaffen eingebracht. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Vor der Enischelbungeschlacht? Budapest, 27. Dez. Nach einer Meldung des Est aus Salonik wollen die Ententetruppen die entscheidende Schlacht gegen die Zentralmächte auf den Höhen von Kilkitsch, 40 Kilo— eter nördlich von Salonik neben der Bahnlinie Salonik⸗ 1 Doiran schlagen. Auf den Höhen von Kilkitsch, Langada ee Wortiads wurden bedeutende englisch⸗französische] d Truppenmassen zusammengezogen. 8 Die Lage in Saloniki. T. U. Sofia, 27. Dez. Die Eisenbahnverbindungen zwischen Bul⸗ 1 garien und Griechenland sind unterbrochen; auch der Post⸗ und ö 8 elegraphenverlehr befindet sich schon seit längerer Zeit in eng⸗ Llischen Händen. Mit dem letzten Zuge aus zählen, daß in Saloniki der fro Ape 9 Sarrail 10 0 15 Herr sei. Zwischen ihm und dem gricchischen Oberst Pallis sei es des öfteren zu Differenzen gekommen. In Coloniti selbst nimmt das Elend 8 mehr zu. Die ö zeisten Lebensmittel sind a. N eine angen, die Preise 7 l be. Die Lage obendrein durch die Ankunft her Flüchtlinge erschwert, obwohl man, wie bereits gemeldet, mit 3525 Abtran— ort nach Italien begonnen hat. Die Befestigung Saloniks— ein Bluff? Ein bewährter Balkankenner schreibt im Berner Tag⸗ blatt: Die Reutermeldung, Salonik sei in eine wahre Festung verwandelt worden, sei ein Bluff, durch den wohl kein Bul⸗ gare sich abschrecken ließe, den Wardar. Salonik könne in sechs bis acht Wochen nie und nimme in eine„Festung“ umgewandelt werden. Das flache sumpfige Mündungsgebiet des Wardar würde unge⸗ 4 5 Trockenlegungen usw. nötig machen, die sich kaum in ein bis zwei Jahren durchführen ließen. Die Hafe anlagen böten der kämpfenden Flotte keinen Schutz. Die Einwohner von Salonik haßten die englisch-französischen Eindringlinge und erwarteten nichts sehnlicher als den baldigen Einmarsch der Bulgaren und ihrer deutschen Freunde. * Sie sichern ihren Rückzug? Wien, 27. Dez. Nach Berichten einer hochgestellten Per— sönlichkeit, die bis zum 22. Dezember in Salonik weilte, legten die Fran zo sen eine breite Verteidigungs- linie von Topiien nach Orfano, wohin sie Vorräte aller Ark schaffen. Nach der Aulage der Vefestigung zu urteilen ichern sich die Ententetruppen den Rückzug nicht nur nach Salonik, sondern nach der ganzen Chal— kidike⸗Halbinsel. An den drei Südspitzen vor Chalkidite wurden von den Engländern Zrücken ge— schlagen, die den eventuell zurückflutenden Truppen die Flucht auf bereitstehende Schiffe erleichtern sollen. Vor Sglonik liegen zehn bis en Ktiegsschiffe.(Frankf. Ztg.) 1 0 Die Haltung Griechenlands. 1 Wien, 27. Dez. Radoslawow erklärte einem hervor— ragenden Politiker, daß das griechische Kabinett nach In⸗ formationen der bulgarischen Regierung eine Landung von t in Kawalla nicht zu⸗ 1 Iassen werde. Diesen Beschluß hätte die griechische Regie— 0 rung der Enter e in Athen mitgeteilt. 10 Laut einer Meldung des Athener Spezialkorrespon— denten des Petit Journal untersagte die griechische Regie⸗ rung die Ausfuhr von Lebensmitteln nach Sa— Monik. Die französische Presse erklärt, das Ausfuhrver⸗ bot sei eine bedauernswerte Maßnhme, die die Zivilbevöl— kerung und die Soldaten belästige und beweise, daß die Un⸗ gnnehmlichkeiten, denen die Verbündeten andauernd von der 0* Verwaltung ausgesetzt sind, noch nicht beendet eien. 2 Nussischer Truppenabschub nach Odessa. Auf dem russischen Kriegsschauplatz ist, nachdem ein in der ketzten Tagen vom Feinde unternommener heftiger Durchbruchs⸗ verfuch an ber Bukowinger Grenze mißglückt ist, eine Zurück⸗ ziehung ber in Sübbessarabien angehäuften russischen Truppen nach Odessa zu verzeichnen, wohin auch die Munitionsdepots von Reni gebracht wurden. türkiiche Tage⸗„cn. verband die Zahlungen in RNewyork oder Tokkr Ter kürt ne e 5 siatt wie früher selbstverständlich in London zu verlangen, von 5 e nopel, 27. D(W. S0 Das Hauptquartier ie et an um so strenger durchgeführt werden. Unser Torpedo. teilt mit: Die Krieger des Scheiks der Senussen setzen schuß hat das Londoner Wirtschaftsleben an der verwund. in mehrer ren Kolonnen ihre Angriffe gegen die Eug⸗ barsten Stelle getroffen. 20 85 länder mit Erfolg fort. Die Gegend von Si va ist vvll⸗ 1 von den Engländern gesäubert. Die Kolonne, die an eee Fie 5 r Küste vorrückt, griff die Ortschaft. f 8. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. ich von Solum) an. Im Kampfe wurden der Kommandan von Matruh und 300 englische Soldaten getötet, Vereinskalender. der Rest der Feinde floh gegen Osten. Die muselmanischen Giebel Gew 25 5 7215 ede 9 Ur Sitzung Krieger er b. bei Solum und Matruh von den im Gewerkschastshause. Die Vorstände der Gewerkschafben wollen Engländern zwei Feldkanonen und eine Menge Ar⸗(sich dazu einfinden. tilleriemunition, dei zehn Automobile, wovon drei ge. Frei tag 3 1. Dezember.. „ panzert sind, und eine Menge Kriegsmaterial. Heuchelheim. Arbester⸗ Bildungsverein. Abends * 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Wirt Aug. Rinn. Alle erscheinen! 57„ 1 2 5 of 24 5 An der Dardanellenfront zwang in der Nacht vom 24. Be ch zum 25. Dezember unsere Artillerie ein Torpedoboot, das!“ ekanntma ung 4 1. e 1 e 1 1 N 1 Die Auszahlung der Familienunterstützungen für 1. bis 15. die Land telle bei Ari Burnn beschoß, sich zu entfernen. Bet Janmar an die Angehörigen der zum Heeresdienst Hinder ene Sedd⸗sil⸗Bahr warf der Feind eine ziemlich große Menge! findet statt: von Bomben und Lufttorpedos. Unsere Artillerie zerstörte 20 8 a) deict zun ee 5 Minenwe 8 bede S 1 An diejenigen, deren Namen beginnen mi . Min. 1 45 eee e be 11 1 5 21 Mittwoch, den 29. Dezember 1915 in der ersten und zweiten Linie der feind ichen Se hützen⸗ E Donnerstag, ben 30. Dezember 1515, gräben. Unsere Artillerie warf viermal einen feind⸗ 5„Freitag, den 31. Dezember 1915. 1 Kreuzer, der verschiedene Male Altschi Tepe b) Städtische Unterstützung(Mietszuschuß). und Umgebung beschoß. Unsere Meerengen batterien AN„Montag, den 3. Jauuar 1916, I Dienstag, den 4. Januar 1916, beschossen wirkfam die Landestellen von Sedd⸗ül⸗ 5 82 Mittwoch. Janwer 1916 Vahr und die Versammlungsplätze der Truppen bei Morto 0 An Vermieter, die Mielbeträge abholen. Liman, sowie die feindlichen Schützengräben in der Umgebung Donnerstag 6. Januar 1916. von Kere Visdere, die Reservetruppen westlich von Eski und Die Auszahlungen 1 8 n 8—1 Uhr vormittags im Stadt⸗ ier id eine S genb Sie richteten merk haus Zimmer Nr, 7 statt. Hissarlik und eine Haubitz„„ 1 Die Unterstützungen dürfen nur an den vorgenannten Tagen baren Schaden an und versenkten zwei gepanzerte Boote bei aogeholt werden. Morto Liman. Am 25. mber führte eines unserer Gießen, den 22. Dezember 1915. Wasserflugzeuge erfolgreiche Erkundungsflüge über Tenedos, Der Oberbürgermeister. die Insel Mavro und die feindlichen Stellungen bei Sedd⸗ 5. Keller. ül⸗Bahr aus und traf ein Torpedoboot südlich von Sedd⸗ül⸗ Verstorbene. Ferdinaud Link, Schutzmann in Gießen. Ber effffrelender Tällerer Jahreszeit halte ich meine Are Bahr mit einer Bombe. Sonst nichts von Bedeutung. Teilung der Verwaltung in Ru s sich⸗Polen. and und Oesterxeich-Ungarn ist eine n worden iiber die Verwa lang der be⸗ Die österreichische Presse nbaru 115 und bemerkt dazu, daß da⸗ nandersetzung auf Grund des Stiedens judiz geschaffen worden sei. Die Abgrenzung ist wie folgt getroffen: Die Südgrenze des alten Gouvernements Siedlce bil⸗ det die Grenze der beiderseitigen Verwaltungsgebiete zwi⸗ schen Weichsel und Bug. Die betriebliche Abgrenzung der Eisenbahnen zwischen Weichsel und Bug ist bereits durch unmittelbare Vereinba⸗ gen zw ischen f den Chef des Feldtransportwesens und dem 1 2 2——— run deutschen Chef des Feldeisenbahnwesens erfolgt. 4 Die Verwaltung des Weichselstromes von Iwangorod⸗ 1 I rug, ie en Pilicamündung wird in strom⸗, sanitäts⸗ und sicherheits⸗ polizeilicher Hinsicht der deutschen Heeresverwaltung zuge⸗ e standen, ohne das Recht der Schiffahrt für die österreichisch⸗ l. ungarische Heeresverwaltung auszuschließen. Zigarren⸗ Spe ta Geschäft Ein schwerer Schlag für England. seine aus rein überseeischen Kalaten ergestelten Fabrikate besten! Zur Torpedierung des„Pasaka Mar Abarten l. 1 5 Kal L. Shuupftabake Zum Untergang des Dampfers„Jasaka Maru“ wird der Kölnischen Zeitung mitgeteilt: Für die englische Geldpolitik r ist die Verseukung des Postdampfers„Nasaka Maru“ im„ feinecke Frau Jiasgal. Mittelländischen Meere ein schwerer Schlag. Die japanische Fahnen Hannover 1 Finauzkonferenz im Dezember hatte beschlossen, von den reins- Bedarfsartikel. Dir.: Hermann Steingoetter. großen Regierungsguthaben zunächst 40 Millionen Gold aus.— 2... mmiuwoch, den 29. Dezember, London zurückzuziehen trotz Transportwagnisses und Bundes⸗ abends 8 uhr Zwischen Deut Wa getro genossenschaft, weil das Gold in Japan für den amerikanischen 9. Dienstags⸗Abonn.⸗Vorstellung Verkehr dringlich gebraucht würde. Mit Rücksicht auf die * 7 2. Unterseeboote wurde die Sendung auf mehrere Postdampfer Rheumatis 5 Armut. verteilt. Einer davon ist jetzt also untergegangen. Nicht nur, mus, Ischias u. Gicht können] Ein Trauerspiel in 5 Akten vou daß die britischen Versicherer für den Verlust aufzukommen] Tue selbst bekämpfen. Ich will Anton Wildgans. haben. Die Bank von England muß diese Millionen an Gold nichts verkanfen. Für Aus- Ende gegen 10½ Uhr. zum zweiten Male! hergeben. Vor allem aber wird der älteref Kkuntt Freimarke beifügen. Gewöhnliche Preise(ermäßigt) Beschluß d der japauischen Regierung, wegen der gefährlichen Brandt, Kriegschulbeamter a, D. Sofdcten vom Feldwebel abwärt⸗ Verbindung mit London bei allen Lieferungen für den Drei⸗] Halle a. S. 438, Jakobstr. 44. 1— dur Halbe eile zu verkehren, ist Pflicht eines jeden organisierten Arbeiters. Durch den Besuch desdtewerkschaftshauses un terstützt der Arbeiter sein eig. Heim Ia Speisen u. Cetränke. Billig. Logis Aicpr gender Ash und allen Preislagen empfiehlt auch für Wiederverkäufer erlesgete Jogging Bahnhofstrasse 23. Poli